Ingrid van Bergen

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Ingrid van Bergen 2010

Ingrid van Bergen (* 15. Juni 1931 in Danzig-Langfuhr, Freie Stadt Danzig)[1] ist eine deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre frühe Kindheit verbrachte van Bergen in Masuren (Ostpreußen), besuchte aber öfters die Großeltern in Danzig. Ihre Mutter hatte wegen vier geborener Kinder das Mutterkreuz verliehen bekommen. Nach dem Tod des Vaters als Soldat an der Ostfront – er fiel am 22. Juni 1941, dem ersten Tag des Unternehmens Barbarossa – zog die Familie zu den Großeltern nach Zoppot, einem Vorort Danzigs. Sie entschied, sich im Rahmen der Hitlerjugend in einer Spielschar zu engagieren und für Soldaten z. B. auf Fronturlaub u. a. Märchen zu spielen oder Volkslieder zu singen.[2] Van Bergens Mutter floh nach den sowjetischen Luftangriffen auf Danzig gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mit den vier Kindern: Zunächst durch Oliva und Langfuhr, dann mit einem kleinen Schiff über die Weichsel in die Danziger Bucht und schließlich mit der Moltkefels, das sie und 2.000 weitere Menschen über die Ostsee nach Rostock, Lübeck oder Hamburg bringen sollte. Ein Angriff sowjetischer Bomber vor der Halbinsel Hela beschädigte und versenkte schließlich das Schiff, etwa 500 Menschen starben. Die Familie wurde mit einem Beiboot auf die Halbinsel gerettet. Dort wurde sie nach eigenen Angaben als damals 13-jährige von einem russischen Soldaten vergewaltigt, eine Situation, die sie ihrer Mutter nie erzählt hat. Die Mutter entschloss sich ein weiteres Mal zu einem Fluchtversuch mit dem Schiff, diesmal mit dem Ziel Kopenhagen, weil die deutschen Häfen wegen havarierter Schiffe blockiert waren.[3][4] Van Bergen schildert diese Situation: „Ich glaube, wir hatten überhaupt keine Angst mehr. Wir waren ganz fatalistisch...“[2]

Sie erlebte das Kriegsende am 8. Mai 1945 in einem Auffanglager in Skagen, das an diesem Tag von den Dänen übernommen wurde. Dort wurde die Familie bis zur Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1948 mit Nahrungsmitteln und medizinisch versorgt, van Bergen besuchte gemeinsam mit ihrem Bruder auch die Schule. Eine Stecknadel, die blind in eine Karte der französischen Besatzungszone gesteckt wurde, entschied über den zukünftigen Wohnort Reutlingen, wo sie 1950 ihr Abitur ablegte.[3]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Anschluss an ihr Abitur ließ sie sich an der Staatlichen Hochschule für Musik Hamburg zur Schauspielerin, später auch zur Sängerin ausbilden und verwirklichte so ihren lang gehegten Traum. Im Jahr 1953 war sie Mitbegründerin des politischen Kabaretts Die Kleinen Fische, danach schloss sich ein Engagement bei den legendären Berliner Stachelschweinen an. Im darauffolgenden Jahr wurde sie von Helmut Käutner für den Film entdeckt. Besonders in Berlin trat sie aber auch am Theater auf.

In den 1950er und 1960er Jahren gehörte van Bergen zu den bekanntesten deutschsprachigen Filmschauspielerinnen und wurde bekannt für ihre „rauchige“ Stimme. Ihr Rollenfach waren Bardamen, Prostituierte und untreue Hausfrauen. Sie spielte beispielsweise mit O. W. Fischer und Heinz Rühmann. Es folgten ca. 200 Film- und Fernsehproduktionen, auch im internationalen Bereich – darunter Filme mit Kirk Douglas, Robert Mitchum, William Holden und Giulietta Masina. Ihre Karriere entwickelte sich nunmehr kontinuierlich. Neben ihrer Filmtätigkeit blieb das Theater bis heute ein wichtiger Aspekt in ihrem Leben. Sie spielte an großen Bühnen in Berlin, Hamburg und München. Auch als Sängerin konnte sie Erfolge verzeichnen und veröffentlichte einige Schallplatten.

Nach ihrer Verurteilung sowie Haftstrafe wegen Totschlags und ihrer Haftentlassung 1982 gelang es ihr zunächst nicht, an ihre alte Schauspielkarriere anzuknüpfen. Eines ihrer ersten Engagements hatte sie in der Fernsehserie Losberg, in der sie bis 1988 die Parvenue Margot spielte. Trotz eines zeitweisen Umzugs nach Spanien wirkte sie in Deutschland in verschiedenen Fernsehproduktionen mit. In den 1990er Jahren verkörperte sie u. a. die sympathische Sekretärin Liebscher in der erfolgreichen Familienserie Unser Lehrer Doktor Specht und wirkte später auch in den Serien Mobbing Girls und Bewegte Männer mit. Die beruflichen Angebote für sie nahmen allmählich an Umfang zu und veranlassten sie außerdem, 1994 ihre Autobiographie zu veröffentlichen.

Im Jahr 2005 eroberte sie sich mit dem Einpersonenstück „Die Klatschmohnfrau“ nach einer Romanvorlage von Noëlle Châtelet eine Paraderolle und ist damit seitdem erfolgreich auf Theatertournee. Am Meininger Theater war sie im Jahr 2007 für vier Monate in der Produktion Love And War zu sehen. In einer im Mai 2008 ausgestrahlten Folge der VOX-Kochshow Das perfekte Promi-Dinner nahm van Bergen als Gastgeberin teil.[5]

In den Sommermonaten der Jahre 2005 bis 2008 war van Bergen Ensemblemitglied der Störtebeker-Festspiele in Ralswiek auf der Insel Rügen. Nach einer Pause im Jahr 2009 war sie 2010 als „Signora de Rocca“ im Stück Der Fluch des Mauren wieder mit dabei. Im Januar 2009 nahm sie als Kandidatin an der RTL-Reality-Show Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! teil, in der sie von den Zuschauern zur „Dschungelkönigin Ingrid I.“ gewählt wurde.[6] Ab 2009 spielte van Bergen in der Serie Doctor’s Diary die Rolle der Mechthild von Buhren, welche Anfang 2011 den Serientod erlitt.

2010 stand sie abermals als „Klatschmohnfrau“ erfolgreich auf der Bühne und war mit dem Stück Die Nadel der Kleopatra von Philipp Moog und Frank Röth auf Tournee. In der WDR-Fernseh-Sendereihe Übernachtung & Frühstück wurde van Bergen 2011 von Lisa Ortgies vorgestellt. 2014 kürte sie Guido Maria Kretschmer in der Styling-Doku Shopping Queen mit dem Motto „Femme Fatale, wickle Deinen Mann um den Finger“ auf Vox zur Preisträgerin.[7] 2011 wirkte sie auf ProSieben in Old Ass Bastards als Lockvogel mit. In der Sendereihe mit versteckter Kamera verwickeln rüstige Rentner auf belebten öffentlichen Plätzen junge Menschen in verfängliche Situationen.

Seit einigen Jahren ist van Bergen auch im Hörspielbereich aktiv. Zu ihren Rollen zählten dort unter anderem die „Lady Ducayne“ in Gesellschafterin gesucht!, die böse „Westhexe“ in Der Zauberer von Oz, die „Lappin“ in Die Schneekönigin von Hans Christian Andersen und „Elvira, die dickste Frau der Welt“ in Sherlock Holmes – Die Affenfrau.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingrid van Bergen war viermal verheiratet, unter anderen mit dem Kabarettisten Erich Sehnke, dem Vater ihrer Tochter Andrea, und dem Schauspieler Michael Hinz, dem Vater ihrer Tochter Carolin, die 1990 mit 26 Jahren starb.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1977 erschoss sie mit einem Revolver ihren 33-jährigen Geliebten, den Finanzmakler Klaus Knaths, im Affekt in einer Villa am Starnberger See. Knaths wurde von zwei Kugeln in Brust und Bauch getroffen und erlag kurz darauf seinen Verletzungen.[8] Van Bergens Töchter waren damals 12 und 19 Jahre alt. Der folgende Prozess löste großes mediales Aufsehen aus. Anwaltlich vertreten wurde sie von Rolf Bossi. Van Bergen wurde am 27. Juli 1977 wegen Totschlags zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.[9] Nach weniger als fünf Jahren verbüßter Haftzeit im Frauengefängnis Aichach in Bayern wurde sie 1982 wegen guter Führung vorzeitig entlassen.[8]

Im Jahr 1994 zog van Bergen nach Mallorca, wo sie sich dem Tierschutz widmete und auf ihrer Finca über 100 Tiere beherbergte. Nach sieben Jahren kehrte sie Mallorca den Rücken und zog mit den Tieren 2001 zurück nach Deutschland in die Lüneburger Heide.

2013 trat van Bergen in die Partei Mensch Umwelt Tierschutz ein.[10]

In einem Interview mit der Zeitschrift Stern erklärte sie, sie sei bekennende Buddhistin.[11] In einem weiteren Interview mit dem Stern erklärte van Bergen, dass sie demnächst die Lüneburger Heide verlassen und nach Hamburg ziehen wolle, im übrigen lebe sie vegetarisch und schreibe Kurzgeschichten aus der Sicht von Tieren.[12]

Filmografie, Serien, Fernsehauftritte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Synchronsprecherin lieh sie ihre Stimme unter anderem Honor Blackman (El Capitano), Annie Girardot (Die Novizinnen), Lee Grant (Hotelgeflüster) und Kathleen Turner (Californication).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Stankiewitz: Keiner will schuld sein. Schlagzeilen aus Münchner Gerichtssälen; 1950 bis 1995. Edition Buntehunde, Regensburg 2005, ISBN 3-934941-13-3, S. 94–96.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ingrid van Bergen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ich bin nämlich ein Mann - Essay über Ingrid van Bergen auf zeit.de; abgerufen am 14. Dezember 2015
  2. a b Pilsen - Das Ende im Zweiten Weltkrieg 1945 - Video auf youtube.com; abgerufen am 16. Dezember 2015
  3. a b Promis erinnern sich an das Ende des Zweiten Weltkriegs auf ndr.de; abgerufen am 15. Dezember 2015
  4. Zusammenfassung der Dokumentation des Fernsehsenders VOX 1945 – 12 Städte, 12 Schicksale auf augsburger-allgemeine.de; abgerufen am 16. Dezember 2015
  5. Profil Ingrid van Bergen auf VOX.de, Folge vom 4. Mai 2008.
  6. Im Dschungel siegt das Alter. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010.
  7. Hörspiele, ingrid-van-bergen.de abgerufen am 12. Juni 2013.
  8. a b Der Fall Ingrid van Bergen: Nutten, Gin und ein toter Geliebter. In: Stern. 15. Januar 2009.
  9. Zwischen Rolle und Realität. In: Die Zeit. 5. August 1977.
  10. tierschutzpartei.de: Ingrid van Bergen neues Parteimitglied – Herzlich willkommen in unseren Reihen! (abgerufen am 13. Mai 2015).
  11. Interview Ingrid van Bergen: „Wir Alten lassen uns nicht unterkriegen“. In: Stern. 25. Januar 2009.
  12. Interview: Was macht eigentlich Ingrid van Bergen. In: Stern. 4/2013 vom 17. Januar 2013, S. 138.