Ultra-Bewegung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Ultrà-Bewegung)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Ultra-Bewegung bezeichnet ursprünglich eine besondere Organisationsform für fanatische Anhänger einer Fußballmannschaft. Mittlerweile gibt es aber auch in anderen Sportarten Ultra-Gruppen. In der Regel fühlen sie sich als Kern der jeweiligen Fanschar. Die meisten Ultra-Gruppen haben Vertreter, die im Namen der Gruppe mit dem unterstützten Verein kommunizieren, zum Beispiel um Lagerräume für Fahnen oder Eintrittskarten für Auswärtsspiele zu organisieren.

Bei den Ultras handelt es sich um eine heterogene Bewegung. Es gibt große nationale Unterschiede und auch zwischen den jeweiligen Szenen unterscheiden sie sich teils hinsichtlich der Altersstruktur, der Art des Supports, der politischen Überzeugungen und der Akzeptanz von Gewalt.[1][2][3] Für internationales Aufsehen sorgte die Beteiligung von Ultras am Arabischen Frühling und bei den Protesten in der Türkei 2013.[1][4]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ultra-Bewegung hat ihre Wurzeln im Italien der frühen 1950er und 1960er, als sich erstmals „Fußballverrückte“ in Gruppen zusammenschlossen, um ihre jeweiligen Lieblingsmannschaften gemeinsam organisiert zu unterstützen. Der Name der Bewegung geht angeblich auf eine italienische Zeitung zurück, die Anhänger des AC Torino als „Ultra“ bezeichnete, als diese nach einer 2:3-Niederlage einen Schiedsrichter bis zum Flughafen verfolgten. Ultra ist ein lateinisches Wort und bedeutet auf Deutsch darüber hinaus.

Wo und wann genau die erste Ultra-Gruppierung in Erscheinung getreten ist, lässt sich nicht sicher feststellen. Die Ultras Fedelissimi Granata (gegründet 1951) aus Turin und Ultras Sant Alberto aus Genua zählen zu den ersten Ultras in Italien. Graffiti von Ultra-Gruppierungen an Genuas Hauswänden aus dem Jahr 1968 sind ein Beleg für das Ent- und Bestehen der Ultra-Bewegung.[5]

In den Anfangsjahren waren es nur relativ wenige Jugendliche und Erwachsene, die sich durch Balkenschals, Trommeln, Choreografien, Feuerwerke und gemeinsam organisierte Auswärtsfahrten von den anderen Tifosi unterschieden. Die Bewegung breitete sich rasch aus; in weiten Teilen Europas bildeten sich derartige Gruppierungen.

Struktur und Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Ultras handelt es sich um fanatische Anhänger, deren Ziel es ist, ihren Verein „immer und überall bestmöglich zu unterstützen“.

Neben der akustischen Unterstützung, die sehr häufig von einem sogenannten Capo (von italienisch il capo für Haupt oder Anführer) mittels Megafon koordiniert und durch Trommeln begleitet wird, legen Ultras auch viel Wert auf optische Hilfsmittel wie z. B. Konfettiregen, bengalische Feuer und Fahnenmeere. Außerdem kreieren, finanzieren und organisieren die Ultras farbige Choreographien. Bei diesen Choreographien bereiten die Ultras Materialien vor, die zu Spielbeginn an alle Zuschauer (auch Nicht-Ultras) eines Stadionbereiches ausgegeben werden und die durch gleichzeitiges Hochhalten z. B. ein großflächiges Vereinswappen ergeben. Oft werden auch Überrollfahnen oder Wurfrollen verwendet. Unterstützung durch Sponsoren oder Vereine wird strikt abgelehnt. Ultras finanzieren sich meist durch eigene Mitgliedsbeiträge und durch den Verkauf von selbst kreierten Fan-Artikeln.

Ultras stehen der Vereinsführung in der Regel kritischer gegenüber als andere Fans. Für sie stehen Themen wie der Erhalt der Fan-Kultur und der Identität oft im Konflikt zu Entscheidungen der Verantwortlichen der Vereine, die die Ultras als wirtschaftlich motiviert bewertet bzw. als „Kommerzialisierung des Sports“ kritisieren.

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Protest gegen das als Willkür und „Repression“ empfundene Vorgehen von Polizei und Ordnern gegen Fußballfans aller Couleur, oftmals mit Sprechchören wie z. B. „All Cops Are Bastards – A.C.A.B.!“ oder in Deutschland mit „Fußballfans sind keine Verbrecher“. Besonders bei diesem Thema gibt es einen großen Zusammenhalt zwischen Ultra-Gruppierungen eigentlich rivalisierender Vereine. So bekundeten im Frühjahr 2008 mehrere Gruppen ihre Solidarität mit den Ultras Gelsenkirchen. Einige Spieltage zuvor waren bei einem Großeinsatz der Polizei an einem Fan-Treffpunkt der Schalker die Daten von 190 Personen aufgenommen worden.[6] Protestaktionen richten sich auch gegen die den Ultras zufolge oft ungerechtfertigten Stadionverbote.

Bei politischen Konflikten haben Ultra-Gruppen Stellung bezogen. So beteiligten sich die Ultras Al-Ahlawy des ägyptischen Vereins al Ahly Kairo, die Ultras White Knights von Zamalek SC und andere Ultra-Gruppen an der Revolution in Ägypten 2011.[1][4][7] Sie traten als Verteidigung der Aufständischen des Tahrir-Platz gegenüber der Polizei auf. Darüber hinaus beteiligten sie sich auch an der Aufrechterhaltung der Infrastruktur der besetzten Plätze und an zahllosen Graffiti.[1][8] Im Februar 2012 wurden Fans und die Ultras Al-Ahlawy nach einem Fußballspiel angegriffen, was zu vielen Toten führte. Es wird vermutet, dass dieser Angriff von Revolutionsgegnern gesteuert wurde.[4][9][10]

An den Protesten auf dem Taksim-Platz in Istanbul beteiligten sich Ultra-Gruppierungen der Vereine Fenerbahçe Istanbul, Galatasaray Istanbul und Beşiktaş Istanbul.[4][11][12][13]

In der Ukraine waren im Rahmen der Euromaidan-Proteste Ultra-Gruppierungen verschiedener Vereine der Premjer-Liha an den (zum Teil gewalttätigen) Aktionen aktiv beteiligt.[14][15][16]

Viele Ultra-Gruppierungen pflegen Freundschaften zu Gruppierungen anderer Vereine und unterstützen sich oft gegenseitig.

Abgrenzung zu Hooligans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ultras Hapoel Tel Aviv

Während bei Hooligans die gewalttätige Auseinandersetzung mit anderen Gruppen im Vordergrund steht und Fußballspiele nur einen Anlass dazu bieten, steht bei Ultras der Sport im Vordergrund; allerdings sind bei manchen Ultra-Gruppierungen Schlägereien und Krawalle ein akzeptiertes Mittel der Durchsetzung von Faninteressen und der Auseinandersetzung mit gegnerischen Fan-Gruppen. Aus diesem Grund werden die Ultras in Medien und öffentlicher Wahrnehmung oft mit 'Hooligans' bzw. mit Gewaltbereitschaft assoziiert. Ein großer Teil der deutschen Ultraszene betont jedoch, dass man sich nicht als 'Gewalt suchend' definiere. Allerdings setze man sich bei körperlichen Übergriffen auf die eigene Gruppe entsprechend zur Wehr. Viele Ultragruppierungen in Deutschland beklagen auch, dass die Polizei zunehmend versuche ihnen ein Stigma der Gewaltbereitschaft anzuheften, da diese nach dem Zerfall der klassischen Hooliganszene nun ein neues Betätigungsfeld im Rahmen von Fußballspielen brauche.[17]

Das Stehlen von gegnerischen Fanutensilien, insbesondere von Schals und Fahnen, kann Schlägereien auslösen. Die Zaunfahne ist bei vielen Gruppen das Herzstück; sie repräsentiert die jeweilige Gruppe und zeigt die Präsenz, ein Verlust stellt somit eine symbolische Niederlage dar.

Ultras und Hooligans gemeinsam ist die Betonung des Gruppenzusammenhalts, der über die Veranstaltungen hinaus auch ins Privatleben reicht.

Ähnliche Subkulturen (Barra Brava und Torcida)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Argentinien entstanden die Barra Bravas und in Brasilien die Torcidas unabhängig von der aus Italien stammenden Ultra-Bewegung.

Die Barra Bravas entstanden 1958 mit der Barra La Guardia Imperial von Racing Club. Schnell entstanden in ganz Argentinien Nachahmer dieser Barra.

Die Barras haben besonders in Argentinien eine nahezu totale Kontrolle über die Vereinspolitik und verdienen unter anderem bei Spielertransfers jedes Jahr hunderttausende Euro. Auch durch Geldwäsche und Drogenhandel, welcher durch die Korruption im Polizei- und Staatsapperat unterstützt wird.[18]

Über die Jahre entstanden in ganz Südamerika (Außer dem Großteil von Brasilien) und in Mittelamerika Barra Bravas, auch wenn diese die Bedeutung der Argentinischen Barras nicht erreichen.

Die Torcidas in Brasilien entstanden in den 1920er und 1930er Jahren und verbreiteten sich anschließend in ganz Brasilien.

Die Torcidas zeichnet anders als europäische Ultragruppen aus, dass sie nahezu jeden jedes Alters, jedes Geschlecht, jeder Hautfarbe aufnimmt und so viele Gruppen mehr als 20.000 (z.T. sogar 50.000) Mitglieder haben. Die Mitglieder identifizieren sich häufig stärker mit der Torcida als mit der Fankurve, die sie sich z.T. mit andern Torcidas teilen, mit welchen sie sogar zum Teil verfeindet sind. Aufgrund dessen singt häufig jede Torcida für sich seine Fanlieder.[19]

Viele Torcidagruppen stellen auch eigene Samba-Schulen für den lokalen Karneval.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik innerhalb der Fußballfanszene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Kritikpunkt an den Ultras ist, dass durch die vorgegebenen Gesänge des „Capos“ die Spontanität, also der Bezug zum aktuellen Spielgeschehen, verloren geht. Dieser Aspekt und jener, dass Ultras eher Gesängen als kurzen Schlachtrufen zugeneigt sind, führe nicht zum gewollten „Pushing“ der eigenen Mannschaft.

In vielen Fanszenen spielen die Ultras allein schon deswegen eine dominante Rolle, weil es keine weiteren Gruppierungen gibt, die ihnen ihren Status streitig machen könnten. Das daraus resultierende Missverständnis, die Ultras hätten einen Alleinvertretungsanspruch der Kurve und Befehlsgewalt über den Fanblock, führt immer wieder zu Konflikten zwischen Ultras und unorganisierten Fans. So kommt es gelegentlich auch zu Auseinandersetzungen innerhalb einer Kurve. Auslöser dafür sind oft Rufe von Personen, die verlangen, dass die Ultras z. B. die Fahnen am Boden halten sollen (da diese die Sicht versperren).

Der Vorwurf von Gewalttätigkeit und unerlaubter Pyrotechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ultras stehen auch in der Kritik wegen körperlicher Angriffe, des Diebstahls von Fanmaterial wie Fahnen oder Schals oder der Einschüchterung von Nicht-Ultras. Daneben ernten Ultras auch Kritik für das Abbrennen von Pyrotechnik (Feuerwerkskörper, bengalische Feuer etc.), das in Deutschland wegen der Gefahr für unbeteiligte Umstehende verboten ist und entsprechend verfolgt wird. Es kommt jedoch vor, dass Feuerwerkskörper von „normalen“ Fans gezündet werden, welche keine Verbindung zur Ultra-Bewegung haben, dies jedoch der Gruppierung zugerechnet wird.

Verbreitung in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Choreographie der Curva Nord von Inter Mailand

Die mitgliederstärksten Jahre der italienischen Ultra-Bewegung waren die 80er-Jahre. So zählte z. B. die Gruppierung Drughi Bianconeri (Juventus Turin) zwischenzeitlich mehr als 10.000 Mitglieder. Aber auch heute noch gibt es einige Gruppen, die mehr als 10.000 Mitglieder haben. Einige wichtige Gruppen sind: Irriducibili Lazio, Ultras Granata, Brigate rossonere Milan, Brescia MU 1911, Curva Nord Bergamo. Die berühmtesten Gruppierungen, die die italienische Ultra-Mentalität geprägt haben, haben sich wegen der andauernden Repression seitens der Lega-Calcio und der Polizei aufgelöst; hierbei sind anzuführen: Brigate Gialloblu 71 Verona, Bna Atalanta, Commando Ultras Napoli, Verona Front, Collettivo Autonomo Viola.[20] Einen Wendepunkt der Bewegung markiert das Jahr 2007 als die Toten Filippo Raciti (Polizist) und Gabriele Sandri (Lazio-Fan) zum Anlass genommen wurden, die Repression weiter zu verschärfen, Pyrotechnik und Megaphone zu verbieten, nur noch autorisierte Spruchbanner im Stadion zuzulassen und die Fankarte „Tessera del Tifoso“ für Auswärts- und Dauerkarten zur Pflicht zu machen.[21]

Auf Grund der sehr hohen Mitgliederzahlen einiger Gruppen haben diese aber oft einen großen Einfluss auf die Vereinspolitik. So durfte z. B. die mittlerweile aufgelöste Fossa dei Leoni entscheiden, was von wem in ihrer Fankurve verkauft werden darf. Allein wegen dieser vereinspolitischen Macht verschrieben sich einzelne Gruppen auch einer bestimmten politischen Richtung. So gibt es rechtsextreme Fan-Gruppen wie die Irriducibili Lazio, rechtsoffene wie die Skins (mittlerweile aufgelöst) oder die Viking Inter[22], aber auch neutrale oder linksextreme wie die mittlerweile aufgelöste Brigate Autonome Livornesi[23] des AS Livorno Calcio. Heute sind mehr als 445 registrierte Ultra-Gruppen mit mehr als 74.000 Mitgliedern bekannt.[24]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Choreographie des Commando Ultra 84, Ultra-Gruppierung von Olympique Marseille

Begünstigt durch die Nähe zu Italien entwickelte sich in den 80er Jahren besonders im südlichen Frankreich ebenfalls eine Ultra-Szene. Die ersten Gruppen bildeten sich in Marseille, nämlich das 'Commando Ultra 84[25] und die 'South Winners 87'[26]. Beide Gruppen sind heute noch aktiv[27] und gehören in der Szene zu den kreativsten und meistgeachteten Gruppen. Darüber hinaus sind sie für ihre antifaschistische und antirassistische Grundeinstellung bekannt.

Im Laufe der Jahre bildeten sich weitere Ultragruppen in Marseille; die "Yankee Nord 1987" [28], "Fanatiks 1988"[29], "Dodgers 1992"[30] & die "Marseille Trop Pussiant 1994[31]". Jede einzelne Gruppe hat mehrere Tausend Mitglieder.

Die einzelnen Ultra-Gruppen haben feste Plätze in den beiden Fankurven und bekommen seitens des Vereins das Recht die Karten für ihren jeweiligen Bereich und einen mit dem Verein vereinbarten Aufschlag zu verkaufen. Mit dem Aufschlag finanzieren die Ultras in Marseille die Choreographien und die Auswärtsfahrten.[32]

In Saint-Étienne bildete sich mit den Gruppen "Magic Fans 1991" und "Green Angels 1992" eine große Ultra-Szene, die sich genauso wie in Paris, Lyon und Marseille auf zwei Fankurven verteilt und zu den größten und kreativsten des Landes zählen.[33][34]

In Lyon ist die Gruppe "Bad Gones 1987"[35] auf der Virage Nord aktiv und zählt zu den bekanntesten Ultragruppen des Landes. Auf der anderen Seite des Stadions stehen die "Lyon 1950"[36]

In Nantes existiert die Gruppe "Brigade Loire 1999", welche ebenfalls als sehr bedeutend in der französischen Fanszene gilt.

In Bordeaux existieren die "Ultramarines Bordeaux 1987"[37], welche sehr bekannt für ihre politisch linke Einstellung sind.

In Paris bildete sich mit den Boulogne Boys[38] auf dem "Kop de Boulogne" im Jahre 1985 ebenfalls eine erste Ultra-Gruppe. Diese Gruppe, die oft durch extrem gewaltbereites Auftreten sowie rechtsextreme Parolen und Symbolik, bis hin zu Hakenkreuzen[39] aufgefallen ist, wurde 2008 vom Innenministerium verboten. Kurz zuvor hatten sie ein Spruchband mit der Aufschrift „Pädophile, Arbeitslose und Inzest-Gezeugte, willkommen bei den Nordfranzosen“[40] bei einem Ligapokalendspiel gegen den RC Lens präsentiert. Auf der anderen Fankurve von PSG, die "Virage Auteuil", versammelten sich die Gruppen; Supras Auteuil, Lutece Falco, Autheniks, Grinta & bis zu ihrer Auflösung die Tigris Mystic.[41]

Die Fankurven standen sich aufgrund der unterschiedlichen politischen Ausrichtung (Kop de Boulogne = eher rechts, weiß und französisch; VA = multikulturell, eher links) sehr feindselig gegenüber, was in zahlreiche Schlägereien untereinander mündete, welche einen Todesfall zur Folge hatte.[42]

Sämtliche Pariser Ultra- und Hooligangruppen wurden daraufhin 2010 durch das französische Innenministerium verboten und sämtliche Fans in den beiden Fankurven erhielten Stadionverbot.[43]

Es existieren zahlreiche weitere Ultragruppen bei anderen Vereinen auch in den tieferen Ligen.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Choreographie der UF97, Ultra-Gruppierung von Eintracht Frankfurt
Choreographie der Ultras Rapid, Ultra-Gruppierung des SK Rapid Wien
Fans der portugiesischen Nationalmannschaft mit Flagge der Ultras zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Köln

Die ersten Gruppen auf deutschem Boden waren wohl 1986 die Fortuna Eagles Supporters aus Köln[44] und 1989 die Soccer Boyz (heute: Mad Boyz) aus Leverkusen und die Havelszene 89 aus Berlin.[45] In den 1990er Jahren wuchs die 'Szene' in Deutschland langsam; nach der Jahrtausendwende übernahmen in vielen Vereinen die Ultras die „Vorherrschaft“ in den Fankurven gegenüber unorganisierten oder in herkömmlichen Fanclubs organisierten Fans.

Größte Ultragruppierungen in Deutschland dürften die Ultras Dynamo 2000[46] (Dynamo Dresden), Ultras Frankfurt 1997 [47] (Eintracht Frankfurt), Commando Cannstatt 1997 [48] (VfB Stuttgart) sein, die alle, inklusive nahes Umfeld, über 1.000 Mitglieder zählen.

Mittlerweile existieren bei fast allen Vereinen der oberen drei Ligen Gruppen, die sich selbst als Ultras sehen, außerdem auch in hierarchisch tieferen Spielklassen. Insgesamt soll es in Deutschland mehr als 25.000 Ultras geben, organisiert in mehr als 300 Gruppen.[49]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in Österreich gibt es einige Ultra-Gruppierungen mit einem unterschiedlichen Grad an Aktivität und Bekanntheit.

Die älteste und international bekannteste Gruppe sind die Ultras Rapid 1988, die bis zum Abriss des Stadions im Jahr 2014 auf der „Block West“ genannten Westtribüne des Allianz-Stadions[50] den SK Rapid Wien unterstützen. Seit der Saison 2016/17 machen sie dies im neu erbauten Allianz Stadion auf der Südtribüne, die den Fans jedoch weiterhin als "Block West" bekannt ist. Die Ultras Rapid wurden 2005 von der T.I.F.O. (Torcida International Fans Organisation) zur Gruppierung mit den besten Choreographien in Europa gewählt.

Weitere Ultragruppen bei Rapid Wien sind die Tornados Rapid 1994[51], Lords Rapid 2004 [52], Green Lions 2003[53], Spirits Rapid 1999[54], Hütteldorfer Xindl, S.A.F., Sektion Meidling, Gladiatori & Gioventu (als Nachwuchsgruppe der Ultras Rapid).

Beim Stadtrivalen FK Austria Wien sind vor allem die Gruppen Viola Fanatics 2001, Kai 2000, Ultra Viola, Industry Viola bekannt.

Die Kurve des SK Sturm Graz beheimatet neben den drei führenden Gruppen, der Brigata Graz 1994 der Grazer Sturmflut 96 und den Jewels Sturm noch kleinere Gruppen wie die Generation Chaos, Bastion Nord, Spiders Graz, Schwarze Szene Wien, u.a. Die Ultrá-orientierten Fans von Sturm Graz treten auch gemeinsam unter dem Namen "Kollektiv 1909" auf und setzen sich, neben anderen Aktionen wie der Zeitschrift Schwarzmalerei, gegen Rassismus ein.

Die Salzburger Gruppierungen Union Ultra '99,Tough Guys Salzburg 92, Lunatics 1999, Fraternite Violette 2007 litten sehr stark unter der Übernahme ihres Klubs Austria Salzburg durch Red Bull, da diese in weiten Teilen der Salzburger Fanszene auf Ablehnung stieß. Die 4 Ultra-Gruppierungen unterstützen jetzt die neue Austria Salzburg.

Zu erwähnen ist auch die Ultra-Fan-Szene des FC Wacker Innsbruck, wo die Verrückten Köpfe 1991, Green Black Danube, Il Furiosi, Wacker Unser, Brigade Unterland beheimatet sind.

Auch hervorzuheben wären die Ultras des GAK, vor allem die von der Fan-Gruppierung Red Firm und "Society Graz" und die Ultras des LASK Linz, vor allem die Viking Linz und der Fanclub Linzer Jungs, sowie die Linzer Pyromanen und die Linzer Blauhelme 03 des FC Blau-Weiß Linz, ebenso die Gruppe Supras der SV Ried. Vor allem seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga 2011 gibt es auch beim FC Admira Wacker starken Fanzuwachs.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Choreographie der YB Ultra-Bewegung «Ostkurve Bern»

In der Schweiz entstanden die ersten Ultra-Gruppierungen Mitte der neunziger Jahre in Genf („Generation Ultra“/„Section Grenat“), in Lugano („Armata“) sowie in Sion (siehe unten). In den letzten Jahren sind auch bei den meisten Deutschschweizer Vereinen Ultra-Gruppierungen entstanden; die wichtigsten sind in Basel, Bern, Zürich, Luzern und St. Gallen beheimatet. In Zürich findet man die Ultras in der sogenannten „Zürcher Südkurve“, welche den FC Zürich unterstützt. Sie sind in der ganzen Schweiz bekannt für sehr kreative und aufwändige Choreographien. Vor allem aber auch beim Stadtrivalen Grasshoppers Zürich (GC) gibt es zwei große Ultra-Gruppierungen („Blue Side“, „Bulldogs“) in der sogenannten „Estrade Ost“. Zu erwähnen sind auch die „Blue White Eagles Luzern“ („BWEL“), „Formation Luzern“ („FL“) oder die „Blue White Generation“ („BWG“), welche den FC Luzern unterstützen, die „Ultras Sion“, „Freaks Sion“, „Lousy Scum“ oder „Red Side“ des FC Sion, die „Green Power“, die „Greenflash“, „Saint Brothers“, „Jokers“ und die „Green-Fires“ beim FC St. Gallen im Espenblock und die Ultra-Gruppierungen in der Ostkurve Bern der Young Boys Bern wie Maniacs, Urban Squad, Amici Berna, Bernerkanone, Schurken oder Wankdorf Supporters.

Hervorzuheben sind auch die „Inferno Basel“, „Fanatics“, „Goodfellas“ und „Kaos“ vom FC Basel, die in der „Muttenzer Kurve“ beheimatet sind. Obwohl die Basler Fans für ihre aufwendigen Choreos bekannt sind, machte die Basler Szene auch immer wieder negative Schlagzeilen. Nach der knapp verpassten Meisterschaft 2006 (letztes Spiel) im eigenen Stadion gegen den FC Zürich kam es zu einem Platzsturm und Ausschreitungen im und außerhalb des Stadions, nachdem der FC Zürich in der 93. Minute das meisterschaftsentscheidende Tor schoss. Die Basler Ultra-Szene ist für ihre Krawalle bekannt; so wurde der Gästesektor im Stadion Hardturm der Grasshoppers Zürich mehrmals in Brand gesetzt und dadurch Sachschaden verursacht.

Ende 2006 kritisierten viele Schweizer Städte die Liga und die Vereine, weil der größte Teil nichts an die inzwischen notwendig gewordenen hohen Ausgaben der Städte für die Sicherheit (ab 100.000 CHF pro Heimspiel) bezahlt. In den letzten Jahren wurde die Gewalt bei Schweizer Fußballspielen (von Ultras und Hooligans) von Medien und Politik stärker als früher registriert und ist deshalb heute ein großes Gesprächsthema. Dies, obwohl sowohl Gewalt wie auch Sachschäden in den letzten Jahren deutlich zurück gingen. Das beste Beispiel für eine nicht-repressive Fanpolitik wird in Basel derzeit umgesetzt, durch Selbstregulierung innerhalb der Fankurve konnten u.a. Ausschreitungen deutlich reduziert bzw. verhindert werden.

Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine große Ultraszene hat insbesondere der Hauptstadtverein Ajax Amsterdam mit der bis 2016 agierenden Hauptgruppe Vak-410. Die Gruppe löste sich u.a. wegen der baulichen Veränderungen zur neuen Saison (so gibt es in Zukunft eine komplette Stehplatzkurve im Unterrang) auf und trat in die berühmt-berüchtigte F-Side ein, welche in der jüngeren Vergangenheit zunehmend ebenfalls sich in Richtung der Ultrakultur entwickelten. Weitere Gruppen sind South Crew, North Up Allianz und 4th.

Auch Feyenoord Rotterdam hat eine große Ultraszene mit den Vak X, Tifo Rotterdam und Feyenoord Casuals.

Weitere bekannte Ultraszenen haben die Vereine FC Twente (Ultras Vak-P, Born Fanatics), FC Groningen (Groningen Fanatics), SC Heerenveen (Legio Noviomagnum, Feanfan), FC Utrecht (Bunnikside), u.a.[55]

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die polnische Ultraszene ist sicher eine der größten Ultraszenen im europäischen Ländervergleich und es existieren selbst in der 7. Liga noch Ultragruppen. Die polnische Ultraszene ist stark mit der Hooliganszene verwoben und zum Teil auch mit ihr identisch.

Als größte Szenen gelten die Szenen von Legia Warschau sowie von Lech Posen.

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als auf dem europäischen Festland konnte eine Etablierung von großen Ultraszenen nie erreicht werden, was vor allem auf die repressiven Ordnungskräfte, das Verbot von zahlreichen Tifo-Materialien (Fahnen, Konfetti, Doppelhalter, Blockfahnen, Choreographien, etc.), das Verbot von Stehplätzen, hohe Kartenpreise sowie eine großen Ablehnung vonseiten zahlreicher (älterer) Fans gegenüber der Ultra-Bewegung zurückzuführen ist.[56]

Dennoch existieren bei den Vereinen Crystal Palace (Holmesdale Fanatics) sowie bei Celtic Glasgow (Green Brigade) sowie bei zahlreichen unterklassigen Vereinen Ultragruppen, wobei die Holmesdale Fanatics und die Green Brigade mit mehr als 150 Mitgliedern sicher die größten sind. [57]

2016 führte Celtic Glasgow als erster Profiverein auf der Insel wieder Stehplätze (Safe Standing) ein, welche unter anderem von der Green Brigade benutzt werden.[58]

Portugal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bekanntesten Ultra-Gruppierungen in Portugal sind die Diabos Vermelhos und No Name Boys (abgekürzt NN) von Benfica Lissabon. Außerdem gibt es die Super Dragões vom FC Porto sowie die Juve Leo und Torcida Verde von Sporting Lissabon. Andere Ultra-Gruppierungen sind weniger bekannt.

Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie im gesamten Balkanraum gehört auch die Szene in der Türkei zu den ausgeprägtesten Ultra-Bewegungen Europas. Neben den Gruppen der İstanbuler Großklubs ultrAslan (Galatasaray), Genç FB (Fenerbahçe) und Çarşı (Beşiktaş) gibt es auch etablierte Gruppen vieler anatolischer Mannschaften, wie z.B. Vira (Trabzonspor), Teksas (Bursaspor), Gecekondu (MKE Ankaragücü), Şimşekler Grubu (Adana Demirspor), Tatangalar (Sakaryaspor) und Karşıyaka Çarşı (Karşıyaka SK). Der Türkische Fußballverband und die Vereinsvorstände entscheiden zu Saisonbeginn, ob Ultra-Gruppierungen Spiele in den Stadien der „Erzrivalen“ besuchen dürfen. Bei den Istanbuler Stadtderbys und bei Spielen der rivalisierenden Clubs aus Izmir, Karşıyaka SK und Göztepe Izmir, kommt es nicht selten zu Ausschreitungen.[59] Insbesondere bei den Protesten auf dem Taksim-Platz im Jahr 2013 stellten die Ultras einen großen Teil der radikalen Demonstranten.[4][11] Die Çarşı von Beşiktaş wird z.T. als kriminelle Vereinigung angesehen.[11][60]

Griechenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Choreographie der GATE 13 bei einem Basketballheimspiel von Panathinaikos

Die Szene in Griechenland gilt als eine der extremsten Europas. Bei Duellen der großen Clubs im Großraum Athen (Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen, AEK Athen) kommt es häufig zu schweren Ausschreitungen. Deshalb ist es den dortigen Ultra-Gruppierungen seit einigen Jahren verboten, Derbys im Stadion des Gegners zu besuchen. Die bekanntesten Gruppen sind Thyra 13 (Gate 13, Panathinaikos), Thyra 7 (Olympiakos Piräus), Thyra 4 (PAOK), Autonomous Gate 10 (Iraklis Thessaloniki), Super3 (Aris Thessaloniki), Monsters (AEL) und Original 21 (AEK Athen).

Kroatien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste Ultra-Gruppierung in Kroatien ist die sog. Torcida von Hajduk Split. Die Gruppe hat ihre Wurzeln im Jahr 1950, als im Vorfeld eines entscheidenden Meisterschaftsspiels eine nach heutigen Maßstäben ultraartige Unterstützung organisiert wurde. Nach dem raschen Verbot durch die jugoslawische Staatsführung und der in den folgenden Jahren zwangsweise unorganisierten Anhängerschaft erfolgte 1980 eine Wiedergeburt. Heute sind die 1986 gegründeten Bad Blue Boys vom Hauptstadtklub Dinamo Zagreb die größten Rivalen in der Szene. Zwischen den Mitgliedern der rivalisierenden Gruppen kommt es häufig zu schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen. Des Weiteren erwähnenswert ist die Gruppe Armada, die den Verein HNK Rijeka unterstützt.

Serbien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pyrotechnik der Delije

Auch in Serbien gibt es bei vielen Vereinen Ultra-Gruppierungen. Die größten Gruppen sind die Delije von Roter Stern Belgrad und die Grobari von Partizan Belgrad, aber auch bei OFK Belgrad,Rad Belgrad,FK Novi Pazar und Vojvodina Novi Sad gibt es größere Gruppierungen. Weiter ist aber zu erwähnen, dass die Wörter Delije und Grobari eher zur allgemeinen Bezeichnung von Fans von Roter Stern Belgrad und Partizan Belgrad benutzt werden. Was auch heißt, jeder Fan von Roter Stern ist somit automatisch ein Delija und ein Fan von Partizan automatisch ein Grobar. Innerhalb der Delijas und der Grobaris gibt es neben unzähligen Fan-Gruppen und Fan-Clubs Ultra-Gruppierungen. Im Marakana-Stadion von Roter Stern Belgrad sind in ihrer „Nordkurve“ die Stühle so eingerichtet, dass sie in Rot-weiß und in kyrillischer Schrift das Wort Delije (Mehrzahl von Delija) bilden. Die Benutzung von Pyrotechnik gehört in serbischen Stadien zum Alltag, außerdem kommt es im Umfeld von Fußballspielen häufig zu Gewaltausbrüchen.

Bosnien und Herzegowina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwei größten Ultragruppierungen in Bosnien und Herzegowina sind die der beiden Hauptstadtclubs: Die Horde Zla des FK Sarajevo und The Maniacs 1987. Der Gebrauch von Pyrotechnik ist in Bosnien und Herzegowina zwar verboten, gehört dort in den Stadien jedoch zum Alltag. Weitere bekannte Fangruppierungen sind die Lesinari, Robijasi, Fukare, Red Army Mostar und Skiptari

Dänemark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutendste Ultragruppen sind die Urban Crew vom FC Kopenhagen sowie die Gruppen Alpha Brøndby, Deling 43 und Fri Sport von Brøndby IF.

Weitere Gruppen sind die Nysir (Aarhus GF), Shamrock Ultras Viborg (Viborg FF), Ultras Midtjylland (Midtjylland FC), Nordvestkurve Esbjerg 2009 (Esbjerg FB), Vesttribunen (Aalborg BK).

Gerade das Hauptstadtderby (FCK gegen Brøndby) ist immer sehr hitzig und wird von beiden Fankurven mit großen Choreographien, Pyroshows und Corteos begleitet.

Schweden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fanszenen der 3 Hauptstadtclubs gelten als sehr kreativ & zahlreich, darunter sind auch zahlreiche Ultragruppen. Hier zu nennen wäre; Ultra Caos Stockholm 2003 (Djurgarden IF), Hammarby Ultras 1993, Söder Bröder 1998, Ultra Boys 1999 (Hammarby IF), Sol Invictus, Ultras Nord 2002 (AIK Solna).

Auch außerhalb der Hauptstadt existieren bei Vereinen wie Malmö IF (Supras Malmö, Rex Scania, Brigada Malmö), IF Elfsborg (Yellow Fanatiks), Orgryte (Inferno Orgryte), GAIS (GAIS Tifo) oder IKF Göteburg (Ultras Göteburg) Ultragruppen.[61]

Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ultras von Dynamo Kiew 2008

In der Ukraine zeichnen sich vor allem die Ultras von Dynamo Kiew durch Gewalttätigkeit aus, die bei Spielen gegen Vereine aus dem Donbass wie Schachtar Donezk häufig eskalierten. Bei den Kämpfen auf dem Majdan 2014 traten sie z.T. bewaffnet auf.[62] Die Ultras von Schachtjor Donezk schlossen mit ihnen, Metalurh Saporischschja und anderen im Januar 2014 einen Burgfrieden, um gemeinsam auf dem Majdan zu demonstrieren.[15][63] Die ukrainischen Ultras gelten als nationalistisch und beteiligen sich auch am Bürgerkrieg im Osten des Landes.[15][16]

Bulgarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bedeutendsten Szenen in Bulgarien haben ZSKA Sofia und Lewski Sofia.[64]

Die Ultragruppen von ZSKA sammeln sich im Sektor G. Die bedeutendsten Gruppen dort sind die Ofanziva und die Animals.[65]

Die Gruppen von Lewski stehen im Sektor B. Einen weiteren bedeutenden Ultra-Anhang hat Lokomotive Plowdiw mit der Lauta Army.

Rumänien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Ultragruppe entstand 1992 mit den Ultras Farul in Constanta.

Im Verlauf der 1990er Jahre entstanden in Rumänien weitere Nachahmer dieser Gruppierung, wobei die 1995 gegründete Commando Viola Ultra Curva Sud vom Verein Politehnica Timisoara von den meisten ultraorientierten Fans in Rumänien als erste "richtige" Ultragruppierung aufgrund ihrer Mentalität und des Auftretens angesehen wurde und wird.[66]

Heutzutage haben die drei Hauptstadtvereine Rapid Bukarest (Ultras Unione 1998; O-H 1998; Maniacs 1999; Brigada 921), Steaua Bukarest (Chaos, Nukleo, Tineretului Korps, Vacarm, Ultras, Stil Ostil, Ragazzi, Hunters, Asalt, Banda Ultra) sowie Dinamo Bukarest (Nuova Guardia, Mad Men, Brigate, Panzer, Energizatii, Dogs of War, Tifosi) die größten und meisten Ultragruppen des Landes.

Bei Politehnica Timisoara agieren unter dem Dachverband CVUCS die Gruppen Urban Guerilla, Masseria, UltraNativ und Drojdierii.

Auch weitere Vereine wie Universitatea Craiova (Ultras, Sezione Ultra', Praetoria), Petrolul Ploiesti (Knot,Lethal Gang), FC Vaslui (Dorobantii, Brigada Suprema, Radical), u.a. haben bekannte Ultraszenen.

Andere Sportarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahre 2000 entstehen auch beim Handball Ultra-Gruppierungen. Als erste und wichtigste gelten die Ultras Flensburg,[67] Sie konnten sich durch die größte Stehplatztribüne der deutschen Handball-Bundesliga entwickeln. Später entstanden auch bei anderen deutschen Handballclubs Ultra-Gruppen. Im Ausland gibt es noch die Boys aus Aalborg (Dänemark) und die Florijani aus Celje (Slowenien). Dazu kommen viele Gruppen in den Ligen der osteuropäischen Länder.

Eishockey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Choreographie der Ultras des ETC Crimmitschau
  • Deutschland: Hauptsächlich seit 2000/2001 setzte sich der Ultra-Gedanke auch in der deutschen Eishockey-Fanszene durch, und so sind in vielen Eishallen und Arenen von der DEL bis in die Oberligen diverse Ultra-Gruppierungen zu finden. Erste ultraähnliche Gruppierungen bildeten sich jedoch schon früher. Mitte der 1990er Jahre gab es in München die ersten Choreographien zu sehen und es bildeten sich die Munich Supporters. In Krefeld gründete sich 1996 der Ultra-Club Red Line. Aber auch in Augsburg (Augsburg 98) und Schwenningen (SERC-Supporters 99) bildeten sich noch vor der Jahrtausendwende Gruppen. Choreographien und sonstige Ultra-Eigenschaften wurden zu dem Zeitpunkt noch sehr skeptisch gesehen, gehören heute aber in vielen Hallen zum Usus. Zu den bekanntesten und größten Gruppierungen gehört heute die Supporters Crew Mannheim (SCMA, Mannheim) auch die Ultras des ETC Crimmitschau, die Kultras, sind deutschlandweit bekannt. Charakteristisch für viele Eishockey-Ultras ist die Identifikation mit Ultra-Gruppierungen aus der Schweiz und die gleichgültige bis feindselige Haltung der übrigen Fans am jeweiligen Standort. In der recht kleinen Szene bestehen sehr viele Kontakte unter den aktiven Leuten der verschiedenen Gruppen.
  • Schweiz: In Lugano sind die Ragazzi della Nord anzutreffen, in Ambri die Gioventù Bianco Blù. Diese beiden Ultra-Gruppierungen und ihre Kurven gehörten lange zu den qualitativ stärksten in der Schweiz, die Ultra-Mentalität prägte die Kurven dieser zwei Tessiner Clubs viele Jahre, diese wurden aber inzwischen eingeholt durch die Szenen aus Biel, Kloten und Lausanne. Die Ultra-Bewegung in Kloten ist seit langem für ihre großen und aufwändigen Choreographien bekannt, welche von den Blue Eagles Klotenund der South-Side Kloten 2001 organisiert werden, andere Schweizer Kurven werden ebenfalls praktisch ausschließlich von Ultra-Gruppierungen geprägt:Clockwork Biel-Bienne, Insieme Bienna und Ultima Ratio Biel, IG Genf, Fanatics, Wild Boys Rapperswil SCRJ, Sektion Uruguay, Pathos ZSC, North Side, Blue Kinghts, Black CrewEV Zug, Blue Devilz, Kategorie Davos und Young Supporters (HC Davos). Auch in der zweithöchsten Spielklasse formieren sich viele Ultra-Gruppierungen. Insbesondere die Szenen in Langenthal, Olten, Langnau und Ajoie sind dabei stark von der Ultra-Mentalität geprägt.
  • Österreich: Die größten Gruppen existieren in Linz (Wings United), Wien (ICEFIRE, Kuchenblock), Klagenfurt (Vikings, Red-White Dragons, Stiege 19), Graz (Niners, Grazer Lions, Grazer Oranje), Villach (Absolut Villach) und Feldkirch (Südchaos Feldkirch).

Basketball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 90er Jahre entstanden auch im Basketball Ultra-Gruppierungen, vor allem in südeuropäischen Staaten wie Serbien, Kroatien, Griechenland, Italien und Spanien. Aber auch in der Türkei und Russland entwickelten sich im Basketball fanatische Fan-Gruppierungen. In Serbien, der Türkei und vor allem in Griechenland gehören Choreografien und Pyrotechnik (trotz großer Brandgefährlichkeit in den Hallen) zum Alltag. In einigen Ländern, so zum Beispiel in Griechenland und Kroatien, unterstützen die Ultras eines Vereins sowohl die Fußball- als auch die Basketballmannschaft des Klubs. In Deutschland oder Frankreich gibt es trotz großer Beliebtheit des Basketballs so gut wie keine Ultra-Gruppierungen, jedoch Fanclubs wie die Ultras Nördlingen, welche Merkmale von Ultra-Gruppierungen aufweisen. Weil Basketball aber in den letzten Jahren bis heute immer mehr an Beliebtheit gewinnt (Tendenz weiter steigend), ist nicht auszuschließen, dass sich auch in nicht-südeuropäischen Staaten in den nächsten Jahren im Basketball Ultra-Gruppierungen entwickeln könnten. In Südamerika (vor allem in Argentinien), aber auch in China gibt es im Basketball Ultra- und ultra-ähnliche Gruppierungen. In den USA, dem Mutterland des Basketballs, gibt es bis heute keine Ultra-Gruppierungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nanni Balestrini: I Furiosi /Die Wütenden. ID-Verlag, Berlin 2001.
  • Giovanni Francesio: Tifare Contro. Eine Geschichte der italienischen Ultras. 1. dt. Auflage, Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2010, ISBN 978-3-940159-07-6.
  • Domenico Mungo: Streunende Köter. Ein Roman über zwei Jahrzehnte italienische Ultrakultur, Freundschaften, Kämpfe und Drogen. 1. dt. Auflage, Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2011, ISBN 978-3-940159-09-0.
  • Jonas Gabler: Die Ultras: Fußballfans und Fankulturen in Deutschland, erschienen im Oktober 2010, ISBN 978-3-89438-446-3.
  • Giorgio Specchia: Il Teppista. 30 verfluchte Jahre in Mailand. 1. dt. Auflage, Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2012, ISBN 978-3-940159-11-3.
  • Josef Gruber: Ultras Italien. Bildband 1998-2006 1. Auflage, Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2012, ISBN 978-3-940159-10-6.
  • Martin Thein, Jannis Linkelmann (Hrsg.): Ultras im Abseits - Porträt einer verwegenen Fankultur, 1.Auflage 2012 Verlag Die Werkstatt, ISBN 978-3-89533-847-2.
  • Christoph Ruf: Kurvenrebellen: Die Ultras - Einblicke in eine widersprüchliche Szene, 2. Auflage 2013, Verlag Die Werkstatt, ISBN 978-3-7307-0044-0.
  • Ralf Heck: Zwischen Eigentor und Aufstand. Ultras in den gegenwärtigen Revolten. In: Kosmoprolet 4, Berlin 2015.
  • Gabriel Duttler, Boris Haigis (Hrsg.): Ultras - Eine Fankultur im Spannungsfeld unterschiedlicher Subkulturen, 1.Auflage 2016 transcript Verlag, ISBN 978-3-8376-3060-2.
  • Peter Czoch (Hrsg.): Ultras in Deutschland, 1.Auflage 2016 Hirnkost Verlag, ISBN 978-3-943774-88-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ultras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ralf Heck: Zwischen Eigentor und Aufstand. Ultras in den gegenwärtigen Revolten. Kosmoprolet, Nr. 4. Berlin 2015.
  2. Christoph Ruf: Kurven-Rebellen: Die Ultras - Einblicke in eine widersprüchliche Szene. Verlag Die Werkstatt, Göttingen, ISBN ISBN 978-3-7307-0044-0(?!).
  3. Jonas Gabler: Die Ultras: Fußballfans und Fußballkulturen in Deutschland. Papyrossa.
  4. a b c d e James M. Dorsey: The Turbulent World of Middle East Soccer. Abgerufen am 27. März 2016.
  5. Ein- und Überblick in die deutsche als auch internationale Fan-/Ultra-Szene (unter Kapitel 1.2. Ultras)
  6. Schalke: Polizei überprüfte 190 Ultras
  7. Christian Spiller: Interview mit James M. Dorsey: "Der Islam und der Fußball sind das Wichtigste". Die Zeit, 21. Oktober 2011, abgerufen am 26. März 2016 (deutsch).
  8. Lieder der Revolte. fanzeit, abgerufen am 26. März 2016 (deutsch).
  9. Angriff auf die Revolutionäre, SpOn, 2. Februar 2012
  10. Tödliche Hatz im Fußballstadion, SpOn, 2. Februar 2012
  11. a b c Ralf Heck: Die Hippie-Hools vom Gezi-Park. Blickfang Ultra 34, abgerufen am 26. März 2016 (deutsch).
  12. Im Stadion Feinde, auf dem Taksim-Platz Freunde ZDFsport.de, abgerufen am 8. Juli 2013
  13. Zwischen Rebellion und Affirmation, oder: Ultras sind politisch und auch wieder nicht. Der tödliche Pass, abgerufen am 26. März 2016 (deutsch).
  14. Ukraine: Klitschkos Zweifronten-Kampf, Die Presse vom 25. Januar 2014
  15. a b c Vom Maidan an die Front. Abgerufen am 26. März 2016 (deutsch).
  16. a b Daniel Ryser, Philipp Natzke: Krieger in coolen Turnschuhen. Abgerufen am 26. März 2016 (deutsch).
  17. http://www.jugendszenen.com/: Ultras (Memento vom 21. Februar 2014 im Internet Archive)
  18. Barra Brava. Abgerufen am 2016.
  19. Wikipedia Artikel auf Englisch zu den Torcidas. Abgerufen am 2016.
  20. Domenico Mungo: Streunende Köter. Ein Roman über zwei Jahrzehnte italienische Ultrakultur, Freundschaften, Kämpfe und Drogen. 1. dt. Auflage, Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2011
  21. Giovanni Francesio: Tifare Contro. Eine Geschichte der italienischen Ultras. 1. dt. Auflage, Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2010
  22. Giorgio Specchia: Il Teppista. 30 verfluchte Jahre in Mailand. 1. dt. Auflage, Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2012
  23. Josef Gruber: Ultras Italien. Bildband 1998-2006 1. Auflage, Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2012
  24. In der Buchveröffentlichung von Sommerey, Marcus: Die Jugendkultur der Ultras - Zur Entstehung einer neuen Generation von Fußballfans(ab Seite 53)
  25. CU 84. Abgerufen am 2016 Juli.
  26. www.sw87.com
  27. www.commandoultra84.com
  28. Yankee Nord. Abgerufen am 2016.
  29. Fanatics Marseille. Abgerufen am 2016.
  30. Dodgers Marseille. Abgerufen am 2016.
  31. MTP. Abgerufen am 2016.
  32. Faszination Fankurve: [www.faszination-fankurve.de/download/heft_18/.../download.php?...marseille... Ultras in Marseille.] In: Ultras in Marseille. Faszination Fankurve, abgerufen am 2006.
  33. http://www.europeanultras.com
  34. http://membres.multimania.fr
  35. Bad Gones 87. Abgerufen am 2016 Juli.
  36. Lyon 1950. Abgerufen am 2016.
  37. Ultramarines Bordeaux 1987. Abgerufen am 2016.
  38. www.boulogne-boys.org/
  39. http://www.bpb.de/themen/4IFKR4,1,0,Fu%DFball_und_Rechtsextremismus_in_Europa.html
  40. in Anspielung auf den damals aktuellen Film „Willkommen bei den Sch’tis
  41. Ultraszene in Frankreich. Abgerufen am 2016.
  42. Tod eines PSG Fan nach Ausschreitungen. Abgerufen am 2016.
  43. das Ende der Pariser Fanszene. Abgerufen am 2016.
  44. http://www.fortuna-eagles.de/: Die Eagles
  45. ultras-leverkusen.de: Die Geschichte der Leverkusener Ultra-Szene
  46. UD 2000. Abgerufen am 2016 Juli.
  47. UF 97. Abgerufen am 2016.
  48. CC 97. Abgerufen am 2016.
  49. Unter Anderem / Ultras. Abgerufen am 2016.
  50. Neubau Gerhard-Hanappi-Stadion. In: Wikipedia. 21. Juli 2016 (wikipedia.org [abgerufen am 5. August 2016]).
  51. Tornados Rapid. Abgerufen am 2016.
  52. Lords Rapid. Abgerufen am 2016.
  53. Green Lions. Abgerufen am 2016.
  54. Spirits Rapid. Abgerufen am 2016.
  55. http://z6.invisionfree.com/UltrasTifosi/index.php?showtopic=4453. Abgerufen am 2016.
  56. Fanfeindliche Politik in GB. Abgerufen am 2016 Juli.
  57. 11 Freunde / England Ultras. Abgerufen am 2016/ Juli.
  58. 11 Freunde / Stehplätze in England. Abgerufen am 2016.
  59. Britische TV-Reportage über die Rivalität zwischen Galatasaray- und Fenerbahce-Ultras sowie der Göztepe und Karşıyaka-Ultras
  60. «Wir haben gewonnen.» Fußballfans bei den Taksim-Protesten. In: TAZ, 22. Juni 2013, online: [1]
  61. Stadionfans / Schweden. Abgerufen am 2016.
  62. Alexander Neumann-Delbarre: Fußball-Ultras kämpfen in den Revolutionskriegen an vorderster Front. In: Focus, 11. Mai 2014, online: [2]
  63. Julia Smirnova: Die brutalsten Ultras stellen ihre Schlachten ein. In: Die Welt, 31. März 2014, online: [3]
  64. Ultras.Tifo Net Bulgaria. Abgerufen am 2016.
  65. Sektor G. Abgerufen am 2016.
  66. History of Rumanian Ultras. Abgerufen am 2016.
  67. http://www.ultras-flensburg.de/: Handball Ultras Flensburg