Kanonenbootpolitik

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Das deutsche Kanonenboot Panther, das bei mehreren Unternehmungen in Übersee bekannt wurde
Landungskommando der britischen Korvette Comus mit Landungsgeschütz

Der Ausdruck Kanonenbootpolitik oder Kanonenbootdiplomatie bezeichnet das Vorgehen von Seemächten gegenüber kleineren Mächten zur Durchsetzung eigener Interessen mittels eines oder mehrerer Kriegsschiffe. Sie war ein gängiges Mittel der Machtprojektion, vor allem zur Blütezeit des Imperialismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts vor dem Ersten Weltkrieg. Die Kanonenbootpolitik diente neben der Durchsetzung von Wirtschafts- und Machtinteressen auch dem Eintreiben von Forderungen und dem Schutz eigener Bürger – letzteres Argument war bisweilen nur vorgeschoben; es sollte dem Kanonenboot-Einsatz eine (Schein)legitimität verleihen.

Nach 1945 erlebte die Kanonenbootpolitik eine späte Neuauflage, etwa in Fällen, in denen langjährige Kolonialmächte im Rahmen der Dekolonisation unhaltbar gewordene Positionen und Einflusszonen nicht ohne weiteres räumen wollten.

Häufig wurden für diese Aufgaben Kanonenboote eingesetzt: kleinere Kriegsschiffe mit einem schweren Geschütz als Hauptbewaffnung, die gegen die Hafenanlagen, Küstenorte, Küstenbefestigungen und Küstenbatterien eines Gegners Wirkung erzielen konnten. Die meisten Kriegsschiffe waren außerdem in der Lage, aus der Besatzung kleine Landungskommandos zu bilden.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen und Möglichkeiten[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurde die Durchsetzung europäischer und US-amerikanischer Machtinteressen in Übersee mit militärischer Gewalt (oder der Drohung mit solcher) eine übliche Form der Machtausübung. Man unterscheidet zwei Phasen des Imperialismus: die des Frühimperialismus (etwa 1815 - 1870) und die des Hochimperialismus (1870 bis 1914). Dafür gab es verschiedene Motive.

Einer der Schwerpunkte der Kanonenbootpolitik war Lateinamerika und hier vor allem Mittelamerika. Nach der Unabhängigkeit von Spanien und Portugal entstanden zunächst größere Staatsgebilde wie zum Beispiel die Zentralamerikanische Konföderation (1823–1838) oder Großkolumbien (1819–1830); diese zerfielen nach und nach in Einzelstaaten. Interne Auseinandersetzungen führten zu einer Anzahl von Bürgerkriegen und Staatsstreichen. In diesen Gebieten konnte sich deshalb über längere Zeit keine zuverlässige und außenpolitisch verantwortliche Staatsgewalt etablieren. In dieses Machtvakuum stieß die von den USA verfolgte Monroe-Doktrin.

Zugleich war Lateinamerika ein wichtiger überseeischer Handelspartner insbesondere für diejenigen Nationen geworden, die keinen eigenen Kolonialbesitz hatten, wie z. B. die Vereinigten Staaten und Deutschland bis 1884. Viele europäische Auswanderer und Geschäftsleute ließen sich dort nieder. Diese Ausländer bedurften des Schutzes durch ihre Heimatländer, um in einer Situation großer Rechtsunsicherheit in schwach entwickelten Staatswesen ihre Existenz zu sichern. Ihr Status war vom Ansehen und der militärischen Macht ihres Landes abhängig. Mächte, die in der Region über Stützpunkte verfügten, gingen dazu über, ihre Seestreitkräfte zum Schutz ihrer Bürger und zum Eintreiben finanzieller Forderungen einzusetzen.

Ein weiterer Grund für die militärische Diplomatie war das Fehlen anderer diplomatischer Kanäle, wie sie sich im 20. Jahrhundert entwickelt haben. Viele der außereuropäischen Staaten unterhielten keine diplomatischen Beziehungen zu europäischen Ländern, Peru unterhielt etwa 1875 überhaupt keine diplomatischen Beziehungen mit dem Ausland. Auch bestanden noch keine Telegrafenverbindungen oder ähnliche schnelle Kommunikationsmittel, die bei der Streitschlichtung zwischen Staaten hätten hilfreich sein können. Überstaatliche Institutionen wie der Völkerbund oder die Vereinten Nationen wurden erst viel später gegründet.

Schließlich war das Verständnis des Völkerrechts anders entwickelt als im 20. Jahrhundert und 21. Jahrhundert. Der Einsatz militärischer Mittel zur Durchsetzung nationaler Interessen galt als legitim. Der nationale Ehrbegriff erforderte Sanktionen bei Respektlosigkeit kleiner Mächte.

Zudem wurde die Kanonenbootpolitik erleichtert durch die im Zuge von Industrialisierung und Forschung waffentechnischen Entwicklungen; genannt seien:

  • Der Übergang zum gezogenen Geschütz um 1860 ermöglichte treffgenaues Schießen über eine größere Entfernung. Außerdem konnten aus gezogenen Rohren Langgeschosse (statt Kugeln) eingesetzt werden. Dadurch stiegen bei gleichem Kaliber das Gewicht des Geschosses (und damit Durchschlagskraft und Trefferwirkung) sowie die Schussweite.
  • * Die Schwarzpulverfüllung von Granaten wurde durch wirkungsvollere Sprengstoffe ersetzt. Seit dem Aufkommen dieser Brisanzgranate konnten Schiffsgeschütze sehr viel mehr Schaden verursachen als zuvor. Die beim Aufprall explodierenden Granaten schleuderten Metallsplitter mit mehr Wucht in ein größeres Umfeld.
  • Etwa gleichzeitig kamen auch Schnellfeuergeschütze mittlerer Kaliber für Schiffe auf. Damit konnte man auf kurze bis mittlere Gefechtsentfernungen eine große zerstörerische Wirkung auf ungepanzerte oder schwach gepanzerte Teile erzielen.
  • * Die Einführung langsam abbrennenden Pulvers ab 1880 ermöglichte nochmals größere Treibladungen. Da der langsamere Abbrand der Treibladung längere Geschützrohre sinnvoll machte, stiegen die Kaliberlängen von etwa L/15 auf L/30 bis L/40.
Dadurch wurde die Reichweite, Durchschlagskraft und Treffsicherheit erhöht.
  • Die Qualität der Geschosse wurde verbessert. Um eine bessere panzerbrechende Wirkung zu erreichen, wurden sie ab 1868 aus Hartguss (Grusonwerk AG Buckau), dann aus Stahl hergestellt.

Beispiele der Kanonenbootpolitik[Bearbeiten]

Großbritannien[Bearbeiten]

Die britische Royal Navy war aktives Instrument der Kanonenbootpolitik, zum Beispiel bei der Durchsetzung britischer Interessen gegen Griechenland beim so genannten Don-Pacifico-Vorfall 1850 in Piräus.

Uruguay, Brasilien 1828[Bearbeiten]

Brasilien, welches sich in einem bewaffneten Konflikt mit den Separatisten in Uruguay befand, beschloss nach vielen entscheidungslosen Kämpfen, eine Seeblockade vor dem Rio de la Plata durchzuführen, um die Separatisten vom Handel abzuschneiden. Davon jedoch sah Großbritannien seine Handelsinteressen bedroht und nutzte die Kanonenbootpolitik, um Brasilien zu einem Frieden mit den Aufständischen zu zwingen. Als Brasilien die Gefahr durch britische Kanonenboote erkennen musste, lenkte es ein und akzeptierte den Frieden von Rio de Janeiro. Dieser Frieden schuf einen neuen, unabhängigen Staat: Uruguay.

Honduras 1849[Bearbeiten]

Am 4. Oktober 1849 besetzten britische Marine-Infanteristen den Hafen von Trujillo (Honduras), um eine Forderung an die honduranische Regierung in Höhe von 100.000 $ einzutreiben.

Haiti 1865[Bearbeiten]

Am 23. Oktober intervenierte Großbritannien im haitianischen Bürgerkrieg und zerstörte im Hafen von Cap Haitien mehrere haitianische Kanonenboote. Dabei geriet das Kanonenboot HMS Bulldog auf Grund und brannte durch Beschuss vollständig aus.

Honduras 1873[Bearbeiten]

Am 19. August bombardierte ein britisches Kriegsschiff als Repressalie den Hafen von Omoa wegen der Plünderung britischen Eigentums.

Nicaragua 1895[Bearbeiten]

Am 27. April 1895 besetzten britische Marineeinheiten das Zollhaus von Corinto, um finanzielle Forderungen an die nicaraguanische Regierung einzutreiben.

Russland 1919–1921[Bearbeiten]

Nach dem Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich am 11. November 1918 entsandte das Empire einen bis zu 90 Schiffe umfassenden Flottenverband in die nordöstliche Ostsee. Ziel war die Minderung deutschen Einflusses im Baltikum sowie die Verhinderung der Übernahme der neu gegründeten Staaten Estland, Lettland und Litauen durch die Bolschewiki. Höhepunkt dieser maritimen Intervention war die Seeschlacht vor Petrograd am 17./18. August 1919. Ein britischer Motorschnellbootverband und Flugzeuge des Trägers HMS Vindictive griffen sowjetrussische Flotteneinheiten an. Durch Torpedotreffer sanken die Linienschiffe Andrej Perwoswanny und Petropawlowsk in flachen Gewässern auf Grund, das U-Boot-Mutterschiff Pamjat Asowa und ein Depotschiff wurden vernichtet. Die Royal Navy verlor drei Motorschnellboote. Mit dem Ende des Russischen Bürgerkriegs, der Etablierung der bolschewistischen Herrschaft in Russland und die Anerkennung der drei baltischen Staaten durch die sowjetische Regierung endete die britische Flottenpräsenz.

Griechenland 1920[Bearbeiten]

Am 17. November 1920 wurde der vormalige griechische Ministerpräsident Eleftherios Venizelos, Verlierer der Präsidentschaftswahlen und Protegé des Empire, bei seiner Flucht aus dem Land auf einer Jacht von HMS Centaur begleitet und konnte sich dadurch der Verhaftung durch die neue Regierung entziehen.

Türkei 1922[Bearbeiten]

Schlachtschiff Malaya

Von September bis November 1922 verhinderte die Royal Navy in den Dardanellen und am Bosporus den Übertritt türkischer Truppen in den europäischen Teil Griechenlands. Am 18. November wurde der gestürzte Sultan der Türkei von dem britischen Schlachtschiff HMS Malaya ins Exil nach Malta transportiert, um ihn vor seinen Untertanen zu schützen und seine Festnahme zu verhindern.

Mexiko 1924[Bearbeiten]

Am 11. Januar 1924 intervenierte die HMS Capetown bei Unruhen in Minatitlau/Mexiko, um eine britische Ölraffinerie zu schützen. Der Kommandant des ablösenden Schiffs, HMS Constance, untersagte dabei mexikanischen Kanonenbooten die Beschießung des Orts.

China 1926[Bearbeiten]

In diesem Jahr patrouillierten 15 britische, neun amerikanische, zehn japanische und sechs französische Kanonenboote den Jangtsekiang anlässlich von Unruhen in Zentralchina. Diese Ereignisse wurden 1962 in dem Roman von Richard McKenna The Sand Pebbles literarisch verarbeitet und 1966 durch Robert Wise in dem gleichnamigen Spielfilm umgesetzt (dt. Titel: Kanonenboot am Yangtse-Kiang) mit Steve McQueen in der Hauptrolle als Maschinistenmaat 1. Klasse Jake Holman.

Der zukünftige Staat Israel und andere 1947[Bearbeiten]

Während des Jahres 1947 operierten britische Marineeinheiten im östlichen Mittelmeer, um die illegale Einwanderung jüdischer Emigranten über See nach Palästina zu verhindern. Obwohl der Großteil der Schiffe abgefangen wurde, gelang es einigen Transportern, durchzubrechen, was sich als diplomatischer Misserfolg Großbritanniens erwies.

Guatemala 1948[Bearbeiten]

Ende Februar 1948 wurden die Kreuzer HMS Sheffield und HMS Devonshire nach Britisch-Honduras (heute Belize) entsandt, um Druck auf die guatemaltekische Regierung auszuüben, die Besitzansprüche auf das Territorium der Kolonie angemeldet hatte.

China 1949[Bearbeiten]

Die Fregatte HMS Amethyst versuchte am 19. April 1949, auf dem Yangtse Nanking zu erreichen, um Wachpersonal für die dortige britische Gesandtschaft anzulanden. Sie wurde durch kommunistische Artillerie zurückgetrieben und strandete. Versuche durch HMS Consort und später durch HMS London und HMS Black Swan, sie abzuschleppen, misslangen. Einige Tage später gelang es der Fregatte aus eigener Kraft, die Sandbank zu verlassen. Historisch ist der Zwischenfall von Bedeutung, weil es sich um den letzten Versuch klassischer Kanonenbootpolitik in China handelt. Der Vorfall wurde in dem Spielfilm Yangtse Incident (GB 1957, Regie: Michael Anderson) dramatisiert, der ab dem 6. Mai 1957 unter dem Titel Yangtse-Zwischenfall auch in westdeutschen Kinos aufgeführt wurde.

Island 1958/59[Bearbeiten]

Vom 1. September 1958 bis zum 14. März 1959 begann die Royal Navy mit Operationen um Island, um den isländischen Anspruch auf Fischereischutz innerhalb der 12-Meilen-Zone zu verhindern. In dieser Zeit verhinderte die Navy 46 isländische Versuche, britische Trawler aufzubringen. Schließlich musste die britische Regierung doch den isländischen Anspruch anerkennen.

Irak 1961[Bearbeiten]

Eine Landung von Royal Marines und anderen Truppen in Kuwait sowie eine Konzentration von Marineeinheiten verhinderte eine irakische Besetzung des Landes.

Rhodesien 1965–1968[Bearbeiten]

Flugzeugträger Eagle

Der Flugzeugträger HMS Eagle kreuzte im Dezember 1965 vor der Küste Tansanias, um der Regierung von Sambia zu signalisieren, dass sie im Konflikt mit Rhodesien mit britischer Luftunterstützung würde rechnen können. Die Präsenz des Trägers verhinderte rhodesische Luftangriffe.

Am 9. April 1966 brachte die HMS Berwick aufgrund eines Beschlusses des UN-Sicherheitsrats den griechischen Tanker Manuela auf, der Öl für Rhodesien transportierte, und verhinderte seine Weiterfahrt nach Beira/Portugiesisch Ostafrika (Mocambique). Bis 1968 operierten britische Seepatrouillen (Beira Patrol) in der Region, obwohl Rhodesien inzwischen sein Öl auf anderen Wegen bezog.

Argentinien 1966[Bearbeiten]

Im Falklandkonflikt mit Argentinien entsandte Großbritannien HMS Puma nach Port Stanley, da eine Gruppe von argentinischen Privatleuten eine Scheininvasion der britischen Kolonie durchgeführt hatte. Der Konflikt wurde durch Verhandlungen beigelegt.

Guatemala 1972[Bearbeiten]

Der Flugzeugträger HMS Ark Royal (R09) wurde nach Britisch-Honduras (Belize) verlegt, um eine mutmaßliche guatemaltekische Invasion abzuwehren.

USA[Bearbeiten]

Erstmals verwendeten die USA die Kanonenbootpolitik 1815 im zweiten Barbareskenkrieg, als der Marineoffizier Stephen Decatur dem Dey von Algier mit einer schweren Kanonade der Stadt drohte und ihn zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages innerhalb von 48 Stunden zwang.

Japan 1853[Bearbeiten]

Perrys Schiffe bei der Rückkehr nach Japan, März 1854

Im Juli 1853 landeten vier Schwarze Schiffe unter dem Kommando von Commodore Matthew Perry in der japanischen Bucht von Edo, dem heutigen Tokio. Ende März 1854 kehrte Perry zur Konvention von Kanagawa mit sieben Schiffen nach Japan zurück und zwang dem Shōgun den sogenannten „Vertrag über Frieden und Freundschaft“ auf, der formelle diplomatische Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten begründete.

Paraguay 1859[Bearbeiten]

Eine amerikanische Marine-Expedition, bestehend aus 15 Kriegsschiffen mit zusammen 77 Geschützen, 1448 Seeleuten und 281 Marine-Infanteristen an Bord drang im Januar 1859 in das Gebiet des Río de la Plata ein und erzwang von der Regierung Paraguays eine Entschädigung von 10.000 $, da paraguayische Truppen am 1. Mai 1855 das gestrandete amerikanische Kriegsfahrzeug U.S.S. Water Witch beschossen hatten.

Venezuela 1899[Bearbeiten]

Im Januar 1899 reiste das 1894 eigens für den Dienst auf ostasiatischen Flüssen gebaute Kanonenboot USS Wilmington den Orinoko hinauf bis Ciudad Bolívar. An Bord befanden sich sowohl der amerikanische Gesandte für Venezuela, Francis B. Loomis, als auch der US-Militärattaché für Venezuela, Hauptmann Charles Collin. Neben wissenschaftlichen Zwecken diente die Fahrt auch dem "Zeigen der Flagge" sowohl gegenüber venezolanischen Politikern und Militärs als auch Großbritannien, das im Orinokogebiet eigene wirtschaftliche Interessen besaß. Den Militärs wurde bei jeder Gelegenheit die Feuerkraft der Colt-Maschinengewehre demonstriert, da nach Angaben des republikanischen Senators von Ohio, Joseph B. Foraker, in den letzten Jahren amerikanische Staatsbürger ungerecht behandelt worden wären. Es war die erste Reise eines US-amerikanischen Kriegsschiffs auf dem Orinoko.

USS Wilmington LOC det 4a05681

Kuba vor 1900[Bearbeiten]

1897 war das US-Kriegsschiff Maine in den Gewässern der damals spanischen Kolonie Kuba eingesetzt. Am 25. Januar 1898 ging es vor Havanna vor Anker, um durch seine Anwesenheit Druck auf die Spanier auszuüben.

Kuba 1902 bis 1959[Bearbeiten]

Zwischen 1902 und 1959 ankerten immer wieder US-Kriegsschiffe im Hafen von Havanna auf Kuba, um nicht genehme Regierungen abzusetzen oder wirtschaftspolitische Entscheidungen zugunsten der USA zu erzwingen (siehe hier).

Zur Unterstützung einer diplomatischen Mission des amerikanischen Sondergesandten Sumner Welles im Auftrag von Präsident Franklin D. Roosevelt wurden am 13. August 1933 zwei US-Kriegsschiffe nach Havanna entsandt. Vor der Küste ankerten weitere Einheiten mit US-Marines an Bord, um intervenieren zu können. Ziel der Mission war der Rücktritt von Präsident Gerardo Machado. Aufgrund des Drucks trat Machado zurück.

Vom September 1933 bis Ende Januar 1934 hielten sich Einheiten der amerikanischen Atlantikflotte, u.a. das Schlachtschiff USS Missouri, in kubanischen Gewässern auf, um Einfluss auf die Regierungsbildung in Kuba zu nehmen. Schließlich wurde Carlos Mendieta am 18. Januar 1934 als neuer Präsident vereidigt (Näheres hier).

Nicaragua[Bearbeiten]

Der leichte Kreuzer USS Denver (CL-16), ein Schwesterschiff der Cleveland (CL-19)

Am 13. Juli 1854 beschoss die Sloop USS Cyane die Hafenstadt Greytown (heute San Juan del Norte) und zerstörte den Ort vollständig, nachdem eine Schadenersatzforderung in Höhe von 24.000 $ wegen der Beleidigung eines amerikanischen Konsuls nicht gezahlt worden war (Bombardierung von Greytown).

Am 4. August 1925 forderte die pro-amerikanische, konservative Regierung Nicaraguas Einheiten der US Navy an, um eine Revolution zu verhindern. Daraufhin wurde USS Denver (C 14) nach Corinto an der Pazifikküste und USS Tulsa nach Bluefields an der Karibikküste beordert. Die Anwesenheit der beiden Kriegsschiffe konnte den Aufstand der liberalen Partei gegen die Regierung aber nicht verhindern.

Am 6. Mai 1926 landete der Kreuzer USS Cleveland (C 19) US-Marines in Bluefields an, um amerikanisches Eigentum und amerikanische Interessen im Bürgerkrieg zwischen den Liberalen und den Konservativen zu schützen. Aus dieser Aktion entwickelte sich indirekt eine Intervention der USA auf Seiten der konservativen Regierung gegen den aufständischen liberalen General Augusto César Sandino, die erst 1933 durch den Abzug der US-Truppen beendet wurde.

Am 11. April 1931 wurde die USS Asheville (PG-21) nach Puerto Cabezas an der Karibikküste entsandt, da nach der Reduzierung der US-Marines als Interventionstruppen lokale Unruhen ausgebrochen waren und das Eigentum amerikanischer und britischer Staatsbürger gefährdet erschien.

Argentinien 1936[Bearbeiten]

Am 1. Dezember 1936 lief der Kreuzer USS Indianapolis mit Präsident Franklin D. Roosevelt in Buenos Aires ein. Begleitet wurde der Kreuzer von der älteren USS Chester. Roosevelt nahm an einer interamerikanischen Tagung teil, auf der sich Argentinien gegen ein Interventionsrecht dritter Staaten in Lateinamerika einsetzte. Die argentinische Position wurde trotz der amerikanischen Demonstration angenommen.

Deutschland[Bearbeiten]

Deutsches Kanonenboot SMS Adler von 1883

Nachdem Preußen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine eigene Marine aufgebaut hatte, beteiligte es sich ebenfalls an militärischen Operationen gegen überseeische Länder. Diese Praxis wurde vom deutschen Kaiserreich ab 1871 übernommen, so zum Beispiel im Rahmen der so genannten Eisenstuck-Affäre 1876–78 in Nicaragua, des Konflikts um Samoa, des Boxeraufstandes 1900 in China oder der Zweiten Marokkokrise 1911 („Panthersprung nach Agadir“) als bekannteste Beispiele.

Weitere Fälle deutscher Kanonenbootpolitik[1]

Gefecht von Tres Forcas (spanisch: Drei Spitzen)/Marokko 1856[Bearbeiten]

Am 7. August nutzte der preußische Admiral Prinz Adalbert von Preußen ein Flottenmanöver der preußischen Marine im Atlantik, um ohne Absprache mit der Regierung auf eigene Faust ein Landungsunternehmen mit der Radkorvette Danzig an der marokkanischen Küste durchzuführen, wo 1852 die preußische Handelsbrigg Flora von den so genannten Rifkabylen überfallen worden war. Die Strafexpedition wurde zum Fiasko, als die Rifs unerwartet Verstärkung erhielten. Das ausgeschiffte Landungskorps musste sich fluchtartig zurückziehen. Das Unternehmen forderte auf preußischer Seite sieben Todesopfer. Unter den 20 Verletzten war auch der 16-jährige Seekadett Eduard (v.) Knorr, der 1884–1887 eine Schlüsselrolle bei der Beteiligung der Kaiserlichen Marine bei den deutschen Kolonialgründungen spielen sollte.

Eulenburg-Expedition (Preußische Ostasienexpedition) 1859–1862[Bearbeiten]

Für das Unternehmen war Graf Eulenburg ausdrücklich von Seiten der preußischen Regierung erlaubt worden, zur Durchsetzung von Handelsverträgen mit China, Japan und Siam militärische Gewalt anzuwenden. Eulenburg gelang jedoch der Abschluss der Verträge mit China und Japan 1861 ohne Gewaltandrohung.

Haiti 1872[Bearbeiten]

Am 13. Juni zwangen die beiden Korvetten SMS Vineta und SMS Elisabeth die haitianische Regierung in Port-au-Prince zur Bezahlung von Schulden eines deutschen Kaufmanns, indem zwei im Hafen liegende haitianische Kriegsschiffe besetzt wurden.

Demonstration des Panzer-Übungsgeschwaders vor Konstantinopel 1876[Bearbeiten]

Nachdem am 5. Mai 1876 in Thessaloniki anläßlich von Spannungen zwischen der muslimischen und christlichen Bevölkerung der französische Konsul Jules Moulin und der deutsche Konsul Henry Abbott in einer Moschee von einer aufgebrachten muslimischen Menschenmenge umgebracht wurden, ohne dass die osmanischen Behörden zu ihrem Schutz einschritten, entsandte die Reichsregierung das so genannte Panzer-Übungsgeschwader in die Ägäis, um ihre Forderungen nach einer Bestrafung der Täter und Schadensersatz für die Familien der Opfer durchzusetzen. Das Geschwader bestand aus den Panzerschiffen Kaiser, Deutschland, Friedrich Carl und Kronprinz, der Korvette Medusa, dem Aviso Pommerania und den Kanonenbooten Meteor und Comet. Geführt wurde es von Konteradmiral Karl Ferdinand Batsch. Es war das größte Geschwader, was bis zu diesem Zeitpunkt in der preußisch-deutschen Marine gebildet worden war. Im Juni hielt es sich vor der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel auf, um für die Durchsetzung der deutschen Forderungen zu demonstrieren. Nachdem diese erfüllt waren, wurde es Ende August des Jahres aufgelöst. Das Verfahren gegenüber der osmanischen Regierung wurde von Bismarck zwei Jahre später in der Eisenstuck-Affäre als Argument gegenüber der Durchsetzung der deutschen Forderungen gegenüber der nicaraguanischen Regierung genutzt.

Liberia/Westafrika 1881[Bearbeiten]

Die Korvette SMS Victoria zwang am 8. März mit Billigung der liberianischen Regierung die Einwohner des Dorfes Nana Kru zum Schadensersatz für die Plünderung des gestrandeten deutschen Dampfers Carlos.

Dahomey (heute Benin)/Westafrika 1882[Bearbeiten]

Vom 17. bis 21. August setzte die Korvette SMS Hertha beim König von Dahomey Schadensersatzansprüche wegen der Plünderung und Misshandlung der Besatzung des deutschen Handelsschiffs Erndte durch, das bei Kotonou gestrandet war.

Pfannenkrieg von Amoy, China 1882[Bearbeiten]

Die Kreuzerfregatte SMS Stosch und die Korvette SMS Elisabeth setzten am 29. Dezember 1882 im chinesischen Hafen Amoy Landungskorps aus und beschlagnahmen einen Posten Zuckersiedepfannen, die die chinesischen Behörden ihrerseits bei dem deutschen Kaufmann Kopp beschlagnahmt hatten. Hintergrund waren Zollstreitigkeiten.

Swatow 1883[Bearbeiten]

Am 28. April unterdrückte das Kanonenboot SMS Iltis eine so genannte fremdenfeindliche Bewegung der chinesischen Bevölkerung.

Sansibar 1885[Bearbeiten]

Im Hafen von Sansibar ging am 7. August 1885 ein deutsches Geschwader von fünf Kriegsschiffen vor Anker, um die Anerkennung der deutschen Oberhoheit über einen Teil der ostafrikanischen Küste durch den dortigen Sultan Barghash ibn Said zu erzwingen.

SMS Arcona

Venezuela 1892[Bearbeiten]

Die Kreuzerkorvette SMS Arcona erzwang in Macuta/Venezuela am 29. August 1892 Genugtuung für die Beleidigung der deutschen Flagge.

Marinemeuterei in Rio de Janeiro 1893/94[Bearbeiten]

Während eines Bürgerkriegs in Brasilien erzwang die Korvette SMS Arcona am 3. November 1893 in Rio de Janeiro die Herausgabe von sechs durch die Aufständischen beschlagnahmten Leichtern.

Marokko 1894[Bearbeiten]

Die Kreuzerfregatte SMS Irene erzwang 1894 in Casablanca/Marokko die Entschädigung für die Ermordung eines deutschen Kaufmanns. Ein Jahr später erzwangen das Küstenpanzerschiff SMS Hagen, der Kreuzer SMS Kaiserin Augusta, die Kreuzerfregatte Stosch und die Korvette SMS Marie in Tanger die Erfüllung deutscher Forderungen gegenüber dem Gesandten.

Kreta 1897[Bearbeiten]

Während eines Aufstands der christlichen Bevölkerung in Kreta gegen die osmanische Herrschaft setzte der Große Kreuzer Kaiserin Augusta am 25. Februar 1897 in La Canea (Chania) ein Landungskorps gegen die Aufständischen aus.

Haiti 1897[Bearbeiten]

Die Kreuzerfregatten Stein und Charlotte erzwangen am 6. Dezember 1897 in Port-au-Prince/Haiti eine Entschädigung für einen deutschen Staatsbürger, der angeblich ungerechtfertigt zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, und wegen der Beleidigung des deutschen Geschäftsträgers.

Markomannia-Zwischenfall Haiti 1902[Bearbeiten]

Im Kontext des haitianischen Bürgerkriegs durchsuchte das aufständische haitianische Kanonenboot Crete à Pierrot den deutschen Dampfer Markomannia. Die haitianische Regierung erklärte das Boot zum „Piratenschiff“, woraufhin es am 6. September 1902 im Hafen von Gonaïves von dem deutschen Kanonenboot SMS Panther vernichtet wurde. Die Besatzung hatte ihr Boot vorher verlassen. Allerdings blieb der haitianische Admiral Hammerton Killick an Bord und kam auf dem Schiff um. Seine Leiche wurde später aus dem halb versunkenen Wrack geborgen.

Frankreich[Bearbeiten]

  • Französische Kanonenboote operierten seit 1860 in chinesischen Gewässern, doch erst 1900 wurde eine ständige Flottille auf dem Jangtsekiang etabliert, die mit Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs existierte. Eingesetzt wurden die Kanonenboote Argus (1900–1914), Vigiliante (1900–1914), Olry (1901–1909), Ta Kiang (1901–1904), Doudart de Lagrée (1922–1939), Balny (1922–1939), Francis Garnier (1927–1939) und die Sloop Alerte (1922–1936).
  • Bizerta-Krise, Juli 1961: Der tunesische Staatspräsident Habib Bourguiba forderte im Juli 1961 die Räumung der französischen Militärbasis Bizerta in dem seit 1956 unabhängigen Land. Tunesisches Militär installierte eine lockere Blockade der Basis. Kurz darauf griff ein französischer Flottenverband an und beschoss die Stadt. Stark überlegene französische Truppen landeten und nahmen die Stadt ein; es gab mehrere hundert Tote, fast ausschließlich auf tunesischer Seite. Erst im Herbst 1963 verließen nach Abschluss eines Übereinkommens die letzten französischen Soldaten Bizerta.
  • 21. Februar 1963: Der französische Zerstörer Tartu wurde an die brasilianische Nordostküste entsandt, da dort von der brasilianischen Marine drei französische Fischkutter unter dem Vorwurf aufgebracht worden waren, brasilianische Hoheitsrechte verletzt zu haben. Die brasilianische Marine lief mit einem Kreuzer, fünf Zerstörern und zwei Korvetten ebenfalls in dieses Seegebiet aus, woraufhin die Tartu zurückgezogen wurde.

Niederlande[Bearbeiten]

Am 5. April 1960 droht die niederländische Regierung der indonesischen Regierung mit der Entsendung eines Flottenverbandes, bestehend aus dem Flugzeugträger Hr. Ms. Karel Doorman (R81) und zwei Zerstörern, in die Gewässer der niederländischen Kolonie Neu-Guinea, um indonesische Angriffe auf ihr Territorium zu verhindern. Daraufhin kommt es zu Übergriffen auf niederländische Staatsangehörige in Indonesien. Am 15. Januar 1962 versuchen umgekehrt drei indonesische Einheiten, Insurgenten auf Neu-Guinea abzusetzen. Die niederländische Marine versenkt eines der Boote und zwingt die anderen beiden zur Flucht.

Japan[Bearbeiten]

  • Die japanische Kriegsmarine begann ihre Jangtsekiang-Tätigkeit erst nach dem Ende des Russisch-Japanischen Kriegs 1905. Sie setzte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Kanonenboote Uji, Fushimi, Sumida, Toba, Saga, Seta, Katada, Honzu, Hira, Futami, Atami, Ataka und Sumida ein. Diese Boote wurden auch während der Operationen im Chinesisch-Japanischen Krieg und im Zweiten Weltkrieg eingesetzt und bei Kriegsende von den Alliierten entweder abgewrackt oder den Nationalchinesen (Kuomintang) übergeben.

Italien[Bearbeiten]

  • 1920 begann die Regia Marina mit dem Kanonenboot Sebastiano Caboto eine eigene Jangtsekiang-Patrouille zu installieren. Sie wurde ab 1927 durch die Ermanno Carlotto und die Lepanto verstärkt. Während die Sebastiano Caboto kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Italien zurückkehrte, verblieben die übrigen beiden Kanonenboote bis 1938 in Schanghai. Sie wurden bei der italienischen Kapitulation durch die Besatzungen selbst versenkt, jedoch durch die Japaner gehoben und offenbar 1945 den Nationalchinesen übergeben.

Multinationale Operationen[Bearbeiten]

Vielfach beteiligten sich mehrere Mächte an einer Operation der Kanonenbootpolitik, wenn ihre Interessen gemeinsam betroffen waren.[1]

China 1876[Bearbeiten]

Im Mai 1876 internationale Flottendemonstration in China, an der von deutscher Seite aus die Gedeckten Korvetten Hertha und Vineta, die Kanonenboote Cyclop und Nautilus sowie die Kreuzerkorvetten SMS Ariadne und Luise beteiligt waren. Durch die Demonstration sollte die chinesische Regierung gezwungen werden, aktiv gegen das Seeräuberunwesen in chinesischen Gewässern vorzugehen. Als dem deutschen Gesandten in Peking entsprechende Zusagen gemacht wurden, wurde der Verband aufgelöst.

Türkei 1876[Bearbeiten]

Osmanisches Reich (Türkei) 1876: Im Juni 1876 fand vor Konstantinopel (Istanbul) eine internationale Flottendemonstration statt, an der von deutscher Seite aus ein Geschwader unter Konteradmiral Karl Ferdinand Batsch mit den Panzerfregatten Kaiser, Deutschland, Friedrich Carl und Kronprinz, der Glattdeckskorvette Medusa, dem Aviso Pommerania und den Kanonenbooten Meteor und Comet teilnahmen. Hintergrund war die Ermordung des französischen und des deutschen Konsuls im seinerzeit noch türkischen Saloniki. Die Regierung leistete Genugtuung.

Türkei 1922[Bearbeiten]

Britische, US-amerikanische, französische und italienische Einheiten, darunter Schlachtschiffe, liefen im Hafen von Smyrna (heutiger türkischer Name: İzmir) ein, wo sich griechische Truppen auf den Abzug nach Griechenland vorbereiteten. Die westlichen Staaten sicherten ihre eigenen Interessen und unterstützten die Evakuierung von ca. 200.000 griechischen Zivilisten nach Griechenland, bis die neuen türkischen Verwaltungskräfte die Ordnung in Smyrna garantieren konnten.

China 1923[Bearbeiten]

Britische, französische, italienische, japanische, portugiesische und US-amerikanische Marine-Einheiten liefen in den Hafen von Kanton ein, um die militärische Übernahme der internationalen Zolleinrichtungen durch die chinesische Regierung zu verhindern. Nachdem die chinesische Regierung diese Absicht gezwungenermaßen aufgegeben hatte, wurden die Schiffe im April 1924 wieder abgezogen.

Venezuela-Blockade 1902–1903[Bearbeiten]

Blockade Venezuelas, Gemälde von Willy Stöwer

Die Venezuela-Blockade (siehe auch Venezuelakrise) war neben der Intervention des Ostasiengeschwaders im chinesischen Boxeraufstand die größte Operation der Kaiserlichen Marine von der Reichsgründung bis zum Ersten Weltkrieg. Hintergrund war die Weigerung des Präsidenten Cipriano Castro, Altschulden der Vorgängerregierungen anzuerkennen. Daraufhin entschlossen sich Deutschland, das Vereinigte Königreich, Italien und zeitweise die Niederlande zu einer Intervention, während sich Castro gleichzeitig im Bürgerkrieg mit Aufständischen befand.

Als Castro am 7. Dezember 1902 einem Ultimatum zur Zahlung nicht nachkam, besetzten deutsche und britische Seestreitkräfte am 10./11. Dezember die venezolanischen Kriegsfahrzeuge. Das Kanonenboot Restaurador (die ehemals amerikanische Luxusyacht Atalanta) wurde unter deutscher Flagge unter Kapitänleutnant Titus Türk in Dienst gestellt. Da der britische Dampfer Topaze von den venezolanischen Behörden im Hafen von Puerto Cabello festgehalten wurde, beschossen der deutsche Große Kreuzer Vineta und der britische Kreuzer HMS Charybdis die Forts der Stadt. Am 20. Dezember begann die Blockade. Die Ostamerikanische Kreuzerdivision unter Kommodore Georg Scheder bestand, neben der Restaurador, aus dem Großen Kreuzer Vineta, den Kleinen Kreuzern Gazelle, Falke und Sperber, dem Kanonenboot Panther, den Kreuzerfregatten Stosch und Charlotte und dem Trossschiff Sibiria.

Am 4. Januar 1903 wurde Puerto Cabello von einem deutschen Landungskorps besetzt. Am 22. Januar 1903 kam es zu einem Gefecht zwischen der Panther und dem Fort San Carlos am Eingang des Golfs von Maracaibo. Am nächsten Tag wurde das Fort von der Vineta, der Gazelle und der Panther in Trümmer geschossen; die Anzahl der venezolanischen Opfer ist unbekannt. Nachdem die Regierung Castro, die zwischenzeitlich erfolgreich gegen die Aufständischen vorgegangen war, am 10. Februar 1903 die Begleichung der Schulden zusicherte, wurde die Blockade aufgehoben. Die Restaurador wurde den venezolanischen Behörden übergeben. Ihr Kommandant, Titus Türk, veröffentlichte bald darauf seine Memoiren unter dem Titel: 75 Tage an Bord des Kreuzers „Restaurador“ (2. Aufl. Lübeck 1905).

Panama 1959[Bearbeiten]

Im April 1959 unternahm der panamaische Politiker Roberto Arias (1918–1989), Ehemann der Ballerina Dame Margot Fonteyn de Arias, in Panama einen Umsturzversuch. Anfang des Monats erwarb er in Miami eine Jacht und segelte nach Kuba. Hier rekrutierte er eine gut achtzigköpfige Rebellentruppe; größtenteils ehemalige Mitkämpfer von Fidel Castro, und segelte auf der Majaré von Puerto Surgerido aus nach Panama. Am 19. April landete er in der Nähe von Nombre de Díos. Gleichzeitig erhoben sich in Panama einige hundert Anhänger von Arias, die jedoch von der Guardia Nacional festgenommen wurden. Das Unternehmen brach zusammen und Arias und seine Anhänger wurden kurzfristig inhaftiert. Bis heute ist unklar, ob Castro direkte Unterstützung für den Coup leistete. Vom 24. April bis zum 4. Mai 1959 überwachten U.S.-amerikanische und kolumbianische Marine-Einheiten die Karibikküste Panamas, um eine Landung von Verstärkungen der Insurgenten, die aus Kuba erwartet wurden, in Panama zu verhindern.

Auswirkungen und Ende der Kanonenbootpolitik[Bearbeiten]

Die Kanonenbootpolitik hatte nicht nur für die betroffenen Staaten überwiegend negative Auswirkungen. Auch die Großmächte erkannten die Nachteile, die dieses Vorgehen mit sich brachte. Die gewaltsame Durchsetzung der Interessen verhinderte die Bildung von Rechtssicherheit und bevorteilte den Stärkeren, der gerade mit Streitkräften vor Ort war. Dadurch waren die Großmächte gezwungen, in vielen Gebieten Seestreitkräfte zu unterhalten. Außerdem bestand stets das Risiko einer ungewollten Konfrontation untereinander.

Bereits mit den Haager Abkommen von 1907 wurde ein erster Schritt zum Ende der Kanonenbootpolitik unternommen. Dem dienten vor allem das I. Haager Abkommen betreffend die friedliche Erledigung von internationalen Streitfällen und das II. Haager Abkommen betreffend die Nichtanwendung von Gewalt bei Eintreibung von Vertragsschulden. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung des Völkerbundes war die Phase der Kanonenbootpolitik bis auf wenige Ausnahmen beendet.

Literatur[Bearbeiten]

  • N.N.: Die Vernichtung des haitianischen Rebellenkreuzers „Crete à Pierrot“ durch S.M.Kbt. „Panther“, in: Marine-Rundschau, 13. Jahrgang, 1902, S. 1189–1197.
  • Rheder: Die militärische Unternehmung S.M.S.S. „Charlotte“ und „Stein“ gegen Haiti im Dezember 1897, in: Marine-Rundschau, 41. Jahrgang, 1937, S. 761–765.
  • Hartmut Klüver (Hrsg.): Auslandseinsätze deutscher Kriegsschiffe im Frieden, Bochum 2003, ISBN 3-89911-007-2.
  • Gerhard Wiechmann: Die preußisch-deutsche Marine in Lateinamerika 1866–1914. Eine Studie deutscher Kanonenbootpolitik. Bremen 2002, ISBN 3-89757-142-0.
  • Gerhard Wiechmann: Die Königlich Preußische Marine in Lateinamerika 1851 bis 1867. Ein Versuch deutscher Kanonenbootpolitik. In: Sandra Carreras/Günther Maihold (Hrsg.): Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur (Europa-Übersee Bd. 12), Münster 2004, S. 105–144, ISBN 3-8258-6306-9.
  • Cord Eberspächer: Die deutsche Yangtse-Patrouille. Deutsche Kanonenbootpolitik in China im Zeitalter des Imperialismus. Bochum 2004, ISBN 3-89911-006-4.
  • James Cable: Gunboat Diplomacy: Political Applications of Limited Naval Forces, London 1971.
  • James Cable: Gunboat Diplomacy: Political Applications of Limited Naval Forces, 1919–1991, Basingstoke 1994.
  • Lester D. Langley: The Banana Wars. United States Intervention in the Caribbean, 1898–1934, Lexington, KY 1985.
  • Lester D. Langley/Thomas Schoonover: The Banana Men: American Mercenaries and Entrepreneurs in Central America, 1880–1930, Lexington, KY 1995, ISBN 978-0-81310-836-0.
  • David Healy: Gunboat Diplomacy in the Wilson Era. The U.S. Navy in Haiti 1915–1916, Madison, WIS 1976.
  • Kenneth J. Hagan: American Gunboat Diplomacy and the Old Navy 1877–1889, Westport/London 1973.
  • Willi A. Boelcke: „So kam das Meer zu uns.“ Die preußisch-deutsche Kriegsmarine in Übersee 1822–1914, Frankfurt a.M./Berlin (West)/Wien 1981.
  • Ekkehard Böhm: Überseehandel und Flottenbau. Hanseatische Kaufmannschaft und deutsche Seerüstung 1879–1902, Düsseldorf 1972.
  • Titus Türk: 75 Tage an Bord des Kreuzers „Restaurador“, 2. Aufl., Lübeck 1905.
  • Antony Preston/John Major: „Send a Gunboat!“ A study of the Gunboat and its role in British policy, 1854–1904, London 1967.
  • Antony Preston/John Major: „Send a Gunboat!“ The Victorian Navy and Supremacy at Sea, 1854–1914, Annapolis, MD 2007, ISBN 978-1-59114-818-0.
  • Albert Röhr: Deutsche Marinechronik, Oldenburg 1974.
  • Keith B. Bickel: Mars learning: The Marine Corp’s Developement of Small Wars Doctrine, 1915–1940, Boulder, CO 2000, ISBN 978-0-81339-775-7.
  • Andrew Graham-Yooll: Imperial Skirmishes: War and Gunboat Diplomacy in Latin America, Oxford 2002, ISBN 1-56656-448-4.
  • Russell Crandall: Gunboat Democracy: U.S. Interventions in the Dominican Republic, Grenada and Panama, Lanham, MD 2006, ISBN 978-0-74255-048-3.
  • Henning Krüger: Zwischen Küstenverteidigung und Weltpolitik. Die politische Geschichte der preußischen Marine 1848 bis 1867, Bochum 2008, ISBN 3-89911-096-X.
  • Duco Hellema: De Karel Doorman naar Nieuw-Guinea (Nederlands machtvertoon in de Oost), Amsterdam 2005.
  • Robert L. Scheina: Latin America’s Wars. Vol. 2: The Age of the Professional Soldier, 1900–2001, Dulles, VA 2003.
  • Bryan Perrett: Gunboat! Small ships at war, London 2000.
  • Alexander Krug: „Der Hauptzweck ist die Tötung von Kanaken“. Die deutschen Strafexpeditionen in den Kolonien der Südsee 1872–1914, Tönning u.a. 2005.
  • Deutsches Marine-Institut (Hg., Redaktion Dr. Heinrich Walle, Bonn): Der Einsatz von Seestreitkräften im Dienst der auswärtigen Politik, Herford 1983, enthält folgende Beiträge: Lennart Souchon: Seestreitkräfte und maritime Machtpolitik, eine Untersuchung zur Wechselwirkung von Seemacht und Außenpolitik, S. 12–31. Heinrich Walle: Das deutsche Kreuzergeschwader in Ostasien 1897 bis 1914; politische Absichten und militärische Wirkung, S. 32–60. Udo Gneiting: Die Rolle und die Bedeutung der Schulschiffe und Auslandsreisen der Reichsmarine, S. 61–75. Axel Schimpf: Der Einsatz von Kriegsmarineeinheiten im Rahmen der Verwicklungen des Spanischen Bürgerkrieges 1936 bis 1939, S. 76–103. Jürgen Bohr: Die Kuba-Krise 1962. Die maritimen Möglichkeiten und Erfolge einer modernen Seemacht, S. 104–118. Urs Heßling: Der Einsatz der sowjetischen Seestreitkräfte als Instrument der auswärtigen Politik (im Sinne Gorshkovs) in den letzten 15 Jahren, S. 119–136. Wilfried Hofmann: Die Rolle von Seestreitkräften in der Außenpolitik, S. 137–145.
  • Unterkapitel: Moderne Kanonenboot-Diplomatie, „Kräfteprojektion“ und Konventionelle Abschreckung, in: Beatrice Heuser: Den Krieg denken. Die Entwicklung der Strategie seit der Antike, Paderborn u.a. 2010, S. 321–324.
  • Hervé Barbier: Les canonnières françaises du Yang-tsé. De Shanghai à Chongqing (1900–1941), Paris 2004.
  • Konrad Lübbert: Vom Wiedererstarken deutscher Kanonenbootpolitik, in: Junge Kirche. Unterwegs für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, Nr. 54, 1993, S. 282–286.
  • Miriam Hood: Gunboat diplomacy, 1895–1905. Great power pressure in Venezuela, 2. Aufl. London 1983.
  • Walter Nuhn: Kolonialpolitik und Marine. Die Rolle der Kaiserlichen Marine bei der Gründung und Sicherung des deutschen Kolonialreiches, 1884–1914, Bonn 2002.
  • Henry J. Hendrix: Theodore Roosevelt’s Naval Diplomacy. The U.S. Navy and the Birth of the American Century, Annapolis, MD 2009
  • Robert L. Scheina: Latin America. A Naval History 1810–1987, Annapolis, MD 1987. ISBN 0-87021-295-8
  • Konteradmiral Scheder-Bieschin: Die Blockade von Venezuela 1902/03. Ein Gedenkblatt nach 25 Jahren, in: Marine-Rundschau, Bd. 32, 1927, S. 542–558.
  • Heinz Britsche: Kanonenbootpolitik, Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin, 1984.
  • Kapitänleutnant Jörg Ringe/Hauptmann Dr. Erich Vad: Kanonenbootpolitik – Eine Untersuchung zur Wechselwirkung von Sicherheitspolitik und der Projektion militärischer Macht, Hamburg (Jahresarbeit der Führungsakademie der Bundeswehr) Hamburg 1990.
  • Angus Kostam: Yangtze River gunboats 1900–49, Oxford/Long Island City, NY (Osprey Publishing Ltd.) 2011. ISBN 978-1-8490-8408-6
  • Heiko Herold: Reichsgewalt bedeutet Seegewalt. Die Kreuzergeschwader der Kaiserlichen Marine als Instrument der deutschen Kolonial- und Weltpolitik 1885 bis 1901 (Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 74, zugleich Phil. Diss. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), München (Oldenbourg Verlag) 2012. ISBN 978-3-486-71297-1
  • Captain Paul M. Simoes de Carvalho, U.S. Army Reserve: Gunboat Diplomacy on the Orinoco, in: Naval History, August 2003, S. 42-47. ISSN 1042-1920

Fiktionale Literatur[Bearbeiten]

  • Richard MacKenna: The sand pebbles, New York 1962. Deutsche Ausgabe: Das Kanonenboot vom Yangtse-Kiang, München 1977.
  • Hans Luckenwald: Die spanische Dublone. Mit drei Zeichnungen von Frithjof Koch, in: Köhler’s Flottenkalender 1940, S. 216–227.
  • Douglas Reeman: Send a Gunboat, London 1960.

Filme[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Die folgenden Beispiele entstammen dem Buch Albert Röhr: Deutsche Marinechronik, Oldenburg 1974

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]