Pardaillan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Pardaillan
Pardaillan (Frankreich)
Pardaillan
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Lot-et-Garonne
Arrondissement Marmande
Kanton Les Coteaux de Guyenne
Gemeindeverband Pays de Duras
Koordinaten 44° 40′ N, 0° 17′ OKoordinaten: 44° 40′ N, 0° 17′ O
Höhe 34–134 m
Fläche 19,71 km2
Einwohner 307 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 16 Einw./km2
Postleitzahl 47120
INSEE-Code

Bürgermeisteramt (Mairie) von Pardaillan

Pardaillan ist eine französische Gemeinde mit 307 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Lot-et-Garonne in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Marmande und zum Kanton Les Coteaux de Guyenne (bis 2015: Kanton Duras).

Der Name der mittelalterlichen Burg verlieh der Gemeinde ihren Namen. Der erste Name der Pfarrgemeinde lautete Notre-Dame-de-Gabirac nach einem Anwesen, das einem gewissen Gabrius gehörte.[1]

Die Einwohner werden Pardaillannais und Pardaillannaises genannt.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pardaillan liegt ca. 20 Kilometer nordöstlich von Marmande in der historischen Provinz Agenais am nordwestlichen Rand des Départements.

Umgeben wird Pardaillan von den acht Nachbargemeinden:

Duras Saint-Sernin Saint-Jean-de-Duras
Auriac-sur-Dropt Nachbargemeinden La Sauvetat-du-Dropt
Monteton
Allemans-du-Dropt
Moustier

Pardaillan liegt im Einzugsgebiet des Flusses Garonne.

Der Dropt, ein Nebenfluss der Garonne, bildet die natürliche Grenze zu der südlichen Nachbargemeinde Monteton. Der Rieutord entspringt in Pardaillan, verläuft an der Grenze zur südöstlichen Nachbargemeinde Moustier und mündet an der Grenze zu Allemans-du-Dropt in den Dropt. Der Ruisseau de Malromé ist ein weiterer Nebenfluss des Dropt und durchquert das Gebiet der Gemeinde von Nord nach Süd.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Urgeschichte hat keine Spuren in Pardaillan hinterlassen. Um sich gegen die Invasionen der Normannen zu wehren wurde im 10. Jahrhundert wie in vielen Orten im der Umgebung eine Burg errichtet. Das Dorfzentrum, das heute le Vieux Bourg heißt, entwickelte sich rund um die Burg. Der Seigneur war Raymond III. de Ségur, dessen Nachfolger sich in Allemans niederließen, wo sie dort ein behaglicheres Schloss bauten. Die Pfarrkirche, die heute Maria, der Mutter Jesu, geweiht ist, bildete den Ursprung des heutigen Zentrums der Gemeinde.

Im 16. Jahrhundert konvertierte ein großer Teil der Bewohner zum Calvinismus, da der Seigneur selbst Protestant war. Pardaillan erfuhr bis zum 18. Jahrhundert und sogar während der Französischen Revolution eine starke Entwicklung und wirtschaftliche Blüte durch zahlreiche Kaufleute.[1][4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen Höchststand von rund 1.070. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1970er, als sie sich bis heute auf einem Niveau von rund 320 Einwohnern stabilisieren konnte.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2011 2016
Einwohner 418 357 318 325 316 312 314 333 307
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 2006,[5] INSEE ab 2011[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Notre-Dame

Pfarrkirche Notre-Dame[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Priorat der Benediktiner namens Prior de gasco prope Pardalianum ließ sich im Mittelalter in der Pfarrgemeinde nieder. Die Kapelle des Priorat stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde später die Pfarrkirche des Dorfs.

Im gotischen Style flamboyant errichtet, besitzt sie den Grundriss in der Form eines lateinischen Kreuzes. Ihr Querschiff, das im Osten und Süden abgeschlossen ist, dient als Altarraum. Während der Hugenottenkriege erlitt die Kirche umfangreiche Beschädigungen. Der Chor und die Seitenkapelle wurden vollständig zerstört, während das Langhaus und die Gewölbe in Teilen demoliert wurde. Allein die nördliche Kapelle behielt ihre Deckentäfelung.

Das Gebäude wurde in den folgenden Jahrhunderten restauriert. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Eingangsportal vollständig umgestaltet. Im 19. Jahrhundert wurde eine Sakristei angebaut. Zur gleichen Zeit wurde der Glockenturm abgerissen, der zu zerfallen drohte. Diese Arbeiten dauerten bis 1880. Parallel dazu wurde die Inneneinrichtung durch einen Marmoraltar, eine Marienstatue aus vergoldetem Holz, Kronleuchter und Kandelaber erweitert.[7]

Kirche Saint-Front[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kleine romanische Kirche im gleichnamigen Weiler Saint-Front war ursprünglich eine Pfarrkirche. Im 19. Jahrhundert wurde die Gemeinde jedoch eine Zweiggemeinde von Pardaillan. Das Gebäude ist von relativ kleiner Größe und birgt ein einfaches Kirchenschiff mit einer Gipsdecke. Ein Glockengiebel überragt das Langhaus. Er ist von drei Arkaden durchbrochen, die eine Glocke aus dem Jahre 1137 bergen. Im Kircheninneren befindet sich ein Marmoraltar, ein Kreuzweg aus Stuck und mehrere Statuen. Die wertvollen Einrichtungsgegenstände, die einst in der Kirche aufbewahrt wurden, sind während der Hugenottenkriege entwendet worden. Die Gemeinde Pardaillan hat die Kirche im Jahre 1934 restaurieren lassen.[8]

Burgruine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Burg wurde im Laufe des 10. Jahrhunderts an einer strategisch günstigen Stelle auf einem Felssporn über dem Tal des Ruisseau de Malromé errichtet. Sie ersetzte ein früher an der Stelle befindliches Kastell und diente zur Abwehr von Invasionen der Normannen. Der bekannteste Seigneur von Pardaillan war Pierre d’Escodéca de Boisse im 17. Jahrhundert, ein Weggefährte von Heinrich III. von Navarra. Von diesem frühen Bauwerk sind heute nur noch Überbleibsel zu sehen. Auch die früheren Gebäude, die die Burg umsäumten, sind heute verschwunden. Allerdings haben einige Elemente des Neubaus aus dem 13. Jahrhundert die Zeiten überdauert wie beispielsweise die Mauerfläche eines Turms. Sie besitzt noch Fensteröffnungen, Schießscharten und Kamine, die aus dem 15. Jahrhundert datieren. Das Vorhandensein eines Brunnens lässt auf die Existenz einer früheren Anlage im Untergrund schließen. Ein bildhauerisch bearbeitetes Fragment in Form eines Kopfes wurde in der Nähe der Burgruine gefunden.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinlese bei Duras

Pardaillan liegt in den Zonen AOC der Weine des Anbaugebiets Côtes de Duras (blanc, blanc sec, rosé, rouge).[10]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[11]
Gesamt = 43

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule mit 21 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2018/2019.[12]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pardaillan ist erreichbar über die Route départementale 281, 309, 422, 423 und 668.

Gedenktafel für Marguerite Duras

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marguerite Duras, geboren als Marguerite Donnadieu am 4. April 1914 in Gia Định bei Saigon, Vietnam (damals Französisch-Indochina), gestorben am 3. März 1996 in Paris, war eine französische Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Filmregisseurin. Sie verbrachte zwischen 1922 und 1924 ihre Jugend im Haus ihres Vaters in Pardaillan. Nach ihrem Tod wurde beschlossen, eine Gedenktafel im Zentrum der Gemeinde anzubringen. Sie enthält einen Auszug ihres ersten Romans, Les Impudents (deutsch Die Schamlosen), dessen Entstehung von den Landschaften rund um Pardaillan während ihrer Jugend inspiriert worden war.[1][4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pardaillan (Lot-et-Garonne) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Pardaillan (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 19. September 2016. Abgerufen am 8. April 2019.
  2. Lot-et-Garonne (fr) habitants.fr. Abgerufen am 8. April 2019.
  3. Ma commune : Pardaillan (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 8. April 2019.
  4. a b Pardaillan (fr) Gemeindeverband Pays de Duras. Abgerufen am 8. April 2019.
  5. Notice Communale Pardaillan (fr) École des Hautes Études en Sciences Sociales. Abgerufen am 8. April 2019.
  6. Populations légales 2016 Commune de Pardaillan (47199) (fr) INSEE. Abgerufen am 8. April 2019.
  7. Église de Pardaillan (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 3. März 2016. Abgerufen am 8. April 2019.
  8. Église Saint-Front (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 25. September 2015. Abgerufen am 8. April 2019.
  9. Château de Pardaillan (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 3. März 2016. Abgerufen am 8. April 2019.
  10. Institut national de l’origine et de la qualité : Rechercher un produit (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 8. April 2019.
  11. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Pardaillan (47199) (fr) INSEE. Abgerufen am 8. April 2019.
  12. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 8. April 2019.