Beechcraft T-6

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Beechcraft T-6 Texan II
T-6A Texan II der US Air Force
Typ: Schulflugzeug
Entwurfsland:
Hersteller: Hawker Beechcraft
Produktionszeit: seit 2003
Stückzahl: > 800 (Stand 7. März 2013)

Die Beechcraft T-6 Texan II, ursprünglich Raytheon T-6, ist ein leichtes Turbopropflugzeug des amerikanischen Herstellers Hawker Beechcraft. Es wird zur primären Schulung und Ausbildung von militärischen Luftfahrzeugbesatzungen verwendet, da es ein ähnliches Flugverhalten wie ein leichter Jet besitzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die T-6 ist eine Weiterentwicklung der aus der Schweiz stammenden Pilatus PC-9. Das von Beechcraft überarbeitete Flugzeug erhielt in Anlehnung an die T-6 Texan die Bezeichnung Texan II. Sie wird von Hawker Beechcraft, der ehemaligen Raytheon Aircraft, in Wichita (Kansas) gebaut.

Es wird von der US Air Force und der US Navy zur Grund- und Fortgeschrittenenausbildung im Joint Primary Aircraft Training System-Programm von Piloten, Navigatoren und Waffenoffizieren verwendet. Durch die gemeinsame Beschaffung nur eines Flugzeugtyps für die US-Luftwaffe und -Marine sollen Kosten eingespart werden. So löst es in den USA die veralteten T-37B Tweet und T-34C Turbo Mentor ab.

Weitere Staaten, deren Luftwaffe die eigene T-6 zur Ausbildung einsetzen, sind Kanada (CT-156 Harvard II), Griechenland, Marokko, Irak (T-6A), Israel (T6-A Efroni).[1] und Mexico.[2] Alle Kunden, bis auf die US Navy haben bereits alle T-6 erhalten. Die Lieferung an die US Navy wird voraussichtlich 2015 abgeschlossen werden.[3]

Die Pilotenausbildung ENJJPT einiger europäischer NATO-Staaten auf der US-Luftwaffenbasis Sheppard Air Force Base, findet seit Sommer 2008 auch mit diesem Trainingsflugzeug statt; so bildet auch die deutsche Luftwaffe ihre Flugschüler damit aus. Da der Hersteller die ENJJPT nicht als Kunde der T-6 aufführt, dürften diese der US Air Force zugehörig sein.

Konstruktion[Bearbeiten]

Das Flugzeug ist ein einmotoriger Tiefdecker mit einem Pratt & Whitney Canada PT6-Turbopropmotor und einem Hartzell-Vierblattpropeller. Die Maschine verfügt über ein einziehbares Fahrgestell. Die Sitze für den Flugschüler und den Ausbilder sind hintereinander angeordnet.

Versionen[Bearbeiten]

T-6A[Bearbeiten]

Griechische T-6 mit Zusatztanks

Im Dezember 2001 bestellte die US Air Force die erste Serie der Texan II. Die Auslieferung begann 2003. Bis zum 31. Juli 2009 hat sie die T-37 vollständig abgelöst. Parallel dazu ersetzt auch die Marine ihre T-34 durch das neue Modell.

Die Kosten für eine Texan II betragen ungefähr sechs Millionen US-Dollar. Ein Viertel der Kosten wird durch die von Martin-Baker entwickelten Schleudersitze verursacht. Da ab den 1990ern auch Frauen an Kampfeinsätzen teilnehmen dürfen, wurde es notwendig die Schleudersitze auf deren durchschnittlich geringeres Gewicht und Größe anzupassen.[4][5]

T-6B[Bearbeiten]

Die T-6B wird seit 2005 angeboten und verfügt über ein Glascockpit mit einem Head-Up-Display, sechs Multifunction-Displays und einer HOTAS-Steuerung.

Die griechischen Versionen der T-6A und der T-6B können Waffen mitführen, darunter Bomben, Raketen und an den Tragflächen befestigte Geschütze. Die T-6B verfügt über zusätzliche Bordsysteme für die Kampfausbildung und kann daher auch als leichtes Kampfflugzeug eingesetzt werden.

Die US-Marine erhielt ihre ersten beiden Maschinen dieses Typs am 3. September 2009. Sie wurden an die Naval Air Force Station Whiting Field in Florida ausgeliefert. Insgesamt will die US Navy 260 T-6B beschaffen.[6]

T-6C[Bearbeiten]

Wie T-6B, aber mit Vorrichtungen unter dem Flügel für Zusatztanks.

CT-156 Harvard II[Bearbeiten]

CT-156 Harvard II in CFB Moose Jaw 2005

Vierundzwanzig CT-156 Harvard II wurden von Bombardier Aerospace für die NATO-Pilotenausbildung in Kanada gekauft und werden an die kanadischen Streitkräfte verleast. Das Cockpit und andere Einzelheiten entsprechen dem strahlgetriebenen Schulflugzeug CT-155 Hawk, das ebenfalls von der Kanadischen NATO Flugschule genutzt wird.

AT-6[Bearbeiten]

Die AT-6 „Coyote“ ist eine Version für die amerikanische Ausschreibung vom November 2009 für den Wettbewerb um ein leichtes Kampf- und Aufklärungsflugzeug (LAAR - Light Attack Armed Reconnaissance Aircraft, auch LAS - Light Air Support) der US-Luftwaffe. Die Maschine sollte nach ihrem Erstflug bis Anfang 2010 die grundlegenden Flugtests abgeschlossen habe. Es handelt sich um eine strukturell verstärkte Variante, die mit einem stärkeren PT6A-68D Triebwerk (820 kW) ausgestattet ist. Sie verfügt über ein Cockpit mit EFIS-Bildschirmen, HUD und HOTAS-Steuerung.[7]

Ende November 2011 wurde die AT-6 jedoch von der USAF ohne Angabe von Gründen vom weiteren Wettbewerb ausgeschlossen. Hawker Beechcraft hat hiergegen beim US Government Accountability Office (GAO) Protest eingelegt.[8]

Militärische Nutzer[Bearbeiten]

GriechenlandGriechenland Griechenland
IrakIrak Irak
IsraelIsrael Israel
KanadaKanada Kanada
MarokkoMarokko Marokko
MexikoMexiko Mexiko
Fuerza Aérea Mexicana: 12 T-6C+
NeuseelandNeuseeland Neuseeland
Royal New Zealand Air Force: 11 T-6C+ (bestellt 2014, Zulauf ab 2016)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
US Air Force
US Navy

Technische Daten (T-6A)[Bearbeiten]

T-6A der VT-10 auf der Naval Air Station Pensacola
Kenngröße Daten
Besatzung 1 + 1
Länge 10,20 m
Spannweite 10,19 m
Höhe 3,30 m
Leermasse 2.087 kg
max. Startmasse 2.958 kg
Höchstgeschwindigkeit 586 km/h (316 KIAS)
Reisegeschwindigkeit 426 km/h
Dienstgipfelhöhe 10.670 m
Reichweite 1.700 km
Triebwerke ein Pratt & Whitney Canada PT6A-68 Turboprop mit 820 kW (1.115 PS)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHawker Beechcraft T-6A Providing Primary Jet Training to Iraqi Air Force. 20. Juli 2010, abgerufen am 22. Juli 2010.
  2. Beechcraft: Beechcraft Reaches 800th Delivery in T-6 Military Trainer Program. 7. März 2013, abgerufen am 17. April 2013.
  3. The Wichita Eagle: Furloughs planned for 240 Hawker Beechcraft workers. 11. Januar 2013, abgerufen am 17. April 2013.
  4. The History and Developments of Martin Baker America. Martin-Baker Aircraft Company, 4. Juli 2012, S. 8 f, abgerufen am 27. März 2014 (PDF; 54 kB, englisch).
  5.  Stefan Schmitt: Dem Himmel so nah. Wie moderne Schleudersitze technische Meisterleistungen vollbringen. In: Zeit Wissen. Nr. 1, 10. Dezember 2008, S. 68-71 („In dem Moment, in dem das Rohr in der Rückenlehne und das am Cockpitboden getrennt sind, lässt der Schub schlagartig nach. Für die Ingenieure war dies lange ein Problem: Verwendeten sie eine zu schwache Treibladung, kam der Pilot nicht sicher aus dem Flugzeug. War sie zu stark, riskierten sie Verletzungen am Rückgrat. Das Problem verschärfte sich zusätzlich, als die ersten Frauen Kampfjets bestiegen. Schließlich muss ein Schleudersitz seitdem ihre im Durchschnitt zarteren Körper ebenso unbeschadet in Sicherheit bringen können wie den eines viel schwereren und deutlich größeren Mannes.“).
  6. FliegerRevue Oktober 2009, S. 8, US Navy erhält erste T-6B
  7. FliegerRevue April 2010, S. 24–27, Die Rückkehr der COIN-Flugzeuge
  8. Combat Aircraft Monthly, Februar 2012, S. 21.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: T-6 Texan II – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien