Jungholz

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Jungholz
Wappen Österreichkarte
Wappen von Jungholz
Jungholz (Österreich)
Jungholz
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Reutte
Kfz-Kennzeichen: RE
Fläche: 7,06 km²
Koordinaten: 47° 34′ N, 10° 27′ OKoordinaten: 47° 34′ 25″ N, 10° 26′ 50″ O
Höhe: 1054 m ü. A.
Einwohner: 302 (1. Jän. 2021)
Postleitzahlen: 6691 (Österreich)
87491 (Deutschland)
Vorwahl: 05676
Gemeindekennziffer: 7 08 18
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Jungholz 55
6691 Jungholz
Website: jungholz.tirol
Politik
Bürgermeisterin: Karina Konrad
Gemeinderat: (Wahljahr: 2016)
(11 Mitglieder)

11 Wir Jungholzer mit Zukunft

Lage von Jungholz im Bezirk Reutte
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Blick von Nordosten auf Jungholz
Blick von Nordosten auf Jungholz
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Jungholz ist eine Tiroler Gemeinde der Region Tannheimer Tal im Bezirk Reutte mit einer Fläche von 7 km² und 302 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2021), deren Ortszentrum auf einer Höhe von 1054 m ü. A. liegt. Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Reutte. Da sie fast vollständig von deutschem Gebiet umgeben ist, bezeichnen die Einheimischen ihren Ort auch als „ein Stück Tirol im Allgäu“.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet ist ringsum von Bayern umgeben und nur über deutsches Staatsgebiet, über die deutsche Queralpenstraße von Oberjoch über Wertach, vom übrigen Tirol in Österreich erreichbar. Lediglich in einem Punkt nahe dem 1636 m hohen Gipfel des Sorgschrofens ist es mit dem übrigen Land Tirol verbunden[1]. Dadurch bildet es eine funktionale Exklave.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht neben dem Dorf Jungholz aus den Dörfern Gießenschwand, Langenschwand, Obere Höfen und Untere Höfen, dem Weiler Habsbichl sowie den Alpen Stubentalalpe und Älpele.[2] Obere Höfen hieß früher nur Höfen, während Untere Höfen als Höfle bezeichnet wurde.[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbargemeinden von Jungholz mit linienhafter Grenze, also mehr als punktförmiger Berührung, befinden sich alle auf deutschem Staatsgebiet. Es sind dies Bad Hindelang (Südwesten), Wertach (Westen und Norden), Nesselwang (Nordosten) und Pfronten (Osten). An dem Punkt,[1] an dem Jungholz das übrige Tirol am Gipfel des Sorgschrofen berührt, ergibt sich im Süden eine Nachbarschaft zur Gemeinde Schattwald im Tannheimer Tal. Die beiden bundesdeutschen Gemeinden, deren Gebiete sich hier berühren, sind Bad Hindelang (Gemarkung Unterjoch) westlich und Pfronten (Gemarkung Steinachpfronten) östlich des Grenzpunktes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste urkundliche Erwähnung fand ain guet gehaissen das Junkhholz in einem Kaufvertrag zwischen einem Bewohner von Wertach (Hermann Häselin) und einem aus dem Tannheimer Tal (Heinz Lochpühler), der am 24. Juni 1342 abgeschlossen wurde. Dadurch kam das Gebiet von Bayern zu Tirol und verblieb dort trotz mehrerer Grenzstreitigkeiten. Die endgültige Festlegung der Grenzen zwischen dem Königreich Bayern und dem Kaisertum Österreich erfolgte durch den Grenzvertrag von 1844 sowie durch einen weiteren Vertrag von 1850.

Zollanschlussgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Zollvertrag vom 3. Mai 1868 wurde die österreichische Gemeinde Jungholz wirtschaftlich an das Königreich Bayern angebunden.[4]

Aufgrund ihrer geografischen Lage ist die Gemeinde (wie auch das Kleinwalsertal) Zollanschlussgebiet der Bundesrepublik Deutschland mit einer deutschen (87491) und einer österreichischen Postleitzahl (6691). Im Jahr 2006 wollte die Österreichische Post die deutschen Postleitzahlen für Jungholz und das Kleinwalsertal nicht mehr akzeptieren, ließ sie aber nach Protesten der Bevölkerung weiter zu.[5] Für Sendungen gelten die österreichischen Tarife, auch das Auslandsporto für Post in die benachbarten Gemeinden in Bayern. Die Telefonvorwahl der deutschen Telekom (08365 – gleich wie Wertach in Deutschland) wurde abgeschaltet, sodass der Ort nur noch über die österreichische Telefonvorwahl erreichbar ist.

Die besondere geografische Lage bedingt auch den Wohnanteil von je fast 50 % deutschen und österreichischen Staatsbürgern.

Zugehörigkeit zum Landkreis Sonthofen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 15. Oktober 1938 bis zum 8./9. Mai bzw. 19. September 1945 gehörte Jungholz zum bayerischen Landkreis Sonthofen.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Jungholz
  • Katholische Pfarrkirche Jungholz Unsere Liebe Frau Mariä Namen
  • Kriegerdenkmal bei der Pfarrkirche
  • Ortskapelle Langenschwand Hll. Peter und Paul
  • Ortskapelle Giesenschwand hl. Antonius

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Jungholz war bis zur Einführung des Euro die Deutsche Mark das offizielle Zahlungsmittel; durch diese Besonderheit war Jungholz lange Jahre ein besonderer Finanzplatz für deutsches Anlagevermögen. Obwohl Jungholz nur weniger als 300 Einwohner hat, befanden sich bis 2015 drei Zweigstellen österreichischer Banken im Ort. Das machte Jungholz zum Ort mit der größten Bankendichte Österreichs.[7] Trotz Zoll- und Währungsunion sowie des Wegfalls der Grenzkontrollen aufgrund des Schengener Abkommens gilt hier weiterhin das österreichische Bankgeheimnis, weshalb nach wie vor Geld aus Deutschland in Jungholz angelegt wird. Und das nicht immer auf legalem Wege: Im Jahr 2007 stellten deutsche Beamte 100.000 Euro an der Grenze zu Jungholz sicher.[7]

1948 wurde in Jungholz der erste Skilift des Bezirks Reutte und gleichzeitig der Region Tannheimer Tal errichtet. Heute gibt es 9 Aufstiegshilfen für Skifahrer.[8] Wirtschaftlich von Bedeutung ist auch der zweisaisonale Tourismus. Der Ort betrachtet sich als Teil der beiden Tourismusregionen Allgäu und Tannheimer Tal und konzentriert sich auf den Familientourismus.

Auch nach der Einführung der Gemeinschaftswährung hat Jungholz als deutsches Zollanschlussgebiet die deutschen Mehrwertsteuersätze.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Schlepplift wurde 1948 erbaut und legte somit den Grundstein für den Anstieg des Wintertourismus. Auch die Anzahl der Gäste in der Sommersaison nahm in den darauffolgenden Jahren immer mehr zu. Jungholz verfügt über ein Freischwimmbad – das Felsenbad, einem Minigolf- und Kinderspielplatz in unmittelbarer Nähe des Schwimmbads. Der kleine Ort ist ein Allgäuer Kräuterdorf und das 1. Tiroler Alpenkräuterdorf. Direkt an der Kirche in Jungholz gibt es einen großen Kräutergarten zu bestaunen. Besucher können auch bei der Herstellung von Kräuterseifen und Kräutersalz mitwirken. Weiters stehen einige abwechslungsreiche Wandertouren zur Verfügung, eine leichte Wanderung ist beispielsweise der Buchstabenweg. Veranstaltungen wie das Maibaumaufstellen, Herz Jesu Feuer, Kräuter- und Handwerkermarkt und der Viehscheid locken jährlich Besucher an.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Straßenverbindungen zum übrigen Tirol führen über Bayern. Die 2,5 km lange[9] L 23 Jungholzer Straße, die an der Grenze in die bayrische Staatsstraße St 2373 übergeht, verbindet Jungholz mit der deutschen Bundesstraße 310. Diese führt vorbei an Unterjoch nach Oberjoch, wo diese in die Bundesstraße 308 mündet, die in das Tannheimer Tal führt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BW

Die Gemeinderat hat insgesamt 11 Mitglieder.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • bis 2016 Bernhard Eggel (ÖVP)
  • seit 2016 Karina Konrad

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Silber ein nach rechts gerichteter Tiroler Adlerflügel, aus dem ein grünblättriger Zweig wächst.[13]

Das 1978 verliehene Gemeindewappen erinnert mit dem Adlerflügel an die Zugehörigkeit zu Tirol. Der aus ihm wachsende grüne Zweig symbolisiert als redendes Wappen den Gemeindenamen.[14]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jungholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Autor unter dem Pseudonym „Ernst Stavro Blofeld“: The boundary cross at Jungholz. In: Enclaves.org (archiviert auf web.archive.org). Abgerufen am 22. April 2020 (englisch).
  2. Statistik Austria: Ortsverzeichnis Tirol 2001, S. 155
  3. Topographisches Kartenblatt von 1958: 8428 Hindelang 1:25.000
  4. Vertrag über den Anschluß der zur Grafschaft Tirol gehörigen Gemeinde Jungholz an das Bayerische Zoll- und indirekte Steuersystem. Wien, am 3. Mai 1868 (ratifiziert 26. Juni 1868). Wortlaut in: Deutscher Zollverein: Verträge und Verhandlungen aus dem Zeitraume von 1833 bis einschliesslich 1870 über die Bildung und Ausführung des Deutschen Zoll- und Handels-Vereins. Band 5, Staatsdruckerei, Berlin 1871, S. 478–481 (Google eBook, vollständige Ansicht).
  5. Kehrtwende der österreichischen Post (Memento vom 31. Dezember 2011 im Internet Archive), Webseite des Kleinwalsertals, abgerufen am 17. Januar 2013
  6. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 571.
  7. a b Das Schweigen der Berglämmer. In: Datum.at. 1. April 2008, archiviert vom Original am 2. Januar 2014; abgerufen am 1. Januar 2014.
  8. Liftanlagen. Jungholz Skiliftges.m.b.H., abgerufen am 8. September 2020.
  9. Amt der Tiroler Landesregierung (Hrsg.): Statistisches Handbuch Bundesland Tirol 2019. Innsbruck 2019, S. 12 (PDF; 14,2 MB)
  10. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2004 in Jungholz. Land Tirol, 7. März 2004, abgerufen am 29. November 2021.
  11. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2010 in Jungholz. Land Tirol, 14. März 2010, abgerufen am 29. November 2021.
  12. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2016 in Jungholz. Land Tirol, 28. Februar 2016, abgerufen am 29. November 2021.
  13. Landesgesetzblatt für Tirol, Nr. 20/1978. (Digitalisat)
  14. Eduard Widmoser: Tiroler Wappenfibel. Tyrolia-Verlag, Innsbruck 1978, ISBN 3-7022-1324-4, S. 66.
  15. Bernhard Eggel: „Wer Geld bekommt, braucht keine Ehrung des Landes.“ Tiroler Tageszeitung, 5. September 2019.