Waibstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Waibstadt
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Waibstadt hervorgehoben
Koordinaten: 49° 18′ N, 8° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 172 m ü. NN
Fläche: 25,57 km²
Einwohner: 5659 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 221 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74915 (alt: 6923)
Vorwahl: 07263
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 091
Stadtgliederung: 2 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Hauptstraße 31
74915 Waibstadt
Webpräsenz:
Bürgermeister: Hans Wolfgang Riedel (CDU)
Lage der Stadt Waibstadt im Landkreis Rhein-Neckar-Kreis
Karte

Waibstadt ist eine Stadt mit etwa 5700 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört dem Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt und der Tourismusregion Brunnenregion an.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

[Bearbeiten] Lage und Naturraum

Waibstadt liegt im Schwarzbachtal im nördlichen Kraichgau, etwa 20 km südöstlich von Heidelberg und etwa 6 km nördlich von Sinsheim.

Die Gemarkung erstreckt sich über 2557 Hektar. Davon sind 15,1 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 54,1 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 29,6 Prozent sind bewaldet.[2]

Die Waibstädter Schwarzbachaue steht als natürliche Talaue mit Feuchtbiotopen und Wiesenflächen unter Naturschutz. Das Zwärenbrüchle in Daisbach ist als flächenhaftes Naturdenkmal eingestuft. Des weiteren hat Waibstadt Anteil an den Landschaftsschutzgebieten Neckarbischofsheimer Höhen, einer typischen Landschaft des Kraichgau-Hügellandes, und Elsenztal, die zum Naturpark Neckartal-Odenwald gehören.[3]

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Die Stadt grenzt im Nordwesten an Neidenstein, im Nordosten an Helmstadt-Bargen, im Osten an die Stadt Neckarbischofsheim, im Süden an die Stadt Sinsheim und im Westen an Zuzenhausen und Eschelbronn.

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Die Stadt Waibstadt besteht aus den beiden Stadtteilen Daisbach und Waibstadt. Die Stadtteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens, die offizielle Benennung des Stadtteils Daisbach lautet „Daisbach Stadt Waibstadt Rhein-Neckar-Kreis“.[4]

Zum Stadtteil Daisbach gehört das Gehöft Ursenbacherhof (Bleihof). Zum Stadtteil Waibstadt gehört die Siedlung Bernau.[5]

[Bearbeiten] Geschichte

„Brunnenweible“, das Wahrzeichen des Ortes
„Brunnenweible“, das Wahrzeichen des Ortes

Die erste urkundliche Erwähnung als Weibestat entstammt dem Jahre 795, es gibt allerdings Indizien dafür, dass es an derselben Stelle bereits in der römischen Zeit eine Siedlung gab. In der fränkischen Zeit wurde Waibstadt befestigt und bekam um 1200 von den Staufern das Stadtrecht. 1241 wurde Waibstadt im Reichssteuerverzeichnis als freie Reichsstadt erwähnt. Die Stadt und alle Dokumente wurden durch einen Stadtbrand vernichtet, worauf das Stadtrecht nach dem Vorbild von Wimpfen im Jahre 1347 von Kaiser Ludwig IV. bestätigt wurde.

Die meiste Zeit seiner Geschichte war Waibstadt vom Kaiser verpfändet, zunächst an das Hochstift Speyer, dann an die Herren von Helmstatt und lange Zeit an die Kurpfalz. Ab dem 17. Jahrhundert lag das Pfand wieder bei Speyer. Während des Dreißigjährigen Kriegs schlug Tilly sein Hauptquartier in Waibstadt auf. Nach dem Westfälischen Frieden bemühte sich die Stadt wiederholt erfolglos sich selbst auszulösen und wieder reichsunmittelbar zu werden. Der letzte Prozess wurde bis ins Jahr 1774 geführt.

Zum Teil im 17. Jahrhundert und endgültig im 19. Jahrhundert wurden die Stadtbefestigungen abgetragen. 1803 gelangte Waibstadt zu Baden und wurde Sitz eines eigenen Amtes. Bereits 1810 wurde es wieder aufgelöst und die Stadt dem Amt Neckarbischofsheim zugeordnet. Ab 1857 gehörte Waibstadt zum Bezirksamt Sinsheim. Nach eine großen Brandkatastrophe 1889 besuchte Großherzog Friedrich I. die Stadt.

1950 wurden die Stadtrechte fomell erneut verliehen. Am 1. Juli 1971 wurde Daisbach eingemeindet. Im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform wurde 1973 der Landkreis Sinsheim aufgelöst und die Stadt dem neugebildeten Rhein-Neckar-Kreis angegliedert. 1975 wurde der Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt gegründet. Das Wachstum der Stadt war begleitet von Infrastrukturmaßnahmen wie dem Bau der Realschule, einer Sport- und Schwimmhalle und der Erweiterung der Stadthalle. 1987 wurden erstmals mehr als 5000 Einwohner in Waibstadt gezählt.

Katholische Pfarrkirche Unserer lieben Frau
Katholische Pfarrkirche Unserer lieben Frau
Weil-Mausoleum beim jüdischen Friedhof
Weil-Mausoleum beim jüdischen Friedhof

[Bearbeiten] Religionen

Entsprechend der Zugehörigkeit zu Speyer war die überwiegende Mehrheit lange katholisch. 1933 stellten die Katholiken 91,7 Prozent der Einwohner. Heute gehört die katholische Pfarrgemeinde zum Dekanat Kraichgau des Erzbistums Freiburg und die evangelische Gemeinde zum Kirchenbezirk Kraichgau der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Juden lebten vereinzelt bereits seit dem Mittelalter in Waibstadt. Der Höchststand wurde 1884 mit 67 jüdischen Einwohnern erreicht. Anschließend setzte eine starke Abwanderung ein. Die 1847 erbaute Synagoge wurde 1925 das letzte Mal genutzt und 1938 an privat verkauft, wodurch sie den Zerstörungen der Novemberpogrome 1938 entging. Bei den Deportationen in der NS-Zeit kamen von den 1933 hier wohnenden acht Juden mindestens drei ums Leben[6]

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Die nachfolgende Auflistung fasst die Einwohner auf dem heutigen Gebietsstand zusammen und basiert auf den Volkszählungsergebnissen bzw. deren amtlichen Fortschreibungen.[7]

  • 1871: 2.563
  • 1910: 2.554
  • 1939: 2.402
  • 1950: 4.002
  • 1961: 3.899
  • 1970: 4.696
  • 1980: 4.840
  • 1990: 5.268
  • 2001: 5.751
  • 2007: 5.659

[Bearbeiten] Politik

Rathaus in Waibstadt
Rathaus in Waibstadt

[Bearbeiten] Gemeinderat

Der Gemeinderat besteht aus 14 Mitgliedern und wird alle fünf Jahre direkt gewählt. Die beiden Stadtteile bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, wodurch elf Räte vom Stadtteil Waibstadt und drei von Daisbach gestellt werden. Darüber hinaus ist in Daisbach ein eigener Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet. Bei der Gemeinderatswahl 2004 gab es folgendes Ergebnis:

Gemeinderat 2004
Partei Prozent Sitze
CDU 64,4 % 10
SPD 19,0 % 2
WWG 16,6 % 2
Wahlbeteiligung: 58,2 %

[Bearbeiten] Bürgermeister

Der Bürgermeister wird für acht Jahre direkt gewählt. Seit 1985 amtiert Hans Wolfgang Riedel.

Bisherige Gemeindeoberhäupter:

  • 1867–1893: Carl Ludwig Völker
  • 1893–1899: Karl Wittmann
  • 1899–1926: August Wacker
  • 1926–1936: Karl Spiegel
  • 1936–1945: Eugen Laule
  • 1945–1946: Eduard Spiegel
  • 1948–1958: Karl Spiegel
  • 1958–1978: Karl Eiermann
  • 1978–1985: Gerhard Epp
  • seit 1985: Hans Wolfgang Riedel

[Bearbeiten] Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Gold ein rot bewehrter und rot bezungter schwarzer Adler. Das Wappen geht auf ein Siegel aus dem Jahr 1337 zurück. Es zeigt den für Reichsstädte üblichen Reichsadler. Die Flagge ist Schwarz-Gelb und wurde 1962 vom Innenministerium verliehen.[8]

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

Marienkapelle
Marienkapelle
Gasthaus Adler
Gasthaus Adler
Conditorei
Conditorei

[Bearbeiten] Bauwerke

Das Wahrzeichen des Ortes ist das „Brunnenweible“, eine nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruierte Brunnenfigur, die der Legende nach ein deutscher Kaiser im 12. Jahrhundert als Dank für ein geglücktes Versteck in Waibstadt gestiftet haben soll.

Die neogotische katholische Pfarrkirche Unserer lieben Frau aus dem Jahre 1868, deren Turm weit über den Altort ragt, gilt als das höchste Kirchengebäude im Kraichgau. Der 65 m hohe Turm ist aus für den vorderen Odenwald regionaltypischem rotem Sandstein. Im Inneren der Kirche befindet sich eine schmuckvolle historische Kanzel. Auch die Marienkapelle ist komplett aus rotem Sandstein erbaut. Auf der Anhöhe hinter der Kapelle befindet sich noch die neugotische Evangelische Kirche von 1910.

In der Ortsmitte befinden sich zahlreiche Fachwerkhäuser und historische Wirtschaftshöfe. Neben bäuerlichen Anwesen darunter auch Geschäftshäuser längs der Ortsstraße, wie die historische Brauerei und Gaststätte „Adler“ bei der Pfarrkirche und die trutzige ehemalige Conditorei von 1908. Von der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert sind nur wenige Reste erhalten.

Im Ort sind mehrere historische Kruzifixe und Marienstatuen erhalten. Kreuze datieren u.a. von 1736 und 1829, außerdem ist eine knapp lebensgroße Maria Immaculata sowie ein historischer Marienaltar vorhanden.

Der östlich oberhalb des Ortes befindliche große historische Judenfriedhof wurde 1648 angelegt und war Verbandsfriedhof von bis zu 19 jüdischen Gemeinden der Umgebung. Das direkt am Friedhof befindliche Mausoleum von Hermann Weil wurde 1924 erbaut.

Im Ortsteil Daisbach befindet sich die Ruine des Daisbacher Schlosses, das 1366 erstmals als Besitz der Herren von Venningen erwähnt, 1627 durch einen Brand zerstört und 1730 teilweise wieder aufgebaut wurde. Seit 1991 wird die Ruine von der Bürgerschaft restauriert.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

Der neoklassizistische Bahnhof
Der neoklassizistische Bahnhof

[Bearbeiten] Verkehr

Waibstadt liegt direkt an der Bundesstraße 292. Über diese erreicht man in 7 km Entfernung die Bundesautobahn 6, Anschlussstelle Sinsheim.

Waibstadt liegt an der Schwarzbachtalbahn (MeckesheimAglasterhausen), die gemeinsam mit der Elsenztalbahn elektrifiziert und in das Netz der S-Bahn RheinNeckar aufgenommen werden soll. Dadurch entstehen umsteigefreie Verbindungen nach Heidelberg und Mannheim. Außerdem ist die Stadt durch Buslinien mit Sinsheim verbunden. Waibstadt gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

[Bearbeiten] Medien

Über das lokale Geschehen berichtet die Rhein-Neckar-Zeitung. Das Nachrichtenblatt des Gemeindeverwaltungsverbandes Waibstadt erscheint wöchentlich.

[Bearbeiten] Behörden und Einrichtungen

Waibstadt ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbands Waibstadt, dem Epfenbach, Helmstadt-Bargen, Neckarbischofsheim, Neidenstein und Reichartshausen angehören. Er betreibt im ehemaligen städtischen Krankenhaus Waibstadt ein Altenpflegeheim.

Bis 2007 war die Stadt Sitz des Dekanats Kraichgau des Erzbistums Freiburg.

[Bearbeiten] Bildung

In Daisbach befindet sich eine Grundschule. In Waibstadt gibt es eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule und eine Realschule. Weiterführende Schulen können in Neckarbischofsheim und Sinsheim besucht werden. Die Stadt betreibt in Daisbach und Waibstadt Büchereien.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahlen
  2. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 31. Dezember 2004
  3. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
  4. Hauptsatzung der Stadt Waibstadt vom 6. November 2001
  5. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 416–417
  6. Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum: Waibstadt
  7. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  8. Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 121

[Bearbeiten] Literatur

  • 1200 Jahre Waibstadt: Beiträge zur Geschichte der ehemals freien Reichsstadt. Waibstadt 1995
  • Adolf M. Hirn, Gabriele Süskind (Red.), Jürgen Schütz (Hrsg.): Der Rhein-Neckar-Kreis. Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0597-3

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
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