Liste der Stolpersteine in den Abruzzen

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Stolpersteine in Lanciano

Die Liste der Stolpersteine in den Abruzzen enthält die Stolpersteine, die vom Kölner Künstler Gunter Demnig in der italienischen Region Abruzzen verlegt wurden. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Stolpersteine liegen im Regelfall vom letzten selbstgewählten Wohnsitz des Opfers. Die erste Verlegung in dieser Region erfolgte am 12. Januar 2012 in L’Aquila. Die italienische Übersetzung des Begriffes Stolpersteine lautet: pietre d’inciampo.

Verlegte Stolpersteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

L’Aquila[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits kurz nach Gründung der Stadt Ende des 13. Jahrhunderts siedelten sich Juden in L'Aquila an.[1] Sie ließen sich im Viertel Santa Giusta nieder, zwischen der Via Fortebraccio, der Via di Costa Due Stelle und der Via di Costa Pinciara. Dort findet sich auch ein Schild "Chiassetto degli Ebrei", Wohnviertel der Juden, das lange Zeit entfernt war, 2016 aber wieder angebracht wurde. Die jüdische Gemeinde nahm aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben der Stadt teil und wurde 1465 durch ein Edikt von König Ferdinand I. von Neapel als gleichberechtigt anerkannt.[1] Die Juden von L'Aquila waren im Bank- und Handelssektor tätig und führten ein Hotel innerhalb des jüdischen Wohnviertels. Während des Holocaust taten die Stadt und insbesondere die Erzdiözese ihr Möglichstes, um die Juden von Rom, die vor den dortigen Razzien flüchteten, in Sicherheit zu bringen. Darunter waren auch namhafte Persönlichkeiten, wie die Schriftstellerin Natalia Ginzburg und deren Ehemann Leone, die nach Pizzoli flüchteten. Treffpunkt der Flüchtlinge in diesen Jahren war die Buchhandlung von Amalia Agnelli auf der Piazza del Palazzo.[2]

Der Stolperstein für Giulio Della Pergola war der erste in den Abruzzen. Er wurde 2012 am Eingang des Palazzo Betti auf der Piazza del Duomo verlegt. Während der Renovierung des Gebäudes wurde der Stolperstein entfernt. 2018 wurde er an derselben Stelle neu verlegt.[3]

In L’Aquila wurde folgender Stolperstein verlegt:

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
Stolperstein für Giulio Della Pergola (L’Aquila).jpg HIER WOHNTE
GIULIO
DELLA PERGOLA
JG. 1895
VERHAFTET 13.1.1944
DEPORTIERT
AUSCHWITZ
ERMORDET 6.2.1944
Piazza Duomo, 62
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Giulio Della Pergola wurde am 6. August 1895 in Florenz als Sohn von Raffaello Della Pergola und Emilia Todeschini geboren. Er war verheiratet mit Ada Coen, für sie war er nach L'Aquila gekommen. Er kämpfte als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg, wofür er auch mit Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Pergola wurde am 13. Januar 1944 in seinem eigenen Geschäft verhaftet, welches er hinter der Piazza del Duomo führte.[4] Er wurde zuerst in L'Aquila, dann in Mailand gefangen gehalten und am 30. Januar 1944 mit Transport Nr. 6 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Giulio Della Pergola wurde dort am 6. Februar 1944 vom NS-Regime in einer Gaskammer ermordet.[5][6]

Seine Frau überlebte durch Flucht.[7]

Castel Frentano[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Castel Frentano wurden folgende Stolpersteine verlegt:

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
Stolperstein für Betty Abrahamson (Castel Frentano).jpg IN CASTEL FRENTANO
WOHNTE

BETTY ABRAHAMSON
GEBOREN 1892
VERHAFTET 1.11.1943
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET
Piazza Giuliano Crognale
ungefähr vor Nummer 20
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Betty Abrahamson, auch Betti, wurde am 16. April 1886 in Karthaus geboren. Ihr Vater war Jakob Abrahamson. Sie war verheiratet mit Arturo Fuerst. Im November 1939 zog das Ehepaar nach Triest, wo ihr Ehemann als Kaufmann tätig wurde. Arturo Fuerst wurde im Juli 1940 verhaftet und in im Lager Casoli interniert. Als Betty Abrahmson krank wird und sich einer Operation unterziehen muss, gelingt es dem Paar, dass Arturo zumindest für 10 Tage nach Triest kommen dar. Bis 22. November 1940 konnte er dort bleiben, dann wurde er nach San Vito Chietino gebracht und dort interniert, dort langte auch Betty Abrahamson am 16. Mai 1941 an – ob freiwillig oder unfreiwillig, ist nicht bekannt. Neun Tage später wurden beide in das Internierungslager von Castel Frentano überstellt. Am 25. Mai 1941 wurden beide in das Internierungslager von Castel Frentano überstellt. Sie waren danach in Guardiagrele interniert. Dort langten Deutschen Truppen Ende Oktober an. Am 1. November 1943 wurden Arturo Fuerst und seine Frau durch diese zuerst nach Chieti gebracht. Drei Monate später wurden sie in die Kaserne von L'Aquila überstellt, dann in das Konzentrationslager Bagno a Ripoli in der Nähe von Florenz und von dort ins San-Vittore-Gefängnis von Mailand. Am 30. Januar 1944 wurden sie mit dem Konvoi N. 6 vom Binario 21 im Bahnhof Milano Centrale nach Auschwitz deportiert. Sie trafen dort am 6. Februar 1944 ein. Betty Abrahamson wurde dort am Tag der Ankunft zusammen mit ihrem Mann vom NS-Regime ermordet.[8][9]
Stolperstein für Adele Fitzer (Castel Frentano).jpg IN CASTEL FRENTANO
WOHNTE

ADELE FITZER
GEBOREN 1888
VERHAFTET 2.11.1943
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET
Piazza Giuliano Crognale
ungefähr vor Nummer 20
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Feige Adele Fitzer wurde am 19. Oktober 1888 in Stanislau (Stanisławów), damals Österreich-Ungarn, geboren. Ihre Eltern waren Adolfo Fitzer und Mina Karpfen. Sie war mit Salo Nagler verheiratet. Das Paar hatte einen Sohn, Giacomo (geboren 1913). Im Jahr 1920 zog die Familie nach Triest, wo ihr Ehemann eine Eisenwarenhandlung aufbaute. Aufgrund der rassischen Verfolgung wollte die Familie im Juli 1940 nach New York auswandern, wo bereits der Bruder ihres Ehemannes, Emanuel Nagler, lebte. Die Dokumente lagen vor, doch wurden die Pläne durch den Kriegseintritt Italiens am 10. Juni 1940 zunichte gemacht. Ihr Ehemann und ihr Sohn wurden verhaftet und in Lagern interniert. Ihr Ehemann kam in das Lager von Casoli und wurde Anfang April 1941 nach Lanciano transferiert, später in das Lager von Castel Frentano. Ihr Sohn war zuerst in Ferramonti di Tarsia und dann in Casoli interniert. Adele Fitzer blieb vorerst allein in Triest, bis ihr im Dezember 1941 gestattet wurde zu ihrem Mann nach Castel Frentano zu reisen.[10] Ab dem 6. Dezember 1941 war auch ihr Sohn Giacomo in Castel Frentano interniert. Zwei Jahre verbrachte die Familie in diesem Lager. Am 3. November 1943 die ganze Familie nach Bagno a Ripoli, einen Vorort von Florenz überstellt. Von dort kam Feige Adele Fitzer zusammen mit ihrer Familie ins Gefängnis nach Mailand. Am 20. Januar 1944 wurde sie mit Ehemann und Sohn nach Auschwitz deportiert. Feige Adle Fitzer, ihr Ehemann und ihr Sohn wurden vom NS-Regime ermordet, wahrscheinlich unmittelbar nach ihrer Ankunft am 6. Februar 1944.[8][11]
Stolperstein für Arturo Fuerst (Castel Frentano).jpg IN CASTEL FRENTANO
WOHNTE

ARTURO FUERST
GEBOREN 1886
VERHAFTET 1.11.1943
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET
Piazza Giuliano Crognale
ungefähr vor Nummer 20
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Arturo Fuerst wurde als Sohn von Magnus Fuerst am 6. Januar 1886 in Danzig geboren. Er hatte mehrere Brüder. Im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat der Deutschen Armee, wurde dafür ausgezeichnet. Fuerst war verheiratet mit Betty Abrahamson. Im November 1939 zog das Ehepaar nach Triest, wo Arturo Fuerst als Kaufmann tätig wurde. Er hatte nur eine Aufenthaltsgenehmigung für Ausländer, diese musste alle 6 Monate verlängert werden. Am 10. Juli 1940 wurde er verhaftet und ins Internierungslager Casoli in den Abruzzen überstellt. Seine Frau versuchte ihm zu helfen, sandte an die Polizeizentralen von Triest und Casoli Bitten um Freilassung auf Grund seines Gesundheitszustandes, Fuerst fügte diesen Briefen einen eigenen hinzu, wies darauf hin, dass er auf ein Visum für Amerika hoffen könne. Als seine Frau schwer krank wurde und sich einer Operation unterziehen musste, gelang es ihm für 10 Tage nach Triest gehen zu dürfen, mit der Auflage sich bei der dortigen Polizeistation zu melden. Von dort wurde er nach Ablauf der Frist nach San Vito Chietino überstellt und war dort ab dem 23. November 1940 interniert. Ein halbes Jahr später langte auch seine Frau dort ein. Am 25. Mai 1941 wurden beide in das Internierungslager von Castel Frentano überstellt. Sie waren danach in Guardiagrele interniert. Dort langten Deutschen Truppen Ende Oktober an. Am 1. November 1943 wurden Arturo Fuerst und seine Frau durch diese zuerst nach Chieti gebracht. Drei Monate später wurden sie in die Kaserne von L'Aquila überstellt, dann in das Konzentrationslager Bagno a Ripoli in der Nähe von Florenz und von dort ins San-Vittore-Gefängnis von Mailand Am 30. Januar 1944 wurden sie mit dem Konvoi N. 6 vom Binario 21 im Bahnhof Milano Centrale nach Auschwitz deportiert. Sie trafen dort am 6. Februar 1944 ein. Arturo Fuerst wurde dort am Tag der Ankunft zusammen mit seiner Frau vom NS-Regime ermordet.[8][12][13]
Stolperstein für Giacomo Nagler (Castel Frentano).jpg IN CASTEL FRENTANO
WOHNTE

GIACOMO NAGLER
GEBOREN 1913
VERHAFTET 2.11.1943
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET
Piazza Giuliano Crognale
ungefähr vor Nummer 20
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Giacomo Nagler, auch Jakob Nagler, wurde am 19. Juli 1913 in Stanislau (Stanisławów), damals Österreich-Ungarn, geboren. Seine Eltern waren Salo Nagler und Adele Fitzer. Im Jahr 1920 zog die Familie nach Triest, wo sein Vater eine Eisenwarenhandlung aufbaute. Von seiner Familie und den Freunden wurde er Kuby genannt. Auch er arbeitete als Kaufmann. Er war verlobt mit Rita Rosani, einer Lehrerin, Jüdin auch sie, die sich den Partisanen anschloss und im bewaffneten Kampf gegen das NS-Regime stand. Aufgrund der rassischen Verfolgung wollte die Familie im Juli 1940 nach New York auswandern, wo bereits sein Onkel Emanuel Nagler lebte. Der Kriegseintritt Italiens am 10. Juni 1940 machte diese Pläne zunichte. Am 30. Juni 1940 wurde Giacomo Nagler verhaftet und zuerst im Internierungslager Ferramonti di Tarsia interniert. Von dort kam er in das Lager von Casoli und am 6. Dezember 1941 nach Castel Frentano, wo sich bereits seine Eltern befanden. Die ganze Familie wurde am 3. November 1943 nach Bagno a Ripoli überstellt, einen Vorort von Florenz. Danach wurde Nagler mit seiner Familie im Gefängnis von Mailand interniert. Am 20. Januar 1944 wurde er mit seinen Eltern nach Auschwitz deportiert. Giacomo Nagler und seine Eltern wurden vom NS-Regime ermordet, wahrscheinlich unmittelbar nach ihrer Ankunft am 6. Februar 1944.[8][10][14]

Rita Rosani wurde gefangen genommen und am 17. September 1944 von deutschen Truppen erschossen. Sie wurde postum mit der Medaglia d'oro al valor militare ausgezeichnet.[15][16]

Seine Brille wurde sechzig Jahre nach seiner Deportation in Castel Frentano gefunden.[17]

Stolperstein für Salo Nagler (Castel Frentano).jpg IN CASTEL FRENTANO
WOHNTE

SALO NAGLER
GEBOREN 1886
VERHAFTET 2.11.1943
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET
Piazza Giuliano Crognale
ungefähr vor Nummer 20
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Salo Nagler wurde am 23. März 1886 in Sloboda geboren. Seine Eltern waren Jakob Nagler und Ruzler Genesi. Er war verheiratet mit Adele Fitzer. Das Paar hatte zumindest einen Sohn, Giacomo, geboren 1913. Im Jahr 1920 zog die Familie nach Triest, wo Salo Nagler eine Eisenwarenhandlung aufbaute. Aufgrund der rassischen Verfolgung wollte die Familie im Juli 1940 nach New York auswandern, wo bereits sein Bruder Emanuel Nagler lebte. Die Dokumente lagen vor, doch wurden die Pläne durch den Kriegseintritt Italiens am 10. Juni 1940 zunichte gemacht. Salo Nagler wurde verhaftet, im Lager von Casoli interniert und Anfang April 1941 nach Lanciano überstellt, später in das Lager von Castel Frentano. Auch sein Sohn wurde verhaftet, er war zuerst in Ferramonti di Tarsia, dann in Casoli interniert und langte am 6. Dezember 1941 in Castel Frentano ein. Seiner Ehefrau wurde ebenfalls gestattet, dorthin zu reisen. Zwei Jahre verbrachte die ganze Familie in diesem Lager. Sie wurden am 3. November 1943 nach Bagno a Ripoli überstellt, einen Vorort von Florenz. Danach wurde Nagler mit seiner Familie im Gefängnis von Mailand interniert. Am 20. Januar 1944 wurde er mit seiner Frau und seinem Sohn nach Auschwitz deportiert. Salo Nagler, seine Frau und sein Sohn wurden vom NS-Regime ermordet, wahrscheinlich unmittelbar nach ihrer Ankunft am 6. Februar 1944.[8][10][18]

Chieti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Chieti wurde folgender Stolperstein verlegt:

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
Stolperstein für Aldo Oberdorfer (Chieti).jpg HIER UNTERRICHTETE
GIULIO
ALDO OBERDORFER
JG. 1885
VERHAFTET 11.6.1940
MAILAND
INTERNIERT IM LAGER LANCIANO
TOT 14.9.1941
Via Umberto Ricci, 22
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Aldo Oberdorfer wurde 1885 in Triest geboren. Er wurde Lehrer, Übersetzer, Literaturkritiker, Essayist und Sozialist. 1913 veröffentlichte er einen Aufsatz über Michelangelo Buonarroti, 1933 ein Buch über Richard Wagner und 1935 ein Buch über Ludwig II. von Bayern. Dieser Band wurde auch in französischer Sprache veröffentlicht, ebenso seine Veröffentlichung von Briefen Verdis. Des Weiteren übersetzte er Werke von Hölderlin, Kleist und Nietzsche (Ecce homo). Er war Sekretär an der Università Popolare Trieste, ab 1915 war er Professor am Technischen Institut von Chieti. Aufgrund der Rassengesetze von 1938 musste er seine Lehrtätigkeit aufgeben. Er wurde am 11. Juni 1940 in Mailand verhaftet und in das Konzentrationslager Lanciano deportiert, wo er am 14. September 1941 starb.[19][20][21][22][23]

Der Stolperstein für ihn wurde vor seinem ehemaligen Arbeitsplatz, dem Istituto Tecnico "Galiani - de Sterlich", verlegt. In Triest ist eine Straße nach ihm benannt.

Giulianova[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Giulianova wurde folgender Stolperstein verlegt:

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
HIER WOHNTE
VINCENZO ALLEVA
GEBOREN 1914
VERHAFTET 10.1.1944
GEFANGEN GEHALTEN
VILLA MIGLIORI
FÜSILIERT 10.1.1944
GIULIANOVA
Corso Giuseppe Garibaldi, 109
vor dem Rathaus
Vincenzo Alleva

Lanciano[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Stolpersteine in Lanciano wurden aufgrund einer Initiative des Galileo-Gymnasiums von Lanciano verlegt. Es war die erste Schule in den Abruzzen, die ein solches Projekt initiierte. Koordiniert wurde das Projekt vom Philosophie-Professor Luciano Biondi. Die Schülerin Alessia Torosantucci präsentierte die Geschichte der Familie Grauer.[24]

Mario Pupillo, der Bürgermeister von Lanciano, unterstrich während der Verleihungszeremonie: "Lanciano hat sich stets dem Geist der Demokratie und der Erinnerung verpflichtet gefühlt, in welchem unsere Bürger sich den Nazifaschisten widersetzten, als zweite aufständische Stadt nach Neapel. Wir sind eine edle Stadt, die gegen die Diktatur gekämpft hat."[25]

In Lanciano wurden folgende Stolpersteine verlegt:

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
Stolperstein für Marco Grauer (Lanciano).jpg MARCO GRAUER
GEBOREN 1940
VERHAFTET 31.10.1943
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET 6.2.1944
Largo San Giovanni
nahe dem Torre San Giovanni
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Marco Grauer wurde am 6. Februar 1940 in Triest geboren. Er war der Sohn von Samuel Grauer und Rosa Jordan. Er hatte einen jüngeren Bruder, Tito.[25][26] Am 31. Oktober 1943 wurde die ganze Familie verhaftet und in der Folge in verschiedenen Lagern interniert: in Casoli, Orsogna, Chieti, L’Aquila, Florenz und Mailand. Am 30. Januar 1944 wurden Marco Grauer, seine Eltern und der Bruder mit dem Konvoi N. 6 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Der Zug verließ Mailand vom unterirdischen binario 21 und kam am 6. Februar 1944 im KZ an. Die zwei Brüder, der vierjährige Marco und der zweijährige Tito, wurden unmittelbar nach der Ankunft in der Gaskammer ermordet. Dies ereignete sich an seinem vierten Geburtstag.[27]

Auch seine Eltern wurden im Rahmen der Shoah vom NS-Regime ermordet.

Stolperstein für Rosa Grauer Jordan (Lanciano).jpg ROSA GRAUER JORDAN
GEBOREN 1915
VERHAFTET 31.10.1943
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET
Largo San Giovanni
nahe dem Torre San Giovanni
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Rosa Grauer Jordan wurde am 9. Juni 1915 im ostpreußischen Königsberg geboren. Sie war die Tochter von Jakob Jordan. Sie war verheiratet mit Samuel Grauer, einen Schreiner. Das Paar hatte zwei Söhne, Marco (1940) und Tito (1942). Rosa Grauer wurde im November 1943 in Lanciano verhaftet und gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren Söhnen am 30. Januar 1944 mit dem Konvoi N. 6 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Sie hat die Shoah nicht überlebt.[28]

Auch ihre zwei Kinder, damals vier und zwei Jahre alt, und der Ehemann wurden vom NS-Regime ermordet.

Stolperstein für Samuel Grauer (Lanciano).jpg SAMUEL GRAUER
GEBOREN 1906
VERHAFTET 31.10.1943
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET
Largo San Giovanni
nahe dem Torre San Giovanni
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Samuel Grauer wurde am 29. Oktober 1906 in Jarosław, damals Österreich-Ungarn, heute Polen, als Sohn von Markus Grauer und Rachel, geborene Kammermann, geboren. Er wurde Schreiner und verheiratet mit Rosa Jordan, eine Deutsche. Das Paar hatte zwei Söhne, Marco (1940) und Tito (1942). Am 31. Oktober 1943 wurde die ganze Familie verhaftet und in der Folge von Lager zu Lager verschleppt, nach Casoli, Orsogna, Chieti, L’Aquila, Florenz und Mailand. Am 30. Januar 1944 wurden Samuel Grauer, seine Frau und seine Söhne mit dem Konvoi N. 6 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Keiner von ihnen überlebte die Shoah.[29]
Stolperstein für Tito Grauer (Lanciano).jpg TITO GRAUER
GEBOREN 1942
VERHAFTET 31.10.1943
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET 6.2.1944
Largo San Giovanni
nahe dem Torre San Giovanni
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Tito Grauer wurde am 4. Februar 1942 im Spital von Lanciano geboren. Er war der Sohn von Samuel Grauer und Rosa Jordan. Er hatte einen älteren Bruder, Marco.[25] Am 31. Oktober 1943 wurde die ganze Familie verhaftet und in der Folge von Lager zu Lager verschleppt, nach Casoli, Orsogna, Chieti, L’Aquila, Florenz und Mailand. Am 30. Januar 1944 wurden Tito Grauer, seine Eltern und sein Bruder mit dem Konvoi N. 6 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Der Zug verließ Mailand vom unterirdischen binario 21 und kam am 6. Februar 1944 im KZ an. Die beiden Brüder, der zweijährige Tito und der vierjährige Marco, wurden unmittelbar nach der Ankunft in der Gaskammer ermordet. Dies ereignete sich zwei Tage nach seinem zweiten Geburtstag.[30]

Auch seine Eltern haben die Shoah nicht überlebt. Die Todesumstände sind nicht bekannt.

Teramo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Teramo wurde folgender Stolperstein verlegt:

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
Stolperstein für Alberto Pepe (Teramo).jpg HIER WOHNTE
ALBERTO PEPE
GEBOREN 1910
MILITÄRGEFANGENER 15.9.1943
WIETZENDORF
ERMORDET 4.4.1945
UNTERLÜSS
Viale Cavour, 2
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Alberto Pepe wurde am 6. September 1910 in Teramo als Sohn von Camillo Pepe (1874–1929) und der aus San Vito Chietino stammenden Anna Bellomo (1872–1969) geboren. Pepe hatte zwei Schwestern: Letizia (1905–1983) und Marietta (1908–1997). Sein Vater war Grundschullehrer, Landvermesser und Offizier, kämpfte im Ersten Weltkrieg und wurde in Podgora verletzt. Als Invalide aus dem Krieg heimgekehrt schloss er sich den Sozialisten an und wandte sich offen gegen die Faschisten und gegen alle Kriegstreiber. Er verlor seinen Job, führte offene Auseinandersetzungen mit den Schwarzhemden und wurde massiv bedroht. 1929 beging Camillo Pepe Selbstmord. In seinem Abschiedsbrief beschuldigte er den Bürgermeister der Komplizenschaft. Sein Begräbnis wurde eine beeindruckende Demonstration des Widerstands gegen den Faschismus. Sein Sohn Alberto Pepe schloss sein Studium am Istituto Tecnico V. Comi ab und fand eine Anstellung als Techniker bei der Associazione Provinciale degli Agricoltori. Er war sehr sportlich, ein begeisterter Bergsteiger und Schifahrer. Im örtlichen Fußballverein fungierte er als Torwart. Er heiratete Rosa Polidori. Das Paar hatte zwei Töchter, Anna (1941–2012) und die als Kleinkind verstorbene Luisa (1943–1944). Im Zweiten Weltkrieg musste er einrücken. Als er im Juli 1943 Fronturlaub hatte, wollten ihn Freunde überzeugen, unterzutauchen und sich dem bewaffneten Widerstand anzuschließen. Seiner Frau sagte er, er könne seine Kameraden in Dubrovnik nicht im Stich lassen. Er kehrte zur Truppe zurück und wurde nach dem Waffenstillstand von Cassibile am 15. September 1943 von deutschen Streitkräften in Dubrovnik verhaftet. Er wurde in den Konzentrationslagern Deblin, Lathen, Wesurve und Wietzendorf inhaftiert und schließlich in das KZ-Außenlager Unterlüß deportiert, das dritte Außenlager von Bergen-Belsen. Dort starb er nach Folterungen am 4. April 1945, nachdem er angesichts des bevorstehenden Untergangs des NS-Regimes die Zusammenarbeit mit den Deutschen verweigert hatte.[31] Während seiner Gefangenschaft schrieb er Tagebuch, dieses konnte seiner Frau überbracht werden. Das Tagebuch wurde vom Istituto Abruzzese per la Storia d'Italia dal fascismo alla resistenza veröffentlicht.[32]

In Teramo wurde eine Straße nach ihm benannt, eine Gedenktafel erinnert ebenfalls an ihn.

Verlegedaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stolpersteine in diesen Regionen wurden von Gunter Demnig persönlich an folgenden Tagen verlegt:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stolpersteine in Abruzzo – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b abruzzoweb: L'AQUILA: NUOVA TARGA PER CHIASSETTO DEGLI EBREI GRAZIE A JEMO 'NNANZI (Memento des Originals vom 17. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.abruzzoweb.it, abgerufen am 29. Dezember 2019
  2. abruzzo24ore: Confalonieri: trasferiti in segreto all'Aquila tutti gli ebrei sfuggiti alla retata del ghetto, abgerufen am 29. Dezember 2019
  3. Newstown: L'Aquila: riposizionata la 'pietra d'inciampo' dedicata a Guido Della Pergola, 29. Dezember 2018
  4. abruzzoweb: L'AQUILA: PIETRA D'INCIAMPO IN RICORDO DEL DEPORTATO DELLA PERGOLA, abgerufen am 29. Dezember 2019
  5. Centro di Documentazione Ebraica Contemporanea: Della Pergola, Giulio, abgerufen am 29. Dezember 2019 (mit einem Porträt)
  6. ControParola: Da L’Aquila ad Auschwitz. La storia di Giulio della Pergola von Raffaella De Nicola, ControParola, 11. Januar 2017, abgerufen am 29. Dezember 2019.
  7. Elisabetta Profico: L'Abruzzo di Fronte alle leggi razziali (1938 - 1945) in Trimestre 32, Northwestern University 1999, S. 273
  8. a b c d e Il Cannochiale: Stolpersteine: intervento di Giulia D’Amico (Memento des Originals vom 31. Oktober 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ilcannocchiale.net, 10. Januar 2020, abgerufen am 1. März 2020
  9. CDEC Digital Library: Abrahamson, Betti, abgerufen am 1. März 2020
  10. a b c Campo Casoli: FONDO NAGLER, abgerufen am 1. März 2020 (mit zahlreichen Dokumenten und Fotografien der Familie)
  11. CDEC Digital Library: Fitzer, Feige Adele, abgerufen am 1. März 2020
  12. CDEC Digital Library: Fuerst, Arturo, abgerufen am 11. März 2020
  13. Campo Casoli: Arturo Fuerst: dalla trincea della Grande Guerra all'internamento fascista nel campo di Casoli con il triste epilogo ad Auschwitz insieme alla moglie Betty, abgerufen am 1. März 2020
  14. CDEC Digital Library: Nagler, Giacomo, abgerufen am 12. März 2020 (mit einem Porträt von Giacomo Nagler)
  15. Gedenkorte Europa: Rosani, Rita (1920 – 1944), abgerufen am 12. März 2020
  16. Livio Isaak Sirovich: «Non era una donna, era un bandito», Rita Rosani, una ragazza in guerra, Cierre Edizioni 2014, ISBN 978-88-8314-765-4.
  17. Storia e Cultura della Città di Casoli: I Nagler e i 50 ebrei stranieri deportati da Trieste a Casoli, abgerufen am 12. März 2020
  18. CDEC Digital Library: Nagler, Salo, abgerufen am 12. März 2020
  19. Chieti Today: Shoah, il "Galiani" ricorda le vittime con la posa delle "pietre d'inciampo", abgerufen am 29. Dezember 2019
  20. Bibliothèque nationale de France: Aldo Oberdorfer (1885-1941), abgerufen am 29. Dezember 2019
  21. Il Centro: Quel docente simbolo di libertà, abgerufen am 29. Dezember 2019
  22. UNIVERSITÀ POPOLARE DI TRIESTE: Profili biografici dei Segretari, abgerufen am 29. Dezember 2019
  23. Iris Plack: Indirekte Übersetzungen: Frankreich als Vermittler deutscher Literatur in Italien. Francke.Verlag, Tübingen 2015, ISBN 978-3-7720-8525-3, S. 391.
  24. AbruzzoLive.tv: Lanciano. Per non dimenticare... Ecco le pietre d'inciampo per ricordare la famiglia Grauer, Bericht von Walter Berghella, 16. Januar 2019
  25. a b c Abruzzo Web: GIORNO DELLA MEMORIA: LANCIANO, POSTE 4 PIETRE D'INCIAMPO (Memento des Originals vom 18. Januar 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.abruzzoweb.it, 16. Januar 2019, abgerufen am 29. Dezember 2019
  26. The Central Database of Shoah Victims' Names: MARCO GRAUER, beruhend auf einem Eintrag im CDEC, abgerufen am 29. Dezember 2019
  27. Centro di Documentazione Ebraica Contemporanea: Grauer, Marco, abgerufen am 29. Dezember 2019
  28. Centro di documentazione ebraica contemporanea: Jordan, Rosa, abgerufen am 31. Dezember 2019
  29. Centro di documentazione ebraica contemporanea: Grauer, Samuel, abgerufen am 31. Dezember 2019
  30. Centro di documentazione ebraica contemporanea: Grauer, Tito, abgerufen am 31. Dezember 2019
  31. Comune di Teramo: Alberto Pepe, abgerufen am 31. Dezember 2019
  32. storieabruzzesi: Alberto Pepe, abgerufen am 31. Dezember 2019
  33. Comune L'Aquila: "Pietre d'Inciampo" all'Aquila per ricordare i deportati, abgerufen am 1. Januar 2020
  34. Comune Teramo: Anche Teramo nel circuito storico-artistico delle “pietre d’inciampo”, abgerufen am 1. Januar 2020