Fiat 130

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Fiat
Fiat 130 (1969–1976)

Fiat 130 (1969–1976)

130
Produktionszeitraum: 1969–1977
Klasse: Obere Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Coupé
Motoren: Ottomotoren:
2,9–3,2 Liter
(103–121 kW)
Länge: 4750–4842 mm
Breite: 1760–1803 mm
Höhe: 1378–1473 mm
Radstand: 2720 mm
Leergewicht: 1474–1615 kg
Vorgängermodell: Fiat 2300
Nachfolgemodell: keines

Der Fiat 130 ist ein Pkw-Modell der oberen Mittelklasse mit Sechszylinder-V-Motoren, das von Fiat zwischen Anfang 1969 und Ende 1977 hergestellt wurde. Es war der Nachfolger der Modellreihe 1800/2100/2300 mit Sechszylinder-Reihenmotoren.

Außer den serienmäßig gebauten viertürigen Limousinen und zweitürigen Coupés (zusammen knapp 19.500 Fahrzeuge) entstanden auch verschiedene Sonderaufbauten.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

130 Limousine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heckansicht

Im Frühjahr 1969 kam die Limousine auf den Markt. In der ersten Version diente ein V6-Motor mit 2,9 Litern Hubraum und anfangs 103 kW (140 PS), später mit 118 kW (160 PS) als Antriebsquelle. Mit einer um 6 mm vergrößerten Bohrung und damit 3,2 Liter Hubraum, leistete er in der zweiten Serie ab Frühjahr 1971 sowie im Coupé 121 kW (165 PS). Den Motor hatte Aurelio Lampredi entworfen, es handelt sich dabei aber nicht um den Motor des Ferrari Dino, wie vielfach behauptet. Lampredi hatte unter anderem auch bei Ferrari gearbeitet.

Der Motorblock aus Grauguss hat einen Bankwinkel von 60 Grad; die Zylinderköpfe sind aus einer Aluminiumlegierung und haben pro Zylinderbank eine, von einem Zahnriemen angetriebene, obenliegende Nockenwelle. Die Köpfe sind eine typische Lampredi-Konstruktion der damaligen Zeit und denen des Vierzylindermotors für den Fiat 128 sehr ähnlich. Sie sind zweiteilig ausgeführt, ein Gussteil trägt die keilförmigen Brennräume und die Gaskanäle, Ventilsitze und parallel hängenden Ventile, ein zweites trägt die Nockenwelle mit ihrer Lagerung. Das Ventilspiel wird durch oben in die Tassenstößel eingelegte Distanzplättchen eingestellt und folgt damit der für Fiat patentierten Lampredi-Entwicklung. Da die Ventile nicht in der Zylinderachse stehen, sondern schräg dazu und bei Sicht entlang der Motorlängsachse ins Innere des Zylinder-V hinein schräg, ergibt sich für die Auslasskanäle des Motors mit einem sehr kleinen Radius im Zylinderkopf eine ungünstige Gasführung. Dies führte dazu, dass dieser Motor nie durch hohe Leistungsabgabe glänzen konnte. Nicht einmal die Sportvariante im Abarth SE 030 für den Giro d’Italia, ein Wettbewerbsfahrzeug auf Basis des gleichzeitig entwickelten Lancia Montecarlo, kam mit 3,6 Liter Hubraum über 265 PS (195 kW) hinaus. Der zwar kultivierte, aber leistungsschwache und durstige V6 blieb die Achillesferse des Fiat 130.

Die Karosserie der Limousine wurde in Fiats eigenem Centro Stile entworfen; verantwortlicher Designer war dessen Leiter Mario Felice Boano.[1] Die Form war aus den Linien des kleinen Fiat 128 entwickelt; die Karosserie des 130 trug allerdings wesentlich mehr Chromschmuck. Boanos Entwurf war von Beginn an Gegenstand teilweise harter Kritik. Auch heute noch wird die Limousine als „stilistisch verfehlt“[2] oder „barock und schwülstig“[3] beschrieben. Sie war 4750 mm lang, 1803 mm breit, 1473 mm hoch und wog zwischen 1474 und 1615 kg.

Der 130 konnte auf Wunsch mit zahlreichen Extras ausgerüstet werden: Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern, Sperrdifferenzial, Leichtmetallräder, Transistorzündung, Lederausstattung und Automatikgetriebe.

Allerdings fehlte es wohl zumindest in Deutschland an entsprechend vorbereiteten Händlern, die ein solch luxuriöses Modell anbieten und warten konnten, weshalb der 130 nicht sehr erfolgreich war. Daran änderte auch die technische Überarbeitung im Frühjahr 1971 (größerer 3,2-Liter-Motor mit 121 kW/165 PS) nichts.

Nach rund 15.000 produzierten Exemplaren wurde die Limousine zum Jahresende 1976 schließlich aus dem Angebot genommen.

Fiat 130 Coupé (1971–1977)

130 Coupé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Fiat 130 Coupé

Das Fiat 130 Coupé wurde ab Frühjahr 1971 in kleiner Stückzahl bei Pininfarina produziert. Mit 3238 cm3 Hubraum leistete der Motor 121 kW (165 PS).

Das Coupé ist bei Pininfarina entworfen worden, ausführende Designer waren Paolo Martin und Leonardo Fioravanti. Dieses Auto gilt bis heute als Design-Meilenstein. Wesentliche Merkmale des Entwurfs finden sich beim ebenfalls von Pininfarina entworfenen Rolls-Royce Camargue wieder. Die Maße des Coupés betrugen L x B x H = 4842 mm × 1760 mm × 1378 mm, das Gewicht lag zwischen 1559 und 1600 kg.

Ungeachtet dessen war das 130 Coupé jedoch kein wirtschaftlicher Erfolg. Es fanden sich nicht genug Kunden für ein derart teures Fahrzeug, das unter der Marke Fiat verkauft wurde.

Ende 1977 wurde die Produktion nach knapp 4500 Exemplaren eingestellt.

Besondere Aufbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fiat 130 Kombi (Prototyp)

Werksaufbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fiat fertigte Anfang der siebziger Jahre einen Prototyp für einen Kombi, der nicht in Serie ging. Basis war die Limousine.

Pininfarina-Entwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pininfarina leitete in den 1970er Jahren zwei Sondermodelle von seinem Coupé-Entwurf ab, die jeweils Einzelstücke blieben:

  • Der Fiat 130 Maremma war ein dreitüriger Sportkombi im Stil eines Shooting Brakes. Das Fahrzeug trug hinter der B-Säule eine großflächige Verglasung. Die Kofferraumklappe war stark geneigt und öffnete weit[4].
  • Der Fiat 130 Opera war eine viertürige Stufenhecklimousine, die das Design des 130 Coupés konsequent fortschrieb. Der Wagen wurde allgemein als deutlich eleganter empfunden als die Limousine von Fiat; gleichwohl wurde die Serienproduktion nicht aufgenommen.

Weitere Aufbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Officine Introzzi aus Como fertigten in den späten 1970er Jahren mindestens einen weiteren Kombi auf der Basis der Werkslimousine, der Seitenverkleidungen aus Holzimitat trug und den Stil amerikanischer „Woodies“ imitierte[5].
  • Die Carrozzeria Pilato stellte fünf Bestattungsfahrzeuge auf der Basis der Werkslimousine her, die Carrozzeria Casale produzierte mindestens ein Bestattungsfahrzeug auf der Grundlage des 130 Coupé.

Fiat 130 im TV-Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Fiat 130 spielt in der ARD-Krimireihe Tatort heute noch eine Nebenrolle: Kommissar Kopper aus dem Tatort Ludwigshafen am Rhein fährt als Dienstwagen eine Fiat 130-Limousine der zweiten Serie (Baujahr 1971).[6][7][8]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Automobil Revue, Katalognummern 1971, 1973 (techn. Daten und Preise)
  • Dieter Günther: Abgehoben. Modellgeschichte der Fiat 130 Limousine und des Fiat 130 Coupés. In: Oldtimer Markt, Heft 4/1995, S. 8 ff.
  • Kevin Brazendale: The Encyclopedia of classic cars. Advanced Marketing Services, London 1999, ISBN 1-57145-182-X (engl.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fiat 130 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oldtimer Markt, Heft 4/1995, S. 11.
  2. Brazendale, S. 211.
  3. Vgl. Motor Klassik, Heft 3/2006, S. 34.
  4. Bilder des Fiat 130 Maremma auf www.coachbuild.com
  5. auto katalog, Ausgabe 1983/84 mit Abbildung
  6. Fiat 130: Coole Karre, Kommissar Kopper; Artikel von focus.de
  7. Das Geheimnis des Kommissars - Der Fiat 130; Artikel bei n24.de
  8. Die schönsten Oldtimer am "Tatort"; Artikel bei autobild.de
  9. http://www.kfz-tech.de//Bilder/Hersteller/Fiat/Fiat13012.jpg Zeichnung der Vorderachse