Gloria von Thurn und Taxis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gloria von Thurn und Taxis an der Seite ihres Mannes Johannes im Jahr 1981

Mariae Gloria von Thurn und Taxis (* 23. Februar 1960 in Stuttgart-Degerloch) ist eine deutsche Unternehmerin und Managerin.

Mariae Gloria Fer(di)nanda Joachima Josephine Wilhelmine Huberta Gräfin von Schönburg-Glauchau (Taufname) trägt seit ihrer Heirat 1980 den amtlichen Familiennamen Prinzessin von Thurn und Taxis und nennt sich seit 1982 gemäß den traditionellen Richtlinien des privat organisierten Adelsrechtsausschusses Mariae Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, obwohl seit der Abschaffung der Standesvorrechte des Adels 1919 nur der Titel „Prinz“ (/„Prinzessin“), nicht jedoch der vordem in Primogenitur gewährte Erstgeburtstitel „Fürst“ ihres verstorbenen Mannes Bestandteil des bürgerlichen Namens ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Gloria von Thurn und Taxis ist die jüngste Tochter von Joachim Graf von Schönburg-Glauchau (1929–1998) und dessen erster Ehefrau Beatrix Gräfin Széchényi von Sárvár und Felsővidék (* 1930)[1][2]. Gloria von Thurn und Taxis hat vier Geschwister; ihr jüngster Bruder ist der Journalist Alexander von Schönburg.

Ihr Vater war Journalist und arbeitete als Auslandskorrespondent für einen Rundfunksender. Als er das Angebot erhielt, nach Afrika zu gehen, nahm er seine Frau und seine beiden Töchter mit. So wuchs Gloria erst in Togo und später in Somalia auf. In Afrika besuchte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Maya Benediktinerinnenschulen[3]. 1970 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Gloria besuchte zunächst das Konrad-Adenauer-Gymnasium in Meckenheim (Rheinland), anschließend war sie Schülerin im Mädcheninternat Kloster Wald in der Nähe des Bodensees. Nach der Mittleren Reife in Peckelsheim[4] jobbte sie, ohne eine Lehre anzutreten. 1979 begegnete sie erstmals ihrem späteren Ehemann, Johannes von Thurn und Taxis, dem späteren 11. Oberhaupt des Hauses Thurn und Taxis, im Münchner Lokal Café Reitschule.[5]

Am 31. Mai 1980 heiratete Gloria in Regensburg Johannes von Thurn und Taxis (1926–1990). Sie brachte drei Kinder zur Welt:

Nach der Geburt ihres ersten Kindes wurde Gloria von Thurn und Taxis durch ihr Party-Leben bekannt. Dabei stand ihre zum Teil außergewöhnliche Kleidung und Frisur im Fokus der Boulevardmedien. In der Presse fanden sich Schlagzeilen wie etwa „Bayerns Gloria“, „Punker-Fürstin“, „Pop-Aristokratin“, „Prinzessin TNT“ oder „Jet-Set-Darling“.

1982 erkrankte ihr Mann schwer und starb nach einer zweiten Herztransplantation am 14. Dezember 1990. Kurz vor seinem Tod 1990 erteilte er ihr Generalvollmacht, und sie engagierte kompetente Fachleute (unter anderem Nicolas Hayek) und sanierte mit deren Hilfe das Familienunternehmen, das diverse Privatbanken, zahllose Immobilien, Industriebeteiligungen sowie eine Brauerei umfasste. Um die Erbschaftsteuer zahlen zu können (45 Millionen DM), ließ sie 1992 einen Teil der Schätze des Hauses beim Auktionshaus Sotheby’s versteigern.

1998 öffnete der Freistaat Bayern in einer Liegenschaft des Familienbesitzes, dem Schloss St. Emmeram, eine Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums. Die repräsentativen Räume des Schlossmuseums, die Reithalle und das Refektorium werden für große Veranstaltungen genutzt.

Als Wahlfrau der CSU war sie 2004 Mitglied der Bundesversammlung zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten.

Gloria von Thurn und Taxis bekennt sich seit 1995 öffentlich zum katholischen Glauben.[6] Sie ist Präfektin[7][8] der 2006 von ihr in Anlehnung an die Marianische Männer-Congregation Regensburg initiierten Gebetsgruppe Marianische Frauencongregation „Mariä Verkündigung“ Regensburg (MFC).[9][10] Gloria von Thurn und Taxis ist Mitglied des Stiftungsrat der Lebensrechtsbewegung Stiftung Ja zum Leben[11] und engagiert sich bei der Bayerischen Stiftung Hospiz.[12] Sie ist Kuratoriumsmitglied des konservativen Forums Deutscher Katholiken.

[Bearbeiten] Medienpräsenz

Ihre wohl bekannteste Äußerung stammt aus der Talkshow Friedman vom 9. Mai 2001: „Afrika hat Probleme nicht wegen fehlender Verhütung. Da sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne.“ Im September 2008 äußerte sie in einem Interview mit der Bild am Sonntag: „Die Afrikaner sind mitnichten anders drauf als wir. Dass die mehr schnackseln, hat mit den klimatischen Bedingungen da unten zu tun“, da diese wegen des warmen Klimas weniger Kleidung tragen.[13] Dies und die größere Bevölkerung sind, ihrer Meinung nach, die hauptsächlichen Gründe, warum es in Afrika wesentlich mehr AIDS-Kranke gäbe. Die Erfolge in der Aids-Prävention in Uganda würden auf einer konzertierten Aktion aller nichtstaatlichen und staatlichen Stellen mit tatkräftiger Unterstützung des Präsidenten und der Vermittlung der ABC-Regel (Enthaltsamkeit, (AIDS-Test), Treue, Kondome) basieren, wobei die Kirchen nach Bartholomäus Grill nur als Teil der Gesamtaktion beteiligt waren und trotz Propagierung von Kondomen mitgemacht hatten. Gloria von Thurn und Taxis verbucht die Erfolge vor allem für die Kirche, die zusammen mit dem Staat eine Treuekampagne gestartet habe und den Menschen wieder den Wert der Familie beigebracht hätten. Nur dieses schütze gegen Aids, Kondome dagegen nicht.[14] Ihre Medienpräsenz ging nach diesem Vorfall zunächst zurück.

In der Sendereihe Durch die Nacht mit … des Senders ARTE wurde sie in einer Reportage von dem Galeristen Leo König auf einer Fahrt durch New York begleitet. Kurze Zeit später ließ sie die eingekaufte Sammlung bei Phillips de Pury wieder versteigern.[15][16]

In jüngerer Zeit tritt sie verstärkt wieder in der Öffentlichkeit auf: Anlässlich der Thurn-&-Taxis-Festspiele im Jahre 2004 wirkte sie in einer Inszenierung von Hofmannsthals Jedermann mit.

Am 4. April 2005 bezeichnete sie Papst Johannes Paul II. in der Talkshow Beckmann in der ARD als einen „Vorreiter für die Frauenrechte“. Sie bekräftigte diese Aussage in einem späteren Interview und begründete dies mit der von Johannes Paul II. entwickelten „Theologie des Leibes“. Nach dieser müsse „der Mann die Frau ehren und lieben“, weil sie „die Trägerin des Lebens“ sei.[17]

Thurn und Taxis steht außerdem der Lebensrechtsbewegung nahe in deren Zusammenhang sie sich gegen Abtreibung einsetzt und von einer „Kultur des Todes und des Tötens“ spricht.[18] Nach ihrem eigenen Bekunden wurden mit der Papstwahl Benedikts XVI. ihre jahrelangen Gebete erhört. Im Vorfeld des Papstbesuches in Bayern 2006 erklärte sie, dass ihr die Worte Benedikts XVI. „helfen, das Leben mit seinen Höhen und Tiefen zu bewältigen“.[17]

[Bearbeiten] Ehrungen und Auszeichnungen

[Bearbeiten] Vorfahren

Ahnentafel Gloria Gräfin von Schönburg-Glauchau
Ururgroßeltern

Graf
Karl von Schönburg-Forderglauchau
(1832–1898)
∞ 1864
Gräfin
Adelheid von Rechteren-Limpurg
(1845–1873)

Graf
Bohuslaw Chotek von Chotkowa und Wognin
(1829–1896)
∞ 1859
Gräfin
Wilhelmine Kinski von Wchinitz und Tettau
(1838–1885)

Graf
Adam Baworów-Baworowski

Gräfin
Franziska von Hardegg auf Glatz und im Machlande

Graf
Victor Paul Chorinsky Freiherr von Ledske (1838–1901)
∞ 1863
Gräfin
Anna von Trautmansdorff-Weinsberg (1843–…?)

Graf
István Széchenyi (1791–1860)
∞ 1836
Gräfin
Crescência von Seilern und Aspang
(1799–1875)

Gregoriu Christopoulos

Eufrosyne Caravas

Prinz
Pavel Galitzine (1822–1871)

Prinzessin
Ekaterina Trubetskoy (1831–1918)

Prinz
Nikolai Petrovich Mestschersky

Gräfin
Maria Alexandrowna Panin

Urgroßeltern

Graf Joachim von Schönburg-Glauchau (1873–1943)
∞ 1898
Gräfin Oktavia Chotek von Chotkowa und Wognin (1873–1946)

Graf Rudolf Baworow-Baworowski (1865–1931)
∞ 1850
Gräfin Fanny Anna Chorinsky, Freiin von Ledske (1876–1963)

Graf Edmund Széchényi von Sárvár-Felsövidék (1839–1922)
∞ 1891
Eulalia Christopulos (1854–1918)

Prinz Paul Gallitzin (1856–1916)
∞ 1887
Prinzessin Alexandra Nikolajewna Meshcherskaya (1864–1941)

Großeltern

Graf Karl von Schönburg-Glauchau (1899–1945)
∞ 1927
Gräfin Maria Anna Baworowska (1902–1988)

Graf Valentin Széchényi von Sárvár-Felsövidék (1893–1954)
∞ 1921
Prinzessin Maria Gallitzin (1895–1976)

Eltern

Joachim Graf von Schönburg-Glauchau (* 4. Februar 1929; † 29. September 1998)
∞ 1957
Beatrix Maria Gräfin Széchényi de Sárvár-Felsövidék[21] (* 30. Januar 1930)

Gloria Gräfin von Schönburg-Glauchau (* 23. Februar 1960)

[Bearbeiten] Schriften

[Bearbeiten] Literatur

  • Marita A. Panzer: Fürstinnen von Thurn und Taxis. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2133-0.

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Gloria von Thurn und Taxis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Rolf Seelmann-Eggebert u. a.: Deutsche Fürstenhäuser. Neuer Glanz auf alten Kronen. Econ, 2000, ISBN 3-430-18276-X, Seite 52
  2. Miroslav Marek: Schönburg family, Genealogy.eu, Stand: August 2004
  3. Artikel Gloria Fürstin von Thurn und Taxis im Munzinger-Archiv
  4. Ralf Benner: Gala, Glanz und Gloria bereiten Freude, Westfalen-Blatt, 27. Oktober 2008
  5. Eigene Aussage Gloria von Thurn und Taxis in Menschen bei Maischberger, ARD, 9. September 2008, ca. 23:00
  6. tagesspiegel.de: Päpstlicher Orden für Gloria von Thurn und Taxis, vom 17. Oktober 2008
  7. Website des Bistums Würzburg
  8. Thomas Jansen: Gloria von Thurn und Taxis - Der Schwarze kraxelt halt gern!, FAZ, 20. Januar 2008
  9. 140 Frauen wollen Marianische Frauen-Congregation gründen, Pressestelle Bistum Regensburg
  10. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis erhält päpstlichen St.-Gregorius-Orden, Pressemitteilung des Bistums Regensburg vom 17. Oktober 2008.
  11. Stiftung „Ja zum Leben“
  12. Thurn und Taxis: Fürstin Mariae Gloria
  13. Anna von Bayern, Stefan Hauck: BILD-Interview – „Im Bett mit Gloria - Fortsetzung des Interviews“, bild.de, 14. September 2008
  14. Beckmann (Fernsehsendung) am 24. November 2008 auf Das Erste im Abschnitt mit Bartholomäus Grill
  15. Ingeborg Wiensowski: Kunstmesse Frieze – Sammler, Künstler, Schaumschläger, spiegel.de vom 14. Oktober 2008
  16. Lisa Zeitz: Gloria von Thurn und Taxis – „Von Knödeln, Klatsch und Kunst: Gloria bei Phillips in New York“, faz.de vom 12. November 2005
  17. a b ZENIT: Interview – Gloria von Thurn und Taxis: Die Worte des Papstes sind echtes Lebenselixier, 31. August 2006
  18. Anläßlich der Verleihung des Preises der Stiftung Ja zum Leben, 2005
  19. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis erhält päpstlichen St.-Gregorius-Orden, Bistum Regensburg.
  20. pnp.de: MAMA GLORIA: Vom Punk zum Papst-Fan (Link nicht mehr abrufbar), 12. Oktober 2009.
  21. Online Gotha der Familie Széchényi
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen