Pančevo

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Pancsova ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für den gleichnamigen ungarisch-österreichischen Zoologen und Anthropologen siehe Ludwig Graff de Pancsova.
Панчево
Pančevo
Pancsova
Panciova
Панчево
Wappen von Pančevo
Pančevo (Serbien)
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Basisdaten
Staat: Serbien
Provinz: Vojvodina
Okrug: Južni Banat
(südliches Banat)
Koordinaten: 44° 52′ N, 20° 39′ O44.87388888888920.651944444444130Koordinaten: 44° 52′ 26″ N, 20° 39′ 7″ O
Höhe: 130 m. i. J.
Fläche: 230 km²
Einwohner: 92.326 (2002)
Agglomeration: 126.069 (2002)
Bevölkerungsdichte: 401 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+381) 013
Postleitzahl: 26101
Kfz-Kennzeichen: PA
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Svetozar Gavrilović (SPS)
Webpräsenz:

Pančevo (serbisch Панчево/Pančevo, Aussprache: [ˈpâːntʃɛvɔ]; deutsch Pantschowa, ungarisch Pancsova) ist eine serbische Stadt an der Mündung des Flusses Temesch (serbisch: Tamiš) in die Donau. Sie liegt an der E 70 zwischen der Hauptstadt Belgrad (ca. 20 km) und der rumänischen Grenze (ca. 70 km).

Pančevo ist eine wichtige Industriestadt, das Zentrum der serbischen Petrochemie, beherbergt daneben aber auch Flugzeugwerke, Raffinerien, pharmazeutische Unternehmen, Stahlbauunternehmen, elektrotechnische Unternehmen (Tesla-Werke) u.a.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung im Jahr 2002 hatte die Stadt 92.326 Einwohner, in der Gemeinde lebten 127.162 Einwohner. Damit ist Pančevo nach Novi Sad und Subotica die drittgrößte Stadt in der Vojvodina und die größte Stadt im serbischen Teil des Banats. Die Bevölkerung besteht (laut der Volkszählung von 2002) hauptsächlich aus Serben (76,38 %), dazu kommen noch kleine Gruppen von Mazedoniern (4,14 %), Rumänen (3,19 %), Ungarn (3,17 %), Jugoslawen (2,35 %), Slowaken (1,24 %), Roma (1,09 %), Deutsche (0,18 %).

Altstadt

Geschichte[Bearbeiten]

Es gibt in und um die Stadt Pančevo zahlreiche archäologische Ausgrabungsstätten, die darauf hinweisen, dass die Gegend bereits seit prähistorischen Zeiten durchgehend besiedelt war.

Der älteste bekannte Name der Stadt lautet Panuka und geht auf das 9. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1153 wurde Pančevo von dem arabischen Geografen Abu Abdullah Muhammad al-Idrisi unter dem Namen Bansif als bedeutende Handelsmetropole erwähnt. Von 1522 bis 1716 stand Pančevo als Teil des Sandschak von Temeschwar unter osmanischer Herrschaft. Nach Eroberung durch österreichische Truppen im Rahmen des Venezianisch-Österreichischen Türkenkriegs im Jahre 1716 kam Pančevo unter die Herrschaft der Habsburger.

Mit dem Jahre 1918 wurde die Stadt ein Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Während des Zweiten Weltkriegs stand Pančevo unter deutscher Besatzung. In dieser Zeit ermordeten Offiziere der deutschen Wehrmacht kurz nach der Kapitulation Jugoslawiens zahlreiche Gefangene in Pančevo: Am 22. April 1941 wurden, nachdem mehrere Volksdeutsche und ein Angehöriger der Waffen-SS durch serbische Zivilisten getötet worden waren, insgesamt 18 willkürlich ausgewählte Menschen am Friedhof der Stadt gehängt und nochmals 18 Menschen erschossen.[1]

Bahnhof Pančevo-Vorstadt

Vor der Internierung der ortsansässigen deutschen Bevölkerung in das Lager Rudolfsgnad im Oktober 1944 wurden 222 Einheimische von Angehörigen der Tito-Partisanen hingerichtet. Laut der Volkszählung von 2002 leben nicht mehr als 200 Deutschstämmige in der Stadt und Umgebung.

Alte serbisch-orthodoxe Kirche im Stadtzentrum

Folgen der NATO-Angriffe 1999[Bearbeiten]

Im Kosovokrieg 1999 wurde die Stadt durch NATO-Flugzeuge schwer bombardiert. Die durch die Freisetzung von Chemikalien ausgelösten Kontaminationen haben in der Folge zu einem massiven Ansteigen der Krebsrate und der Kindersterblichkeit geführt.

Nach einer Studie des amerikanischen Institute for Energy and Environmental Research (IEER)[2] wurden beispielsweise 1.400 Tonnen 1,2-Dichlorethan freigesetzt, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Aus dieser Substanz entstand in den vom Bombardement ausgelösten Bränden unter anderem Phosgen, das im Ersten Weltkrieg als chemischer Kampfstoff eingesetzt wurde. Darüber hinaus wurden aus einer gleichfalls bombardierten Düngemittelfabrik in Pančevo 15.000 Tonnen Ammoniak freigesetzt. Die Konzentration des gleichfalls toxischen Vinylchlorids betrug nach dem Bombardement mehr als das Zehntausendfache des zulässigen Grenzwertes.

Dieselbe Studie kommt zu dem Schluss, dass die Angriffe auf Pančevo möglicherweise ein Verstoß gegen internationales Recht, namentlich das Zusatzprotokoll I der Genfer Konventionen, darstellen könnten. Aufgrund der Geheimhaltung der Kriterien für der Auswahl der Ziele ist eine Verifizierung allerdings nicht möglich.

Weifert-Brauerei[Bearbeiten]

Katholische Kirche St. Ana
Georg Weifert auf dem 1000-Dinar-Schein

1722 wurde die Pantschowaer Brauerei gegründet und ist damit älteste Brauerei im heutigen Serbien.[3] 1840 übernahm Ignatius Weifert die Brauerei von Verwandten und benannte sie „Weifert“-Brauerei. Seinen Sohn Georg schickte er zur Ausbildung zu Sedelmayer nach Weihenstephan. Dieser gründete nach seiner Rückkehr weitere Brauereien in Serbien, so dass die Weiferts den Biermarkt in Serbien praktisch beherrschten. "The Vajferts definitively conquered Serbia with beer“. [1] Georg Weifert (später auch „Đorđe Vajfert“ genannt) ermöglichte mit seinem Geld den Bau der katholischen „St. Ana Kirche“ (zu Ehren seiner Mutter Ana) in Pantschewo. 1911 wurde die Brauerei mit neuer Technologie modernisiert. Die Braukapazität betrug 1929 insgesamt 100.000 Hektoliter Bier sowie 50 Waggons Malz jährlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei enteignet und in Pančevačka pivara umbenannt. Im Jahre 2003 wurde die Brauerei privatisiert und von der türkischen Gruppe „Anadolu Efes“ aufgekauft. Diese führten den traditionsträchtigen Namen „Weifert“ wieder ein.

Pančevac[Bearbeiten]

Der Pančevac (Панчевац) ist die älteste serbischsprachige Zeitung im heutigen Serbien. Die erste Ausgabe erschien am 13. April 1869. Die Zeitung erreicht heute eine Auflage von 12500 Exemplaren.

Utva[Bearbeiten]

In Pančevo befindet sich der einzige serbische Flugzeughersteller Utva.

Orte der Gemeinde Pančevo[Bearbeiten]

Die Gemeinde (Opština) Pančevo besteht aus der Kreisstadt Pančevo, den Städten Kačarevo (Franzfeld) und Starčevo, sowie den folgenden Dörfern:

Demographie[Bearbeiten]

Bevölkerungsverteilung in der Gemeinde Pančevo[Bearbeiten]

Jahr Gesamt Serben Deutsche Rumänen Ungarn Slowaken Mazedonier (slawische Ethnie) Jugoslawen Kroaten Roma Rest
1910 62.491 31,0 % 36,72 % 15,77 % 10,30 % 2,05 % 0,0 % 0,0 % 2,2 % 0,53 % 1,43 %
1931 63.158 36,15,% 38,50 % N.D 7.37 % N.D 0.0,% 0.0 % N.D N.D 17,96 %
1961 93.744 64,40 % N.D 7,71 % 8,17 % 2,30 % N.D N.D 2,99 % 0,22 % 14,21 %
1991 125.261 68,92 % 0,24 % 4,03 % 4,02 % 1,39 % N.D N.D 1,35 % 0,79 % 19,26 %
2002 127.162 76,.38 % 0,18 % 3,19 % 3,17 % 1,24 % 4,14 % 2,35 % 0,92 % 1,09 % 7,34 %

Die meisten Gemeinden verfügen über eine serbische Mehrheit. In Ivanovo gibt es eine ungarische Mehrheit. In Jabuka, Glogonj und Kačarevo gibt es eine beachtliche mazedonische Minderheit (um 30 %). Jabuka ist die größte mazedonische Siedlung außerhalb Mazedoniens.

Seit Schließung des China-Markts in Budapest hat sich der chinesische Markt und mit ihm eine chinesische Gemeinde nach Pančevo-Nord verschoben, sodass Pančevo heute über die größte chinesische Gemeinde in Serbien verfügt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. Manoschek: Du – Strick! Du – Kugel! Pancevo, April 1941 (Reihe "Zeitläufte"). In: Die Zeit, 8. Juli 1999.
  2. http://www.ieer.org/reports/bombing/pbwh.pdf
  3. http://www.portal-srbija.com/prehrambena-industrija/pivare-proizvodnja-piva/efes-weifert-pivara-pancevo/
  4. Predrag Voštinic: Pančevo: Giangrandi cittadino onorario. 9. November 2010. Abgerufen am 27. April 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pančevo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien