Haile Gebrselassie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Medaillenspiegel
Gebrselassie beim Amsterdam-Marathon 2005
Gebrselassie beim Amsterdam-Marathon 2005
Langstreckenläufer
 AthiopienÄthiopien Äthiopien
Olympische Spiele
Gold 1996 Atlanta 10.000 Meter
Gold 2000 Sydney 10.000 Meter
Weltmeisterschaft
Silber 1993 Stuttgart 5000 Meter
Gold 1993 Stuttgart 10.000 Meter
Gold 1995 Göteborg 10.000 Meter
Gold 1997 Athen 10.000 Meter
Gold 1999 Sevilla 10.000 Meter
Bronze 2001 Edmonton 10.000 Meter
Silber 2003 Paris 10.000 Meter

Haile Gebrselassie (* 18. April 1973 in Assela, Region Oromiyaa) ist ein äthiopischer Langstreckenläufer. Er stellte insgesamt 25 Weltrekorde auf, dominierte als mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister ein Jahrzehnt lang die Distanzen von 3000 Meter bis 10.000 Meter und ist aktueller Inhaber des Weltrekordes im Marathon.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Karriere

Nach ersten Wettkämpfen, die in ihm den Entschluss reifen ließen, Läufer zu werden, ging er 1990 nach Addis Abeba, um dort gemeinsam mit den besten Läufern seines Landes zu trainieren. Noch im selben Jahr wurde er bei den äthiopischen Crosslauf-Meisterschaften Fünfter.

1992 wurde er Juniorenweltmeister über 5000 und 10.000 Meter. Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 1993 in Stuttgart wurde er Silbermedaillengewinner über 5000 Meter und Weltmeister über 10.000 Meter. Damit hatte die Dominanz von Gebrselassie auf der Langstrecke begonnen.

In den folgenden Jahren war er nicht mehr aufzuhalten. Er gewann Goldmedaillen über 10.000 Meter am Fließband und stellte zahlreiche Weltrekorde auf. Sein Erster gelang ihm am 4. Juni 1994 in Hengelo, als er über 5000 Meter eine Zeit von 12:56,96 Minuten erzielte. Er verbesserte mit dieser Zeit den fast sieben Jahre alten Weltrekord des Marokkaners Said Aouita, der bis dahin als einziger Läufer unter 13 Minuten geblieben war.

Bei den internationalen Titelkämpfen war er bis zur Weltmeisterschaft 2001 über 10.000 Meter nicht zu besiegen. Bei den Olympischen Spielen 1996 und 2000 holte er genauso Gold, wie bei den Weltmeisterschaften von 1993 bis 1999. In den 1990er Jahren gab es mit Moses Tanui (Weltmeister 1991) nur einen weiteren 10.000-Meter-Weltmeister. Bei den Hallen-Weltmeisterschaften holte er vier weitere Goldmedaillen. Er stellte 15 Weltrekorde auf. Über 5000 Meter war er von 1994 bis 2004 Inhaber des Weltrekordes, über 10000 Meter von 1995 bis 2004 (jeweils mit Unterbrechungen). Sein erfolgreichstes Jahr war 1998, als er seine bis 2004 gültigen Weltrekorde über 5000 Meter und 10.000 Meter aufstellte. 2002 verbesserte Gebrselassie zudem den Weltrekord im 10-km-Straßenlauf auf 27:02 Minuten. Als hervorragender Wettkampftaktiker distanzierte er häufig aufgrund seiner hohen Grundschnelligkeit mit einem Endspurt in der letzten Runde die Konkurrenten.

Seine erste Niederlage über 10.000 Meter nach acht Jahren erlebte Gebrselassie bei der Weltmeisterschaft 2001 in Edmonton. Hier langte es für den Äthiopier nur zu Bronze. Es gewann der Kenianer Charles Kamathi. Zwei Jahre später folgte dann bei der WM in Paris die „Wachablösung“ durch seinen jungen Landsmann Kenenisa Bekele. Dieser gewann seine erste internationale Medaille und siegte vor Gebrselassie.

Sein letzter großer Auftritt auf der Bahn war bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Über 10.000 Meter wurde er Fünfter und humpelte verletzt über die Ziellinie. Gold ging wie im Jahr zuvor in Paris an Kenenisa Bekele, der auch schon Gebrselassies Weltrekorde über 5000 und 10.000 Meter gebrochen hatte.

Nach Beendigung seiner Karriere als Bahnläufer wechselte Gebrselassie auf längere Distanzen. Er spezialisierte sich auf den Marathon. Seinen ersten Sieg über diese Distanz erreichte er 2005 beim Amsterdam-Marathon. Sein Ziel ist die Teilnahme am Marathonlauf bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, allerdings wird er wegen der dortigen starken Luftverschmutzung möglicherweise nur auf der 10.000-Meter-Distanz antreten [1].

Am 15. Januar 2006 konnte Gebrselassie in Phoenix zwei Weltrekorde über 20 km und im Halbmarathon aufstellen. Am 12. März verbesserte er auch den Weltrekord über 25 Kilometer. Diese Zeit wurde ihm jedoch wegen unerlaubter Hilfe durch Läufer, die erst später ins Rennen einstiegen, nicht als Weltrekord anerkannt. Die gelaufene Zeit von 1:11:37 Stunden gilt daher nur als „Weltbestzeit“.

Beim Grand-Prix-Meeting der Leichtathleten im tschechischen Ostrau 2007 stellte Gebrselassie zwei weitere Weltrekorde in einem Rennen auf. Beim Stundenlauf legte er in 60 Minuten 21.285 m zurück und übertraf damit die 16 Jahre alte Bestmarke des Mexikaners Arturo Barrios. Im gleichen Lauf verbesserte er auch den Weltrekord über 20.000 m.

Der Äthiopier stellte beim Berlin-Marathon am 30. September 2007 mit 2:04:26 einen Weltrekord über diese Distanz auf. Es war sein vierter Sieg bei seinem siebten Marathon-Start. Damit blieb er 29 Sekunden unter den 2:04:55, die sein kenianischer Freund Paul Tergat vor vier Jahren an gleicher Stelle erzielt hatte. Beim Siegerinterview präsentierte er sich in für ihn typischer Manier. Mit einem Lächeln erklärte er: „Don't ask me how proud I am… I promised to run 2:03 - it did not happen, what can I do …“[2]

Beim Dubai-Marathon 2008 versuchte er, diesen Rekord zu brechen, wofür ein Preisgeld von 1.000.000 Dollar ausgelobt war. Die Halbmarathonmarke erreichte er in 1:01:27. Nachdem jedoch sein letzter Tempomacher bei km 30 ausgestiegen war, wurde er etwas langsamer, und so schmolz sein Vorsprung auf die Zwischenzeiten von Berlin, der bei km 35 noch 25 Sekunden betrug, dahin. Die Zielzeit von 2:04:53 ist jedoch die bislang zweitschnellste Zeit überhaupt und brachte ihm 250.000 Dollar Siegprämie ein.[3]

Haile Gebrselassie ist 1,64 m groß. Er ist das achte von zehn Geschwistern und legte in seiner Jugend täglich 10 km auf dem Schulweg mit seiner Tasche unter dem Arm zurück, was immer noch an der eigentümlichen Haltung des linken Arms beim Laufen abzulesen ist. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. 1999 wurde sein Leben und seine Karriere in einem Film verarbeitet.[4]

[Bearbeiten] Persönliche Bestzeiten

[5]

Disziplin Leistung Datum Ort Bemerkungen
1500 m 3:33,73 6. Juni 1999 Stuttgart
1500 m (Halle) 3:31,76 1. Februar 1998 Stuttgart
1 Meile 3:52,39 27. Juni 1999 Gateshead
2000 m 4:56,10 22. August 1997 Brüssel
2000 m (Halle) 4:52,86 15. Februar 1998 Birmingham ehemaliger Weltrekord
3000 m 7:25,09 28. August 1998 Brüssel Weltjahresbestzeit 1998
5000 m 12:39,36 13. Juni 1998 Helsinki ehemaliger Weltrekord
10.000 m 26:22,75 1. Juni 1998 Hengelo ehemaliger Weltrekord
10 km 27:02 11. Dezember 2002 Doha Weltrekord
15 km 41:38 11. November 2001 Nijmegen
10 Meilen 44:24 4. September 2005 Nijmegen Weltbestzeit
20.000 m 56:25,98 27. Juni 2007 Ostrava Weltrekord, Zwischenzeit beim Stundenlauf
20 km 55:48 15. Januar 2006 Phoenix Zwischenzeit, ehemaliger Weltrekord
Halbmarathon 58:55 15. Januar 2006 Phoenix ehemaliger Weltrekord
Stundenlauf 21,285 km 27. Juni 2007 Ostrava Weltrekord
25 km 1:11:37 12. März 2006 Alphen aan den Rijn Weltbestzeit, nicht als Weltrekord anerkannt
Marathon 2:04:26 30. September 2007 Berlin Weltrekord

(aktuelle Weltrekorde fett; Stand: 30. September 2007)

[Bearbeiten] Erfolge

[Bearbeiten] Ehrungen

  • Weltleichtathlet des Jahres 1998
  • Ehrenbotschafter der Vereinten Nationen für ein Programm zur Entwicklung Äthiopiens (ONUD)
  • Träger des Olympischen Ordens

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. Der Tagesspiegel: Mehr Luft, 11. März 2008
  2. RBB: Interview mit Gebrselassie, 30. September 2007 (RealPlayer)
  3. IAAF: Second fastest of all time for Gebre in Dubai Marathon, 18. Januar 2008
  4. Endurance in der Internet Movie Database (englisch)
  5. Gebrselassie’s PR Progression (Stand Ende 2006)
Persönliche Werkzeuge