Bahnhof Buchloe

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Bahnhof Buchloe
Der Bahnhof mit Gebäuden im Jahre 2012
Der Bahnhof mit Gebäuden im Jahre 2012
Daten
Kategorie 3[1]
Betriebsart Trennungsbahnhof
Bahnsteiggleise 5
Abkürzung MBU[2]
IBNR 8000057
Eröffnung 1. September 1847
Webadresse Stationsdatenbank.de
Lage
Stadt Buchloe
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 2′ 2″ N, 10° 42′ 59″ O48.03388888888910.716388888889Koordinaten: 48° 2′ 2″ N, 10° 42′ 59″ O
Höhe über SO 616 m
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern

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Der Bahnhof Buchloe ist der einzige Bahnhof der bayerischen Stadt Buchloe und ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt im Allgäu. Am Kreuzungsbahnhof treffen die Bayerische Allgäubahn von München nach Lindau sowie die Bahnstrecken Augsburg–Buchloe und Buchloe–Memmingen aufeinander. Der Bahnhof verfügt über fünf Bahnsteiggleise sowie weitere Güter- und Abstellgleise. Täglich wird Buchloe von ungefähr 150 Regionalzügen der DB Regio und der Regentalbahn sowie von zehn Intercity- und Eurocity-Zügen bedient.

Der Bahnhof Buchloe wurde 1847 durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen als Durchgangsbahnhof an der Ludwig-Süd-Nord-Bahn eröffnet. Mit der Inbetriebnahme der Allgäubahn in Richtung München 1872 und der Strecke nach Memmingen 1874 wurde er zum Kreuzungsbahnhof. Die bis 1906 noch einmal erweiterten Gleisanlagen für den Güter- und Rangierverkehr wurden ab den 1970er Jahren teilweise zurückgebaut. Von den 1930er Jahren bis 1972 gab es in Buchloe ein eigenständiges Bahnbetriebswerk.

Lage[Bearbeiten]

Der Bahnhof befindet sich westlich der Stadtmitte von Buchloe, etwa einen Kilometer vom zentralen Rathausplatz entfernt. Die Gleise des Bahnhofs verlaufen von Nordosten nach Südwesten durch das Stadtgebiet. Das Empfangsgebäude stand östlich der Gleisanlagen an der Bahnhofstraße. Im Güterbereich im Nordosten das Bahnhofsgelände durch die Straße Am Ladehof und einen P+R-Parkplatz begrenzt, westlich der Gleise befinden sich ein weiterer Parkplatz und die Karwendelstraße. Im nördlichen Bahnhofsbereich unterquert die Mindelheimer Straße die Gleise durch eine Unterführung.

Der Bahnhof Buchloe ist Knotenpunkt von drei nicht elektrifizierten Bahnstrecken. Die Bayerische Allgäubahn von München über Buchloe und Kempten nach Lindau am Bodensee (VzG 5520 und 5362) ist eine zweigleisige Hauptbahn und wird im Regionalverkehr von München ins Allgäu sowie von einzelnen internationalen Fernverkehrszügen bedient. Die zweigleisige Hauptbahn von Augsburg über Bobingen nach Buchloe (VzG 5304) wird hingegen bis auf ein Intercity-Zugpaar ausschließlich im Regionalverkehr genutzt. Die Bahnstrecke von Buchloe über Mindelheim nach Memmingen (VzG 5360) dient neben dem Regionalverkehr ebenfalls dem internationalen Fernverkehr.

In Buchloe treffen folgende Kursbuchstrecken aufeinander:

  • 970: München/Augsburg–Buchloe–Kaufbeuren–Kempten–Immenstadt–Lindau/Oberstdorf
  • 971: Augsburg–Buchloe–Türkheim–Memmingen–Kißlegg–Lindau
  • 987: Augsburg–Buchloe–Türkheim–Bad Wörishofen

Geschichte[Bearbeiten]

Eröffnung und Ausbau zum Knotenpunkt[Bearbeiten]

Am 25. August 1843 verabschiedete die bayerische Regierung das Eisenbahndotationsgesetz zum Bau der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn, die von Hof über Bamberg, Nürnberg, Nördlingen, Augsburg und Kaufbeuren nach Lindau am Bodensee führen sollte. Die Stadt Landsberg am Lech setzte sich für eine Streckenführung von Augsburg durch das Lechfeld nach Landsberg und weiter über Waal nach Kaufbeuren ein, welche Buchloe nicht bedient hätte. Aufgrund der einfacheren Streckenführung wurde 1845 jedoch ein Streckenverlauf über Bobingen, Schwabmünchen und Buchloe beschlossen. Der Bahnhof Buchloe entstand einen Kilometer westlich des Ortes, der zu dieser Zeit mit etwa 850 Einwohnern eine relativ geringe Bedeutung hatte. Dennoch war in Buchloe eine von elf Wasser- und Eilgutcursstationen entlang der Strecke von Augsburg nach Lindau vorgesehen. Am 1. September 1847 eröffneten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen den Bahnhof Buchloe als Durchgangsbahnhof am eingleisigen Streckenabschnitt von Augsburg nach Kaufbeuren der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn. Das Empfangsgebäude, ein zweigeschossiger Backsteinbau, wurde erst ein Jahr später am 15. Oktober 1848 fertiggestellt. Als Wasser- und Eilgutcursstation erhielt der Bahnhof ausreichende Gleisanlagen für Zugkreuzungen. Zum Wasserfassen der Dampflokomotiven wurden Wasserkräne und ein zweigeschossiges Wasserhaus errichtet. Nördlich des Empfangsgebäudes entstand die Güterabfertigung mit einer Güterhalle für drei Güterwagen und einer Laderampe für die Viehverladung. Ebenso gab es eine 35 Meter lange Wagenremise, in der kleinere Reparaturen vorgenommen werden konnten. Bis zum 1. März 1854 war die Gesamtstrecke der Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Hof nach Lindau fertiggestellt. In den folgenden Jahren wurden immer mehr Häuser entlang der Bahnhofstraße erbaut.[3]

Zum 9. April 1869 erließ der Bayerische Landtag das Gesetz zum Bau einer Bahnstrecke von München nach Memmingen, die am Bahnhof Buchloe die Ludwigs-Süd-Nord-Bahn kreuzen sollte. Ende 1869 begannen die Bauarbeiten für die eingleisige Bahnstrecke. Am 1. November 1872 nahmen die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen den Abschnitt von Kaufering nach Buchloe in Betrieb, wodurch Buchloe zum Trennungsbahnhof wurde. Nachdem die Strecke ab 1873 bis München befahrbar war, wurde am 1. Mai 1874 der restliche Streckenabschnitt von Buchloe über Mindelheim nach Memmingen eröffnet. Die vorhandenen Anlagen waren für den gestiegenen Zugverkehr des Kreuzungsbahnhofs nicht mehr ausreichend, sodass größere Umbauten notwendig wurden. Das Empfangsgebäude wurde 1873 abgetragen und durch einen größeren zweigeschossigen Neubau mit seitlichen Anbauten ersetzt. Die alte Güterabfertigung und die Wagenremise wurden abgebrochen und durch eine neue Güterhalle und eine Lokomotivremise mit zweiständigen Schuppen und Drehscheibe ersetzt. Daneben wurden ein Übernachtungsgebäude für das Bahnpersonal, ein Verwaltungsgebäude der Bahnmeisterei und einige weitere Bauten errichtet. Die Gleisanlagen wurden deutlich erweitert. Wegen der großen Zahl an zu stellenden Weichen entstand für die Wechselwärter im Nordkopf und Südkopf des Bahnhofs jeweils ein Wechselwärterhaus. Durch den Ausbau des Bahnhofs zum Knotenpunkt verstärkte sich der Aufschwung der Gemeinde Buchloe und der Ort wuchs an den ursprünglich einen Kilometer entfernten Bahnhof heran.[4]

Erweiterungen ab 1890 und Rückbauten[Bearbeiten]

Am 1. Mai 1897 nahmen die Bayerischen Staatsbahnen die mechanischen Stellwerke Buchloe Nord und Buchloe Süd in Betrieb, von den aus die Weichen zentral gesteuert werden konnten. Zur elektrischen Beleuchtung des Bahnhofs wurde 1898 ein Maschinenhaus errichtet. 1902 wurde die Ludwigs-Süd-Nord-Bahn zwischen Augsburg und Buchloe zweigleisig ausgebaut, von 1904 bis 1905 folgte der Abschnitt von Buchloe nach Kempten. In den Jahren 1905 und 1906 bauten die Bayerischen Staatsbahnen auch die Bayerische Allgäubahn zwischen München und Buchloe zweigleisig aus. Dafür wurden die Gleisanlagen des Knotenbahnhofs Buchloe 1902 und 1906 jeweils erweitert. Die bisherigen Schüttbahnsteige wurden durch befestigte Bahnsteige ersetzt. Der Bahnhof entwickelte sich in den folgenden Jahren zunehmend zu einem wichtigen Knotenpunkt im Regional- und Fernverkehr.

In den 1930er Jahren stufte die Deutsche Reichsbahn die Buchloer Betriebswerkstätte, die bisher eine Außenstelle des Bw Kempten war, zum eigenständigen Bahnbetriebswerk auf.[5] Ende der 1930er Jahre führte die Deutsche Reichsbahn am Bahnhof Buchloe geringfügige Umbauten und Modernisierungen durch. Trotz seiner Bedeutung als Eisenbahnknoten wurde der Bahnhof im Zweiten Weltkrieg kaum durch Luftangriffe der Alliierten beschädigt. Durch Bombardierungen der nach Buchloe führenden Strecken wurde allerdings der Zugverkehr mehrfach beeinträchtigt. Nach dem Ende des Krieges war aufgrund der Zerstörung mehrerer Eisenbahnbrücken erst im Sommer 1946 wieder ein durchgehender Zugverkehr von München über Buchloe nach Kempten möglich.

1967 wurde das Empfangsgebäude von 1873 abgebrochen und durch einen einfachen Flachbau aus Beton ersetzt. 1970 war der Bahnhof mit 19 Gleisen der zweitgrößte Rangierbahnhof in der Bundesbahndirektion Augsburg. In der Folgezeit ging der Güterverkehr immer stärker zurück und die umfangreichen Gleisanlagen wurden deutlich zurückgebaut. 1972 stufte die Deutsche Bundesbahn das Bahnbetriebswerk wieder zur Außenstelle des Bw Kempten herab. 1975 nahm die Deutsche Bundesbahn ein neues Spurplandrucktastenstellwerk in Betrieb, das die mechanischen Stellwerke ersetzte. Die Formsignale, die zum Teil noch aus der Länderbahnzeit stammten, wurden durch Lichtsignale ersetzt. 1993 integrierte die DB den Bahnhof Buchloe in den Allgäu-Schwaben-Takt, wodurch die Fahrgastzahlen wieder anstiegen.[6] Im Dezember 2004 wurden die letzten Reste des ehemaligen Bahnbetriebswerks abgebrochen.[7]

Bereits ab den 1980er Jahren gab es Planungen zum Neubau des Empfangsgebäudes, da der Flachbau von 1967 den Anforderungen nicht mehr gerecht wurde. Der Baubeginn war zunächst für 2012 anvisiert, jedoch begannen letztendlich erst Anfang Juli 2013 die Vorarbeiten für den Neubau. Neben dem Abriss des bereits ab Januar 2013 geräumten alten Gebäudes wurde zuvor auch der Hausbahnsteig an Gleis 1 verlängert und erhöht sowie neue technische Systeme verlegt.[8] Das Bahnhofsgebäude wurde schließlich im März 2014 abgerissen, um Platz für den Neubau zu schaffen. Der neue Hausbahnsteig an Gleis 1 wurde bereits weitgehend fertiggestellt. Ebenfalls geplant ist in diesem Zusammenhang die Errichtung eines Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) und eine damit verbundene Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes.

Aufbau[Bearbeiten]

Empfangsgebäude[Bearbeiten]

Erster Bau von 1848 bis 1873[Bearbeiten]

Das als „Expeditionslokal“ bezeichnete erste Buchloer Empfangsgebäude wurde vom Architekten Friedrich Bürklein entworfen. Das von ortsansässigen Handwerkern errichtete Bahnhofsgebäude wurde am 15. Oktober 1848 fertiggestellt, der Bau kostete 15.197 Gulden. Das Empfangsgebäude war ein zweigeschossiger Backsteinbau mit einer Länge von etwa 26 Metern. Es bestand aus zwei querstehenden Kopfbauten mit Walmdach, die über einen etwas schmaleren Mitteltrakt mit Satteldach verbunden waren. Vom Bahnhofsplatz und von den Bahnsteigen war das Gebäude jeweils über drei Türen in Rundbogenöffnungen zugänglich, auch die Fenster im Erdgeschoss waren als Rundbogen ausgeführt. Auf der Gleisseite waren entlang der beiden Kopfbauten hölzerne Vordächer angebracht. Den Dachfirst des Mitteltrakts zierte ein Dachreiter mit Glocke. Im Erdgeschoss befanden sich Fahrkartenschalter, Wartezimmer für die 1. und 2. Klasse, die Gepäckabfertigung und verschiedene Betriebsräume. Im ersten Stockwerk waren die Wohnungen des Stationsverwalters und Oberbahnwärters untergebracht. Im Gebäude befanden sich außerdem die Poststation und das Telegraphenamt.[9]

Mit dem Ausbau des Bahnhofs zum Knotenpunkt war die Größe des bisherigen Empfangsgebäudes nicht mehr ausreichend. Um Platz für einen Neubau zu schaffen, wurde das Gebäude 1873 abgebaut und auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofsplatzes wieder aufgebaut. Dabei wurde es um ein drittes Stockwerk erweitert und der Dachreiter entfernt. Der inzwischen verputzte Backsteinbau ist bis heute an dieser Stelle erhalten und wird als Wohnhaus benutzt.[10]

Zweites Gebäude von 1873 bis 1967[Bearbeiten]

Für 160.000 Gulden wurde 1873 an der Stelle des alten Gebäudes ein Neubau errichtet. Es handelte sich um zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach, das im Norden und Süden mit eingeschossigen Anbauten versehen war. Direkt über dem Eingang auf der Straßenseite befand sich eine Dachgaube mit Schweifgiebel und einer großen Uhr. Die Erdgeschossfenster waren erneut als Rundbogenkonstruktionen ausgeführt. Über dem Erdgeschoss und dem ersten Stock befand sich jeweils ein umlaufendes Gesimsband. Das Gebäude beinhaltete im Erdgeschoss neben Warteräumen, Fahrkartenschaltern und Gepäckabfertigung noch eine Bahnhofsgaststätte und zusätzliche Diensträume. Im Obergeschoss des neuen Empfangsgebäudes befanden sich wieder Wohnungen.[11]

In den 1950er und 1960er Jahren verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes zunehmend, sodass Pläne zur Sanierung erstellt wurden. 1962 stimmte der Buchloer Stadtrat aufgrund der Kosten von 50.000 D-Mark gegen die Sanierung und entschied sich für einen Abbruch und Neubau des Empfangsgebäudes. 1967 wurde das Gebäude vollständig abgebrochen. Von der Bevölkerung wurde der Abbruch teilweise kritisiert, da der von 1873 stammende Bau mit seiner „erhabenen Architektur“ ein „Leitbild für Buchloe“ darstellte.[12]

Gebäude von 1968 bis 2014[Bearbeiten]

Als Ersatz für das 1967 abgebrochene Gebäude errichtete die Deutsche Bundesbahn bis 1968 einen einstöckigen Neubau aus Beton mit Flachdach.[13] Im Gebäude befanden sich neben Diensträumen ein täglich geöffneter Schalter, ein Kiosk und eine kleine Wartehalle. Das Gebäude bestand aus einem höheren rechteckigen Vorbau am Bahnhofplatz mit der Wartehalle und einem niedrigeren zurückgesetzten Trakt mit den Diensträumen. Von der Buchloer Bevölkerung wurde der kleine und enge Flachbau als „Hasenstall“ bezeichnet. Im Dezember 1988 kam es zu einem Brand im Empfangsgebäude, woraufhin das Gebäude nur notdürftig repariert wurde.[14] Seit dem Brand gab es Bestrebungen, den unattraktiven und nicht mehr zeitgemässen Bau zu ersetzen.[12] Im Januar 2013 zog das Reisezentrum der Deutschen Bahn in einen provisorischen Container um.[15] Das seitdem leerstehende Gebäude wurde am 5. November 2013 zum Abriss freigegeben und im März 2014 abgebrochen.[16] Der Abbruch kostete 65.000 Euro.[17]

Neubau ab 2014[Bearbeiten]

Die Planungen für einen Neubau des Empfangsgebäudes sind abgeschlossen. Der neue Bau soll aus zwei durch einen überdachten Innenhof miteinander verbundenen Baukörpern bestehen und soll Bahnreisenden und Besuchern der Stadt einen komfortablen Aufenthalt ermöglichen. Im Bahnhofsgebäude sollen ein Reisezentrum der DB, eine Buchhandlung, ein Fastfood-Restaurant, ein Geschäft für Reisebedarfsartikel mit Bäckerei sowie öffentliche Toiletten Platz finden. Die Kosten für das Projekt sind mit ca. 2 Millionen Euro veranschlagt, die Stadt Buchloe soll davon mehr als 500.000 € übernehmen. Das Projekt wurde in der Bevölkerung überwiegend positiv aufgenommen. Kritisiert werden vor allem die geplante Pultdachform, das Fastfood-Restaurant und die fehlende Überdachung des südlichen Eingangsbereiches.[18][19] 2014 wurde nach dem Abbruch des alten Gebäudes mit dem Neubau begonnen.

Bahnsteige und Gleisanlagen[Bearbeiten]

Der Bahnhof Buchloe hat fünf Bahnsteiggleise, die sich an einem Hausbahnsteig und zwei überdachten Mittelbahnsteigen befinden. Westlich der Bahnsteige erstreckt sich der Güter- und Rangierbahnhof, der bis 1970 noch 13 Gleise aufwies. Im Norden schloss an den Rangierbahnhof ein Ausziehgleis an, südlich des Rangierbahnhofs befand sich der Ablaufberg. Ein auf ganzer Länge westlich am Rangierbahnhof entlangführendes Gleis diente der Anbindung des Bahnbetriebswerks, das im südlichen Bahnhofsbereich westlich des Ablaufbergs lag. In Richtung Süden münden die Gleise von Ablaufberg und Bahnbetriebswerk in ein weiteres Ausziehgleis, von dem aus nach einem Fahrtrichtungswechsel die Wagenremise erreicht werden konnte. Nordöstlich der Bahnsteige liegt die einseitig in Richtung Kaufering angebundene Ortsladeanlage. Sie bestand aus jeweils zwei Gleisen zum Güterschuppen und zur Ladestraße, einem Gleis zum Lagerhaus, einem zusätzlichen Stumpfgleis und einem parallel zu den Streckengleisen nach Kaufering verlaufenden Ausziehgleis. Im Süden des Empfangsgebäudes schloss ein Stumpfgleis mit Stutzen die Werkstätten an. Im Bahnsteigbereich waren zwei weitere Stumpfgleise zur Zugabstellung vorhanden.[20] Bis 1975 verfügte der Bahnhof über 64 Weichen und 80 Formsignale.[13] In der Folgezeit wurden die meisten Gütergleise zurückgebaut. Bei der Verlängerung der Bahnsteigunterführung nach Westen wurde ein Teil der Rangiergleise zur Kostenersparnis durchtrennt.

Heute sind im Bahnhof noch sieben Durchgangsgleise vorhanden. Neben den fünf Bahnsteiggleisen gibt es noch zwei durchgehende Gütergleise, an die das nördliche Ausziehgleis angeschlossen ist. Bei drei Gleisen des Rangierbahnhofs wurden die nördlichen Weichen zurückgebaut, sodass die Gleise im nördlichen Bahnhofsbereich stumpf enden. Drei weitere Rangiergleise enden südlich der Bahnsteigunterführung und werden planmäßig nicht mehr genutzt. Die restlichen fünf Gleise des ehemaligen Rangierbahnhofs sowie das Verbindungsgleis zum Bahnbetriebswerk sind stillgelegt, allerdings noch größtenteils erhalten. In der Bahnhofsmitte wurde an ihrer Stelle ein Parkplatz errichtet. Der Ablaufberg wird im Planbetrieb nicht mehr benötigt, kann jedoch weiterhin befahren werden. Die Gleisanlagen des ehemaligen Betriebswerks sind noch vollständig erhalten und werden zur Abstellung von Reisezuggarnituren genutzt. Sie sind aufgrund der Stilllegung des nördlichen Verbindungsgleises nur noch über einen Fahrtrichtungswechsel auf dem südlichen Ausziehgleis zu erreichen. Dieses dient außerdem der Anbindung dreier Gleisanschlüsse. An der Güterabfertigung sind noch die beiden Gleise am Güterschuppen sowie das Ausziehgleis vorhanden und werden bis heute genutzt.[21]

Von den drei Bahnsteigen sind die Mittelbahnsteige überdacht und barrierefrei mit Aufzügen zu erreichen. Sie sind über eine Unterführung mit dem Hausbahnsteig im Osten und dem Parkplatz im Westen verbunden. Der unüberdachte Hausbahnsteig wurde 2013 von 22 auf 55 Zentimeter erhöht, verlängert und mit Blindenleitstreifen ausgestattet, sodass er nun ebenfalls barrierefrei ist. Alle Bahnsteige sind mit elektronischen Zugzielanzeigern ausgestattet. Südlich des Mittelbahnsteigs der Gleise 2 und 3 ist noch eines der ursprünglich zwei Stumpfgleise im Bahnsteigbereich vorhanden.

Gleis Länge in m[22] Höhe in cm[22] Nutzung
1 257 55 einzelne Züge
2 390 55 / 20 Züge in Richtung München und Augsburg
3 390 55 / 20 Züge in Richtung München und Augsburg
4 327,5 76 Züge in Richtung Kaufbeuren und Memmingen
5 327,5 76 Züge in Richtung Kaufbeuren, Memmingen und Bad Wörishofen

Stellwerke[Bearbeiten]

In den Anfangsjahren des Bahnhofs wurden die Weichen vor Ort handbetrieben durch Wechselwärter gestellt. 1898 nahmen die Bayerischen Staatsbahnen zwei neue mechanische Wärterstellwerke in zweigeschossigen Weichentürmen in Betrieb. Stellwerk I, auch als Buchloe Nord bezeichnet, befand sich im Nordkopf des Bahnhofs westlich der Gleise. Stellwerk II, das Buchloe Süd genannt wurde, stand im südlichen Bahnhofsbereich zwischen dem Ablaufberg und dem Bahnbetriebswerk. Zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung gehörten die beiden Wärterstellwerke zu den größten in Bayern. Sie wurden über ein Befehlsstellwerk im Empfangsgebäude gesteuert.

1975 nahm die Deutsche Bundesbahn ein neues Spurplandrucktastenstellwerk der Bauart Lorenz L60 mit Nummernstellpult in Betrieb.[23] Dafür wurde ein neues Stellwerksgebäude am südlichen Bahnsteigende östlich der Gleise errichtet. Die alten mechanischen Stellwerke wurden stillgelegt und kurz darauf abgebrochen.[13]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Fernverkehr[Bearbeiten]

In den Anfangsjahren hatte der Bahnhof Buchloe keine große Bedeutung im Fernverkehr. Nach dem zweigleisigen Ausbau der anschließenden Strecken entwickelte sich der Bahnhof zunehmend zu einem wichtigen Knotenpunkt im nationalen und internationalen Fernverkehr. 1914 hielten täglich drei D-Zugpaare in Buchloe. Dadurch waren Direktverbindungen nach Berlin, Dresden, Breslau, Frankfurt am Main, Köln, Basel, Genf, Zürich, Mailand und Marseille möglich, größtenteils über Kurswagen.[24] Bis 1939 stieg die Anzahl der Schnellzugpaare auf acht an, von denen einige allerdings nur saisonal verkehrten. Somit fuhren zudem durchgehende Züge nach Prag, Hamburg-Altona, Bremen und Lyon. Des Weiteren hielten täglich bis zu drei D-Züge aus Richtung Norddeutschland über Immenstadt nach Oberstdorf. Während des Zweiten Weltkriegs ging die Zahl der Fernverkehrszüge auf drei zurück, stieg in der Nachkriegszeit jedoch wieder an. Ab den 1960er Jahren wurde die Bedeutung Buchloes als Fernverkehrsbahnhof immer geringer und die Zahl der erreichbaren Ziele nahm ab. 1971 hielten noch fünf D-Zugpaare im Bahnhof. Es verkehrten zwei Zugpaare von München nach Genf, eines von München nach Bern, eines von Nürnberg nach Lindau sowie eines von München über die Memminger Strecke nach Mailand. Der von 1970 bis 1977 als TEE verkehrende Bavaria durchfuhr den Bahnhof hingegen ohne Halt.

Seit 1987 halten in Buchloe täglich vier Eurocity-Zugpaare von München nach Zürich, von denen drei über Memmingen und eines über Kempten fahren. Außerdem verkehrt täglich das Intercity-Zugpaar Nebelhorn von Hamburg oder Lüneburg über Immenstadt nach Oberstdorf.

Linie Strecke Taktfrequenz
IC 26 Nebelhorn:
(Hamburg –) LüneburgHannoverGöttingenKassel-WilhelmshöheFuldaWürzburgAugsburgBuchloeImmenstadtOberstdorf
ein Zugpaar
EC 88 MünchenBuchloeMemmingen / Kempten (Allgäu)LindauZürich vier Zugpaare

Nahverkehr[Bearbeiten]

Zuggattung Strecke Taktfrequenz
ALX MünchenKauferingBuchloeKaufbeurenKempten (Allgäu) – Immenstadt – Lindau / Oberstdorf 2-Stundentakt
RE München – Kaufering – BuchloeTürkheim (Bay)Memmingen 2-Stundentakt
RE München – Kaufering – Buchloe – Kaufbeuren – Biessenhofen – Kempten (Allgäu) 2-Stundentakt
RE München – Kaufering – Buchloe – Kaufbeuren – Biessenhofen – Füssen 2-Stundentakt
RE Allgäu-Franken-Express:
NürnbergAugsburgBuchloe – Kempten (Allgäu) – Immenstadt – Lindau / Oberstdorf
2-Stundentakt
RE Augsburg – Buchloe – Kempten (Allgäu) – Immenstadt – Lindau / Oberstdorf
RE Augsburg – Buchloe 2-Stundentakt
RE Kneipp-Lechfeld-Bahn:
Augsburg – BuchloeTürkheim (Bay) – Bad Wörishofen / Memmingen
2-Stundentakt
RB Augsburg – BobingenBuchloe – Kaufbeuren – Biessenhofen – Füssen 2-Stundentakt
RB Augsburg – Bobingen – Buchloe (– Kaufbeuren – Biessenhofen – Marktoberdorf) 2-Stundentakt

Literatur[Bearbeiten]

  •  Reinhold Breubeck: Netzbahnhof Buchloe (Ostallgäu). Eisenbahnknoten zwischen Ammersee und Wertach. Druck und Verlag Hans Oberbayer GmbH, Buchloe 1994, ISBN 3-927781-05-3.
  •  Peter Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. EOS Verlag, St. Ottilien 2011, ISBN 978-3-8306-7455-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Buchloe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bahnhofskategorieliste 2014 der Deutschen Bahn
  2. Abkürzungen der Betriebsstellen auf michaeldittrich.de.
  3.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 78–80.
  4.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 80–84.
  5.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 86.
  6.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 84–85.
  7.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 88.
  8. augsburger-allgemeine.de - Bahnhof Buchloe: Die Bauarbeiten haben begonnen 1. Juli 2013
  9.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 78.
  10.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 81.
  11.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 80.
  12. a b Buchloe:Neuer Bahnhof soll 2013 stehen, aus der Augsburger Allgemeinen vom 2. August 2011
  13. a b c  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 84.
  14. Breubeck: Netzbahnhof Buchloe. 1994, S. 9–14, 272.
  15. augsburger-allgemeine.de: Bahnhof Buchloe: Die Bauarbeiten haben begonnen, aus der Augsburger Allgemeinen vom 1. Juli 2013
  16. all-in.de: Buchloer Bahnhof zum Abriss freigegeben, aus der Allgäuer Zeitung vom 6. November 2013
  17. allgaeuhit.de: Abbrucharbeiten am Bahnhof - Neubau bereits ab April: Abrissparty in Buchloe, vom 18. März 2014
  18. Buchloer Zeitung Moderner, großer und heller Bahnhof
  19. Buchloe.de Neues Bahnhofsempfangsgebäude für den Bahnhof Buchloe
  20.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 80–81.
  21.  Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 85.
  22. a b Bahnsteiginformationen zum Bahnhof Kaufbeuren auf deutschebahn.com.
  23. Liste Deutscher Stellwerke. In: stellwerke.de. Abgerufen am 3. Juli 2014
  24. Kursbuchtabelle 1915 im Kursbuch von 1914 auf deutsches-kursbuch.de, abgerufen am 18. Juli 2014