Kalkhorst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kalkhorst
Kalkhorst
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kalkhorst hervorgehoben
Koordinaten: 53° 58′ N, 11° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Nordwestmecklenburg
Amt: Klützer Winkel
Höhe: 32 m ü. NHN
Fläche: 51,91 km²
Einwohner: 1732 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 33 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 23942,
23948 (Brook, Elmenhorst, Hohen Schönberg, Klein Pravtshagen, Warnkenhagen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 038825, 038827
Kfz-Kennzeichen: NWM, GDB, GVM, WIS
Gemeindeschlüssel: 13 0 74 037
Adresse der Amtsverwaltung: Schlossstraße 1
23948 Klütz
Webpräsenz: www.gemeinde-kalkhorst.de
Bürgermeister: Dietrich Neick
Lage der Gemeinde Kalkhorst im Landkreis Nordwestmecklenburg
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Schwerin Landkreis Rostock Landkreis Rostock Landkreis Ludwigslust-Parchim Landkreis Ludwigslust-Parchim Bad Kleinen Barnekow Bobitz Dorf Mecklenburg Groß Stieten Hohen Viecheln Lübow Metelsdorf Ventschow Dragun Gadebusch Kneese Krembz Mühlen Eichsen Rögnitz Roggendorf (Mecklenburg) Veelböken Bernstorf Gägelow Stepenitztal Stepenitztal Stepenitztal Plüschow Roggenstorf Rüting Testorf-Steinfort Upahl Warnow (bei Grevesmühlen) Damshagen Hohenkirchen (Mecklenburg) Kalkhorst Klütz Zierow Alt Meteln Bad Kleinen Brüsewitz Cramonshagen Dalberg-Wendelstorf Gottesgabe (bei Schwerin) Grambow (bei Schwerin) Klein Trebbow Lübstorf Lützow (Mecklenburg) Perlin Pingelshagen Pokrent Schildetal Seehof (Mecklenburg) Zickhusen Benz (bei Wismar) Blowatz Boiensdorf Hornstorf Krusenhagen Neuburg (Mecklenburg) Bibow Glasin Jesendorf Jesendorf Lübberstorf Neukloster Passee Warin Züsow Zurow Carlow (Mecklenburg) Dechow Groß Molzahn Holdorf (Mecklenburg) Königsfeld (Mecklenburg) Rehna Rehna Rehna Rieps Schlagsdorf Thandorf Utecht Wedendorfersee Dassow Grieben (Mecklenburg) Groß Siemz Lockwisch Lüdersdorf Menzendorf Niendorf (Amt Schönberger Land) Roduchelstorf Schönberg (Mecklenburg) Selmsdorf Boltenhagen Grevesmühlen Insel Poel Poel WismarKarte
Über dieses Bild
Ostseestrand bei Brook

Kalkhorst ist eine Gemeinde im äußersten Nordwesten des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Gemeinde wird vom Amt Klützer Winkel mit Sitz in Klütz verwaltet.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit den nördlichen Ortsteilen der Kleinstadt Dassow bildet das Gemeindegebiet Kalkhorsts den nordwestlichsten Zipfel Mecklenburgs. Die Ortsteile Groß Schwansee und Brook liegen nur wenige Meter von der Ostsee entfernt. Der Küstenabschnitt besteht aus Steilufern, von denen das Kleinklützhöved nahe dem Ortsteil Warnkenhagen mit 31 Metern Höhe hervorzuheben ist. Die höchste Erhebung in der Gemeinde und des gesamten Klützer Winkels ist der Hohe Schönberg mit 89 m ü. NN.

Die Gemeinde ist Teil der Metropolregion Hamburg.

Zu Kalkhorst gehören die Ortsteile Borkenhagen, Brook, Dönkendorf, Elmenhorst, Groß Schwansee, Hohen Schönberg, Klein Pravtshagen, Klein Schwansee, Neuenhagen und Warnkenhagen. Die Ortsteile Elmenhorst, Brook und Warnkenhagen bildeten früher die selbständige Gemeinde Elmenhorst, die zum 1. Januar 2004 mit der Gemeinde Kalkhorst fusionierte.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmalige Erwähnung findet Kalkhorst am 8. Juli 1222. Die Kirchgemeinden von Elmenhorst und von Kalkhorst werden 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt, welches die damals zum Bistum Ratzeburg gehörenden Ortschaften geordnet nach Kirchspielen auflistet. Um 1307 war der Ort wohl bereits ein Rittergut. In der Zeit um 1230 wurde die Dorfkirche Kalkhorst errichtet.[3] Georg Dehio datiert die Erbauung der Kalkhorster Kirche um 1240/50.[4]

Die Herren von Kalkhorst mit dem Hauptgut waren um 1314 die Brüder Heinrich und Johann von Both, obgleich schon 1220 ein von Both als Besitzer von Rankendorf erwähnt wurde. Der Ort blieb auch weitere Jahrhunderte in der Herrschaft der von Both.[5] Im 17. und 18. Jahrhundert bestimmten Kriege, Verwüstungen, Seuchen und Hungersnöte die Region und den Ort Kalkhorst.[6]

So wurde während des Dreißigjährigen Krieges Kalkhorst durch die Schweden niedergebrannt.

1705 wurde begonnen, die Kirche grundlegend zu renovieren und ein neues Pfarrhaus zu erbauen. Diverse Güterver- und -ankäufe in Kalkhorst führten 1729 dazu, dass Kalkhorst zu einem geschlossenen Großgut wird.[7] Mitte des 18. Jahrhunderts fielen große Viehbestände des Kalkhorster Gutsbesitzes der Rinderpest zum Opfer. Von 120 Kühen, 24 Ochsen und Jungvieh blieben lediglich 3 Tiere übrig. Das Gut blieb weiterhin in der Hand derer von Both. Durch Ankauf des Gutes Rankendorf wurde der Gutsbesitz nochmals vergrößert. Erneute Ausbrüche der Rinderpest verursachten immer wieder ein Zusammenbrechen der Viehbestände. Jedoch war in dieser Zeit eine aktive Bautätigkeit im Gut zu verzeichnen.[8]

1764 wurde das Gut Rankendorf an Herrn von Bülow verkauft. Damit begann das Ende der jahrhundertelangen Herrschaft derer von Both. Auch die Güter Schwansee (1775) und Dönkendorf (1783) wurden verkauft. So blieb lediglich das Gut Kalkhorst in Both’schem Besitz, das um 1814 deutlich verschuldet und verfallen war.[9]

1849 wurde Kalkhorst von Baron Wilhelm von Biel (1789–1876) käuflich erworben. Eine rege Bautätigkeit setzte ein. Am 7. September 1852 übergab Wilhelm von Biel das Gut Kalkhorst seinem Sohn Thomson von Biel. Da sich das damalige Herrenhaus wahrscheinlich in einem sehr desolaten Zustand befand, wurde mit Planungen für einen Neubau begonnen.[10] So wurden 1855 das Schloss Kalkhorst und der Gutssitz im Ortsteil Dönkendorf errichtet. Mit Beginn des Industriezeitalters entstanden neue Gewerbe im Klützer Winkel. 1891 wurde eine Molkereigenossenschaft gegründet. Der Bau der befestigten Straße nach Dassow (mit Anschluss nach Lübeck) sorgte ab 1908 für bessere Absatzmöglichkeiten. Im Süden der Gemeinde wurde ab 1920 Torf abgebaut. 1921 wurde Kalkhorst eine selbständige Gemeinde, acht Jahre später erhielt der Ort die ersten Stromanschlüsse und die Straße nach Klütz wurde fertiggestellt.

In der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft diente das Schloss Kalkhorst als Schulungsstätte des Verbandes für das Deutschtum im Ausland (VDA) sowie für die österreichische NSDAP[11]. Der Reichsführer SS Heinrich Himmler soll hier kurz vor der Kapitulation Quartier bezogen haben, auf dem Weg nach Schleswig-Holstein zum neuen Regierungssitz.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden im Schloss Typhuskranke behandelt, bis 1999 diente es als Kurheim sowie Psychiatrie-Pflegeheim. Das Schloss ist wie auch das Gutshaus in Groß Schwansee seit Ende der 1990er Jahre wieder in privater Hand.

Südwestlich des Hauptortes Kalkhorst entstand 2000 eine Windenergieanlage.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flagge der Gemeinde Kalkhorst

Das Wappen wurde am 1. Februar 2001 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 235 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Blau auf dreimal von Silber und Blau wellenförmig geteilten Wappenschildfuß ein schwimmendes Boot, darüber zwei schräggekreuzte goldene Giebelbretter mit abgewandten Pferdeköpfen.“

Das Wappen wurde von dem Schweriner Heraldiker Heinz Kippnick gestaltet.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge der Gemeinde ist gleichmäßig längsgestreift von Gold (Gelb) und Blau; in der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des goldenen (gelben) und des blauen Streifen übergreifend, das Gemeindewappen. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen
  • Die Dorfkirche Kalkhorst wird von Georg Dehio auf die Zeit um 1240/50 datiert.[4] Dabei handelt es sich um einen Backsteinbau mit einer reichen barocken Ausstattung, dessen Außenbau mehrfachen Veränderungen unterlag. Das Innere der Kirche ist geprägt von kämpferlosen quadratischen Pfeilern und weit gespannten abgestuften Arkaden, Wand- und Gewölbemalereien.[12]
  • Die Dorfkirche Elmenhorst ist eine frühgotische Backsteinkirche auf kreuzförmigem Grundriss, die im Jahre 1230 erstmals erwähnt wurde.
Gutshäuser und Schlösser
  • Schloss Kalkhorst ist ein historisierendes, dreigeschossiges Herrenhaus von um 1853, erbaut für den Baron Thomson von Biel.
  • Das Schlossgut Groß Schwansee im Ortsteil Groß Schwansee ist ein als Hotel genutzter ehemaliger Gutshof in klassizistischem Baustil.
  • Das Gut Hohen Schönberg wird erstmals urkundlich 1230 als Sconberge erwähnt. Namensgebend war der Hohe Schönberg, der mit seinen fast 100 Metern die höchste Erhebung zwischen Lübeck und Wismar ist. Eigentümer war seinerzeit Heinrich von Parkentin, es folgten die Familien von von Both und von Plessen, schließlich die Grafen von Bothmer aus dem nahen Schloss Bothmer. Nach dem Abriss des Gutshauses steht heute nur noch das eingeschossige, kleine Jagdhaus.
  • Das Kulturgut im Ortsteil Dönkendorf ist ein siebenachsiger Backsteinbau, der an einem kleinen See liegt.[13] Im Park werden im Sommer Musikstücke aufgeführt.
Parks

2010 wurde der Miniaturenpark Kalkhorst mit zunächst 40 Bauwerken im Maßstab 1:25 eröffnet. Im November 2011 erhielt die Gemeinde Kalkhorst vom Arbeitslosenverband Neubrandenburg 250 Miniatur-Bauwerke im Maßstab 1:25, die zuvor elf Jahre lang im Modellpark Mecklenburgische Seenplatte in Neubrandenburg ausgestellt worden waren. Durch diese Bauwerke soll die Anlage Kalkhorst erheblich erweitert werden.[14][15]

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuß-/Fahrradweg zur Gedenkstätte Cap Arcona Groß Schwansee
Gedenkstätte für die Toten der Cap Arcona

Nach dem Untergang der Cap Arcona wurden im Jahr 1945 nahe dem Ufer im Gemeindeteil Groß Schwansee ein Massengrab und eine Gedenkstätte für 407 Opfer der Katastrophe errichtet, die im Laufe des Sommers an Land getrieben waren. Mitte der 1950er Jahre wurde dieses Massengrab nach Grevesmühlen verlegt. Der Verein Politische Memoriale e. V. Mecklenburg-Vorpommern und der Förderkreis Cap-Arcona-Gedenken haben im Einvernehmen mit der Gemeinde und der Unterstützung der Kreisverwaltung diesen Ort wieder mit einem Holzkreuz und einer metallenen Erinnerungstafel mit einem Bildbetrachter markiert.[16]

Eine direkte Straße führt von Kalkhorst zu einem Parkplatz in Strandnähe. Von dort führt ein Weg zum Fuß-/Fahrradweg, der längs der Ostsee verläuft. Zwei Kilometer westwärts liegt die Gedenkstätte.

Wirtschaft, Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirtschaft und Natur

Der bestimmende Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde ist nach wie vor die Landwirtschaft. Der sanfte, naturverbundene Tourismus wird seit einigen Jahren verstärkt gefördert. Vom Priwall bis nach Kalkhorst reicht das Naturschutzgebiet Küstenlandschaft zwischen Priwall und Barendorf mit Harkenbäkniederung entlang dem Naturstrand der Lübecker Bucht. Ein weiteres Naturschutzgebiet in der Gemeinde ist als Küstenwald der Brooker Wald.

In der Ostsee vor der Küste bei Warnkenhagen befindet sich eine der beiden Elektroden des Baltic Cable. Die umwelttoxische Wirkung dieses blanken im Wasser liegenden Leiters ist von der Stromrichtung abhängig, es wird entweder Chlor oder Natronlauge freigesetzt und der Sauerstoffgehalt des Meerwassers reduziert.

Verkehr

Kalkhorst wird erreicht über die Verbindungsstraßen von Dassow und Klütz. Die acht Kilometer entfernte Kleinstadt Dassow liegt an der Bundesstraße 105 von Lübeck nach Wismar. 20 km südlich von Kalkhorst liegt die Autobahn-Auffahrt Schönberg (Ostseeautobahn). Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Grevesmühlen und Schönberg.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2014 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
  3. Carl Miguel Freiherr von Vogelsang, Manfred Rohde: Kalkhorst Chronik. Obotriten-Verlag, 2005, S. 11–14
  4. a b Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kulturdenkmäler Mecklenburg Vorpommern. Deutscher Kunstverlag, München Berlin 2000
  5. Carl Miguel Freiherr von Vogelsang, Manfred Rohde: Kalkhorst Chronik. Obotriten-Verlag, 2005, S. 19, 31
  6. Carl Miguel Freiherr von Vogelsang, Manfred Rohde: Kalkhorst Chronik. Obotriten-Verlag, 2005, S. 38 ff
  7. Carl Miguel Freiherr von Vogelsang, Manfred Rohde: Kalkhorst Chronik. Obotriten-Verlag, 2005, S. 46 ff.
  8. Carl Miguel Freiherr von Vogelsang, Manfred Rohde: Kalkhorst Chronik. Obotriten-Verlag, 2005, S. 49 ff
  9. Carl Miguel Freiherr von Vogelsang, Manfred Rohde: Kalkhorst Chronik. Obotriten-Verlag, 2005, S. 56 ff
  10. Carl Miguel Freiherr von Vogelsang, Manfred Rohde: Kalkhorst Chronik. Obotriten-Verlag, 2005, S. 66 ff
  11. siehe dazu den Hauptartikel "Schloss Kalkhorst"
  12. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kulturdenkmäler Mecklenburg Vorpommern. Deutscher Kunstverlag, München Berlin 2000, S. 261
  13. Kulturgut Dönkendorf
  14. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.ln-online.deAuf der Suche nach einem Konzept für den Miniaturenpark. Lübecker Nachrichten vom 28. August 2011
  15. Modellpark packt ein (Memento vom 5. April 2012 im Internet Archive). Nordkurier. 10. November 2011
  16. Zum Cap–Arcona–Gedenken in Mecklenburg und an der Lübecker Bucht in: Gedenkstättenrundbrief 137, S. 3–13, online abgerufen am 13. Mai 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kalkhorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien