Michelstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Michelstadt
Michelstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Michelstadt hervorgehoben
49.6786111111119.0041666666667206Koordinaten: 49° 41′ N, 9° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Odenwaldkreis
Höhe: 206 m ü. NHN
Fläche: 86,97 km²
Einwohner: 16.160 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 186 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 64720,
63925 (Brunnthal)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 06061,
06066 (Vielbrunn)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: ERB
Gemeindeschlüssel: 06 4 37 011
Stadtgliederung: 8 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Frankfurter Straße 3
64720 Michelstadt
Webpräsenz: www.michelstadt.de
Bürgermeister: Stephan Kelbert (parteilos)
Lage der Stadt Michelstadt im Odenwaldkreis
Breuberg Höchst im Odenwald Lützelbach Bad König Brensbach Brombachtal Fränkisch-Crumbach Reichelsheim (Odenwald) Mossautal Michelstadt Erbach (Odenwald) Hesseneck Beerfelden Sensbachtal Rothenberg Landkreis Darmstadt-Dieburg Bayern Baden-Württemberg Baden-Württemberg Kreis Bergstraße Kreis Bergstraße Kreis BergstraßeKarte
Über dieses Bild

Michelstadt ist eine Stadt im Odenwald in Südhessen, zwischen Darmstadt und Heidelberg gelegen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Michelstadt ist die größte Stadt des Odenwaldkreises. Sie grenzt an die unmittelbar südlich gelegene Kreisstadt Erbach an und bildet mit ihr zusammen das Zentrum des Odenwaldkreises. Die Kernstadt liegt verkehrsgünstig in dem weiten, in Süd-Nord-Richtung verlaufenden Talzug der Mümling auf etwa 200 Meter Höhe. Die Ortslagen der Stadtteile Steinbach im Nordwesten und Stockheim im Südosten sind mit der Kernstadt baulich zusammengewachsen. Die Stadtteile Rehbach und Steinbuch sind im Westen des Stadtgebietes in höher gelegenen Seitentälern zu finden. Weiten-Gesäß liegt auf einer Bergkuppe im Nordosten, und die beiden höchstgelegenen Stadtteile Vielbrunn (430 Meter) und Würzberg (515 Meter) sind ganz im Osten an der Landesgrenze nach Bayern auf dem Höhenzug angesiedelt, der das Mümlingtal vom Mudtal scheidet. Die höchste Erhebung des Stadtgebiets liegt am westlichen Ortsrand von Würzberg und erreicht 544 Meter.

Von westlich Rehbach bis nordöstlich Vielbrunn erstreckt sich das Stadtgebiet in Ost-West-Richtung auf etwa 16 Kilometer, während sich die Nord-Süd-Ausdehnung im Mümlingtal auf drei bis vier Kilometer beschränkt, entlang der Landesgrenze im Osten jedoch etwa 15 Kilometer erreicht.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Michelstadt grenzt im Norden an die Gemeinde Brombachtal, die Stadt Bad König und die Gemeinde Lützelbach, im Osten an die Stadt Klingenberg, die Märkte Laudenbach, Kleinheubach, die Stadt Miltenberg, der Markt Weilbach, die Stadt Amorbach und der Markt Kirchzell (alle sieben Landkreis Miltenberg in Bayern), im Süden an die Stadt Erbach, sowie im Westen an die Gemeinden Mossautal und Reichelsheim.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtteile von Michelstadt sind:

Geschichte[Bearbeiten]

Marktplatz mit Rathaus
Diebsturm an der Stadtmauer

Michelstadt wurde im Jahre 741 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt durch den fränkischen Hausmeier Karlmann, den Onkel Karls des Großen.

Michelstadt zählt zu den ältesten Siedlungen des inneren Odenwaldes. Seine Burg ist aus einem fränkischen Gutshof hervorgegangen. Diese wurde zu einem Zufluchtsort für die Bewohner der Umgebung ausgebaut; als fränkisches Königsgut schenkte es im Jahre 741 Fürst Karlmann (der Onkel Karls des Großen) dem Bonifatiusschüler Burkard, dem ersten Bischof von Würzburg. Diese Schenkung war sicherlich dem Bischof Burkhart persönlich zugedacht, denn das Gebiet von „Michelnstat“ ging nach seinem Tode im Jahr 791 wieder an die fränkische Königskrone zurück.

Im Jahre 815 wurde die Mark „Michlinstat“ erneut verschenkt. Als Anerkennung für seine großen Verdienste als Vertrauter am Hofe Karls des Großen erhielt Einhard den Hauptort und alles Land im Umkreis von zwei Leugen (etwa 15 km) von Karls Sohn, Ludwig dem Frommen, als freies Eigentum. Er ist der Erbauer der Einhardsbasilika. Im Jahre 819 vermachte er seinen Odenwälder Besitz dem Kloster Lorsch und beschrieb dabei recht genau die Grenzen der Mark Michelstadt. Mit Einhards Tod am 14. März 840 trat das Kloster Lorsch dessen Erbe an. 1551 wurde angeblich die Michelstädter Apotheke gegründet.

Im 17. Jahrhundert wurden die ersten Häuser außerhalb der schützenden Mauern errichtet. Als drittes Stadttor kam 1773 noch das Neutor hinzu. Im 19. Jahrhundert wurden die Tortürme nacheinander abgerissen.

Im Jahre 1806 kam Michelstadt mit der Grafschaft Erbach, die seit 1500 im Fränkischen Reichskreis lag, zum Großherzogtum Hessen.

Der Bau der Eisenbahnlinie − auch Odenwaldbahn genannt − und ihre Fertigstellung 1870 nach Darmstadt sowie die Weiterführung 1881 nach Eberbach brachte für Michelstadt einen starken wirtschaftlichen Aufschwung: Aus dem einstigen Ackerbürgerstädtchen mit all seinen Handwerkern und Händlern entwickelte sich ein ansehnliches Gemeinwesen mit bedeutenden Industriebetrieben auf der Grundlage einer jahrhundertealten Eisenverarbeitung, die schon im 16. Jh. begonnen hatte. Wirtschaftlich begann ein neues Zeitalter. Aus der Tuchweber- und Färberzunft entwickelte sich eine Tuchfabrik, aus Eisenhütten entstanden Maschinenfabriken. Die Elfenbeinschnitzerei war Ausgangspunkt für Betriebe der Souvenir-Branche und der Kunststoff-Verarbeitung.

Im Jahr 2007 wurde die Fusion der Städte Michelstadt und Erbach zur neuen Stadt Erbach-Michelstadt für 2009 beschlossen. Ziel war es, einerseits mit 31.000 Einwohnern eine größere Gewichtung in Hessen zu haben und andererseits Kosten einzusparen. Durch einen Bürgerentscheid in beiden Städten wurde das Vorhaben jedoch gestoppt. Die Michelstädter votierten dabei mit 54,9 Prozent gegen die Städtefusion.[2]

Eingemeindungen:

Im Rahmen der hessischen Gemeindegebietsreform wurden dem Stadtgebiet Michelstadt vom 1. April 1971 bis zum 1. August 1972 sieben bis dahin selbständige Gemeinden zugeordnet.[3]

Stadtteil Datum der
Eingemeindung
Ew.
1961
Ew.
1970
Ew.
2012[4]
Anmerkungen
Michelstadt 7779 8559 8927
Rehbach 1. Dezember 1971 264 303 586
Steinbach 1. August 1972 1869 1904 2096 mit dem Weiler Asselbrunn
Steinbuch 1. Februar 1972 540 527 554
Stockheim 1. April 1971 504 649 1367
Vielbrunn 1. August 1972 986 1163 1297 mit den Weilern Bremhof und Brunnthal
Weiten-Gesäß 1. Oktober 1971 661 758 961
Würzberg 1. Februar 1972 835 837 840 mit den Weilern Mangelsbach und Eulbach

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Kommunalwahl in Michelstadt 2011
 %
40
30
20
10
0
35,7 %
23,2 %
21,7 %
14,5 %
3,7 %
1,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-1,0 %p
+0,4 %p
-5,7 %p
+5,1 %p
± 0,0 %p
+1,2 %p

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [5]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 35,7 13 36,7 14 36,7 14
ÜWG Überparteiliche Wählergemeinschaft 23,2 9 22,8 8 26,8 10
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 21,7 8 27,4 10 27,0 10
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 14,5 5 9,4 4 9,5 3
FDP Freie Demokratische Partei 3,7 1 3,7 1
DIE LINKE Die Linke 1,2 1
Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 49,2 49,3 56,6
Fachwerkhäuser am Marktplatz mit Marktbrunnen
Elephantenhaus
Historischer Gasthof "Grüner Baum"

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Wahl vom 8. März 2009 wurde der parteilose Kandidat Stephan Kelbert mit 52,7 % im ersten Wahlgang zum Bürgermeister gewählt. Er trat das Amt am 16. September 2009 als Nachfolger von Reinhold Ruhr (ÜWG) an, der die Stadt von 1979 bis 2009 regierte.

Amtszeit Name Partei
1919–1930 Heinrich Ritzel SPD
1930–1933 Karl Neff SPD
1933–? Anton Leber[6] NSDAP
1946–1954 Adam Wöber[7] SPD
1954–1979 Erwin Hasenzahl ÜWG
1979–2009 Reinhold Ruhr ÜWG
seit 2009 Stephan Kelbert parteilos

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Geteilt von Blau und Gold. Oben zwei sechsstrahlige goldene Sterne, unten das Gold damasziert.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Städtefreundschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten]

Christliche Gemeinden[Bearbeiten]

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten]

Synagoge Michelstadt

Muslimische Gemeinde[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

  • Kleinkunstbühne Patat
  • Erbach-Michelstädter Theatersommer, Freilichtspiele vor dem historischen Rathaus (ehemals Michelstädter Theatersommer im Kellereihof), seit 2009 im jährlichen Wechsel mit Erbach
  • Theaterkarren e.V. Odenwald, seit 1998 Veranstaltungen mit wechselnden Gruppen und Regisseuren

Museen[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Michelstadt hat eine pittoreske Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern. Besondere Erwähnung verdienen – teils innerhalb der Altstadt, teils in den Wäldern des sonstigen Stadtgebiets − die folgenden Bauwerke: das Historische Rathaus, der Diebsturm an der Stadtmauer, der Kellereihof (eine im frühen Renaissancestil überbaute fränkische frühmittelalterliche Burganlage) im Stadtmauer-Ring von Michelstadt, die spätgotische Stadtkirche (Ende des 15. Jahrhunderts), die Einhards-Basilika, das Schloss der Grafen zu Erbach-Fürstenau - Schloss Fürstenau – darin Teile einer alten Wasserburg in Michelstadt-Steinbach, das Jagdschloss Eulbach der Grafen zu Erbach-Erbach mit dem Eulbacher Park, die Synagoge, das Römerbad und Kastelle als Teil des Neckar-Odenwald-Limes.

Historisches Rathaus

Rathaus von 1484

Das Michelstädter Fachwerk-Rathaus, das auf einer Briefmarke der Deutschen Post abgebildet und in der ganzen Welt bekannt ist, wurde im Jahre 1484 im Stil der Spätgotik errichtet, danach mehrfach im Inneren verändert und war von 1743 bis 1903 verschindelt. Das Erdgeschoss des Rathauses diente von Beginn an als Markthalle. Das Rathaus wurde in Rähmbauweise errichtet, der rückwärtige Teil (Ostwand) war ursprünglich ein Teil der Friedhofsmauer, auf der das obere Rähm des Erdgeschosses aufliegt. Der Baumeister ist unbekannt, vermutet wird, dass die Anregung für den Bau von Schenk Adolar von Erbach und Bischof Johann von Dalberg (dessen Berater) ausgegangen sein könnte. — Eine moderne Replik des Rathauses ist die in den 1970er Jahren errichtete Casa Moellmann im brasilianischen Blumenau.

Burg Michelstadt

Hauptartikel: Burg Michelstadt

Die Burg Michelstadt, auch Kellerei genannt, ist eine im Wesentlichen im 16. Jahrhundert überbaute fränkische frühmittelalterliche Burganlage, die in den Stadtmauer-Ring um Michelstadt integriert ist. Der als Diebsturm bezeichnete westliche Turm diente als Gefängnis und wird heute bei Stadtführungen fälschlicherweise als der Bergfried der Frankenburg bezeichnet.

Die spätgotische Stadtkirche

Hauptartikel: Stadtkirche Michelstadt

Die 1490 fertiggestellte Stadtkirche wurde als Ersatz für eine in karolingischer Zeit von Einhard an Stelle einer Holzkirche erbauten Steinkirche errichtet. Die Pfeiler des Mittelschiffs sowie die Wände des südlichen und nördlichen Seitenschiffs wurden 1475 gebaut. Der Chor stammt aus dem Jahr 1461, die Nordwand des Vorchors ist noch karolingisch. Sie beherbergte bis in die 1970er Jahre in ihrem Glockenturm eine der wertvollsten Bibliotheken Deutschlands, die über tausend Bände umfassende Bibliothek des aus Michelstadt stammenden Speyrer Domherren Nicolaus Matz, die dieser seiner Vaterstadt und ihren Bürgern zu Ende des 14. Jahrhunderts vererbte. Die Bibliothek ist mittlerweile in einem eigens dafür umgebauten Lagerhaus der Michelstädter Poststation derer von Thurn und Taxis untergebracht. Die Vorgängerin der Stadtkirche wurde neben dem hier erneut hervorspringenden Bach namens „Kiliansfloß“ erbaut. Der gefasste Kiliansfloß speiste neben dem Taufbecken auch alle städtischen Brunnen. Die eigentliche Quelle des Kiliansfloßes liegt jedoch weit außerhalb der Stadt, der Bach verschwindet unweit des Friedhofs in einem Erdloch und entspringt dann wieder mitten in der Stadt.

Einhardsbasilika im Stadtteil Steinbach

Einhardsbasilika (Steinbach) bei Michelstadt, erbaut um 825

Die Einhardsbasilika wurde von Einhard erbaut, dem Chronisten und Vertrauten Karls des Großen. Die zwischen 824 und 827 errichtete karolingische Kirche ist eines von wenigen in weiten Teilen erhalten gebliebenen karolingischen Bauwerken überhaupt.

Im Auftrage Einhards hatte sein notarius Ratleik in Rom Reliquien der Heiligen Petrus und Marcellinus gestohlen; sie wurden in der Krypta der Basilika aufbewahrt. Als diese begannen, „Blut zu schwitzen“, und zudem Einhards Diener entsprechende Alpträume hatten, kam Einhard zu der Auffassung, daß sich die Gebeine in der Krypta nicht „wohlfühlten“, und daher verlegte er zusammen mit seiner Frau Emma seinen Sitz und die Reliquien nach Ober-Mulinheim am Main, dem heutigen Seligenstadt, das dann auch zu einem Wallfahrtsort mit einer neuen, größeren Basilika wurde. Überliefert ist, dass die gestohlenen Reliquien versteckt von Rom bis Saint-Maurice (Kanton Wallis) transportiert wurden. Von dort wurden sie in einem jubelnden Pilgerzug nach Michelstadt gebracht.

Die Steinbacher Basilika wurde mehrfach umgebaut, erweitert, umgewidmet, diente als Hospital und ab dem 17. Jahrhundert als Scheune. Nach der Wiederentdeckung als karolingisch im Jahr 1873 begann die Erforschung und Sicherung der noch intakten Teile der Basilika. Die Einhards-Basilika war bis 1967 im Besitz der Grafen zu Erbach-Fürstenau. Heute ist das Gelände Eigentum des Landes Hessen.

Das Schloss der Grafen zu Erbach-Fürstenau im Stadtteil Steinbach

Schloss Fürstenau mit Schmucktorbogen (1588)
Neues Palais (links) des Schlosses Fürstenau

Das gesamte Schlossensemble ist eine sehenswerte Aneinanderreihung verschiedener Baustile: von Resten der alten kurmainzischen Grenzfestung und Wasserburg (um 1300) auf der Nordseite über die gotischen Arbeiten der Steinmetze, die vom Straßburger Münsterbauhof nach Steinbach kamen, hin zum Renaissance-Stil des gigantischen Torbogens (1588) zwischen den beiden westlichen Ecktürmen der Wasserburg, der die Burgmauer ersetzte und den finsteren und feuchten Burghof zum ehemaligen Burggarten hin öffnete, der Renaissance-Schlossmühle, einer ehemaligen Münzprägestätte (heute eigenes Laufwasserkraftwerk), dem zierlichen barocken Kavaliershaus an der Mümling, dem westlich an die Wasserburg angrenzenden klassizistischen Wohntrakt „Neues Palais“ (1810/1811) und der spätbarocken Orangerie im Schlosspark, der ganz modern im englischen Stil gestaltet wurde. Im Obergeschoss der Orangerie war das kleine Schlosstheater untergebracht.

Schloss Fürstenau wird noch heute vom Chef des gräflichen Hauses zu Erbach-Fürstenau und seiner Familie bewohnt. Die ehemals kurmainzische Wehranlage lag auf dem Grund des Schenken zu Erbach (einem Ahnherrn des damals noch ungeteilten Geschlechts) und kam 1355 in seinen Besitz. Eine Außenbesichtigung des Schlosses ist tagsüber möglich. In der stilvollen äußeren Vorburg mit einem Torbogen von 1765 haben sich einige bekannte bildende Künstler eingerichtet (u.a. im ehemaligen Marstall, nach 1765).

Synagoge

Hauptartikel: Synagoge Michelstadt

Die 1791 errichtete Synagoge in der Mauerstraße 19 ist eine der wenigen Synagogen in Südhessen, die nach der nationalsozialistischen Judenverfolgung erhalten geblieben sind.

Römerbad und Kastelle

Hauptartikel: Kastell Würzberg

In der unmittelbaren Nähe von Würzberg befinden sich mitten auf einer Waldlichtung die Überreste eines römischen Kastells, das als Teil des Neckar-Odenwald-Limes etwa im Jahre 100 nach Christus erbaut wurde und circa 60 Jahre lang benutzt wurde, bevor die Grenzlinie weiter nach Osten verschoben wurde. Das Kastell ist nur noch in seinen Umrissen durch einen Erdwall zu erkennen. Das direkt am Kastell gelegene kleine römische Badehaus hingegen wurde teilweise restauriert, die Böden wiederhergestellt und die Mauern bis in eine Höhe von ungefähr einem Meter aufgebaut. So lässt sich trotz der geringen Größe des Bades, das nur für die circa 120 Mann starke Besatzung des Kastells erbaut wurde, der Aufbau eines römischen Bades gut erkennen.

Unweit des Ortsteils Vielbrunn sind im Bereich des ehemaligen Jagdschlosses der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg auch noch die Spuren des Limes-Kastells Hainhaus im Gelände sichtbar. Ferner befindet sich am östlichen Rande des Michelstädter Gebietes das Kastell Eulbach nahe dem Eulbacher Park, einem englischen Landschaftspark aus dem frühen 19. Jahrhundert mit dem gleichnamigen Jagdschloss und einem angegliederten Wildpark.

Weitere Bauwerke

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Limeswanderweg zwischen den Turmstellen Wp 10/14 und Wp 10/15 am Odenwaldlimes
Turmrekonstruktion im Kastell Hainhaus
  • „Michelstädter Bienenmarkt“ - Jedes Jahr an Pfingsten, findet seit 1954 statt.
  • „Musiknacht“ - Jedes Jahr kurz vor Beginn der hessischen Sommerferien finden in der Altstadt verschiedene Konzertaufführungen statt.
  • „Kirchweihfest mit Weinbrunnenfest“ - Aus den Brunnen der Altstadt wird am Weinbrunnenfest ausgeschenkt, die Brunnen werden geschmückt.
  • „Michelstädter Weihnachtsmarkt“ - Von Freitag vor dem ersten Advent an bis zum 4. Advent. Geöffnet ist der Markt Mittwoch bis Freitag von 14.00 bis 20.00 Uhr und am Wochenende von 11.00 bis 20.00 Uhr.
  • „Nightgroove“ - Der erste Samstag im November. Viele Bands spielen in verschiedenen Kneipen und Restaurants.
  • „Erbach-Michelstädter Theatersommer“ - seit 2003 jährliche Freilichtfestspiele im Wechsel mit der Stadt Erbach.
  • "Erbach-Michelstädter Museumsnacht" - seit 2007 jährlich im Herbst.
  • Wochenmarkt - jeden Freitag von 8 bis 13 Uhr auf dem Bienenmarktgelände, jeden Samstag von 8 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz.

Wirtschaft, Infrastruktur, Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Das Amtsgericht Michelstadt, ein Gericht der Ordentlichen Gerichtsbarkeit, hat seinen Sitz in Michelstadt.

Verkehr[Bearbeiten]

In Michelstadt kreuzen sich die Bundesstraßen 45 und 47, beides alte Handelsstraßen von Frankfurt am Main nach Augsburg bzw. von Worms nach Würzburg.

Die Stadt verfügt über einen Bahnhof an der Odenwaldbahn (Eberbach–Erbach–Darmstadt–Frankfurt bzw. –Hanau). Hier halten Regionalbahn-, (Stadt-Express-) und Regional-Express-Züge der VIAS GmbH.

Zudem verfügt Michelstadt über den Sonderlandeplatz Flugplatz Michelstadt, der etwa zwei Kilometer westlich der Stadt liegt und von einem Verein betrieben wird.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Entlang der Mümling führen folgende Radwanderwege:

  • Der 225 km lange 3-Länder-Radweg führt als Rundweg durch das Dreiländereck von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Entlang von Mümling, Neckar und Main erkundet die Route den Odenwald.
  • Der Mümlingtalradweg R1 ist Teil des Drei-Länder-Radwegs und verbindet über 75 Kilometer Hirschhorn am Neckar mit Obernburg am Main.
  • Der Hessische Radfernweg R4 beginnt in Hirschhorn am Neckar und verläuft mit einer Gesamtlänge von 385 Kilometern von Süd nach Nord durch Hessen, entlang von Mümling, Nidda und Schwalm nach Bad Karlshafen an der Weser.

Bildung[Bearbeiten]

  • Stadtschule Michelstadt (Grundschule)
  • Schule am Hollerbusch (Grundschule)
  • Einhardschule (Grundschule des Stadtteils Steinbach)
  • Grundschule Vielbrunn
  • Theodor-Litt-Schule (Real- und Hauptschule)
  • Gymnasium Michelstadt
  • Berufliches Schulzentrum Odenwaldkreis, beinhaltet u. a. Berufsschule, Berufsfachschule und Berufliches Gymnasium. Heutiger Name: „BSO - Europaschule“.

Philatelie[Bearbeiten]

Zum Jubiläum "500 Jahre Rathaus Michelstadt" wurde von der Deutschen Bundespost am 16. Februar 1984 eine Briefmarke herausgegeben.[9] Außerdem gab es dazu ein Ersttagsbrief mit Sonderstempel von Bonn und von Michelstadt. Von 1927 bis 1932 wurde der erste Werbestempel beim Postamt in Michelstadt für die Entwertung von Postwertzeichen verwendet. Auf dem Stempel ist das historische Rathaus von Michelstadt abgebildet (Text des Stempels: Michelstadt (Odenwald) Luftkurort Stadion). Die ersten zwei Ganzsachen (Postkarte mit eingedrucktem Postwertzeichen) mit Motiven von Michelstadt wurden durch die Deutsche Reichspost 1928 verausgabt: als Motive wurden jeweils der historische Ortskern mit dem Rathaus sowie das Stadion in Michelstadt auf den Bildpostkarten abgebildet.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Klimatabelle[Bearbeiten]

Michelstadt-Vielbrunn
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
94
 
1
-3
 
 
83
 
3
-2
 
 
78
 
7
0
 
 
71
 
12
3
 
 
78
 
16
7
 
 
97
 
20
11
 
 
93
 
21
12
 
 
98
 
21
12
 
 
79
 
18
9
 
 
76
 
13
6
 
 
98
 
6
1
 
 
109
 
3
-2
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Michelstadt-Vielbrunn
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1 3 7 12 16 20 21 21 18 13 6 3 Ø 11,8
Min. Temperatur (°C) −3 −2 0 3 7 11 12 12 9 6 1 −2 Ø 4,5
Niederschlag (mm) 94 83 78 71 78 97 93 98 79 76 98 109 Σ 1.054
Regentage (d) 19 15 12 14 13 13 15 14 14 14 17 17 Σ 177
Luftfeuchtigkeit (%) 88 84 80 75 73 75 74 75 80 83 87 88 Ø 80,1
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1
−3
3
−2
7
0
12
3
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7
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9
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6
6
1
3
−2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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d
e
r
s
c
h
l
a
g
94
83
78
71
78
97
93
98
79
76
98
109
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfram Becher: Michelstadt und Erbach. Zwei romantische Städte im Odenwald. Amorbach 1980
  • Philipp Buxbaum: Michelstadt in Wort und Bild. Ein Heimatbuch. Börsig-Verlag Darmstadt 1950, OCLC 73290302
  • Wolfgang Hartmann: Zu den frühen urkundlichen Erwähnungen von Michelstadt im Odenwald. In: Der Odenwald 40 (1993), S. 47–57. Online-Publikation
  • Wolfgang Hartmann: Der Einhardweg von Michelstadt nach Seligenstadt. In: Odenwälder Jahrbuch für Kultur und Geschichte 1997, S. 93–102. Online-Publikation

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Michelstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Michelstadt – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Erbach-Michelstadt: Städte-Hochzeit geplatzt, abgerufen am 24. Oktober 2012
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 358 und 359.
  4. Stadt Michelstadt: Daten-Zahlen-Fakten. Einwohnerzahlen
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  6. "Das Historisch-Politische Buch" 4/2000,abgerufen im März 2012
  7. Echo Online vom 16 November 2010
  8. Evangelisches Dekanat Odenwald
  9. Michel-Katalog Nr. 1200
  10. Michel-Katalog Nr. P 185