Alcalá de Henares

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Gemeinde Alcalá de Henares
Alcalá de Henares (RPS 09-12-2012) Catedral Magistral de los Santos Justo y Pastor.png
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Alcalá de Henares
Alcalá de Henares (Spanien)
Finland road sign 311 (1994–2020).svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: MadridMadrid Madrid
Provinz: Madrid
Comarca: Metropolitana de Madrid
Koordinaten 40° 29′ N, 3° 22′ WKoordinaten: 40° 29′ N, 3° 22′ W
Höhe: 654 msnm
Fläche: 87,7 km²
Einwohner: 195.649 (1. Jan. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 2.230,89 Einw./km²
Postleitzahl: 28801-28807
Gemeindenummer (INE): 28005
Nächster Flughafen: Flughafen Madrid-Torrejón
Verwaltung
Amtssprache: Kastilisch
Bürgermeister: Manuel Peinado Lorca (PSOE)
Website: www.ayto-alcaladehenares.es

Alcalá de Henares ist eine Stadt in der Comunidad de Madrid (Spanien). Sie hieß in der Römerzeit Complutum. Die 1499 gegründete historische Universität Alcalá, eine der bedeutendsten Universitäten Europas, wurde im Jahre 1836 nach Madrid verlegt.[2] Die Gebäude dieser Universität und das historische Zentrum der Stadt Alcalá de Henares wurden 1998 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.[3] Der Name der Stadt leitet sich aus dem Arabischen ab (arabisch القلعة, DMG al-Qalʿa ‚die Burg, Festung‘) sowie vom Henares, dem durch die Stadt fließenden Fluss. Die Stadt zählt 195.649 Einwohner (Stand 1. Januar 2019) und liegt am östlichen Rand der Agglomeration Madrid (Área Metropolitana de Madrid mit 5,4 Mio. Einwohnern). Sie ist seit 1991 Sitz eines römisch-katholischen Bischofs.

Die Einwohner Alcalás nennen sich Alcalaínos oder, nach „Complutum“ dem Namen den die Stadt zur Römerzeit trug, Complutenses.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ersten Jahrhundert nach Christus gründeten die Römer im Tal des Henares eine Siedlung, der sie den Namen Complutum gaben. Die Stadt erblühte, weil sie an der Straße zwischen Mérida und Saragossa einen wichtigen Wegpunkt darstellte, und zählte über 10.000 Einwohner. 711 bei der Eroberung durch die maurischen Berbervölker wurde die jetzt christliche Stadt nicht eingenommen. Es entstand eine von Muslimen erbaute Festung auf der anderen Seite des Henares, die über 400 Jahre in relativ friedlicher Nachbarschaft mit der von Christen bewohnten Siedlung bestand.[4] Im Jahr 1118 eroberte der Erzbischof von Toledo Bernardo de Sedirac die muslimische Siedlung. Alcalá erhielt im Jahre 1184 Stadtrechte. Es entwickelte sich eine große jüdische Gemeinde. Sie zählte Mitte des 15. Jahrhunderts über hundert Familien.[5]

Im Jahr 1499 gründete Francisco Jiménez de Cisneros, der Erzbischof von Toledo, zu dessen Diözese die Stadt Alcalá de Henares damals gehörte, dort eine Universität. Zusammen mit dem Gebäude des Colegio Mayor ließ Cisneros ab 1499 zwölf Colegios Menores errichten. Die Colegios waren der Teil der Universität an denen die Studenten, die die Vorlesungen der verschiedenen Lehrstühle besuchten, wohnten und lernten. Weitere Colegios unter der Schirmherrschaft der Könige und verschiedener Adeliger kamen hinzu. Die Mönchsorden errichteten in Alcalá de Henares Klöster, die in enger Zusammenarbeit mit der Universität die Ausbildung der Ordensmitglieder betrieben. Auf diese Art entstand in der Zeit der Renaissance eine Universitätsstadt innerhalb und neben der mittelalterlichen Stadt.

Im Rahmen der Desamortisation in Spanien wurden 1835 auch die Klöster und Colegios in Alcalá de Henares aufgelöst und die Gebäude in Staatseigentum überführt und verkauft. Ein Teil der Einrichtung und die Verwaltung der Universität wurden 1836 nach Madrid verlegt. Die Universität Complutense Madrid (Complutense abgeleitet aus dem lateinischen Namen Alcalás) sieht sich seit 1970 als historischer Nachfolgerin der „alten“ Universität von Alcalá de Henares.

Im Rahmen der Verwaltungsreform von 1821 wurde das benachbarte Guadalajara zur Provinzhauptstadt bestimmt. Alcalá de Henares wurde somit zum eher unbedeutenden Marktflecken zwischen der Hauptstadt und Zaragoza. Die Stadt verlor die Hälfte ihrer Einwohner.

Während des Spanischen Bürgerkrieges wurde der POUM-Führer Andreu Nin nach Alcalá de Henares verschleppt und von NKWD-Agenten zwischen den 18. bis zum 21. Juni 1937 gefoltert.[6] Nennenswerter Bevölkerungswachstum setzte erst mit dem Aufstieg des Großraum Madrids und dem Ende der Franco-Diktatur ein.

Im Jahr 1977 wurde eine neue Universidad de Alcalá de Henares gegründet, die ab 1978 vollkommen unabhängig war. Im Jahr 2014 nutzte die neue Universität fünfzehn der Gebäude die zwischen 1499 und 1836 für die alte Universität erbaut wurden.[7]

Miguel de Cervantes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Oktober 1547 wurde der Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra in der Gemeindekirche Santa María la Mayor in Alcalá de Henares getauft. Es wird angenommen, dass er am 29. September 1547 in dieser Stadt geboren wurde. Zwischen 1608 und 1615 hat er sich gelegentlich kurzzeitig in Alcalá de Henares aufgehalten.[8] In dem Haus, das als sein Geburtshaus gilt, und in der Kirche, in der er getauft wurde, erinnern Ausstellungen an Miguel de Cervantes.

Der Premio Miguel de Cervantes gilt als der wichtigste Literaturpreis in der spanischsprechenden Welt. Seit 1977 übergibt der spanische König der Preisträgerin oder dem Preisträger diesen Preis jedes Jahr am 23. April im Festsaal des Colegio Mayor San Ildefonso.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alcala de Henares population growth.svg

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Universität und historischer Bezirk von Alcalá de Henares
UNESCO-Welterbe UNESCO-Welterbe-Emblem

Alcalá de Henares (RPS 08-11-2014) Plaza de Cervantes.png
Plaza de Cervantes, Alcalá de Henares
Vertragsstaat(en): SpanienSpanien Spanien
Typ: Kultur
Kriterien: (ii) (iv) (vi)
Referenz-Nr.: 876
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1998  (Sitzung 22)
Universität von Alcalá
Plaza de Cervantes am Abend

Das Geburtshaus des Dichters Miguel de Cervantes gehört zu den großen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die vielen religiösen Gebäude, allen voran die Kathedrale an der Plaza de los Santos Niños, sowie weitere Kirchen, Kapellen, Klöster etc. Lange Zeit waren in vielen historischen Gebäuden die Kasernen der Fallschirmspringer-Brigade untergebracht. Heute sind bzw. werden diese Gebäude für die Fakultäten der Universität renoviert. Auf den Türmen der Stadt nisten viele Störche, die seit einigen Jahren ganzjährig in Alcalá bleiben.

  • Hauptgebäude der Universität (Plateresker Stil)
  • Geburtshaus von Miguel de Cervantes
  • Kathedrale (La Magistral an Plaza de los Santos Niños)
  • Corral de Comedias (Plaza Cervantes, altes Theatergebäude)
  • Teatro Salón Cervantes
  • Palacio Arzobispal (Erzbischöflicher Palast)
  • Calle Mayor (zwischen Plaza Cervantes und Plaza Santos Niños, mit vor Hitze und Regen schützenden Arkaden)
  • Botanischer Garten (Neues Uni-Gelände)
  • Arboretum (im Westteil der Stadt)
  • Parque O'Donnell
  • Puerta de Madrid (Stadttor)
  • Alte Stadtmauer
  • Archäologische Funde
  • La Cupula Restaurante (Restaurant in ehemal. Kloster)
  • Eine große Zahl kleinerer Kirchen, Klöster usw.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem 28 km entfernten Madrid ist Alcalá durch eine S-Bahn-ähnliche Nahverkehrszug-Strecke (Cercanías C-1, C-2, C-7) verbunden, die am 11. März 2004 Schauplatz der verheerenden Madrider Zuganschläge wurde. Die 13 Bomben wurden vermutlich am Bahnhof von Alcalá in den Zügen platziert.

Alternativ gibt es Buslinien, die Alcalá mit Madrid verbinden. Die Überlandbusse fahren in Madrid alle vom unterirdischen U- und Busbahnhof von der Avenida de América ab. Sie haben die Nummern 223 (Alcalá), 227 (Universidad) und 229 (V.(irgen) del Val). Auch nachts ist es möglich, von Madrid nach Alcalá und zurückzukommen. Es gibt eine spezielle Nachtlinie (N202) mit denselben Haltestellen wie die Linie 223, die auch durch Torrejón de Ardoz fährt.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alcalá hat neun Partnerstädte:

Stadt Land seit
Alajuela Costa RicaCosta Rica Costa Rica 2011
Alba Iulia[9] RumänienRumänien Rumänien 2005
Azul[10] ArgentinienArgentinien Argentinien 2011
Fort Collins[9] Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1995
Guanajuato[9] MexikoMexiko Mexiko
Lublin[11] PolenPolen Polen 2001
Peterborough[12] Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien 1986
San Diego[9] Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1982
Talence[9] FrankreichFrankreich Frankreich 1985

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alcalá de Henares – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. Vicente Fernández Fernández und Ángel Pérez López: Alcalá De Henares - Guía Histórico-Artística. 2009, S. 6.
  3. UNESCO World Heritage Centre: University and Historic Precinct of Alcalá de Henares. UNESCO, 2020, abgerufen am 1. März 2020 (englisch).
  4. Ajuntamiento de Alcalá de Henares abgerufen am 4. März 2012 (spanisch)
  5. Ajuntamiento de Alcalá de Henares abgerufen am 4. März 2012 (spanisch)
  6. Antony Beevor, Der Spanische Bürgerkrieg, ISBN 978-3-442-15492-0, 2. Auflage, Seite 348
  7. Javier Rivera Blanco et al.: Universidad de Alcalá. Patrimonio de la Humanidad - World Heritage. Hrsg.: Universidad de Alcalá. 3. Auflage. Universidad de Alcalá, Madrid 2014, ISBN 978-84-16599-76-9, S. 75 (spanisch, englisch, [1] [PDF; abgerufen am 16. März 2020]).
  8. Jean Canavaggio: Cervantes en su vivir. Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes, Alicante 2004 (spanisch, [2] [abgerufen am 16. März 2020]).
  9. a b c d e San Diego International Sister Cities Association. Archiviert vom Original am 6. November 2014. Abgerufen am 9. Januar 2020.
  10. Alcalá de Henares y Azul, "Ciudad Cervantina de Argentina" firman mañana su hermanamiento. Abgerufen am 6. November 2014.
  11. Miasta partnerskie Lublina. Archiviert vom Original am 6. November 2014. Abgerufen am 6. November 2014. (polnisch)
  12. Alcalá de Henares. Archiviert vom Original am 7. November 2014. Abgerufen am 9. Januar 2020. (englisch)