Glottertal

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Glottertal
Glottertal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Glottertal hervorgehoben
48.0430555555567.9455555555556306Koordinaten: 48° 3′ N, 7° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Breisgau-Hochschwarzwald
Höhe: 306 m ü. NHN
Fläche: 30,76 km²
Einwohner: 3134 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 102 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79286
Vorwahl: 07684
Kfz-Kennzeichen: FR
Gemeindeschlüssel: 08 3 15 041
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Talstraße 45
79286 Glottertal
Webpräsenz: www.glottertal.de
Bürgermeister: Karl Josef Herbstritt (CDU)
Lage der Gemeinde Glottertal im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Frankreich Landkreis Waldshut Landkreis Lörrach Freiburg im Breisgau Landkreis Emmendingen Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Rottweil Au (Breisgau) Auggen Bad Krozingen Badenweiler Ballrechten-Dottingen Bötzingen Bollschweil Breisach am Rhein Breitnau Buchenbach Buggingen Ebringen Ehrenkirchen Eichstetten am Kaiserstuhl Eisenbach (Hochschwarzwald) Eschbach (Markgräflerland) Feldberg (Schwarzwald) Friedenweiler Glottertal Gottenheim Gundelfingen (Breisgau) Hartheim Heitersheim Heitersheim Heuweiler Hinterzarten Horben Ihringen Kirchzarten Lenzkirch Löffingen March (Breisgau) Merdingen Merzhausen Müllheim (Baden) Müllheim (Baden) Münstertal/Schwarzwald Neuenburg am Rhein Neuenburg am Rhein Oberried (Breisgau) Pfaffenweiler St. Peter (Hochschwarzwald) St. Märgen Schallstadt Schluchsee (Gemeinde) Sölden (Schwarzwald) Staufen im Breisgau Stegen Sulzburg Titisee-Neustadt Umkirch Vogtsburg im Kaiserstuhl Wittnau (Breisgau)Karte
Über dieses Bild
Glottertal, das Rathaus

Glottertal ist eine Gemeinde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald im Südwesten Baden-Württembergs nahe bei Freiburg im Breisgau.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Glottertal liegt im mittleren Schwarzwald am Übergang zum Südschwarzwald südlich des Elztals an der Glotter. Zur einen Seite hin wird das Glottertal von den Ausläufern des Kandelmassivs begrenzt und auf der anderen Seite durch den Roßkopf und seine angrenzenden Berge. Das Glottertal erstreckt sich von 280 m ü. NN am Ortseingang Unterglottertal bis zum Kandelgipfel (1241 m ü. NN) hinauf. Die Nachbargemeinden sind im Westen Heuweiler, Denzlingen und im Osten St. Peter. Auf dem Kandelgipfel grenzt Glottertal außerdem an Simonswald und Waldkirch, südlich und westlich des Roßkopfs an Freiburg im Breisgau, Gundelfingen und Stegen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Blick auf Glottertal vom Einbollen

Die früher selbständigen Gemeinden Unter- und Oberglottertal, Ohrensbach und Föhrental wurden 1970 zur Gemeinde Glottertal zusammengeschlossen.

Zur Gemeinde Glottertal gehören 67 Dörfer, Weiler, Zinken, Höfe und Häuser.

Zur ehemaligen Gemeinde Föhrental gehören die Zinken Allmend, Enge, Oberföhrental, Unterföhrental und Wiggisrain (z. T. auch zu den Gemeindeteilen Unterglottertal und Ohrensbach). Zum Föhrental gehören auch die Höfe: Oberstreckerhof, Fahrländerhof, Schäflejockenhof, Zimberhof, Streckerseppenhof, Renzenhof, Schäflehof, Herbsthansenhof, Würzburgerhof, Kreuzbauernhof, Kapellenhof, Behahof, Lickerthof, Antonihof, Drayerhof, Junghansenhof, Tritschlerhof, Scharbächlehof, Kreuz(wirts)hof (Hof mit Gastwirtschaft), Ludwigenhof und dem noch immer strohgedeckten Flammhof.

Zur ehemaligen Gemeinde Oberglottertal gehören die Höfe Altenvogtshof, Amtshof, Bernenhansenhof, Birkle(seppen)hof, Dilgerhof, Dischhansenhof, Glotterbad, Glotterrainhof, Ober-Gschwanderhof, Gullerhof, Gummenhof, Hartererhof, Hilzingerhof, Hofbauernhof, Kappbläsihof, Kapphansenhof, Klausenhof, Lautackerhof, Lenzenhof, Linderhof, Neumaierhof, Pfisterhof, Schererhof, Sonne, Stecklehof, Talstraße, Vogtshansenhof und Wälderhansenhof.

Zur ehemaligen Gemeinde Ohrensbach gehören die Zinken Bei der Kirch, Dörfle und Wiggisrain (z. T. auch zu den Gemeindeteilen Föhrental und Unterglottertal) und die Höfe Heldhansenhof, Kappenhof, Kappmathishof, Leimenhof, Mattenbauernhof, Molzenhof, Rotenbauernhof, Scharbachhof, Stampfhof, Überhof, Wahlenhof und Wuspenhof und der Wohnplatz Nonnenmacher.

Zur ehemaligen Gemeinde Unterglottertal gehören das Dorf bei und ob der Kirche, die Weiler Unter der Kirch, Unter der Wiggisbruck und Vorm Dörfle, die Zinken Wiggishag, Wiggisrain (z. T. auch zu den Gemeindeteilen Föhrental und Ohrensbach) und Winterbach, die Höfe Lindingerhof, Rinzberghof, Schloßdobelhof (Dobelbauernhof) und Wisserhof und die Wohnplätze Düschenhof, Eichbergmatten (Schiffsplatz), Unter-Gschwanderhof, Gschwandermühle, Hönningerhof (neues Hönningergütle), Mattenmühle, Schloßhof und Urbershäusle.[2]

Wappen der Gemeindeteile

Geschichte[Bearbeiten]

Blick vom Oberglottertal auf das Glottertal

Im Jahr 1112 wurde die Ortschaft Glottertal erstmals in einer Güterbeschreibung des Klosters St. Peter erwähnt. Von Beginn des 15. an bis Anfang des 19. Jahrhunderts stand Glottertal unter vorderösterreichischer Herrschaft. Mit der Neuordnung der politischen Geografie Deutschlands nach den napoleonischen Kriegen wurde der Ort dem Großherzogtum Baden zugeschlagen.

Erzbergbau hat im Glottertal eine lange Tradition, die mit großer Wahrscheinlichkeit schon im Mittelalter sehr bedeutungsvoll war. Zahlreiche Quellen beschreiben den Bergbau mindestens ab dem 10. Jahrhundert. Die Herzöge von Zähringen ließen hier am Fuße des Kandels nach Silber und anderen Erzen graben. Über zwei Jahrhunderte lang wurden die reichen Vorkommen ausgebeutet, bis im 16. Jahrhundert die Gruben sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließen. Das Glottertal zählte in jener Zeit durch den Bergbau zu den wohlhabenden Gegenden des Schwarzwaldes.

Die Gemeinde Glottertal wurde am 1. Januar 1970 durch Vereinigung der Gemeinden Föhrental, Oberglottertal, Ohrensbach und Unterglottertal gebildet.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab folgende Sitzverteilung:

FWG 52 % -7,5 6 Sitze -1
CDU 48 % +7,5 6 Sitze +1

Am 9. Februar 2014 wurde Karl Josef Herbstritt (CDU) mit 54,6 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt und trat die Nachfolge von Eugen Jehle (CDU) an, der nach drei Amtszeiten erkrankungsbedingt sein Amt vorzeitig zur Verfügung stellte.[3][4]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Glottertal verfügt mit der Schurhammerschule über eine Grundschule. Weiterführende Schulen werden hauptsächlich in Denzlingen und Gundelfingen besucht.

Weinanbau[Bearbeiten]

Weinberg im Glottertal

Der älteste heute bekannte schriftliche Nachweis für Weinbau im Glottertal stammt aus der Zeit um 1580 und erwähnt Reben im Zusammenhang mit dem ehemaligen Schloss Winterbach. Seinen Höhepunkt erlebte der Weinbau im Glottertal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals standen nicht nur auf dem Eich- und Schlossberg Reben, sondern fast jeder Bauer hatte auf seinem Land Wein gepflanzt, teilweise bis in sehr hohe Lagen. So gab es am Wuspenhof sogar auf einer Höhe von 720 Meter über dem Meeresspiegel einen Weinberg, was deutschlandweit einmalig war. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch das Vordringen von zuvor unbekannten Rebkrankheiten und Schädlingen wie Peronospora, Oidium und Reblaus der weiteren Ausbreitung des Weinbaus im Glottertal ein jähes Ende bereitet. Ernteausfälle häuften sich, so dass die Rebfläche bald wieder zurückging.

Gegen Ende der 1950er Jahre pendelte sich die Anbaufläche auf den heutigen Stand von rund 58 ha ein. Auch die heute noch vorhandenen Weinberge zählen mit Lagen bis 500 m ü. NN zu den steilsten und höchstgelegenen Deutschlands. Die Hangneigung von bis zu 70° ermöglicht zwar eine optimale Sonneneinstrahlung, erlaubt andererseits kaum einen maschinellen Einsatz bei der Arbeit. So müssen 90% der Arbeiten in den Glottertaler Weinbergen bis heute von Hand erledigt werden.

Rebsorten[Bearbeiten]

Die Lage Roter Bur am Eichberg, hinten die Kirche im Ort Glottertal

In früherer Zeit war es zum Schutz gegen krankheits- und schädlingsbedingte Totalausfälle im Glottertal üblich, mehrere Rebsorten auf einem Rebstück gemeinsam anzubauen und zusammen zu lesen und zu keltern. So waren Weißer Burgunder, Silvaner, Gutedel, Elbling und Spätburgunder nebeneinander vertreten. An den 1950er Jahren veränderte sich mit der Gründung einer Winzergenossenschaft 1951 und der darauffolgenden Erstellung eines Rebenaufbauplanes 1958 die Sortenstruktur zusehends und man ging dazu über, die Rebgrundstücke nur noch sortenrein zu bepflanzen. Derzeit verteilen sich die Rebsorten wie folgt: 80 % Spätburgunder, 12 % Grauburgunder, 5 % Müller-Thurgau, 2 % Gewürztraminer und 1 % Riesling. In Kleinstmengen werden Muskateller und Weißer Burgunder angebaut, wobei die Fläche des Weißen Burgunders eine steigende Tendenz zeigt.

„Roter Bur“ und „Scheffelwein“[Bearbeiten]

Die Lage und die gesetzlich geschützte Bezeichnung „Roter Bur“ stehen für besonders qualitätsvolle Weine aus dem Glottertal. Um 1835 begannen die Ohrensbacher Bauern den Wald auf dem Eichberg zu roden und dort Wein anzubauen. Der Name „Roter Bur“ stammt vom Rotburenhof auf der anderen Talseite, dem die besten Parzellen in zentraler Lage des Eichbergs gehörten, die heute im Besitz der Winzergenossenschaft sind. Missverständlich sind die Lagebezeichnungen im Glottertal: Während sich die Lage „Roter Bur“ ausschließlich auf dem Eichberg befindet, bezeichnet die Lage „Eichberg“ alle übrigen Weinberge des Tales.

Markenzeichen des „Roten Burs“ am Gebäude der Winzergenossenschaft

Dank der geringen Erträge, des guten Kleinklimas, der optimalen Sonneneinstrahlung und Wärmespeicherung und nicht zuletzt der sorgfältigen Arbeit der Winzer reifen in der Lage Roter Bur fast alljährlich Spitzenqualitäten, die bundesweit an Endverbraucher, die Gastronomie, den Fach- und Einzelhandel versandt werden.

Wein und Weidewirtschaft im Glottertal

Die Bezeichnung „Scheffelwein“ geht zurück auf den Dichter Viktor von Scheffel, der 1881 in Bad Dürrheim zur Kur weilte und nach dem Genuss eines „Roten Burs“ beim Löwenwirt zu Rietheim bei Villingen so angetan war, dass er den Wein aus dem Glottertal mit folgendem Gedicht ehrte:

Gott geb allen Menschen ein Streben nach Wahrheit
dann bleibt auch dem Weine die Echtheit und Klarheit,
Gott spende des Sonnenlichts sonnigsten Strahl
den Blüten der Reben im Glottertal.

Mit „Scheffelwein“ bezeichnet man heute den früheren „alten Glottertäler“ wie er vor 1971 an- und ausgebaut wurde. Damals bepflanzte man Rebstücke mit etwa 60 % Spätburgunder, 30 % Ruländer und 10 % Gewürztraminer. Diese Praxis hatte sich zur Ertragssicherung etabliert, da das alte Rebmaterial nicht so ertragssicher war wie heutige Pflanzen. Die Trauben wurden zusammen gelesen und gekeltert, was den besonderen geschmacklichen Reiz des Glottertälers ausmachte. Der heutige „Scheffelwein“ stammt aus noch vorhandenen Resten dieser alten Rebanlagen und wird wie früher im Holzfass ausgebaut.

Tourismus[Bearbeiten]

Der Fremdenverkehr ist in Glottertal ein wichtiger Wirtschaftszweig. In den knapp 1000 Betten werden jährlich um die 160 000 Übernachtungen gezählt. Die Glottertäler Gastronomie lockt mit ihrem sehr guten Ruf insbesondere viele Städter aus Freiburg und Emmendingen an.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Glottertal verläuft die Landesstraße 112 von Denzlingen nach St. Peter. Im Unterglottertal zweigt die Kreisstraße nach Föhrental ab. Durch die Buslinie 7205 der SüdbadenBus ist Glottertal halbstündlich an den Bahnhof Denzlingen angebunden. Des Weiteren verkehren stündlich Busse nach St. Peter und auf den Kandel.

Die Gemeinde liegt an der "Schwarzwald Panoramastraße" und an der Badischen Weinstraße.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

„Schwarzwaldklinik“
Verwitterter Schuppen im Weinberg am Eichberg, Blick auf die gegenüberliegende Talseite
die Sankt Blasius Kirche

Fernsehen[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren diente Glottertal teilweise als Außenkulisse der Serie Die Schwarzwaldklinik.[5] Seit 2009 wird hier die Serie Tiere bis unters Dach gedreht.

Orchester[Bearbeiten]

Mit der Trachtenkapelle Glottertal verfügt die Gemeinde über ein sinfonisches Blasorchester, das zahlreiche Auftritte im In- und Ausland aufweisen kann. Feste Termine im Vereinsjahr sind die traditionellen Weihnachts- bzw. Lichterkonzerte am 25. Dezember und einem weiteren Termin vor Silvester, sowie der Musik-Hock mit Schleppertreffen am ersten Sommerferienwochenende im zweijährigen Rhythmus.

Bauwerke[Bearbeiten]

Der Carlsbau in Glottertal bot Mitte der 1980er Jahre die Kulisse für die erfolgreiche Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“. Die Drehorte der Fernsehserie im Schwarzwald, allen voran das Glottertal und der Carlsbau, wurden zu einem beliebten Ziel des Fantourismus. Damals war das Gebäude eine Kurklinik der Landesversicherungsanstalt Württemberg, später befand sich dort eine Klinik für Familienrehabilitation der Kur+Reha GmbH. Seit 2004 steht das Gebäude leer. 2013 wurde das Gebäude von einem Investor erworben.[6] Seit 2014 wird der Gebäudekomplex zu einer Akutklinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie umgebaut.

Die Hilzingermühle gilt als die älteste Mühle im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, sie wurde im Jahre 1621 vom damaligen Hilzingerhofbauern Johann Hilzinger errichtet und diente über die die Jahrhunderte hinweg als Getreidemühle.

Bergbau im Glottertal[Bearbeiten]

Im Glottertal finden sich heute noch sehr viele Spuren des Bergbaus. Zahlreiche Stolleneingänge und Abraumhalden finden sich im Tal. Abgebaut wurde im Wesentlichen Silber, Zink und Eisen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 155–157
  3. Bürgermeister Jehle bittet um Entlassung in der Badischen Zeitung
  4. Herbstritt ist neuer Bürgermeister in der Badischen Zeitung
  5. Die Schwarzwaldklinik im Glottertal
  6. Nach Jahren des Leerstands – Die „Schwarzwaldklinik“ steht vor dem Verkauf Artikel in: FAZ vom14. Juli 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glottertal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien