Wildon

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen deutschen Zauberer siehe Joe Wildon.
Wildon
Wappen fehlt
Wildon (Österreich)
Wildon
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Leibnitz
Kfz-Kennzeichen: LB
Fläche: 32,67 km²
Koordinaten: 46° 53′ N, 15° 31′ OKoordinaten: 46° 53′ 13″ N, 15° 30′ 51″ O
Höhe: 314 m ü. A.
Einwohner: 5.367 (1. Jän. 2016)
Postleitzahl: 8410
Vorwahl: 03182
Gemeindekennziffer: 6 10 59
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 55
8410 Wildon
Website: www.wildon.gv.at
Politik
Bürgermeister Helmut Walch (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(25 Mitglieder)
10
7
5
2
1
10 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Wildon im Bezirk Leibnitz
Allerheiligen bei Wildon Arnfels Ehrenhausen an der Weinstraße Empersdorf Gabersdorf Gamlitz Gleinstätten Gralla Großklein Heiligenkreuz am Waasen Heimschuh Hengsberg Kitzeck im Sausal Lang Lebring-Sankt Margarethen Leibnitz Leutschach an der Weinstraße Oberhaag Ragnitz Sankt Andrä-Höch Sankt Georgen an der Stiefing Sankt Johann im Saggautal Sankt Nikolai im Sausal Sankt Veit in der Südsteiermark Schwarzautal Straß in Steiermark Tillmitsch Wagna Wildon SteiermarkLage der Gemeinde Wildon im Bezirk Leibnitz (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Gemeindeamt Wildon
Gemeindeamt Wildon
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Bezirksgericht mit Steinpranger
Katholische Pfarrkirche hl. Magdalena in Wildon

Wildon (betont auf der zweiten, langgesprochenen Silbe) ist eine Marktgemeinde in der südlichen Steiermark mit 5367 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) und gehört zum Bezirk Leibnitz. Die Marktgemeinde liegt am Wildoner Berg, der das Leibnitzer Feld eingrenzt, direkt an der Mündung der Kainach in die Mur.

Im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark ist sie seit 2015 mit der Gemeinde Weitendorf zusammengeschlossen,[1] und wird den Namen Wildon weiterführen. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.[2] Weiters wird Wildon zum selben Termin um die Katastralgemeinde Sukdull sowie weitere Grundstücke der bis dahin bestehenden Gemeinde Stocking erweitert.[3]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende neun Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[4]):

  • Afram (199)
  • Aug (116)
  • Kainach bei Wildon (197)
  • Lichendorf (112)
  • Neudorf ob Wildon (298)
  • Stocking (311)
  • Sukdull (429)
  • Weitendorf (915)
  • Wildon (2532)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Kainach, Stocking, Sukdull, Weitendorf und Wildon.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wildon hat elf Nachbargemeinden, drei davon liegen im Bezirk Graz-Umgebung.

Wundschuh
Bez. Graz-Umgebung
Dobl-Zwaring Nachbargemeinden Sankt Georgen an der Stiefing
Hengsberg Ragnitz

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Dörfer standen bereits in der Jungsteinzeit (um 4000 v. Chr.) an der strategisch günstigen Stelle im Mündungsgebiet von Kainach und Mur. Archäologische Funde am benachbarten Buchkogel bestätigen dies. Aus der späten Urnenfeldzeit stammt ein Gräberfeld, das in der Nähe der Hauptschule entdeckt wurde. Archäologische Grabungen am Bocksberg legten ein Grab aus der Lasinjakultur (frühe Kupferzeit) frei, bei dem Reste einer Feuerbestattung (Leichenbrand) in einer Schüssel bestattet worden waren. Das Alter dieser Bestattung wurde mit etwa 6000 Jahren bestätigt, es handelt sich somit um das älteste Grab der Steiermark.[5]

Der Ortsname ist in seiner Bedeutung nicht wirklich entschlüsselt. Die Möglichkeiten reichen vom keltischen „fialdunum“ (gastfreundlicher Ort) über das slawische „bilo donje“ (Ort auf halber Höhe) bis zur „Wilde“ (die mittelhochdeutsche Bedeutung für Stute), die die Pferdefamilie mit dem größten Berg „Hengst“ und dem kleinsten „Ful“ (Fohlen) vervollständigen würde.

Im Frühmittelalter (um 1000 n. Chr.) lag die Hengistburg, das Zentrum der damaligen Mark an der mittleren Mur, vermutlich am Wildoner Schloßberg. Sie sollte die Grenze zum Osten sichern. Seit dem 12. Jahrhundert folgten der Hengistburg mehrere nebeneinander bestehende Burgen nach: Das landesfürstliche Lehen Altwildon (erstmals erwähnt 1173), Sitz des angesehenen und mächtigen Geschlechtes der Herren von Wildon, die erzbischöflich-salzburgische Burg Neuwildon am Plateau sowie das Haus Ful und der Turm Hengst auf halber Höhe sperrten den Weg vom Grazer in das Leibnitzer Feld.

Erstmals erwähnt wurde der Ort 1219. Der Ort ist vor allem bekannt durch die Verbindung mit dem Minnedichter Herrand von Wildonie (Herrand II. von Wildon), der um die Mitte des 13. Jahrhunderts auch politisch tätig war. Die Wappenfarben der Wildonier, weiß-grün, haben zu dieser Zeit auch die damaligen Landesfarben der Steiermark, schwarz-weiß, verdrängt und auch der Steirer-Panther war das Wappentier der Wildoner. Der Ort erhielt noch Anfang des 13. Jahrhunderts Marktrechte und das Recht zur eigenen Befestigung. 1292 war Wildon Ausgangspunkt der Kämpfe des Landsberger Bundes, eines Aufstandes steirischer Adeliger gegen den Habsburger Albrecht I.

Die Riegersburg war einst Wildoner Besitz. Kaiserliche Truppen belagerten in der Baumkircher Fehde um 1470 Wildon über ein Jahr, ehe es erobert werden konnte. Es entstand die landesfürstliche Herrschaft Oberwildon. Grundherren waren ab 1624 dann die Eggenberger, mit deren Herrschaft ein ausgedehntes Landgericht verbunden war.

1680 blieb Wildon von der Pest verschont, zum Dank wurde die Mariensäule (Pestsäule) am Hauptplatz errichtet. Zwischen 1796 und 1809 zogen mehrmals französische Besatzungstruppen durch. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Wildon zunächst zur sowjetischen, dann zur britischen Besatzungszone. 1955 wurde die Gemeinde Unterhaus eingemeindet.

Ehemaliges Wappen von Wildon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AUT Wildon COA.jpg

Das Wildoner Wappen wurde am 17. November 1544 von König Ferdinand I. an die Bürgerschaft verliehen, vermutlich auf Intervention vom in Wildon ansässigen Grundherrn und Erbfeldzeugmeister Maximilian Leysser.
„Das Wappen zeigt in einem roten Schild auf einer grünen Wiese einen Turm. Der Turm ist aus weißen Quadern gemauert und hat ein goldenes Fallgitter. Aus den drei Zinnen erhebt sich die Gestalt eines bärtigen wilden Mannes, der über die rechte Schulter mit beiden Händen einen Streitkolben zum Streich führt.“[6]

An dieses Wappen, das wohl lediglich den Ortsnamen mit der Eigenschaft „wild“ in Zusammenhang bringen will, knüpft sich auch die Sage vom Wilden Mann. Dieser soll der Sage nach in der sogenannten „Wilde-Mann-Höhle“ am Schlossberg gehaust und die Ortsbewohner drangsaliert und bedroht haben. Eine von ihm gefangene Jungfrau soll ihn mit einer Stricknadel geblendet und so wehrlos gemacht haben. Die Figur des wilden, keulenbewehrten Mannes verweist auf keltische Heroen (z. B. Dagda) und u. U. auf eine vorchristliche Nutzung der Höhle als Naturheiligtum.

Durch die Gemeindezusammenlegung wurde das Wappen ab 1. Jänner 2015 ungültig. Dieses muss von der Steiermärkischen Landesregierung neuerlich verliehen werden.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesen Zahlen sind die Summen des Gemeindeteils von Stocking nicht enthalten, da Statistik Austria diese noch nicht ausweist.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmut Walch (SPÖ) wurde in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats am 23. April 2015 zum Bürgermeister der neu zusammengesetzten Gemeinde gewählt.[7] Die Wahl von Helmut Walch wurde deshalb möglich, weil SPÖ, FPÖ und die Liste „Projekt Wildon“ in der Sitzung vom 17. April 2015 für die Gemeinderatsperiode 2015 bis 2020 ein Koalitionsübereinkommen getroffen hatten. Damit stellt die ÖVP erstmals nach 70 Jahren nicht den Bürgermeister.[8] Von 1. Jänner 2015 an bis zur konstituierenden Sitzung hatte der frühere Bürgermeister von Wildon, Gerhard Sommer (ÖVP), als Regierungskommissär die Geschäfte der fusionierten Gemeinde geführt.

Dem Gemeindevorstand gehören weiters der erste Vizebürgermeister Franz Plasser (ÖVP), der zweite Vizebürgermeister Andreas Url (FPÖ), der Gemeindekassier Johann Eder (FPÖ) und das Vorstandsmitglied Gert Egger (ÖVP) an.[7]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 25 Mitgliedern. Nach dem Ergebnis der Gemeinderatswahl 2015 setzt sich dieser wie folgt zusammen:[7]

Die letzten Gemeinderatswahlen brachten folgende Ergebnisse:
Partei 2015 2010 2005 2000
Großgemeinde Wildon Weitendorf Wildon Weitendorf Wildon Weitendorf
Sti.  % M. Sti.  % M. Sti.  % M. Sti.  % M. Sti.  % M. Sti.  % M. Sti.  % M.
ÖVP 1069 37 10 757 59 11 487 48 8 612 49 8 507 54 8 692 54 9 455 50 8
SPÖ 0727 25 07 190 15 02 420 41 6 330 27 4 435 46 7 265 21 3 198 22 3
FPÖ 0618 22 05 044 03 00 040 04 0 nicht kandidiert nicht kandidiert 192 15 2 107 12 2
Die Grünen 0180 06 01 049 04 00 066 07 1 085 07 1 nicht kandidiert 138 11 1 nicht kandidiert
Projekt Wildon 0275 10 02 199 16 02 nicht kandidiert 215 17 2 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert
BZÖ nicht kandidiert 034 03 00 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert
K. Reiter-Haas nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 157 17 2
Wahlberechtigte 4.343 2.052 1.256 1.855 1.201 1.770 1.116
Wahlbeteiligung 67 % 63 % 82 % 68 % 81 % 73 % 84 %

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Finkenegg, südöstlich von Wildon, um 1830,
Lith. Anstalt J.F. Kaiser, Graz
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Wildon

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der Brücken über Kainach und Mur hatte der direkt an der Hauptstraße nach Triest liegende Markt eine wichtige Funktion im Verkehrsnetz. Flößerei und Schifffahrt auf der Mur brachten sowohl wirtschaftliche Vorteile als auch finanzielle Opfer, da an den Flüssen Uferschutzbauten errichtet werden mussten. Der ursprünglich wichtige Durchzugsverkehr entwickelte sich nach 1945 zur negativen Belastung, führte doch damals die so genannte „Gastarbeiterroute“ durch den engen Markt.

1974 blockierten die Wildoner die Grazer Straße B 67 und beschleunigten damit den Ausbau einer zwischenzeitlichen Umfahrung bis später die Pyhrnautobahn A 9 fertiggestellt wurde.

Heute ist die Erreichbarkeit der Wirtschaftszentren durch Autobahn, Südbahn und den 15 km entfernten Flughafen Graz positiv zu bewerten.

In Wildon befinden sich mehrere gastronomische Betriebe und kleinere und mittelständische Betriebe, z. B.:

  • AKG Plastics (Kunststoffhohlkörper, seit 1962)
  • Hereschwerke (Automation, Anlagenbau, ca. 200 Mitarbeiter)

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 16. Jahrhundert gibt es in Wildon Schulen. Derzeit werden insgesamt vier öffentliche Schulen und ein Kindergarten mit zwei Gruppen betrieben:

  • Volksschule
  • Hauptschule
  • Polytechnische Schule
  • Herrand-von-Wildon Musikschule

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wildon kann von Graz aus mit der S-Bahn Linie S5 Richtung Spielfeld-Straß in 24 Minuten erreicht werden, die Züge verkehren stündlich, zur Hauptverkehrszeit in einem dichteren Intervall. Wildon liegt am Murradweg, ein kleiner Badesee lädt im Hochsommer zu einem Zwischenstopp ein.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Landkarten zum Gebiet von Wildon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reitsportanlage ist nicht mehr in Betrieb, das Bezirksgericht wurde 2002 aufgelassen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wildon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Steiermärkische Gemeindestrukturreform.
  2. § 3 Abs. 5 Z 3 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. ZDB-ID 705127-x. S. 3.
  3. § 5 Abs. 3 Z 2 des Steiermärkischen Gemeindestrukturreformgesetzes – StGsrG. S. 5.
  4. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  5. Ältestes Grab der Steiermark entdeckt. In: Weststeirische Rundschau. Nr. 24, Jahrgang 2013 (14. Juni 2013), 86. Jahrgang, ZDB-ID 2303595-X. Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg 2013, S. 3.
  6. http://www.wildon.gv.at/Gemeindewappen.35.0.html
  7. a b c Marktgemeinde Wildon: Gemeinderat (abgerufen am 16. Juni 2015)
  8. Kleine Zeitung vom 18. April 2015: Wildon bekommt einen roten Bürgermeister (abgerufen am 16. Juni 2015)