Norderwöhrden

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Norderwöhrden führt kein Wappen
Norderwöhrden
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Norderwöhrden hervorgehoben
Koordinaten: 54° 12′ N, 9° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Dithmarschen
Amt: Kirchspielslandgemeinde Heider Umland
Höhe: 3 m ü. NHN
Fläche: 18,47 km2
Einwohner: 291 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 16 Einwohner je km2
Postleitzahl: 25746
Vorwahlen: 0481, 04833, 04839
Kfz-Kennzeichen: HEI, MED
Gemeindeschlüssel: 01 0 51 081
Adresse der Amtsverwaltung: Kirchspielsweg 6
25746 Heide
Webpräsenz: www.amt-heider-umland.de
Bürgermeister: Kay Uwe Evers (FWN)
Lage der Gemeinde Norderwöhrden im Kreis Dithmarschen
Karte
Wellinghusen: Alte Dorfwurt, errichtet im 8. Jahrhundert

Norderwöhrden ist eine Gemeinde im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Dithmarschener Nordseemarsch im Dreieck der Orte Heide, Büsum und Wesselburen westlich der A23. Sie liegt auf einer Linie mit Wöhrden, Hassenbüttel und Wesselburen, der ersten frühmittelalterlichen Besiedlungslinie direkt an der damaligen Nordseeküste.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Dellweg, Edemannswurth, Edemannswisch, Nannemannshusen, Oeverwisch, Poppenhusen, Wennemannswisch und Wellinghusen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend die Gemeinden Oesterwurth, Neuenkirchen und Wesseln, die Stadt Heide sowie die Gemeinden Lohe-Rickelshof, Wöhrden und Wesselburener Deichhausen (alle im Kreis Dithmarschen).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Norderwöhrden entstand, nachdem die Dithmarscher 1559 in der Letzten Fehde ihre Unabhängigkeit verloren hatten, die Bauernrepublik Dithmarschen in einen Nord- und einen Südteil getrennt wurde. Das alte Kirchspiel Wöhrden lag auf der Grenze, so dass der Wöhrdener Stadtkern mit Süderwöhrden in Süderdithmarschen lag, das Wöhrdener Hinterland als Norderwöhrden zu Norderdithmarschen kam.

Am 1. April 1934 wurde die Kirchspielslandgemeinde Norderwöhrden aufgelöst. Ihr Gebiet wurde in die Gemeinde Norderwöhrden überführt.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs lebten etwa 20 Kriegsgefangene in einem Norderwöhrdener Tagelöhnerhaus und wurden zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft eingesetzt.[3], der Ortsteil Edemannswisch kam 1960 an die zentrale Wasserversorgung.[4]

Wellinghusen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Wellinghusen gehört zu den am besten erhaltenen und archäologisch dokumentierten frühmittelalterlichen Dorfwurten in Schleswig-Holstein. Bei Ausgrabungen zeigte sich 1994, dass Wellinghusen Ende des 7. Jahrhunderts als eine Siedlung mehrerer Wohnstallhäuser auf einem bis NN +1,80 m hohen Uferwall nahe einem Priel entstand. Es gehörte damit zur ersten Phase der Besiedlung der Dithmarscher Nordseemarschen nach der Völkerwanderungszeit und weist eine für diese Zeit typische Rundform auf. Die Wurt liegt westlich des bereits in der in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten besiedelten Seemarschen, die seit etwa 500 n. Chr. aufgrund ihrer küstenfernen Lage zunehmend vermoorten.

Vor dem Siedlungsbeginn am Ende des 7. Jahrhunderts wuchs auf der Wurt vor allem Schilfrohr, das für die Anlage der Hofstellen und der saisonalen, nur im Sommer bewirtschafteten Äcker mit Hafer, Gerste und Leinanbau Platz machte. Vor allem aber nutzten die Bewohner die umliegende Salzmarsch als Viehweide für Rinder, Schafe und Pferde. Die Vegetation bestand aus Brackwasserpflanzen Milchkraut, Andeln, Salzbinsen, Schuppenmieren, Röhrkohl und auf etwas höhergelegenen Stellen Seggen, Straußgras und ebenfalls Schilfrohr.

Die Flachsiedlung wurde an einem Priel angelegt, über den eine Brücke führte. Im frühen 9. Jahrhundert wurden die einzelnen Hofplätze zu bis 3 m über NN hohen Hofwurten erhöht. Dabei wurde der Priel mit Mist verfüllt, so dass eine größere Dorfwurt entstand. Im 10. Jahrhundert erfolgte eine weitere Erhöhung und ein Wurtenausbau auf eine Höhe von 4 m über NN, weitere Auftragungen aus Klei sind noch bis in das 14. Jahrhundert hinein belegt. Insgesamt wuchs die Wurt auf 6,20 m über NN bei einem Durchmesser von 250 Meter. In der frühen Neuzeit befanden sich aber nur noch zwei Höfe auf der Wurt, dann wurde das Wurtendorf aufgegeben. Nördlich des alten Wurtendorfes entstand im 12. Jahrhundert die heutige Wurtsiedlung Wellinghusen, wie 1996 durchgeführte Ausgrabungen ergaben.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den neun Sitzen in der Gemeindevertretung hat die Wählergemeinschaft FWN seit der Kommunalwahl 2013 sieben Sitze und die Wählergemeinschaft NWLN hat zwei Sitze.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norderwöhrden gehört zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wöhrden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Norderwörden wird seit Ende der 1980er Jahre die Windenergie zur Stromerzeugung genutzt. Bis 2004 existierten vier Windparks mit insgesamt 21 Windkraftanlagen. 2017 wurde ein Repoweringprojekt beschlossen, bei dem über 40 verschiedene Altanlagen, die teilweise 30 Jahre in Betrieb waren, durch 22 moderne Windkraftanlagen des Typs Vestas V112-3.45 ersetzt werden sollen. Der Baubeginn ist für das dritte Quartal 2017 geplant.[6]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt durch den Ort führt die zum Eidersperrwerk verlaufende Landesstraße 155, die etwas südlich außerhalb des Ortes in die nach Heide und Büsum führende Bundesstraße 203 einmündet. Diese wiederum kreuzt im Gemeindegebiet die Bundesstraße 5, die die Verlängerung der Bundesautobahn 23 darstellt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Norderwöhrden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2015 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 251.
  3. Dithmarscher Landeszeitung: „Mit Franzosen angefreundet“
  4. Dithmarscher Landeszeitung: „Rolfs-Hof in Edemannswisch gut bekannt.“
  5. Dirk Meier: „Frühe Besiedlungsmuster und der Wandel des Naurraumes zur Kulturlandschaft in Eiderstedt und Dithmarschen“ in: Ludwig Fischer (Hrsg.): „Kulturlandschaft Nordseemarschen“, Nordfriisk Institut/Hever Westerhever 1997 S. 45-66 ISBN 3-930691-07-8 S. 52-54; Dirk Meier: Die Nordseeküste. Geschichte einer Landschaft (Heide 2006) Boyens-Buchverlag.
  6. Vestas wins 76MW repowering order. In: Windpower Monthly, 7. April 2017. Abgerufen am 7. April 2017.