Matthäus Günther

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Selbstbildnis von Matthäus Günther, 1763
Selbstportrait Günthers auf einem Fresko in der Rosenkranz-Kapelle im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift in Indersdorf

Matthäus (Auch: Mathäus) Günther (* 7. September 1705 in Peißenberg, Ortsteil Tritschenkreut (damals: Tritschengreith); † 30. September 1788 in Haid bei Wessobrunn) war ein bayerischer Maler und Graphiker der Barock- und Rokoko-Zeit.

Leben[Bearbeiten]

Matthäus Günther kam als erstes von zwölf Kindern der Bauersleute Jakob Günther und Maria geb. Legenlocher (auch Lengelacher), in Tritschenkreuth, heute Marktgemeinde Peißenberg, zur Welt,[1] in einer Zeit, in der das Kurfürstentum Bayern unter kaiserlich-österreichischer Besatzung litt. Die verhängnisvolle Kette der Ereignisse gipfelte in der Sendlinger Mordweihnacht 1705 und dem Massaker am Handlberg bei Aidenbach am 8. Januar 1706.

Vermutlich begegnete Günther in der Schule im Benediktinerkloster Wessobrunn früh einigen der zeitweise bis zu 300 dort beschäftigten Künstlern und zeigte Interesse an der Malerei. In Wessobrunn, dem Fundort des ersten schriftlich erhaltenen Textdokuments in deutscher Sprache, des Wessobrunner Gebets, arbeiteten in der Zeit des Barock und Rokoko Baumeister, Freskenmaler und Stuckateure in ihrem unverwechselbaren und europaweit bekannten Stil der Wessobrunner Schule zusammen. Es ist nicht bekannt, wer zuerst das künstlerische Potenzial des jungen Matthäus entdeckte und förderte, jedenfalls übernahm er, obwohl Erstgeborener und damit eigentlich privilegiert, nicht den elterlichen Hof, sondern absolvierte von 1721 bis 1723 im nahen Murnau am Staffelsee eine Lehre als Maler bei Simon Bernhardt und arbeitete danach von 1723 bis 1728 in München als Geselle von Cosmas Damian Asam, dem älteren der berühmten Brüder Asam.

Im beginnenden 18. Jahrhundert hatten sich im süddeutschen und alpenländischen Raum München, Innsbruck, Konstanz und Ulm auf dem Gebiet der Freskomalerei zu einer starken Konkurrenz für die früher führende Freie Reichsstadt Augsburg entwickelt. Die Auftragslage der Augsburger Werkstätten war daher relativ schlecht, bis der in Düsseldorf bekannt gewordene junge Maler Johann Georg Bergmüller aus Mindelheim sich dort niederließ und schnell Erfolg und Ruhm als Maler von Altarbildern, Zeichner von Kupferstichen und Freskant erntete. Er wurde zum Leiter der Augsburger Kunstakademie berufen, die sich unter ihm stark vergrößerte.

Günther zog nach den Gesellenjahren bei Asam ebenfalls nach Augsburg und erwarb 1731 durch Heirat der Witwe des Kunstmalers F. Mack die so genannte Meistergerechtigkeit, die noch in der mittelalterlichen Rechtsordnung wurzelte und erforderlich war, um als zugezogener Künstler Augsburger Bürger mit allen bürgerlichen Rechten zu werden. 1740 erwarb Günther den Nachlass von Johann Evangelist Holzer mit zahlreichen Ölskizzen.

1761 verwitwete Günther und heiratete 1763 die zweiundzwanzigjährige Witwe seines Wessobrunner Freundes Johann Georg Üblhör (auch: Ybelherr), der sich in Augsburg einen guten Ruf als Stuckateur erworben hatte. Im selben Jahr konnte Matthäus Günther aufgrund seines hohen Ansehens die Nachfolge Bergmüllers als Leiter der Augsburger katholischen Kunstakademie antreten.

Ab etwa 1770 begann der künstlerische Ruf Augsburgs wieder zu verblassen. Einige bekannte Künstler verstarben und es mangelte an Nachfolgern. Die mit dem Rückgang der Förderung einhergehende Verarmung führte zusätzlich zur Abwanderung vieler Künstler. Der Stadt fehlten die Mittel, um weiter mit aufstrebenden Städten wie München, Stuttgart, Mannheim, Berlin oder Wien Schritt halten zu können, Versuche zur Wiederbelebung des Kunstbetriebes scheiterten. Enttäuscht schied Günther 1784 aus dem Amt des Direktors der Akademie aus und zog sich in das Dorf Haid bei Wessobrunn zurück, wo er vier Jahre später verschied.

Matthäus Günthers jüngerer Bruder Joachim Günther (1720-1789) war Hofbildhauer zu Bruchsal, im Fürstbistum Speyer.

Werk[Bearbeiten]

In etwa 55 Schaffensjahren prägte Günther bis 1787 die Rokokomalerei im süddeutschen-bayerischen Raum bis nach Württemberg, Franken und Tirol, wo er 40 Kirchen ausstattete. Das nachgewiesene Gesamtwerk umfasst etwa 70 Fresken und 25 Tafelbilder. Ungesichert, aber wahrscheinlich, ist seine Mitarbeit 1723/24 bei der Ausstattung des auch als Barockjuwel Tirols bezeichneten Innsbrucker Doms als Geselle des älteren Asam.

Sein erstes allein verantwortetes größeres Werk war das 1732 geschaffene Deckenfresko in der Pfarrkirche von Druisheim unweit von Donauwörth. 1740 malte er das Deckenfresko in der Vorhalle des Klosters Neustift, Gemeinde Vahrn bei Brixen, auf dem die Gründung des Stiftes dargestellt ist, sowie die Fresken im Schiff der Stiftskirche, die von dem Kunsthistoriker Georg Schrott als schönste Barockkirche Südtirols eingeschätzt wird. Hier erwies sich Günther bereits als Meister der illusionistischen Malerei, wie die dargestellten Scheinwölbungen eindrucksvoll zeigen. Unverkennbar ist der Einfluss des venezianischen Meisters Giovanni Battista Tiepolo, den er in Würzburg kennengelernt hatte, wo Günther das Käppele ausstattete, während Tiepolo zeitgleich das berühmte Deckengemälde im Treppenhaus der bischöflichen Würzburger Residenz schuf.

Besonders deutlich wird der Einfluss des Venezianers in Günthers Spätwerk wie der 1779 ausgemalten Dorfkirche von Grins im Tiroler Inntal, wo Günther in tiepoloähnlicher Szenerie allegorische Motive der personifizierten Kirche auftreten lässt, die den vier damals bekannten Erdteilen Zuflucht bietet. In Augsburg selbst finden sich nur wenige Werke von Günthers Hand, darunter in der Antoniuskapelle und im Kongregationssaal des ehemaligen Jesuitenkollegs St. Salvator, dem sogenannten Kleinen Goldenen Saal, mit seinem Deckenfresko unter dem Jesaja-Motto „Ecce virgo concipiet” (nach Jesaja, Kapitel 7; seit 2005 nach mehrjähriger Renovierung wieder zugänglich). In dem dreigliedrigen Fresko verbindet Maria als Mittlerin die irdische Ebene (die von Feinden bedrohte Stadt Jerusalem mit ihrem entscheidungsschwachen König Ahas) mit der himmlischen Trinität, die in einem strahlenden Lichtkreis erscheint. Marianische Szenen aus der „Lauretanischen Litanei” in den vier Eckkartuschen des Saales runden das Deckenfresko ab.

Günthers lebenslange Verbundenheit mit Wessobrunn zeigt sich einerseits in der Freundschaft mit Übelhör, andererseits in der engen Zusammenarbeit mit den Stuckateuren Franz Xaver und Michael Feichtmayr, mit denen Günther häufig in Tirol tätig war.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Fresko mit Szene aus der Schlacht von Lepanto, Indersdorf, 1755
Entwurf für das Deckenfresco Aeneas im Neuen Schloss Stuttgart, 1757
Kuppelfresko in der Benediktiner-Klosterkirche St. Marinus und Anianus in Rott am Inn, 1763

Undatierte Werke:

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Matthäus Günther – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle zu den Eltern
  2. Festschrift Fiecht 1988, S. 61f. Ein Teil des Gewölbes war 1750 eingestürzt.