1&1 Internet

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1&1 Internet SE
Logo
Rechtsform Societas Europaea
Gründung 1988
Sitz Montabaur, DeutschlandDeutschland Deutschland

Leitung

Branche Internetdienstanbieter
Website www.1und1.de

Die 1&1 Internet SE mit Sitz in Montabaur ist ein deutscher Internetdienstanbieter, der vor allem durch seine Webhosting- und DSL-Produkte bekannt wurde. Das Unternehmen gehört zum United-Internet-Konzern und wurde 1988 von Ralph Dommermuth gegründet.

Standort Montabaur, Luftaufnahme (2016)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte begann mit Gründung der 1&1 EDV-Marketing GmbH durch Ralph Dommermuth und Wendelin Abresch im Jahr 1988. Das Unternehmen positionierte sich zunächst als Dienstleister für Marketing und Werbung in elektronischen Medien. Auch Datex-J-Zugänge wurden angeboten.

Im Jahr 1992 schloss 1&1 eine Kooperation mit der Deutschen Telekom zur Vermarktung des bis dato vergleichsweise erfolglosen Online-Dienstes BTX. Aus dieser Zusammenarbeit ging der erste Online-Dienst von 1&1 hervor, über den sich Nutzer in das Internet einwählen können. 1&1 nutzte dabei die komplette Infrastruktur von T-Online, erst im Jahre 1996 startete 1&1 ein auf eigener Technik basierendes Angebot.[1]

Nachdem 1998 eine Beteiligung an der Schlund+Partner AG erworben und diese schrittweise auf 100 Prozent erhöht wurde, nahm 1&1 im Jahr 1999 ein neues Rechenzentrum in Karlsruhe in Betrieb. Mit der Übernahme von Schlund+Partner geht der Markteintritt im Webhosting einher.

Im Jahr 2000 wurde die United Internet AG gegründet, die als neue Muttergesellschaft der 1&1 Internet AG fungiert. Unterhalb des Teilkonzerns 1&1 wird das gesamte Zugangs- und Webhosting-Geschäft der Marken 1&1 sowie Schlund+Partner gebündelt.[1]

Seit dem Jahr 2001 bietet 1&1 neben Shared Hosting auch dedizierte Server an. Im Rahmen der CeBit 2002 wurde außerdem eine Kooperation mit Microsoft bekannt gegeben, aus der ein Hosting-Angebot auf Basis der .NET-Technologie hervorging.

United Internet übernahm 2005 das Internetportal Web.de, das mit dem Mailanbieter GMX zusammengeführt wurde und heute innerhalb des 1&1-Konzerns durch die 1&1 Mail & Media GmbH betrieben wird.[2]

Seit 2007 tritt 1&1 in Deutschland als Komplettanbieter von Telefon- und Internet-Anschlüssen auf. Dabei setzt das Unternehmen weiterhin auf das Netz der Deutschen Telekom, verwendet gleichzeitig aber auch die Infrastruktur der Telefónica Germany sowie QSC für die sogenannte letzte Meile.

Im Jahr 2010 schloss 1&1 eine Kooperation mit Vodafone und tritt seitdem auch als Mobilfunkanbieter auf. 2014 folgte ein weiterer Nutzungsvertrag mit E-Plus, sodass 1&1 nun seinen Mobilfunkkunden wahlweise Anschlüsse im D-Netz oder dem E-Netz anbietet.[3]

Die eine Zeitlang betriebene Strategie, die internationale Expansion durch die Gründung eigener Niederlassungen zu forcieren, wurde nach mäßigen Ergebnissen in Polen und Italien nicht weiterverfolgt. Stattdessen konzentrierte man sich nun auf die Übernahmen direkter Wettbewerber, so 2013 den spanischen Marktführer Arsys [4] und 2015 home.pl in Polen.[5] Zusammen mit der Übernahme von home.pl wurde auch ein möglicher Börsengang des Webhosting-Segments im Jahr 2017 thematisiert.

2016 beteiligte sich Warburg Pincus im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit 33,33 Prozent an der 1&1 Internet SE.[6]

Am 8. September 2017 übernahm die Drillisch AG 100 % an der 1und1 Telecommunication SE, im Gegenzug übernimmt United Internet die Mehrheit an der Drillisch AG.[7]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Stammsitz in Montabaur unterhält das Unternehmen in Deutschland Niederlassungen in Berlin, München, Zweibrücken und Karlsruhe, wobei der letztere der nach Mitarbeitern größte Standort ist.

Das Unternehmen begann um die Jahrtausendwende mit der internationalen Expansion. Dabei spielt die Beteiligung an Afilias eine Rolle, die eine herausgehobene Position bei der Einführung der Top-Level-Domain .info bietet, der ersten neuen gTLD seit der Einführung von .com in den 1980er Jahren. In der Einführungsphase von .info konnte 1&1 für rund ein Viertel aller Domainregistrierungen unterhalb der neuen gTLD auf seine Kunden vereinen.[1]

Seit dem Jahr 2000 ist das Unternehmen mit Niederlassungen in Großbritannien und Frankreich vertreten, seit 2003 auch in den Vereinigten Staaten. Außerdem ist das Unternehmen auf den Märkten in Italien, Österreich, Spanien, Kanada, Mexiko, Polen und auf den Philippinen aktiv.[8] Gemessen am Umsatz stellt die 1&1 Internet Inc. mit Sitz im Großraum Philadelphia (PA) die wichtigste Auslandsgesellschaft von 1&1 dar. Sie betreibt in den USA ein eigenes Rechenzentrum in Lenexa, Kansas.[9]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktpalette von 1&1 gliedert sich in die beiden Bereiche Internet-Access und Applications.[10]

Im Segment „Applications“ werden neben Shared-Hosting-Tarifen auch dedizierte und virtuelle Server sowie diverse E-Mail-Lösungen angeboten. Außerdem tritt 1&1 als Registrar von Domains auf, wobei die eigentliche Vergabe durch die Schwestergesellschaft InterNetX beziehungsweise deren US-Tochter PSI-USA Inc. erfolgt. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Anbieter Jimdo wurde ein Baukasten für Websites unter der Bezeichnung Do-It-Yourself-Homepage entwickelt. Ende 2009 beendeten Jimdo und der 1&1-Mutterkonzern United Internet die Zusammenarbeit.[11] Seitdem entwickelt 1&1 das Produkt international unter dem Namen MyWebsite eigenständig weiter.

Ebenfalls zum Segment Applications zählt die 1&1 Mail & Media GmbH, welche die E-Mail-Dienste und die Portale Web.de und GMX betreibt.[12] Unter der Firmierung 1&1 De-Mail GmbH bietet 1&1 De-Mail-Produkte sowohl für Privatkunden als auch als Businesslösung an.[13]

Im Segment Access offeriert 1&1 DSL- und Telefon-Anschlüsse sowie Sprach- und Daten-Tarife in mehreren Mobilfunknetzen.[14] Zu diesen Tarifen wird auch diverse Hardware angeboten wie Router oder Surf-Sticks. Diese Tarife sind jedoch nur in Deutschland erhältlich, im Ausland tritt 1&1 ausschließlich als Webhosting- und Mail-Provider auf.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen ist mit 3,73 Millionen DSL-Endkunden (Stand: 3. Quartal 2014) hinter der Deutschen Telekom und vor Vodafone die Nummer zwei bei der Vermarktung von Breitbandzugängen in Deutschland.[15] Die bis Juni 2007 vermarkteten DSL-Anschlüsse, die einen Telekom-Festnetzanschluss voraussetzen, werden entweder von der Telekom bereitgestellt oder durch Telefónica Germany mittels Line-Sharing (ausschließlich über ADSL2+) realisiert und unter dem Namen 1&1 DSL vertrieben. Mit der Integration von Voice over IP (2004), Video-on-Demand (1&1 in Kooperation mit Maxdome) und 1&1-Mobilfunk-Tarif (2007) in das DSL-basierte Bündelangebot wurde 1&1 zum Quadruple-Play-Anbieter. Die Zusammenarbeit mit Maxdome wurde zum 1. Januar 2012 eingestellt und die bestehenden Verträge in entsprechende DSL- und Telefonie-Bundle umgewandelt.

In einem DSL-Test des Magazins Connect von Juli 2015 kam 1&1 vor der Telekom auf Platz 1 und vermarktete dies in einem vergleichenden Werbespot. Die Telekom konterte mit einem Spot, der unter Berufung auf dieselbe Zeitschrift auf den schlechten Handyempfang beim Konkurrenten anspielte.[16][17][18]

Eine besondere Stärke von 1&1 im Vertrieb der Access-Produkte spielte stets das sogenannte Bundling. Dabei wird Hardware zusammen mit einem Anschlussvertrag vergünstigt angeboten. Bereits in den 1990er Jahren erzielte 1&1 gebrandete Hardware dadurch eine starke Verbreitung, beispielsweise das Modem „1&1 Speedster 14.400“.[19] Einen Meilenstein bildete die Zusammenarbeit mit dem Berliner Hersteller AVM, zu dessen größtem Kunden 1&1 avancierte, und deren DSL-Router unter der Produktbezeichnung „1&1 Homeserver“ vertrieben wird. Weitere Beispiele sind zwischen 2006 und 2010 das mobile E-Mail-Gerät 1&1 PocketWeb und das ursprünglich als Fernbedienung für das 2008 vorgestellte das 1&1 MediaCenter [20] konzipierte 1&1 SmartPad aus dem Jahr 2010. Durch hohe Einkaufsvolumen wird die Hardware in Zusammenhang bei Abschluss eines Vertragsabonnements meist zu vergleichsweise günstigen Konditionen angeboten.

Außenwirkung und Werbekampagne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Qualität der DSL-Access-Produkte stand zeitweise stark unter Kritik. In Umfragen von Computer Bild zur Leistung von DSL-Anbietern schnitt 1&1 mehrfach nur mit „ausreichend“ ab. In der Auswertung für Juli 2008 bis Juni 2009 wurde 1&1 nur 15. von 20 getesteten Anbietern,[21] in einer folgenden Auswertung 14. von 18 getesteten Anbietern.[22] Der schlechteste Einzelpunkt der Auswertung war hierbei zumeist der Kundenservice.

Ab Mitte 2009 investierte 1&1 einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in ein Qualitätsprogramm. Es umfasste neben einer kostenfreien Hotline und internen Prozessverbesserungen eine aufwändige Kommunikationskampagne.[23] Am ersten Weihnachtsfeiertag 2009 starteten zeitgleich ein neuer Social Media Support und eine TV-Kampagne.[24] Die TV-Kampagne wurde von der Agentur Jung von Matt mit Oskar-Preisträger Pepe Danquart umgesetzt und in den Medien sowie der Fachwelt stark diskutiert.[25] 1&1 wurde in den Werbespots durch Marcell D'Avis repräsentiert, der unter dem Titel Leiter Kundenzufriedenheit auftrat und eine persönliche Befassung mit den Anliegen der Kunden versprach. Dazu forderte er die Zuschauer auf, ihm eine E-Mail zu schreiben.[26] Seine tatsächliche Aufgabe im Unternehmen bestand darin, die in der Kritik stehenden Querschnittsfunktionen in der Zusammenarbeit der internen Abteilungen sowie der externen Dienstleister zu verbessern. Innerhalb der nächsten 24 Monate erhielt davis@1und1.de 845.000 E-Mails.[27] Die bis 2012 konzeptionell kaum veränderte TV-Werbung erreichte eine hohe Bekanntheit und stellte einen Wendepunkt in der Wahrnehmung des Unternehmens dar.

Bereits in einer Auswertung für 2010 verbesserte sich 1&1 auf Platz 11 von 15 getesteten Anbietern.[28] Im Jahr 2010 konnte sich 1&1 in Umfragen insgesamt bereits wieder im guten Mittelfeld platzieren[29] und im September 2012 ermittelte das Deutsche Institut für Service-Qualität 1&1 als zweitbesten Internetanbieter nach Vodafone Kabel Deutschland.[30] Bei der Leserumfrage der Zeitschrift Connect im Jahr 2015 schließlich erhielt 1&1 die beste Bewertung aller DSL-Anbieter in Bezug auf Kundenzufriedenheit und Preisgestaltung.[31] Im Jahr 2017 belegte 1&1 nach einer Studie des Nachrichtenmagazins FOCUS und der Unternehmensberatung forum! Mainz im Mobilfunksektor einen dritten Platz bei der Bewertung der Kundenzufriedenheit.[32]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: 1&1 Internet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Geschichte der 1&1 Internet AG. Abgerufen am 14. August 2012.
  2. Übernahme: GMX und Web.de wachsen zusammen 19. Mai 2005
  3. 1&1: Mobilfunk-Tarife jetzt auch im E-Plus-Netz. In: onlinekosten.de. 2. Juli 2014, abgerufen am 19. Februar 2016.
  4. United Internet übernimmt Webhoster Arsys. In: onlinekosten.de. 19. August 2013, abgerufen am 19. Februar 2016.
  5. United Internet kauft in Polen zu. In: Handelsblatt. 10. Juli 2015, abgerufen am 19. Februar 2016.
  6. WARBURG PINCUS BETEILIGT SICH IM RAHMEN EINER STRATEGISCHEN PARTNERSCHAFT AM GESCHÄFTSBEREICH „BUSINESS APPLICATIONS“ VON UNITED INTERNET. 9. November 2016, abgerufen am 9. November 2016 (deutsch).
  7. iq-optimize.de: Pressemeldungen Drillisch AG. Abgerufen am 9. Oktober 2017 (deutsch).
  8. Standorte der 1&1 Internet AG. Abgerufen am 14. August 2012.
  9. Inside 1&1's Giant Web Hosting Data Center. In: Information Week. 30. September 2008, abgerufen am 19. Februar 2016.
  10. Marke 1&1, Internetzugänge und Applikationen. Abgerufen am 19. Februar 2016.
  11. Wir waren jung und brauchten das Geld. Jimdo, abgerufen am 24. August 2014.
  12. Impressum. 1&1, abgerufen am 19. Februar 2016.
  13. Einfach wie E-Mail, sicher wie ein Brief. 1&1, abgerufen am 5. Januar 2014.
  14. Handy- und Smartphone-Tarife. 1&1, abgerufen am 22. September 2014.
  15. DSL Marktübersicht für das 3. Quartal 2014. Abgerufen am 4. Dezember 2014.
  16. Telekom vs. 1&1 – wer hat denn nun das bessere Netz? In: mobil-helden.de. 10. September 2015, abgerufen am 12. September 2015.
  17. Werbung: Telekom vs. 1&1. In: mobilenote.de. 6. September 2015, abgerufen am 12. September 2015.
  18. Bernd Theiss: Mobilfunk-Netztest 2014/2015: Welches ist das beste Handy-Netz in Deutschland? In: Connect. 3. Dezember 2014, abgerufen am 12. September 2015.
  19. Michael Frenzel: Horror: 2010 Internet so langsam wie 56k-Modem? 19. November 2010, abgerufen am 19. Februar 2016.
  20. Produktinformationen zu dem 1&1 IP-TV MediaCenter. 19. Februar 2016, abgerufen am 19. Februar 2016.
  21. Internet-Umfrage 2008–2009. In: ComputerBild. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  22. Internet-Umfrage 2009. In: ComputerBild. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  23. Marcell D'Avis: Vielen Dank für Ihre Anregungen. 3. Mai 2010, abgerufen am 19. Februar 2016.
  24. Marcell D'Avis, Leiter für Kundenzufriedenheit. 25. Dezember 2009, abgerufen am 19. Februar 2016.
  25. Lars Wienand: D' Avis: „Wir haben Farbe bekannt“. 25. Dezember 2009, abgerufen am 19. Februar 2016.
  26. Marcell D'Avis, Leiter für Kundenzufriedenheit bei 1&1: Wir bringen Ihren Anschluss zum Laufen. 25. Dezember 2009, abgerufen am 19. Februar 2016.
  27. 1&1: Wo Kundenservice einen Namen und ein Gesicht hat. In: Management Magazine. 23. November 2011, abgerufen am 19. Februar 2016.
  28. Internet-Umfrage 2010. In: ComputerBild. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  29. Studie DSL/Internetanbieter (Oktober 2010). Deutsches Institut für Service-Qualität, abgerufen am 14. August 2012.
  30. Studie Internetanbieter (29. Oktober 2012). Deutsches Institut für Service-Qualität, abgerufen am 9. Juni 2013.
  31. Zufriedenheit bei Festnetz-Kunden. In: Connect. 22. Juni 2015, abgerufen am 19. Februar 2016.
  32. Focus.de: Fanfocus Gegen Billig-Mobilfunker haben Vodafone und O2 keine Chance. Abgerufen am 11. Februar 2017.

Koordinaten: 50° 26′ 8″ N, 7° 48′ 44″ O