Mudau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Mudau
Mudau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Mudau hervorgehoben
49.5330555555569.2052777777778456Koordinaten: 49° 32′ N, 9° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Neckar-Odenwald-Kreis
Höhe: 456 m ü. NHN
Fläche: 107,55 km²
Einwohner: 4833 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 45 Einwohner je km²
Postleitzahl: 69427
Vorwahl: 06284
Kfz-Kennzeichen: MOS, BCH
Gemeindeschlüssel: 08 2 25 060
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schloßauer Str. 2
69427 Mudau
Webpräsenz: www.mudau.de
Bürgermeister: Dr. Norbert Rippberger (CDU)
Lage der Gemeinde Mudau im Neckar-Odenwald-Kreis
Hessen Bayern Hohenlohekreis Landkreis Heilbronn Main-Tauber-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Adelsheim Aglasterhausen Billigheim Binau Buchen (Odenwald) Elztal (Odenwald) Fahrenbach Hardheim Haßmersheim Höpfingen Hüffenhardt Limbach (Baden) Mosbach Mudau Neckargerach Neckarzimmern Neunkirchen (Baden) Obrigheim (Baden) Osterburken Ravenstein Rosenberg (Baden) Schefflenz Schwarzach (Odenwald) Seckach Waldbrunn (Odenwald) Walldürn Zwingenberg (Baden)Karte
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Mudau ist eine zum Neckar-Odenwald-Kreis gehörende Gemeinde in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im südöstlichen Odenwald zwischen Neckar und Main in der nördlichen Ecke des Neckar-Odenwald-Kreises an der Landesgrenze zu Hessen und Bayern (Dreiländereck). Das von ausgedehnten Wäldern bedeckte Gemarkungsgebiet liegt auf der sanft in Richtung Südosten zum Bauland hin abfallenden Buntsandstein-Hochfläche zwischen 251 (Reisenbacher Grund) und 581 (Fernmeldeturm Reisenbach) m ü. NN Höhe.

Viele Bäche entspringen hier auf der Wasserscheide zwischen Neckar und Main, darunter die Mud, die dem Marktflecken auch den Namen gegeben hat. In ihrem Unterlauf haben sie sich teils bis zu 200 m tief in den Buntsandstein eingegraben. Der Gabelbach, die Mud und das Steinbächlein fließen zum Main, der Reisenbach, der Trienzbach und die Elz zum Neckar.

Mudau ist flächenmäßig die zweitgrößte Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis und eine der dünnst besiedelten Gemeinden von Baden-Württemberg. Die Gemeinde hat ein eigenes Wasserversorgungssystem. Das Frischwasser wird aus 4 Tiefbrunnen gefördert, mechanisch entsäuert und ohne sonstige Aufbereitung direkt an den Verbraucher weitergegeben. Der Ortsteil Mudau ist seit 1996 ein staatlich anerkannter Erholungsort im Naturpark Neckartal-Odenwald. Im Regionalplan ist Mudau als Kleinzentrum ausgewiesen.

Die nächstgelegenen Großstädte sind: Frankfurt am Main, Würzburg, Heilbronn und Heidelberg. Mosbach, die Kreisstadt des Neckar-Odenwald-Kreises befindet sich etwa 20 km südlich, Buchen rund 10 km östlich und Amorbach ungefähr 13 km nördlich entfernt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Mudau besteht aus den neun Ortsteilen Donebach, Langenelz, Mörschenhardt, Mudau, Reisenbach, Rumpfen, Scheidental, Schloßau und Steinbach.

Zum Ortsteil Donebach gehören das Dorf Donebach/Ünglert und die Hofreihe Ünglert, die zum Teil auch im Ortsteil Steinbach liegt. Zu den Ortsteilen Langenelz und Rumpfen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer.

Zum Ortsteil Mörschenhardt gehören das Dorf Mörschenhardt, der Weiler Ernsttal und das Schloss Waldleiningen. Zum Ortsteil Mudau gehören das Dorf Mudau, der Weiler Untermudau, der Ort Siedlung „Neue Heimat“ und die Wüstung Unterferdinandsdorf (Reisenbachergrund). Zum Ortsteil Reisenbach gehören das Dorf Reisenbach und der Weiler Reisenbacher Grund. Zum Ortsteil Scheidental gehören die Dörfer Oberscheidental und Unterscheidental. Zum Ortsteil Schloßau gehören die Dörfer Schloßau und Waldauerbach (historisch auch Auerbach). Zum Ortsteil Steinbach gehören das Dorf Steinbach und ein Teil des Weilers Ünglert.

Im Ortsteil Mörschenhardt lag die in Mörschenhardt aufgegangene Ortschaft Neuhof.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Zur Zeit der Römerherrschaft (etwa 98 bis 260) lag das Gemeindegebiet in der Provinz Obergermanien. Überreste des Neckar-Odenwald-Limes sind heute bei Schloßau und Scheidental zu sehen.

Durch das Benediktiner-Kloster Amorbach wurden im Hochmittelalter Rodungssiedlungen im Waldgebiet südlich von Amorbach angelegt. Die Ortschaften fanden hierdurch ihren Ursprung. Die Orte unterstanden ab dem 12. Jahrhundert der Vogtei der Herren von Dürn und waren der nahe gelegenen Burg Wildenberg zugeordnet.

Die Herrschaftsrechte gelangten 1271 durch Kauf an das Erzstift Mainz. Mudau war Hauptort der Mudauer Zent. Sie umfassten 28 Dörfer. Im Jahre 1426 wurde Mudau von der Mutterpfarrei Hollerbach abgetrennt und eigenständiger kirchlicher Mittelpunkt mit 13 Filialen. Im Bauernkrieg von 1525 wurde das nahe gelegene Kloster Amorbach geplündert und die Burg Wildenberg zerstört. Götz von Berlichingen führte den Hellen Haufen. Im Dreißigjährigen Krieg marschierten unterschiedliche Kriegsparteien durch Mudau und nahmen hier Quartier. Im 17. Jahrhundert wurde Mudau wichtiger Marktort mit mehreren Jahr- und Viehmärkten. 1780 gab es drei Jahrmärkte und sechs Viehmärkte, um 1790 wuchs die Zahl der Viehmärkte auf 16. 1817 hatte Mudau 16 Viehmärkte, drei Krämermärkte (19. März Josef, 10. August Laurentius, 19. September Michaeli) und einen Leinwandmarkt am 22. Juli. Im Jahre 1989 ließ der Bund der Selbständigen (BdS) die Tradition des Laurentiusmarktes (3. Wochenende im September) wieder aufleben. Seit 2006 gibt es auch einen Bauernmarkt.

Durch die Säkularisation gelangte Mudau 1803 kurzzeitig an das Fürstentum Leiningen. Nach dessen Auflösung durch die Rheinbundakte wurde Mudau nur drei Jahre später Bestandteil des Großherzogtum Baden. In der Märzrevolution von 1848 wurden das leiningische Hofgut Marienhöhe bei Buchen und das Rentamt in Ernsttal in Brand gesteckt. Die Rathäuser wurden gestürmt. 1849 wurden durch einen Großbrand zwei Drittel von Mudau zerstört.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. September 1971 wurde Mörschenhardt eingemeindet. Am 1. Januar 1973 folgte Rumpfen, am 1. Januar 1974 Scheidental und Langenelz und am 1. März 1974 Donebach. Am 1. Januar 1975 war die Gemeindereform mit dem Zusammenschluss von Mudau, Reisenbach, Schloßau, Waldauerbach und Steinbach mit der Neubildung der Gemeinde Mudau abgeschlossen.

Wappen der Ortsteile[Bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten]

Durch die Zugehörigkeit zu Kurmainz war die Bevölkerung früher ausschließlich katholisch. Heute sind ungefähr 90 % katholisch und 6 % evangelisch. Es gibt zwei römisch-katholische und eine evangelische Gemeinde in Mudau. Zudem gibt es mit der Christian Community International Mudau auch eine freikirchliche Gemeinde.

Politik[Bearbeiten]

Das neue Rathaus in Mudau
Die Odenwaldhalle Mudau

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die Bürgermeister von Mudau seit dem Übergang an Baden:

  1. 1806–1812: Joh. Jos. Pfaff
  2. 1812–1833: Johann Hauck
  3. 1833–1840: Pankraz Link
  4. 1841–1856: Franz Grimm
  5. 1856: Andreas Knapp
  6. 1857–1869: Karl Oeden
  7. 1870–1884: Wilhelm Schäfer
  8. 1884–1905: Isidor Linz
  9. 1905–1919: August Burkhardt
  10. 1919–1933: Otto Link
  11. 1933–1945: Melchior Kinzig
  12. 1945–1948: Karl Breunig
  13. 1948–1979: Erich Bucher
  14. 1980–2004: Wilhelm Schwender
  15. seit 2004: Norbert Rippberger

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Gemeinderatswahl vom 13. Juni 2004 brachte folgendes Ergebnis:

  1. CDU/BL 59,7 % (+5,9) – 12 Sitze (+1)
  2. FUB 29,1 % (-0,4) – 6 Sitze (=)
  3. SPD 11,2 % (-5,4) – 2 Sitze (-1)

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 brachte folgendes Ergebnis:[3]

Partei Stimmen +/- Sitze +/-
CDU/BL 65,2 % (+5,5) 11 (-1)
FUB 34,8 % (+5,7) 6 (±0)
SPD 0,0 % (−11,2) 0 (-2)

Die Wahlbeteiligung lag bei 59,3 % und war damit um 5,7 Prozentpunkte geringer als bei der Kommunalwahl 2004. Dem Gemeinderat gehören 16 Männer und eine Frau an.

Wappen[Bearbeiten]

In Rot ein silberner (weißer) Wellenschrägbalken, begleitet von je einem sechsspeichigen silbernen (weißen) Rad. Der Wellenbalken symbolisiert die Lage der Gemeinde im Quellbereich des Mudbaches. Die Räder und die Tingierung weisen auf das Wappen des Erzstiftes Mainz hin.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Alter Bahnhof
Grund- und Hauptschule Mudau
Grundschule in Schloßau

Mudau war von 1905 bis 1973 Endpunkt einer heute abgebauten Schmalspurbahn, dem Odenwaldexpress, die von Mosbach ausging. Auf der ehemaligen Bahntrasse wurde am 8. Juni 1980 eine Rad-Wanderbahn eingeweiht. Heute ist der Ort über eine Buslinie an den Bahnhof der S-Bahn RheinNeckar in Eberbach angebunden.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Im Ortsteil Donebach betreibt die Media Broadcast GmbH den Langwellensender Donebach für den Deutschlandfunk. Mit einer Höhe von 360 Metern sind dies die höchsten Sendetürme Westeuropas. In Reisenbach betreibt die Deutsche Telekom AG bei 9°15'48" östliche Länge und 49°33'5" nördliche Breite eine Richtfunkanlage. Als Antennenträger kommt ein 149,65 Meter hoher Stahlbetonturm (Typenturm) zum Einsatz.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Im Kernort gibt es eine Grund- und Hauptschule. Der Ortsteil Schloßau verfügt über eine eigene Grundschule. Zudem gibt es zwei Kindergärten (in Mudau und Schloßau).

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

Golfplatz[Bearbeiten]

Eingebettet in Wald und Wiesen entstand 1993 die Golfanlage in Mudau mit 92 ha Größe. Sie bietet neben einem 18-Loch-Platz einen Kurzplatz, überdachte Driving Range, Putting-Grün, Übungsbunker sowie ein Clubhaus mit Bewirtung.

Tennisplatz[Bearbeiten]

In Mudau gibt es eine kleine Tennisanlage und einen Tennisverein, den TC Rot-Weiß Mudau e.V.

Hochseilgarten[Bearbeiten]

Der Hochseilgarten in dem Waldgelände in Steinbach (Eventure Park) ist eine Kombination von Naturseilgarten, bei dem die Übungen zwischen lebenden Bäumen angebracht werden und frei gebauter Anlage.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Durch den Ortsteil Langenelz führen folgende Radwanderwege:

  • Der 225 km lange 3-Länder-Radweg führt als Rundweg durch das Dreiländereck von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Entlang von Mümling, Neckar und Main erkundet die Route den Odenwald.
  • Der Burgenstraßen-Radweg verläuft über ca. 1.200 Kilometer parallel zur Touristenroute Burgenstraße zwischen Mannheim und Prag.
  • Der Odenwald-Madonnen-Radweg führt über 135–160 Kilometer durch den Odenwald, das Neckartal und die Rheinebene.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Mariensäule Mudau

Im Jahr 2009 wurde in Zusammenarbeit von Gemeinde und Heimat- und Verkehrsverein ein „Kulturhistorischer Rundweg Mudau“ mit 19 Stationen im Kernort angelegt. Texttafeln informieren in Kurzform über die Sehenswürdigkeiten. Außerdem ist bei der Gemeindeverwaltung eine Informationsbroschüre erhältlich. Im Rahmen des Mudau Aktiv-Programms finden Führungen statt. Termine auf der Homepage der Gemeinde.

Galgen Mudau

Theater[Bearbeiten]

Die Badische Landesbühne gastiert mehrmals im Jahr in der Odenwaldhalle.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Philipp Rottermann, Mudau, (nach Amerika ausgewandert)
  • 1927: Karl Pfeiffenberger, Mudau, Oberlehrer, * 4. Mai 1847; † 27. Oktober 1928
  • 1932/33: Peter Paul Albert, Mudau, Historiker, * 29. Januar 1862; † 27. November 1956
  • 1933: Herrmann Passmann, Langenelz, * 1873
  • 1934: Arthur Grimm, Mudau, Maler, * 11. Februar 1883; † 23. Februar 1948
  • 1947: Franz Bingler, Mudau, Erfinder der Chirurgie- und Orthopädiemechanik, * 2. Dezember 1862; † 10. Januar 1951
  • 1959: Theodor Humpert, Mudau, Gymnasialprofessor, Heimatforscher, * 29. Juni 1889; † 17. März 1968
  • 1976: Ernst Becksmann, Mudau, Geologe und Wasserforscher, * 28. Februar 1906; † 11. Mai 1986
  • 1979: Erich Bucher, Mudau, ehemaliger Bürgermeister, *9. August 1915; † 24. Februar 1994
  • 1990: Joachim Schulz, Mudau u. Amorbach, ehemaliger Geschäftsführer, * 26. Juni 1920; † 24. Januar 2010
  • 2011: Susanne Everth Schulz, Amorbach, Ehefrau des 2010 verstorbenen Ehrenbürgers Joachim Schulz[4]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mudau im Odenwald, Wesen und Werden einer Odenwaldgemeinde, Dr. Theodor Humpert, 1954
  • 900 Jahre Mudauer Odenwald, Vom Fronhofsverband zur Gemeinde Mudau, Hans Slama, 2002, ISBN 3-929295-88-1
  • Vom Odenwaldexpress zur Wanderbahn, Axel Priebs, 1980, ISBN 3-88260-017-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 301–304
  3. Wahlergebnis beim Statistischen Landesamt
  4. Bericht dazu

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mudau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien