Geiselhöring

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Geiselhöring
Geiselhöring
Deutschlandkarte, Position der Stadt Geiselhöring hervorgehoben
48.82583333333312.3925356Koordinaten: 48° 50′ N, 12° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Straubing-Bogen
Höhe: 356 m ü. NHN
Fläche: 99,96 km²
Einwohner: 6936 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94333
Vorwahl: 09423
Kfz-Kennzeichen: SR
Gemeindeschlüssel: 09 2 78 123
Stadtgliederung: 49 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Stadtplatz 4
94333 Geiselhöring
Webpräsenz: Stadt Geiselhöring
Bürgermeister: Josef Rothammer[2] (kommissarisch) (Regierungsrat/Staatsbeauftragter)
Lage der Stadt Geiselhöring im Landkreis Straubing-Bogen
Bogen (Stadt) Windberg Wiesenfelden Straßkirchen Steinach (Niederbayern) Stallwang Schwarzach (Niederbayern) Sankt Englmar Salching Rattiszell Rattenberg (Niederbayern) Rain (Niederbayern) Perkam Perasdorf Parkstetten Oberschneiding Niederwinkling Neukirchen (Niederbayern) Mitterfels Mariaposching Mallersdorf-Pfaffenberg Loitzendorf Leiblfing Laberweinting Konzell Kirchroth Irlbach Hunderdorf Haselbach (Niederbayern) Haibach (Niederbayern) Geiselhöring Feldkirchen (Niederbayern) Falkenfels Atting Ascha Aiterhofen Aholfing Straubing Landkreis Kelheim Regensburg Landkreis Landshut Landkreis Regen Landkreis Dingolfing-Landau Landkreis Deggendorf Landkreis Cham Landkreis Cham Landkreis RegensburgKarte
Über dieses Bild
Das historische Rathaus
Die Stadtpfarrkirche St. Peter und Erasmus
Das Loichingerhaus, jetzt Städtisches Bürgerhaus
Die Kirche St. Jakob

Geiselhöring ist eine Stadt im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Geiselhöring liegt in der Region Donau-Wald im Tal der Kleinen Laber. Bei Geiselhöring geht das Labertal fließend in den Gäuboden, die Kornkammer Bayerns, über.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Geiselhöring hat 49 amtlich benannte Ortsteile:[3]

Es gibt die Gemarkungen Geiselhöring, Greißing, Hainsbach, Hirschling, Hadersbach, Haindling, Oberharthausen, Pönning, Sallach und Wallkofen.

Geschichte[Bearbeiten]

Spuren früher Besiedlung lassen sich durch mehrere archäologische Funde nachweisen. So wurde beim Bau des Freibades etwa der sog. Geiselhöringer Stier, eine 16 cm große tönerne Rinderfigur aus der Jungsteinzeit, entdeckt. Auch finden sich im Gemeindegebiet ein Erdwerk und mehrere Keltenschanzen.

Der Ortsname weist auf eine bajuwarische Ortsgründung durch einen Stammesadligen namens Giselher hin (Namensbildung mit Zugehörigkeitssuffix -ing). Dieser Giselher errichtete wohl im Bereich der heutigen Stadtpfarrkirche, am Schlossgraben, eine erste Siedlung. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1140. Im Jahre 1287 erfolgte die Erhebung zum Markt. Im Bereich der heutigen Linskirche entwickelte sich wohl ein zweiter Siedlungskern und mit der Zeit wuchs beides zusammen. Geiselhöring gehörte zum Rentamt Landshut und zum Landgericht Kirchberg des Kurfürstentums Bayern. Hier befand sich eine offene Hofmark des Klosters Obermünster. Darüber hinaus besaß Geiselhöring ein Marktgericht mit weitgehenden magistratischen Eigenrechten.

Nach einem verheerenden Brand im Jahre 1504 wurde 1525 das gotische Rathaus erbaut, das noch heute Sitz der Stadtverwaltung ist. Auch mehrere stolze Giebelhäuser entstanden mit der Zeit, wie etwa das prächtige Bürgerhaus. Das heutige Stadtwappen, eine silberne Egge auf rotem Grund ist zum ersten Mal als Marktsiegel aus dem Jahre 1514 bezeugt. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ ebenfalls deutliche Spuren in Geiselhöring.

Geiselhöring war jahrhundertelang Schauplatz bedeutender Märkte, an Maria Magdalena im Juli und Kathrein im November. Besonders bekannt waren die Großviehmärkte am Viehmarktplatz. Der letzte Markt wurde im Jahr 1977 aufgehoben. Großen Aufschwung nahm der Markt mit dem Bau der Eisenbahn 1860 der königlich bayerischen Ostbahn. Geiselhöring war für kurze Zeit ein zentraler Knotenpunkt im europäischen Eisenbahnnetz. Das hatte einen spürbaren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung zur Folge. So wurde im Jahre 1862 der heute noch bestehende größte Sportverein des Ortes, der TV 1862 Geiselhöring, gegründet. Unter dessen Regie findet seit 1893 alle sieben Jahre der im weiten Umkreis bekannte Schäfflertanz statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Markt Zufluchtsort zahlreicher Vertriebener und die Einwohnerzahl stieg sprunghaft an. So wurde Geiselhöring 1952 vom damaligen bayerischen Innenminister Wilhelm Hoegner (SPD) zur Stadt erhoben. Zu diesem Anlass wurde auch der damalige Marktplatz und heutige Stadtplatz befestigt und erhielt sein typisches Pflaster. Im Rahmen der Kreisgebietsreform wurde der Landkreis Mallersdorf am 1. Juli 1972 aufgelöst und Geiselhöring kam zum neu gegründeten Landkreis Straubing-Bogen.

Am 16. April 1980 stürzte ein Prototyp des Tornado-Kampfflugzeugs in der Nähe von Geiselhöring ab. Dabei kamen beide Testpiloten ums Leben.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Greißing eingegliedert. Am 1. Juli 1972 folgte Hadersbach.[4] Am 1. Mai 1978 kamen Haindling, Hirschling, Oberharthausen, Pönning, Sallach und Wallkofen (mit dem am 1. Januar 1964 eingemeindeten Ort Pullach) sowie Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Hainsbach hinzu.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner[6]
1840 4234
1871 5697
1925 5945
1939 5465
1950 7904
1961 5883
1970 5708
1987 5765
2000 6603
2007 7022

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister der Stadt Geiselhöring seit 1945[Bearbeiten]

Amtszeit: von bis Name Partei
seit 2014* Herbert Lichtinger CSU
2008-2014 Bernhard Krempl FW
1984–2008 Franz Xaver Stierstorfer FW
1966–1984 Alfred Heindl FW
1952–1966 Frank SPD
1945–1952 Jungbauer SPD

Sitzverteilung im Geiselhöringer Stadtrat[Bearbeiten]

Wahljahr CSU FW SPD Die Bürger Gesamt
2014* 11 7 2 0 20
2008 10 7 2 1 20
2002 9 9 2 20
1996 9 8 3 20

* unter Vorbehalt, siehe unten

Zurzeit amtiert als zweiter Bürgermeister Harry Büttner (SPD).[7]

Wahlmanipulation und Neuwahlen 2014[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl 2014 steht im Verdacht, manipuliert worden zu sein. Hintergrund ist der Umstand, dass von 482 gemeldeten osteuropäischen Erntehelfern 465 ihre Stimme abgegeben haben, davon 460 per Briefwahl. Diese waren erst kurz vor der Wahl gemeldet worden und sollen laut Süddeutscher Zeitung größtenteils über keine Deutschkenntnisse verfügen. Profitiert habe dabei eine CSU-Kandidatin, bei denen die Erntehelfer angestellt waren, deren Freunde und Verwandte, die ebenfalls auf der CSU-Liste kandidierten sowie CSU-Bürgermeisterkandidat Lichtinger, der nach der Auszählung letztendlich ca. 300 Stimmen Vorsprung auf den amtierenden Bürgermeister der Freien Wähler, Bernhard Krempl, hatte.[8] Noch nie davor hatte in Geiselhöring ein CSU-Kandidat gewonnen.[9] Auffällig sei, dass nicht nur stets dieselben Kandidaten gewählt worden seien, sondern bei 433 der 460 Briefwahlstimmzettel auch derselbe Stift verwendet worden sein soll und die Ziffern sehr ähnlich aussähen. Strittig ist ebenfalls, ob die Erntehelfer ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, und somit überhaupt grundsätzlich wahlberechtigt waren. Aktuell laufen Ermittlungen von Staatsanwaltschaft, Kriminalpolizei und dem Bayerischen Landeskriminalamt. Die Aufsichtsbehörden kündigten im September 2014 die Amtsenthebung des am 16. März 2014 gewählten Bürgermeisters, der Stadt- und Kreisräte sowie Neuwahlen an.[8][9][10][11][12]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Historisches Rathaus aus dem Jahr 1525, umgebaut im 17./18. Jahrhundert, Giebel mit Zinnen und Barocktürmchen
  • Barocke Stadtpfarrkirche St. Peter und Erasmus. Sie wurde 1761 bis 1764 durch Baumeister Georg Hirschstetter unter Einbeziehung mittelalterlicher Bauteile erbaut. Das Langhausfresko Kreuzigung Petri malte 1765/66 Matthäus Günther, der Stuck und die Marmoraltäre stammen von Franz Xaver Feuchtmayer (Feichtmayr).
  • Loichinger-Haus aus dem 16./17. Jahrhundert, bürgerliches Handelshaus mit Rauputzquaderung und Treppengiebel, handgeschnitzte Tür um 1700
  • Kirche St. Jakob, ursprünglich romanisch, Chor und Turm spätgotisch, Kirchenschiff flachgedeckt, im 17./18. Jahrhundert verändert
  • Schifffahrtsmuseum
  • Schäfflertanz (alle 7 Jahre, wieder 2019)
  • Doppelkirchenanlage des alten Marienwallfahrtsortes Haindling
  • barocke Dorfkirche Mariä Himmelfahrt in Hadersbach
  • Wallfahrtskirche in Antering
  • Rokokokirche St. Martin in Pönning
  • dreiteilige keltische Vierecksschanze bei Greißing
  • Freilichtfestspiel Eva-Plenningerin (alle 4 Jahre, wieder 2012)
  • Schäfflerbrunnen
  • Stadtkapelle Geiselhöring
  • Schloss Sallach

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Geiselhöring

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

1998 gab es nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 72, im produzierenden Gewerbe 1297 und im Bereich Handel und Verkehr 131 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 240 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2204. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 1 Betriebe, im Bauhauptgewerbe 7 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 208 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 6444 ha, davon waren 6096 ha Ackerfläche und 335 ha Dauergrünfläche.

Im Jahr 2011 hat das Kartoffel-Centrum Bayern als größter Kartoffelvermarkter Bayerns einen zweiten Standort in Geiselhöring eröffnet. Der Betrieb sorgt langfristige Absatzmöglichkeiten und Perspektiven für die regionale Landwirtschaft.

Größter Arbeitgeber der Stadt ist der Autozulieferer Faurecia, der hier vor allem Autositze fertigt.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr

Im Ortskern von Geiselhöring treffen die Staatsstraße 2111 (Bundesautobahn 3 - Obertraubling - Sünching - Geiselhöring - Mengkofen - Bundesautobahn 92 - Dingolfing) und die Staatsstraße 2142 (Straubing - Geiselhöring - Bundesstraße 15) aufeinander. Zur Entlastung der Ortsdurchfahrten von Geiselhöring, Hirschling und Perkam wurde vom Staatlichen Bauamt Passau ein Vorentwurf genehmigt, dieser sieht den Neubau einer 7,9 km Entlastungsstrecke vor. Die Einwohner Geiselhörings hatten sich im November 2007 mit großer Mehrheit bei einem Bürgerentscheid für die nun geplante Variante Haindling Süd ausgesprochen. Dem Bürgerentscheid waren jahrzehntelange politische Diskussionen vorausgegangen.

Eisenbahnverkehr

Geiselhöring liegt an der Bahnstrecke Neufahrn–Radldorf

Fahrrad

Entlang der Kleinen Laber führt der Labertalradweg an Geiselhöring vorbei.

Bildung[Bearbeiten]

2010 gab es folgende Einrichtungen:

  • Städtischer Kindergarten: Sechs Gruppen
  • Waldkindergarten bei Schelmenloh (seit 2007): Eine Gruppe
  • Grundschule Geiselhöring
  • Mittelschule Geiselhöring im Verbund mit Leiblfing, Mallersdorf-Pfaffenberg, Rain
  • VHS Außenstelle Laberweinting-Geiselhöring

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Hans-Jürgen Buchner

Folgende Persönlichkeiten kommen aus Geiselhöring bzw. hatten/haben mit Geiselhöring zu tun:

Literatur[Bearbeiten]

  • Festschrift 700 Jahre Markterhebung 1987, Festschrift 125 Jahre TV 1862 Geiselhöring, Chronik der Stadt Geiselhöring von Josepf Reindl, Broschüre Geiselhöring 2000
  • Stoll, Peter: "Martin Heigl, Matthäus Günther und die Pfarrkirche von Geiselhöring" In: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 110. 2008 (2009), S. 319 - 358

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geiselhöring – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.idowa.de/home/artikel/2014/10/08/hier-ist-er-nun-und-kann-nicht-anders-josef-rothammer-wird-interims-buergermeister-von-geiselhoering.html
  3. Eintrag der Stadt Geiselhöring in der Bayerischen Landesbibliothek Online. Abgerufen am 20. September 2014.
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 516.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 632.
  6. Statistikdaten
  7. Stadtrat. Internetseite der Stadt Geiselhöring. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  8. a b Wolfgang Wittl: Wahlskandal in Niederbayern – Stimmvieh auf dem Spargelhof. Süddeutsche Zeitung, 18. September 2014, abgerufen am 20. September 2014.
  9. a b Björn Hengst: Wahlfälschung in Bayern: Erntehelfer als Stimmvieh. Der Spiegel, 18. September 2014, abgerufen am 20. September 2014.
  10. FW und ÖDP fordern Aufklärung. In: Süddeutsche Zeitung, 27. Juli 2014. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  11. Ermittlungen wegen Wahlmanipulation. Der Duft des Spargels . In: Süddeutsche Zeitung, 3. April 2014. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  12. Verdacht auf Wahlbetrug in Geiselhöring. In: Mittelbayerische Zeitung, 20. März 2014. Abgerufen am 27. Juli 2014.