Olli Dittrich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Olli Dittrich im März 2012

Oliver Michael „Olli“ Dittrich (* 20. November 1956 in Offenbach am Main) ist ein deutscher Schauspieler, Komiker, Komponist und Musiker. Als Parodist prominenter Persönlichkeiten und Darsteller vielfältiger Kunstfiguren gehört er zu den profiliertesten Verwandlungskünstlern der Gegenwart.[1][2] Einem breiten Publikum wurde Dittrich durch die Comedy-Sendung RTL Samstag Nacht bekannt, deren Ensemble er von 1993 bis 1998 angehörte. Popularität erlangte er dort vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Wigald Boning in der mit dem Adolf-Grimme-Preis 1995 ausgezeichneten Interview-Persiflage Zwei Stühle – Eine Meinung sowie als musikalisches Nonsens-Duo Die Doofen, das mit der Single Mief und dem Album Lieder, die die Welt nicht braucht im Jahr 1995 die Spitze der Charts erreichte und alle wichtigen deutschen Musik- und Medienpreise erhielt. Mit Olli, Tiere, Sensationen und Blind Date präsentierte Dittrich zu Beginn der 2000er Jahre seine ersten eigenen Sendereihen. Anhaltenden Erfolg verzeichnet er mit dem Improvisationskammerspiel Dittsche, das seit 2004 im WDR Fernsehen ausgestrahlt wird. Die gleichnamige Figur eines arbeitslosen, biertrinkenden Imbissbuden-Philosophen aus Hamburg, der in einen Bademantel gekleidet über das Leben und die Welt schwadroniert, entwickelte sich zu seinem bekanntesten Charakter.[3]

Biografie[Bearbeiten]

Jugend und musikalische Anfänge[Bearbeiten]

Olli Dittrich wurde als zweiter von drei Söhnen des Journalisten Kurt Dittrich und der Malerin und Modezeichnerin Gisela Dittrich geboren. Bis zu seinem 3. Lebensjahr lebte er in Offenbach am Main, danach zog die Familie nach Hamburg. Zunächst vier Jahre im Stadtteil Niendorf wohnhaft, verbrachte Olli Dittrich den Rest seiner Kindheit in Hamburg-Langenhorn. Sein Vater war unter anderem in der Chefredaktion der Welt am Sonntag und der Berliner Morgenpost tätig. In den 1980er Jahren leitete er zudem die Journalistenschule des Axel-Springer-Verlags.[4] Olli Dittrich besuchte zunächst die Suederschule Langenhorn und wechselte im weiteren Verlauf auf das Gymnasium Alstertal. Infolge schlechter Zensuren wiederholte er zwei Klassen und wurde in Klasse 9 auf die Realschule Eschenweg versetzt. Dort erlangte er 1975 die Mittlere Reife. In seiner Jugend betrieb Olli Dittrich Leistungssport und war Außenstürmer beim TuS Alstertal. Nachdem er zunächst Gitarren- und Schlagzeugunterricht erhielt, erlernte er von Ulf Krüger, Gründungsmitglied der Hamburger Jazz-Pop-Gruppe Leinemann, das Rhythmusinstrument Waschbrett zu spielen. Im Alter von 16 Jahren gründete Dittrich die Skiffle-Band Abbey Tavern Skiffle Company, mit der er vier Jahre lang musikalisch aktiv war und in Hamburger Clubs auftrat, darunter in der Fabrik und im Onkel Pö. 1977 veröffentlichte er seine von Ulf Krüger produzierte und dem Schlagergenre zuzuordnende Debütsingle Ich bin 18. Im selben Jahr erschien unter dem Künstlernamen Die Affenbande eine von Dittrich verfasste Version des Kinderlieds Wer hat die Kokosnuss geklaut?

Nach Beendigung der Schullaufbahn ließ sich Olli Dittrich von 1975 bis 1978 an der Hamburgischen Staatsoper zum Theatermaler ausbilden. Im Anschluss war er sieben Jahre in der Plattenfirma Polydor tätig, in der er sich vom Packer zum Produktmanager emporarbeitete.[5] Parallel dazu versuchte er sich weiter auf musikalischem Gebiet zu entfalten und publizierte 1982 mit seiner Gruppe Der kleine Olmidi und seine Freunde eine Sequencerversion des Titellieds zur Fernsehserie Flipper. Auf dem Album Tokyo Twist des Synthie-Pop-Trios Tone Band war er zudem als Komponist, Gastsänger und Coverzeichner beteiligt. 1985 gab er seine Anstellung in der Plattenfirma auf und geriet in die Arbeitslosigkeit. Mehrere Jahre am Rande des Existenzminimums lebend, schrieb er in dieser Zeit etwa 250 Lieder, unter anderem für James Last, Annette Humpe und Die Prinzen. 1989 nahm er unter dem Künstlernamen TIM sein erstes eigenes Album mit dem Titel Modern Guy auf. Das von Udo Arndt produzierte Debüt mit Gastmusikern wie Peter Weihe und Curt Cress blieb mit etwa 300 verkauften Exemplaren jedoch kommerziell erfolglos. In Hamburger Schlagerbands wie Tina und die Caprifischer[6] und Susis Schlagersextett war Dittrich als Sänger, Percussionist, Keyboarder und Conférencier tätig. Gemeinsam bestritten sie jährlich etwa 150 Shows. Mit Stephan Zacharias am Bass und Jon Flemming Olsen an der E-Gitarre trat Dittrich ab 1992 auch als Schlagzeuger in der Beatles-Revival-Band Die Bietels auf.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

1990er Jahre – Durchbruch als Komiker mit RTL Samstag Nacht[Bearbeiten]

Olli Dittrich nach einer Aufzeichnung von RTL Samstag Nacht

Über Ulf Krüger lernte Dittrich 1991 den Komiker Wigald Boning kennen. Für die täglich auf Premiere ausgestrahlte Kolumne Bonings Bonbons drehte das Duo daraufhin rund 100 gemeinsame Spots. Als Wigald Boning und Die Doofen veröffentlichten sie 1992 das Album Langspielplatte sowie die Singles Fiep, Fiep, Fiep und Ich bin ganz aus Lakritz gemacht, die jedoch keine Chartplatzierungen erzielten. Im selben Jahr trat Dittrich im neu gegründeten Hamburger Quatsch Comedy Club auf und verkörperte auf der Bühne erstmals seine selbst erdachte Figur Dittsche, die er im Laufe der Jahre weiterentwickelte.

Bundesweite Bekanntheit erlangte Dittrich durch die unter anderem mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnete Comedy-Sendung RTL Samstag Nacht, deren Ensemble er in insgesamt 158 Ausgaben von November 1993 bis Mai 1998 angehörte. Inspiriert durch die von Heino Jaeger interpretierte Sportreportage Einmarsch der Nationen berichtete Dittrich in seiner Rubrik Neues vom Spocht in Form von Wortspielen über fiktive Sportmeldungen, die jedoch häufig einen Bezug zu real existierenden Profisportlern aufwiesen. Darüber hinaus veruzte er Filmklassiker in seiner Kinorubrik Olliwood und parodierte wiederkehrend Fernsehmoderator Jean Pütz mit dessen alltagswissenschaftlicher Informations-Sendereihe Hobbythek. In den Sketchreihen Kentucky schreit ficken und Senen einer Zehe, die ihren Wortwitz aus Buchstabendrehern kreierten, war er regelmäßiger Darsteller als Kunde und Ehemann. An Popularität gewann Dittrich jedoch vor allem durch die Interview-Persiflage Zwei Stühle – eine Meinung, die mit zahlreichen Ausgaben einen festen Bestandteil der Sendung bildete. Im Rahmen der Gesprächsrunde, in der Wigald Boning als Moderator fungierte, stellte sich Dittrich dessen wochenaktuellen Fragen, indem er in nahezu täuschend echten Masken und Kostümen prominente Personen wie Automobilrennfahrer Michael Schumacher, Tennisspieler Boris Becker, Erotik-Unternehmerin Beate Uhse, Opernsänger Luciano Pavarotti oder Musikproduzent Dieter Bohlen parodierte. Zudem entstanden Kunstfiguren wie der aus Hamburg-St. Pauli stammende Zuhälter Mike Hansen, der intellektuell eingeschränkte Boxer Butsche Roni, der Zigarillo rauchende Kunst- und Kulturkritiker Hajo Schröter-Naumann, der tuntige Modeschöpfer Jaques Gelee oder der überschwänglich gut gelaunte Skilehrer Gigi Hofleitner. Für ihre Darstellung erhielt das Duo im Jahr 1995 den Adolf-Grimme-Preis. Dittrich schrieb den Großteil seiner Gags selbst.

Wigald Boning (links) und Olli Dittrich (rechts) als Die Doofen (1996)

Nach musikalischen Auftritten bei RTL Samstag Nacht schlossen sich Boning und Dittrich erneut als Nonsens-Gruppe Die Doofen zusammen. Es folgten die Veröffentlichung der Single Mief und des Albums Lieder, die die Welt nicht braucht,[7] mit denen das Duo im Sommer 1995 die Spitzenposition der Charts erreichte. Im selben Jahr traten sie neben Van Halen und Slash’s Snakepit im Vorprogramm der Stadion-Tournee von Bon Jovi auf. 1996 publizierten sie ihr zweites Album Melodien für Melonen und die Single-Auskopplungen Prinzessin de Bahia Tropical, Zicke Zack Tsatsiki und Lach doch mal. Insgesamt verkauften Die Doofen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ca. 1,5 Mio. Tonträger. Anlässlich ihres Erfolges wurden sie mit den wichtigsten deutschen Musik- und Medienpreisen ausgezeichnet, darunter dem Echo, der Goldenen Stimmgabel und dem Bambi.

Nach dem Ende von RTL Samstag Nacht wirkte Dittrich in Markus Imbodens Filmkomödie Frau Rettich, die Czerni und ich (1998) mit. Kurz darauf übernahm er die Rolle von Redakteur Wollner in Helmut Dietls Komödie Late Show (1998). Von Oktober 1998 bis März 2001 war Dittrich als Moderator der Außenwette bei der ZDF-Samstagabendshow Wetten, dass..? engagiert. Zudem verkörperte er in kurzen Einspielern den fiktiven Zuschauer Karl-Heinz Brinkmann, der absurde Wettangebote unterbreitete und diese auch sofort umzusetzen versuchte. Anlässlich der letzten Ausgaben mit Thomas Gottschalk im Oktober und Dezember 2011 stellte sich Olli Dittrich noch zwei weitere Male als Moderator der Außenwette zur Verfügung.[8][9]

2000er Jahre – Festigung als Improvisations- und Verwandlungskünstler[Bearbeiten]

Olli, Tiere, Sensationen[Bearbeiten]

Mit Olli, Tiere, Sensationen lief von März 2000 bis Mai 2001 im ZDF Dittrichs erste eigene Sendung an, in der er sich auf Alltagsbeobachtungen konzentrierte und in Prominente und Kunstfiguren verwandelte. Häufige Szenenpartnerin war Mona Sharma. Während Charaktere wie Mike Hansen, Butsche Roni und Hajo Schröter-Naumann bereits aus Dittrichs Auftritten in RTL Samstag Nacht bekannt waren, wurde hier erstmals Dittsche der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Im Gegensatz zur derzeit ausgestrahlten Sendereihe dauerten die Clips jedoch nur wenige Minuten und behandelten statt tagespolitischer Themen eher Fragen der Art, ob Kartoffelbrei mit dem Löffel oder der Gabel gegessen werden sollte. Ab der zweiten Staffel wurden die Folgen vor Publikum aufgezeichnet und erste Blind-Date-Folgen gezeigt, ebenfalls nur wenige Minuten lang. Die Sendung hielt kein Drehbuch vor, viele Szenen waren improvisiert. Weil sie die Quotenvorgabe nicht erreichte, wurde die Produktion nach zwei Staffeln mit insgesamt sechzehn Folgen eingestellt.

Blind Date[Bearbeiten]
Hauptartikel: Blind Date

Gemeinsam mit Anke Engelke trat Dittrich ab dem Jahr 2000 in lockerer Reihenfolge in der ZDF-Fernsehspielreihe Blind Date auf, die eine neue Erzählform des Films präsentierte: Zwei Darsteller treffen ohne vorheriges Drehbuch oder Kenntnis über die Rolle des Anderen aufeinander. Es entstanden die Episoden Blind Date 1 (2001), Taxi nach Schweinau (2002), Der fünfbeinige Elefant (2003), London-Moabit (2004) und Blaues Wunder (2005). 2003 erhielten Dittrich und Engelke den Grimme-Preis in Gold.[10] Mit dem Ziel, neuen Wind in ihre Idee zu bringen, begegneten sich in „Tanzen Verboten“ (2006) zum ersten Mal zwei Figuren, die sich kennen. Das Konzept ohne Drehbuch und Absprachen blieb erhalten. Dieser sechste Teil blieb bislang der letzte.

In der für das Kino konzipierten Edgar-Wallace-Film-Parodie Der WiXXer übernahm Olli Dittrich 2004 die Rolle des ostdeutschen Touristen Dieter Dubinsky. Aufmerksamkeit erregte seine Besetzung als Reichsminister Joseph Goebbels in Jo Baiers Film Stauffenberg (2004). Die Vorstellung, dass ein Komödiant einen der einflussreichsten Politiker aus der Zeit des Nationalsozialismus verkörpern sollte, löste im Vorfeld Unbehagen aus.[11][12] Seine Darstellung wurde von Kritikern jedoch als „hervorragend“ bewertet.[13]

Dittsche – Das wirklich wahre Leben[Bearbeiten]
Von links nach rechts: Jon Flemming Olsen, Olli Dittrich als Dittsche, Knut Hartmann und Franz Jarnach, 2012
Hauptartikel: Dittsche

Langanhaltenden Erfolg verzeichnet Dittrich mit der seit Februar 2004 im WDR Fernsehen ausgestrahlten Sendereihe Dittsche – das wirklich wahre Leben. Das improvisierte tragikomische Kammerspiel mit Jon Flemming Olsen als Wirt Ingo und Franz Jarnach alias Mr. Piggi als fast stummer Stammgast „Schildkröte“ umfasst mittlerweile 21 Staffeln und wird live aus einem Imbiss in Hamburg-Eppendorf gesendet. Olli Dittrich verkörpert dabei den arbeitslosen, biertrinkenden Thekenphilosophen Dittsche, der in Bademantel bekleidet über Gott und die Welt, das Leben, seine Nachbarn und die BILD-Zeitung schwadroniert. Hierbei liefern tatsächliche, aktuelle Geschehnisse und Prominente der Woche – sogenannte „Titanen“ – die Vorlagen. Das Geschehen wird von sechs festinstallierten Kameras beobachtet, die von einem Rechner per Zufall geschnitten werden. Als Überraschungsgäste traten bislang zahlreiche prominente Persönlichkeiten auf, darunter Rudi Carrell, Günther Jauch, Uwe Seeler, Marius Müller-Westernhagen und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz. 2004 wurde das Format mit dem Deutschen Fernsehpreis und 2005 mit dem Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet. In der Kategorie Beste Unterhaltung erhielt Dittrich zudem die Goldene Kamera 2009.

Beckenbauer-Parodie und Media-Markt-Spots[Bearbeiten]

In Anlehnung an das ZDF-Format Was nun, ...? strahlte Das Erste im Dezember 2006 den WM-Rückblick Was tun, Herr Beckenbauer in der Harald-Schmidt-Show aus. In der Interview-Parodie mimte Dittrich Fußballfunktionär Franz Beckenbauer, der sich den Fragen von Moderator Harald Schmidt stellte. Das 20-minütige Werk entstand in pseudo-dokumentarischem Rahmen im Hotel Atlantic. Für die parodistische Darstellung und Dekonstruktion der Medienfigur Beckenbauer wurde Dittrich in der Kategorie Unterhaltung Spezial für den Adolf-Grimme-Preis 2007 nominiert.[14] Deutsche Tageszeitungen werteten Dittrichs Darbietung als „glückliche Symbiose“ und bezeichneten ihn unter anderem als „wahren Kaiser“.[15][16] Ab November 2007 trat der Komödiant in Werbespots für die Elektromarkt-Kette Media Markt auf. Dabei spielte er in Mehrfachrollen die laut Werbeslogan „härtesten Kunden“ des Unternehmens, indem er verschiedene gesellschaftliche Milieus prototypisch und überzeichnet darstellte. Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2008 produzierte Media Markt vier gesonderte Werbespots mit der fiktiven Figur „Toni“, die mit Sonnenbrille, Goldkette und Drei-Tage-Bart einen Italiener karikieren sollte. Einer dieser Spots lehnte satirisch an den Schiedsrichter-Bestechungsskandal im italienischen Profi-Fußball an, der 2006 zu einem Zwangsabstieg von Juventus Turin führte.[17] Die italienischen Tageszeitungen Corriere della Sera und La Repubblica äußerten daraufhin Kritik und bezeichneten die Werbespots als extrem klischeebehaftet. Als Kompromiss stellte Media Markt die Ausstrahlung des satirischen Schiedsrichter-Spots ein.[18]

Von 2003 bis 2011 nahm Olli Dittrich als Mitglied des Rateteams an mehr als 40 Ausgaben der Improvisationscomedy-Sendung Genial daneben teil. Unter dem Titel Ein Mann hat viele Gesichter veröffentlichte er 2007 eine DVD-Sammlung, die Auszüge aus seiner Schaffensperiode von 1987 bis 2007 zeigt.

2010er Jahre[Bearbeiten]

Im ARD-Fernsehfilm Carl & Bertha, der das Leben der Automobilpioniere Bertha und Carl Benz thematisiert, übernahm Dittrich 2011 die Rolle des Konkurrenten Gottlieb Daimler.[19] An der Seite von Katja Riemann verkörperte er im selben Jahr einen 33-jährigen Musiker und Lebenskünstler, einen 61-jährigen Fahrlehrer, einen libanesischen Imbissbetreiber, einen 70-jährigen Yogi und den Chef einer Werbeagentur in der Kinoproduktion Die Relativitätstheorie der Liebe.[20] Für die Darstellung der fünf Charaktere wurde Dittrich für den Deutschen Schauspielerpreis nominiert.[21] In Zusammenarbeit mit der Autorin Anne Ameri-Siemens veröffentlichte Dittrich im März 2011 seine Autobiografie Das wirklich wahre Leben, eine Verknüpfung von Interviews und selbst verfassten Anekdoten. Das Buch entwickelte sich zu einem Bestseller.[22] Mit einer Kombination aus Lesung und Erzählungen aus dem Stegreif bestritt er unter dem Titel Das wirklich wahre Leben – Eine Leseschau im Winter 2012 eine bundesweite Tournee durch mehr als 30 Städte.[23]

Von September 2011 bis zur Absetzung der Sendung Anfang Mai 2012 war Olli Dittrich wiederkehrend „Überraschungsgast“ in der Harald Schmidt Show.[24] Seit dem Wechsel von Harald Schmidt zu Sky Deutschland im September 2012 gehört er erneut als Sidekick zum Team der Sendung.[25] Am 6. Mai 2013 wurde Dittrichs 30-minütiges „Frühstücksfernsehen“, eine Parodie auf die Morgenmagazine, in der ARD ausgestrahlt. In dem nicht als Serie konzipierten Unikat ist Dittrich in neun Rollen, u. a. als Moderator, zu sehen. Co-Moderatorin ist Cordula Stratmann.

Bühne[Bearbeiten]

Bastian Pastewka, Susi Frese, Olli Dittrich und Ralf Hartmann

In Zusammenarbeit mit Komiker Bastian Pastewka sowie Musicalsängerin Susi Frese und Gitarrist Ralf Hartmann entwickelte Dittrich 2002 ein Bühnenprogramm, das das Quartett in den Jahren 2003 und 2004 in alle Teile Deutschlands führte. Während ihrer Auftritte präsentierten sie musikalische Parodien sowie komödiantische Duo- und Soloeinlagen, in denen Dittrich auch in die Rollen von Dittsche und Mike Hansen schlüpfte.[26] Seit 2005 zeigt er anhand der Spielvorlagen des von ihm geschätzten Aufspürers sozialer Situationen Heino Jaeger weitere Facetten seiner Menschendarstellung und erinnert im Rahmen öffentlicher Lesungen und Hommagen wiederkehrend an den 1997 verstorbenen Satiriker.[27][28]

Musik[Bearbeiten]

Olli Dittrich bei Texas Lightning (2011)
Hauptartikel: Texas Lightning

Parallel zu seiner Tätigkeit für Film und Fernsehen ist Dittrich seit 2005 als Schlagzeuger in der von Jon Flemming Olsen gegründeten Country-Band Texas Lightning aktiv. Sein dortiger Spitzname lautet Ringofire. Der Veröffentlichung des Albums Meanwhile, Back at the Ranch und der Single Like a Virgin folgten mehrere Konzerttourneen durch Deutschland. Nachdem sich die Band bei der deutschen Vorausscheidung durchgesetzt hatte, nahm sie mit dem Titel No No Never am Eurovision Song Contest 2006 teil. Dort belegte Texas Lightning den 15. Platz bei 24 Teilnehmern.[29] Die Single hielt sich indes mehrere Wochen an der Spitze der deutschen Charts und erzielte Platin-Status. Mit einer Chartnotierung von insgesamt 38 Wochen führt No No Never die Hitliste der bislang erfolgreichsten Eurovisionssongs in Deutschland seit 1959 an.[30] Das Album wurde mit Gold ausgezeichnet.

Am 17. Oktober 2008 wurde Olli Dittrichs Soloalbum 11 Richtige bei dem zur Universal Music Group gehörenden Label X-Cell Records veröffentlicht. Die auf der CD enthaltenen Lieder bewegen sich musikalisch im Chanson- und Schlagergenre.[31] Gemeinsam mit Co-Produzent Stephan Gade, Tonmeister Manfred Faust-Senn und Orchesterarrangeur Peter Hinderthür arbeitete Olli Dittrich fast ein Jahr an dem komplexen Werk, an dem bis zu 60 Orchestermusiker beteiligt waren. Texte und Kompositionen stammen fast ausschließlich aus Dittrichs Feder. Anke Engelke und Judith Rosmair wirkten als Duettpartnerinnen mit, David Garrett ist in einem Song als Soloviolinist zu hören.

Privatleben[Bearbeiten]

Olli Dittrich, der sich selbst als „Menschendarsteller“ bezeichnet,[32] lebt in Hamburg. Er ist Vater eines Sohnes. Seit früher Jugend ist er Fan des Fußballsports, insbesondere von Uwe Seeler und dem HSV. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählen unter anderem der Komponist Elton John und der Schlagersänger und Chansonnier Udo Jürgens, zu seinem komödiantischen Vorbildern der Satiriker Heino Jaeger und der Humorist Loriot, mit dem er bis zu dessen Tod auch in persönlichem Kontakt stand.[33] Für Dittrichs Autobiografie Das wirklich wahre Leben verfasste Loriot das Vorwort. Dittrich hingegen formulierte den Begleittext für das Beiheft der Kompilation Elton John: Greatest Hits 1972–2002.[34]

Filmografie[Bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

  • 1989: Modern Guy (als TIM)
  • 1992: Ein Abend wie früher! / Schuld war nur der Bossa Nova (mit Susis Schlagersextett)
  • 2008: 11 Richtige (als Olli Dittrich)

Singles[Bearbeiten]

  • 1977: Ich bin 18 (als Oliver Dittrich)
  • 1977: Wer hat die Kokosnuss geklaut? (als Die Affenbande)
  • 1978: Red Hot (als Olli & Ulf)
  • 1982: Flipper (als Der kleine Olmidi und seine Freunde)
  • 1989: Happy New Year (als TIM)
  • 1989: Tracey Lee (als TIM)

Hörbücher und Hörspiele[Bearbeiten]

DVD[Bearbeiten]

  • 2007: Ein Mann hat viele Gesichter, Universal Pictures, 2 DVDs

Auszeichnungen[Bearbeiten]

TV und Medien

Musik

  • 1995: Echo in der Kategorie „Comedy“ für Die Doofen
  • 1995: Comet in der Kategorie „Comedy“ für Die Doofen
  • 1995: Goldene Europa für Die Doofen
  • 1995: Goldene Stimmgabel für Die Doofen
  • 1995: Bambi für Die Doofen
  • 1996: Golden Reel Award (USA) für Die Doofen
  • 1995–1996: 7 Gold- und Platinauszeichnungen für Die Doofen
  • 2005–2006: 5 Country Music-Awards (diverse Kategorien) für Texas Lightning
  • 2006: 3 Gold- und Platinauszeichnungen für Texas Lightning

Nominierungen

  • 2007: Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie „Unterhaltung Spezial“ für die parodistische Darstellung und Dekonstruktion der Medienfigur Beckenbauer
  • 2008: Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie „Unterhaltung“ für Dittsche
  • 2012: Deutscher Schauspielerpreis in der Kategorie „Männliche Hauptrolle“ für Die Relativitätstheorie der Liebe
  • 2013: Deutscher Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Comedy“ für Frühstücksfernsehen
  • 2014: Preis der deutschen Filmkritik in der Kategorie „Bester Darsteller“ für „König von Deutschland“
  • 2014: Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie „Unterhaltung“ für Frühstücksfernsehen

Literatur[Bearbeiten]

  •  Thomas Tuma: Ansichten zu einem Clown. In: Der Spiegel. Nr. 20, 2006, S. 88 ff. (online).
  • Olli Dittrich, Anne Ameri-Siemens: Das wirklich wahre Leben. Piper Verlag, München 2011, ISBN 3-492-05261-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olli Dittrich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Olli Dittrich über seine Neurosen. N24.de, 17. März 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011.
  2. Olli Dittrich. In: Berliner Zeitung, abgerufen am 28. Dezember 2011.
  3. Die Dittsche-Autobiografie: Das wirklich wahre Leben. In: Hamburger Abendblatt, 17. März 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011.
  4. Olli Dittrich im Munzinger-Archiv. Munzinger-Archiv, 11. März 2008, abgerufen am 14. November 2012.
  5.  Ich weiß, was Angst ist. In: Der Spiegel. Nr. 43, 2006 (online).
  6. Bandgeschichte. tinascaprices.de, abgerufen am 28. Dezember 2011
  7. Doof, dämlich, erfolgreich. In: Focus, Nr. 17/1995, 24. April 1995, abgerufen am 28. Dezember 2011.
  8. Wetten dass: Läuft dieser Mann schneller als ein Pferd? rhein-zeitung.de, 7. Oktober 2011, abgerufen am 4. November 2012.
  9. 5000 erlebten in Ischgl spektakuläre „Wetten, Dass..?“-Außenwette. In: Tiroler Tageszeitung, 3. Dezember 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011.
  10. „Wir müssen auch zeigen, wo Geschosse einschlagen und töten“. In: Der Standard.at, 22. März 2003, abgerufen am 28. Dezember 2011.
  11. Ein Komödiant spielt Joseph Goebbels. In: Berliner Zeitung, 20. August 2003
  12. Charakterwechsel: Darf Komiker Olli Dittrich Joseph Goebbels spielen? shortnews.de, 25. Februar 2004, abgerufen am 28. Dezember 2011
  13. „Stauffenberg“ – ein Geschichtsfilm ohne Geschichte. FAZ.net, 25. Februar 2004, abgerufen am 28. Dezember 2011
  14. Grimme-Nominierungen: Private stark wie nie DWDL.de, 27. Januar 2007, abgerufen am 28. Dezember 2011
  15. Ja, äh…, der Olli, der kann’s. In: Der Tagesspiegel, 23. Dezember 2006, abgerufen am 28. Dezember 2011
  16. Olli Dittrich – der wirklich wahre Kaiser. FAZ.net, 22. Dezember 2006, abgerufen am 28. Dezember 2011
  17. Nur Juventus Turin steigt ab blick.ch, 25. Juli 2006, abgerufen am 4. November 2012
  18. Aufgebrachte Italiener stoppen Olli-Dittrich-Spot. Spiegel Online, 29. Mai 2008, abgerufen am 28. Dezember 2011
  19. Schon gesehen: Carl und Bertha. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 23. Mai 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011
  20. Ich sag mal so: Talent schadet nicht. In: Hamburger Abendblatt, 27. Mai 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011
  21. Riemann und Dittrich für den Deutschen Schauspielerpreis nominiert. derwesten.de, 25. Januar 2012, abgerufen am 22. November 2012
  22. Niemals aufgeben und den Ball flachhalten. In: Gießener Allgemeine, 29. Oktober 2012, abgerufen am 4. November 2012
  23. Olli Dittrich geht auf Lesereise. focus.de, 30. September 2012, abgerufen am 14. November 2012
  24. Wie schlägt sich die «Harald Schmidt Show» in Sat.1? quotenmeter.de, 17. Januar 2012, abgerufen am 25. Februar 2012
  25. Team der Harald-Schmidt-Show sky.de, abgerufen am 4. November 2012
  26. Bastian und Olli im Stadeum gefeiert. In: Stader Tageblatt, 27. November 2003, abgerufen am 28. Dezember 2011
  27. Heino Jaeger – Erinnerungen von Olli Dittrich herrenzimmer.de, 28. Dezember 2010, abgerufen am 30. Dezember 2011
  28. Olli Dittrich mit Hommage an Heino Jaeger. Welt Online, 3. März 2010, abgerufen am 28. Dezember 2011
  29. Skandal-Rocker siegen in Athen. stern.de, 21. Mai 2006, abgerufen am 28. Dezember 2011
  30. Erfolgreichste Eurovisionstitel chartsurfer.de, abgerufen am 4. November 2012
  31. Barde im Bademantel. Süddeutsche.de, 11. Oktober 2008, abgerufen am 28. Dezember 2011
  32. Die ganze wundersame Welt des Olli Dittrich. Welt online, 7. März 2008, abgerufen am 28. Dezember 2011
  33. Höflich, fleißig, lustig. taz.net, 20. Oktober 2008, abgerufen am 28. Dezember 2011
  34. Musik für die Seele. In: Berliner Kurier, 8. März 2003
  35. Die Drei ???-Folge 150 dreifragezeichen.de, abgerufen am 28. Dezember 2011