Ihlow (Ostfriesland)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ihlow
Ihlow (Ostfriesland)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ihlow hervorgehoben
53.4057.43666666666670Koordinaten: 53° 24′ N, 7° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Aurich
Höhe: 0 m ü. NN
Fläche: 123 km²
Einwohner:

12.475 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 101 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26632
Vorwahlen: 04929
04928 (Bangstede, Ochtelbur, Riepe)
04941 (Westerende-Kirchloog)
04945 (Ihlowerhörn)
04942 (Neu Barstede)
Kfz-Kennzeichen: AUR
Gemeindeschlüssel: 03 4 52 012
Gemeindegliederung: 12 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Alte Wieke 6
26632 Ihlow
Webpräsenz: www.ihlow.de
Bürgermeister: Johann Börgmann (SPD)
Lage der Gemeinde Ihlow im Landkreis Aurich
Baltrum Juist Landkreis Wittmund Landkreis Leer Memmert Norderney Nordsee Emden Landkreis Friesland Landkreis Leer Landkreis Wittmund Aurich Berumbur Berumbur Dornum Großefehn Großheide Hage Hagermarsch Halbemond Hinte Ihlow (Ostfriesland) Krummhörn Leezdorf Lütetsburg Marienhafe Norden (Ostfriesland) Osteel Rechtsupweg Südbrookmerland Upgant-Schott Upgant-Schott Wiesmoor WirdumKarte
Über dieses Bild
Fehnkanal mit Klappbrücken in Ihlowerfehn

Die Gemeinde Ihlow liegt im Landkreis Aurich in Ostfriesland. Sie hat etwa 12.500 Einwohner und eine Größe von rund 123 km² und ist damit in der Fläche die achtgrößte Gemeinde Ostfrieslands und die viertgrößte im Landkreis Aurich.

Die heutige Gemeinde entstand im Rahmen der Gemeindegebietsreform am 1. Juli 1972 aus zwölf früher selbstständigen Gemeinden. Der Name der Gemeinde wurde aus historischen Gründen gewählt. Er geht zurück auf das Zisterzienserkloster, dass 1228 „ter Yle“, zu Ihlow (im Yl-loh, dem Eiben-Wald) gegründet wurde.

In der Raumordnung des Landes Niedersachsen wird sie als Grundzentrum geführt. Die Gemeinde ist geprägt von Landwirtschaft und Tourismus mit dem Schwerpunkt am Ihler Meer.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

[Bearbeiten] Lage und Gebiet

Ihlow liegt im Süden des Landkreises Aurich in Ostfriesland. Mit einer Größe von rund 123 km² ist sie die achtgrößte Gemeinde Ostfrieslands und die viertgrößte im Landkreis Aurich nach der Kreisstadt, der Krummhörn und Großefehn. Die maximale Ausdehnung in ungefährer Ost-West-Richtung beträgt rund 17,7 Kilometer zwischen der Grenze zur Gemeinde Großefehn bei Ostersander im Osten und dem Wohnplatz Wrantepott an der Grenze zu Emden. In nord-südlicher Richtung beträgt die Maximalausdehnung knapp 13,2 Kilometer zwischen der Ortschaft Herrenhütten im Norden und dem Fehntjer Tief bei Simonswolde. Mit einer Einwohnerdichte von 102 pro Quadratkilometer ist sie selbst im innerostfriesischen Vergleich dünn besiedelt. Ostfriesland allerdings ist mit rund 148 Einwohnern pro Quadratkilometer bereits dünner besiedelt als Niedersachsen (etwa 168) und die Bundesrepublik Deutschland (etwa 230). Ihlow ist in der Landesplanung des Landes Niedersachsen als Grundzentrum definiert. Verwaltungssitz und Einkaufsort ist Ihlowerfehn. Wirtschaftlich spielt der Ortsteil Riepe aufgrund eines Gewerbegebietes in Autobahnnähe die Hauptrolle.

[Bearbeiten] Geologie

Ihlow liegt hauptsächlich auf der Geest. Die Böden des Gemeindegebietes bestehen aus verschiedenen Bodenarten. Im Südwesten Ihlows herrschen überschlickte Moorböden vor. Zu finden sind zudem Sande und Geschiebelehme aus dem Pleistozän.[2] Ihnen liegen Hoch- und Niedermoore aus dem Holozän auf. Moorböden finden sich besonders im Zentrum der Gemeinde, aber auch im Südosten des Gemeindegebietes.

Die Gemeinde ist von einer Vielzahl künstlicher Entwässerungsgräben und -kanälen durchzogen, darunter dem Ems-Jade-Kanal. Im Süden der Gemeinde bildet das natürlich entstandene Fehntjer Tief die Grenze. In das Fehntjer Tief münden die Fehnkanäle der Gemeinde.

Nahezu das gesamte Gemeindegebiet liegt nur unwesentlich über dem Meeresspiegel. Aufgrund dieser Tatsache muss die Fläche kontinuierlich entwässert werden. Für den Großteil des Gemeindegebietes ist diesbezüglich der Entwässerungsverband Oldersum zuständig,[3] ein kleiner Teil im Nordwesten des Gemeindegebietes wird vom I. Entwässerungsverband Emden mit Sitz in Pewsum betreut.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Nachbarstädte und -gemeinden Ihlows sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen) die kreisfreie Stadt Emden, die Gemeinde Südbrookmerland, die Stadt Aurich, die Gemeinde Großefehn (alle Landkreis Aurich) sowie die Gemeinde Moormerland im Landkreis Leer. Die Grenze zur Gemeinde Moormerland bildet abschnittsweise das Fehntjer Tief, die Grenze zur Gemeinde Südbrookmerland auf einem kurzen Teilstück der Ems-Jade-Kanal.

[Bearbeiten] Gemeindegliederung

Die Gemeinde entstand im Rahmen der Gemeindegebietsreform 1972 durch Zusammenschluss zwölf selbstständiger Gemeinden, die heute die Ortsteile bilden:

[Bearbeiten] Schutzgebiete

Das Sandwater von Westen aus gesehen

In der Gemeinde befindet sich der etwa 350 Hektar große Ihlower Forst, der zusammen mit der näheren Umgebung ein Landschaftsschutzgebiet bildet. Der Niedermoorsee Sandwater südlich von Simonswolde ist als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen. Die Niedermoorlandschaft beiderseits des Fehntjer Tiefs ist ebenfalls Naturschutzgebiet. Es handelt sich dabei um das größte in der Gemeinde. Teile des NSG befinden sich auf dem Gebiet der Nachbargemeinden Moormerland und Großefehn. Etwa 2800 Hektar Fläche sind zugleich als FFH- und Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Seit der Unterschutzstellung haben sich die Bestände an Wiesenvögeln erholt. So wurden 2010 insgesamt 278 Kiebitzbrutpaare, 100 Brutpaare der Uferschnepfe sowie 60 Brutpaare des Großen Brachvogels gezählt. Zu den weiteren vorhandenen Arten gehören Braun-, Blau- und Schwarzkehlchen, Schilfrohrsänger, Rohrweihe sowie Löffel- und Schnatterenten.[4]

[Bearbeiten] Klima

Ihlow liegt in der gemäßigten Klimazone. Das Gemeindegebiet steht hauptsächlich im direkten Einfluss der Nordsee. Im Sommer sind die Tagestemperaturen tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Inland. Das Klima ist insgesamt von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt.

Nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Ihlow in der Einteilung Cfb.

  • Klimazone C: Warm-Gemäßigtes Klima
  • Klimatyp Cf: Feucht-Gemäßigtes Klima
  • Klimauntertyp b: warme Sommer

Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich in Aurich.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Aurich
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 1,0 1,3 3,7 6,9 11,5 14,6 16,0 15,9 13,2 9,6 5,2 2,2 Ø 8,4
Niederschlag (mm) 66,6 43,1 57,9 48,2 57,8 83,8 82,1 78,6 76,6 76,2 84,4 74,3 Σ 829,6
Sonnenstunden (h/d) 1,19 2,29 3,32 5,33 6,83 6,63 6,06 6,25 4,4 2,96 1,56 0,93 Ø 4
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66,6
43,1
57,9
48,2
57,8
83,8
82,1
78,6
76,6
76,2
84,4
74,3
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

[Bearbeiten] Geschichte

Die Gemeinde Ihlow entstand am 1. Juli 1972 durch Zusammenschluss von früher zwölf selbstständigen Gemeinden mit jeweils weiteren Ortsteilen. Die Geschichte der Besiedelung der Region reicht jedoch weit zurück. Früheste Spuren menschlicher Anwesenheit auf dem Gemeindegebiet werden in die Bronzezeit datiert.

Zu einer dauerhaften Besiedelung des Gemeindegebietes kam es im frühen Mittelalter. Vermutet wird, das Ostersander und Westersander (heute Ortsteil Ihlowerhörn) von Siedlern aus Schirum vor dem Jahr 1000 gegründet wurde.[5] Der Rest des heutigen Gemeindegebietes blieb weitgehend frei von Menschen. Zu einer größeren Besiedlung kam es ab 1100, als nach verheerenden Sturmfluten viele Menschen von der Küste in das Landesinnere drängten und hier einen neuen Siedlungstypus entwickelten, die Aufstrecksiedlungen (Ostfriesisches Platt: Upstreekrecht) Von den Reihendörfern Riepe, Ochtelbur und Simonswolde aus wurden parallel verlaufende Parzellen im Moor angelegt. Benachbarte Höfe konnten ihren Besitz so weit ins Moor vorantreiben, bis sie auf den Besitz anderer Bauern trafen. Die Flurstruktur zwischen den Dörfern Riepe und Ochtelbur einerseits und dem südöstlich davon gelegenen Simonswolde andererseits zeigt bis heute die Abtragung des Moors durch Aufstreckung. Nach dem bisherigen Forschungsstand wird davon ausgegangen, dass Riepe das älteste dieser Dörfer ist. Hier haben sich wohl vor allem Siedler aus dem Gebiet der Leybucht niedergelassen.[6] Im 13. Jahrhundert entstanden in Ihlow mehrere romanische Kirchen, von denen einige bis heute erhalten sind.

Modell der Klosterkirche

Das Zisterzienserkloster Ihlow war eines der bedeutendsten unter den zahlreichen ostfriesischen Klöstern, die im 13. Jahrhundert begründet wurden, um den christlichen Glauben in entlegene Gegenden zu tragen. Es wurde 1228 von Mönchen aus Aduard bei Groningen gegründet und spielte dann eine wichtige Rolle in der Region. Die Klosterkirche war damals die größte zwischen Groningen und Bremen. In Folge der Reformation wurde das Kloster von Ihlow 1529 zerstört.

Die Besiedlung der Moore, die die größte Fläche der Gemeinde darstellen, begann 1637 in Lübbertsfehn, das damit eine der ältesten Fehnsiedlungen Ostfrieslands ist. Der Ortsteil wurde ursprünglich Ostersander Vehn genannt, später dann aber nach seinem Gründer, dem Emder Kaufmann Lübbert Cornelius, benannt. Hüllenerfehn folgte 1639. Ursprünglich wurde der Ort Westersander Vehn genannt, später jedoch wegen der leicht hügeligen Umgebung in Hüllenerfehn umbenannt.[7] Wie auch Teile der Nachbargemeinde Großefehn wurden Teile Ihlows von Emder Unternehmern angelegt, um Torf abzubauen, der dann über eigens angelegte Fehnkanäle sowie das Fehntjer Tief in die Seehafenstadt gebracht wurde. Torf war durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges und durch ein 1621 verhängtes Ausfuhrverbot der Niederlande, die bis dahin Torf-Hauptlieferant Ostfrieslands waren, knapp geworden.[8]

Karte des überschwemmten Gebietes

Die Weihnachtsflut im Jahre 1717 hatte für die Dörfer im heutigen Gemeindegebiet verheerende Folgen. Bis auf die höher gelegenen Geestdörfer war es komplett überschwemmt. Am Kirchturm von Riepe ist noch heute eine Flutmarke zu erkennen. 15 Menschen ertranken in dem Ort. Der Viehbestand erlitt starke Verluste. Hier wie auch in den anderen Orten wurden die Häuser zum Teil so schwer beschädigt, das Siedlungsteile aufgegeben wurden und auf die Geest nach Ostersander verlegt wurden. Auf die Verheerungen der Flut folgte eine Phase wirtschaftlichen Niedergangs und Armut.

[Bearbeiten] Von der ersten zur zweiten preußischen Herrschaft

Ostfriesland kam 1744 zu Preußen. Mit dem Urbarmachungsedikt (1765) wurde auch in Ostfriesland der Landesausbau vorangetrieben. Auf dem Ihlower Gebiet wurde neue Fehnsiedlungen angelegt, darunter 1780 Ihlowerfehn (benannt nach dem Kloster Ihlow) und 1798 Ludwigsdorf, das einige Jahre später nach dem Präsidenten der Auricher Kriegs- und Domänenkammer, Ludwig von Vincke, benannt wurde.[9]

In den Jahren 1798/99 wurde zwischen Emden und Aurich der Treckschuitenfahrtskanal angelegt, der durch die heutige Gemeinde Ihlow führte. Mit Schuten, die von Pferden getreidelt wurden, beförderte die Treckfahrtsgesellschaft Post, Stückgut und Passagiere. Daraus ergibt sich auch der Name des Kanals. „Trecken“ ist ostfriesisches Plattdeutsch und heißt „ziehen“. Beim Mittelhaus nahe Riepe wurden die Pferde gewechselt. Die Betreibergesellschaft litt in den Folgejahren unter den ständig wechselnden Herrschaften: 1806 kam Ostfriesland zum Königreich Holland, 1810 an Frankreich und 1815 schließlich an das Königreich Hannover. Sie konnte sich auch später nicht langfristig etablieren, da der Plan, den Kanal durch die gesamte ostfriesische Halbinsel zu führen, nicht zuletzt an Finanzierungsmängeln scheiterte.[10] Erst in den Jahren 1880 bis 1888 wurde der Plan aus dem Beginn jenes Jahrhunderts umgesetzt, den Kanal zu verlängern. Er wurde bis Wilhelmshaven ausgebaut und fortan Ems-Jade-Kanal genannt. Für die Treckfahrtsgesellschaft kam dies zu spät: Der Bau von Chausseen und Bahnlinien in Ostfriesland bedeutete in den 1860er-Jahren das Aus für den Schiffsverkehr.

[Bearbeiten] Nach 1945

1954 wurde damit begonnen, das landwirtschaftlich genutzte Gebiet im Riepster Hammrich mit dem Schlick zu überspülen, der bei Ausbaggerungen in der Ems, dem Fahrwasser des Emder Hafens, anfiel. Mehr als 100 Millionen Kubikmeter Schlick wurden zwischen 1954 und 1994 auf die Felder gespült, die danach trocken fielen. Die Böden wurden dadurch erheblich aufgewertet.

Ab 1973 begann die Ostfriesische Landschaft mit systematischen Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienserklosters, bei dem zunächst Wirtschaftsgebäude erfasst wurden. Im Jahre 1977 wurden die Fundamente der Klosterkirche, Teile des Fußbodens sowie mehrere Gräber gefunden. Um die Dimensionen der Kirche erfahrbar zu verdeutlichen, wurde der Grundriss 1986 mit Ziegelsteinen rekonstruiert.

Anfang der 1990er Jahre wurde mit Hilfe von Förderprogrammen die Freizeitanlage Ihler Meer gebaut.

Seit dem Jahr 2000 gab es Pläne, auf dem Gelände der früheren Zisterzienserabtei einen archäologischen Park anzulegen. Die Bauarbeiten des 3 Millionen Euro teuren Projekts dauerten von 2005 bis 2009 an. Anfang 2007 fanden erneut Ausgrabungen auf dem Gelände statt. Die Fundamente der Klosterkirche wurden freigelegt und die Pfeiler rekonstruiert. Die als Stahlskulptur in abstrakter Form rekonstruierte Kirche ist seither Mittelpunkt des „Archäologischen Parks Klosterstätte Ihlow“ werden. Dieses Vorhaben ist Teil des grenzüberschreitenden Projekts Zisterzienserstraße, das – mit Unterstützung der EU – Pilgerwege der Zisterzienser von Belgien bis Estland als europäisches Erbe erlebbar machen soll.

Der demografische Wandel hat die Gemeinde Ihlow stark erfasst. So gab es im Jahr 2010 162 Zehnjährige in der Gemeinde, aber nur 72 Neugeborene.[11]

[Bearbeiten] Politik

Das Rathaus der Gemeinde.

Die Gemeinde Ihlow ist bei Wahlen traditionell eine Hochburg der SPD. Sie bleibt trotz des Verlustes der absoluten Mehrheit im Gemeinderat bei der Kommunalwahl 2011 mit Abstand die stärkste Partei und erzielt bei Landtags- und Bundestagswahlen das beste Ergebnis. Auch der Bürgermeister ist Sozialdemokrat.

Politisch höchst umstritten in der Gemeinde Ihlow ist der geplante Autobahnzubringer für Aurich (B 210 neu), der durch das Gemeindegebiet führen soll. Bei der Wahl zum Landrat des Landkreises Aurich im September 2011 errang die Kandidatin Antje Groenewold, Ausbau-Gegnerin, in der Gemeinde Ihlow mehr Stimmen als der von den Ausbau-Befürwortern SPD und CDU unterstützte Kandidat Harm-Uwe Weber.

[Bearbeiten] Gemeinderat

Der Rat der Gemeinde Ihlow besteht aus 29 Ratsfrauen und Ratsherren. Hinzu kommt als stimmberechtigtes Mitglied kraft Amtes der Bürgermeister, Johann Börgmann (SPD). Seit der Kommunalwahl am 11. September 2011 (Wahlbeteiligung: 55,2 Prozent) setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:[12]

Partei Stimmanteil Veränderung Sitze
SPD 49,2 % - 7,9 14
Unabhängige
Wählergemeinschaft
19,5 % - 7,0 6
CDU 17,7 % + 2,0 5
Bündnis 90
Die Grünen
11,7 % + 11,7 3
Linke 1,9 % + 1,9 1

Die SPD verlor bei der Kommunalwahl ihre bisherige absolute Mehrheit. Zusammen mit dem SPD-Bürgermeister kommt die Fraktion auf 15 von 30 Stimmen im Rat. Gewinner der Kommunalwahl waren die Grünen und die Linke, die erstmals bei einer Gemeinderatswahl in Ihlow antraten und beide den Einzug in den Rat schafften. Die CDU gewann zwar leicht an Wählerstimmen, errang dadurch aber kein zusätzliches Mandat.

Außerdem gibt es in zwölf Ortschaften noch gewählte Ortsräte, die sich um rein örtliche Belange kümmern.[13]

[Bearbeiten] Vertreter in Landtag und Bundestag

Die Gemeinde Ihlow gehört zum Landtagswahlkreis 86 Aurich, der aus der Stadt Aurich, der Samtgemeinde Brookmerland und den Gemeinden Großheide, Ihlow, Südbrookmerland und Großefehn besteht. Im Niedersächsischen Landtag (Wahlperiode bis 2013) ist der SPD-Abgeordnete Wiard Siebels vertreten, der das Direktmandat gewann. Er stellte sich bei der jüngsten Landtagswahl 2008 erstmals zur Wahl.

Bei der Landtagswahl 2008 ergaben sich folgende Verhältnisse:[14]

Partei Erststimmen Kandidat Zweitstimmen
SPD 42,4 % Siebels 38,7 %
CDU 35,4 % Gossel 36,4 %
Bündnis 90
Die Grünen
6,3 % Wessels 6,6 %
FDP 2,8 % Ott 4,1 %
Die Linke 7,8 % Moll 8,6 %
Die Friesen 2,7 % Bieneck 2,2 %

Der Bundestagswahlkreis Aurich/Emden umfasst die Stadt Emden und den Landkreis Aurich. Bei der Bundestagswahl 2009 wurde der Sozialdemokrat Garrelt Duin erneut direkt gewählt. Mit einem Zweitstimmen-Ergebnis von 38,8 Prozent wurde die SPD zwar stärkste Partei, musste jedoch im Vergleich zur vorherigen Bundestagswahl, bei der sie mit 55,9 Prozent das beste Ergebnis aller deutschen Wahlkreise erzielt hatte, deutliche Verluste hinnehmen. Außerdem wird der Wahlkreis von dem Bündnisgrünen Thilo Hoppe aus Aurich vertreten. Dieser zog bei der Wahl über die Landesliste in den Bundestag ein.

Bei der Bundestagswahl 2009 ergaben sich folgende Ergebnisse:[15]

Partei Erststimmen Kandidat Zweitstimmen
SPD 44,4 % Duin 38,8 %
CDU 25,8 % Hegewald 24,6 %
Bündnis 90
Die Grünen
11,1 % Hoppe 10,4 %
FDP 7,1 % Debus 10,4 %
Die Linke/PDS 10,1 % Heilemann 11,5 %

[Bearbeiten] Gemeindewappen

Wappen von Ihlow (Ostfriesland)
Blasonierung:

„Im Wellenschnitt gespalten; vorn in Gold zwölf grüne Kleeblätter (2:3:2:3:2 gestellt), hinten in Rot wachsend ein goldener Abtsstab mit nach links gewendeter Krümme. Die Kleeblätter symbolisieren die Ortsteile, der Abtsstab steht für das ehemalige Zisterzienserkloster.“

Beschreibung:

Die Bedeutung der Gewässer im Gemeindegebiet wird durch den Wellenschnitt hervorgehoben.[16]


[Bearbeiten] Partnergemeinde

Ihlow hat seit 1997 eine Partnergemeinde in Polen, die Gemeinde Baranów. Offiziell besiegelt wurde die Partnerschaft am 14. Juli 1997. Kontakte zu Baranów bestehen jedoch bereits seit 1993. Seitdem fanden mehrere gegenseitige Besuche von Delegationen statt. Die Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden war auch einer der Auslöser für die Partnerschaft zwischen dem Landkreis Aurich und dem Landkreis Kepno, dem Baranów angehört.

[Bearbeiten] Religion

Im Mittelalter verlief durch das heutige Gemeindegebiet die Grenze zwischen dem Bistum Bremen und dem Bistum Münster. Der Nordosten mit Bangstede, Barstede, Weene und Westerende gehörte in kirchlicher Hinsicht zu Bremen, der Südwesten mit Riepe, Ochtelbur und Simonswolde zu Münster. Einflussreich war das Kloster Ihlow, das im Jahr 1228 gegründet wurde, infolge der Reformation aber 1529 aufgehoben wurde. Die Kirchengemeinden schlossen sich dem protestantischen Bekenntnis an und wurden mit Ausnahme des reformierten Simonswolde alle lutherisch. 1899 wurde die Kirchengemeinde Ihlow für die neue Fehnkolonie gegründet, die seit 1902 über ein eigenes Kirchengebäude verfügt. Die lutherischen Gemeinden gehören heute zum Kirchenkreis Aurich,[17] der mit rund 75.000 Gemeindegliedern der zweitgrößte Kirchenkreis der Hannoverschen Landeskirche ist.[18]

Freikirchen haben auf dem Gebiet der Samtgemeinde keine eigenständigen Kirchengemeinden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bauten die Methodisten in Ihlowerfehn eine kleine Kapelle, die später aufgegeben wurde, als sich die Arbeit auf Aurich und Neuschoo konzentrierte.[19]

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

Durch die Lage zwischen den Städten Aurich und Emden ist die Zahl der Auspendler hoch. Viele Ihlower sind bei Auricher Unternehmen und Behörden sowie Betrieben in Emden wie etwa dem dortigen Volkswagenwerk beschäftigt. In der Gemeinde gibt es 3684 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort (Stand: 2006). Dem stehen aber lediglich 1460 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Ihlow gegenüber. Die Gemeinde verzeichnet 851 Einpendler aus anderen Kommunen, aber 3075 Auspendler aus Ihlow, die ihren Lebensunterhalt jenseits der Gemeindegrenzen verdienen.

Separate Arbeitsmarktdaten für die Gemeinde Ihlow werden nicht erhoben. Gemeinsam mit den Städten Aurich und Wiesmoor sowie den Gemeinden Großefehn und Südbrookmerland bildet Ihlow den Bereich Geschäftsstelle Aurich innerhalb des Bezirks Emden der Agentur für Arbeit. Im Bereich der Geschäftsstelle Aurich lag die Arbeitslosenquote im Dezember 2009 bei 8,6 Prozent und damit etwa eineinhalb Prozentpunkte über dem niedersächsischen Durchschnitt.[20]

[Bearbeiten] Ansässige Unternehmen

Produzierende Betriebe finden sich vor allem im größten Gewerbegebiet der Gemeinde, das in unmittelbarer Nähe zur Anschlussstelle Riepe an der A 31 liegt. Ansässig sind unter anderem mehrere Lebensmittelhersteller, eine Druckerei, ein Hersteller von Kesseln zur Feuerverzinkung und ein Betrieb der Kunststofftechnik. Im Gewerbegebiet in Bangstede ist ein größerer Autoverwerter tätig. Nach der Ansiedlung von Firmen im Gewerbegebiet Riepe erreichte Ihlow im Jahr 2010 einen Rekord bei den Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 2,79 Millionen Euro.[21] Planungen für ein interkommunales Gewerbegebiet nahe Simonswolde in Autobahnnähe, das mit den Nachbargemeinden Südbrookmerland und Großefehn betrieben werden sollte, mussten 2010 aufgegeben werden: Der Boden dort war belastet, eine Aushebung des Bodens wäre zu teuer gekommen.[22]

[Bearbeiten] Landwirtschaft

Die Landwirtschaft war über Jahrhunderte der bestimmende Wirtschaftsfaktor in Ihlow und trägt auch heute zur Wertschöpfung bei. Durch Mechanisierung und Produktivitätssteigerung beschäftigt die Landwirtschaft jedoch nur noch eine kleine Zahl von Menschen. Vorherrschend ist entsprechend der Moor- und Geestlage und der damit einhergehenden geringeren Bodengüte die Grünlandwirtschaft, also die Milchwirtschaft. Lediglich im Riepster Hammrich, wo ab den 1950er-Jahren eine große Fläche mit Schlick überspült wurde, der bei Ausbaggerungen in der Ems anfällt, wurde die Bodengüte erheblich gesteigert. Dort wird dem Ackerbau der Vorzug gegeben. Angebaut werden vor allem Mais und Weizen. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben in der Gemeinde in großem Umfang Flurbereinigungen stattgefunden. Als bislang letzte Maßnahme wurden nach 21 Jahren der Prozess in den Ortschaften Ihlowerhörn, Hüllenerfehn, Lübbertsfehn und Westersander abgeschlossen.[23]

Windpark nahe Riepe

Ein Zubrot verdienen sich Landwirte durch das Aufstellen von Windenergieanlagen oder die Zuverfügungstellung entsprechender Flächen. Aufgrund des häufig und stark wehenden Windes in Ostfriesland und nicht zuletzt auch wegen der dünnen Besiedlung eignet sich Ihlow zur Nutzung von Windenergie. In der Gemeinde gibt es einen größeren Windpark zwischen Riepe/Ochtelbur und Simonswolde. Außerdem bieten Landwirte vereinzelt Ferien auf dem Bauernhof an.

[Bearbeiten] Tourismus

Von einiger Bedeutung ist inzwischen auch der Tourismus. Insbesondere im Hauptort Ihlowerfehn ist seit den 1990er-Jahren eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut worden.

[Bearbeiten] Verkehr

Brücke über den Ems-Jade-Kanal im Ortsteil Fahne

Auf dem Gebiet der Gemeinde liegt die Anschlussstelle Riepe der A 31. Die Landesstraße 1 führt von dort über Riepe nach Aurich. Im Osten tangiert die Gemeinde die B 72 zwischen Aurich und der Anschlussstelle Filsum an der A 28. Ihlow verfügt nicht über einen Gleisanschluss. Der nächstgelegene Bahnhof ist in Emden, wohin eine Busverbindung besteht, die einige Male am Tag verkehrt. Deutlich häufiger fahren Busse in die Kreisstadt Aurich.

Die Ausbauplanungen für die Bundesstraße 210 betreffen auch das Ihlower Gemeindegebiet. Der Ihlower Gemeinderat hat sich im Juli 2011 mit großer Mehrheit gegen das Vorhaben ausgesprochen.[24]

Der Ems-Jade-Kanal durchquert die Gemeinde. Zwar ist dieser in erster Linie für die Sportschifffahrt von Bedeutung. Im Ortsteil Bangstede existiert jedoch auch ein Gewerbegebiet mit angeschlossenem Kai am Kanal. Dort können Binnenschiffe zur Belieferung einer Getreidemühle festmachen. Am Hafen in Westerende-Kirchloog befindet sich eine kleine Werft.

[Bearbeiten] Öffentliche Einrichtungen

Größere öffentliche Körperschaften gibt es in der Gemeinde nicht, von der Gemeindeverwaltung abgesehen. In Ihlowerfehn gibt es eine Polizeistation, die jedoch nicht rund um die Uhr besetzt ist. In den fünf Freiwilligen Feuerwehren in Riepe, Simonswolde, Ochtelbur, Weene und Ihlowerfehn sind etwa 230 Feuerwehrleute im aktiven Dienst.[25]

[Bearbeiten] Bildung

In Ihlow befinden sich vier Grundschulen: in Westerende-Kirchloog, Weene, Riepe und Simonswolde. Die nahe der Grenze zur Stadt Aurich gelegene Grundschule in Weene wird auch von Schülern aus dem Auricher Stadtteil Schirum besucht. Im Hauptort Ihlowerfehn befindet sich die Hermann Tempel-Gesamtschule. Es handelt sich dabei um eine Kooperative Gesamtschule, die Unterricht bis einschließlich der Sekundarstufe I anbietet. Das nächstgelegene Gymnasium ist das Gymnasium Ulricianum in Aurich, wo sich zudem eine Integrierte Gesamtschule befindet. Die nächstgelegenen Berufsbildenden Schulen sind in Aurich und Emden. In Emden befindet sich zudem die nächstgelegene Fachhochschule, die nächstgelegene Universität ist in Oldenburg.

In Ihlowerfehn befindet sich der Sitz der Kreisgruppe Aurich der Ländlichen Erwachsenenbildung.[26] Der Landkreis Aurich unterhält im Ortsteil Lübbertsfehn die Naturschutzstation Fehntjer Tief. Sie befindet sich in einem ehemaligen Gulfhaus in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet Fehntjer Tief und dient als außerschulischer Lernort für Schüler aus dem gesamten Landkreis sowie als Veranstaltungsraum.[27] Die Kreisvolkshochschule Aurich unterhält in Ihlow eine Außenstelle.

[Bearbeiten] Medien

Ihlow liegt im Verbreitungsgebiet dreier Tageszeitungen. Dies sind zunächst die Ostfriesischen Nachrichten als alteingesessene Heimatzeitung des Auricherlandes. Hinzu kommt die Ostfriesen-Zeitung, die als einzige der ostfriesischen Tageszeitungen regionsweit erscheint. Beide erscheinen im Verlag Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO). Im an Emden angrenzenden Bereich wird zudem vereinzelt die Emder Zeitung gelesen. Als kostenlos erscheinendes Anzeigenblatt kommt das Heimatblatt/Sonntagsblatt hinzu, das im Verlag der Emder Zeitung erscheint. Es erscheint zweimal pro Woche, mittwochs als Heimatblatt, sonntags als Sonntagsblatt. Die redaktionelle Betreuung erfolgt in allen Fällen von Aurich aus. Aus der Gemeinde berichtet zudem der Bürgerrundfunk-Sender Radio Ostfriesland.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Der Archäologische Park Klosterstätte Ihlow

Teilrekonstruktion der Klosterkirche

Bedeutendste Sehenswürdigkeit der Gemeinde ist der 2009 fertiggestellte Archäologische Park im und um das ehemalige Kloster Ihlow. Das markanteste Bauwerk des Parks ist die Imagination von Chor und Altarraum der ehemaligen Klosterkirche, die sich mit einer Höhe von 45 Metern weit über die Wipfel der umliegenden Bäume erhebt und die Dimensionen des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen verdeutlichen soll. Auf der Ebene der freigelegten Grundmauern wurde ein Raum der Spurensuche eingerichtet, in dem eine Ausstellung mit Ausgrabungsfunden zu sehen ist. Zudem findet sich hier ein neuer Altar. Ein neu angelegter Klostergarten im Bereich der ehemaligen Klausur zeigt in vier Themenarealen Pflanzen und Kräuter sowie deren Wirkung und Bedeutung im Mittelalter vorgestellt.

[Bearbeiten] Kirchen

Kirche in Weene aus dem späten 13. Jh. Wie in vielen Orten Ostfrieslands hat sie einen freistehenden Glockenturm

In der Gemeinde befinden sich in mehreren Ortsteilen mittelalterliche Kirchen, von denen sich fünf romanische Backstein-Saalkirchen aus dem 13. Jahrhundert und die spätgotische Riepster Kirche von 1554 bis in die heutige Zeit erhalten haben. Ihre Ausstattung ist zum Teil von überregionaler kunsthistorischer Bedeutung. Zu nennen ist hier das Taufbecken aus Bentheimer Sandstein (um 1200) von Barstede, der als einer der ältesten in Ostfriesland gilt. Der barocke Altar in der Dorfkirche von Barstede, einem Nachfolgebau der historischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert, datiert von 1644.[28]

In der Nikolaikirche in Weene (errichtet im späten 13. Jahrhundert) befinden sich drei geschnitzte Holzplastiken gotischen Stils, ein Kruzifix (13. Jahrhundert), ein Vesperbild (Ende des 14. Jahrhunderts) und eine Anna selbdritt (um 1500). In der linken Seite des Chores blieb eine kleine Wandnische mit gotischem Spitzbogen erhalten, das als Sakramentshaus diente.

Aus der Bangsteder Kirche (Ende des 13. Jh. Jahrhunderts) sind ein Reliquienkästchen aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts erhalten, eine Madonna, die zwischen 1251 und 1350 geschaffen wurde, eine Holzskulptur des St. Georg aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts und eine Bischofsfigur, die in der Zeit von 1460–1470 entstanden sein dürfte. Diese werden im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden ausgestellt. Die weitgehend erhaltene Orgel baute Johann Gottfried Rohlfs im Jahr 1795.[29]

In Riepe wurden aus der nicht erhaltenen Kreuzkirche zwei trapezförmige Grabsteine übernommen, die in der Mitte des 12. Jahrhunderts geschaffen wurden. Ebenfalls aus dem Vorgängerbau stammt das romanische Taufbecken aus Bentheimer Sandstein. Die meisten hölzernen Einrichtungsgegenstände wie Altar, Kanzel, Westempore und Gestühl gehen auf das 17. Jahrhundert zurück. Wegen seiner Form wird der freistehende Glockenturm mit seiner Barockhaube landläufig „Riepster Teebüs“ (Teedose) genannt.[30]

Ein Großteil der Mauern der Ochtelburer Kirche (errichtet in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts) wurden aufgrund von Baufälligkeit in den Jahren 1742 und 1861 neu aufgeführt. Auch hier ist das alte Taufbecken erhalten, das auf vier Löwen ruht und mit Taubändern sowie Rankenfriesen verziert ist. Der Kanzelkorb datiert von 1678 und wird der Werkstatt von Hinrich Cröpelin zugeschrieben.[31]

Die Simonswoldmer Kirche (Ende des 13. Jahrhunderts errichtet) hat seit dem 15. Jahrhundert durch den polygonalen Choranbau und die spitzbogigen Fenster an der Südseite seine spätgotische Prägung erhalten. Eine Grabplatte aus rotem Sandstein geht auf die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Die im Jahr 1598 geschaffene Kanzel zählt zu den ältesten Beispielen sakraler Renaissancekunst in Ostfriesland.[32] Außergewöhnlich an der kleinen Orgel von Hinrich Just Müller (1777) aus der Zeit des Rokoko ist, dass ihr Pfeifenbestand vollständig erhalten ist und sie auch noch die originale Intonation aufweist.[33]

Die St. Martin-Kirche mit halbrunder Apsis in Westerende-Kirchloog wurde ebenfalls Ende des 13. Jahrhunderts errichtet. Aus dieser Zeit ist der romanische Taufstein erhalten. Weitgehend im Renaissancestil ist der Altar von 1652 gefertigt. Die Kanzel geht wahrscheinlich auf die Werkstatt von Jacob Cröpelin zurück. Im Jahr 1793 baute Johann Friedrich Wenthin die Orgel, die 1885 einen Erweiterungsumbau durch Johann Diepenbrock erfuhr, aber noch weitgehend original ist.[34]

Als jüngste Kirche entstand die Ihlower Kirche im Jahr 1902 für die neue Fehnkolonie Ihlowerfehn, nachdem die Kirchengemeinde 1899 gegründet worden war.[35] Sie ist im Stil des Historismus mit Blendnischen, abgetreppten Strebepfeilern und Rundbogenfries gebaut. Der eingebaute Westturm ist mit einer Rosette als Blende verziert. Die einheitlich holzsichtig gehaltene Innenausstattung verleiht dem Raum seine Geschlossenheit.

[Bearbeiten] Sonstige Sehenswürdigkeiten

Die Windmühle in Ihlowerfehn.
Tjalk „Wappen von Ihlow“

Die Tjalk Wappen von Ihlow wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Groningen gebaut und war eine der ersten, die einen eisernen Rumpf hatte. Das Schiff kam um 1980 in den Besitz der Gemeinde und wurde von einem gleichnamigen Förderverein restauriert. Ihr Liegeplatz befindet sich an der Fahnster Brücke am Ems-Jade-Kanal. Vom Förderverein werden Fahrten zu den ostfriesischen Inseln und den Küstenorten angeboten. Regelmäßig nimmt das Schiff an größeren Veranstaltungen, wie etwa dem Emder Hafenfest oder der Sail in Bremerhaven teil.

In der Gemeinde finden sich in allen Ortschaften und in den Gemarkungen alte Gulfhöfe. Ein aus dem Jahr 1843 stammender Gulfhof in Lübbertsfehn wurde 1989 vom Landkreis Aurich angekauft und dient seitdem als Naturschutzstation des Kreises.[36] Zu den Öffnungszeiten der Naturschutzstation kann die Architektur dieses für Ostfriesland typischen Bauernhauses daher von außen wie auch von innen besichtigt werden.

Im Ortsteil Riepe befindet sich das Schlickmuseum. Es dokumentiert die Überschlickung des Riepster Hammrichs in den Jahren 1954 bis 1994. Untergebracht ist es im ersten Stock eines Bankgebäudes. Es öffnet jedoch nur auf Anfrage.[37]

In Riepe befinden sich zwei Wasserschöpfmühlen, die bis zur Aufschlickung des Hammrichs der Entwässerung dienten. Die Fluttermühle ist ein originalgetreuer Nachbau einer älteren Mühle, die mehr als 300 Jahre alte Kokermühle ist 1984 renoviert worden. Holländermühlen befinden sich in Ihlowerfehn und Simonswolde.

[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen

Auf dem Klostergelände finden jährlich die Ihlower Klostertage statt, bei denen es Führungen über das Gelände gibt. Die als Gartenfest aufgemachte Veranstaltung zieht auch Aussteller, Künstler und Handwerker an, die ihre Arbeiten präsentieren. Im Moorhaus in Simonswolde werden Konzerte in der Reihe „Weltklassik am Klavier“ gegeben, die in Rysum ihren Anfang nahm und mittlerweile auch in anderen Gemeinden aufgeführt wird.

[Bearbeiten] Sprache

In Ihlow wird Ostfriesisches Platt gesprochen – selbstredend neben Hochdeutsch. In der Gemeinde wird versucht, die Nutzung der Plattdeutschen Sprache unter anderem durch zweisprachige Kindergärten zu fördern. Ein solcher befindet sich in Simonswolde. Daneben gibt es unter anderem plattdeutsche Gottesdienste.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

Günter Lüttge war ab 1972 der erste Bürgermeister der neu gegründeten Gemeinde Ihlow. Von 1978 bis 1989 war der Sozialdemokrat Mitglied des Niedersächsischen Landtags und von 1989 bis zu seinem Tod im Jahr 2000 Mitglied im Europaparlament. In der Gemeinde Ihlow lebt der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Jann-Peter Janssen.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen – Bevölkerungsfortschreibung (Hilfe dazu)
  2. Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Verlag Isense, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 24
  3. Karte des Verbandsgebietes, pdf-Datei
  4. Heinrich Pegel/Uwe Mosig: Vogelschutz am Fehntjer Tief – Erfolgreiche Sicherung von Feuchtgrünland, in: Jahresbericht 2010 des Niedersächsischen Landesamtes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, online abrufbar über www.nlwkn.niedersachsen.de, abgerufen am 26. Juni 2011.
  5. Bernhard Buttjer; Martin Stromann: Wo einst die Mönche lebten: Die Klosterstätte Ihlow, ein Forst und zwölf Dörfer. Verlag SKN, Norden (Ostfriesland) 2009, ISBN 3-939870-22-6, S. 127.
  6. Gemeinde Ihlow: Aus der Geschichte Riepes, aufgerufen am 13. Januar 2010
  7. Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 111/143
  8. Ekkehard Wassermann: Siedlungsgeschichte der Moore. In: Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Ostfriesische Landschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 93 ff.
  9. Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 144.
  10. Ernst Siebert: Geschichte der Stadt Emden von 1750 bis 1890. In: Ernst Siebert, Walter Deeters, Bernhard Schröer: Geschichte der Stadt Emden von 1750 bis zur Gegenwart. Band VII der Reihe Ostfriesland im Schutze des Deiches. herausgegeben von der Deichacht Krummhörn. Pewsum Verlag Rautenberg, Leer 1980, S. 52 f.
  11. Nur halb so viel Kinder wie vor zehn Jahren. In: Ostfriesen-Zeitung. 27. Oktober 2010, abgerufen am 6. August 2011.
  12. Ostfriesen-Zeitung, 13. September 2011, S. 27.
  13. ihlow.de: Ortsräte
  14. Wahlkreis 86 Aurich, Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Statistik.
  15. Wahlkreis 25 Aurich/Emden, Quelle: Der Bundeswahlleiter.
  16. Bernhard Buttjer; Martin Stromann: Wo einst die Mönche lebten: Die Klosterstätte Ihlow, ein Forst und zwölf Dörfer. Verlag SKN, Norden (Ostfriesland) 2009, ISBN 3-939870-22-6, S. 114.
  17. Kirchenkreis Aurich, gesehen 12. Februar 2012.
  18. Kirchenkreis Aurich: Gemeinden, abgerufen am 12. Februar 2010.
  19. Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte. Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 546 (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Bd. 6).
  20. Zahlen der Arbeitsagentur Emden pdf-Datei, S. 4.
  21. Kommunen kassieren wieder mehr Steuern. In: Ostfriesen-Zeitung. 22. Oktober 2010, abgerufen am 6. August 2011.
  22. Neue Gewerbeflächen dringend gesucht. In: Ostfriesen-Zeitung. 9. September 2010, abgerufen am 7. August 2011.
  23. Flurbereinigung in Ihlow kurz vor dem Zielstrich. In: Ostfriesen-Zeitung. 18. September 2009, abgerufen am 7. August 2011.
  24. Börgmann: Falsche Zeit für B 210n-Abstimmung. In: Ostfriesen-Zeitung. 30. Juli 2011.
  25. www.ihlow.de: Feuerwehren
  26. Webseite der LEB
  27. www.landkreis-aurich.de: Naturschutzstation
  28. Genealogie-Forum: Barstede, gesehen 31. Dezember 2011.
  29. Orgel auf NOMINE e.V., gesehen 31. Dezember 2011.
  30. Monika van Lengen: Ihlow - Sankt Vincenz und Gertrud-Kirche in Riepe, gesehen 31. Dezember 2011.
  31. Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Verlag Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-021-3, S. 238.
  32. Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 301.
  33. Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Verlag Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-021-3, S. 244.
  34. Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Verlag Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-021-3, S. 234f.
  35. Johannes Bunger: Chronik der Kirchengemeinde Ihlowerfehn und Ludwigsdorf, gesehen 12. Februar 2012.
  36. Johann Aeils, Jan Smidt, Martin Stromann: Steinerne Zeugen in Marsch und Geest: Gulfhöfe und Arbeiterhäuser in Ostfriesland. 3., überarbeitete Auflage. Verlag SKN, Norden 2007, ISBN 978-3-928327-16-9, S. 72 f.
  37. Webseite des Schlickmuseums

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Ihlow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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