Lanciano

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Lanciano
Wappen
Lanciano (Italien)
Lanciano
Staat Italien
Region Abruzzen
Provinz Chieti (CH)
Koordinaten 42° 14′ N, 14° 23′ OKoordinaten: 42° 14′ 0″ N, 14° 23′ 0″ O
Höhe 265 m s.l.m.
Fläche 66 km²
Einwohner 35.002 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 530 Einw./km²
Postleitzahl 66034
Vorwahl 0872
ISTAT-Nummer 069046
Volksbezeichnung Lancianesi
Schutzpatron Madonna del Ponte
Website Lanciano
Blick auf Lanciano
Blick auf Lanciano

Lanciano ist eine italienische Gemeinde der Provinz Chieti (Abruzzen) mit 35.002 Einwohnern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde erstreckt sich über ca. 66 km².

Die Nachbargemeinden sind: Atessa, Castel Frentano, Fossacesia, Frisa, Mozzagrogna, Orsogna, Paglieta, Poggiofiorito, Rocca San Giovanni, San Vito Chietino, Sant’Eusanio del Sangro und Treglio.

Die Gemeinde liegt rund 50 Kilometer vom Hauptort der Provinz, der Stadt Chieti und 13 Kilometer von der Adriaküste entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lanciano wurde in vorchristlicher Zeit gegründet und gehörte zum Lebensraum der Samniten, die in den Samnitenkriegen von den Römern unterworfen wurden. Die Stadt hieß in der Antike Anxanum und war nach dem Ende des weströmischen Reiches bis zur Eroberung durch die Langobarden im 6. Jahrhundert byzantinisch beherrscht. Seit dem 13. Jahrhundert ist der heutige Name überliefert. Nach einer Legende ist Lanciano der Geburtsort des heiligen Longinus, der in der Stadt von alters her verehrt wird und auch hier gestorben sein soll.

Bischofssitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. April 1515 wurde das Erzbistum Lanciano-Ortona durch Papst Leo X. errichtet. Bischofskirche (Kathedrale) ist die Basilica della Madonna del Ponte.

Faschismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 errichtete das faschistische Regime in Lanciano ein Internierungslager (campo di concentramento) für Frauen. Es befand sich in der Villa Sorge, einem Landhaus unweit vom Ortszentrum. Die ersten Internierten waren Ausländerinnen aus feindlichen Nationen, darunter auch jüdische Frauen. Im Februar 1942 kamen die noch im Lager verbleibenden Insassinnen nach Pollenza. Damit wurde Lanciano zum Männerlager und nahm Jugoslawen aus den von Italien besetzten und annektierten Gebieten auf. Die Lebensbedingungen waren äußerst bescheiden; es gab – bis auf einen Wasserhahn in einem Außenhof – kein fliessendes Wasser, die hygienischen Verhältnisse waren entsprechend prekär. Das Gebäude war schlecht isoliert und im Winter nicht ausreichend beheizt. Zahlreiche Insassen wurden strafverlegt, nachdem sie gegen die mangelhafte Qualität der Verpflegung protestiert hatten. Im September 1943 verließen viele Insassen das Lager, das Mitte Oktober endgültig geschlossen wurde.[2]

Deutsche Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Oktober 1943 kam es nach der Ermordung des Widerstandskämpfers Trentino La Barba zu einem Volksaufstand der Einwohner Lancianos gegen die deutschen Besatzer, die wegen der Hartnäckigkeit des Widerstandes etliche Bataillone und Panzereinheiten zum Einsatz bringen mussten, um diesen zu brechen. Nach den Repressalien der deutschen Truppen, wurde Lanciano Ziel der vorrückenden Alliierten, deren Artillerie die Stadt in Schutt und Asche legte. Nach der Eroberung durch die Alliierten bombardierten deutsche Flugzeuge Lanciano, das zwischen Oktober 1943 und Juni 1944 mehr als 500 Menschenleben verlor. In diesen neun Monaten stellte die Stadt zahlreiche Widerstandskämpfer und Partisanen. Nach dem Krieg wurde die Stadt Lanciano mit einem hohen Orden ausgezeichnet.

Das eucharistische Wunder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre wurde Lanciano als Schauplatz eines eucharistischen Wunders überregional bekannt, das nachweislich seit dem 17. Jahrhundert hier verortet wird und sich angeblich im Frühmittelalter ereignet haben soll. Die Relikte, eine menschliche Herzscheibe ungeklärter Herkunft und mehrere Blutreste, werden in der Kirche San Francesco, der Klosterkirche der Minoriten an der Piazza Plebiscito ausgestellt, in der sich eine 1902 angebaute Verehrungsstätte für das Wunder (Santuario del Miracolo Eucaristico) befindet.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde werden Reben der Sorte Montepulciano für den DOC-Wein Montepulciano d’Abruzzo angebaut.

Lanciano ist ein Zentrum der Herstellung einer bekannten abruzzischen Spezialität, des bocconotto (wörtlich „Happen“), ein Feingebäck aus gefülltem Mürbeteig. Es gibt sehr traditionelle Konditoreien, die ausschließlich bocconotti nach geheimen Hausrezepten herstellen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte von Lanciano sind Berazategui (Argentinien), Qala (Malta), Vaughan (Ontario) (Kanada) und Visegrád (Ungarn).[3]

In Lanciano geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. Carlo Spartaco Capogreco, I campi del duce. L’internamento civile nell’Italia fascista (1940-1943), Torino 2004 (Einaudi), S. 217–219; Klaus Voigt, Zuflucht auf Widerruf. Exil in Italien 1933-1945 (Band 2), Stuttgart 1993 (Klett-Cotta), S. 61–63; Maria Eisenstein, L’internata numero 6, Milano 1994 (Tranchida)
  3. www.comuni-italiani.it

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lanciano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien