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Sense (Fluss)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Sense / Singine
Zusammenfluss des Schwarzwassers mit der Sense. Oben die beiden Schwarzwasserbrücken.

Zusammenfluss des Schwarzwassers mit der Sense. Oben die beiden Schwarzwasserbrücken.

Daten
Gewässerkennzahl CH: 269
Lage Schweizer Mittelland
  • Freiburger Mittelland

Schweiz Schweiz

Flusssystem Rhein
Abfluss über Saane → Aare → Rhein → Nordsee
Ursprung Zusammenfluss von Kalte Sense und Warme Sense in Zollhaus
46° 43′ 1″ N, 7° 18′ 28″ O
Mündung bei Laupen in die SaaneKoordinaten: 46° 54′ 22″ N, 7° 14′ 2″ O; CH1903: 584392 / 195029
46° 54′ 22″ N, 7° 14′ 2″ O
Mündungshöhe 482 m ü. M.[1]

Länge 36 km[1] (45 km via Kalte Sense, 47 km via Warme Sense)
Einzugsgebiet 434 km²[2]
Abfluss am Pegel Thörishaus, Sensematt[3]
AEo: 351 km²
NNQ (1971)
MNQ 1928–2020
MQ 1928–2020
Mq 1928–2020
MHQ 1928–2020
HHQ (1990)
790 l/s
4,36 m³/s
8,47 m³/s
24,1 l/(s km²)
12,5 m³/s
489 m³/s
Abfluss am Pegel Mündung[4]
AEo: 434 km²
MQ
Mq
9,81 m³/s
22,6 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse Warme Sense, Taverna
Rechte Nebenflüsse Kalte Sense, Laubbach, Schwarzwasser, Scherlibach
Karte
Verlauf der Sense

Die Sense (frz. Singine, Freiburger Patois Chindzena/?, in der höchstalemannischen Ortsmundart Seisa) ist ein rechter Nebenfluss der Saane und ein Grenzfluss zwischen dem Kanton Bern und dem Kanton Freiburg in der Schweiz. Ihre beiden Oberlaufzweige in den Alpen sind die Kalte Sense und die Warme Sense.

Der Fluss wird zum ersten Mal in einer Urkunde von 1076, mit der König Heinrich IV. den Grundbesitz des Klosters Rüeggisberg im Gebiet von Guggisberg bestätigte, mit der lateinischen Namensform Sensuna genannt.[5] Der Name leitet sich möglicherweise vom vorromanischen *senia mit der ungefähren Bedeutung «Sumpf, Sumpfland, Torf, Röhricht» ab.[6]

Die Sense entsteht als solche im Tal mit der Siedlung Zollhaus, die zur Freiburger Gemeinde Plaffeien gehört, an der Stelle, wo sich die zwei Gebirgsflüsse Kalte Sense und Warme Sense treffen.

Die Kalte Sense (GEWISS-Nr. 450) entsteht in den Tälern nördlich des Gantrischmassivs aus den Quellbächen Gantrischsense, Hengstsense (GEWISS-Nr. 1541) und Muscherensense (GEWISS-Nr. 514) in den Gemeinden Rüschegg und Guggisberg.[7] Sie ist mit dem längeren Zufluss des 1573 m ü. M. hoch gelegenen Gantrischseeli 12,4 km lang und liegt von Sangernboden bis Zollhaus an der Kantonsgrenze.

Der Schwarzsee mit dem Tal der Warmen Sense

Die Warme Sense (GEWISS-Nr. 522) entwässert das Gebirgstal westlich der Kaiseregg in der wilden Landschaft Breccaschlund und bildet den Abfluss aus dem Schwarzsee; sie hat eine Länge von 5,9 Kilometern bzw. mit dem Schwarzsee und dessen längstem Zufluss von 10,6 Kilometern. Der Euschelsbach ist der längste Zufluss zum Schwarzsee und bildet indirekt einen Quellbach der Sense allgemein. Die Warme Sense fliesst vom Schwarzsee aus 5,5 Kilometer gegen Norden durch das Tal Seeschlund, begleitet von der Hauptstrasse 177, nach Zollhaus, wo ihr auf 865 m ü. M. von rechts die Kalte Sense zufliesst.[8]

Weiterer Verlauf

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Die Sense fliesst unterhalb von Zollhaus und bis nach Thörishaus durch eine 15 Kilometer lange Schlucht, die zum Wildwasserfahren und zum Baden genutzt wird. Der wichtigste Zufluss der Sense ist das Schwarzwasser. Die tief in den Molassefelsen eingegrabene Senseschlucht ist zusammen mit der Schwarzwasserschlucht eine ökologisch wertvolle Naturlandschaft und deshalb als interkantonales Auengebiet und Amphibienschutzgebiet ausgewiesen. Ausserdem liegen die Flussgräben im Areal des Landschaftsschutzgebiets «Schwarzenburgerland mit Sense- und Schwarzwasserschlucht», das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet ist.

Nach etwa 35 Kilometern mündet die Sense bei Laupen in die Saane. Da bei heftigen Gewittern, besonders im Sommer, die Sense plötzlich sehr stark ansteigen kann, ist der Aufenthalt in der Nähe des Flusses bei unsicherer Wetterlage gefährlich.

Das 434,579 km² grosse Einzugsgebiet der Sense liegt im Freiburger Mittelland und wird durch sie über die Saane, die Aare und den Rhein zur Nordsee entwässert.

Es besteht zu 34,2 % aus bestockter Fläche, zu 56,0 % aus Landwirtschaftsflächen, zu 6,1 % aus Siedlungsfläche und zu 3,7 % aus unproduktiven Flächen.

Die Flächenverteilung

Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt 990,2 m ü. M.[9]

Zuflüsse der Sense ab 5 km Länge

Direkte Zuflüsse der Sense[Z 1]
Name GKZ Lage Länge
in km
EZG
in km²
MQ
in m³/s
Mündung
Koordinaten
Mündungs­höhe
in m
Bemerkungen
Kalte Sense CH000450 rechts 012,4000 0067,5000 0002,4000 Welt-Icon in Zollhaus 86400000 Rechter Quellbach
Warme Sense CH000522 links0 005,9000 0044,6900 0001,5400 Welt-Icon in Zollhaus 86400000 Linker Quellbach
Rufenenbach CH001523 links0 003,1000 0002,3700   Welt-Icon bei Rufenen, Plaffeien 82500000
Laubbach CH001518 rechts 006,5000 0012,4600 0000,3100 Welt-Icon bei Moosmatte, Guggisberg 76700000
Tütschbach CH001519 links0 005,9000 0007,8300   Welt-Icon bei Zumholz 76300000 Alternativname: Dütschbach
Hältetlibach BE133973 rechts 002,9000 0002,3100   Welt-Icon bei Guggersbach, Guggisberg 75600000
Limbach CH350824 links0 002,9000 0003,1400   Welt-Icon bei Limbach, Zumholz 74600000
Sodbach CH001517 links0 005,2000 0006,8400   Welt-Icon bei Sodbach, Heitenried 64100000
Schwarzwasser CH000452 rechts 021,1000 0129,9100 0002,3800 Welt-Icon nach unterqueren der Schwarzwasserbrücken, südlich von Mittelhäusern 57700000 Grösster Zufluss der Sense
Scherlibach CH001493 rechts 010,6000 0030,6700 0000,5800 Welt-Icon in Sensematt, südlich von Thörishaus 55500000
Taverna CH001490 links0 015,8000 0052,6500 0000,8500 Welt-Icon bei Flamatt 52600000 Alternativname: Tafersbach
Sense[Z 2] 036,0000 0434,5700 0009,8100 bei Laupen 48200000 Mündet in die Saane

Anmerkungen zur Tabelle

  1. Vom Ursprung zur Mündung. Daten von swisstopo (map.geo.admin.ch)
  2. Die Daten der Sense zum Vergleich

Bei der Mündung der Sense in die Saane beträgt ihre modellierte mittlere Abflussmenge (MQ) 9,81 m³/s. Ihr Abflussregimetyp ist nivo-pluvial préalpin[10], und ihre Abflussvariabilität[11] beträgt 20.

Der modellierte monatliche mittlere Abfluss (MQ) der Sense in m³/s[4]

Natur und Umwelt

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Noch bevor die Sensetalbahn gebaut wurde, ist die Sense ab Thörishaus begradigt und kanalisiert worden. Im 21. Jahrhundert soll sie nun wieder renaturiert werden.[12]

Das erste Projekt in Fliessrichtung betrifft die Gemeinden Neuenegg und Wünnewil-Flamatt. Der erste Abschnitt wurde 2024 fertiggestellt[13]. Das Ziel ist es, dem Fluss mehr Platz zu geben, sodass eine, wie die Gemeinde Wünnewil-Flamatt schreibt, «vielseitige, wertvolle Flusslandschaft entsteht». Ausserdem schütze ein ökologisch gestalteter Uferschutz den Uferweg mitsamt der ARA-Leitung auf der Berner Seite.

Ungefähr ab 2028 sollen zwei weitere Flussabschnitte bearbeitet werden. Dabei ist geplant, dass sich die Sense auf der freiburgischen Seite verbreitern darf. Auf Berner Seite sollen die Ufersicherungen erneuert und ein Hochwasserschutzdamm zum Schutz des Campingplatzes erstellt werden.

Das Vorhaben in Laupen gliedert sich in drei Abschnitte. Im obersten Abschnitt – zwischen den Gemeindegrenzen zu Neuenegg und Bösingen – stehen die Revitalisierung und Aufweitung der Sense im Vordergrund. Nach und nach soll der Fluss dabei die Möglichkeit bekommen, sein Bett auf ca. 80 Meter Breite auszuweiten. Die Arbeiten an diesem Abschnitt haben bereits begonnen. In einigen Jahren soll der Fluss eine Aue mit bewachsenen Kiesbänken sein.

Der mittlere Abschnitt des Projekts liegt zwischen der Gemeindegrenze zum freiburgischen Bösingen und der Sensebrücke. Auch dort sollen der Hochwasserschutz und die Revitalisierung vorangetrieben werden.

Zwischen der Sensebrücke und der Einmündung in die Saane befindet sich der dritte und letzte Abschnitt des Senseprojekts in Laupen. Auch dort soll der Hochwasserschutz angepasst werden. Anders als in den vorherigen Bereichen steht jedoch zusätzlich die Naherholung im Zentrum. Am Nordufer werde die bestehende Uferböschung abgetragen, um ein flaches und gut zugängliches Ufer mit Sitzsteinen zu schaffen. So erhofft sich die Gemeinde ein neues und attraktives Naherholungsgebiet mit Badeplätzen direkt im Stedtli.[14][15]

Die Bachforelle ist die Fischart, welche am häufigsten in der Sense anzutreffen ist. Daneben kommen noch Alet und Barbe sowie – vor allem im Unterlauf – die Äsche vor.[16]

Auf ihrem Weg wird die Sense von rund 40 Brücken überquert. Die Steinbachbrücke, Geissalpbrücke, Sodbachbrücke und Thörishausbrücke sind denkmalgeschützt.

Commons: Sense – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise)
  2. Sensemündung. In: map.geo.admin.ch. Abgerufen am 26. Oktober 2024.
  3. Abflussdaten: Messstelle: Sense – Thörishaus, Sensematt (2179). (PDF) 1928–2020. In: BAFU Hydrodaten. BAFU, abgerufen am 26. Oktober 2024 (Stationsseite).
  4. a b Mittlere Abflüsse (m³/s) und Abflussregimetyp für das Gewässernetz der Schweiz. Bundesamt für Umwelt (BAFU).
  5. Fontes Rerum Bernensium. Bern’s Geschichtsquellen. Erster Band, umfassend die Zeit bis 1218. Bern 1883, S. 333.
  6. Albrecht Greule: Deutsches Gewässernamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-057891-1, S. 495, «Sense» (Auszug in der Google-Buchsuche).
  7. Verlauf der Kalten Sense auf dem Geoportal des Kantons Bern.
  8. Die Sense – ein Grenz- und Brückenfluss (Memento vom 20. Juni 2020 im Internet Archive). In: Freiburger Volkskalender. 1982, S. 134–146 (PDF; 41,2 MB).
  9. Topographische Einzugsgebiete Schweizer Gewässer: Sense. Bundesamt für Umwelt (BAFU), abgerufen am 17. April 2025.
  10. Martin Pfaundler, Rolf Weingartner, Robert Diezig: «Versteckt hinter den Mittelwerten» – die Variabilität des Abflussregimes. In: Hydrologie und Wasserbewirtschaftung (HyWa). Jg. 50, Heft 3, 2006, S. 116–123, hier Tabelle auf S. 119 (Download [PDF; 3,2 MB; abgerufen am 3. November 2024]). Abrufbar unter Gesamtes HyWa Heft 3, 2006.
  11. Die Abflussvariabilität beschreibt das Ausmass der Schwankungen des mittleren Abflusses einzelner Jahre um den langjährigen mittleren Abflusswert.
  12. Laura Fehlmann: Die Sense soll wieder wie früher fliessen. In: bernerzeitung.ch. 28. Januar 2016, abgerufen am 2. Oktober 2019.
  13. So fliesst die neue Sense. Abgerufen am 8. Februar 2026.
  14. Viele Flussbette im Kanton Bern sind zu schmal. In: bernerzeitung.ch. 9. September 2023, abgerufen am 8. Februar 2026.
  15. Hochwasserschutz und Revitalisierung Sense. In: in-zukunft-laupen.ch. Abgerufen am 8. Februar 2026.
  16. Angeln in der Sense.