Globalfoundries

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
GLOBALFOUNDRIES Inc.
Logo
Rechtsform Incorporated
Gründung 2. März 2009
Sitz Santa Clara, Kalifornien, Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Leitung Sanjay Jha (Chief Executive Officer)[1]
Mitarbeiter 18.000 (2015)[2]
Branche Mikroelektronik
Website www.globalfoundries.com
Globalfoundries-Chipfabrik (Fab 1) in Dresden

Die GLOBALFOUNDRIES Inc. ist ein US-amerikanischer Halbleiterhersteller, der ausschließlich Auftragsfertigung betreibt, eine sogenannte Foundry. Das Unternehmen wurde im März 2009 als Ausgründung der Halbleiterfertigung von AMD gegründet. Der alleinige Anteilseigner ist die Advanced Technology Investment Company (ATIC) des Emirates von Abu Dhabi.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2008 gaben AMD und ATIC die Gründung dieses neuen Halbleiterfertigungsunternehmens bekannt.[3] Globalfoundries übernahm die AMD Fabrikationsstätten in Dresden: die Fab 38 (ehemals Fab 30) der AMD Saxony und die Fab 36.[4]

Eine neue Fab – eine in der Halbleiterindustrie häufig verwendete Abkürzung für fabrication plant (englisch für „Fabrikationsstätte“) – wurde im Luther Forest Technology Campus[5] in Malta, Saratoga County (New York), gebaut. Der erste Spatenstich erfolgte am 24. Juli 2009.[6]

Im November 2009 kündigte Globalfoundries den im September eingereichten Rücktritt von Héctor Ruiz sowie seine Beurlaubung als Chairman an.[7] Ruiz wird beschuldigt, in eine Affäre um Insider-Geschäfte („Galleon-Skandal“) verwickelt zu sein.[8]

Nachdem Globalfoundries zu Beginn ausschließlich für AMD fertigte, werden mittlerweile (Stand: 2013) mehr als 150 verschiedene Kunden beliefert.[2]

Am 13. Januar 2010 gab Globalfoundries die Eingliederung von Chartered Semiconductor Manufacturing in das Unternehmen bekannt.[9] Damit änderte sich auch die Nummerierung der Chipwerke.

Am 19. Januar 2010 meldeten Globalfoundries und Toppan Photomasks die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zum Weiterbetrieb des 2002 gegründeten Advanced Mask Technology Centers (AMTC) in Dresden. Das Maskenhaus wird Globalfoundries sowie weitere europäische Kunden von Toppan beliefern.[10] Das AMTC war ursprünglich ein Gemeinschaftsunternehmen von AMD, Qimonda und Toppan Photomasks und hatte 2003 den Betrieb aufgenommen.

Am 1. Juni 2010 gab Globalfoundries in einer Pressemitteilung bekannt, die Fertigungskapazitäten am Standort Dresden zu erhöhen sowie die Option auf eine Erweiterung der Reinraumfläche in Fab 8 in New York. Im deutschen Werk soll dazu ein drittes Reinraumgebäude mit einer Fläche von rund 10.000 m2 entstehen, in welchem bereits 2011 die Produktion der 45-nm-, 40-nm- und 28-nm-Technologie anlaufen soll. Die Kapazität in Dresden wird damit auf 80.000 Waferstarts (sowohl Standardsilizium- als auch Silicon-on-Insulator-Wafer) pro Monat erweitert. Gleichzeitig plant Globalfoundries eine Vergrößerung der Reinraumfläche in Fab 8 um 8.000 m2, so dass die Gesamtkapazität auf 60.000 Waferstarts pro Monat steigt.[11]

Die Europäische Kommission hat am 13. Juli 2011 deutsche Investitionsbeihilfen für Globalfoundries genehmigt. Mit dem Regionalbeihilfepaket in Höhe von 219 Mio. EUR entsteht nach Unternehmensangaben bis 2013 das größte Halbleiterwerk Europas.[12] Grundlage der Förderung ist nach Angaben der EU-Kommission, dass Dresden nach Artikel 107 Absatz 3 Buchstabe a AEUV für die Förderung durch Regionalbeihilfen in Betracht kommt, da der Lebensstandard in dem Gebiet außergewöhnlich niedrig ist und eine erhebliche Unterbeschäftigung herrscht.[13]

Im März 2012 zog sich AMD als Anteilseigner komplett zurück, seitdem liegen 100 % der Anteile bei ATIC.[14]

Im Dezember 2013 gab Globalfoundries bekannt, am Standort Dresden 185 Stellen zu streichen, hauptsächlich in der Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig sollen 130 neue Stellen in der Produktion geschaffen werden. Produktivität und Profitabilität sollen damit gesteigert werden.[15]

2014 wurde bekannt gegeben, dass Globalfoundries die Halbleiterfertigung von IBM mit den Foundries East Fishkill und Essex Junction übernimmt.[16] Die Übernahme wurde am 1. Juli 2015 vollzogen, nachdem die zuständigen Kartellbehörden ihre Zustimmung gegeben hatten.[17]

Im Oktober 2015 kündigte Globalfoundries an, am Standort Dresden 700–800 von insgesamt 3.700 Arbeitsplätzen zu streichen und die insgesamt 350 Leiharbeiter nicht weiter zu beschäftigen.[18][19] 2016 hat das Werk 3.500 Beschäftigte.

Da während der Entwicklung eines eigenen 14 nm-FinFET-Prozesses klar wurde, dass der nicht konkurrenzfähig sein würde, wurde er fallengelassen; stattdessen wurden die Prozesse 14LPE und 14LPP von Samsung lizenziert. Das Unternehmen plant außerdem, die 10 nm-Stufe zu überspringen und sich auf die Entwicklung eines 7 nm-FinFET- (Fab 8, 2018) und eines 12-nm-FDSOI-Prozesses (Fab 1, 2019) zu konzentrieren.[20]

2017 wurde bekannt, dass das Unternehmen im Rahmen einer Partnerschaft mit der chinesischen Stadt Chengdu dort ein neues Werk bauen will. Weiterhin sollen die vorhandenen Fabs in den USA, in Singapur und in Deutschland erweitert werden. Bis 2020 soll die Kapazität in Dresden um 40 Prozent auf bis zu rund einer Million Wafer pro Jahr wachsen. [21][22]

Werke[23]
Bezeichnung Standort Kapazität bei Vollausbau eingesetzte Technologien
Fab 1 Dresden (51° 7′ 30,5″ N, 13° 42′ 54″ O) 80.000 300-mm-Wafer pro Monat
(180.000 200-mm-Waferäquivalente pro Monat)
45 nm, 40 nm, 32 nm, 28 nm, SOI, Si-Bulk, HKMG
Fab 2 Singapur (1° 26′ 11,8″ N, 103° 46′ 2″ O) 50.000 200-mm-Wafer pro Monat 600 nm bis 350 nm
Fab 3/5 Singapur 54.000 200-mm-Wafer pro Monat 350 nm bis 180 nm
Fab 3E Singapur (nur Fab 3E: 1° 22′ 15″ N, 103° 55′ 43,7″ O) 34.000 200-mm-Wafer pro Monat 180 nm
Fab 6 Singapur 45.000 200-mm-Wafer pro Monat 180 nm bis 110 nm
Fab 7 Singapur 50.000 300-mm-Wafer pro Monat
(112.500 200-mm-Waferäquivalente pro Monat)
130 nm bis 40 nm
Fab 8 Malta (USA), Saratoga County (42° 58′ 7,7″ N, 73° 45′ 22,1″ W) 60.000 300-mm-Wafer pro Monat
(135.000 200-mm-Waferäquivalente pro Monat)
28 nm, 20 nm, 14 nm
Fab 9 Burlington (USA), Vermont (44° 28′ 46,1″ N, 73° 5′ 55,6″ W) 40.000 200-mm-Wafer pro Monat 350 nm bis 90 nm
Fab 10 East Fishkill (USA), New York (41° 32′ 34,1″ N, 73° 49′ 24,3″ W) 14.000 300-mm-Wafer pro Monat 90 nm bis 22 nm

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: GLOBALFOUNDRIES – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leadership Team. Website Globalfoundries, abgerufen am 29. August 2016 (englisch).
  2. a b Fast Facts. Website Globalfoundries, abgerufen am 29. August 2016 (englisch).
  3. Christof Windeck: AMD gründet The Foundry Company und baut Fab 4X. Heise online, 7. Oktober 2008, abgerufen am 4. März 2009.
  4. Volker Briegleb: Aus AMD Dresden wird Globalfoundries. Heise online, 4. März 2009, abgerufen am 4. März 2009.
  5. www.lutherforest.org
  6. Globalfoundries breaks ground on world's most advanced semiconductor foundry – Malta, NY, 24. Juli 2009
  7. Globalfoundries Pressemitteilung: Ruiz to Step Down as GLOBALFOUNDRIES Chairman. Globalfoundries, 2. November 2009, abgerufen am 11. September 2012 (englisch).
  8. Christof Windeck: Globalfoundries Chairman und Ex-AMD-Chef Ruiz tritt zurueck. Heise online, 2. November 2009, 15. Januar 2010.
  9. Christof Windeck: AMD-Fertigungssparte Globalfoundries und Chartered verschmelzen. Heise online, 13. Januar 2010, 15. Januar 2010.
  10. Toppan Photomasks und GLOBALFOUNDRIES bilden ein Joint Venture für das Advanced Mask Technology Center (AMTC) in Dresden. (PDF; 57 kB) Pressemeldung vom 19. Januar 2010.
  11. GLOBALFOUNDRIES Expands Worldwide Manufacturing Capacity. Globalfoundries, 1. Juni 2010, abgerufen am 25. Januar 2010.
  12. Andreas Wilkens: Mehr als 300 Stellen bei Chiphersteller in Dresden frei. Heise online, 14. Juli 2011.
  13. Staatliche Beihilfen: Beschlüsse zu regionalen Investitionsbeihilfen für BMW, Volkswagen, Globalfoundries und CRS Reprocessing in Deutschland und AU Optronics in der Slowakei. Europäische Kommission, 13. Juli 2011 (Pressemitteilung).
  14. GLOBALFOUNDRIES Marks Third Anniversary by Achieving Full Independence. Globalfoundries, 4. März 2012, abgerufen am 29. August 2013 (englisch).
  15. Globalfoundries Dresden streicht 185 Stellen
  16. Globalfoundries übernimmt: IBM verkauft Chipsparte mit hohem Verlust, Golem.de am 20. Oktober 2014
  17. globalfoundries.com: GLOBALFOUNDRIES Completes Acquisition of IBM Microelectronics Business
  18. Georg Moeritz: Globalfoundries streicht 800 Stellen. In: sz-online.de. 3. Oktober 2015, abgerufen am 24. Januar 2016.
  19. Urs Mansmann: Globalfoundries-Mitarbeiter demonstrieren gegen Stellenabbau. In: heise online. 24. Januar 2016, abgerufen am 24. Januar 2016 (de-de).
  20. Joel Hruska: GlobalFoundries announces new 7nm FinFET process, full node shrink. ExtremeTech, abgerufen am 16. September 2016 (englisch).
  21. heise online: Themen: Globalfoundries. 10. Februar 2017, abgerufen am 13. Februar 2017 (de-de).
  22. heise online: Globalfoundries erweitert Chip-Fertigungskapazität, auch in Dresden. 10. Februar 2017, abgerufen am 13. Februar 2017 (de-de).
  23. globalfoundries.com: Globalfoundries’ Worldwide Footprint

Koordinaten: 37° 24′ 55″ N, 121° 58′ 28″ W