AgustaWestland AW101

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AgustaWestland AW101 Merlin
Westland.eh101.merlin.fairford.arp.jpg
AgustaWestland AW101 der britischen Royal Navy
Typ: Mittelschwerer Transporthubschrauber
Entwurfsland:

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
ItalienItalien Italien

Hersteller:
Erstflug: 9. Oktober 1987
Indienststellung: 2000
Produktionszeit: Seit 1990 in Serienproduktion
Die Tanksonde der AgustaWestland AW101
Schaufelförmiges Rotorblattende eines Merlin

Der AgustaWestland AW101, bis 2007 EH101 genannt, ist ein mittlerer Transport-Hubschrauber, der als Gemeinschaftsunternehmen von Westland Helicopters in England und von Agusta in Italien für militärische Zwecke entwickelt wurde. Er wird seit 2000 in mehreren Ländern in Dienst gestellt. Auf Basis der militärischen wurde später auch eine zivile Version entwickelt.

Entwicklung[Bearbeiten]

1977 benötigte die Royal Navy einen neuen U-Jagd-Hubschrauber als Ersatz für den Sea King. Westland stellte seinen Entwurf WG.34 vor, der 1978 auch für die Entwicklung ausgewählt wurde. Die italienische Marine benötigte ebenfalls für den Sea King einen Nachfolger und beauftragte damit Agusta, was allerdings zu großen Änderungen am WG.34-Konzept führte. So kam es zu Gesprächen zwischen den beiden Firmen und es wurde das Joint Venture EH Industries 1979 gegründet. Im Jahr 2000 fusionierten beide Unternehmen zu AgustaWestland.

Die offizielle Produktdefinitionsphase des EH101 begann im Juni 1981. Der Entwicklungsauftrag zum Bau von neun Prototypen wurde jedoch erst am 7. März 1984 unterschrieben. Am 9. Oktober 1987 fand der Erstflug des Prototyps in Yeovil statt. Die erste Bestellung des britischen Verteidigungsministeriums über 44 Maschinen ging am 9. Oktober 1991 ein.

Ende 1996 flog die erste Serienmaschine des Merlin HM Mk1, wonach sich die Truppenerprobung über mehrere Jahre hinzog. Erst im Oktober 2001 wurde mit der 814 Squadron die erste Einsatzstaffel aufgestellt. Seit 2006 werden die nun AW101 genannten Hubschrauber der britischen Royal Navy als erste weltweit mit einem elektromechanischen Fly-by-Wire-System ausgestattet, das von BAE Systems entwickelt wurde.

Unter der Bezeichnung VH-71 „Kestrel“ sollte die AW101 die Marine-One-Hubschrauber des amerikanischen Präsidenten ablösen. Die Marine One sind bisher spezielle Varianten des UH-60 (VH-60N) und S-61 (VH-3D).[1] Jedoch wurde dieses Vorhaben vom neuen US-Präsidenten Barack Obama wegen ausufernder Kosten zugunsten einer Nutzungsdauerverlängerung des Sikorsky S-61 aufgegeben.

Die AW101-Hubschrauber werden in den AgustaWestland-Werken im englischen Yeovil und im norditalienischen Cascina Costa produziert.

Nutzer[Bearbeiten]

Britischer „Merlin“-Hubschrauber der Royal Air Force
AlgerienAlgerien Algerien
Luftstreitkräfte: 2 × AW101 VVIP (im Zulauf)
Marine: 6 × AW101 (im Zulauf)
DanemarkDänemark Dänemark
Dänische Luftstreitkräfte: 14 × AW101 Merlin Srs 512
ItalienItalien Italien
Marina Militare Italiana: 21 × (8 × AW101 Srs 110/SH-101A, 4 × AW101 Srs 112/EH-101A, 8 × AW101 Srs 410/UH-101A) (plus 4 Optionen, Zulauf bis 2020)
Aeronautica Militare Italiana: 12 x AW101 Srs 611 HH-101A (Zulauf ab Ende 2014)
IndienIndien Indien
Indische Luftwaffe: 0 × AW101 VVIP (12 Exemplare fest bestellt, wegen Korruptionsvorwürfen 2014 wieder abbestellt)
JapanJapan Japan
Kaijō Jieitai: 1 × AW101 Srs 510 für die Tokioter Polizei, 14 × AW101 Srs 518 / MCH-101 Merlin
KanadaKanada Kanada
Royal Canadian Air Force: 15 × AW101 Srs 511 / CH-149 Cormorant (plus 9 VH-71 als Ersatzteilspender)
NigeriaNigeria Nigeria
Luftstreitkräfte: 2 × AW101 VVIP (im Zulauf)
NorwegenNorwegen Norwegen
Königliche Norwegische Luftwaffe (Luftforsvaret): 16 × AW101 (plus 6 Optionen, Zulauf ab 2017)
PortugalPortugal Portugal
Força Aérea Portuguesa: 12 × (6 × EH-101 Srs 514, 4 × EH-101 Srs 515, 2 × EH-101 Srs 516)[2]
Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien
Königliche Saudische Luftwaffe: 2 × AW101 VVIP (bestellt 2009)
TurkmenistanTurkmenistan Turkmenistan
Turkmenische Luftwaffe: 2 × AW101 VVIP Merlin Srs 643
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich, 72 x
Royal Navy: 28 × AW101 Srs 411 Merlin HM.1/HM.2
Royal Air Force: 44 × AW101 Srs 111 Merlin HC.3, 6 × AW101 Srs 512 Merlin HC.3A

Varianten[Bearbeiten]

Für den AW101 verwendete Materialien
EHI 01 Series 100
ursprüngliche Bezeichnung des Basishubschraubers - die Zahl 101 entstand durch einen Lesefehler und Druckfehler, als das I als 1 vor die Zahl rutschte.
EH 101 Series 110
SH-101A, ASW-Variante der Marina Militare Italiana mit Radarverkleidung unter dem Rumpf für die rotierende Antenne des Eliradar APS-784. Ausstattung enthält auch das HELRAS-Mk.2-Sonar, GPS, TACAN, Radarwarnempfänger FLIR Safire, sowie Torpedos MU-90/Mk 46 bzw. Marte Mk 2/S Anti-Schiff-Lenkwaffen und MS500-Wasserbomben.
EH 101 Series 111
Merlin HM Mk.1, ursprünglicher Standard der britischen Marine zur U-Boot- und Schiffbekämpfung (engl. ASW)
Merlin HM Mk.2 im Rahmen des Merlin Capability Sustainment Programme (MCSP) umgerüstete HM Mk.1
EH 101 Series 112
EH-101A, AEW-Variante der Marina Militare Italiana mit APS-784-Radar, jedoch mit größerer Antenne in einem größeren Radom als die Series-110-Variante. Auch als HEW bezeichnet.
EH 101 Series 200
Mehrzweckmodell für Marineaufgaben ohne Heckrampe
EH 101 Series 300 (Heliliner)
Zivile Passagierausführung
EH 101 Series 400
Baureihe für Heeresaufgaben mit Heckrampe
EH 101 Series 410
UH-101A, Mehrzweck-Hubschrauber der Marina Militare Italiana (TTH), einfache Version mit Heckrampe
EH 101 Series 411
Merlin HC Mk.3, Mehrzweck-Hubschrauber der britischen Royal Air Force (RAF)
Merlin HC Mk.4, geplanter Commando-Hubschrauber für die Royal Marines, im Rahmen des MCSP-Programm (siehe Merlin HM Mk.2) umzubauende HC Mk.3 nach Transfer an die Royal Navy (RN), inklusive Nachrüstung klappbarer Rotoren und Heckausleger, Korrosionsschutz, verstärktes Fahrwerk, Verzurrpunkte, Abseilvorrichtung sowie dem Glascockpit analog dem Merlin HM Mk.2
EH 101 Series 413
Mehrzweck-Hubschrauber (ASH) der Marina Militare Italiana. Modernste Version für den Einsatz von Spezialtruppen mit APS-717 in der neu gestalteten Nase und FLIR sowie Radarwarnempfänger (ELT/156X), Laserwarner (RALM 01/V2) und Lenkwaffensensor (EADS MILS). Dazu kommen noch ein ILS und ein Laserradar von Galileo für die Hinderniswarnung und Vorkehrungen für eine Luftbetankungssonde sowie ein optionales 12,7-mm- und zwei 7,62-mm-MGs.[3][4]
EH 101 Series 500
Zivile Passagierausführung mit Heckrampe
EH 101 Series 510
Mehrzweck-Hubschrauber Variante der Präfekturpolizei Tokio
EH 101 Series 511
AW520 bzw. CH-149 Comorant, SAR-Variante der Royal Canadian Air Force (RCAF)
EH 101 Series 512
Mehrzweck/SAR-Hubschrauber-Variante der dänischen Dänische Luftstreitkräfte
Merlin HC Mk.3A, Mehrzweck-Hubschrauber der RAF
Merlin HC Mk.4A, geplanter Commando-Hubschrauber für die Royal Marines, umzubauende HC Mk.3A nach Transfer an die RN analog der Version HC.Mk.4
EH 101 Series 514
SAR-Variante der Força Aérea Portuguesa (FAP)
EH 101 Series 515
CSAR-Variante der FAP
EH 101 Series 516
Fischereiüberwachungs-(SIFICAP-)Variante der FAP
EH 101 Series 611
HH-101A Caesar,CSAR-Variante der italienischen Aeronautica Militare
AW 101 Series 643
VVIP (Präsidentenmaschine)-Variante der turkmenischen Luftwaffe
CH-101 / MCH-101 (AW101 Series 518)
Transport- und Minenräumversion-Variante des MEXT und der japanischen Marine (auch KHI-101, da die meisten Exemplare von KHI gebaut wurden)
VH-71A „Kestrel“ (AW101 Series 519)
Hauptartikel: Lockheed Martin VH-71
War die geplante VIP-Transportversion für das USMC, um den US-Präsidenten und dessen Stab zu befördern. Am 22. September 2008 hatte die erste Maschine des Increment-1-Standards ihren Erstflug. Das Programm wurde allerdings aus Kostengründen eingestellt. [5]

Technische Daten[Bearbeiten]

Abmessungen des AW101
AW101 mit gefalteten Rotorblättern
Kenngröße Daten
Besatzung vier
Kapazität 36 Mann sitzend, 50 stehend oder 16 Tragen für den Einsatz als MedEvac-Hubschrauber
Länge 22,81 m (19,95 m Rumpflänge)
Höhe 6,65 m
Hauptrotordurchmesser 18,59 m
Heckrotordurchmesser 4,01 m
Hauptrotorfläche 271 m²
Kabinenlänge 7,09 m
Max. Kabinenhöhe 1,83 m
Kabinenbreite 2,49 m
Leergewicht 10.500 kg
Maximales Abfluggewicht 14.600 kg
Treibstoff 3.222 l (normal), 5.370 l (maximal) (Sonde zur Luftbetankung vorhanden)
Außenlast max. 4.545 kg
Triebwerk 3 × Rolls-Royce/Turbomeca RTM322-01 Wellentriebwerke, je 1.725 kW (2312 shp) Notleistung und 1394 kW Dauerleistung

alternativ auch drei General Electric CT7-6 mit 1.491 kW

Höchstgeschwindigkeit 309 km/h
Max. Reisegeschwindigkeit 278 km/h
Steigrate 9,98 m/s
Schwebeflughöhe 2.225 m / 1.128 m (mit/ohne Bodeneffekt)
Dienstgipfelhöhe 4.575 m
Reichweite AW101 927 km
Merlin HM.1, ASW-Hubschrauber der Royal Navy 370 km [6]
Max. Einsatzdauer 4 h 50 min

Bewaffnung[Bearbeiten]

Intern[Bearbeiten]

Auf Drehkugellafetten an fünf verschiedenen geöffneten Kabinenfenstern, Türen oder der Heckklappe können mitgeführt werden:

Extern[Bearbeiten]

Bei den Merlin-HM-Varianten können an vier externen Unterflügelstationen unter zwei Aufhängeplatten mitgeführt werden:

Torpedos
Seezielflugkörper

Selbstverteidigungssysteme[Bearbeiten]

  • 4 × Täuschkörperwerfer BAE AN/ALE-47 am Heck der Hauptfahrwerksausleger
  • 2 × Infrarot-Störstrahler Northrop Grumman Nemesis AN/AAQ-24 DIRCM (Directional Infrared Counter Measures) beidseits vor Seitentür
  • 4 × Radarwarnsensoren
  • 4 × Laserwarnsensoren
  • 4 × Lenkwaffenwarnsensoren

Siehe auch[Bearbeiten]

Konkurrenzprodukte sind folgende Hubschrauber:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: AgustaWestland AW101 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FlugRevue November 2008, S. 49–52, Agusta Westland AW101 – Flugzeuge bis ins kleinste Detail
  2. Damit anderen leben können, Rotorblatt, Dirk Jan de Ridder & Menso van Westrhenen, 4/2010.
  3. FlugRevue September 2009, S. 40–45, EH101 im Einsatz bei italienischer Marine
  4. Bestandsliste
  5. http://thehill.com/leading-the-news/navy-orders-work-stopped-on-potus-chopper-2009-05-15.html
  6. Merlin ASW. Royal Navy (UK), abgerufen am 7. Juni 2010.