Narva (Stadt)
| Narva | |||
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| Staat: | |||
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| Koordinaten: | 59° 22′ N, 28° 11′ O59.36666666666728.18333333333325Koordinaten: 59° 22′ N, 28° 11′ O | ||
| Höhe: | 25 m | ||
| Fläche: | 84,54 km² | ||
| Einwohner: | 66.621 (2008) | ||
| Bevölkerungsdichte: | 788 Einwohner je km² | ||
| Zeitzone: | EET (UTC+2) | ||
| Telefonvorwahl: | (+372) 035 | ||
| Postleitzahl: | 20001 - 21020 | ||
| Bürgermeister: | Tarmo Tammiste | ||
| Postanschrift: | Peetri pl. 5 20308 Narva |
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| Webpräsenz: | |||
Narva (deutsch Narwa; russisch Нарва) ist die drittgrößte Stadt der Republik Estland, eine wichtige Industriestadt und das Zentrum der russischsprachigen Minderheit Estlands, zu der ca. 95 % der Einwohner Narvas gehören.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Narva ist die östlichste Stadt Estlands. Sie liegt an der Grenze zu Russland am Fluss Narva, der hier den Grenzfluss bildet und nördlich der Stadt in den Finnischen Meerbusen der Ostsee mündet. Zusammen mit Iwangorod auf der russischen Seite bildet Narva eine Zwillingsstadt.
Vorgeschichte [Bearbeiten]
Zwischen 4600 bis 4100 v. Chr. ist die auch Narva-Kultur genannte Baltische Haffküstenkultur hier verbreitet. Sie gilt als Substratkultur der späteren Westbalten[1].
Geschichte [Bearbeiten]
Durch seine günstige Lage war Narva schon im Mittelalter ein bedeutender Handelsplatz. In der Nowgoroder Chronik wird die Siedlung 1171 erwähnt. 1302 erhielt sie Stadtrecht. Die Dänen verkauften das Gebiet 1346 an den Deutschen Orden. 1492 erbaute Iwan III. (Russland) auf der östlichen Seite der Narva die Festung Iwangorod. Der Livländische Krieg führte zur Besetzung Narvas durch Russland im Jahre 1558. 1581 begann die schwedische Herrschaft. Mit der Schließung des Hansekontors Peterhof in Nowgorod durch Zar Iwan III. nahm die Bedeutung Narvas für den Handel nochmals zu.
Während des Großen Nordischen Krieges fand am 30. November 1700 hier die Schlacht von Narva statt, in der die russische Armee unter Peter I. eine verheerende Niederlage erlitt. Nach der Reorganisierung seiner Truppen eroberte Peter jedoch 1704 (→ Belagerung von Narva) Narva und verleibte mit dem Frieden von Nystad 1721 große Gebiete des Baltikums und Kareliens dem Russischen Reich ein.
Im 19. Jahrhundert verlor Narva seine Bedeutung als Hafenstadt und entwickelte sich zu einem Zentrum der Textilherstellung. Das Unternehmen Kreenholm hat lange Zeit eine erhebliche Rolle für die Stadt gespielt. Von 1918 bis 1940 gehörte die Stadt zur Republik Estland, danach mit der sowjetischen Besetzung Estlands bis 1991 zur Estnischen SSR.
Narva wurde im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört. Die historischen Bauten wurden in der Regel nicht wieder aufgebaut. Das Stadtbild wird heute von Wohnblöcken mit unverputzten Ziegelfassaden geprägt, die in sowjetischer Zeit gebaut wurden. In dieser Zeit kamen viele russische Zuwanderer in die Stadt, aber auch aus anderen Unionsrepubliken wurden Arbeiter für die Narvaer Industriebetriebe angesiedelt, während die evakuierte estnische Bevölkerung lange Zeit nicht zurückkehren durfte. Daher rührt der heutige hohe russischsprachige Bevölkerungsanteil.
Iwangorod [Bearbeiten]
Nach der Gründung von Iwangorod auf dem anderen Ufer der Narva im Jahr 1492 entstand über viele Jahrzehnte eine enge Beziehung zwischen den beiden Städten. In der Zeit der staatlichen Unabhängigkeit der Republik Estland von 1918 bis 1940 lag auch Iwangorod auf estnischem Territorium, da die Grenze zur damaligen Sowjetunion weiter östlich lag. Nach der Okkupation Estlands durch die Sowjetunion 1940 und Konstituierung der Estnischen SSR wurde der Narvafluss zur Grenze zwischen den damaligen Unionsrepubliken Estland und Russland. Mit der erneuten Unabhängigkeit Estlands 1991 entstand wieder eine bewachte Grenze, die seit dem Beitritt Estlands zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 Außengrenze der EU ist.
Politik [Bearbeiten]
Städtepartnerschaften [Bearbeiten]
Karlskoga, Schweden
Tinglev, Dänemark
Donezk, Ukraine
Lahti, Finnland
Iwangorod, Russland
Pärnu, Estland
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Museen [Bearbeiten]
- Narva Muuseum mit umfangreicher Ausstellung in der Hermannsfeste zur Geschichte von Stadt, Festung und Region sowie der in einem barocken Altstadtgebäude aus dem 18. Jahrhundert untergebrachten Kunstgalerie.
Bauwerke [Bearbeiten]
- Die Hermannsfeste (Hermanni Linnus), eine nach schweren Kriegszerstörungen restaurierte Festung des Deutschen Ordens, liegt der am Westufer der Narva gegenüber der russischen Festung Iwangorod. Im Turm der Festung ist die geschichtliche Ausstellung des Narva Museums untergebracht. Im Innenhof der Festung befindet sich das letzte öffentlich ausgestellte Denkmal Lenins im Baltikum, das ursprünglich im Stadtzentrum von Narva aufgestellt gewesen war.
- Das Rathaus wurde während der schwedischen Herrschaft von 1665 bis 1671 nach Entwurf des aus Lübeck stammenden Architekten Georg Teuffel im Stil des niederländischen Klassizismus errichtet und nach schweren 1944 erlittenen Kriegsbeschädigungen als eines der wenigen Baudenkmale im Altstadtbereich von 1960 bis 1963 wieder aufgebaut[2]
- Die russisch-orthodoxe Auferstehungskathedrale wurde von 1890 bis 1898 im neobyzantinischen Stil errichtet.
- Die evangelisch-lutherische Alexanderkirche wurde in Form eines Oktogens mit ebenfalls achteckigem 61 Meter hohen Turm 1883/1884 im neuromanischen Stil errichtet und nach dem bei einem Attentat 1881 ums Leben gekommenen Zaren Alexander II. benannt. Sie wurde 1944 zerstört und in der Nachkriegszeit wiederaufgebaut, der Glockenturm 2007/2008 rekonstruiert.
Parks [Bearbeiten]
Am Stadtrand von Narva liegt, direkt am Grenzfluss Narwa, ein deutscher Kriegsgräberfriedhof, der bereits 1943 von der deutschen Wehrmacht angelegt worden ist. Er wird seit der Mitte der 1990er Jahre vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut und unterhalten. Die weitläufige Anlage, auf der rund 15 000 Kriegstote ruhen und auf der immer noch Zubettungen Gefallener stattfinden, wurde am 29. August 1999 eingeweiht. In Narva bestand das sowjetische Kriegsgefangenenlager 393 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[3] Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital 1011, Kiviõli, versorgt.
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Verkehr [Bearbeiten]
Durch Narva verlaufen sowohl die wichtigste Fernstraße von Tallinn nach Sankt Petersburg als auch die Haupteisenbahnlinie, die vor allem im Güterverkehr mit Russland bedeutsam ist. Im Eisenbahnpersonenverkehr fahren nur zwei Zugpaare: Narva-Tallinn und Moskau-Narva-Tallinn. Wie überall in Estland hat der Busverkehr einen größeren Anteil im Personenverkehr.
Ansässige Unternehmen [Bearbeiten]
Eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben Narvas spielt das 1857 gegründete Textilunternehmen Kreenholm, das heute zur schwedischen Boras Wäfveri AB gehört.
Medien [Bearbeiten]
Die Zeitung "Narva Postiljon" ist mit 5.000 Exemplaren die einzige Lokalzeitung der Stadt. Sie wird einmal pro Woche (am Samstag) in estnischer Sprache herausgegeben. Zweimal wöchentlich erscheint sie unter dem Namen "Narvskaja Gazeta" auf russisch.
Bildung [Bearbeiten]
In Narva gibt es eine Außenstelle der Universität Tartu, das Narva Kolledž, wo hauptsächlich Lehrer ausgebildet werden. Unterrichtssprache ist vor allem Russisch. Ferner gibt es dort eine Außenstelle der privaten Estonian Entrepreneurship University for Applied Sciences.[4]
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]
- Johann Ludwig Werder (1808–1885), Fabrikant und Techniker, Leiter der Klettschen Maschinenfabrik in Nürnberg
- Napoléon Peltzer (1802–1889), deutscher Tuchfabrikant und Förderer der russischen Feintuchindustrie
- Alexander Ritter (1833-1896), Komponist
- Artur Rinne (1910–1984), Sänger
- Paul Keres (1916–1975), Schachspieler
- Paul Felix Schmidt (1916–1984), Schachspieler
- Ortvin Sarapu (1924–1999), Schachspieler, später nach Neuseeland ausgewandert
- Waleri Georgijewitsch Karpin (* 1969), russischer Fußballspieler
- Aleksei Jahhimovitš (* 1990), estnischer Fußballspieler
- Leo Komarov (*1987), finnischer Eishockeyspieler
Literatur [Bearbeiten]
- Anton Weiss-Wendt: Must-valge linn / Schwarz-weiße Stadt. Vana-Narva fotoajalugu / Fotogeschichte Narvas. Kataloog / Katalog. Tallinn, 1997
- Karsten Brüggemann (Hrsg.): Narva und die Ostseeregion. Beiträge der II. Internationalen Konferenz über die Politischen und Kulturellen Beziehungen zwischen Russland und der Ostseeregion (Narva, 1. - 3. Mai 2003) = Narva and the Baltic sea region. Narva Kolledž, Narva 2004, ISBN 9985-4-0417-3
- Heinrich J. Hansen, Geschichte der Stadt Narva, H. Laakmann, 1858, Digitalisat
- Dirk-Gerd Erpenbeck, Enn Küng: Narvaer Bürger- und Einwohnerbuch 1581 - 1704. Dortmund: Forschungsstelle Ostmitteleuropa 2000, ISBN 3-923293-63-1
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Marija Gimbutas: Die Ethnogenese der europäischen Indogermanen. Innsbruck, Inst. f. Sprachwissenschaft d. Univ., 1992
- ↑ http://www.estland.com/staedte/narva/sehenswuerdigkeiten-in-narva/bauwerke/.
- ↑ Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
- ↑ http://www.eek.ee/index.php?pg=292&fil=nar
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Internetpräsenz der Stadt
- Narvaer Kolleg der Universität Tartu
- Das Narvamuseum (estn./russ./en.)
- Stadtansicht, nach J. B. v. Fischer: Versuch einer Naturgeschichte von Livland, 2. Auflage, Königsberg 1791 (nicht aufgeklapptes Faltbild im Anhang)
- Art-Project Narva 2012 (Fotokunst und Malerei)