Lars Bender

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Lars Bender
Lars-Bender-2018-08-19.jpg
Lars Bender, 2018
Personalia
Geburtstag 27. April 1989
Geburtsort RosenheimDeutschland
Größe 186 cm
Position Defensives Mittelfeld
Außenverteidigung (rechts)
Junioren
Jahre Station
1993–1999 TSV Brannenburg
1999–2002 SpVgg Unterhaching
2002–2006 TSV 1860 München
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
2006–2009 TSV 1860 München 58 0(4)
2006–2007 TSV 1860 München II 9 0(1)
2009–2021 Bayer 04 Leverkusen 256 (22)
2009–2011 Bayer 04 Leverkusen II 3 0(0)
2021– TSV Brannenburg 4 0(0)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
2005–2006 Deutschland U17 9 0(1)
2007–2008 Deutschland U19 9 0(2)
2009 Deutschland U20 6 0(1)
2010 Deutschland U21 1 0(0)
2011–2014 Deutschland 19 0(4)
2016 Deutschland Olympia 6 0(0)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
Stand: 29. August 2021

Lars Bender (* 27. April 1989 in Rosenheim) ist ein ehemaliger deutscher Profi-Fußballspieler. Zuletzt spielte der defensive Mittelfeldspieler von 2009 bis 2021 elf Jahre in der Bundesliga für Bayer 04 Leverkusen, war von 2015 bis 2020 Mannschaftskapitän und absolvierte 342 Pflichtspiele für die erste Mannschaft. Er ist der eineiige Zwillingsbruder von Sven, mit dem er über viele Jahre in denselben Mannschaften spielte. Während der meisten Zeit in seiner Karriere kam er im defensiven Mittelfeld zum Einsatz, spielte in den letzten Jahren seiner Karriere auch und regelmäßig als rechter Außenverteidiger. Benders Karriere war ab der zweiten Hälfte der 2010er Jahre durchgehend durch längere Verletzungspausen geprägt. So absolvierte er ab 2015 nur 9 bis 21 Bundesligaspiele pro Saison, galt unter verschiedenen Cheftrainern der Leverkusener aber stets als gesetzt und erarbeitete sich im Verein und bei dessen Anhängerschaft für seinen Einsatz ein hohes Ansehen.

Für die deutsche Nationalmannschaft spielte er von 2011 bis 2014 in 19 Partien. Er nahm an der EM 2012 teil und erreichte mit der Mannschaft das Halbfinale. Bei den Olympischen Spielen 2016 erreichte er mit der deutschen Auswahl das Fußball-Finale und gewann die Silbermedaille.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lars Bender, Sohn eines Zollbeamten aus Rosenheim,[1] ist der eineiige und ältere[2] Zwillingsbruder von Sven Bender, der ebenfalls Fußballprofi ist. Beide wuchsen in Brannenburg bei Rosenheim auf,[3] absolvierten die Mittlere Reife und brachen Kaufmannslehren ab.[4]

Die Benders zählten Piotr Nowak und Abédi Pelé, die beide beim TSV 1860 München spielten, zu ihren Idolen.[4] Sie sind das 14. Brüderpaar, das in deutschen Fußballnationalmannschaften spielte (einschließlich der DDR-Auswahl).[5]

Vereinskarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lars Bender spielte von 1993 bis 1999 in der Jugend des TSV Brannenburg, von 1999 bis 2002 gehörte er dem Nachwuchs der SpVgg Unterhaching an. Im Sommer 2002 wechselte er an die Grünwalder Straße in München. Beim TSV 1860 spielte er ab der U14 in den Nachwuchsmannschaften. 2006 wurde Bender mit der U17 des TSV 1860 deutscher B-Jugend-Meister.

Obwohl er zur Saison 2006/07 eigentlich in die Altersgruppe U19 wechselte, gehörte er dem Kader der zweiten und dem der ersten Mannschaft an. Im August 2006 spielte er erstmals für die zweite Mannschaft in der Regionalliga Süd, im Oktober saß er als Ersatzspieler bei den Profis auf der Bank und gab am 27. November mit 17 Jahren beim Heimspiel gegen die TuS Koblenz in der 2. Bundesliga sein Profidebüt. Auf 13 Einsätze brachte er es in seinem ersten Profijahr, neun davon in der Startaufstellung. Im zweiten Jahr war er Stammspieler im defensiven Mittelfeld. Am ersten Spieltag der neuen Saison erzielte er sein erstes Profitor. Die Saison 2008/09 begann er wieder als Stammspieler. Im Zweitligaspiel beim FSV Frankfurt am 3. Oktober 2008 übernahm Bender in der 70. Spielminute die Kapitänsbinde und war damit mit 19 Jahren der jüngste Spielführer in der Geschichte des TSV 1860. Danach sorgte aber eine Reihe von Verletzungen dafür, dass er die Saison mit nur 15 Einsätzen abschloss.

Lars Bender in einem Spiel gegen Rapid Wien 2012

Im April 2009 hatte Bender bekannt gegeben, dass er zur Spielzeit 2010/11 zu Bayer 04 Leverkusen wechsele.[6] Nachdem er am Beginn der Spielzeit 2009/10 noch zwei Ligaspiele für 1860 bestritten hatte, wurde der Wechsel jedoch bereits Mitte August 2009 vollzogen. Ausschlaggebend für den vorgezogenen Wechsel war auch, dass er bei seinem Engagement in Leverkusen wieder in der Nähe seines Bruders Sven wohnen konnte,[7] der vor der Saison zu Borussia Dortmund gewechselt war.[8] In München hatten die beiden Zwillingsbrüder in einer WG gelebt. Lars Bender bestritt für 1860 58 Spiele in der 2. Bundesliga, in denen er vier Tore erzielte.

In Leverkusen wurde er am 6. Spieltag erstmals bei einem Erstligaspiel eingewechselt und kam auch in den meisten seiner 20 Saisonspiele als Einwechselspieler zum Einsatz. In der Saison darauf blieb seine Position im defensiven Mittelfeld umkämpft und er war oft zweite Wahl, trotzdem kam er auf 27 Einsätze und drei Tore und wurde mit Leverkusen Vizemeister. Außerdem spielte er in allen Spielen der Europa League, bei der das Achtelfinale erreicht wurde. In der Saison 2011/12 setzte er sich endgültig durch; sowohl in der Liga als auch in der Champions League war er Stammspieler und spielte die meisten Partien über die volle Spielzeit, unterbrochen lediglich von einer Zwangspause nach einem Muskelbündelriss im Frühjahr 2012. Allerdings verpasste er mit dem Verein die erneute Champions-League-Qualifikation.

Zur Saison 2015/16 ernannte Trainer Roger Schmidt ihn zum neuen Mannschaftskapitän als Nachfolger von Simon Rolfes, der seine Karriere nach Ende der Vorsaison beendet hatte.[9] Er stellte sein Amt im September 2020 aus gesundheitlichen Gründen sowie aufgrund der daraus resultierenden seltenen Einsatzzeiten zur Verfügung. Cheftrainer Peter Bosz übergab Benders Funktion an den Chilenen Charles Aránguiz, der seit 2015 zum Verein gehört.[10]

Sein letzter Vertrag in Leverkusen lief bis Mitte 2021.[11] Er erklärte im Dezember 2020, diesen nicht verlängern zu wollen und gemeinsam mit seinem Bruder Sven, dessen Vertrag zum selben Zeitpunkt endete, seine sportliche Karriere mit 32 Jahren zu beenden.[12] Am Tag des letzten Bundesligaheimspiels für Bender am 15. Mai 2021 teilte Bayer 04 mit, dass der langjährige Kapitän zum Ehrenspielführer des Vereins erklärt werden solle. Die Auszeichnung werde ihm dann verliehen, wenn in der BayArena wieder Zuschauer zugelassen seien, die aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie in Deutschland nicht im Stadion anwesend sein dürften.[13] Bender hatte bereits Mitte Mai erklärt, „definitiv nicht mehr“ Profifußball spielen zu können, nachdem er sich im Januar am Knie verletzte hatte.[14] Er wurde trotz seiner Aussage für das letzte Ligaspiel von Interimscheftrainer Hannes Wolf als Ersatzspieler in den Kader für die Partie gegen Borussia Dortmund am 22. Mai im Signal Iduna Park aufgenommen. Dort absolvierte er sein letztes Spiel als Profifußballspieler mit einer Einwechslung am Spielende für seinen Bruder Sven und erzielte per Elfmeter den Endstand bei der 1:3-Niederlage seiner Mannschaft.[15] Im Oberhaus war Lars Bender in insgesamt 256 Spielen für die Bayer-Elf am Ball.[16]

Nach Beendigung seiner Karriere als Profispieler kehrte er gemeinsam mit seinem Bruder Sven zur Saison 2021/22 zum TSV Brannenburg in die neuntklassige Kreisklasse 1 zurück.[17]

Nationalmannschaftskarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bender nach seinem Tor gegen Dänemark bei der EM 2012
Lars Bender (links) und sein Bruder Sven gegen Neymar während des Finales des olympischen Fußballturniers 2016

Bender nahm mit der deutschen U17-Nationalmannschaft an der EM 2006 in Luxemburg teil, bei der man den vierten Platz erreichte. 2008 stand er im deutschen Kader der U19-EM in Tschechien, bei der die Mannschaft Europameister wurde. Er wurde in vier Partien eingesetzt und erzielte zwei Tore, darunter den 1:0-Führungstreffer im Finale gegen Italien.[18] Am Ende des Turniers wurden mit Lars und Sven Bender zwei Goldene Spieler des Turniers ausgezeichnet, was bis heute einzigartig ist. Im Jahr darauf nahm er an der U20-Weltmeisterschaft teil und spielte alle fünf Partien bis zum Ausscheiden im Viertelfinale.

Am 4. September 2011 wurde Bender für das A-Länderspiel gegen Polen zwei Tage später nachnominiert.[19] Er wurde beim Spiel in Danzig nach 77 Minuten für seinen Vereinskollegen Simon Rolfes eingewechselt.[20] Danach kam er auch noch zu weiteren Kurzeinsätzen im Nationaltrikot.

Lars Bender und sein Bruder Sven wurden im Mai 2012 von Bundestrainer Joachim Löw zunächst beide zur Vorbereitung für die EM in Polen und der Ukraine eingeladen. Da ihre Stammposition im defensiven Mittelfeld gut besetzt war, wurde allgemein nicht mit einer Aufnahme der Bender-Brüder in den EM-Kader gerechnet. Da Lars Bender im Verein vielseitiger eingesetzt wurde, nahm ihn Löw trotzdem mit zum Turnier. Bereits in den ersten beiden Gruppenspielen kam er zum Einsatz, als er bei knappen Führungen des deutschen Teams in den Schlussminuten eingewechselt wurde. Nachdem Jérôme Boateng für das dritte Spiel gesperrt war, übernahm er dessen Platz als rechter Verteidiger in der Startaufstellung. In der 80. Spielminute vollendete er einen Konter der deutschen Mannschaft mit seinem ersten Länderspieltor zum 2:1-Siegtreffer gegen Dänemark. Am 29. Mai 2013 beim Freundschaftsspiel gegen Ecuador wurde Bender von Beginn an eingesetzt und erzielte als defensiver Mittelfeldspieler zwei Tore.

Am 8. Mai 2014 wurde er von Löw in den vorläufigen Kader für die WM in Brasilien berufen. Während einer Trainingseinheit der vorläufigen DFB-Auswahl im Trainingslager in St. Martin zog er sich eine Muskel-Sehnen-Verletzung im oberen rechten Oberschenkel zu, woraufhin eine Teilnahme am Turnier ausgeschlossen werden musste.[21] Im Spätherbst 2014 lief er zum letzten Mal für die A-Nationalelf auf.[22]

Am 15. Juli 2016 wurde er in den Kader des DFB für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro berufen.[23] Er gehörte gemeinsam mit seinem Bruder Sven sowie Nils Petersen zu jenen drei erlaubten Spielern im Kader, die vor dem Jahr 1993 geboren wurden. Bender wurde in allen sechs Spielen von Beginn an aufgeboten und konnte sich mit einer Vorlage an den 22 Turniertreffern der deutschen Mannschaft beteiligen.[24]

Erfolge und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinsmannschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TSV 1860 München

Bayer 04 Leverkusen

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Februar 2019 ist Bender Botschafter des Kinderhospizes Burgholz in Wuppertal.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lars Bender – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lars verrät: Das Geheimnis der Bender-Zwillinge bei bild.de, 24. August 2011 (abgerufen am 10. Juni 2012)
  2. Bender & Bender im EM-Kader: Trennung der Zwillinge; spiegel.de, vom 23. Mai 2012, abgerufen am 25. Januar 2016
  3. Schiller, Kai: Ein Bender kommt selten allein. In: Hamburger Abendblatt, 10. März 2008, Nr. 59, S. 27.
  4. a b „Wir sind blau aufgewachsen“ bei merkur-online.de, 27. April 2007 (abgerufen am 10. Juni 2012).
  5. dpa-AFX ProFeed: Löw gibt Vollgas – Ausscheidungsrennen läuft. 23. Mai 2012 3:00 PM GMT (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  6. Lars Bender bleibt definitiv ein Löwe bis 2010 (Memento vom 1. Mai 2009 im Internet Archive) im Internet Archive, ursprünglich auf tsv1860.de am 27. April 2009
  7. "Das Duell der Brüder" (WDR.de) (Memento vom 15. Januar 2011 im Internet Archive)
  8. Kicker: Alles klar mit Bayer: Bender geht!?, abgerufen am 18. August 2009
  9. Bender neuer Bayer-Kapitän; sport1.de, veröffentlicht und abgerufen am 4. August 2015
  10. Aránguiz übernimmt das Kapitänsamt bei der Werkself; bayer04.de, veröffentlicht und abgerufen am 4. September 2020
  11. Bis 2021 – Kapitän Lars Bender verlängert vorzeitig; bayer04.de, vom 19. Januar 2018, abgerufen am 30. Januar 2018
  12. Nach der Saison: Lars und Sven Bender sagen Servus; bayer04.de, veröffentlicht und abgerufen am 21. Dezember 2020
  13. Abschied für Trio – Lars Bender wird Ehrenspielführer; bayer04.de, veröffentlicht und abgerufen am 15. Mai 2021
  14. Lars Bender: "Ich werde definitiv nicht mehr spielen"; kicker.de, vom 11. Mai 2021, abgerufen am 22. Mai 2021
  15. Spielbericht Borussia Dortmund gegen Bayer 04 Leverkusen vom 22. Mai 2021; kicker.de, abgerufen am 22. Mai 2021
  16. Matthias Arnhold: Lars Bender - Matches and Goals in Bundesliga. RSSSF.com. 17. Juni 2021. Abgerufen am 17. Juni 2021.
  17. TSV Brannenburg - ASV Flintsbach 5:2. Abgerufen am 2. August 2021.
  18. Leistungsnachweis von Lars Bender bei der U19-EM 2008; transfermarkt.de, abgerufen am 18. Juli 2016
  19. DFB: Lars Bender für Spiel gegen Polen nachnominiert, abgerufen am 4. September 2011
  20. Kicker: Cacau bewahrt DFB-Auswahl vor der Pleite, abgerufen am 6. September 2011
  21. Lars Bender WM-Ausschluss, abgerufen am 23. Mai 2014
  22. Matthias Arnhold: Lars Bender - International Appearances. RSSSF.com. 17. Juni 2021. Abgerufen am 17. Juni 2021.
  23. Die Olympia-Kader stehen fest. In: www.dfb.de. Deutscher Fußball-Bund e. V. (DFB), 15. Juli 2016, abgerufen am 15. Juli 2016.
  24. Leistungsnachweis von Lars Bender während der Olympischen Sommerspiele 2016; transfermarkt.de, abgerufen am 22. August 2016
  25. Wuppertaler Rundschau: Fußballprofi zu Gast im Tal – Lars Bender ist Botschafter des Kinderhospizes, 11. Februar 2019, abgerufen am 14. Februar 2019