Gestas (Pyrénées-Atlantiques)

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Gestas
Jeztaze
Gestas (Frankreich)
Gestas
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Oloron-Sainte-Marie
Kanton Le Cœur de Béarn
Gemeindeverband Communes du Béarn des Gaves
Koordinaten 43° 21′ N, 0° 53′ WKoordinaten: 43° 21′ N, 0° 53′ W
Höhe 77–194 m
Fläche 2,19 km2
Einwohner 63 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 29 Einw./km2
Postleitzahl 64190
INSEE-Code

Pfarrkirche Saint-Jean-Baptiste von Gestas

Gestas ist eine französische Gemeinde mit 63 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Oloron-Sainte-Marie (bis 2016: Arrondissement Bayonne) und zum Kanton Le Cœur de Béarn (bis 2015: Kanton Saint-Palais).

Der Name der Gemeinde lautet in der baskischen Sprache Jeztaze. Die Bewohner werden entsprechend Jeztaztar genannt.[1] Der Name in der gascognischen Sprache lautet Gestars.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestas liegt ca. 35 km nordwestlich von Oloron-Sainte-Marie in der historischen Provinz Béarn als Enklave der historischen Provinz Soule des französischen Baskenlands.

Umgeben wird der Ort von den Nachbargemeinden:

Tabaille-Usquain Montfort
Espiute Nachbargemeinden
Nabas Rivehaute

Gestas liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour und liegt am linken Ufer des Saison, einem Nebenfluss des Gave d’Oloron. Zwei Zuflüsse des Saison, der Ruisseau de Sabalot und der Ruisseau d’Usquain, strömen durch das Gebiet der Gemeinde.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestas gehört zur Soule, ist aber vom Gebiet des Béarn umgeben. Die Grundherrn von Gestas hatten einen Sitz in der der Ständeversammlung des Béarn und genossen gleichzeitig Privilegien der Soule, was nicht unumstritten war. Dennoch behielten sie diese Rechte bis zu einer Entschädigungszahlung im 17. Jahrhundert. Die Gemeinde wusste ihre natürliche Umgebung zu nutzen, indem im 18. Jahrhundert eine Papiermühle am Gave errichtet wurde. Im 20. Jahrhundert entwickelten sich industrielle Aktivitäten, indem eine Zeit lang eine Weberei und ein Sägewerk mit Tischlerwerkstatt betrieben wurde, bevor der Hauptwirtschaftszweig sich wieder auf Ackerbau und Viehzucht verlagerte.[4]

Die Karte von Cassini aus dem Jahre 1750 zeigt die Papiermühle am Gave und die Zugehörigkeit zur Soule.[5]

Toponyme und Erwähnungen von Gestas waren:

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Höchstständen der Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit über 220 Einwohnern reduzierte sich die Zahl bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1990er Jahren um insgesamt rund drei Viertel auf rund 60 Einwohner. Anschließend stabilisierte sich die Bevölkerungsgröße auf diesem Niveau.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2014
Einwohner 107 115 93 85 62 70 68 68 63
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[8] INSEE ab 2006[9][10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche, gewidmet Johannes dem Täufer. Sie ist im Laufe der Jahrhundertestark verändert worden, aber die Kirche ist zweifellos romanischen Ursprungs. Das einschiffige Langhaus endet in einer dreiseitigen Apsis. Auf der Westseite ragt ein Glockengiebel auf, an dem ein imposanter Turm angebaut ist. Dieser ist nachträglich aus regelmäßigem Mauerwerk bestehend aus kleinen Bruchsteinen errichtet, um einen Einsturz des Glockengiebels zu verhindern. Da mit seinem Bau der bisherige Eingang verdeckt wurde, wurde ein neuer seitlicher Eingang geschaffen. Spuren von Konsolen, dazu bestimmt, Hurden zu halten, sowie eine Bogenscharte in der Apsis bezeugen, dass die Kirche neben der sakralen auch mit einer Verteidigungsfunktion ausgestattet wurde. In der Folgezeit sind Fenster in den Turm eingesetzt worden, so dass sich das Pfarrhaus, später ein privates Wohnhaus, dort einrichten konnte. Die Wände der Kirche sind hauptsächlich aus Sichtmauerwerk mit kleinen Bruchsteinen gebaut, andere Partien zeigen durch ein inhomogenes Mauerwerk aus Kiesel- und Bruchsteinen die einfache Bauweise im Mittelalter. Im Chor, der heute ohne Tafelwerk bekleidet ist, befindet sich der Altar und der Tabernakel aus Holz. Im Zuge einer Restaurierung der Kirche ist der Chor mit zwei Glasfenstern aus dem Jahre 1932 verschönert, Werke des Glasmalers Arrencau aus Pau.[11][12]
  • Maison du Crestia. „Crestia“ heißt zwar „Christ“ in der okzitanischen Sprache, in der gascognischen Sprache bedeutet es aber „Cagot“. Cagots waren im gesamten Südwesten Frankreichs, insbesondere aber im Béarn, eine von der Gesellschaft ausgeschlossene Minderheit, deren Gründe immer noch unerklärlich sind. Die Cagots waren von zahlreichen Verboten und Besonderheiten betroffen, z. B. mussten sie die Kirche über einen separaten Eingang betreten, es gab eigene Weihwasserbecken und eigene Plätze im Hintergrund der Kirche. Cagots bewohnten dieses Haus vermutlich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.[13]
  • Ehemalige Papiermühle von Gestas, im 18. Jahrhundert am Ufer des Gave d’Oloron errichtet. Eine Wassermühle diente als Antrieb für den Betrieb. Als die Papiermühle im 20. Jahrhundert zu einem Sägewerk mit Tischlerei umgebaut wurde, wurde die Wassermühle durch Turbinen ersetzt, die die Wasserkraft des Flusses nutzten. Die Gebäude sind heute verlassen.[14]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ossau-Iraty

Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Gemeinde. Gestas liegt in den Zonen AOC des Ossau-Iraty, eines traditionell hergestellten Schnittkäses aus Schafmilch, sowie der Schweinerasse und des Schinkens „Kintoa“.[15]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2014[16]
Gesamt = 11

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestas ist erreichbar über die Routes départementales 23, 265 und 723.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gestas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lieux - toponymie: Jeztaze (Pettarra (-a)) (fr) Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  2. Gestas (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  3. Ma commune : Gestas (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  4. Conseil régional d’Aquitaine: Gestas (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  5. David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  6. Jean-Baptiste Orpustan: Nouvelle toponymie basque (fr) Universität Bordeaux. S. 231. 2006. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  7. Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 71. 1863. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  8. Notice Communale Gestas (fr) EHESS. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  9. Populations légales 2006 Commune de Gestas (64242) (fr) INSEE. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  10. Populations légales 2014 Commune de Gestas (64242) (fr) INSEE. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  11. Conseil régional d’Aquitaine: Église Saint-Jean-Baptiste (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  12. Conseil régional d’Aquitaine: Archère de l’église de Gestas (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  13. Conseil régional d’Aquitaine: Maison du Crestia (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  14. Conseil régional d’Aquitaine: Ancienne papeterie de Gestas (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  15. Institut national de l’origine et de la qualité (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  16. Caractéristiques des établissements en 2014 Commune de Gestas (64242) (fr) INSEE. Abgerufen am 7. Juni 2017.