Martin Van Buren

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Martin Van Buren
Unterschrift Van Burens

Martin Van Buren (* 5. Dezember 1782 in Kinderhook, Columbia County, New York; † 24. Juli 1862 ebenda) war der 8. Präsident der Vereinigten Staaten vom 4. März 1837 bis zum 4. März 1841. Unter Präsident Andrew Jackson, seinem Vorgänger, amtierte er erst als Außenminister und später als Vizepräsident. An Gründung und Aufbau der Demokratischen Partei in den 1830er Jahren war er wesentlich beteiligt. Van Buren war nach seiner erfolgreichen Wahl 1836 der erste Präsident, der nach der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung und somit als Natural born citizen geboren wurde, sowie bis heute der einzige Amtsinhaber, dessen Muttersprache nicht das Englische war. Seine Amtszeit wurde vor allem durch die große Wirtschaftskrise von 1837 geprägt. Bei der Präsidentschaftswahl 1840 unterlag Van Buren William Henry Harrison. Bei der Präsidentschaftswahl 1848 war er Kandidat der Free Soil Party ohne in einem Bundesstaat Wahlmännerstimmen erringen zu können.

Leben[Bearbeiten]

Familie und Ausbildung[Bearbeiten]

Van Buren kam am 5. Dezember 1782 - und somit als Natural born citizen - in dem südlich von Albany gelegenen Ort Kinderhook in Upstate New York zur Welt. Später war er der erste US-Präsident, der in diesem Status geboren war.[1] Von sechs Geschwistern war er der viertgeborene. Vor der Heirat mit seinem Vater, Abraham Van Buren, war die Mutter, Maria Van Buren, verwitwet mit drei Kindern gewesen. Die Vorfahren beider Eltern kamen aus der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Da die meisten Bewohner des Township von ebensolcher Abstammung waren, wurde gewöhnlich niederländisch gesprochen, weshalb es die Muttersprache Van Burens war.[2][1] Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen. Zwar besaßen sie sechs Sklaven, was aber für die Gegend nicht ungewöhnlich war. Abraham Van Buren war der Besitzer eines Gasthofes und hatte das Amt eines Gemeindevollzugsbeamten inne. In der Gaststätte fanden politische Veranstaltungen und Wahlen statt, so dass Van Buren schon in jungen Jahren auf Alexander Hamilton und Aaron Burr traf. Sein Vater war ein Anhänger von Thomas Jefferson.[3]

Er besuchte bis zum 14. Lebensjahr eine kleine, aus nur einem Unterrichtszimmer bestehende Dorfschule. Da die Familie eigentlich Van Buren als Arbeitskraft brauchte, war diese Ausbildungshöhe eher unüblich. Über eine politische Gefälligkeit besorgte ihm der Vater eine Anstellung als Anwaltsgehilfe. 1803 erhielt er die Zulassung als Anwalt. Danach kehrte er nach Kinderhook zurück und eröffnete eine eigene Kanzlei mit seinem Halbbruder James Van Allen. Auch weil er sich als Anwalt für die einfachen Landpächter einsetzte, welche die aus der Kolonialzeit stammenden Gebietsansprüche der Großgrundbesitzer im Hudson Valley in Frage stellten, erreichte er beachtlichen geschäftlichen Erfolg und einen guten Ruf.[3]

Hannah Van Buren

1807 heiratete Van Buren seine Cousine Hannah Hoes, mit der er zusammen in Kinderhook aufgewachsen war. Sie zogen anschließend gemeinsam nach Hudson, wo Van Buren fortan seine Anwaltskanzlei betrieb. Hannah brachte vier Söhne zur Welt, bevor sie am 5. Februar 1819 an Tuberkulose verstarb. Van Buren blieb danach unverheiratet.[3]

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Bereits in jungen Jahren engagierte sich Van Buren politisch. Er trat, womöglich durch den Vater geprägt, der Demokratisch-Republikanischen Partei bei, die im Hudson Valley in Opposition zu den dominierenden Federalists stand und zu jener Zeit von Thomas Jefferson und James Madison geführt wurde. Seine Verpflichtung den Idealen Jeffersons gegenüber, also die Wahrung der Rechte der Bundesstaaten sowie der Freiheit des Individuums, fand hier ihren Anfang. Im persönlichen Umfeld und im beruflichen Umgang mit Anwälten und Richtern stieß er mit seinen politischen Sympathien zum Teil auf Unverständnis. Im Wettstreit um die Führung der Demokratisch-Republikanischen Partei im Bundesstaat New York zwischen Aaron Burr und DeWitt Clinton positionierte er sich trotz bestehender Freundschaften zum Lager von Aaron Burr und entsprechender Bitten dennoch auf Seiten Clintons, auch weil er in Burr jemanden sah, der seinen Zenit bereits überschritten hatte. 1808 erhielt er von den Clintonians seinen ersten offiziellen Posten in einem County. Seit dieser Zeit, in der er erstmals seine Allianzen änderte und die eigenen politischen Ambitionen geheim hielt, wurde ihm durch seine Kritiker Prinzipienlosigkeit und Doppelzüngigkeit vorgeworfen.[3]

1812 erlaubte ihm sein erfolgreich verlaufende Anwaltstätigkeit die Kandidatur für den Senat von New York. Im April 1812 gewann den Wahlkampf mit weniger als einem Prozent Vorsprung auf den Kandidaten der Federalists und verblieb nach seiner Wiederwahl vier Jahre später bis Anfang 1820 im Oberhaus New Yorks. Er war Mitglied des Court for the Correction of Errors, des damals höchsten Gerichtshofes des Staates und vom 17. Februar 1815 bis zum 8. Juli 1819 Attorney General von New York. Zu dieser Zeit der frühen 1810er Jahre gewannen die Federalists wieder an Boden, da der Britisch-Amerikanische Krieg unpopulär war. Erst als 1814 einige militärische Erfolge zu verzeichnen waren, wendete sich wieder das Blatt zugunsten der Demokratisch-Republikanischen Partei. Die Federalists behielten jedoch eine starke Basis in New York. Innerhalb der Demokratisch-Republikanischen Partei verstärkten sich die internen Konflikte in den 1810er Jahren. Van Buren sah darin vor allem die Gefahr, dass diese Schwäche von den Federalists ausgenutzt werden konnte.[3]

Um Van Buren bildete sich in New York eine eigene Fraktion innerhalb der Partei, die wegen ihrer Hüte sogenannten Bucktails. Ihr gemeinsames Anliegen war zum einen der Sieg gegen die Federalists, die für eine Stärkung der Bundesregierung in Washington, D.C. eintraten, zum anderen fühlten sie sich den Idealen Jeffersons verpflichtet und waren allesamt Gegner DeWitt Clintons, des damalig mächtigsten Politikers in New York. Aus Van Burens Auseinandersetzungen mit Clinton in den 1810er Jahre rührte sein Ruf, ein skrupelloser politischer Oppurtunist zu sein. Nach seiner Wiederwahl in den Senat 1816 wurde er zum Attorney General des Bundesstaats. Trotz dieser Position gelang es ihm und seiner Fraktion nicht Clinton zu entmachten. Als dieser 1817 Gouverneur von New York wurde, begann er damit alle Bucktails aus der Verwaltung des Bundesstaats zu entlassen. 1819 verlor schließlich Van Buren seinen Posten als Attorney General an einen Clintonian. In der Folge sammelte und erholten sich die Bucktails unter Führung von Van Buren und konnten einige Clintonians aus politischen Posten drängen. Auf der New York constitutional convention 1821, die von den Bucktails initiiert wurde um die legislative Macht im Bundesstaat gegenüber der exekutiven des Gouverneurs zu stärken, spielte Van Buren eine Schlüsselrolle. Er konnte somit seine Position in der Partei stärken. Ab 1820 führte er eine sogenannte Parteimaschine ein, also ein durch Klientelismus geprägtes System, welches die Gegner nach der Hauptstadt des Bundesstaats Albany Regency nannten.[3]

Zeichnung Van Burens (1820)
Van Buren um das Jahr 1850

1821 wurde er in den US-Senat gewählt, wo er dank seiner Parteimaschine und politischen Schärfe rasch zu einem prominenten Sprecher der Demokratisch-Republikanischen Partei wurde. Van Buren zog daraufhin nicht nach Washington, sondern blieb in New York um die Albany Regency weiterhin zu kontrollieren. Er war Mitglied des United States Senate Committee on Finance, also des Kongressausschusses für Finanzen, und Vorsitzender des United States Senate Committee on the Judiciary. Hier brachte er im Sinne Jeffersons seine Positionen zur Stärkung der Rechte der Bundesstaaten ein und lehnte föderalistisch finanzierte Gesetzesprogramme ab. Protektionistischen Außenhandelszöllen mißtraute er aus dieser Einstellung heraus ohne diese rundweg abzulehnen. Er versuchte, die in viele Frakionen zersplitterte Partei mit einem antiföderalistischen und an den Idealen Jeffersons orientierten Programm zu vereinen und nahm dazu Kontakt mit potenziellen Verbündeten wie z.B. Senator John C. Calhoun auf. Bei der Präsidentschaftswahl von 1824 unterstützte Van Buren William Harris Crawford, mit dem er die Orientierung an Jefferson teilte. Dieser landete hinter John Quincy Adams und Andrew Jackson nur auf dem dritten Platz des Electoral College. Die Wahl, bei welche alle vier Präsidentschaftskandidaten aus einer Partei stammten, da sich die Federalists aufgelöst hatten, führte zur endgültigen Aufsplitterung der Demokratisch-Republikanischen Partei.[3]

Van Burens Positionen waren nicht in allen Fragen kohärent, was ihm später oft zum Vorwurf gemacht wurde. Nachdem er in den Wahlen von 1824 Crawford unterstützt hatte, schloss er sich später Jackson an, in dessen Kabinett er 1829 als Außenminister eintrat, nachdem er einige Monate als Gouverneur von New York fungiert hatte. Nach Auflösung der Demokratisch-Republikanischen Partei war van Buren in den 1830er Jahren wesentlich am Kaderaufbau der Demokratischen Partei beteiligt, die sich an den Überzeugungen Andrew Jacksons orientierte, weshalb ihre Anhänger auch Jacksonian Democrats genannt wurden.

In Jacksons zweiter Amtszeit, nach dem Bruch Jacksons mit Calhoun 1832 im Zuge der Petticoat Affair, wurde er Vizepräsident, da er die politische Linie Jacksons, etwa in der Frage nach einer Nationalbank, unterstützt hatte. Zur Frage der Sklaverei war seine Haltung eher schwankend. Seine eigene Präsidentschaftskandidatur nach dem Auslaufen von Jacksons zweiter Amtszeit wurde als logisch empfunden, stieß aber auf wenig Enthusiasmus. Martin Van Buren war für 152 Jahre der letzte Vizepräsident, der direkt ins Weiße Haus gewählt wurde (dies gelang erst 1988 wieder George Bush). Sein Vizepräsident war von 1837 bis 1841 Richard M. Johnson.

Van Buren wurde mit der Doppelbödigkeit und den oftmals korrupten Methoden der Demokratischen Partei assoziiert, als deren „Verkörperung“ er angesehen wurde. Dazu kam noch die große Wirtschaftskrise von 1837, für die er verantwortlich gemacht wurde, sodass William Henry Harrison die Wahl von 1840 gegen ihn gewinnen konnte.

In der folgenden Zuspitzung (beispielsweise mit der Caroline/McLeod-Affäre) der Krise zwischen Nordstaaten und Südstaaten bewegte er sich immer weiter zur nördlichen Position. 1848 wurde er von der Free Soil Party als Präsidentschaftskandidat aufgestellt, die die Sklaverei in den neuerworbenen Gebieten verhindern wollte, und am Ende seines Lebens unterstützte er Abraham Lincoln.

In dem Steven-Spielberg-Film Amistad von 1997 wurde Martin Van Buren von Nigel Hawthorne als unentschlossener und leicht beeinflussbarer Präsident dargestellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martin Van Buren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Martin Van Buren – Zitate (Englisch)
 Wikisource: Martin Van Buren – Quellen und Volltexte (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  James McMurtry Longo: From Classroom to White House. The Presidents and First Ladies as Students and Teachers. McFarland, Jefferson, North Carolina 2011, ISBN 0786464860, 2, S. 42 (Google Books, abgerufen am 22. April 2013).
  2.  Leonard L. Richards, Marla R. Miller & Erik Gilg, National Park Service (Hrsg.): A return to his native town. Martin Van Buren’s Life at Lindenwald, 1839-1862. Washington, D.C. August 2006, 2, S. 25 (PDF 10,7 MB, abgerufen am 22. April 2013).
  3. a b c d e f g Joel Silbey: Martin Van Buren. Life before the Presidency. In: Webpräsenz millercenter.org. University of Virginia, abgerufen am 1. Februar 2013 (englisch).