Waibstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Waibstadt
Waibstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Waibstadt hervorgehoben
49.29758.92172Koordinaten: 49° 18′ N, 8° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 172 m ü. NHN
Fläche: 25,57 km²
Einwohner: 5607 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 219 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74915
Vorwahl: 07263
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 091
Stadtgliederung: 2 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 31
74915 Waibstadt
Webpräsenz: www.waibstadt.de
Bürgermeister: Joachim Locher (parteilos)
Lage der Stadt Waibstadt im Rhein-Neckar-Kreis
Bayern Hessen Rheinland-Pfalz Heidelberg Heilbronn Landkreis Heilbronn Landkreis Karlsruhe Mannheim Neckar-Odenwald-Kreis Eberbach Altlußheim Angelbachtal Bammental Brühl (Baden) Dielheim Dossenheim Eberbach Eberbach Eberbach Edingen-Neckarhausen Edingen-Neckarhausen Epfenbach Eppelheim Eschelbronn Gaiberg Heddesbach Heddesheim Heiligkreuzsteinach Helmstadt-Bargen Hemsbach Hirschberg an der Bergstraße Hockenheim Ilvesheim Ketsch Ladenburg Laudenbach (Bergstraße) Leimen (Baden) Leimen (Baden) Lobbach Malsch (bei Wiesloch) Mauer (Baden) Meckesheim Mühlhausen (Kraichgau) Neckarbischofsheim Neckargemünd Neidenstein Neulußheim Nußloch Oftersheim Plankstadt Rauenberg Reichartshausen Reilingen Sandhausen St. Leon-Rot Schönau (Odenwald) Schönbrunn (Baden) Schriesheim Schwetzingen Schwetzingen Sinsheim Spechbach Waibstadt Walldorf (Baden) Weinheim Weinheim Wiesenbach (Baden) Wiesloch Wilhelmsfeld ZuzenhausenKarte
Über dieses Bild

Waibstadt ist eine Stadt mit etwa 5700 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört dem Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt und der Tourismusregion Brunnenregion an.

Geographie[Bearbeiten]

Lage und Naturraum[Bearbeiten]

Waibstadt liegt im Schwarzbachtal im nördlichen Kraichgau, etwa 20 km südöstlich von Heidelberg und etwa 6 Kilometer nördlich von Sinsheim.

Die Gemarkung erstreckt sich über 2557 Hektar. Davon sind 15,1 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 54,1 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 29,6 Prozent sind bewaldet.[2]

Die Waibstädter Schwarzbachaue steht als natürliche Talaue mit Feuchtbiotopen und Wiesenflächen unter Naturschutz. Das Zwärenbrüchle in Daisbach ist als flächenhaftes Naturdenkmal eingestuft. Des Weiteren hat Waibstadt Anteil an den Landschaftsschutzgebieten Neckarbischofsheimer Höhen, einer typischen Landschaft des Kraichgau-Hügellandes, und Elsenztal, die zum Naturpark Neckartal-Odenwald gehören.[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Stadt grenzt im Nordwesten an Neidenstein, im Nordosten an Helmstadt-Bargen, im Osten an die Stadt Neckarbischofsheim, im Süden an die Stadt Sinsheim und im Westen an Zuzenhausen und Eschelbronn.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Waibstadt besteht aus den beiden Stadtteilen Daisbach und Waibstadt. Die Stadtteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens, die offizielle Benennung des Stadtteils Daisbach lautet „Daisbach Stadt Waibstadt Rhein-Neckar-Kreis“.[4]

Zum Stadtteil Daisbach gehört das Gehöft Ursenbacherhof (Bleihof). Zum Stadtteil Waibstadt gehört die Siedlung Bernau.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

„Brunnenweible“, das Wahrzeichen des Ortes

Die erste urkundliche Erwähnung als Weibestat entstammt dem Jahre 795, es gibt allerdings Indizien dafür, dass es an derselben Stelle bereits in der römischen Zeit eine Siedlung gab. In der fränkischen Zeit wurde Waibstadt befestigt und bekam um 1200 von den Staufern das Stadtrecht. 1241 wurde Waibstadt im Reichssteuerverzeichnis als freie Reichsstadt erwähnt. Die Stadt und alle Dokumente wurden durch einen Stadtbrand vernichtet, worauf das Stadtrecht nach dem Vorbild von Wimpfen im Jahre 1347 von Kaiser Ludwig IV. bestätigt wurde.

Die meiste Zeit seiner Geschichte war Waibstadt vom Kaiser verpfändet, zunächst an das Hochstift Speyer, dann an die Herren von Helmstatt und lange Zeit an die Kurpfalz. Ab dem 17. Jahrhundert lag das Pfand wieder bei Speyer. Während des Dreißigjährigen Kriegs schlug Tilly sein Hauptquartier in Waibstadt auf. Nach dem Westfälischen Frieden bemühte sich die Stadt wiederholt erfolglos sich selbst auszulösen und wieder reichsunmittelbar zu werden. Der letzte Prozess wurde bis ins Jahr 1774 geführt.

Zum Teil im 17. Jahrhundert und endgültig im 19. Jahrhundert wurden die Stadtbefestigungen abgetragen. 1803 gelangte Waibstadt zu Baden und wurde Sitz eines eigenen Amtes. Bereits 1810 wurde es wieder aufgelöst und die Stadt dem Bezirksamt Neckarbischofsheim zugeordnet. Ab 1857 gehörte Waibstadt zum Bezirksamt Sinsheim. Nach eine großen Brandkatastrophe 1889 besuchte Großherzog Friedrich I. die Stadt.

1950 wurden die Stadtrechte formell erneut verliehen. Am 1. Juli 1971 wurde Daisbach eingemeindet. Im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform wurde 1973 der Landkreis Sinsheim aufgelöst und die Stadt dem neugebildeten Rhein-Neckar-Kreis angegliedert. 1975 wurde der Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt gegründet. Das Wachstum der Stadt war begleitet von Infrastrukturmaßnahmen wie dem Bau der Realschule, einer Sport- und Schwimmhalle und der Erweiterung der Stadthalle. 1987 wurden erstmals mehr als 5000 Einwohner in Waibstadt gezählt.

Katholische Pfarrkirche Unserer lieben Frau
Weil-Mausoleum beim jüdischen Friedhof

Religionen[Bearbeiten]

Entsprechend der Zugehörigkeit zu Speyer war die überwiegende Mehrheit lange katholisch. 1933 stellten die Katholiken 91,7 Prozent der Einwohner. Heute gehört die katholische Pfarrgemeinde zum Dekanat Kraichgau des Erzbistums Freiburg und die evangelische Gemeinde zum Kirchenbezirk Kraichgau der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Juden lebten vereinzelt bereits seit dem Mittelalter in Waibstadt. Der jüdische Friedhof wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet und ist der größte jüdische Friedhof Badens. Der Höchststand wurde 1884 mit 67 jüdischen Einwohnern erreicht. Anschließend setzte eine starke Abwanderung ein. Die 1847 erbaute Synagoge wurde 1925 das letzte Mal genutzt und 1938 an einen Privatmann verkauft, wodurch sie den Zerstörungen der Novemberpogrome 1938 entging. Bei den Deportationen in der NS-Zeit kamen von den 1933 hier wohnenden acht Juden mindestens drei ums Leben[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die nachfolgende Auflistung fasst die Einwohner auf dem heutigen Gebietsstand zusammen und basiert auf den Volkszählungsergebnissen bzw. deren amtlichen Fortschreibungen.[7]

Jahr 1871 1910 1939 1950 1961 1970 1980 1990 2001 2007
Einwohner 2563 2554 2402 4002 3899 4696 4840 5268 5751 5659

Politik[Bearbeiten]

Rathaus in Waibstadt

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 14 Mitgliedern und wird alle fünf Jahre direkt gewählt. Die beiden Stadtteile bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, wodurch elf Räte vom Stadtteil Waibstadt und drei von Daisbach gestellt werden. Darüber hinaus ist in Daisbach ein eigener Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet. Bei der Gemeinderatswahl 2009 gab es folgendes Ergebnis:

Gemeinderat 2009
Partei Sitze
CDU 7
WWG 5
SPD 2

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für acht Jahre direkt gewählt. Bei der Wahl 2009 gewann Joachim Locher mit 97,72 Prozent der Stimmen. Bisherige Gemeindeoberhäupter:

  • 1867–1893: Carl Ludwig Völker
  • 1893–1899: Karl Wittmann
  • 1899–1926: August Wacker
  • 1926–1936: Karl Spiegel
  • 1936–1945: Eugen Laule
  • 1945–1946: Eduard Spiegel
  • 1948–1958: Karl Spiegel
  • 1958–1978: Karl Eiermann
  • 1978–1985: Gerhard Epp
  • 1985–2009: Hans Wolfgang Riedel
  • 2009-  : Joachim Locher

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Gold ein rot bewehrter und rot bezungter schwarzer Adler. Das Wappen geht auf ein Siegel aus dem Jahr 1337 zurück. Es zeigt den für Reichsstädte üblichen Reichsadler. Die Flagge ist Schwarz-Gelb und wurde 1962 vom Innenministerium verliehen.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Marienkapelle
Gasthaus Adler
Konditorei

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Wahrzeichen des Ortes ist das „Brunnenweible“, eine nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruierte Brunnenfigur, die der Legende nach ein deutscher Kaiser im 12. Jahrhundert als Dank für ein geglücktes Versteck in Waibstadt gestiftet haben soll.

Die neogotische katholische Pfarrkirche Unserer lieben Frau aus dem Jahre 1868, deren Turm weit über den Altort ragt, gilt als das höchste Kirchengebäude im Kraichgau. Der 65 m hohe Turm ist aus für den vorderen Odenwald regionaltypischem rotem Sandstein. Im Inneren der Kirche befindet sich eine schmuckvolle historische Kanzel. Auch die Marienkapelle ist komplett aus rotem Sandstein erbaut. Auf der Anhöhe hinter der Kapelle befindet sich noch die neugotische Evangelische Kirche von 1910.

In der Ortsmitte befinden sich zahlreiche Fachwerkhäuser und historische Wirtschaftshöfe. Neben bäuerlichen Anwesen darunter auch Geschäftshäuser längs der Ortsstraße, wie die historische Brauerei und Gaststätte „Adler“ bei der Pfarrkirche und die trutzige ehemalige Conditorei von 1908. Von der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert sind nur wenige Reste erhalten.

Im Ort sind mehrere historische Kruzifixe und Marienstatuen erhalten. Kreuze datieren u.a. von 1736 und 1829, außerdem ist eine knapp lebensgroße Maria Immaculata sowie ein historischer Marienaltar vorhanden.

Der östlich oberhalb des Ortes befindliche große jüdische Friedhof wurde nach 1648 angelegt und war ein Verbandsfriedhof von bis zu 19 jüdischen Gemeinden der Umgebung. Das direkt am Friedhof befindliche Mausoleum von Hermann Weil wurde 1924 bis 1927 erbaut. Es wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats Mai 2010“ ernannt.

Im Ortsteil Daisbach befindet sich die Ruine des Daisbacher Schlosses, das 1366 erstmals als Besitz der Herren von Venningen erwähnt, 1627 durch einen Brand zerstört und 1730 teilweise wieder aufgebaut wurde. Seit 1991 wird die Ruine von der Bürgerschaft restauriert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der neoklassizistische Bahnhof

Verkehr[Bearbeiten]

Waibstadt liegt direkt an der Bundesstraße 292. Über diese erreicht man in sieben Kilometer Entfernung die Bundesautobahn 6, Anschlussstelle Sinsheim.

Waibstadt liegt an der Schwarzbachtalbahn (MeckesheimAglasterhausen), die mit der Linie S 51 in das Netz der S-Bahn RheinNeckar eingegliedert ist. Dadurch bestehen umsteigefreie Verbindungen nach Heidelberg und Mannheim. Außerdem ist die Stadt durch Buslinien mit Sinsheim verbunden. Waibstadt gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In Waibstadt befindet sich eine Produktionsstätte des Erfrischungsgetränkeherstellers Emig.

Medien[Bearbeiten]

Über das lokale Geschehen berichtet die Rhein-Neckar-Zeitung. Das Nachrichtenblatt des Gemeindeverwaltungsverbandes Waibstadt erscheint wöchentlich.

Behörden und Einrichtungen[Bearbeiten]

Waibstadt ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbands Waibstadt, dem Epfenbach, Helmstadt-Bargen, Neckarbischofsheim, Neidenstein und Reichartshausen angehören. Er betrieb bis Mitte 2009 im ehemaligen städtischen Krankenhaus Waibstadt ein Altenpflegeheim.

Bis 2007 war die Stadt Sitz des Dekanats Kraichgau des Erzbistums Freiburg.

In Waibstadt befindet sich eine der Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes.

Bildung[Bearbeiten]

In Daisbach befindet sich eine Grundschule. In Waibstadt gibt es die Brunnenschule (Grundschule) und eine Realschule. Weiterführende Schulen können in Neckarbischofsheim und Sinsheim besucht werden. Die Stadt betreibt in Daisbach und Waibstadt Büchereien.


Literatur[Bearbeiten]

  • 1200 Jahre Waibstadt: Beiträge zur Geschichte der ehemals freien Reichsstadt. Waibstadt 1995
  • Adolf M. Hirn, Gabriele Süskind (Red.), Jürgen Schütz (Hrsg.): Der Rhein-Neckar-Kreis. Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0597-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 31. Dezember 2004
  3. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
  4. Hauptsatzung der Stadt Waibstadt vom 6. November 2001
  5. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 416–417
  6. Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum: Waibstadt
  7. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  8. Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 121

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Waibstadt – Quellen und Volltexte
 Commons: Waibstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien