Anzio

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Anzio
Anzio (Italien)
Staat Italien
Region Latium
Metropolitanstadt Rom (RM)
Koordinaten 41° 27′ N, 12° 38′ OKoordinaten: 41° 26′ 50″ N, 12° 37′ 43″ O
Höhe m s.l.m.
Fläche 43,43 km²
Einwohner 57.951 (31. Dez. 2019)[1]
Fraktionen Anzio Colonia, Marechiaro, Cincinnato, Falasche, Villa Claudia, Lavinio Stazione, Lavinio Mare, Padiglione, Lido dei Gigli, Lido dei Pini
Postleitzahl 00042
Vorwahl 06
ISTAT-Nummer 058007
Bezeichnung der Bewohner Anziati
Schutzpatron Hl. Antonius von Padua
Website Anzio

Küste von Anzio

Anzio (lateinisch Antium) ist eine italienische Stadt, die zur Metropolitanstadt Rom in der italienischen Region Latium gehört. Sie hat 57.951 Einwohner (Stand 31. Dezember 2019).

Anzio

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage von Anzio in der Metropolitanstadt Rom

Anzio liegt 58 km südlich von Rom und 26 km westlich von Latina. Das Stadtzentrum liegt auf dem gleichnamigen Kap am Tyrrhenischen Meers. Nördlich schließt sich das Neubauviertel Anzio Colonia an. Es folgen entlang der Küste die Stadtteile Lido di Marechiaro, Lido delle Sirene, Lido di Cincinatto, Lavinio Lido di Enea, Lido dei Gigli und Lido dei Pini. Im Landesinneren als Teil der Pontinischen Ebene liegen die Stadtteile Miglioramento, Marechiaro, Villa Claudia, Falasche, Lavinio Stazione, Padiglione, Spadellata und Cavallo Morte. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von 0 bis 83 m s.l.m.

Die Strände Levante, Lido di Lavinia und Ponente sind mit der Blauen Flagge ausgezeichnet.[2]

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 3 (wenig gefährdet).[3]

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Ardea, Aprilia (LT) und Nettuno.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzio wird seit der Antike über die Via Ardeatina mit Rom verbunden. Heute ist jedoch die Strada Statale 207 Nettunense wichtiger, die die Stadt an die Strada Statale 148 Pontina in der Höhe von Aprilia anschließt.

Innerhalb der Stadt liegen die Bahnhöfe Anzio, Anzio Colonia, Marechiaro, Villa Claudia, Lavinio und Padiglione an der Regionalbahnstrecke FL8 Rom-Nettuno.

Von Anzio fahren Tragflügelboote zu den Pontinischen Inseln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In römischer Zeit war der Ort mit dem lateinischen Namen Antium ein beliebter Badeort, in dem vornehme Römer eine Villa besaßen. Dortige Ausgrabungen förderten wertvolle Kunstgegenstände zutage und belegen das hohe kulturelle Niveau der herrschenden Gesellschaftsschicht.

Antium war, bis zu ihrer Eroberung durch die Römer im Jahre 468 v. Chr., die Hauptstadt der Volsker. Der Sage nach wurde der Patrizier Coriolanus in Antium hingerichtet; auch Shakespeare lässt einige Szenen seiner Tragödie Coriolan hier spielen. Coriolanus übernahm hier die Volskische Macht. Nach dem letzten vergeblichen Aufstand (338 v. Chr.) wurde die Stadt geschleift. Die Kielsporne der Schiffe Antiums schmückten die Tribüne des Forum Romanum. Während des Bundesgenossenkrieges war Antium auf der Seite Sullas und wurde von den Truppen des Marius um 87 v. Chr. geplündert.

Später, gegen Ende der römischen Republik, wurde Antium ein Badeort der römischen Patrizier. Der Ort war nur eine Tagesreise von Rom entfernt, weit genug, um von der Aufruhr und den Unruhen in Rom Abstand zu bekommen, nahe genug, um bei Bedarf rasch wieder in Rom sein zu können. Als Cicero aus dem Exil zurückkehrte, sammelte er die verwüsteten Reste seiner Bibliotheken, in der Hoffnung, seine Schriftrollen seien dort in Sicherheit. Mächtige Römer ließen sich in Antium Villen am Meer bauen. Maecenas besaß in Antium eine Villa. Unter diesen Villen war die des Nero die berühmteste. Er ließ die alte Villa, in der Augustus von einer römischen Delegation zum pater patriae ernannt worden war, abreißen und am selben Ort eine größere bauen. Seine Villa wurde von allen Nachfolgern bis hin zu den Severern benutzt. Die Ruinen sind heute am Strand von Anzio zu besichtigen.

Im Mittelalter verfiel die Stadt. Im Jahr 1378 fand bei Anzio eine Seeschlacht statt, in der der venezianische Admiral Vettor Pisani die genuesische Flotte schlug.

Am 22. Januar 1944 landeten im Rahmen der Operation Shingle bei Anzio und östlich bei Nettuno amerikanische und britische Streitkräfte hinter den deutschen Linien in Mittelitalien; der verlustreiche Kampf um den von deutschen Truppen abgeriegelten Brückenkopf dauerte rund vier Monate (Ausbruch der Alliierten am 23. Mai 1944).

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tor Caldara
Überreste der Villa Neros, darunter die Grotten
Jahr 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011
Einwohner 1.562 3.449 5.340 7.025 10.685 22.927 33.497 36.952 49.790

Quelle ISTAT[4]

Ethnien und Migration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2019 lebten in Anzio 7493 nicht-italienische Staatsbürger, u. a. aus folgenden Ländern:[5]

  1. Indien Indien – 1732
  2. Rumänien Rumänien – 1567
  3. Pakistan Pakistan – 670
  4. Bulgarien Bulgarien – 640
  5. Marokko Marokko – 437
  6. Nigeria Nigeria – 229
  7. Tunesien Tunesien – 210
  8. Ukraine Ukraine – 200
  9. Brasilien Brasilien – 161
  10. Moldau Republik Moldau – 158

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Wahl vom 10. Juni 2018 wurde Candido De Angelis (Mitte-Rechts) zum neuen Bürgermeister gewählt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

eine Partnerschaft wird angestrebt mit

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner von Anzio gehören mehrheitlich der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft an. Die Stadt gehört zum Bistum Albano und hat elf Kirchengemeinden[9], unter anderem die der Basilika Santa Teresa del Bambino Gesù.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der Villa Adele ist das Museo dello Sbarco untergebracht, das die Landung der Alliierten 1944 in Anzio behandelt.
  • Im Museo Civico Archeologico sind archäologische Funde zu sehen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger Anzios ist unter anderem der Musiker Roger Waters, da sein Vater dort im Zweiten Weltkrieg auf Seite der Alliierten starb.[11]

Für Kritik sorgte 2021, dass in Anzio noch immer der faschistische Diktator Benito Mussolini Ehrenbürger ist, weswegen Edith Bruck den Friedenspreis der Stadt ablehnte.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Anzio – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2019.
  2. Blue Flag: Anzio-Levante (Memento vom 15. Juli 2014 im Internet Archive)
  3. Classificazione sismica | Dipartimento Protezione Civile. (Nicht mehr online verfügbar.) 4. Januar 2016, archiviert vom Original am 4. Januar 2016; abgerufen am 27. Mai 2022.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.protezionecivile.gov.it
  4. Statistiche demografiche ISTAT (Memento des Originals vom 27. November 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/demo.istat.it. Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2011.
  5. Demo-Geodemo. - Mappe, Popolazione, Statistiche Demografiche dell'ISTAT. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  6. Anzio, Partnerschaft mit dem Badeort am Tyrhennischen Meer. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  7. anziodiva.it: Anzio - gemellaggio con Spinazzola (Memento vom 6. Januar 2016 im Internet Archive)
  8. anzionettuno.com: Anzio-Polonia, un nuovo Gemellaggio (Memento vom 6. Januar 2016 im Internet Archive)
  9. Diözese Albano (italienisch), abgerufen am 20. Dezember 2015.
  10. Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien im Projekt Gutenberg-DE
  11. Wanted in Rome. 18. Februar 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  12. Auschwitz-Überlebende lehnt Friedenspreis ab. In: Jüdische Allgemeine. 3. November 2021, abgerufen am 5. November 2021.