Pančevo

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Pancsova ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für den gleichnamigen ungarisch-österreichischen Zoologen und Anthropologen siehe Ludwig Graff de Pancsova.
Панчево
Pančevo
Pancsova
Panciova
Панчево
Wappen von Pančevo
Pančevo (Serbien)
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Basisdaten
Staat: Serbien
Provinz: Vojvodina
Okrug: Južni Banat
(südliches Banat)
Koordinaten: 44° 52′ N, 20° 39′ O44.87388888888920.65194444444477Koordinaten: 44° 52′ 26″ N, 20° 39′ 7″ O
Höhe: 77 m. i. J.
Fläche: 148,8 km²
Einwohner: 76.203 (2011)
Bevölkerungsdichte: 512 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+381) 013
Postleitzahl: 26101
Kfz-Kennzeichen: PA
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Svetozar Gavrilović (SPS)
Webpräsenz:

Pančevo (serbisch-kyrillisch Панчево, Aussprache: [ˈpâːntʃɛvɔ]; deutsch Pantschowa, ungarisch Pancsova) ist eine Stadt mit 76.203 Einwohnern in der Vojvodina, Serbien. Sie liegt an der Mündung der Temesch in die Donau und ist ca. 20 km von Belgrad entfernt. Sie ist die Hauptstadt vom Okrug Južni Banat und von der gleichnamigen Opština.

Katholische Kirche St. Karl Borromäus

Geschichte[Bearbeiten]

Es gibt in und um die Stadt Pančevo zahlreiche archäologische Ausgrabungsstätten, die darauf hinweisen, dass die Gegend bereits seit prähistorischen Zeiten durchgehend besiedelt war.

Der älteste bekannte Name der Stadt lautet Panuka und geht auf das 9. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1153 wurde Pančevo von dem arabischen Geografen Abu Abdullah Muhammad al-Idrisi unter dem Namen Bansif als bedeutende Handelsmetropole erwähnt. Von 1522 bis 1716 war Pančevo als gleichnamiger Sandschak Teil des Eyalet von Temeschwar des Osmanischen Reiches. Nach Eroberung durch österreichische Truppen im Rahmen des Venezianisch-Österreichischen Türkenkriegs im Jahre 1716 kam Pančevo unter die Herrschaft der Habsburger. Mit dem Jahre 1918 wurde die Stadt ein Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen.

Pančevo (1941–1945)[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs stand Pančevo unter deutscher Besatzung. In dieser Zeit ermordeten Offiziere der deutschen Wehrmacht kurz nach der Kapitulation Jugoslawiens zahlreiche Gefangene in Pančevo: Am 22. April 1941 wurden, nachdem 9 Volksdeutsche und ein Angehöriger der Waffen-SS durch serbische Zivilisten getötet worden waren, insgesamt 18 willkürlich ausgewählte Menschen am Friedhof der Stadt gehängt und nochmals 18 Menschen erschossen.[1]

Bahnhof Pančevo-Vorstadt
Serbisch-orthodoxe Kirche Hl. Verklärung

Folgen der NATO-Angriffe 1999[Bearbeiten]

Im Kosovokrieg 1999 wurden mehrere Industrieanlagen in Pančevo durch NATO-Flugzeuge schwer bombardiert. Aus der Stadt und den umliegenden Orten musste ein großer Teil der Bevölkerung wegen der durch die Brände verursachten hohen toxischen Kontamination der Luft kurzfristig evakuiert werden. Allein in der NIS-Raffinerie verbrannten geschätzte 62.000 Tonnen Öl.

Nach Studien des amerikanischen Institute for Energy and Environmental Research (IEER) und des United Nations Environment Programme (UNEP) sickerten beispielsweise 2.100 Tonnen krebserregendes 1,2-Dichlorethan, 250 Tonnen flüssiges Ammoniak und 8 Tonnen Quecksilber in die Böden und das Grundwasser. Die im Grundwasser nachgewiesene Konzentration der giftigen Chemikalien betrug noch Jahre nach dem Bombardement mehr als das Zigtausendfache des zulässigen Grenzwertes. Die langfristige Folge ist eine nicht abschätzbare gesundheitsschädigende Belastung für Mensch und Umwelt.

Die Studie des IEER kommt zu dem Schluss, dass die Angriffe auf Pančevo möglicherweise einen Verstoß gegen internationales Recht, namentlich das Zusatzprotokoll I der Genfer Konventionen, darstellen könnten.[2]

Wirtschaft und Kultur[Bearbeiten]

Georg Weifert auf dem 1000-Dinar-Schein

Pančevo ist eine wichtige Industriestadt, das Zentrum der serbischen Petrochemie und zahlreicher anderer Unternehmen (HIP Petrohemija, NIS Raffinerie, Flugzeugfabrik Utva, Tesla Glühbirnenfabrik u.a.).

Weifert-Brauerei[Bearbeiten]

1722 wurde die Pantschowaer Brauerei gegründet und ist damit die älteste Brauerei im heutigen Serbien.[3] 1840 übernahm Ignatius Weifert die Brauerei von Verwandten und benannte sie „Weifert“-Brauerei. Georg Weifert finanzierte den Bau der katholischen St. Anna Kirchenkapelle (zu Ehren seiner Mutter Anna) in Pančevo. 1911 wurde die Brauerei mit neuer Technologie modernisiert. Die Braukapazität betrug 1929 insgesamt 100.000 Hektoliter Bier sowie 50 Waggons Malz jährlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei in Pančevačka pivara umbenannt. Im Jahre 2003 wurde die Brauerei privatisiert und von der türkischen Gruppe Anadolu Efes aufgekauft. Diese führten den traditionsträchtigen Namen „Weifert“ wieder ein. Die Brauerei wurde 2008 geschlossen.

Pančevac[Bearbeiten]

Der Pančevac (Панчевац) ist die älteste serbischsprachige Zeitung im heutigen Serbien. Die erste Ausgabe erschien am 13. April 1869. Die Zeitung erreicht heute eine Auflage von 12500 Exemplaren.

Demographie[Bearbeiten]

Bevölkerungsverteilung der Stadt Pančevo[Bearbeiten]

  • Volkszählung 1869: 16.888 Einwohner. Bei der ersten amtlichen Volkszählung wurden noch keine Daten über die Muttersprache ermittelt.[4]
  • Volkszählung 1910: 20.808 Einwohner, davon 8.714 Serben, 7.467 Deutsche, 769 Rumänen, 3.364 Ungarn, 244 Slowaken, 135 Kroaten und 115 Sonstige.[5]
  • Volkszählung 1948: 30.516 Einwohner, davon 18.519 Serben, 1.406 Deutsche, 266 Rumänen, 5.196 Ungarn, 1.797 Slowaken, 1.360 Kroaten, 185 Mazedonier und 1787 Sonstige.[6]
  • Volkszählung 2002: 77.087 Einwohner, davon 60.963 Serben, 172 Deutsche, 746 Rumänen, 3.279 Ungarn, 1.407 Slowaken, 712 Kroaten, 1196 Mazedonier und 8.612 Sonstige.[7]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Luka Iliċ: Historische Skizze der kaiserlich königlichen Militär-Communität Pantschowa. Siebenhaar Verlag, Pantschowa 1855.
  • Felix Milleker: Geschichte der Stadt Pančevo. Wittigschlager Verlag, Pančevo 1925.
  • Otto Vogenberger: Pantschowa - Zentrum des Deutschtums im Banat. Pannonia Verlag, Freilassing 1961.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. Manoschek: Du – Strick! Du – Kugel! Pancevo, April 1941 (Reihe "Zeitläufte"). In: Die Zeit, 8. Juli 1999.
  2. IEER: Two Case Studies of the Bombings of Industrial Facilities at Pancevo and Kragujevac. UNEP: Feasibility Study.
  3. http://www.pancevo.com/zdanja/vajfertova-pivara/?lang=lat
  4. Az 1869. évi népszámlálás adatai. Seite 216
  5. Magyar Király Központi Statisztika Hivatal (Hrsg.): A magyar szent korona országainak 1910. évi népszámlálása. Budapest 1912. Seite 372 und Seite 373.
  6. Konačni rezultati popisa stanovništva od 15 marta 1948 godine.
  7. Republic of Serbia: 2002 Census of population, households and dwellings. Volume 1, Seiten 36 und 37.
  8. Predrag Voštinic: Pančevo: Giangrandi cittadino onorario. 9. November 2010. Abgerufen am 27. April 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pančevo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien