Straßenbahn Gera

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Straßenbahn
Straßenbahn Gera
Bild
Straßenbahnlinie 1 in Zwötzen
Basisinformationen
Staat Deutschland
Stadt Gera
Eröffnung 22. Februar 1892
Elektrifizierung seit Eröffnung
Betreiber GVB
Verkehrsverbund VMT
Infrastruktur
Streckenlänge 18,5 km
Spurweite 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem 600 V DC Oberleitung
Betriebsart Einrichtungsbetrieb
Haltestellen 40
Betriebshöfe 1
Betrieb
Linien 3
Takt in der HVZ 5 min (Li. 3) bis 30 min (Li. 2)
Fahrzeuge 28 KT4D, 6 KTNF8, 12 NGT8G
Statistik
Einwohner im
Einzugsgebiet
107 Tsd.
Netzplan
Linien der Geraer Straßenbahn (Stand 2013)

Die Geraer Straßenbahn ist die Straßenbahn der ostthüringischen Stadt Gera. Der Betreiber ist der Geraer Verkehrsbetrieb GmbH. Sie ist nach der Hallenser Straßenbahn die zweitälteste elektrische Straßenbahn Deutschlands. Sie wurde am 22. Februar 1892 eröffnet und hat eine Spurweite von 1.000 mm. Das heute aus drei Linien bestehende Netz wird vom Geraer Verkehrsbetrieb GmbH (GVB) mit 28 modernisierten KT4D-Gelenktriebwagen, 6 KTNF8-Gelenktriebwagen mit Niederflurmittelteil sowie 12 NGT8G-Niederflurtriebwagen von Alstom aus Salzgitter unterhalten. Der GVB vermarktet die Straßenbahn als Stadtbahn, vor allem die jüngste Linie 1. Der Fahrgastverband Pro Bahn hat den GVB mit dem Fahrgastpreis 2008 für die hervorragende Verknüpfung der Straßenbahn an drei Bahnhöfen/Haltepunkten ausgezeichnet[1] und mit dem Fahrgastpreis 2014 für die vorbildliche Gestaltung der Nutzbarkeit des ÖPNV sowie die effiziente Organisation der Fahrzeuginstandhaltung.[2] Am 03.07.2014 stellte die Geschäftsführung der GVB GmbH beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, nachdem bereits am 27.06.2014 das Mutterunternehmen Stadtwerke Gera AG einen Insolvenzantrag gestellt hatte. [3]

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1971[Bearbeiten]

Haltestelle Bogenhard in der Johannisgasse 1893

Nach Eröffnung am 22. Februar 1892 durch die Localbahn-Bau und Betriebs-Gesellschaft Wilhelm Hostmann & Co. aus Hannover als zweite elektrische Straßenbahn in Deutschland oblag die Betriebsführung zunächst der Eisenbahn-Bau und Betriebs-Gesellschaft Vering & Waechter aus Berlin als Eigentümer. Am 31. Dezember 1905 gingen Eigentum und Betriebsführung auf die Geraer Elektrizitätswerk und Straßenbahn AG über.

Die ersten beiden, zusammen 8,6 km langen Straßenbahnlinien führten von Tinz nach Debschwitz (Südfriedhof) und von Untermhaus (Mühlgrabenbrücke) nach Lindenthal (bei der heutigen Haltestelle Wintergarten). Ein Jahr später, am 1. April 1893, folgte die dritte Linie vom heutigen Hauptbahnhof nach Pöppeln. Die Linien trafen sich in der Heinrichstraße (damals Roßplatz), die bis heute die zentrale Umsteigestelle des Geraer Nahverkehrs geblieben ist.

Die Lindenthaler Strecke wurde am 8. November 1901 zum Bahnhof Pforten verlängert, wo vier Tage später die Schmalspurbahn nach Meuselwitz eröffnet wurde. Die Straßenbahn erhielt einen Gleisanschluss an diese Strecke, über den fortan Eisenbahngüterwagen zu den Geraer Industriebetrieben transportiert wurden. Am 19. November 1925 kam eine Strecke nach Zwötzen hinzu, die am Wintergarten von der Pfortener Strecke abzweigte und über die Ochsenbrücke führte. Die Debschwitzer Strecke wurde 1935 um eine Haltestelle bis zur Schenkendorfstraße verlängert. Inzwischen war am 17. August 1930 die erste Streckenstilllegung des Netzes erfolgt, die den kurzen Abschnitt vom Wilhelmplatz (heute Friedrich-Naumann-Platz) zur Mühlgrabenbrücke in Untermhaus betraf.

1945 musste die Linie nach Pöppeln, die schon ab der Eröffnung des O-Bus-Betriebs nach Leumnitz 1939 nur am Wochenende betrieben worden war, wegen der Kriegszerstörungen eingestellt werden. Auch die Zweigstrecke vom Puschkinplatz zum Hauptbahnhof fiel den Kriegswirren zum Opfer. In den 1950er-Jahren wurde das Netz zunächst nach Süden erweitert (1956 von Debschwitz nach Lusan (Zoitzbergstraße) sowie 1959 die Verbindung zur bestehenden Strecke in Zwötzen, wodurch der sogenannte Südring entstand), doch in den 1960er-Jahren plante die Regierung der DDR, den Straßenbahnbetrieb in allen Städten mit weniger als 200.000 Einwohnern einzustellen. Daher wurde die Linie vom Stadtzentrum nach Untermhaus am 16. Juni 1968 eingestellt; der Abschnitt Stadtzentrum–Wintergarten–Zwötzen folgte am 14. November 1971. Damit gab es in der Stadt nur noch eine Straßenbahnlinie, die von Tinz durch das Zentrum und über Debschwitz nach Zwötzen, Wendeschleife (in Höhe Wehrstraße) fuhr. Auch in Tinz war in den 1960er Jahren eine Wendeschleife gebaut worden, so dass nun auch Einrichtungszüge eingesetzt werden konnten.

Entstehung des heutigen Netzes[Bearbeiten]

Straße der Republik (Heinrichstraße) 1968
Straßenbahnlinie 3 in der Leipziger Straße, August 1989

Ab 1972 baute man im Südwesten der Stadt das Neubaugebiet Lusan, das später mit 45.000 Einwohnern zum größten Neubaugebiet im Bezirk Gera wurde. Es sollte mit einer neuen Straßenbahnlinie zwischen den Wendeschleifen Tinz und Lusan-Brüte erschlossen werden, deren erster Abschnitt bis zur Wendeschleife Zeulenrodaer Straße (jetzt Lusan-Brüte) am 5. Oktober 1977 eröffnet wurde. Zu diesem Zweck wurden die ersten der neuen Triebwagen vom Typ KT4D angeschafft. Die Linie wurde am 27. und 28. Oktober 1979 bis Lusan-Zeulsdorf erweitert, die Endhaltestelle Lusan-Brüte − ursprünglich nur als Provisorium geplant − ist aber bis heute in Betrieb.

Am 1. Juni 1984 wurde auf der Sorge, der Hauptfußgängerzone der Stadt, der letzte eingleisige Abschnitt des Streckennetzes stillgelegt. Die Bahn erhielt einen neuen Gleiskörper in der parallel zur Sorge verlaufenden Straße Hinter der Mauer, die komplett umgestaltet und zur Vermeidung politischer Assoziationen vorübergehend in Am Leumnitzer Tor umbenannt wurde. Zu diesem Zweck wurde die Trasse unter einem Mehrfamilienhaus hindurch geführt, damals einmalig in der DDR. Nicht vergessen werden sollte, dass - ebenfalls zu den Arbeiterfestspielen 1984 in Gera - ein Gleis für eine Wendeschleife um den Busbahnhof am Hauptbahnhof gelegt wurde, welche aber nie ans Straßenbahnnetz angeschlossen wurde. Zuletzt (vor der letzten Umgestaltung des Bahnhofsplatzes) zeugte ein noch dort als Imbiss aufgestellter Straßenbahnwagen von diesem Plan, den Bahnhof/Busbahnhof wieder ans Straßenbahnnetz anzuschließen.

Ab 1986 folgte im Nordosten der Stadt die Errichtung des Neubaugebietes Bieblach Ost, das durch eine Verlängerung der Linie Lusan - Tinz mit der Straßenbahn erschlossen wurde. In dieser Form wird die Linie bis heute betrieben. Wie bereits in Lusan wurde die Bahn auch in Bieblach Ost in mehreren Abschnitten gebaut und eröffnet. Zunächst wurde diese Strecke am 18. Dezember 1986 bis zur Haltestelle Roschütz (heute Heidecksburgstraße) in Betrieb genommen; am 24. April 1989 dann bis zum heutigen Endpunkt Bieblach Ost. Anders als in Lusan wurde die provisorische Wendeschleife Roschütz aber wieder zurückgebaut. Hinter der Wendeschleife Bieblach/Ost sollte ein neuer Betriebshof entstehen (neben dem damals ohnehin schon im Süden der Stadt geplanten), entsprechend hat man die Schleife baulich bereits für eine Erweiterung angelegt. Jedoch stoppte die Wende viele Pläne, im Neubaugebiet wurden nicht alle geplanten Abschnitte bebaut, der Betriebshof wurde gestrichen. Heute kündet nur noch das ungenutzte Parallelgleis in der Wendeschleife von diesem Vorhaben.

Nach der Wiedervereinigung setzte eine rasche Modernisierung des Straßenbahnbetriebes ein. Ab 26. Oktober 1990 wurden im regulären Linienbetrieb keine zweiachsigen Wagen (Gothawagen Serien ET57 bis 62 bzw. Tatra T2D) mehr eingesetzt. Diese Fahrzeuge stammten zum Teil noch aus den 1950er-Jahren.

Der Betriebshof der Straßenbahn wurde von der De-Smit-Straße im Stadtzentrum an den südlichen Stadtrand verlegt. Mit dem Bau des Einkaufszentrums Gera-Arcaden wurde die Zentrale Umsteigestelle Heinrichstraße komplett umgestaltet und Ende 1998 übergeben.

Stadtbahnprogramm Stufe I[Bearbeiten]

Im Zeitraum 2002 bis 2008 erfolgte die Realisierung der ersten Stufe zum Ausbau des Straßenbahnnetzes. Verbaut wurden im Zeitraum 92 Mio. Euro, davon 64 Mio. Euro Fördermittel.

Neubau der Linie 1[Bearbeiten]

Straßenbahnlinie 1 in Zwötzen

Zwischen 2002 und 2006 wurde die „Stadtbahnlinie“ 1 von Untermhaus über Hauptbahnhof/Theater und Heinrichstraße nach Zwötzen errichtet. Das Projekt wurde maßgeblich vom damaligen GVB-Geschäftsführer und späteren (2006-12) Oberbürgermeister Norbert Vornehm vorangetrieben. Wegen Versäumnissen bei der Planung einer Eisenbahnbrücke bei Pforten war es nicht möglich, zusammen mit der alten Linie 2 einen Ring zu schließen. Die neue, sechs Kilometer lange Strecke ist für Höchstgeschwindigkeiten bis 70 km/h ausgelegt und zu 80 Prozent als eigener Bahnkörper getrennt vom Straßenverkehr ausgeführt. Von beiden Endhaltestellen erreicht man die zentrale Umsteigestelle innerhalb zunächst zehn, nach Optimierung der Ampelanlagen acht Minuten. Ein halbes Jahr vor dem ursprünglichen Termin konnte die Linie am 3. November 2006 eröffnet werden. Am 5. November 2006 begann der fahrplanmäßige Verkehr. Das Projekt stand im Zusammenhang mit der Ausrichtung der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg. Am Hauptbahnhof wurde für die Stadtbahn eine eigene Unterführung errichtet, wo sich die Haltestelle direkt unter den Bahnsteigen befindet und so das Umsteigen von der Stadtbahn zur Eisenbahn erleichtert wird.

Umbau der Linie 2[Bearbeiten]

Am Zwötzener Bahnhof wurde eine neue Wendeschleife für die Linie 2 gebaut und 2004 eröffnet. Die Schleife kann auch von Bussen genutzt werden. Seitdem halten Busse und Bahnen an demselben Bahnsteig wie die Züge der Strecken von Gera nach Saalfeld bzw. Zeulenroda. Die alte Wendeschleife in der Zwötzener Straße wurde aufgegeben und die Linienführung der Linie 2 entsprechend gekürzt.

Ausbau der Linie 3[Bearbeiten]

Im Stadtzentrum wurde eine Wendeschleife gebaut, deren Gleise heute Teil der Trasse der Stadtbahnlinie 1 sind. Es folgten der Ausbau der Berliner Straße auf einen eigenen Gleiskörper sowie in der Heinrichstraße am Park der Jugend und auf der Heinrichbrücke. Die Bahnsteiganlagen des Südbahnhofes wurden nach Norden und somit zur Straßenbahnhaltestelle Park der Jugend verlegt, so dass eine Verknüpfung zwischen der Linie 3 und der Eisenbahn entstand, wie es am Hauptbahnhof bei der Linie 1 der Fall ist. Entlang der Tinzer Straße wurde ein Rasengleis angelegt, die Wendeschleife Tinz wurde zurückgebaut und an der Berufsakademie entstand als Ersatz für die in Tinz zurückgebaute eine neue Umsteigestelle zwischen Stadtbus, Regionalbus und Straßenbahn. Pläne aus der Nachwendezeit, die Wendeschleife für Havariefälle beidseitig befahrbar zu machen, hatten sich damit erledigt.

Stadtbahnprogramm Stufe II[Bearbeiten]

Im Juli 2007 beschloss der Stadtrat die vom Verkehrsbetrieb erarbeitete Fortführung des Stadtbahnprogramms. Ursprünglich für 2009 geplant, aber aufgrund von Schwierigkeiten bei der Bereitstellung von Fördermitteln erst ein Jahr später, wurde die zweite Stufe gestartet. Bis 2015 sollen 50 Mio. Euro investiert werden, davon 32 Mio. Euro Fördermittel. Im Juli 2012 wurde das Förderverfahren vorerst ausgesetzt. Zwar hat der Bund seinen Anteil von 30 Mio. Euro in den Haushalt eingestellt und auch das Land grünes Licht gegeben, die für Mai 2012 erhoffte Freigabe nach abschließender Prüfung durch das Thüringer Verkehrsministerium war jedoch noch nicht erfolgt. Zur Aussetzung kam es auf Drängen der neuen Geraer Oberbürgermeisterin, die am 1. Juli ihr Amt angetreten hat. Der Verkehrsbetrieb wurde gebeten, die Berechnungen für das nun 5 Jahre alte Programm neu anzustellen und mögliche Alternativen zu erarbeiten. Dabei standen der Neubau der Linie 4, der Erhalt der Trasse zwischen Berufsakademie und Bieblach/Ost sowie der Umfang des Ausbaus der Wiesestraße zur Disposition. Im August fand eine durch die Oberbürgermeisterin in Auftrag gegebene erneute Wirtschaftlichkeitsprüfung statt, die die Zahlen des Verkehrsbetriebs und die Wirtschaftlichkeit bestätigte. Der Baustart soll nun spätestens Januar 2013 erfolgen.

Ausbau der Linie 3[Bearbeiten]

Im Jahr 2010 begann der Ausbau der Trasse im Bereich Hinter der Mauer auf Rasengleis mit Umgestaltung der Haltestellenbereiche. Geplant ist für 2012 der Baustart für die Sanierung der Strecke nach der Berufsakademie bis Bieblach/Ost mit Ausbau auf Stadtbahnniveau. Dieser Bauabschnitt wurde im Jahr 2013 durchgeführt. Weiter soll die Trasse zwischen Gleisdreieck Lusan und Brüte einschließlich der dortigen Wendeschleife ausgebaut bzw. die Wendeschleife umgebaut werden. Baustart hierfür war ursprünglich auch für 2012 geplant. Ab 2013 soll in drei Phasen bis 2015 die Wiesestraße gebaut und die Verkehrsverhältnisse dort neu geordnet werden. Aufgrund von Finanzierungsproblemen sind die beiden letzten Projekte vorerst auf Eis gelegt.

Neubau der Linie 4[Bearbeiten]

Der demographischen Entwicklung im Norden Geras Rechnung tragend, soll in den kommenden Jahren eine rund 3 Kilometer lange Stadtbahn-Neubaustrecke nach Langenberg entstehen, in deren Verlauf vier neue Haltestellen geplant sind. Von Lusan kommend werden die Bahnen im Norden der Stadt dann alternierend als Linie 3 nach Bieblach Ost und als Linie 4 nach Langenberg verkehren, wobei auf beiden Außenästen ein 10-Minuten-Takt vorgesehen ist.[4]

Hinter der Haltestelle Berufsakademie soll ein Gleisdreieck entstehen. Die hier beginnende Neubaustrecke überquert die Kreuzung der Tinzer und Thüringer Straße und verläuft dann am westlichen Straßenrand der Tinzer Straße entlang auf eigenem Gleiskörper in Richtung Langenberg. Hinter dem Kreiswehrersatzamt wird die Siemensstraße (Bundesstraße 7) überquert und die gleichnamige Haltestelle erreicht, die am nordöstlichen Rand des Parkplatzes von Möbel Rieger (gegenüber der Tankstelle) zu liegen kommt. Die Strecke verläuft auf eigenem Gleiskörper westlich der Erschließungsstraße durch das Gewerbegebiet und unterquert die Autobahn. Nach Kreuzen des Einmündungsbereichs der Ferdinand-Porsche-Straße folgt die Trasse der B7 in Randlage bis zur Gemarkungsgrenze.

Noch verkehren Busse zwischen Langenberg und Berufsakademie. Im Bereich der Grünfläche neben der Kirche soll die Wendeschleife der Linie 4 entstehen.

In Langenberg wird die Einmündung in die Max-Bögl-Straße gequert und die gleichnamige Haltestelle erreicht, in deren Einzugsbereich ein Park-and-Ride-Platz in unmittelbarer Nähe zur Autobahn entstehen soll. Von der Bundesstraße nach Nordwesten abzweigend, verläuft die Strecke westlich der Schrebergärten durch einen Grünzug. Die Wohnstraße Zu den Wiesen wird westlich der beiden großen Reihenhauskomplexe überquert, wobei direkt im Übergangsbereich die gleichnamige Haltestelle geplant ist. Unmittelbar dahinter verläuft die Stadtbahntrasse in einem Bogen zwischen den bestehenden Wohnhäusern hindurch nach Osten. Die Langenberger Straße (Bundesstraße 7) wird in Höhe der Abzweigung Zeitzer Straße erreicht und überquert.

Die im Uhrzeigersinn befahrene Wendeschleife mit der Endstation Langenberg kommt auf der Freifläche südlich der Zeitzer Straße zwischen Kirche und Lebensmittelmarkt zu liegen. Vorgesehen sind getrennte Aus- und Einstiegshaltestellen sowie ein Ausweichgleis. Im Innenraum der Gleisschleife entsteht für die Stadtbuslinien 27 (Wernsdorf), 28 (Großaga) und 29 (Hermsdorf) sowie für die Regionalbuslinien 203 und 204 eine ebenfalls als Wendeplatz ausgeführte Umsteigestation mit mehreren Haltebuchten. Busse befahren die Endhaltestelle gegen den Uhrzeigersinn, sodass zwei Kombibahnsteige mit der Stadtbahn entstehen. Aus- und Einstiegsbereiche von Bus und Bahn liegen sich dabei jeweils direkt gegenüber, wodurch ein schnelles Wechseln der Verkehrsmittel ermöglicht wird.[5]

Der ursprüngliche Baustart war für 2011 vorgesehen, die Bauzeit soll drei Jahre betragen. Ab April 2013 wird mit dem Bau einer provisorischen Wendeschleife und eines dauerhaften Gleisdreiecks an der Berufsakademie der Baubeginn für die Linie 4 eingeläutet.

Probleme mit der Finanzierung führen zur Stagnation des Baus.

Inwieweit der Bau nach dem Insolvenzantrag vom 03.07.2014 noch beginnt / fortgeführt wird, ist derzeit nicht bekannt.

Liniennetz[Bearbeiten]

Umsteigehaltestelle Heinrichstraße
Linie 3 im Stadtzentrum (Leipziger Straße)
Linie 3 im Stadtzentrum (Haltestelle Sorge/Markt, Hinter der Mauer)

Heutige Linien[Bearbeiten]

Folgende drei Linien der Geraer Straßenbahn werden gegenwärtig betrieben:

Linie Strecke Länge (km) Fahrzeit (min) Stationen
1
Untermhaus – Friedrich-Naumann-Platz – Hauptbahnhof/Theater – Heinrichstraße – Wintergarten – Zwötzen
6,1
19
13
2
Lusan-Zeulsdorf – Lusan-Laune – Betriebshof GVB – Bahnhof Zwötzen
3,5
11
9
3
Lusan-Zeulsdorf – Lusan-Laune – An der Spielwiese – Heinrichstraße – Straße des Bergmanns – Tinz – Berufsakademie – Bieblach-Ost
11,6
33
25

Mit dem Fahrplanwechsel am 10. Juni 2012 verkehren die Linien wie folgt:

  • Linie 1: Mo-Fr alle 10 Minuten, nach 17:45 sowie Sa und So alle 15 Minuten, alle 30 Minuten in der Nebenverkehrszeit
  • Linie 2: Mo-Fr tagsüber alle 30 Minuten, am Wochenende durch Bus der Linie 15 von Lusan/Laune nach Bahnhof Zwötzen ersetzt. Dieser verkehrt ebenfalls im 30 Minutentakt.
  • Linie 3: Mo-Fr alle 5 Minuten, nach 17:45 sowie in den Ferien ganztägig und Sa von 9:30-16:45 alle 7½ Minuten, nach 19:00 sowie Sa und So alle 15 Minuten, alle 30 Minuten in der Nebenverkehrszeit, nachts alle 70 Minuten

Während des 5- und 7½-Minuten-Taktes verkehrt auf der Linie 3 nur jede zweite Bahn bis Lusan/Zeulsdorf, die übrigen Bahnen enden bereits an der Wendeschleife Lusan/Brüte. Es wird versucht, dass nur Niederflurwagen nach Lusan/Zeulsdorf fahren. Dies ist aber abends (bei der Umstellung vom 5- auf 7½ Minutentakt) sowie in den Ferien aus organisatorischen Gründen nicht realisierbar. Zu Großveranstaltungen im Hofwiesenpark wie dem Hofwiesenparkfest verkehrt abends eine Verstärkerlinie 5 ebenfalls ab Lusan-Brüte über die Heinrichstraße nach Untermhaus, welche um 15 Minuten versetzt zu den Linien 1 und 3 verkehrt und den Takt zu dieser Zeit zwischen Lusan, dem einwohnerreichsten Stadtteil Geras, und Untermhaus auf 15 Minuten verdichtet. Die Linie 5 wird seit dem letzten Fahrplanwechsel auch an verkaufsoffenen Sonntagen von 13 bis 18 Uhr eingesetzt, um einen 7½ Minutentakt zwischen Lusan und der Innenstadt sowie Untermhaus zu ermöglichen. Zum 24. März wurde der Fahrplan erneut geändert, um den Baubeginn der Stadtbahn "Stufe Zwo" vorzubereiten. Die GVB gingen auf Kundenwünsche ein und veränderten die Verbindungen der Linien 1 und 3 an der Heinrichstraße. Zudem wurde der Fahrplan für den dauerhaften Schienenersatzverkehr zwischen Berufsakademie und Bieblach-Ost angepasst. Die Busse verkehrten dort während der gesamten Bauzeit im 10-Minuten Takt. Die Linie 3 verkehrte dennoch weiterhin im 5-Minuten Takt zwischen Lusan und der Berufsakademie. Nach Abschluss der Baumaßnahmen ist zwischen Lusan-Brüte und Bieblach-Ost wieder ein kompletter Betrieb im 5-Minutentakt gegeben.

Geschichte der Streckenbezeichnungen[Bearbeiten]

In der Wendezeit kam es teilweise zu verwirrenden Streckenbezeichnungen. Da viele Publikationen über Gera jahrelang nach 1991/92 nicht aktualisiert wurden, gab es bis Ende der 1990er-Jahre teilweise unzutreffende Linienbezeichnungen in Reiseführern. Die GVB-eigenen Dokumente sind davon größtenteils nicht betroffen.

  • Als Linie 1 fuhr eine Straßenbahn von Tinz über Lusan-Brüte nach Lusan-Zeulsdorf
  • Als Linie 1E fuhr eine Straßenbahn von Tinz nur bis Lusan-Brüte
  • Als Linie 2 fuhren die Bahnen von Tinz bis Zwötzen
  • Als Linie 3 schließlich wurde die Strecke Bieblach-Ost - Tinz - Lusan-Brüte - Lusan-Zeulsdorf bezeichnet.

Heute fahren auf dieser Relation nur noch die Bahnen der Linie 3, dafür aber im 5-Minuten-Takt. Es gab nur noch eine kürzere Variante von Lusan-Zeulsdorf bis Tinz. Diese wurde als Linie 3E bezeichnet und nur zu Verstärkerfahrten eingesetzt. In den letzten Jahren fuhr nur noch eine Verstärkerfahrt am Tag zwischen Lusan-Brüte und Tinz. Diese verkehrte nur an Schultagen und wurde als Linie 3 in den normalen Fahrplan aufgenommen. Im Februar 2008 begann der Rückbau der Wendeschleife Tinz, so dass es nur noch die Linie 3 auf dieser Relation gibt.

Die Linienführung der Linie 2 wurde in den 1990er-Jahren mehrfach geändert. Ursprünglich fuhr Linie 2 von Tinz über Gleisdreieck Lusan identisch zur Linie 3, danach auf einer eigenen Strecke nach Zwötzen. Sie wurde danach auf die Strecke Heinrichstraße - Gleisdreieck Lusan - Zwötzen gekürzt. Nachdem die Strecke zum Fahrplanwechsel vom 2. Juni 1996 komplett geändert wurde und Linie 2 zwischen Lusan-Brüte und Zwötzen verkehrte, wurde die Strecke 2004 mit dem Bau der neuen Endhaltestelle Bahnhof Zwötzen erneut gekürzt. Mit dem Fahrplanwechsel am 10. Juni 2012 wurde mit der Umstellung von 20- auf 30-Minuten-Takt die Linie bis Lusan-Zeulsdorf verlängert.

Gera im Verkehrsverbund Mittelthüringen[Bearbeiten]

Am 12. Dezember 2010 trat der Geraer Verkehrsbetrieb dem Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) und damit dem VMT-Tarif bei. Für Busse und Straßenbahnen des GVB gilt der City-Tarif der Tarifzone 40 (Gera), ebenso für Regionalzüge der DB Regio, der Erfurter Bahn sowie der Vogtlandbahn. Da die Verkehrsgesellschaften des Landkreises Greiz, der Gera innerhalb der Landesgrenzen vollständig umgibt, dem Verbund nicht beigetreten sind, wurde als Verbindung zum übrigen Verbundgebiet eine Tarifzone 881 im Landkreis Greiz geschaffen, in der der Verbundtarif nur in Regionalzügen der DB Regio sowie der Erfurter Bahn gilt. Zu dieser Zone gehören lediglich die Bahnhöfe Bad Köstritz und Kraftsdorf. Darüber hinaus wird der VMT-Tarif innerhalb der Cityzone Gera in der OVS-Linie 810 zwischen Busbahnhof und Weißig sowie den RVG/PRG Linien 27 und 28 zwischen Busbahnhof und Röppisch anerkannt.

Weitere Ausbaupläne[Bearbeiten]

Gleisplan der Geraer Straßenbahn (Stand 2012)

Konkrete Ausbaupläne nach Abschluss des aktuellen Stadtbahnprogramms gibt es derzeit nicht. Jedoch beschreibt der Flächennutzungsplan Gera 2020 drei langfristige Entwicklungsziele für das Stadt- bzw. Straßenbahnnetz:

  • Verlängerung der Strecke in Bieblach-Ost entlang der Gottlieb-Daimler-Straße bis zum Kreisverkehr Dornaer Straße (Länge etwa 1,1 Kilometer, 2 Haltestellen): Zwar ist die Ende der 80er Jahre errichtete Wendeschleife bereits für eine Verlängerung vorgesehen, jedoch soll das dafür nie benutzte Gleis im Rahmen des zweiten Stadtbahnprogramms entfernt werden. Die Realisierung dieses Vorhabens ist im Plan an eine entsprechende Entwicklung der Sonderbauflächen in Höhe des Kreisverkehres geknüpft.
  • Errichtung einer Ost-West-Achse vom Klinikum über die Heinrichstraße nach Leumnitz: Für den Westast liegt keine Trassenführung vor, weshalb er nur erwähnt wird. Für den etwa 4,2 Kilometer langen Ostast liegt eine Trassenfreihaltung im Plan vor. Dieser soll am Zschochernplatz nach Osten abzweigen, die Altenburger Straße hinauf zur Straße des Bergmanns führen, dann nach Süden durch Leumnitz schwenkend weiter in Richtung Flugplatz, in Höhe des selbigen die Bundesstraße hinüber ins Gewerbegebiet führen und dann in einer P+R Anlage östlich vom Globus enden. Die Realisierung dieses Vorhabens ist im Plan an eine entsprechende gewerbliche und industrielle Entwicklung des Gebietes „Airport Area“ geknüpft.
  • Verknüpfung der Linien 1 und 2 in Zwötzen: Angestrebt ist ein Lückenschluss zwischen dem Bahnhof Zwötzen über die Lange Straße mit der Stadtbahnlinie 1 über ein Gleisdreieck in Höhe des Ärztehauses. Ziel ist eine Reduzierung des Busverkehrs und die Erhöhung der Betriebssicherheit.

Insolvenzantrag[Bearbeiten]

Die Geschäftsführung der GVB GmbH stellte am 03.07.2014 beim Amtsgericht Gera einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Die Gründe sind hier ausbleibende Gelder seitens des Mutterunternehmens Stadtwerke Gera AG. Bei der Gründung der Unternehmen war beabsichtigt, die Gewinne der Stadtwerke aus dem Energieverkauf im Rahmen des Verlustausgleiches in den ohnehin defizitären Nahverkehr zu stecken und so die öffentlichen Haushalte zu schonen. Bedingt durch die Liberalisierung am Energiemarkt sind jedoch die Gewinne der Stadtwerke Gera eingebrochen, ein Verlustausgleich war nicht mehr möglich. Der Haushalt der Stadt Gera befindet sich ebenso in einer angespannten Lage, ein Verlustausgleich ist der Stadt Gera nicht möglich. Eine kurzfristige finanzielle Entlastung durch den Verkauf von städtischen Wohnungen war vom Stadtrat nicht gebilligt worden. Bislang hatten es Stadtwerke Gera AG, Stadtverwaltung Gera und der GVB selbst jedoch unter größten Anstrengungen geschafft, die Löhne der Mitarbeiter aufzubringen. Das Landesverwaltungsamt in Weimar hat einer erneuten Kreditaufnahme durch die Stadt Gera zur Verhinderung der Insolvenz von Stadtwerken und GVB nicht zugestimmt.

Das Insolvenzverfahren wird beim Amtsgericht Gera unter dem Aktenzeichen 8 IN 359/14 geführt, zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Dr. jur. Michael Jaffé, München bestellt worden [6]. Entgegen vieler Insolvenzen besteht jedoch kein Verfügungsverbot, es wurde lediglich die Pflicht auferlegt, dass Verfügungen des Schuldners nur mit Zustimmung durch den Insolvenzverwalter wirksam werden.

Es sind sich hingegen alle Beteiligten seitens des Landesverwaltungsamts und der Stadtverwaltung einig, den ÖPNV in Gera b.a.w. in der im Fahrplan veröffentlichten Taktung fortzuführen. Bereits in der Vergangenheit sind Taktausdünnungen diskutiert und vielfach verworfen worden, ob es diese geben wird, bleibt dem weiteren Verfahren vorbehalten.

Gütertransport[Bearbeiten]

Zwischen 1892 und 1963 sowie zwischen 1982 und 1985 wurde auf dem Netz der Geraer Straßenbahn Güterverkehr durchgeführt.

Bereits kurz nach der Eröffnung des Straßenbahnbetriebes wurde im August 1892 der Güterbahnhof des Preußischen Bahnhofs (heute Hauptbahnhof) über ein Gütergleis angeschlossen. Die Waggons wurden auf Rollböcke gestemmt und dann mit Elektrolokomotiven über das Straßenbahnnetz zu den Fabriken in Gleisnähe gefahren. Anfangs wurden hier auch die Waggons der Sächsischen Eisenbahn umgeschlagen. Als dies durch die zuständige Preußische Eisenbahn nicht mehr gewünscht war, wurde um 1896 auch der Güterbahnhof des Sächsischen Bahnhofs (heute Südbahnhof) angeschlossen.

Als um 1900/1901 im Süden der Stadt bei Pforten der Bahnhof der schmalspurigen Gera-Meuselwitz-Wuitzer Eisenbahn errichtet wurde, wurden die Gleise vom in der Nähe liegenden Depot Lindenthal (beim heutigen Wintergarten) zum neuen Pfortener Bahnhof verlängert, wo von nun an Kohle, die in der Region um Meuselwitz abgebaut wurde, übergeben und dann im Stadtgebiet mit Elektrolokomotiven an die Fabriken verteilt wurde.

Bereits 1931 war der Anschluss am Preußischen Güterbahnhof nicht mehr erforderlich, wurde stillgelegt und teilweise abgebaut. Bis in die 1950er-Jahre wurden kontinuierlich weitere Fabriken ans Straßenbahnnetz angeschlossen. Da der intensive Straßenbahnverkehr dem Autoverkehr immer mehr zum Hindernis wurde und 1963 die letzte verbliebene Lok defekt abgestellt werden musste, beschloss man, den Güterverkehr einzustellen. Ein Übriges tat dann ein schweres Unwetter, das 1969 die Gleisanlagen im Pfortener Bahnhof völlig zerstörte. Der Bahnhof wurde nicht wieder aufgebaut. Der verbliebene Anschluss am Güterbahnhof Süd diente fortan nur noch dem Verladen von Straßenbahnen auf Güterzüge.

Die Kürzung der Erdölimporte aus der Sowjetunion bewogen Anfang der 1980er-Jahre die WEMA-Werke auf Anordnung der DDR-Regierung, den Transport zwischen zwei Teilwerken im Stadtgebiet mit der Straßenbahn zu organisieren. Zu diesem Zweck wurde im Bereich der Heinrichsbrücke ein spezielles Betriebsgleis verlegt. Ein anderes Betriebsgleis existierte nahe dem Bahnhof Zwötzen in der Nähe des heutigen Betriebshofes. Der Güterverkehr konnte nur in der Nebenzeiten nach 21 Uhr stattfinden, was aber mit den Produktionsabläufen im Werk nicht vereinbar war. So fand der Verkehr nur unregelmäßig statt und wurde 1985 ganz eingestellt.

Darüber hinaus betreibt der GVB auch auf der Eisenbahntrasse von Gera nach Zeitz Güterverkehr. Zwischen dem Geraer Güterbahnhof und dem Industriegebiet Langenberg betreibt der GVB eine fünf Kilometer lange Anschlussbahn. Die Bahn wird mit Dieselrangierloks von Oiltanking befahren und ist in Normalspur ausgeführt, um reibungslosen Anschluss an das Netz der Deutschen Bahn zu ermöglichen. Laut Ex-GVB-Chef Vornehm sei dies der Einstieg in weiterführende Engagements des GVB beim Gütertransport.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

historischer KT4D
KTNF8 und KT4D auf der Linie 3
NGT8G in Untermhaus
NGT8G und historische Gotha "T57"

Eine Übersicht über die Fahrzeuge der Geraer Straßenbahn (Stand November 2006):

KT4D[Bearbeiten]

(Kurzgelenk-Triebwagen 4-achsig Deutschland)

Zwischen 1979 und 1990 wurden Tatratriebwagen des Typs KT4D beschafft, die bis 1990 alle alten Triebwagen der Typen Lowa und Gotha ablösten. Einige dieser Wagen stammten noch aus den 1950er-Jahren. Zudem kam es in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre zu zahlreichenden Neuerungen. Zwischen 1990 und 1998 wurden für den Linienbetrieb ausschließlich modernisierte KT4D-Wagen eingesetzt, von denen der GVB insgesamt 64 Exemplare der Baujahre 1978 bis 1990 besaß. Der GVB besitzt 2009 28 modernisierte KT4D, 24 davon sind mit einer Chopper-Steuerung ausgestattet. Weitere 6 KT4D wurden zu KTNF8 umgebaut, ein KT4D wurde als historische Bahn in seinen Originalzustand zurückversetzt. Die übrigen wurden größtenteils nach Tallinn und Lemberg verkauft, einige Fahrzeuge wurden auch nach Unfällen verschrottet. KT4D mit 4x40 kW werden in Gera gewöhnlich in Traktion von zwei Wagen eingesetzt. Die KT4D sind im Fahrzeugpark unter den Nummern 3xx eingegliedert. Seit April 2009 verfügen alle KT4D/KTNF8 über Fahrscheinautomaten. Zuvor mussten die Fahrscheine immer an stationären Automaten oder in den Verkaufsstellen erworben werden.

KTNF8[Bearbeiten]

(Kurzgelenk-Triebwagen Niederflur 8-achsig)

In den Jahren 1999, 2001 und 2003 wurden sechs Wagen mit Betriebsnummer 348 bis 353 zu KTNF8 umgebaut. Diese Fahrzeuge sind länger und verfügen über einen Mittelteil in Niederflurbauweise, stärkere Motoren (4x54 kW) und eine Rollstuhlrampe sowie zahlreiche technische Veränderungen. KTNF8 werden in Gera in Traktion mit KT4DMC eingesetzt.

NGT8G[Bearbeiten]

(Niederflur-Gelenktriebwagen 8-achsig Gera)

2006 wurden parallel zur Eröffnung der Stadtbahnlinie 1 sechs neue NGT8G-Niederflurstraßenbahnen von Alstom in Dienst gestellt, wobei nach einer Optimierung des Fahrplanes auf der Linie 1 statt anfangs sechs nur fünf Bahnen benötigt werden, die sechste Bahn verkehrt seitdem meistens auf der Linie 2, auf der nur eine Bahn benötigt wird. Weitere sechs Bahnen folgten in einer zweiten Lieferung von Dezember 2007 bis April 2008. Diese Wagen verkehren in Gera grundsätzlich einzeln. Mit Eintreffen des ersten Wagens der zweiten Lieferung wurde beschlossen, den Wagen Namen von Persönlichkeiten der Stadt zu geben. So erhielt der erste Wagen im Dezember 2007 den Namen Otto Dix. Die Bahnen 201-203 wurden beim Tag der offenen Tür am 10. Juli 2010 nachträglich getauft. Die neuen Wagen sollen alte, nicht modernisierte KT4D auf der Linie 3 ablösen und den Niederfluranteil auf der Linie erhöhen. Allerdings können sie die KT4D-Traktionen nicht vollwertig ersetzen, da das geringere Platzangebot in den neuen Bahnen zu den Spitzenzeiten oft an seine Grenzen stößt. Die NGT8G sind im Fahrzeugpark unter den Nummern 2xx eingegliedert.

Eine weitere nachträgliche Namensgebung für die Bahnen 204-206 ist geplant.

Zukünftiges[Bearbeiten]

Ursprünglich war im Investitionsplan für den Nahverkehr 2008-2012 für die Jahre 2010 und 2011 die Beschaffung von je zwei NGT12G- (Niederflur-Gelenktriebwagen 12-achsig Gera) Fahrzeugen festgeschrieben. Inzwischen plant man jedoch, ab 2014 schrittweise alle Tatrabahnen durch neue Niederflurfahrzeuge zu ersetzen, so dass vorerst doch keine weiteren Fahrzeuge beschafft werden. Unklar ist auch noch, ob es weitere dreiteilige Triebfahrzeuge allerdings mit Beiwagen werden oder größere mehrteilige Einzelfahrzeuge. Die Neufahrzeuge müssen für mindestens 200 Personen ausgelegt sein. So war im Oktober 2009 zu Testzwecken ein aus Darmstadt geliehener NGT8D samt Beiwagen auf der Linie 3 im Einsatz, um den Beiwagenbetrieb unter herbstlicher Witterung zu erproben, da gerade die Strecke nach Bieblach/Ost mit ihrer 6 %-Steigung recht anspruchsvoll ist.

Sonderfahrzeuge[Bearbeiten]

Historische Triebwagen[Bearbeiten]

Straßenbahnwagen Nr. 29
Straßenbahnwagen Nr. 12
Lowa-Triebwagen Nr. 16 und Gotha-Beiwagen Nr. 248

Der GVB bietet folgende historische Sonderfahrzeuge an:

  • Historischer Triebwagen "Gotha ET54" von 1958 Nr 16 (ex 118 Zwickau)
  • Historischer Triebwagen "MAN T2" von 1928 Nr 12
  • Historischer Triebwagen "MAN T2" von 1905 Nr 29 (ex 25 Plauen)
  • Historischer Beiwagen "Gotha B57" von 1959 Nr 248 (ex 159 Jena)
  • Historischer Triebwagen "KT4D" von 1983 Nr 320

Aus Jena wurde eine Garnitur aus Triebwagen Typ Gotha "T57" (Baujahr 1960, Nr 106 Ex Jena 106 Ex Gera 150) und Beiwagen Typ "Gotha B57" (Baujahr 1959 Nr 159 Ex Jena 159 Ex Gera 248) nach Gera zurückgeholt. Dieser Typ fuhr, meist mit zwei Beiwagen, bis 1990 im Geraer Liniennetz.

Diese Wagen verkehren nicht im Linienverkehr. Sie können für private Rundfahrten gemietet werden, nehmen an PR-Aktionen teil und fahren teilweise gegen einen Sonderpreis "Hop on and off".

Partybahn[Bearbeiten]

Nachdem 2002 aus Berlin ein KT4D (ex B 4591 und vor Umbau 9366) mit Spezialumbau übernommen wurde (dieser Wagen verfügt über Tresen, Disco-Technik, Gästetische, Kleinküche, Toilette und bietet 32 Fahrgästen Platz, die Bahn konnte für Veranstaltungen gebucht werden), endete dieser Einsatz im Herbst 2012 mangels Zuspruchs zur Partybahn. Am 19. Dezember 2012 wurde das Fahrzeug mit dem Ziel Thüringerwaldbahn verladen.[7]

Spatzenbahn[Bearbeiten]

2003 wurde anlässlich des internationalen Kinder-Filmfestivals Goldener Spatz ein KT4D (347II ex 304I) zur "Geraer Spatzenbahn" umgebaut. Die Spatzenbahn verfügt über nicht serienmäßige Sitzbänke, Tische, Zerrspiegel, Kinderspielzeug und ein Original-Fahrerpult im Fahrgastbereich, das sich entsprechend dem tatsächlichen Fahrbetrieb verhält. Die Spatzenbahn verkehrt wochentags im Linienverkehr auf der Linie 3 und ist für Privatveranstaltungen mietbar.

Seit Juli 2008 ist der Wagen 355 zur neuen Spatzenbahn umgebaut worden. Dieser verfügt wie auch sein Vorgänger über verschiedenes Kinderspielzeug und ein modernisiertes Fahrerpult im Fahrgastbereich (mit Display in der Mitte, wie es bei den KT4DMC üblich ist). Auf Zerrspiegel wurde verzichtet. Um Vandalismus vorzubeugen, verfügt der Wagen über ein Videoüberwachungssystem. An den Türen wird mittels Piktogrammen darauf hingewiesen. Die 355 wurde zu Beginn hinter einer KTNF8 im Linienbetrieb eingesetzt und ist weiterhin für Privatveranstaltungen mietbar. Später wurden auch andere Traktionen mit der Spatzenbahn gefahren.

Arbeitsfahrzeuge[Bearbeiten]

Der GVB besitzt folgende Arbeitsfahrzeuge:

  • Hilfsgerätewagen 339 und 340 werden nicht mehr eingesetzt und wurden am 19. Mai 2008 nach Lemberg verkauft
  • Schneepflugwagen 151 (ex Stralsund 12)
  • Schienenschleifwagen 104 (T4D, ex Dresden 224 212, ex 224 038, ex 222 484)
  • Hilfsgerätewagen 106 (T4D, ex Dresden 222 168 - für Gera in Prag bei den dortigen Verkehrsbetrieben zum Zweirichtungstriebwagen umgebaut), neuerdings als Abschleppfahrzeug unterwegs
  • Tankwagen 152 (B4D, ex Dresden 274 065, ex 272 819)

Der Tankwagen 152 wird regelmäßig an den Gleispflegewagen angehängt und bewässert die Rasengleise der neuen Stadtbahnlinie 1. Er wurde dazu extra aus Dresden übernommen und zu diesem Zweck umgebaut. Die GVB besaß darüber hinaus den Fahrschulwagen 105 ex 311 (umgebauter KT4D). Dieser wurde 2004 zusammen mit dem alten Schienenschleifwagen 104 (T4D, ex Dresden) nach Liberec in Tschechien verkauft.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. PRO BAHN Pressemitteilung, 3. März 2008
  2. GVB Pressemitteilung, 2. April 2014
  3. [1]
  4. Flyer Die Linie 4 (PDF; 3,6 MB) auf der Internetseite der GVB Gera (abgerufen am 8. Mai 2013)
  5. Baupläne Stadtbahnlinie 4 nach Langenberg auf der Internetseite der GVB Gera (abgerufen am 8. Mai 2013)
  6. http://www.jaffe-rae.de/index.php/home/
  7. http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?5,6200568

Literatur[Bearbeiten]

  • Autorenkollektiv: Straßenbahnarchiv Band 4. Raum Erfurt / Gera - Halle (Saale) / Dessau. Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1984, Nachdruck 2006.
  • Gerhard Bauer, Norbert Kuschinski: Die Straßenbahnen in Ostdeutschland. Band 2: Sachsen-Anhalt, Thüringen. Verlag Schweers+Wall, Aachen 1994.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geraer Straßenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien