Dömitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Dömitz
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Dömitz hervorgehoben
Koordinaten: 53° 8′ N, 11° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Ludwigslust
Amt: Dömitz-Malliß
Höhe: 15 m ü. NN
Fläche: 60,38 km²
Einwohner: 3302 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 55 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19303
Vorwahl: 038758
Kfz-Kennzeichen: LWL
Gemeindeschlüssel: 13 0 54 024
Adresse der Stadtverwaltung: Rathausplatz 1
19303 Dömitz
Webpräsenz:
Bürgermeisterin: Renate Vollbrecht
Lage der Stadt Dömitz im Landkreis Ludwigslust
Karte
Rathaus
Rathaus
Dömitz vom Hafen aus
Dömitz vom Hafen aus
Binnendüne bei Klein Schmölen (Standort)
Binnendüne bei Klein Schmölen (Standort)
Überstaute Flutrinne an der Elbe, im Hintergrund die alte Dömitzer Eisenbahnbrücke
Überstaute Flutrinne an der Elbe, im Hintergrund die alte Dömitzer Eisenbahnbrücke

Dömitz ist eine Landstadt im Südwesten Mecklenburgs im Landkreis Ludwigslust (Deutschland). Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Dömitz-Malliß, dem weitere sechs Gemeinden angehören.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Die Stadt Dömitz an der Elbe ist der südlichste Ort in Mecklenburg-Vorpommern und liegt im Naturpark Mecklenburgisches Elbetal in der Nähe des Dreiländerecks von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg sowie am südlichen Rand der Griesen Gegend. Dömitz ist der Endpunkt der Müritz-Elde-Wasserstraße (MEW), die die Elbe mit der oberen Havel verbindet. Innerhalb des Stadtgebiets überquert der Eldekanal, als letztes Teilstück der MEW, die Löcknitz. Die Stadt liegt in einer weitgehend naturbelassenen Umgebung. Bemerkenswert ist die Binnenwanderdüne im Ortsteil Klein Schmölen.

[Bearbeiten] Ortsteile

Am 12. April 2004 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Heidhof, Polz und Rüterberg in die Stadt Dömitz eingegliedert. Zu Dömitz gehören weiterhin die Ortsteile Groß- und Klein Schmölen.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Name

Der Name Dömitz stammt vom altpolabischen Domalici lässt auf erste slawische Siedler schließen. Erst 1230 gibt es eine erste Erwähnung eines Priesters Heinrich von Dömitz.[1] .

[Bearbeiten] Mittelalter

Wegen der häufigen Überschwemmungen durch die Elbe und der schlechten Böden erfolgte eine sehr späte Besiedlung. Für 1235 gibt es Belege für eine westlich des Ortes auf einer Elbinsel gelegenen Burg. Ihre kreisrunde Anlage lässt vermuten, dass hier schon eine Befestigung aus slawischer Zeit vorhanden war. 1237 gab es eine Elbzollstelle des Grafen von Dannenberg. Eine erste Erwähnung von Dömitz als Stadt (civitas) existiert aus dem Jahre 1259. Das Stadtrecht wurde auch von den Grafen von Dannenberg verliehen. Beleg dafür ist erst eine Urkunde von 1505. Ab 1291 wechselten mehrfach die Besitzer der Stadt, bis Dömitz 1376 endgültig an Mecklenburg fällt. Die Burg wurde wegen von ihr ausgehenden Raubzügen 1353 gebrochen, bestimmte aber weiterhin die Bedeutung der Stadt. Die Landesherrn verpfändeten Dömitz 1391 an den Ritter Heinrich von Bülow gen. Grotekop und seine Brüder. 1554-1565 wurde diese unter Herzog Johann Albrecht I. zur Festung ausgebaut. Wegen der Festung litt Dömitz in der Folgezeit mehrfach unter kriegerischen Auseinandersetzungen. So kamen 1620 im Dreißigjährigen Krieg englische Truppen in die Stadt und 1627 wurde sie von Wallenstein besetzt. Während des weiteren Kriegsverlaufes wurde Dömitz wechselnd von schwedischen und kaiserlichen Truppen eingenommen.

[Bearbeiten] 18. bis 19. Jahrhundert

1719 bis 1747 verlegte Herzog Karl Leopold seinen Regierungssitz nach Dömitz, wo er 1747 verstarb. Danach verloren die Stadt und die Festung an Bedeutung, bis am 15. Mai 1809 Ferdinand von Schill auf seinem Marsch nach Stralsund, verfolgt von holländischen und französischen Truppen, die Festung einnahm. Bei der Einnahme der Festung nach Abzug Schills wurde die Stadt in Brand geschossen. 1813 zog das Lützowsche Korps in Dömitz ein.

1839-1840 verbüßte der niederdeutsche Dichter Fritz Reuter hier das letzte Jahr seiner Festungshaft. Er beschrieb diese in seinem Buch „Ut mine Festungstied“ („Aus meiner Festungszeit“). 1870-1872 wurde im Zuge des Eisenbahnbaus zwischen Wittenberge und Lüneburg, später auch Lübtheen und Ludwigslust eine Elbbrücke errichtet. Dömitz wurde damit wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. 1888 erlitt die Stadt durch ein Elbhochwasser schwere Schäden. 1894 erfolgte die Aufhebung der Festung.

[Bearbeiten] Neuere Zeit

Um 1900 hatte sich der Hafen zu einem der wichtigsten Umschlagplätze an der Elbe zwischen Hamburg und Magdeburg entwickelt. Die guten Verkehrsanbindungen führten zu größeren Industrieansiedlungen, wie dem Dynamitwerk am südlichen Stadtrand. 1934-1936 wurde eine Straßenbrücke nach Niedersachsen gebaut. In den letzten Kriegstagen 1945 wurden beide Brücken zerstört. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 2000 Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in einer 1938 reaktivierten Munitionsfabrik Zwangsarbeit verrichten. Dazu kamen weitere 400 Frauen, die in einem Außenlager des KZ Neuengamme interniert waren.

Während der Zeit der DDR litt Dömitz durch seine Grenznähe zeitweilig unter den Restriktionen durch das Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze, welche erst in den 1970er Jahren nach umfangreichem Ausbau der Grenzsicherungsanlagen gelockert wurden. Mehrere Industriebetriebe wurden in Dömitz angesiedelt, wie das Werk für elektronische Bauelemente (Stammsitz in Teltow) oder das aus einem privatisiertem Kleinbetrieb entstandene Rundstab- und Sportgerätewerk. Weiterhin im Grenzgebiet vom Landesinneren abgeschnitten war der heutige Ortsteil Rüterberg, dessen Bewohner als Protest gegen die durch die Isolierung bestehende Situation am 8. November 1989 die Dorfrepublik Rüterberg ausriefen.

Nach der politischen Wende wurde 1992 die Elbbrücke neu errichtet und ab 1991 der historische Stadtkern und die Festung im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert.

[Bearbeiten] Wappen

Blasonierung: „In Silber ein sechsfach gezinntes rotes Stadttor mit geschlossenen nägelbeschlagenen silbernen Torflügeln, überragt von einem Turm mit einer fünffach gezinnten und beiderseits abgestrebten Platte.“

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

Ruine der Dömitzer Eisenbahnbrücke (um 1990)
Ruine der Dömitzer Eisenbahnbrücke (um 1990)
Festungsmauer
Festungsmauer
Kirche Dömitz
Kirche Dömitz

[Bearbeiten] Alte Eisenbahnbrücke

Die Eisenbahnbrücke Dömitz wurde in den Jahren 1870-1873 für die Wendlandbahn der Berlin-Hamburger Bahn errichtet und bis zum Zweiten Weltkrieg befahren. Nach ihrer Zerstörung am 20. April 1945 erfolgte kein Wiederaufbau, da die Elbe hier Teil der innerdeutschen Grenze war. Die Abbildung zeigt die erhaltenen Reste auf der Dömitz gegenüberliegenden Elbseite.

[Bearbeiten] Altstadt

Die Altstadt bietet ein sehr geschlossenes Stadtbild mit zahlreichen Fachwerkhäusern und einem zweigeschossigen Rathaus von 1820, ebenfalls in Fachwerkbauweise mit einem Mansarddach.

[Bearbeiten] Geschichtsdenkmale

  • VVN-Gedenktafel von 1950 in der Goethestraße 25 an die letzte jüdische Einwohnerin von Dömitz, Anna Wolfenstein, die 1942 von der Gestapo in das KZ Theresienstadt deportiert wurde und dort ums Leben kam
  • Gedenkstein von 1949 auf dem Slüterplatz (zu DDR-Zeiten Ernst-Thälmann-Platz) für den 1944 im KZ Buchenwald ermordeten Arbeiterpolitiker Ernst Thälmann

[Bearbeiten] Festung

Siehe Hauptartikel: Festung Dömitz

Die Festung Dömitz ist eine Flachlandfestung aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurde zwischen 1559 und 1565 zu Zeiten des mecklenburgischen Herzogs Johann Albrecht I. erbaut, um die Südwestgrenze Mecklenburgs und die Übergänge über die Elbe zu sichern. Die Festung ist in Form eines Fünfecks angelegt und mit Bastionen und Kasemattengewölben versehen. Sie steht aufgrund ihres guten Erhaltungszustandes seit 1975 unter Denkmalschutz und beherbergt seit 1953 ein Museum zur Region und Stadt.

[Bearbeiten] Johanniskirche

Die Kirche in Dömitz ist eine neugotische Basilika mit kreuzförmigen Zeltdach. Sie ist aus Backstein errichtet und wurde am 20. Oktober 1872 im Beisein ihres Patrons Großherzog Friedrich Franz II. geweiht. Sie ist die Kirche der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Dömitz in der Propstei Dömitz im Kirchenkreis Parchim. Seit 1195 ist in Dömitz eine Kirche belegt. Die heutige Johanniskirche ist bereits der vierte Kirchenbau, nachdem die Vorgängerkirchen jeweils wegen Baufälligkeit oder nach einem Stadtbrand abgerissen werden mussten. Der Bau der jetzigen Kirche erfolgte 1869 bis 1872 nach Plänen des Schweriner Architekten Oppermann wiederum am Platz der Vorgängerkirche, der höchsten Erhebung im Stadtgebiet. Die Kirche ist 39 Meter lang, der Turm 50 Meter hoch. Aus der Vorgängerkirche stammen lediglich der Taufstein und mehreren Kugelleuchter. Alle anderen Stücke der Innenausstattung, wie der Altar, die Kanzel oder die Orgel sind aus der Zeit um 1872. Die Orgel des Orgelbauers Johann Heinrich Runge aus Hagenow war von Beginn an von schlechter Qualität und erfordert bis heute ständige Reparaturen. Der Altar wurde vom Schweriner Hoftischler Peters gefertigt. Das 2,9 Meter hohe Altarbild Maria, Martha und Johannes unter dem Kreuz stammt vom Historienmaler Fischer ebenfalls aus Schwerin. Die Ausmalung im Kirchenschiff ist bis heute unverändert geblieben.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten] Verkehrsanbindung

Westlich der Stadt liegt die Straßenbrücke Dömitz, auf der die Bundesstraße 191 (Ludwigslust - Dannenberg (Elbe)) die Elbe überquert, es ist die einzige Brücke zwischen Lauenburg/Elbe und Wittenberge. Durch Dömitz führt außerdem die Bundesstraße 195 (Boizenburg/Elbe - Wittenberge).

Zu Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Eisenbahnbrücke über die Elbe zerstört und damit die Verbindung zwischen den Knotenpunkten Uelzen und Ludwigslust unterbrochen. Ab diesem Zeitpunkt war Dömitz nur Endpunkt einer Nebenbahn. Völlig eingestellt wurde der Personenverkehr der Bahnstrecke Ludwigslust–Dömitz im Mai 2000. Die nächsten Bahnhöfe liegen jetzt im 14 Kilometer entfernten niedersächsischen Dannenberg (Elbe) und 34 Kilometer entfernten Ludwigslust.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Ernst Eichler/Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern, Ingo Koch Verlag, Rostock, 2002, ISBN 3-935319-23-1

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Dömitz – Bilder, Videos und Audiodateien


Persönliche Werkzeuge