Papenburg

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Papenburg; zu weiteren gleichnamigen Begriffen siehe Papenburg (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Papenburg
Papenburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Papenburg hervorgehoben
53.0666666666677.46Koordinaten: 53° 4′ N, 7° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Emsland
Höhe: 6 m ü. NHN
Fläche: 118,36 km²
Einwohner: 35.614 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 301 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26871
Vorwahlen: 04961, 04962, 04965, 04968
Kfz-Kennzeichen: EL
Gemeindeschlüssel: 03 4 54 041
Stadtgliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptkanal re. 68/69
26871 Papenburg
Webpräsenz: www.papenburg.de
Bürgermeister: Jan Peter Bechtluft (CDU)
Lage der Stadt Papenburg im Landkreis Emsland
Niederlande Landkreis Cloppenburg Landkreis Grafschaft Bentheim Landkreis Leer Landkreis Osnabrück Andervenne Bawinkel Beesten Bockhorst Börger Breddenberg Dersum Dörpen Dohren (Emsland) Emsbüren Esterwegen Freren Fresenburg Geeste Groß Berßen Handrup Haren (Ems) Haselünne Heede (Emsland) Herzlake Hilkenbrook Hüven Klein Berßen Kluse (Emsland) Lähden Lahn (Hümmling) Langen (Emsland) Lathen Lehe (Emsland) Lengerich (Emsland) Lingen (Ems) Lorup Lünne Lünne Meppen Messingen Neubörger Neulehe Niederlangen Oberlangen Papenburg Rastdorf Renkenberge Rhede (Ems) Salzbergen Schapen Sögel Spahnharrenstätte Spelle Stavern Surwold Sustrum Thuine Twist (Emsland) Vrees Walchum Werlte Werpeloh Wettrup WippingenKarte
Über dieses Bild

Papenburg ist eine Stadt an der Ems in Niedersachsen im Landkreis Emsland.

Geografie[Bearbeiten]

Stadtpark (Luftbild 2013)

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt Papenburg ist die nördlichste Stadt des Landkreises Emsland, unmittelbar angrenzend an den ostfriesischen Landkreis Leer. Die Stadt hat eine Länge von 11,5 Kilometer und erstreckt sich 15,5 Kilometer in die Breite.[2] Sie befindet sich rund 13 Kilometer südlich der Stadt Weener und 38 Kilometer nördlich der Stadt Haren. Von Papenburg bis zur westlich gelegenen niederländischen Grenze sind es ca. 15 Kilometer. Im Westen der Stadt verläuft der Dortmund-Ems-Kanal sowie die Ems, die bis Herbrum weitgehend den Gezeiten unterliegt. Ein- bis zweimal jährlich wird sie mit Hilfe des Sperrwerks in Gandersum aufgestaut, so dass die Meyer Werft ihre Hochseeschiffe in die Nordsee überführen kann. Südlich der Stadt verläuft der Küstenkanal. Papenburg ist mit seinem Hafen die südlichste Seehafenstadt in Deutschland.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Stadt Papenburg grenzt an acht Gemeinden und Städte. Im Norden grenzt Papenburg an die Gemeinden Westoverledingen und Rhauderfehn sowie die Stadt Weener, jeweils im Landkreis Leer. Im Westen grenzt sie an die Gemeinde Rhede, im Süden an die Gemeinden Heede, Lehe und Neulehe in der Samtgemeinde Dörpen. Im Osten grenzt Papenburg an die Gemeinde Surwold in der Samtgemeinde Nordhümmling.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Papenburg ist gegliedert in sieben Stadtteile. Seit der Gemeindereform 1973 sind die frühere Stadt Aschendorf (1) sowie die Gemeinden Herbrum (2), Tunxdorf (3), Nenndorf (4) und Bokel (5) der Stadt Papenburg angegliedert, die wiederum in Untenende (6) und Obenende (7) unterteilt ist.

Aschendorf Bokel Herbrum Nenndorf Obenende Tunxdorf UntenendeGliederung der Stadt Papenburg in Stadtteile.svg
Über dieses Bild

Das Untenende bildet das Zentrum der Stadt. Hier befinden sich fast alle wichtigen öffentlichen Einrichtungen, die meisten Einkaufsmöglichkeiten und kulturellen Angebote. Das Obenende ist ein großes Wohngebiet und bietet Historisches der Kanalstadt. Tunxdorf, Nenndorf und Herbrum liegen nah an der Natur. Bokel dient vor allem der Landwirtschaft und beherbergte früher die Meyer Werft; seit deren Werksgeländeerweiterung und Verlegung des Autobahnzubringers gilt das (Industrie-)Gebiet als Teil des Untenendes. Davor waren auch Oben- und Untenende keine offiziellen Stadtteile und in Karten nicht durch eine Grenze gekennzeichnet. Die Geschichte Aschendorfs beginnt viel früher, geht urkundlich auf das 8. Jahrhundert zurück und macht den Ort zu einem der ältesten in Niedersachsen.

Kanäle[Bearbeiten]

Papenburg ist aus der ältesten und längsten Fehn-Kolonie Deutschlands entstanden.

Papenburg ist Deutschlands älteste und längste Fehn-Kolonie. Kanäle prägen das Stadtbild in Papenburg am Oben- und Untenende und waren lange Zeit die Hauptentwicklungsachsen. Das Netz aus Kanälen reicht vom Hafen an der Ems (Untenende) bis zum Küstenkanal im Südosten (Obenende) und erstreckt sich damit über ca. 14 Kilometer. Ursprünglich wurden die Kanälen angelegt, um das Moor zu entwässern um daraufhin den Torf abbauen zu können und als Brennstoff nutzbar bzw. verkaufsfähig zu machen. Alsbald wurden die Kanäle als effiziente Abtransportwege entdeckt, woraufhin Dutzende Holzschiffswerften entstanden, die Lastkähne bauten, welche zunächst von Menschenhand und später mehr und mehr von Pferden über die Wasserstraßen getreidelt wurden. In einigen Kanälen liegen, fest verankert, Nachbauten alter Schiffe – vom einfachen Kahn bis zur großen Brigg –, die an diese Zeit erinnern.

Die zu den Kanälen meist beidseitig parallel verlaufenden Straßen heißen etwa „Erste Wiek links“ oder „Umländerwiek rechts“, wobei „links“ und „rechts“ vom damaligen Standort der Papenborch (Burg des Papen) gesehen wird – dem Ursprung der Stadt Papenburg am Nordwestende des Untenendes, dem heutigen „alten“ Hafen.

Das Wort Wiek bedeutet so viel wie „Weiche“ im Sinne von Abbiegung oder Abzweigung.

Zugunsten des Kfz-Verkehrs wurden inzwischen diverse Brücken gebaut und Rohre verlegt, sodass die Kanäle heute nicht mehr durchgehend und wenn auch nur mit kleinen Booten befahrbar sind.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima in Papenburg wird durch die mitteleuropäische Westwindzone geprägt. Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Papenburg in der Einteilung C (Warm-Gemäßigtes Klima).[3] Das durchschnittliche Jahrestemperaturmittel liegt bei 8,7 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit einem Monatstemperaturmittel von mehr als 16 °C. Der kälteste Monat ist der Januar mit 1,2 °C im Durchschnitt.[3] Die Niederschlagsmenge innerhalb eines Jahres liegt in Papenburg bei 757 mm. Der regenreichste Monat ist der November mit 77 mm, der regenärmste Monat ist der Februar mit 41 mm.[3]

Im Jahr scheint in Papenburg die Sonne insgesamt 1372 Stunden. Die größte Chance auf Sonne bieten der Mai, der Juli und der August. In diesen Monaten gibt es 186 Stunden Sonnenschein. Im Januar und im Dezember hingegen scheint die Sonne nur jeweils 31 Stunden.[4]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Papenburg
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 4 5 8 12 17 20 21 21 17 14 8 5 Ø 12,7
Min. Temperatur (°C) −2 −1 2 3 6 9 11 11 9 6 2 1 Ø 4,8
Temperatur (°C) 1,2 1,6 4,3 7,3 11,7 14,7 16 16,3 13,6 10 5,4 2,6 Ø 8,8
Niederschlag (mm) 62 41 55 46 55 70 80 69 66 67 77 69 Σ 757
Sonnenstunden (h/d) 1 2 3 5 6 5 6 6 4 3 3 1 Ø 3,8
Regentage (d) 13 9 12 10 11 11 11 11 11 11 14 14 Σ 138
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Geschichte[Bearbeiten]

Dieser Abschnitt beschreibt die Entstehung Papenburgs als Kanalstadt ausgehend vom Untenende. Der heutige Stadtteil Aschendorf ist älter und darüber hinaus einer der ältesten Orte Niedersachsens.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Papenborch

Um das Jahr 1250 ließ der Bischof von Münster die Wasserburg „Papenborch“ errichten, der Name der Stadt geht auf diese zurück. Sie befand sich auf dem heutigen Gelände des Forums Alte Werft. Die Papenborch diente den Bischöfen von Münster als Reiseunterkunft auf ihrem Weg nach Ostfriesland. Damit hatte die Papenborch die Verpflichtung eines „offenen Hauses“ (apen hus), musste also jederzeit in der Lage sein, Gäste aufzunehmen. Daher war es nötig, die Burg ständig zu bewohnen und instandzuhalten. Dies war nur möglich, indem die Papenborch als Lehen an einen Adeligen übergeben wurde.[5]

Der Bischof Johann von Münster belehnte am 16. Mai 1458 Hayo von Haren (genannt: von der Papenborch), Propst zu Leer, mit der Papenborch. Der darüber ausgestellte Lehnrevers enthält die älteste überprüfbare urkundliche Erwähnung Papenburgs.[6]

1460 überfielen Rolf und Engelbert von Langen die Burg und brachten sie in ihren Besitz. Sie wollten damit ihre Entschädigungsforderungen gegenüber der Stadt Münster deutlich machen, in deren Dienste sie standen. Bischof Johann von Münster beschlagnahmte daraufhin die Güter der von Langens und befreite mit seinen Truppen die Papenborch. Sie wurde anschließend wieder Hayo von Haren übertragen.[7]

Am 6. November 1484 beerbte Hayos Sohn, Alrick von der Papenburg, seinen Vater. Bischof Heinrich III von Münster belehnte ihn mit der Burg und dem halben Hof zu Lehe. Alrick verstarb bereits 1485 oder 1486, sodass die Papenburg in den Besitz seiner beiden Schwestern Adde und Awe überging. Ihre Männer, Ludeke Hake und Winrich von Brahe wurden am 29. November 1486 mit der Burg belehnt. Nach Hakes Tod ging das Lehen am 20. November 1489 in den alleinigen Besitz von Winrich von Brahe über. Zu dieser Zeit wagte der Bischof von Münster immer wieder Einfälle nach Ostfriesland. Die anschließenden Verteidigungskämpfe der Ostfriesen fanden häufig auf dem Gebiet der Papenburg statt. Daher kam es immer wieder zu Verlusten von Kühen und anderen Nutztieren.[8]

Schon vor dem Tod Winrich von Brahes ging die Burg 1509 in den Besitz seines Sohnes Winrich und seines Schwiegersohns Eggert Nagel über. Von dem Zeitpunkt an war die Burg 59 Jahre im Besitz zweier Familien. Nagel verkaufte seinen Anteil an der Papenburg an Klaus Hatte, der 1521 belehnt wurde. Sein Anteil ging nach seinem Tod 1534 an seine Wittwe Wibbeke über. Sie vermachte den Besitz ihrem zweiten Ehemann Series von Langen (genannt: Kreyenribbe), der 1555 von Wilhelm von Münster belehnt wurde. Von Brahes Anteil ging nach seinem Tod an seine Schwester Heilke und seinen Schwager Eggert Nagel. Diese vermachten ihren Anteil ihrem Schwiegersohn Cristian von Plettenberg. Von Plettenberg vermachte nach seinem Tod den Anteil seinem Sohn Nagel von Plettenberg. Dieser kaufte 1568 den zweiten Teil der Burg von Series von Langen, sodass die Burg wieder im Besitz einer Person war.[9]

Von Plettenberg vermachte die Burg seinem Sohn Christian Viktor, der jedoch bereits 1614 verstarb. Statt seiner minderjährigen Tochter Sybille wurde zunächst der Vormund Arnold von Schwenke mit der Burg belehnt. Nachdem Sybille die Burg erhalten hatte, vermachte sie den Besitz ihrem zweiten Ehemann Friedrich Freiherr von Schwarzenberg im Jahr 1620. Aufgrund der Folgen des dreißigjährigen Krieges war die Burg in schlechtem Zustand. Von Schwarzenberg wollte die Burg verkaufen, da er die Instandhaltungskosten nicht mehr bewältigen konnte. Der Drost des Emslandes Dietrich von Velen bewarb sich um das Lehen.[10][11] Er plante das Moor zu kolonialisieren und eine Fehnkolonie nach holländischem Vorbild zu errichten.[6] Dazu erstellte er einen Vorschlag, wie er das Gebiet um die Papenborch urbar machen wollte. In diesem Schriftstück werden Regelungen zur Entwässerung des Moores, Grenzen, Recht, Landaufteilung, Schutz, Abgaben und Zölle festgelegt. Er orientierte sich dabei stark an die Fehnkolonie Wildervank, die er mit Hilfe von Beratern auskundschaftete. Von Velen reichte den Vorschlag an Bischof Ferdinand von Münster. Am 2. Dezember 1630 kaufte der Drost das Lehngut für 1.500 Reichstaler.[12]

Gründungsjahre 1631–1657[Bearbeiten]

Statue Dietrich von Velens am Eingang der „Dietrich-von-Velen-Anlage“

Bischof Ferdinand von Münster belehnte seinen Drosten Dietrich von Velen und dessen Nachkommen mit Burg und Gut Papenborch im April 1631 (die Quellen unterscheiden sich in der Angabe des Tages[6][13]). Dieses Jahr gilt im Allgemeinen als Gründungsjahr der späteren Stadt Papenburg. Zudem wurde von Velen die Civil- und Criminal-Jurisdiction erteilt. Er erhielt damit die Befugnisse eines Richters.[13]

Von Velen plante, Papenburg durch einen Kanal mit der Ems zu verbinden. Dazu musste von der Papenbuger Grenze am Hampoel bis zur Ems Land von der Gemeinde Bokel erworben werden. Am 1. Mai 1631 wurde von Richter Georg Möwe in Aschendorf ein Vertrag zwischen von Velen und den Bauern von Bokel-Hofe geschlossen. In diesem Vertrag wurde festgelegt, dass auf dem Grund der Bauern ein Kanal zur Ems errichtet werden sollte. Der Kanal diente der Entwässerung des Moores und stellte gleichzeitig einen neuen Transportweg für Torfschiffe zur Ems bereit. Dafür verpflichtete sich der Drost, das Land der Bauern zu entwässern sowie die Unterhaltung des Tiefes und des Siels im Emsdeich zu gewährleisten. Außerdem war es den Bauern gestattet, den Kanal zu nutzen. Mit dem Bau des Kanals wurde Jan zum Poel (Poeljan) für ein Entgelt von 70 Talern beauftragt.[14]

Bereits 1633 musste der Kanalbau auf Grund des dreißigjährigen Krieges unterbrochen werden. Als die Schweden unter König Gustav II. Adolf in Norddeutschland einfielen, flüchtete von Velen auf die Sparrenburg, wo er später festgenommen wurde. Erst 1638 wurde er von seinem Vetter Alexander von Velen befreit. Dietrich von Velen kümmerte sich sofort nach seiner Befreiung wieder um die Kolonialisierung des Moors rund um Papenburg. So konnte 1639 der Kanal fertiggestellt werden.[15] Außerdem siedelten sich 1639 die ersten drei Heuerleute an. Es waren Johann Lambers Veen, N. Hermann Hoff sowie Bernhard Schiffer. Zusammen mit sieben anderen Siedlern, die sich bis 1657 nachweisen lassen, gelten sie als Papenburgs Patriarchen.[16]

Das durch die Moorentwässerung gewonnene Land wurde in Plaatzen unterteilt und an die Kolonisten, mit einer Erbpacht ausgestattet, ausgegeben. Eine Plaatze war 462 Meter lang und 83,16 Meter beit. Entlang des Hauptkanals bauten die ersten Siedler ihre Häuser. Ihre Plaatzen waren an parallel zum Kanal verlaufende Straßen angeschlossen. In vielen Teilen Papenburgs ist dieser Aufbau noch heute vorhanden und prägend für das Stadtbild.[17]

Da die Grenzen Papenburgs nie endgültig geklärt wurden, kam es besonders mit den Ostfriesen häufig zu Grenzstreitigkeiten. Während man mit der Gemeinde Bokel am 25. April 1640 und mit Aschendorf am 11. Januar 1646 den Grenzverlauf vertraglich festlegte, konnte man sich mit den Ostfriesen bis ins 18. Jahrhundert nicht einigen.[18] Da die Papenburg genau auf der Grenze zwischen dem Emsland und Ostfriesland lag, erhoben sowohl die Ostfriesen als auch das Bistum Münster Anspruch auf dieses Gebiet. Der Großteil der Burg und das umliegende Land befanden sich im Emsland. Dieses wurde um 1250 von Sophie von Ravensburg an Fürstbischof Otto II. von Münster für 40.000 Silbermark verkauft. Damit gehörte das Gebiet um die Papenburg rechtmäßig dem Bistum Münster.[19] 1651 führte man mit der Gemeinde Völlen Grenzvermessungen durch. Jedoch konnte dies die ständigen Grenzübergriffe nicht stoppen. Immer wieder kam es zur Zerstörung von Häusern und Verlaaten oder zur Besetzung von Mühlen. Erst unter der Herrschaft der Preußen in Ostfriesland schwächten sich die Streitigkeiten langsam ab.[20]

Bereits 1642 ließ von Velen ein neues Herrenhaus, das Haus Papenburg, errichten. Er baute dies einige Meter von der Papenburg entfernt, um weitere Grenzstreitigkeiten mit den Ostfriesen zu vermeiden. Das Haus Papenburg wurde 1648 fertiggestellt und kostete den Drosten 3000 Gulden. 1682 wurde es zusätzlich mit einer Gräfte umzogen. Das neue Herrenhaus bildete den Mittelpunkt der Siedlung. Um das Haus Papenburg wurden eine Ziegelei und ein Kalkofen errichtet. Außerdem wurde der Kanal vom Siel bis zur Papenburg erweitert.[21]

Am 7. Februar 1657 wurde Papenburg vom Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen, der Status einer Herrlichkeit zugesprochen. Somit erhielt der Drost die Abgaben für den Warenumsatz in Papenburg und alle Hoheitsrechte. Besonders günstig für die Anwerbung neuer Siedler war es, dass diese keine Steuern zu zahlen hatten. Außerdem durfte eine Windmühle in Papenburg errichtet werden. Zudem wurden die Grenzen der Herrlichkeit neu festgelegt. Der Drost verpflichtete sich dafür zur Lehnstreue und musste die Lehren der römisch-katholischen Kirche in Papenburg verbreiten. Von Velen ließ noch im selben Jahr auf dem Platz des Herrenhauses ein Gerichtsgebäude errichten. Am 10. September oder am 14. Dezember 1657 verstarb der Gründer Papenburgs Dietrich von Velen.[22]

Besiedlung Papenburgs unter Mathias von Velen (1657–1700)[Bearbeiten]

Meyers Mühle am Hauptkanal

Von Velen wurde von seinem Sohn Mathias beerbt, der am 28. Oktober 1658 mit der Herrlichkeit Papenburg belehnt wurde. Aufgrund des Dreißigjährigen Krieges kamen kaum neue Kolonisten nach Papenburg. 1661 existierten lediglich 15 Wohnungen in der Fehnkolonie. Daher veranlasste von Velen am 22. Januar 1661 die Veröffentlichung eines Plakates im Emsland, in Ostfriesland und in der Umgebung von Groningen, auf dem mit günstigen Siedlungsbedingungen geworben wurde. Außerdem wurden darauf die Rechte und Pflichten der Kolonisten neu festgelegt, um die Siedlungsbedingungen weiter zu verbessern. Das Plakat gilt daher als eine Art Verfassungsurkunde der Stadt. Unter anderem wurde den Kolonisten versprochen, die Zeitpacht für die Plaatzen nach 5–20 Jahren in eine Erbpacht umzuwandeln. Die Werbung um neue Siedler erwies sich als erfolgreich. Besonders aus der emsländischen Nachbarschaft, aber auch aus Ostfriesland und Groningen, kamen neue Kolonisten nach Papenburg.[23]

1662 wurde mit dem Bau der Holländerwindmühle Meyers Mühle das Privileg genutzt, eine Windmühle in Papenburg zu errichten. Seit dem Jahr 1669 wurden die Kolonisten oder Heuerleute erstmals als Siedler bezeichnet. Dies deutet darauf hin, dass die Zeitpacht wie versprochen in eine Erbpacht umgewandelt wurde und die Plaatzen in den Besitz der Siedler übergingen. Währenddessen wurde der Bau des Kanals (Hauptkanal) weiter vorangetrieben. Er wurde entlang eines natürlichen Wasserlaufs, den Papenborger Rinnen, gegraben. Am Vosseberg hinderten große Sandmassen die Siedler am Weiterbau. Der Kanal wurde in anderer Richtung weitergebaut, sodass die eine Wieck (Abbiegung) entstand. Das Gebiet entlang des neuen Kanals war 1688 besiedlungsfähig.[24]

1666 wütete die Pest in Papenburg. Aufgrund der vielen Todesfälle wurde im Herbst der erste Friedhof in Papenburg errichtet. Außerdem wurde 1674 ein Galgen aufgestellt. Der ehemalige Siedler und Kammerdiener von Velens, Heinrich Hölscher, vermachte Papenburg sein Haus und einen beträchtlichen Geldbetrag für den Bau einer Kirche. Sein Haus wurde als Pfarrhaus genutzt. Mit dem Bau der Kirche wurde 1674 begonnen; sie wurde drei Jahre später (1677) fertiggestellt. Am 7. Dezember 1680 wurde die Kirche von Fürstbischof Ferdinand II., mit dem heiligen Antonius als Schutzpatron, geweiht. Erster Pfarrer wurde Ludger Böhmer.[25] 1683/84 wurde mit dem Bau des ersten Verlaates oberhalb der St.-Antonius-Kirche begonnen. 1688 fand mit dem Augustmarkt das erste Volksfest in Papenburg statt.[26]

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach dem Tod Mathias von Velens 1700 wurde sein Sohn Christoph Alexander am 17. Juli 1700 mit der Herrlichkeit Papenburg belehnt. Unter ihm begann die Schifffahrt in Papenburg. Erste, in Ostfriesland gekaufte Torfschiffe (Mutten) fuhren auf den Kanälen. Durch das Papenburger Siel konnten auch Schiffe über die Ems nach Ostfriesland fahren, um dort den gestochenen Torf zu verkaufen. Am 13. Oktober 1719 wurde jedoch vom ostfriesischen Fürsten ein Handelsverbot für Torf aus Papenburg verhängt.[27] Die Jahre 1725 bis 1727 waren von Protesten gegen zu hohe Abgaben geprägt. Die Proteste gipfelten 1727 in einem Aufstand gegen den Drosten, der jedoch von bischöflichem Militär aus Münster niedergeschlagen wurde. Zur Strafe wurden die zu leistenden Abgaben und Pflichten am 23. Oktober 1727 unter Anton Bernhard von Velen in einem Vergleich erhöht.[28] Währenddessen nahm der Schiffbau in Papenburg weiter an Bedeutung zu. Bereits 1744 war jeder vierte Papenburger im Schiffbau tätig. Durch den Siebenjährigen Krieg 1756 bis 1763 wurde der Schiffbau weiter gestärkt, da die Ems eine wichtige Versorgungsstraße der Truppen war.[29]

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

1806 baten Papenburger Schiffsreeder unter Führung des Patrimonialrichters Godfried Bueren den Herzog von Arenberg, die Herrlichkeit aus der herzoglichen Landeshoheit in die Unabhängigkeit zu entlassen. Diesem Wunsch wurde nicht entsprochen. Am 17. Mai 1833 erhielt Papenburg eine neue Verfassung, die jedoch den Reformwünschen nicht entsprach, da sie dem Ort nur den Status eines Fleckens einräumte. Am 30. März 1853 kaufte die Gemeinde die grundherrlichen Rechte der Familie von Landsberg-Velen an Papenburg für 100.000 Reichstaler. Damit erlosch die Herrlichkeit Papenburg.

1856 erhielt Papenburg Anschluss an das Eisenbahnnetz, an die Hannoversche Westbahn von Osnabrück nach Emden. Am 1. August 1860 genehmigte das Königliche Hannoversche Innenministerium die Annahme der Städteordnung von 1858. Damit wurde Papenburg zur Stadt.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Stadtpark während der Landesgartenschau 2014

Von 1933–1945 war Papenburg der Sitz der Zentralverwaltung der unter der Bezeichnung Emslandlager zusammengeführten 15 Gefangenen- und Konzentrationslager der Nationalsozialisten.

Am 1. Januar 1973 wurden die damalige Stadt Aschendorf (Ems) und die Gemeinden Bokel, Herbrum, Nenndorf und Tunxdorf in die Stadt Papenburg eingemeindet. Am 1. Juli 1974 kam ein Gebiet der Nachbargemeinde Westoverledingen mit damals etwa 100 Einwohnern hinzu.[30] Am 28. März 1990 beschloss der Niedersächsische Landtag im Gesetz zur Neugliederung der Stadt Aschendorf (sowie der Gemeinden Langförden, Vörden und Mulsum) eine Korrektur der Gemeindereform. Dieses Gesetz wurde vom Bundesverfassungsgericht am 12. Mai 1992 für nichtig und gegenstandslos erklärt.

Im Zug der Kreisreform von 1977 wurde der bisherige Landkreis Aschendorf-Hümmling und damit Papenburg in den neu gebildeten Landkreis Emsland eingegliedert. Am 1. Januar 1985 erhielt die Stadt Papenburg ihren heutigen Status als Selbständige Gemeinde.

Am 16. April 2014 eröffnete der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil die 5. Niedersächsische Landesgartenschau in Papenburg. Die Landesgartenschau findet auf dem Gartenschaugelände des Papenburger Stadtparks sowie in den Blumenschauen rund um das „Forum Alte Werft“ statt. Das plattdeutsche Motto der Landesgartenschau ist bunt und bliede und bedeutet soviel wie bunt und fröhlich. Die Landesgartenschau dauert vom 16. April bis zum 19. Oktober 2014.[31]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Papenburg population

Religion[Bearbeiten]

Die Papenburger Bevölkerung ist statistisch zu etwas mehr als 80 % christlichen Glaubens. Sie gehört zu 59,53 % der römisch-katholischen und zu 18,16 % der evangelisch-lutherischen Kirche aber auch anderen christlichen Gemeinden an. Die weiteren rund 20 % der Bevölkerung gehören den „Sonstigen“ an, also anderen oder keinen Religionsgruppen.[32] Die muslimische Fatih-Camii-Gemeinde trifft sich in der Moschee am Mittelkanal.[33]

Außenansicht der St. Michael-Kirche in Papenburg

Politik[Bearbeiten]

Papenburger Rathaus
Stadtratswahl 2011[34][35][36]
Wahlbeteiligung: 44,58 % (2006: 52,80 %)
 %
50
40
30
20
10
0
43,22 %
19,40 %
12,53 %
11,10 %
7,17 %
3,96 %
2,36 %
0,26 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-10,04 %p
-3,22 %p
+12,53 %p
+5,03 %p
-10,29 %p
+3,96 %p
+2,36 %p
-0,32 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2011: Unabhängiges Bürgerforum Papenburg
f 2011: Unabhängige Wählergemeinschaft Stadtverband Papenburg e. V.
h Einzelwahlvorschlag Conrad Ocker

Papenburg hat den Status einer selbständigen Gemeinde.

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat der Stadt Papenburg besteht aus 38 Ratsmitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 30.001 bis 40.000 Einwohnern.[37] Die 30 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011.

Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU).

Die Kommunalwahl am 11. September 2011 führte zu folgender Sitzverteilung:

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister der Stadt Papenburg ist der im Jahr 2006 gewählte Jan Peter Bechtluft.[38] Der bei seiner Wahl Parteilose trat kurze Zeit nach seiner Wahl in die CDU ein.[39] Die Amtszeit des Bürgermeister beträgt acht Jahre und endet 2014.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Papenburg zeigt einen von links nach rechts steigenden schwarzen, gekrönten Löwen im roten Feld.[40]

Flagge[Bearbeiten]

Die Farben der Stadt sind gelb-rot-blau. Die Stadtfahne ist in diesen Farben und zeigt im roten Feld einen schwarzen, gekrönten Löwen mit gelber Umrandung.[40]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Papenburg unterhält Städtepartnerschaften mit zwei Kommunen. Seit dem 10. September 1988 ist Papenburg mit der französischen Stadt Rochefort städtepartnerschaftlich verbunden. Eine weitere Partnerschaft wurde am 14. Oktober 1995 mit der Landgemeinde Pogranitschny (früher Hermsdorf) in Russland beschlossen. Neben diesen offiziellen Städtepartnerschaften bestehen Kontakte zur niederländischen Gemeinde Stadskanaal, zur spanischen Stadt Torrelavega sowie eine Freundschaft zur polnischen Großstadt Ruda Slaska.[41]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater und Musik[Bearbeiten]

In Papenburg werden Theateraufführungen und andere Kulturveranstaltungen zumeist vom Kulturkreis Papenburg umgesetzt. Theater und Kleinkunst, Vorträge und Kunstausstellungen, klassische wie zeitgenössische Konzerte (z. B. Jazz) und sonstige Veranstaltungen finden in der Stadthalle, dem Theater und der Aula des staatlichen Gymnasiums statt. Die Stadt ist fester Spielort der Landesbühne Niedersachsen Nord.

Industriearchitektur bestimmt das Forum Alte Werft. Nach dem Umzug der Meyer Werft Anfang der 1980er Jahre in den Außenhafen, wurde das Gelände durch die Stadt schrittweise in ein Kultur- und Freizeitzentrum umgebaut. Neben der Stadthalle ist auch das Theater auf der Werft sehenswert.

Museen und Ausstellungen[Bearbeiten]

Papenburg bietet ein überregionales Ausstellungszentrum im Gut Altenkamp (Stadtteil Aschendorf), das Freilichtmuseum Von-Velen-Anlage (Stadtteil Obenende)[42] und das in Deutschland einmalige, interaktive Museum „Papenburger Zeitspeicher“ (Stadtteil Untenende). Außerdem gibt es ein Kino mit sechs Kinosälen.

Das Freilichtmuseum Von-Velen-Anlage am Obenende zeigt mit lebensgroßen Bronzefiguren, alten Fehnhäusern sowie aus Torf gebauten Häusern bzw. Hütten, wie die ersten Siedler in Papenburg lebten.

Das Schifffahrtsfreilichtmuseum umfasst originalgetreue Nachbauten alter Papenburger Schiffe aus Holz, die fest verankert in den Kanälen im gesamten Stadtgebiet verteilt liegen, wie z. B. die BriggFriederike von Papenburg“ vor dem Rathaus.

Mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs im Emsland und der von den Nationalsozialisten eingerichteten Emslandlager beschäftigt sich das Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager (DIZ).

Im ältesten Haus Papenburgs, dem Alten Amtshaus am Hauptkanal, befindet sich eine Sammlung heimatkundlicher Gegenstände.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Papenburg besitzt eine an die Niederlande erinnernde Stadtanlage mit Kanälen und Klappbrücken und wird auch Venedig des Nordens genannt.

Die St.-Antonius-Kirche ist die Kirche der ältesten Gemeinde Papenburgs. Sie wurde von 1873 bis 1877 mit rund 12 Millionen Ziegelsteinen gebaut. Wegen des moorigen Untergrundes wurde dabei die Hälfte der Steine für das Fundament verwendet. Die Kirche ist nach Plänen des gebürtigen Papenburgers Alexander Behnes, seinerzeit Diözesanbaumeister des Bistums Osnabrück, im neugotischen Stil errichtet und innen mit reichhaltiger Wandmalerei versehen. Relativ neu sind die Glasfenster in den Seitenschiffen; sie stammen aus dem Jahr 1965 und gehen auf einen Entwurf von Schwester Ehrentrud Trost zurück.

Die St.-Michael-Kirche am Papenburger Obenende wurde zwischen 1908 und 1911 im Stil einer romanischen Basilika erbaut. Neben Wand- und Deckenmalereien ist das ewige Licht in Form eines vollständig getakelten Schiffes sehenswert.

Der Alte Turm, das Wahrzeichen des Obenendes, befindet sich vor der St.-Michael-Kirche. Er ist dem Leuchtturm von Riga nachgebildet. Im hinteren Bereich des Turmes sieht man die Umrisse der früheren, alten Kirche, deren Kirchturm er einmal war.

Die Nikolaikirche wurde 1870 im neugotischen Stil erbaut.

Das Papenbörger Hus, gegenüber der Von-Velen-Anlage, ist ein altes Kapitäns- und Ackerbürgerhaus. Der als „Papenburger Spezialität“ bekannte Buchweizenpfannkuchen wird hier serviert.

Das Rathaus von Papenburg wurde im barocken Stil erbaut und 1913 eingeweiht. Der Sitzungssaal ist mit Fresken aus der Stadtgeschichte verziert. Sehenswert ist auch der gartenartig gestaltete Rathausvorplatz.

Am Kanal „Wiek“ ist die Papenburger Bockwindmühle, einem der ältesten in Deutschland gebräuchlich gewesenen Mühlentypen, zu sehen. Sie ist die letzte ihrer Art im Emsland und eine der letzten Deutschlands.

Ein beachtliches Bauwerk ist das größte überdachte Trockendock Europas, dessen noch immer genutzter, nicht weniger imposanter Vorgänger jahrzehntelang als das größte überdachte Trockendock der Welt galt. Diese Schiffsfertigungshallen gehören zur Meyer Werft.

Darüber hinaus befindet sich in Papenburg eine der weltweit größten herstellerunabhängigen Automobil-Teststrecken Europas. Bei der Automotive Testing Papenburg testen Hersteller von Personen- und Nutzfahrzeugen aus der ganzen Welt sowie deren Zulieferer ihre Produkte.

Sport[Bearbeiten]

In Papenburg gibt es zahlreiche Sportvereine. Darunter sind u. a. die Segelvereine YC Papenburg und SV Turmkanal Papenburg. Der SC Blau Weiß Papenburg 94 e. V. (hervorgegangen aus den Vereinen Germania Papenburg und Amisia 09 Papenburg) und die Eintracht Papenburg e. V. sind zwei Fußballvereine. Der Golfclub Gutshof e. V. in Aschendorfermoor betreibt eine 18-Loch-Anlage. Des Weiteren gibt es mehrere (meist ortsteilsgebundene) traditionelle Schieß- und Schützenvereine für Luftpistolen, -gewehre und Bögen.

Durch Papenburg verläuft der europäische Fernwanderweg E9, der von Portugal bis zu den baltischen Staaten reicht.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Wirtschaft Papenburgs ist hauptsächlich industriell geprägt. Wichtigste Wirtschaftszweige sind Schiffbau, Automobilzulieferung, Tourismus. Weitere Wirtschaftszweige sind die Textilindustrie, Gartenbau, Kraftfahrzeugprüfung.

Luftbild der Papenburger Hafenanlagen mit den großen Hallen der Meyer-Werft

Papenburgs Gewerbe und Industrie ist folgendermaßen eingeteilt:

  • Gewerbe- und Industriegebiet Nord
  • Industriegebiet Süd
  • Gewerbe- und Industriegebiet Deverhafen
  • Gewerbegebiet Von-Herz-Straße
  • Gewerbegebiet Gutshofstraße
  • Gewerbegebiet Flachsmeerstraße
  • Gewerbegebiet Rheder Straße
  • Gewerbegebiet Am Prüfgelände
  • Gewerbegebiet Nienhauser Bogen

In diesen Gewerbe- und Industriegebieten sind u. a. folgende Firmen angesiedelt: Meyer Werft, KS Gleitlager, ATP Automotive Testing Papenburg, ADO Gardinenwerke, Gartenbauzentrale Papenburg, Johann Bunte Bauunternehmung, Salamander Industrie-Produkte, EEV BioEnergie GmbH & Co. KG (Biomasseheizkraftwerk)[43], EMS Precab, Emsland Paneele, sowie weitere mittlere und größere Industrie- und Gewerbebetriebe.

Papenburg verfügt über einen Dockhafen für See- (Küstenmotorschiffe) und Binnenschiffe, der durch eine – über hundert Jahre alte – Schleuse von der den Gezeiten unterliegenden Unterems geschützt ist.[44] Hier werden vor allem Massengut wie Kies, Torf und Holz, aber auch Stahl- und Maschinenteile umschlagen.

Wegen der maritimen Ausrichtung der Wirtschaft ist Papenburg im Gegensatz zum restlichen Emsland dem Kammerbezirk der IHK Emden zugewiesen. Dementsprechend lautet der offizielle Name der Kammer Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg.

Medien[Bearbeiten]

In Papenburg erscheint die Ems-Zeitung, die eine Lokalausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung und einzige lokale Tageszeitung vor Ort ist. Weiterhin liegt Papenburg im Verbreitungsgebiet mehrerer wöchentlich erscheinender Anzeigenblätter wie dem Wecker (Zeitungsgruppe Ostfriesland), dem Sonntags-Report und dem EL-Kurier.

Verkehr[Bearbeiten]

Autobahnen/Fernstraßen[Bearbeiten]

Papenburg ist durch die A 31 an das Autobahnnetz angeschlossen. Jedoch läuft diese nicht direkt durch das Stadtgebiet, ist aber durch die Nachbargemeinde Rhede, sowie durch die Stadt Weener leicht erreichbar. Zudem führt die B 70 durch die Stadt in Richtung Leer bzw. Meppen. Die B 401 kann in wenigen Minuten über Surwold angefahren werden. Eine direkte Verbindung an Surwold vorbei ist geplant. Von Papenburg bis zur niederländischen Grenze sind es ca. 15 km.

Bahnverkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Papenburg

Papenburg hat mit den Bahnhöfen Papenburg (Ems) und Aschendorf zwei Zugänge zum RE Emsland-Express. Zudem fährt zweistündlich ab Papenburg (Ems) der IC NorddeichLuxemburg.

  • Bahnhof Papenburg (Ems) (IC Norddeich–Luxemburg, zweistündlich; RE Emsland-Express MünsterEmden, stündlich)
  • Bahnhof Aschendorf (RE Emsland-Express Münster–Emden, stündlich)

Vom bzw. zum Seehafen Papenburg wurden im Jahr 2013 Güter mit einem Gewicht von 351.356 t (2012 noch 411.306 t) mit der Eisenbahn befördert.

Radverkehr[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet führen:

Flugverkehr[Bearbeiten]

In Leers nördlichem Stadtteil Nüttermoor liegt der Flugplatz Leer-Papenburg.

Schifffahrt[Bearbeiten]

Papenburg besitzt durch die Lage an der Ems den südlichsten Seehafen Deutschlands sowie zwei Yachthäfen. Der Gesamtgüterumschlag der See- und Binnenschifffahrt im Hafen Papenburg lag im Jahr 2013 bei 727.818 t (584.786 t im Seeverkehr bei 235 Seeschiffsanläufen, 143.032 t bei der Binnenschifffahrt). Im Jahr 2012 waren es noch 794.980 t (603.618 t im Seeverkehr bei 220 Seeschiffsanläufen, 191.362 t bei der Binnenschifffahrt).

Feuerwehr[Bearbeiten]

Freiwillige Feuerwehr Papenburg-Untenende

Die Brandbekämpfung der Stadt wird durch drei Freiwillige Feuerwehren gewährleistet. Diese sind die drei Papenburger Ortsfeuerwehren:[45]

  • Freiwillige Feuerwehr Papenburg-Untenende (Schwerpunktfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Papenburg-Obenende (Stützpunktfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Papenburg-Aschendorf (Stützpunktfeuerwehr)

Neben den Bundesstraßen 70 und 401 liegen auch Landesstraßen im Papenburger Stadtgebiet.[46] Neben den Einsatzschwerpunkt bei Verkehrsunfällen gibt es in Papenburg Industrie- und Gewerbebetriebe vor allem innerhalb der Industrie- und Gewerbegebiete, die den zweiten großen Einsatzschwerpunkt kennzeichnen.[45] Neben der Meyer-Werft besteht auch das Biomasse-Heizkraftwerk, auf dessen Gelände große Holzmengen lagern, die eine erhebliche Brandlast darstellen. Der Gerätewagen Gefahrgut der Feuerwehr Untenende ist für das gesamte nördliche Emsland zuständig und somit überörtlich tätig.[45] Zudem ist am Standort Obenende ein Gerätewagen Wasserrettung sowie ein Rettungsboot stationiert, um Einsätze auf und im Wasser zu bewältigen.[47] Die Papenburger Feuerwehren absolvieren bis zu 250 Einsätze pro Jahr.[48]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in dieser Stadt gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Carl Hettlage (1874–1935), Politiker, 1906–1911 Bürgermeister von Papenburg
  • Felix Graf von Luckner (1881–1966), Seeoffizier, Kaperfahrer und Schriftsteller; erlangte 1907 das Kapitänspatent an der Seefahrtschule Papenburg
  • Helmut Heißenbüttel (1921–1996), Schriftsteller, lebte bis 1940 in Papenburg
  • Rudolf Seiters (* 1937), Politiker, ehemaliger Bundesinnenminister, wohnt in Papenburg
  • Hans-Michael Goldmann (* 1946), Politiker, Fraktionsvorsitzender und Ratsherr der Stadt Papenburg
  • Peter Raske (* 1949), als Politiker in Papenburg tätig
  • Heiner Altmeppen (* 1951), Maler und Grafiker, aufgewachsen in Papenburg, malte die „Papenburger Landschaften“
  • Klaus-Uwe Nommensen (* 1952), Theologe, Autor, Publizist und Gemeindepfarrer in Papenburg
  • Susanne Brandt (* 1964), Bibliothekarin in Papenburg, Liedermacherin, Autorin und Herausgeberin
  • Horst Bösing (* 1954), Deutscher Komponist und Musikproduzent aus Aschendorf ging in Papenburg auf das Gymnasium

Literatur[Bearbeiten]

  • Lehrerverein der Diözese Osnabrück: Der Kreis Lingen. Beiträge zur Heimatkunde des Regierungsbezirks Osnabrück Heft I, Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1905.
  • Werner Kaemling: Atlas zur Geschichte Niedersachsens, Gerd J. Holtzmeyer Verlag, Braunschweig 1987, ISBN 3-923722-44-3.
  • Hermann Abels: Die Ortsnamen des Emslandes, in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 1929.
  • Chr. Oberthür, Fr. Busche, Fr. Barth, Heinrich Dünheuft: Heimatkarte des Kreises Lingen mit statistischen Angaben, Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1953.
  • Ernst Förstemann, Hermann Jellinghaus (Hrsg.): Altdeutsches Namenbuch, Band II, 1 und 2: Ortsnamen, Bonn 1913/1916 (Nachdruck: Band II, 2, Hildesheim 1967/1983, ISBN 3-487-01733-4).
  • Hans Döbber, Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, Fehn–Verlag Johs. Eissing, Papenburg 1981.
  • Wolf-Dieter Mohrmann (Hrsg.): Geschichte der Stadt Papenburg, Verlag der Stadt Papenburg 1986, ISBN 3-925742-00-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Papenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Papenburg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Papenburg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. papenburg.de: Basisdaten der Stadt, aufgerufen am 8. Januar 2012
  3. a b c mappedplanet.com: Klimawerte für Papenburg, aufgerufen 29. Dezember 2011
  4. klima.org: Klimawerte für Papenburg, aufgerufen 29. Dezember 2011
  5. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 9–11
  6. a b c papenburg.de: Geschichte der Stadt, aufgerufen am 9. Januar 2012
  7. Wolf–Dieter Mohrmann: Geschichte der Stadt Papenburg, 1986, S. 96
  8. Wolf–Dieter Mohrmann: Geschichte der Stadt Papenburg, 1986, S. 96/97
  9. Wolf–Dieter Mohrmann: Geschichte der Stadt Papenburg, 1986, S. 97/98
  10. Wolf–Dieter Mohrmann: Geschichte der Stadt Papenburg, 1986, S. 98
  11. Urkundenverzeichnis aus dem Gesamtarchiv von Landsberg-Velen mit Bestand zur Papenburg / Digitale Westfälische Urkunden-Datenbank (DWUD)
  12. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 20–22
  13. a b Hans Döbber, Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 22
  14. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 22/23
  15. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 23
  16. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 24–27
  17. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 27
  18. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 28/29
  19. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 29–31
  20. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 33–36
  21. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 36/37
  22. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 38/39
  23. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 41–43
  24. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 43/44
  25. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 45–47
  26. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 44
  27. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 53/55
  28. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 59/61
  29. Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt, 1981, S. 61/64
  30.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 252 und 253.
  31. Landesgartenschau Papenburg, abgerufen am 19. April 2014
  32. Basis- und Strukturdaten Konfessionen Stand: 1. Januar 2013, abgerufen am 12. Dezember 2013
  33. Blick hinter die Kulissen einer Moschee, abgerufen am 20. April 2014
  34. http://papenburg.de/content/images_web/Wahlen/454041_000088/index.html
  35. http://www.papenburg.de/content/images_web/Wahlen/kommunalwahl/S_MAIN_E_STADTRATSWAHL_2006.html
  36. http://papenburg.de/content/images_web/Wahlen/454041_000088/0004540410000_vgl1.html
  37. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 5. September 2013
  38. Bürgermeister Jan Peter Bechtluft, aufgerufen am 2. Oktober 2012
  39. CDU-Vorstand neu gewählt, abgerufen am 5. September 2013
  40. a b Hauptsatzung der Stadt Papenburg, abgerufen am 5. September 2013
  41. Papenburg - Partnerstädte der Stadt Papenburg, abgerufen am 7. September 2013
  42. Internetseite der Von-Velen-Anlage
  43. Das Kraftwerk Papenburg wurde bereits 2010 verkauft und ist daher von der Insolvenz nicht betroffen. Klarstellung durch den Masseverwalter. N.prior energy GmbH, 11. September 2012, abgerufen am 5. Januar 2013.
  44. Land hilft bei Schleusenneubau. In: Täglicher Hafenbericht vom 7. Juli 2014, S. 3
  45. a b c feuerwehr-untenende.de: Feuerwehr Papenburg Untenende, aufgerufen am 4. Dezember 2012
  46. feuerwehr-aschendorf.de: Feuerwehr Aschendorf, aufgerufen am 4. Dezember 2012
  47. feuerwehr-obenende.de: Feuerwehr Obenende, aufgerufen am 4. Dezember 2012
  48. feuerwehr-untenende.de: Rekordjahr für Papenburger Feuerwehren