Sihl

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Sihl
Die Sihl bei Sihlwald

Die Sihl bei Sihlwald

Daten
Gewässerkennzahl CH: 577
Lage Kanton Schwyz, Kanton Zug, Kanton Zürich; Schweiz
Flusssystem Rhein
Abfluss über Limmat → Aare → Rhein → Nordsee
Quelle am Drusberg in Schwyz
47° 0′ 36″ N, 8° 50′ 29″ O
Quellhöhe 1800 m ü. M.
Mündung am Platzspitz in die LimmatKoordinaten: 47° 22′ 58″ N, 8° 32′ 19″ O; CH1903: 683062 / 248576
47° 22′ 58″ N, 8° 32′ 19″ O
Mündungshöhe 402 m ü. M.
Höhenunterschied 1398 m
Sohlgefälle 21 ‰
Länge 68 km
Einzugsgebiet 341 km²
Linke Nebenflüsse Alp
Rechte Nebenflüsse Schanzengraben
Durchflossene Stauseen Sihlsee

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Die Sihl ist ein Schweizer Fluss und grösster Nebenfluss der Limmat. Sie entwässert Teile der Schwyzer Voralpen und fliesst dann in einem schmalen Korridor südlich des Zürichsees und nördlich resp. östlich des Einzugsgebiets von Reuss und Reppisch nach Nordwesten der Stadt Zürich zu, wo sie mündet. Die Sihl ist 68 Kilometer lang und entwässert ein Gebiet von 341 Quadratkilometern.

Der Name des Flusses stammt aus dem Keltischen und bedeutet die Starke.[2]

Verlauf

Sihlsprung

Die Sihl entspringt am Nordosthang des Drusbergs im Kanton Schwyz südlich von Studen und östlich des Hoch-Ybrigs.

Bei Einsiedeln wird sie zum Sihlsee gestaut, dem mit einer Oberfläche von 11 km² grössten Stausee der Schweiz. Unterhalb der Staumauer führt die Sihl gemäss Konzession 0,3 m³/s bis 0,4 m³/s respektive bei der Zürcher Kantonsgrenze 2,5 m³/s bis 3,0 m³/s Wasser. Durchschnittlich 88 % des natürlichen Zuflusses könnten somit für die Energiegewinnung verwendet werden. Dieses Wasser wird durch den Etzel per Druckleitung nach Altendorf SZ ins Kraftwerk und von dort in den Zürichsee geleitet.[3] Wo heute der Sihlsee liegt, gab es bereits vor 15'000 Jahren einen Natursee von sogar grösserer Fläche.[4]

Wenig unterhalb der Staumauer wird die Sihl bei Egg SZ von der Teufelsbrücke überquert, über die der Jakobsweg Pfäffikon SZ und den Etzelpass mit Einsiedeln verbindet. Unmittelbar neben ihr wurde 1493 Paracelsus geboren.

Ein bedeutender Nebenfluss ist die Alp, die bei Biberbrugg mündet. Etwas unterhalb von Schindellegi verlässt die Sihl den Kanton Schwyz, fliesst ein Stück weit durch den Kanton Zürich und begrenzt ihn dann von Hütten bis Sihlbrugg gegen den Kanton Zug. In diesem Abschnitt liegen bei Schönenberg Stromschnellen, der so genannte Sihlsprung.

Ab Sihlbrugg fliesst die Sihl durch das Zürcher Sihltal, das links von der Bergkette des Albis und rechts vom flacheren Hügelzug des Zimmerbergs begleitet wird. Zwischen Sihlbrugg und Langnau am Albis liegt der Sihlwald, ein Naturschutzgebiet im Besitz der Stadt Zürich und früher der für die Holzversorgung der Stadt bedeutsame Stadtwald.[5] Die Strecke oberhalb Sihlbrugg war für die Holztrift weniger geeignet, so dass es dabei immer zu hohen Verlusten kam.[6] Danach passiert die Sihl Adliswil und erreicht bei Leimbach die Stadt Zürich. In diesem Abschnitt verliert sie einen grossen Teil ihres Wassers, da sich im 19. Jahrhundert viele Fabriken «auf ewige Zeit» ein Wassernutzungsrecht gesichert haben, zur Energiegewinnung oder als Prozesswasser. Durch zahlreiche Korrekturen des Flussbettes wurde in dieser Zeit die grosse Strömungsgeschwindigkeit reduziert.

In Zürich-Brunau legt sich über den Flusslauf auf Brücken eine Stadtautobahn, die Sihlhochstrasse. Ab dem Sihlhölzli fliesst das Gewässer wieder offen und wird nebst anderen von der Stauffacherbrücke gequert. Auf den letzten hundert Metern vereinigt sie sich mit dem Wasser des Schanzengrabens, einem Grabenrest der südlichen Stadtbefestigung von Zürich. Danach zieht sie unter den 16 oberirdischen Geleisen des Hauptbahnhofs durch und mündet am Platzspitz beim Landesmuseum in die Limmat.

Frühere Mündungsarme

Die Sihl transportierte früher 18'000 Kubikmeter und mehr Geschiebe pro Jahr aus den Alpen ins Gebiet der Stadt Zürich, wo diese Ablagerungen den Untergrund prägten. Das Delta der Sihl umfasste in frühgeschichtlicher Zeit aber nicht nur das heutige Mündungsgebiet in die Limmat, sondern erstreckte sich mit vielen Mündungsarmen auch südlich des Lindenhof-Hügels, die sich in den Zürichsee ergossen.

Im 1. Jahrtausend vor Christus staute das von der Sihl herangeführte Geröll den Abfluss der Limmat auf. Dadurch stieg der Spiegel des Zürichsees deutlich an. Damals dürften weite Bereiche am heutigen Ufer Schwemmgebiet gewesen sein, darunter auch der Bereich der ganzen Oberen Bahnhofstrasse und des Paradeplatzes. Durch Beseitigung des Gerölls bei der Sihlmündung in die Limmat in römischer Zeit sank der Wasserspiegel des Zürichsees stark, weshalb damals Bauten auch auf heute wieder überschwemmten Gebiet errichtet werden konnten. Auch damals floss ein Arm der Sihl beim Münsterhof in die Limmat.

Die Sihl in Zürich kurz vor ihrem Zusammenfluss mit der Limmat

In spät- oder nachrömischer Zeit wurde kein Geröll mehr entfernt, der Seespiegel stieg rasch wieder für mehrere Jahrhunderte und erneut ergossen sich mehrere Sihlarme in den Zürichsee. Im Verlaufe des Frühmittelalters regulierte man die Sihl wieder. Spätestens seit dem Jahr 853, als das Fraumünster gegründet wurde, muss der Seespiegel auf heutigem Niveau gelegen haben. Alles Sihlwasser wird seither nördlich des Lindenhofhügels in die Limmat geleitet, anstauendes Geröll wurde entfernt.[7]

Noch bis ins 20. Jahrhundert wurde ein Sihlarm – in Quellen aus dem 15. Jahrhundert im Gegensatz zum Hauptarm Wilde Sihl Zahme Sihl genannt, später Sihlkanal –,[8] anfangs noch durch die Stadtbefestigung hindurch und über den Schanzengraben in die Innenstadt nördlich des Rennwegs geleitet. Er trieb in der Stadt Wasserräder an und mündete beim Gedeckten Brüggli in die Limmat.

Hochwassergefahr

Zum letzten grossen Hochwasser in der Stadt Zürich wegen der Sihl kam es 1910. Noch immer geht für die Stadt eine grosse Gefahr aus: starke Unwetter in den Schwyzer Voralpen könnten zu Überschwemmungen in Zürich führen. Im Jahr 2015 standen zwei Projekte zur Diskussion, mit denen in Notfällen eine Entlastung erreicht werden könnte: Eine Vergrösserung des Druckstollens des Etzelstauwerks, womit – nebst der Stromproduktion – der Sihlsee zu einem grossen Rückhaltebecken würde, sowie ein Entlastungsstollen zwischen Langnau am Albis und dem Zürichsee.[9]

Bei einem Bruch der Sihlsee-Talsperre würden Teile der Stadt Zürich mehrere Meter hoch überschwemmt werden. Die Flutwelle würde die obere Stadtgrenze in Leimbach nach eineinhalb Stunden, das Stadtzentrum nach knapp zwei und die untere Stadtgrenze bei Altstetten nach knapp drei Stunden erreichen.[10]

Bilder

Weblinks

Commons: Sihl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. MHQ: Landeshydrologie und -Geologie: Hydrologischer Atlas der Schweiz, Daten zur Tafel 5.6 (1938 – 1990), übrige Daten: Bundesamt für Umwelt: Hydrologisches Jahrbuch der Schweiz 2009, Bern 2010
  2. Sihlbrücke. In: Gang dur Züri. Abgerufen am 26. Oktober 2010.
  3. Etzelwerk 2006. (PDF; 947 kB) Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  4. Ur-Sihlsee. In: Sihlsee.ch.vu. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  5. Gartenbauamt der Stadt Zürich über den Sihlwald
  6. Daniel Bitterli: Flösserei auf der Sihl zwischen der Region Einsiedeln und Zürich. In: Historischer Verein Zentralschweiz (Hrsg.): Der Geschichtsfreund. Nr. 161. Luzern 2008, S. 63–75 (Kopie des Artikels [PDF]).
  7. Dölf Wild: Die Zürcher City unter Wasser – Interaktion zwischen Natur und Mensch in der Frühzeit Zürichs. In: Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Archäologie und Denkmalpflege. Bericht 2006–2008. gta Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-85676-238-4, S. 21–23 (Online-Version, PDF, 507 KB).
  8. Kupferstich (evtl. 1834) Die Schlacht bey St. Jakob an der Sihl d. 22. July 1443
  9. Adi Kälin: Die Sihl bleibt ein wilder Fluss. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 146, 27. Juni 2015, S. 16 (Artikel online).
  10. Schutz und Rettung Stadt Zürich (PDF; 396 kB)