Esquiule

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Esquiule
Eskiula
Esquiule (Frankreich)
Esquiule
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Oloron-Sainte-Marie
Kanton Oloron-Sainte-Marie-1
Gemeindeverband Communes du Pays d’Oloron et des Vallées du Haut Béarn
Koordinaten 43° 12′ N, 0° 42′ WKoordinaten: 43° 12′ N, 0° 42′ W
Höhe 190–661 m
Fläche 28,58 km2
Einwohner 537 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 19 Einw./km2
Postleitzahl 64400
INSEE-Code

Ortseingangsschild von Esquiule

Esquiule ist eine französische Gemeinde mit 537 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Sie gehört zum Arrondissement Oloron-Sainte-Marie und zum Kanton Oloron-Sainte-Marie-1 (bis 2015: Kanton Oloron-Sainte-Marie-Ouest).

Die Bewohner werden Esquiulais oder Esquiulaises genannt.[1] Der Name in der gascognischen Sprache lautet Esquiula.[2] Der Name der Gemeinde lautet in der baskischen Sprache Eskiula.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Esquiule liegt ca. 10 km westlich von Oloron-Sainte-Marie in der historischen Provinz Béarn.

Die höchste Erhebung im Gebiet der Gemeinde ist der Sommet de Cambillou (661 m).[4]

Umgeben wird der Ort von den Nachbargemeinden:

Géronce
Orin
Moumour
Barcus Nachbargemeinden Oloron-Sainte-Marie
Ance-Féas
Aramits

Esquiule liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour.

Zuflüsse des Gave d’Oloron durchströmen das Gemeindegebiet:

  • der Vert und sein Nebenfluss
    • Littos mit seinen Zuflüssen
      • Ruisseau Gorria und
      • Ruisseau Couéüs,
  • der Joos mit seinen Zuflüssen
    • Bouhatéko Erreka,
    • Ruisseau de Cambillou und
    • Josset.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besiedelung in der gallorömischen Zeit wird durch den Fund eines Geländes mit gekrümmten Abschnittswällen und einer elliptischen eingeebneten Fläche belegt.[6]

Dennoch kam es zur Gründung der Gemeinde erst im 15. Jahrhundert durch den Baron de Luxe, Grundherr von Tardets und Besitzer des Landstrichs. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ließ er die Jüngsten aus den baskischen Familien der historischen Regionen Soule und Nieder-Navarra herführen, um das Gebiet der heutigen Gemeinde zu erschließen. Dies erklärt die Fortdauer das baskischen Sprache auf diesem Teil des Béarn. 1444 erfolgte die erste Landvergabe durch den Baron de Luxe, 1535 wurde den Bewohnern Land, Häuser und Scheunen als ihr Besitztum anerkannt mit den Gegenleistungen einer kleinen jährlichen Abgabe und der Pflicht, das Mehl in der Mühle des Grundherrn mahlen zu lassen.[6][7]

Am Ende des 16. Jahrhunderts verloren die Barone de Luxe die Grundherrschaft, die an den Baron Guicharnaud de Mesplès aus Aren ging. Das Baronat verbleib bei seiner Familie bis zur Französischen Revolution, als Jean-César de Mesplès die Gemeinde als letzter Baron verließ. Seine Schwester verkaufte allen Besitz nach seinem Tod an einen reichen Kaufmann namens Lagarde. Als im Jahre 1790 die Départements eingerichtet wurden, wurde die Gemeinde dem Kanton Aramits zugeschlagen. Allerdings wollten die Bewohner, die sich weiterhin der baskischen Kultur zugehörig fühlten, dies nicht ohne Weiteres hinnehmen. Mit dem Referendum vom 23. Januar 1796 verlangten die Bürger die Aufnahme in den baskischen Kanton Barcus. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Mit der Gründung der Arrondissements am 17. Februar 1800 wurde der Kanton Aramits neu zugeschnitten und Esquiule wechselte in den Kanton Oloron-Sainte-Marie-Ouest. Die Zuordnungen bekräftigten die administrative Zugehörigkeit der Gemeinde zum Béarn.[6][7]

Toponyme und Erwähnungen von Esquiule waren

  • Esquiula, Squiule (1542, Manuskriptsammlung des 16. bis 18. Jahrhunderts),
  • Esquiulle (1548, Manuskriptsammlung des 16. bis 18. Jahrhunderts),
  • Esquieulle (1750, Karte von Cassini),
  • Esquiule (1793, Notice Communale) und
  • Esquieulle und Esquiule (1801, Notice Communale).[8][9][10]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Höchststand der Einwohnerzahl von über 1.500 Einwohnern am Ende des 18. Jahrhunderts hat sich die Zahl bei kurzen Wachstumsphasen bis zu den 1980er Jahren auf ein Drittel reduziert. Seitdem hat sich die Zahl der Bewohner auf einem Niveau von rund 500 stabilisiert.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2015
Einwohner 617 538 497 474 523 500 541 534 537
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 2006,[10] INSEE ab 2009[11]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche de l’Immaculée Conception
  • Pfarrkirche, gewidmet der Unbefleckten Empfängnis. Die Pfarrgemeinde wurde im 17. Jahrhundert von Barcus unabhängig und so wurde die erste Kirche in Esquiule im Jahre 1645 auf der Basis mehrerer durch die Gemeinde aufgenommenen Anleihen gebaut. Nachdem sie 1859 von einem Blitz getroffen worden war, wurde sie 1873 insgesamt als unzureichend und veraltet angesehen. Von 1874 bis 1879 wurden das Langhaus und der Chor neu errichtet. Der Glockenturm über dem Eingang wurde von 1882 bis 1885 gebaut. Das Tympanon über dem Haupteingang trägt das Datum 1885, das Jahr, in dem die neue Kirche geweiht wurde. Vor 1894 wurde die Malerei auf den Wänden und auf dem Gewölbe durch das Atelier des Pfarrers und Künstlers Xavier Montaut aus Oloron-Sainte-Marie realisiert. Das Langhaus hat ein Hauptschiff, flankiert von zwei Kapellen, die ein falsches Querschiff bilden. Emporen auf zwei Ebenen überragen auf drei Seiten das Kirchenschiff, wie in baskischen Kirchen üblich.[12][13]
  • Ruinen des ehemaligen Schlosses Jauréguia. Der Sohn von Guicharnaud de Mesples, der am Ende des 16. Jahrhunderts die Grundherrschaft von Esquiule erlangte, ließ um 1600 ein Schloss im Renaissancestil erbauen. Von der Anlage ist als intaktes Gebäudeteil nur der Treppenturm übrig geblieben, da die Baumaterialien der anderen Partien dazu verwendet wurden, das Schloss in Aren zu restaurieren. Das mit Efeu bewachsene Gebäude trägt eine Spindeltreppe mit einer Spindel aus Sandstein. Das ehemalige, heute nicht mehr vorhandene Wohnhaus bestand aus zwei Flügeln, die einen Turm umschlossen. Von der Kapelle sind nur die runde Apsis und hohe Fenster übrig geblieben.[14]
  • Verzierter Türsturz. Es gibt noch viele Häuser in Esquiule, die aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen, wie die Inschriften auf den Türstürzen belegt. In einem dieser Beispiele ist die Jahreszahl 1826 und die Inschrift „CASE NOVE“, neues Haus, auf einem rechteckigen Stein eingemeißelt. Außerdem sind in der Mitte ein lateinisches Kreuz, Symbol der katholischen Religion, und Motive in Form von Wellen und Blumen zu erkennen.[15]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ossau-Iraty

Landwirtschaft und Dienstleistungen sind wichtige Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde. Esquiule liegt in den Zonen AOC des Ossau-Iraty, eines traditionell hergestellten Schnittkäses aus Schafmilch, sowie der Schweinerasse und des Schinkens „Kintoa“.[16]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2014[17]
Gesamt = 59

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule.[18]

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Wanderweg von 10,7 km Länge mit einem Höhenunterschied von 520 m führt vom Ortszentrum zum Sommet de Cambillou. Der gleiche Weg kann auch mit dem Fahrrad oder mit dem Pferd durchgeführt werden.[19]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Esquiule ist erreichbar über die Routes départementales 24, 159 und 524.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Esquiule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pyrénées-Atlantiques Gentilé (fr) habitant.fr. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  2. Esquiule (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  3. Lieux - toponymie: Eskiula (Zuberoa) (fr) Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  4. géoportail - Esquiule (fr) Institut national de l’information géographique et forestière. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  5. Ma commune : Esquiule (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  6. a b c Esquiule (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  7. a b Esquiule Histoire du village (fr) Gemeinde Esquiule. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  8. Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 62. 1863. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  9. David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  10. a b Notice Communale Esquiule (fr) EHESS. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  11. Populations légales 2014 Commune d’Esquiule (64217) (fr) INSEE. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  12. Conseil régional d’Aquitaine: Église de l’Immaculée Conception (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  13. église paroissiale de l’Immaculée-Conception (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  14. Conseil régional d’Aquitaine: Ruines de l’ancien château Jauréguia (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  15. Conseil régional d’Aquitaine: Linteau de porte sculpté dans le village d’Esquiule (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  16. Institut national de l’origine et de la qualité (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  17. Caractéristiques des établissements en 2014 Commune d’Esquiule (64217) (fr) INSEE. Abgerufen am 18. Mai 2017.@1@2Vorlage:Toter Link/www.insee.fr (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  18. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  19. La porte du Pays Basque (fr, PDF) Tourismusbüro des Piémont Oloronais. Abgerufen am 18. Mai 2017.