Bawinkel

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bawinkel
Bawinkel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bawinkel hervorgehoben
52.67.409166666666721Koordinaten: 52° 36′ N, 7° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Emsland
Samtgemeinde: Lengerich
Höhe: 21 m ü. NHN
Fläche: 20,34 km²
Einwohner: 2355 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 116 Einwohner je km²
Postleitzahl: 49844
Vorwahl: 05963
Kfz-Kennzeichen: EL
Gemeindeschlüssel: 03 4 54 002
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Osterbrocker Str. 2
49844 Bawinkel
Webpräsenz: www.bawinkel.de
Bürgermeister: Adolf Böcker (CDU)
Lage der Gemeinde Bawinkel im Landkreis Emsland
Niederlande Landkreis Cloppenburg Landkreis Grafschaft Bentheim Landkreis Leer Landkreis Osnabrück Andervenne Bawinkel Beesten Bockhorst Börger Breddenberg Dersum Dörpen Dohren (Emsland) Emsbüren Esterwegen Freren Fresenburg Geeste Groß Berßen Handrup Haren (Ems) Haselünne Heede (Emsland) Herzlake Hilkenbrook Hüven Klein Berßen Kluse (Emsland) Lähden Lahn (Hümmling) Langen (Emsland) Lathen Lehe (Emsland) Lengerich (Emsland) Lingen (Ems) Lorup Lünne Lünne Meppen Messingen Neubörger Neulehe Niederlangen Oberlangen Papenburg Rastdorf Renkenberge Rhede (Ems) Salzbergen Schapen Sögel Spahnharrenstätte Spelle Stavern Surwold Sustrum Thuine Twist (Emsland) Vrees Walchum Werlte Werpeloh Wettrup WippingenKarte
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Bawinkel ist eine Gemeinde im niedersächsischen Emsland nordöstlich von Lingen (Ems) und südwestlich von Haselünne. Der Ort war bis zur Gemeindereform Verwaltungssitz der Samtgemeinde Bawinkel und ist seitdem eine Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Lengerich.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Bawinkel liegt etwa 7 km östlich der Ems und des Dortmund-Ems-Kanals zwischen Lingen und Haselünne, im Norden des ehemaligen Kreises Lingen, an der Grenze zum früheren Kreis Meppen. Durch die Gemeinde Bawinkel verläuft ein alter Handelsweg – die flämische Landstraße. Diese wurde später zur B 213. Durch die Gemeinde fließt der Bawinkler Bach.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind im Norden die Stadt Haselünne, im Osten die Gemeinde Gersten, im Süden die Stadt Lingen und die Gemeinde Langen und im Westen die Gemeinde Geeste.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Bawinkel hatte früher fünf Bauerschaften, die sich zum Teil selbst verwalteten: Groß-Bawinkel, Plankorth, Duisenburg, Clusorth und Bramhar. Am 1. März 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Clusorth-Bramhar in die Stadt Lingen (Ems) eingegliedert.[2]

Herkunft der Ortsnamen[Bearbeiten]

  • Bei „Bawinkel“ lässt sich das Bestimmungswort nicht sicher herleiten. Möglicherweise liegt ein Eigenname vor in Zusammenhang mit dem Junker Bar, der nach einer alten Überlieferung einer der ersten Anwohner gewesen sein soll. Auf diesen wird auch die Entstehung der Kirche zurückgeführt. Das Grundwort -winkel steht für niederdtsch. hoek = Ecke, was auf einen Grenzort hinweist. Dem entspricht, dass die Kirche zum Teil auf Bokeloher Grund errichtet worden sein soll. Für diese mündliche Überlierferung gibt es keinen schriftlichen Beweis. Die erste Kirche hat etwa dort gestanden, wo heute der evangelische Friedhof liegt.
  • Bei „Plankorth“ ist ebenfalls das Bestimmungswort nicht gesichert: entweder von plan = Fläche, freier Platz; vgl. mittelhochdtsch. plan, blan, lat. planum, altfrz. plain; oder nach einem um 1550 genannten Erbe Planke. Das Grundwort -orth hat die Bedeutung: Spitze, Phallus; vgl. germ. uzda, althochdtsch. ort, altsächs./altfries./engl. ord, altnord. oddr.
  • Das Bestimmungswort von „Duisenburg“ ist unklar. Das Grundwort -burg hat die Bedeutung: befestigter, hochgelegener, beschützter Ort und verweist auf einen Versammlungsort.
  • „Clusorth“ (früher auch: Clus). Das Bestimmungswort clus, auch klaus/klus hat die Bedeutung: schließen, sperren, schützen; aus kleve/cleve, vgl. althochdtsch. klusa, mittelhochdtsch. kluse, lat. clausa; das beschreibt den abgeschirmten, geschützten Charakter eines Ortes. Beispiele: Claustal, Klausaurach, Klausa. Das Grundwort verweist ähnlich wie bei Plankorth auf einen Kultplatz.
  • „Bramhar“ wird um 1000 im Werdener Urbar und im elften Jahrhundert noch einmal im Corveyer Heberegister als Teil des Venkigaus erwähnt. Das Bestimmungswort bram bedeutet Dorn, Stachel; aus indogerm. bhrom/bhrem = eine Spitze bilden; es beschreibt die Einhegung eines Ortes. Das Grundwort har/her = Frauenhaar, Göttin Ertha, Hera; aus germ. hera, vgl. althochdtsch./altsächs./altnord. har benennt einen Ort der Verehrung der (Erd)Göttin. Es handelte sich also vermutlich um einen ringsum mit Dornen umgebenen Kultplatz, an dem die Erdgöttin verehrt wurde.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: Der mit einem goldenen Hochkreuz auf der Spitze geschmückte goldene Sparren in Blau wird von drei goldenen Kleeblättern begleitet. Unter dem Schild der Name "Bawinkel" in Schwarz und Schwabacher Schrift.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Archäologische Funde belegen eine Besiedlung des Raumes Bawinkel in frühgermanischer Zeit. So konnten bei Kultivierungsarbeiten auf dem etwas höher gelegenen Gelände des Ortsteils Duisenburg, Urnen und Scherben aus vorchristlicher Zeit geborgen werden.[3]

Mittelalter[Bearbeiten]

Im 10. und 11. Jahrhundert soll das Bawinkler Gebiet mit vier bis sechs Höfen bestanden gewesen sein.[4] Erst ab dem 13. Jahrhundert stieg die Besiedlung stark an. Eine erste Kirche fand in Urkunden des Jahres 1325 Erwähnung. Ob dieses Gebäude schon auf dem heute noch vorhandenen alten, jetzt von der evangelischen Gemeinde Bawinkel genutzten Friedhof (in der Nähe der Straße nach Gersten) stand ist jedoch nicht zu belegen.

In der Folgezeit, zwischen 1457 und 1600, unterlag die Ortsbezeichnung mehrfachem Wandel. So sind die Bezeichnungen „Baffwinkel“, später „Bavehinkel“, dann „Bavinkell, auch „Bauynkell“, sowie „Bavehinckell“ bekannt.[3]

Kapelle und Fachwerkkirche[Bearbeiten]

Alte Bawinkler Kirche von 1717

Wie in der Geschichte vieler Kulturen festzustellen ist, bildeten auch mit der Verbreitung des Christentums religiöse Stätten einen Kristallisationspunkt, der ein Entstehen von Ansiedlungen auslöste. Ein im 9.- oder 10. Jahrhundert entstandener, und in großer Zahl von holländischen Pilgern genutzter Wallfahrtsweg, der über Schepsdorf und Bawinkel nach den in Wildeshausen verehrten Reliquien des heiligen Alexander führte, soll Anlass gewesen sein, in Bawinkel eine Kapelle zu errichten. Umstritten ist, ob die aus dieser Kapelle hervorgegangene Kirche als Filialkirche der Kirchengemeinde des Ortes Bokeloh (mit seiner über 1000jährigen Kirche), oder der Pfarre Lingen unterstand. Den späteren Bau einer Kirche am alten Friedhof Bawinkels, bezeugt eine überlieferte Steininschrift des Turmes mit dem Wortlaut Completum est 1506. Dies bestätigt den Standort, und lässt den Rückschluss auf einen noch früheren Baubeginn zu. Die ab der Mitte des 16. Jahrhunderts zahlreicher werdenden Quellen untermauern in vielfältiger Form die frühe Geschichte des Kirchspiels. So gibt ein Verzeichnis geistlicher Güter des Jahres 1553 einen Einblick in die damaligen Eigentumsverhältnisse der katholischen Kirche vor Ort.

Mit Moritz von Oranien begann die Unterdrückung der Katholiken in der Grafschaft Lingen

Die beschaulichen, von einer katholischen Kirchengemeinde geprägten Verhältnisse in Bawinkel, änderten sich im ausgehenden 16. Jahrhundert mit der Eroberung der Stadt Lingen durch Prinz Moritz von Oranien. Obwohl dessen Herrschaft nur von kurzer Dauer war, griff er auch in die kirchlichen Belange der Region ein, Bawinkel und andere Orte erhielten nun auch calvinistische Geistliche. Nach neuerlichem Wechsel der Machtverhältnisse, die durch das Eingreifen der Katholischen Liga herbeigeführt wurden, waren die Verhältnisse wieder umgekehrt worden. Nach dem Abzug der Liga um 1632 gewannen die Reformierten wieder die Oberhand, und Bawinkler Katholiken konnten später nur eine Notkirche in Bramhar (im damaligen Fürstentum Münster) für den Gottesdienst nutzen. Diese Notkirche, ein umgewandelter Schafstall, wurde ersetzt durch ein Fachwerkhaus, welches die Bawinkler auf einem ihnen von der Stadt Haselünne geschenkten Grundstück (am Gelsho) als Kirche errichteten. Erst ein Wechsel durch Erbfolge in Lingen (Lingen fiel an das Haus Brandenburg) brachte eine Verbesserung der Lage. Der preußische König Friedrich Wilhelm ließ dann wieder zu, dass Gottesdienste der Katholiken in Bawinkel als private Veranstaltungen stattfanden.

Die Reformierten nutzten weiter die mittlerweile altersschwach gewordene Kirche am alten Friedhof. Den Katholiken war nach weiteren Lockerungen der Repression gestattet worden, ihre in Haselünne abgeschlagene Holzkirche in Bawinkel neu zu errichten. Bauplatz war nach „Tenfelde“ der heutige Schulplatz, dort wo das Haus „Meermann“ steht.

Aus dieser Fachwerkkirche entstand dort im Jahr 1717 die alte Bawinkler Kirche, die aufgrund der amtlichen Vorschriften nicht wie eine solche aussehen durfte. Dem lang gestreckten, einer Scheune ähnelndem Bauwerk durfte vorerst kein Turm angefügt werden. Fast 50 Jahre behielt das Gebäude diese Form und wurde dann 1765/70 durch An- und Umbau an gleicher Stelle erneuert. Ermöglicht wurden die Baumaßnahmen durch Kollekten im „Münsterschen“ und im nicht weit entfernten Holland, da diese in der Grafschaft Lingen noch immer nicht gestattet waren.

1824 wurde durch Erlass König Georgs die verbliebene reformierte Gemeinde Bawinkels mit der der Gemeinde Lengerich vereinigt, und der Abbruch der baufälligen Kirche am alten Friedhof angeordnet. Die dortige Turmuhr, die Glocken, sowie brauchbares Steinmaterial gingen nach zähen Verhandlungen an die katholische Gemeinde. Diese Überbleibsel der ersten Kirche, und ergänzendes Material dienten in den Jahren 1826/27 einem erneuten Umbau und der Errichtung eines massiven Kirchturmes. Im Jahr 1907 wurde die alte Bawinkler Kirche auf Abbruch verkauft.[5]

Neuzeit[Bearbeiten]

Bawinkel auf einer Karte von 1673

Konkrete Angaben zur Geschichte und Besiedlung des Raumes Bawinkel, liegen ab dem 16. Jahrhundert vor. Sie geben, gestützt auf damalige Steuerlisten und anderer Urkunden der jeweiligen Landesherren, Hinweise zur Einwohnerzahl und der Nutzung von Grund und Boden. In einer Aufstellung des Jahres 1550 verlangte der Landesherr von Lingen[6] von seinen namentlich gelisteten Eigenhörigen, Abgaben in Form von Naturalien, deren Mengen dezidiert angegeben waren.

Bawinkel war während des Dreißigjährigen Krieges an der Schlacht bei Haselünne beteiligt. Bei Bawinkler standen auf der Seite des schwedischen Heeres mit ihrem Anführer Dodo Freiherr zu Innhausen und Knyphausen. Das schwedische Heer war mit 1000 Reitern und 300 Mann Fußvolk angetreten und kämpfte gegen die kaiserlichen Truppen, die in Haselünne lagen, und zu denen auch das benachbarte Klosterholte gehörte. Die Kaiserlichen verloren 700 Mann, die Schweden nur 20, aber auch ihren General von Knyphausen. Der Ort der Schlacht heißt heute noch Roter Märsch.

Eigenhörige und Heuerleute[Bearbeiten]

Abweichend von anderen Kirchspielen der Region, bestand in Bawinkel eine besondere Form der Eigenhörigkeit. Obwohl in der übrigen Grafschaft Lingen eine Anzahl „Herren“, wie die des wohlhabenden Landadels, oder die Äbte der Klöster, nicht zuletzt auch der Landesherr selbst, eine mehr oder weniger große Anzahl von Eigenhörigen „besaßen“, waren die Bawinkler Bewohner dem König eigenhörig. Sie zahlten ihre Abgaben an Naturalien und Pachtzins an den dafür bestellten Beamten.[7]

Im 17. Jahrhundert entstand wohl die „Klasse“ der Heuerleute, der Kleinbauern ohne Grundbesitz, die bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts auch in Bawinkel bestand. Heuerleute waren Familien die über Generationen auf den Grund und Boden eines Großbauern ansässig waren. Sie hatten nach überkommenen Regeln, vorrangig für alle anfallenden Tätigkeiten in der Landwirtschaft ihres Grundbesitzers, dem Großbauern zu dienen. Festgesetzt waren differierende Zahlen an jährlich zu leistenden Arbeitstagen, die zwischen den Werten 150 und 250 Tagen betrugen. Die Gegenleistung bestand in einer zur Verfügung gestellten Behausung nebst Stallungen und einigen Hektar Land, die zur eigenen Bewirtschaftung und eigenem Ertrag genutzt werden konnten.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Bawinkler Bürger zu Untertanen des Königreiches Hannover (1814–1866). In der Zeit der Regentschaft König Georgs wurden in Bawinkel, das nun der Niedergrafschaft Lingen unterstand, kirchliche und schulische Belange neu geordnet.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden überall verstärkt Maßnahmen zur Bodenverbesserung ergriffen. Auch in der Mark Bawinkel, mit seinen weitläufigen nassen Wiesen- und Weideflächen, sann man auf Abhilfe. Wegen dieser anstehenden, kostenträchtigen Vorhaben zur Entwässerung, suchte man nach einer Lösung, die zu erwartenden Lasten auf viele verteilen zu können.

Im Jahr 1875 leitete man ein Verfahren zur Aufteilung er Mark Bawinkel ein. Im Herbst 1881 beschlossen die Vertreter Bawinkels und der fünf Bauernschaften, die sich bis dahin zum Teil selbst verwaltet hatten, das Statut zur Bildung einer Samtgemeinde Bawinkel. Diese bestand dann aus den Ortsteilen: Bawinkel, Groß-Bawinkel, Plankorth, Duisenburg, Clusorth und Bramhar. Der Beschluss trat 1882 in Kraft, und hatte Bestand bis zum Jahr 1974. Den Vorstand der Samtgemeinde bildeten die Gemeindevorsteher der Mitglieder.

Fortan teilte man sich die allgemeinen Kosten wie die der Verwaltung, die Kultivierungsmaßnahmen der Entwässerung. die der Armenfürsorge, die des Gesundheitswesens bei ansteckenden Krankheiten und der anfallenden Kosten zur Bekämpfung auftretender Seuchen in der Viehhaltung. Auch ein gemeinsames Feuerlöschwesen wurde eingeführt.[8]

Umwälzende Neuerungen, die im Zuge der Industrialisierung in anderen Gebieten Deutschlands schon früher einsetzten, erreichten zum Ende des Jahrhunderts auch das abgelegene Emsländische Bawinkel. Der 1880 auf einem Plankorther Hof eingeheiratete August Degen sollte zu einem einfallsreichen und tatkräftigen Bürger der Gemeinde Bawinkel werden. Degen gründete nicht nur den „Landwirtschaftlichen Verein Bawinkel und Umgebung“, sondern forcierte auch die landwirtschaftlichen Erträge der Bauernschaft durch die Einführung des Kunstdüngers im Emsland. Degen rief 1885 in Bawinkel die erste landwirtschaftliche Konsumgenossenschaft des Emslands ins Leben, und war im gleichen Jahr beteiligt an der Entstehung der Spar- und Darlehenskasse Bawinkel, der Vorläuferin der heutige Volksbank Bawinkel.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bawinkel, St. Alexander-Kirche (1906)
St. Alexander, Kirchenschiff

Der Beginn des neuen Jahrhunderts brachte den Neubau der Bawinkler Pfarrkirche St. Alexander (1904/06), und die späteren Einpfarrungen der Gemeinden Bramhar, Klosterholte und Haverbeck. An der Straße nach Gersten wurde ein neuer Friedhof eingerichtet, der mit der Zeit nach vergrößert wurde.

St. Alexander[Bearbeiten]

Die heutige, zwischen 1904 und 1906 errichtete Pfarrkirche St. Alexander, ist ein nach den Plänen des ein niederländischen Architekten Alfred Tepe entstandenes, neugotisches Gotteshaus. Baumeister Wilhelm Bröker aus Havixbeck bei Münster leitete die Bauarbeiten.

Die mit Quadern aus Ibbenbürener Sandstein errichtete Hallenkirche erhielt ein Langhaus, dessen drei Schiffe die gleiche Höhe erreichten. Im Gegensatz zu dem mit einem Sterngewölbe versehenen Mittelschiff erhielten die Seitenschiffe und zusätzliche Seitenkapellen Kreuzrippen- und Strahlengewölbe. In den einzelnen Jochpartien befinden sich zwischen den Pfeilern des Strebewerks paarig angeordnete, hohe spitzbogige Fenster. Das Dach wurde in einer Kombination von zwei quer gerichteten Walmdächern über dem Langhaus, und einem Dach mit seitlichen Giebeln gestaltet. Das traditionell geostete Langhaus, erhielt einen westlich vorgesetzten Turm, der ebenfalls Giebelverzierungen aufwies. Seine Schallöffnungen wurden wie die Kirchenfenster paarweise angeordnet. Er erreichte mit seinem spitz auslaufenden Helm eine Höhe von 64 Meter. Die Maße des Kircheninneren betrugen in der Länge 47,5 Meter und in der Breite 21,5 Meter.[9]

Eine ihrer ersten Bewährungsproben bestand die 1904 in Betrieb gestellte Kleinbahnlinie, die zur Materialanfuhr an den Bauplatz der Kirche von der nahe gelegenen Bahntrasse ein Sondergleis erhielt.

Die Kleinbahn[Bearbeiten]

Erhaltene Schlussleuchte der Kleinbahn Lingen-Quakenbrück

Vor dem Bau der 1904 realisierten Bahnstrecke hatte es eine Vielfalt an Entwürfen gegeben, die Verkehrsverhältnisse des nordöstlichen Hinterlandes der Stadt Lingen, zu verbessern. Da die dortigen zahlreichen kleinen Gemeinden alle bestrebt waren von der Trassenführung berücksichtigt zu werden, bedurfte es langer Verhandlungen bevor eine Einigkeit erzielt werden konnte. Die Lengericher favorisierten eine Strecke Lingen-Lengerich-Fürstenau, und stiegen später ganz aus den Planungen aus.

So kam es zu der Entstehung der Trasse einer schmalspurigen Kleinbahn von Lingen über Berge nach Quakenbrück, die dann die Gemeinde mit dem überregionalen Eisenbahnnetz verband. Der bis 1952 bestehende Bahnanschluss hatte ein Stationsgebäude und eine Verladerampe. Da der Ort im ländlichen Raum lag wurde hier vor allem Holz und Vieh umgeschlagen. Die Schienenstrecke Lingen / Bawinkel betrug etwa 10 Km und erforderte eine Fahrzeit von 35 Minuten.[10]

Ebenfalls zum Beginn des Jahrhunderts erfolgte auch der Ausbau des Straßennetzes. Die wichtigsten Straßenverbindungen wurden befestigt und weitgehend gepflastert, parallel zu ihnen verliefen in der Regel Sandwege für die Pferdefuhrwerke.

Verbände und Vereinigungen[Bearbeiten]

Ehemaliges Heuerhaus in Lotterfeld

So wie sich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges der Emsländische Bauernverein (1920 bis 1933), ein christlich orientierter nordwestdeutscher Bauernverband gegründet hatte, organisierten sich auch die Heuerleute und Knechte. Sie gründeten den „Verein Christlicher Heuerleute“ (VCH), der schnell Mitglieder fand. Mit seinen politischen Forderungen bezüglich einer besseren Sozialpolitik sowie der Verurteilung der von den Bauern betriebenen Ödlandenteignungen, befand sich der Verein schnell auf Konfrontationskurs, konnte jedoch vorerst nicht viel erreichen. Erst in späterer Zeit, als sich diesem Stand alternative Arbeitsplätze boten, verschwand das Heuerwesen. Vereinzelt sind noch heute kleine, dem Verfall preisgegebene Gehöfte zu finden.

In den 1930er Jahren erfolgte die Elektrifizierung Bawinkels, wobei abgelegene Weiler oder Höfe vorerst noch nicht an das Stromnetz angeschlossen waren.

Im Zweiten Weltkrieg befand sich in Groß-Bawinkel/Drope ein (Feld)Flugplatz.

Die 1950er Jahre[Bearbeiten]

Großbawinkel war der kleinere Teil des Ortes. Die einzige öffentliche Einrichtung bestand aus der 1926 gebauten (Zwerg-) Volksschule, mit zuerst einer dann zwei Lehrkräften. In den Jahren 1971 und 1972 erfolgte die Schließung der Schulen in Groß-Bawinkel, Duisenburg, Bramhar und Klosterholte.

Noch in den 50er Jahren bis vereinzelt in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts war im Emsland das Heuerlingswesen verbreitet, das mit der Industrialisierung auszulaufen begann. In der Ortschaft Bawinkel war dies der Hof Schwindeler, dem mehrere kleine Heuerhöfe angehörten.

Straßenschild als Hinweis auf den ehem. Hofnamen

Der Hof Schwindeler war zu damaliger Zeit eines der größten Anwesen im Kirchspiel Bawinkel. Erst Ende der 50er Jahre erhielten letzte Gehöfte einen Anschluss an das öffentliche Stromnetz. Bis dahin wurden Petroleum- oder auch Carbidlampen im Haus für die Beleuchtung benutzt und die Lebensmittel wurden in (so vorhanden) kühlen Kellerräumen gelagert.

Vermögende Großbauern kühlten ihre Milchproduktion mit Eisblöcken, welche mit Pferdefuhrwerken oder neuzeitlichen, aber für heutige Verhältnisse urtümlichen Traktoren, Zündung mit glimmendem Docht Handkurbel und Schwungrad zur Kompressionserzeugung, mit Anhänger aus der Stadt (Lingen, Haselünne, Meppen) herbei geschafft wurden. Zum eigenen Verbrauch wurde die Milch teilweise entrahmt, in Spezialkannen gestampft (buttern) und so zu Butter verarbeitet. Obst und Gemüse lieferte der Garten, alles, was nicht frisch verwendet werden konnte, wurde eingekocht oder gelagert. Brot oder der Kuchen zum Feiertag wurden grundsätzlich selbst gebacken.

Hausschlachtungen versorgten den Hof für das ganze Jahr. Die große Menge Fleischmaterial wurde zum größten Teil (Kühlproblematik siehe oben) zur Bevorratung hergerichtet, einkochen in Gläsern, einpökeln in Steingutgefäßen, Schinken und Würste kamen in den Rauch (Wiemen). Nach Tötung des jeweiligen Tieres (Rind oder Schwein) wurde das anfallende Blut aufgefangen, mit Getreideschrot und Gewürzen vermischt, die Masse wurde zu Kugeln geformt und ergab Wurstebrot („Wostebroot“). Die haltbaren, in Leinenbeuteln oder Papierdarm luftgetrockneten Kugeln, wurden vornehmlich im Winter als Mahlzeit zubereitet. Zu Würfeln geschnitten, mit etwas Wasser Schmalz und Grieben angebraten, war es eine deftige Köstlichket. Dazu wurde Schwarzbrot gereicht.

Zum Beschlagen der Pferde erschien der Hufschmied.

Hufschmied um 1950

Geweckt wurde im Sommer recht früh, um 4 Uhr, im Winter eine Stunde später. Wenn das Herdfeuer angezündet war, ging die Magd (oder die Mägde, je nach Größe des Hofes) in den Kuhstall melken. Der Knecht (oder Knechte) fütterte die Pferde und Schweine. Schafe wurden selbst geschoren, die Wolle wurde mehrfach gewaschen, getrocknet, mit speziellen „Nagelkämmen“ fein gerissen, um dann mit dem Spinnrad zum Faden gesponnen zu werden. So entstanden grobe aber warme Stricksachen. Dies alles war Hand- Winter- und vor allem Frauenarbeit,an langen Abenden bei Petroleumbeleuchtung rund um den Herd.

Alter Küchenherd

Die Küche, oftmals ein riesiger Raum, von dem nicht selten bis zu einem Dutzend Türen abgingen, war der Mittelpunkt des Hauses. In ihr wiederum, war der Herd dominierend. Aufwendigere Herde waren mit mehreren Kochlöchern, welche in mehreren Eisenringen variabel zu jeder Topfgröße angepasst werden konnten versehen. Außerdem befand sich in ihm Bratofen, Dörrofen und ein- oder beidseitige Wasserschiffe für die Warmwassererzeugung.

An Wintertagen erschien auch der Holzschuhmacher. Die Füße wurden neu vermessen, aus speziellem leichtem, abgelagerten Holzstücken wurden die Rohlinge geschnitten, ausgehöhlt und geglättet, sodann mit einer passend geflochtenen Stroheinlage versehen, und fertig waren die Schuhe (Klumpen, Holzkes) fürs nächste Jahr. Barfüßigkeit für Kinder im Sommer war Normalität.

Geheizt wurde in der Regel mit Torf oder mit schon vorrätigem geschlagenem Holz. Torf wurde im Moorboden in eigenen Parzellen gestochen, zum Trocknen aufgeschichtet, später dann auf die Höfe verbracht. Spezielle Kessel, für Tierfutter im Winter wurden mit so genanntem „Buschkenholz“ beheizt.

Bis auf wenige Industriegüter brauchte nichts gekauft zu werden. Wurden sonstige Käufe oder Verkäufe getätigt, beispielsweise Viehhandel (siehe Düstermühlenmarkt), kam der Abschluss per Handschlag zustande. Auch das so genannte Hamstern – in den weit entfernten Ballungsgebieten „Restdeutschlands“ hungerten zu Anfang der 50er Jahre noch viele Menschen – kam nicht ungelegen. So wurde manches Ersatzteil, etwa für die alte Singer- oder Pfaff-Nähmaschine, und war es auch nur eine fehlende Nadel oder das Nähgarn, buchstäblich für einen Apfel und ein Ei eingetauscht. Not gab es nicht, man war autark.

Befestigte Straßenverbindungen zwischen den einzelnen Anwesen existierten nicht, sofern sie nicht direkt an den lediglich gepflasterten, von sogenannten „Pädges“ für die Radfahrer gesäumten Überlandstraßen lagen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sah sich die Politik gezwungen, die Beseitigung der Rückständigkeit des Emslandes endlich umfassend anzugehen. Dafür gab es drei Gründe: Die große Zahl der aus dem deutschen Osten in das Emsland strömenden Flüchtlinge, niederländische Gebietsforderungen und namhafte Erdölfunde, die seit 1942 bereits ausgebeutet wurden. Am 5. Mai 1950 beschloss der Bundestag einstimmig den Antrag zur „Erschließung der Ödländereien des Emslandes“.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

1880 1900 1925 1933 1939 1950 1961[2] 1970[2] 2009[11]
Bawinkel 386 429 515 554 576 702 k. A. k. A. k. A.
Plankorth 325 358 434 451 488 632 k. A. k. A. k. A.
Duisenburg 172 184 201 209 198 236 k. A. k. A. k. A.
Clusorth-Bramhar 383 449 520 475 505 659 564 652 889

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat dreizehn gewählte Mitglieder. Ihm gehören als Ergebnis der Kommunalwahl vom 11. September 2011 drei Parteien an.[12]

  • CDU – 11 Sitze
  • SPD – 1 Sitz
  • FDP: 1 Sitz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Es befinden sich in Bawinkel eine Vielzahl von gewerblichen Betrieben. Die ständige Erweiterung des Gewerbegebietes beweist, dass hier ein Wirtschaftsstandort mit Zukunft entsteht. Parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung ist die zügige Erschließung und Bebauung neuer Wohngebiete zu vermerken, die auch durch die verkehrsgünstige Anbindung der Gemeinde begründet sind.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 213 führt direkt durch Bawinkel hindurch und führt Richtung Südwesten nach Lingen (Ems) und Richtung Nordosten nach Haselünne.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • August Degen (1850–1924), Landwirt, Genossenschaftsgründer und Agrarfunktionär sowie Politiker (Zentrum) und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses

Literatur[Bearbeiten]

  • Katholische Kirchengemeinde Bawinkel: Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der St. Alexander-Kirche im Jahr 2006.
  • Walter Tenfelde: Zur Geschichte des Kirchspiels Bawinkel, Burgtor Verlag, Lingen 1982. ISBN 3-921663-06-7.
  • Lehrerverein der Diözese Osnabrück: Der Kreis Lingen. Beiträge zur Heimatkunde des Regierungsbezirks Osnabrück Heft I. Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1905.
  • Werner Kaemling – Atlas zur Geschichte Niedersachsens, Gerd J. Holtzmeyer Verlag, Braunschweig 1987, ISBN 3-923722-44-3.
  • Hermann Abels: Die Ortsnamen des Emslandes, in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 1929.
  • Chr. Oberthür, Fr. Busche, Fr. Barth, Heinrich Dünheuft: Heimatkarte des Kreises Lingen mit statistischen Angaben. Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1953.
  • Ernst Förstemann, Hermann Jellinghaus (Hrsg.): Altdeutsches Namenbuch. Band II, 1 und 2: Ortsnamen. Bonn 1913/1916 (Nachdruck: Band II, 2, Hildesheim 1967/1983, ISBN 3-487-01733-4).
  • Statistik des Deutschen Reichs – Ergebnissen verschiedener Volkszählungen. Berlin 1883-1944.
  • Niedersächsisches Amt für Landesplanung und Statistik: Statistisches Jahrbuch 1950. Hannover 1950.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 256.
  3. a b Walter Tenfelde: Zur Geschichte des Kirchspiels Bawinkel. S. 51.
  4. Walter Tenfelde, Verweis auf: Dissertation des gebürtigen Emsländers und Heimatforschers Bernhard Deermann
  5. Walter Tenfelde: Zur Geschichte des Kirchspiels Bawinkel. S. 11 ff.
  6. Der Prinz von Oranien, hatte die Grafschaft Lingen als freies Lehen. Als seinen Stellvertreter in der Grafschaft Lingen ernannte er seinen Landdrosten, der auf der Burg zu Lingen wohnte
  7. Walter Tenfelde: Zur Geschichte des Kirchspiels Bawinkel. S. 57.
  8. Walter Tenfelde: Zur Geschichte des Kirchspiels Bawinkel. S. 60.
  9. Walter Tenfelde: Zur Geschichte des Kirchspiels Bawinkel. S. 31 f.
  10. Walter Tenfelde: Zur Geschichte des Kirchspiels Bawinkel. S. 122.
  11. Lingen.de → Zahlen und Daten
  12. Homepage der Gemeinde Bawinkel