Straßenbahn Heidelberg

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Straßenbahn
Straßenbahn Heidelberg
Bild
Variobahn der Linie 5 am Hauptbahnhof
Basisinformationen
Staat Deutschland
Stadt Heidelberg
Betreiber RNV
Verkehrsverbund VRN
Infrastruktur
Streckenlänge 30 km
Spurweite 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem 750 Volt DC Oberleitung
Haltestellen 63
Betrieb
Linien 6
Fahrzeuge 2 Gt8, 8 DUEWAG M8C, 12 DUEWAG MGT6D, 16 Bombardier Variobahnen
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h
Netzplan
Schematischer Liniennetzplan

Die Straßenbahn Heidelberg ist ein wichtiger Träger des öffentlichen Nahverkehrs in Heidelberg. Das meterspurige Straßenbahnnetz umfasst derzeit (2012) eine Streckenlänge von 30 Kilometern auf Heidelberger Stadtgebiet und ist über zwei Überlandstrecken der OEG mit Mannheim verknüpft. Die erste elektrische Straßenbahn verkehrte im Jahr 1901. Betrieben wird das Straßenbahnnetz seit dem Jahr 2009 von der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV).

Geschichte[Bearbeiten]

Vorortbahnen[Bearbeiten]

Im Jahre 1883 erhielten die Gebrüder Leferenz eine Konzession für eine Lokalbahn von Heidelberg nach Schriesheim und weiter bis Weinheim, die sie aus finanziellen Gründen jedoch nicht verwirklichen konnten. 1887 verkauften sie die Konzession an Herrmann Bachstein, der schon 1886 die Konzession für die Strecke Mannheim–Weinheim erhalten hatte. Die Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein eröffnete noch im gleichen Jahr die Strecke Weinheim–Mannheim, sowie 1890 den Anschluss von Weinheim entlang der Bergstraße über Leutershausen, Schriesheim, Dossenheim und Handschuhsheim nach Heidelberg.

1891 wurde die Strecke von Heidelberg über Wieblingen, Edingen und Neckarhausen nach Mannheim vollendet. Die Bahn ging 1897 in die Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) über, und wurde 1911 zur Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (OEG)

1871–1901: Pferdebahn[Bearbeiten]

Die Geschichte des innerstädtischen Nahverkehrs in Heidelberg beginnt 1871 mit Konzessionsersuchen für die Errichtung einer Pferdebahn, die jedoch zunächst alle abgelehnt wurden. Auch als im benachbarten Mannheim 1878 die Pferdebahn eröffnet wurde, war man in Heidelberg noch eher skeptisch. Erst 1883 erfolgte die Erteilung der Konzession für die Pferdebahn, allerdings unter Auflagen. 1885 folgte die Gründung der Heidelberger Straßen- und Bergbahn Gesellschaft Leferenz und Co. (HSB), die sogleich mit den Bauarbeiten begann und schon zwei Monate später die erste Strecke vom Hauptbahnhof zum Marktplatz eröffnete. Bis 1886 wurde das Streckennetz auf 3,7 Kilometer Länge vergrößert, und 1887 die Gesellschaft in die Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG umfirmiert. Am 30. März 1890 wurde durch sie die erste Sektion der Heidelberger Bergbahn eröffnet.

Durch die rasant ansteigenden Fahrgastzahlen bei der Pferdebahn gab es schon ab 1895 Überlegungen, eine leistungsfähigere elektrische Straßenbahn anstelle der Pferdebahn zu errichten. Auch hier gab es wieder zahlreiche Verhandlungen, die die Umsetzung verzögerten.

Auch die südlich von Heidelberg gelegenen Ortschaften Rohrbach, Leimen, Nußloch und Wiesloch strebten nach einer besseren Verkehrsanbindung, da die Rheintalbahn doch ein ganzes Stück an den Orten vorbei geführt war. Erste Konzessionsersuchen gab es 1886, 1900 wurde sie erteilt.

1901–1926: Elektrische Straßenbahn[Bearbeiten]

Straßenbahnwagen der Bauart GT 6Z der HSB neben dem Betriebshof

Am 23. Juli 1901 wurde die Elektrische Straßenbahn Heidelberg–Wiesloch durch die Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet, die ihre Wagen von der ortsansässigen Waggonfabrik Fuchs bezog. Zwischen dem Heidelberger Hauptbahnhof und dem Friedhof wurden die Gleise der Pferdebahn mitbenutzt, was zunächst zu Verzögerungen aufgrund der Verhandlungen geführt hatte.

In der Anfangszeit konnte die Bahn gute Gewinne durch den Transport von Steinen vom Steinbruch in Nußloch zum Leimener Zementwerk erwirtschaften. Dieser Güterverkehr endete erst 1918, als für diese Aufgabe die Materialseilbahn Leimen–Nußloch errichtet wurde.

Im März 1902 begannen die Bauarbeiten an der elektrischen Straßenbahn in Heidelberg. Der erste Wagen verkehrte noch im selben Monat zwischen dem Hauptbahnhof und dem Friedhof, da hier die die elektrifizierte Strecke der Straßenbahn nach Wiesloch benutzt werden konnte. Die Bauarbeiten an der restlichen Strecke dauerten bis in den Oktober. Am 5. Oktober 1902 verkehrte der letzte Pferdebahnwagen, am nächsten Tag wurde die elektrische Straßenbahn eröffnet. Einige Wagen der Pferdebahn wurden als Anhänger der elektrischen Straßenbahn weiter verwendet; der letzte erhaltene Pferdebahnwagen befindet sich heute im Hannoverschen Straßenbahn-Museum.

Die Bauarbeiten für erste Erweiterungen folgten 1903, 1904 wurde dann die Strecke vom Bismarckplatz durch Neuenheim bis Handschuhsheim eröffnet. Sie verlief eingleisig neben der eingleisigen Strecke der SEG, wie auch schon in der Bergheimer Straße.

1905 wurde die Elektrische Straßenbahn Heidelberg – Wiesloch von der Stadt Heidelberg erworben und an die HSB als Betriebsführerin verpachtet. Am 24. Juli 1923 übernahm die HSB die Vorortbahn – die 1910 noch eine Zweigbahn Rohrbach – Kirchheim erhalten hatte – von der Stadt Heidelberg und beglich den Kaufpreis mit Aktien, wodurch die Stadt Mehrheitsaktionärin der HSB wurde.

Nun folgten weitere Streckenerweiterungen: 1910 wurde die Linie nach Schlierbach und 1914 deren Verlängerung bis Neckargemünd sowie die Verbindung zum Güterbahnhof über die Czernybrücke eröffnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage die bereits vor dem Krieg begonnene Strecke nach Eppelheim eröffnet.

Während der Hyperinflationszeit kam die HSB in solch starke wirtschaftliche Bedrängnis, dass sie den Betrieb vom 26. November 1923 bis zum 20. Januar 1924 vollständig einstellte. Nach und nach nahm die HSB daraufhin ihr Liniennetz wieder in Betrieb. Im Herbst 1925 wurde wieder der Stand vor dem Krieg erreicht.

1926–1945: Weiterer Netzausbau[Bearbeiten]

In den Folgejahren konnten dank der besseren finanziellen Verhältnisse zwei weitere Strecken eröffnet werden:

  • 1926 die sehr umstrittene Linie nach Wieblingen, die in direkter Konkurrenz zur OEG stand. Die OEG bot zwar an, die Strecke bis Wieblingen zu elektrifizieren und die HSB dort einen eigenen Linienverkehr betreiben zu lassen, bis die OEG selbst in der Lage sein würde, eine bessere Anbindung zu verwirklichen. Dies wurde jedoch auf Wunsch der Wieblinger von der Stadt abgelehnt und der Bau der neuen Strecke durch den Ortskern von Wieblingen beschlossen.
  • 1927 wurde die Überlandlinie von Eppelheim über Plankstadt nach Schwetzingen verlängert, wo ein Anschluss an die Straßenbahn Schwetzingen–Ketsch bestand.

Seit 1929 werden die beiden nebeneinander liegenden eingleisigen Strecken der HSB und OEG im Gemeinschaftsbetrieb als zweigleisige Strecke befahren, an den Eigentumsverhältnissen hat dies jedoch nichts verändert. Gleichzeitig entstand am Bismarckplatz eine großzügige Gleisanlage.

Die Neckargemünder Linie wurde 1933 über bestehende Strecken als „Neckartalbahn“ mit der Wieblinger Linie vereinigt.

Als letzte Strecke vor dem Zweiten Weltkrieg wurde 1939 die Strecke zur Chirurgischen Klinik über die Hindenburgbrücke (heute Ernst-Walz-Brücke) fertiggestellt, die im Krieg für Verwundetentransporte genutzt wurde.

Da die Stadt im Krieg weitgehend von Bombenangriffen verschont blieb, kam der Straßenbahnverkehr erst mit Sprengung der Neckarbrücken und dem Einmarsch der amerikanischen Truppen am 29. März 1945 ganz zum Erliegen. Schon Mitte Mai wurde wieder ein bescheidener Straßenbahnverkehr aufgenommen. Bis auf die Strecke zur Chirurgischen Klinik – diese wurde erst 1953 wieder eröffnet – konnten bis zum Herbst alle Strecken wieder in Betrieb genommen werden. Für die Handschuhsheimer Strecke wurden vor der Sprengung der Brücke Wagen auf diese Neckarseite geschafft. Dies geschah aber auch über die schienenlose Behelfsbrücke.

1945–1962: Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Am 3. September 1945 erwarb die Heidelberger Straßen- und Bergbahn-Gesellschaft die Straßenbahn Walldorf, mit der nie eine Gleisverbindung bestanden hat. Diese wurde am 1. August 1954 stillgelegt.

Eine größere Veränderung brachte die Verlegung des Hauptbahnhofes. Obwohl es schon sehr früh entsprechende Pläne gab, begannen die Bauarbeiten erst 1908, kriegsbedingt gab es jedoch immer wieder Verzögerungen und Planänderungen, so dass der neue Bahnhof erst am 5. Mai 1955 durch Theodor Heuss eröffnet werden konnte. Gleichzeitig wurde der elektrische Betrieb auf der Strecke Mannheim–Heidelberg–Karlsruhe aufgenommen. Im Bereich des alten Bahnhofes befindet sich heute die Kurfürsten-Anlage.

Die Eisenbahnlinie ins Neckartal wurde durch den Königstuhltunnel – er wurde bereits vor dem Ersten Weltkrieg fertiggestellt – weiter südlich geführt. Die alten Tunnel am Rande der Heidelberger Altstadt sind jetzt für den Straßenverkehr ausgebaut (Adenauerplatz–Karlstor). Auch verschwand der Bahnübergang in der Rohrbacher Straße, der durch die häufige Schließung ein großes Verkehrshindernis war. Den Straßenbahnanschluss an den Neuen Bahnhof stellt eine 1956 eröffnete Strecke vom Adenauerplatz durch die heutige Kurfürsten-Anlage her.

Als letzte Neubaustrecke vor der Stilllegungswelle in den folgenden Jahren wurde 1959 die rund 400 Meter lange Strecke von der Chirurgischen Klinik (heute Jahnstraße) zum Bunsen-Gymnasium fertiggestellt.

1960 verlegte man die Endstellen der Linien nach Kirchheim, Leimen und Wiesloch von der alten Endstelle in der Bahnhofstraße zur neu angelegten Wendeschleife am Seegarten (heute Adenauerplatz). Auf längere Sicht sollte dies der neue zentrale Umsteigepunkt im Straßenbahnnetz werden, da sich die Situation auf dem Bismarckplatz als unbefriedigend darstellte. Die nötigen Abzweige wurden zwar mit angelegt, aber nie mit der Strecke in der Kurfürsten-Anlage und einer neu zu bauenden Strecke durch die Sofienstraße verbunden.

1962–1982: Zeit des Netzrückbaus[Bearbeiten]

Der ab Mitte der 1950er Jahre stark ansteigende Autoverkehr stellte auch die HSB vor Probleme. Zum einen waren einige der Strecken sehr eng und unfallträchtig, aber auch die Fahrgastzahlen gingen nun zurück. Als erste Strecke wurde 1962 die Neckartalbahn vom Karlstor über Schlierbach nach Neckargemünd stillgelegt und durch Omnibusse ersetzt. 1966 wurde die Strecke nach Wieblingen stillgelegt.

1963 wurde der Gemeinschaftsverkehr mit der OEG erweitert. Die Strecke vom Abzweig an der Handschuhsheimer Steubenstraße bis zur Stadtgrenze zu Dossenheim wurde zweigleisig ausgebaut und zusätzlich von einer Linie der HSB befahren.

1970 wurde im neuen vom Ulmer Professor Karl Schaechterle erstellten Generalverkehrsplan vorgeschlagen, das Straßenbahnnetz auf ein Rumpfnetz zu reduzieren. Hierbei sollte nur noch die Strecke Handschuhsheim–Leimen und ein Abzweig über Hauptbahnhof nach Eppelheim übrig bleiben. Auch die am stärksten frequentierte Strecke durch die Hauptstraße zum Karlstor wurde hierbei in Frage gestellt.

1971 musste von der Stadt Heidelberg ein hartes Notprogramm durchgesetzt werden, da die HSB in eine existenzbedrohende Finanzkrise geriet. Am 1. September trat ein stark ausgedünnter Fahrplan in Kraft. Hierbei wurde auch die Strecke zur Tiefburg in Handschuhsheim ersatzlos stillgelegt. Gleichzeitig mit diesen Einschränkungen trat eine Tariferhöhung in Kraft. Gegen diese Maßnahmen fanden Demonstrationen statt, die zu einer teilweisen Blockade des öffentlichen Verkehrs führten. Am 5. Dezember wurde der Fahrplan abermals geändert und einige der Verschlechterungen im Früh- und Spätverkehr etwas abgemildert.

In den nächsten Jahren wurden folgende Strecken stillgelegt:

  • 1972 Rohrbach Markt – Kirchheim
  • 1973 Leimen – Wiesloch
  • 1974 Eppelheim – Schwetzingen

Bei den beiden letzten Strecken war auch, neben der finanziellen Situation der HSB, das Auslaufen der Konzessionen für diese Strecken maßgeblich.

Seit 1974 existiert ein Gemeinschaftstarif der OEG und HSB im Stadtgebiet von Heidelberg. 1975 wurde die Holdinggesellschaft Heidelberger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe GmbH gegründet, deren hauptsächliche Tochtergesellschaften die Stadtwerke Heidelberg AG und die HSB sind.

1975 wurde der Betriebshof in Leimen aufgegeben, da er durch Stilllegung der Strecken nach Wiesloch und Kirchheim entbehrlich geworden war.

1976 wurde die aufkommenstärkste Straßenbahnstrecke vom Bismarckplatz über die Hauptstraße zum Karlstor stillgelegt. Damit folgte man den Vorstellungen von Professor Schaechterle, die Hauptstraße in eine Fußgängerzone ohne Straßenbahn umzuwandeln. Man plante zwar noch, die Straßenbahn durch ein unterirdisch verlaufendes Verkehrsmittel (unter anderem eine Magnetschwebebahn) zu ersetzen, dazu kam es jedoch nie. Stattdessen wurden Buslinien eingerichtet, die die Altstadt umfuhren, aber den Hauptast Hauptstraße nicht bedienten.

1982–1995: Erste Streckenneubauten nach dem Krieg[Bearbeiten]

1982 wurde in den Aufsichtsräten der HVV und der HSB über die Beibehaltung der Straßenbahn abgestimmt. Die Abstimmungen gingen jeweils zu Gunsten der Straßenbahn aus. Auch der Gemeinderat erkannte, dass die Straßenbahn in Heidelberg ein unverzichtbarer Bestandteil des Nahverkehrs in der Stadt ist.

1984 brannte die Straßenbahnwerkstatt nieder. Dabei wurden drei sechsachsige und ein achtachsiger Gelenkwagen zerstört, von denen jedoch nur der achtachsige Wagen 204 wiederaufgebaut wurde. Bis zur Neulieferung von nunmehr acht M8C-Straßenbahnwagen – vor dem Brand war die Beschaffung von nur vier Fahrzeugen geplant – stand keine ausreichende Fahrzeugreserve zur Verfügung, so dass einzelne Fahrten im Schienenersatzverkehr mit Bussen gefahren werden mussten.

1988 wurde die Strecke in der Berliner Straße vom Bunsen-Gymnasium bis zur Haltestelle Blumenthalstraße West (heute Technologiepark) verlängert. Außerdem wurde die neue Czernybrücke für den Verkehr freigegeben. Damit war die letzte eingleisige Strecke im Heidelberger Stadtgebiet Geschichte. Der Brückenschlag gelang jedoch erst im zweiten Anlauf, da die zuerst eingeschobene Brückenkonstruktion einknickte und wieder abgerissen werden musste.

1989 wurde schließlich der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) gegründet. Seitdem gilt auf allen Linien im Rhein-Neckar-Raum ein gemeinsamer Tarif. Als Vorstufe gab es bis dahin einen Gemeinschaftstarif für Zeitkarten.

1993 änderte die OEG ihren Linienweg über Hauptbahnhof und Kurfürsten-Anlage zum Bismarckplatz. Hierzu wurde auch eine neue Strecke gebaut, die aus Richtung Wieblingen kurz vor dem ehemaligen OEG-Güterbahnhof – der zur gleichen Zeit teilweise abgerissen wurde – beginnt, unter der Czernybrücke hindurchführt und am Hauptbahnhof die bestehende Straßenbahnstrecke erreicht. Die Planungen für diese Streckenverlegung hatten bereits 1983 begonnen.

1995–2006[Bearbeiten]

Gleisplan 2013

1995 wurde das letzte Stück der Straßenbahnstrecke durch die Berliner Straße bis zum Hans-Thoma-Platz (OEG-Bahnhof Handschuhsheim) eröffnet. Nach einem guten Vierteljahrhundert war dieser Lückenschluss nun endlich geschafft.

Ende 2002 wurde die Haltestelle Handschuhsheim OEG-Bahnhof wieder um ein kurz zuvor entferntes Stumpfgleis erweitert, so dass hier die vom Technologiepark verlängerte Linie 21 starten und enden kann. Somit besteht auch in der Berliner Straße ein durchgehender Fünf-Minuten-Takt.

2005 hatte die damalige Oberbürgermeisterin Beate Weber eine Neubaustrecke nach Kirchheim (Friedhof) in Auftrag gegeben, diese wurde kurz vor ihrem Amtsende und noch vor der endgültigen Fertigstellung am 9. Dezember 2006 in Betrieb genommen. Seit dem 10. Dezember 2006 befährt die neue Linie 26 diese Strecke. Ursprünglich war auch eine Anbindung Sandhausens und Walldorfs an diese Linie geplant, mit einem Ringschluss über Nußloch und Leimen und eine Verbindung an die derzeitige Linie 23. Zeitgleich mit der Vergabe der Linien 720, 721 und 722 an das Busunternehmen Werner, die seit dem 9. Dezember 2007 die Gemeinden in Heidelbergs Süden anbinden, wurde eine Verlängerung der Straßenbahngleise der Linie 26 über Sandhausen nach Walldorf durch den Sandhäuser Gemeinderat abgelehnt. Als Begründung wurden die für die Gemeinde unkalkulierbaren Kosten genannt.

Seit dem 9. Dezember 2007 sind auch Sandhausen und Walldorf am Wochenende stündlich an den Moonliner angebunden.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Letzter funktionsfähiger Triebwagen vom Verbandstyp II (Triebwagen 80, gebaut 1956 bei der Heidelberger Waggonfabrik Fuchs) am Bismarckplatz in Heidelberg

Zur Eröffnung im Jahr 1902 übernahm man von der Straßenbahn Mannheim drei Wagen, welche 1901 durch die Fahrzeugwerkstätten Falkenried gebaut worden waren. Die erste durch die ortsansässige Waggonfabrik Fuchs gebaute Serie, welche sich von den Mannheimer Wagen vor allem durch die Fenstereinteilung unterschied (Mannheim hatte die Fensterfolge kurz – lang – lang – kurz, Heidelberg vier gleich große Fenster) wurde 1902 bestellt. Fuchs blieb dann auch bis 1958 alleiniger Lieferant der HSB. Wie andere Städte in Westdeutschland auch, begann auch die HSB ihre Fahrzeugflotte nach dem Zweiten Weltkrieg zu modernisieren. Da Heidelberg im Zweiten Weltkrieg kaum Ziel von Fliegerangriffen wurde, sind die Heidelberger Aufbauwagen, anders als in vielen westdeutschen Städten nicht auf Fahrgestellen kriegszerstörter Zweiachser entstanden, sondern reine Neubauten. Ihnen folgten ab 1956 die Verbandswagen, welche als Beiwagen und Triebwagen geliefert wurden. Beide Fahrzeugtypen stellten eine Weiterentwicklung des Kriegsstraßenbahnwagens dar. Ab 1960 wurden die ersten Gelenkwagen bei DUEWAG in Düsseldorf bestellt. Es handelte sich um 13 Einrichtungswagen des Einheitstyps GT 6, welche die Betriebsnummern 201 bis 213 bekamen. Als Besonderheit erhielten die Wagen 209 bis 213 für die Überlandstrecke nach Schwetzingen auch auf der linken Seite Türen. 1968 wurden die drei ersten Wagen nach Mannheim, 1971 und 1974 der Rest an die Straßenbahn Mainz verkauft. Dort wurden die linksseitigen Türen verschlossen, nach der Ablösung in Mainz und Mannheim wurden die Fahrzeuge nach Gotha (201 und 203), an die Straßenbahn Zagreb (202) sowie nach Elbing in Polen (alle übrigen außer 205) verkauft. Der Wagen 205 gelangte nach Schwerte in ein Straßenbahnmuseum, nach dessen Auflösung wurde der Wagen an die Straßenbahn Arad in Rumänien verkauft.

Da Heidelberg wenig Endschleifen aufwies, wurden 1964 zuerst drei Zweirichtungswagen des Typs GT 6 Z gekauft (214–217). 1966 folgten acht weitere Gelenkwagen dieser Bauart mit den Nummern 218–225, 1968 eine weitere Serie von vier Fahrzeugen (226–229). Die bis heute größte Einzelbestellung Heidelbergs von 15 Fahrzeugen setzte ab 1973 die letzten Einrichtungswagen frei, die Wagen 230–244 unterschieden sich in einigen Details von den Vorgängerserien. So waren diese beispielsweise nicht mehr auf Beiwagenbetrieb ausgelegt und hatten Federspeicherbremsen. Für die stark belastete Linie 3 von Handschuhsheim nach Leimen wurden 1975 schließlich vier achtachsige Gelenktriebwagen GT 8 Z beschafft. Es waren die letzten Zweirichtungswagen der Duewag-Einheitsbauart.

Nach einem Brand im Betriebshof 1984 und dem Totalverlust von drei Sechsachsern (216, 224 und 242) und der starken Beschädigung des Achtachsers 204 herrschte empfindlicher Wagenmangel. Die geplante Beschaffung von vier Stadtbahnwagen des Typs M8C wurde auf acht Stück erweitert, die ab 1985 mit den Wagennummern 251–258 geliefert wurden

MGT6D-Niederflurwagen in Eppelheim

Ab 1995 stieg auch die HSB auf Niederflurfahrzeuge um, es wurden zwölf Fahrzeuge des Typs MGT6D (261–272) beschafft. Im Gegensatz zu den gleichartigen Fahrzeugen in Bochum und Halle haben diese eine dem M-Wagen nachempfundene Wagenfront.

2002 wurden die ersten Fahrzeuge vom Typ Variobahn von Bombardier in achtachsiger Ausführung geliefert, die für den Zweirichtungsbetrieb ausgelegt sind. Sie tragen die Wagennummern 273–280. Das jüngste Kontingent, die Wagen 3281–3288, wurde 2009 geliefert. Diese acht neuen Fahrzeugen sind mit dem MITRAC Energy Saver ausgerüstet, was auch Fahrten ohne Oberleitung ermöglicht. Dies wird für die geplante Neubaustrecke durch das Neuenheimer Feld besondere Bedeutung erhalten, da wegen besonderer Wünsche der Universität, zum Schutz empfindlicher Messinstrumente, ein Teil der neuen Strecke ohne Fahrdraht auskommen soll.

Die konventionellen Sechsachser blieben noch verhältnismäßig lange im Dienst. Nach der Lieferung der MGT6D wurden lediglich die Wagen 214, 215 und 217 zu Schleifwagen umgebaut, der erstgenannte blieb – nun mit der Nummer 200 – in Heidelberg, die beiden übrigen gingen nach Mannheim, wo sie die Betriebsnummern 1301 und 1302 erhielten. Erst schrittweise trennte man sich von den Sechsachsern der zweiten und dritten Serie. Der 221 ging als Partywagen nach Jena, der 223 wurde nach einem schweren Auffahrunfall verschrottet. Die übrigen Fahrzeuge gingen zur Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn, wo die Wagen 218, 219, 220, 225 und 226 noch als Wagen 41–44 und 46 in Dienst stehen. Der Rest dient nun als Ersatzteilspender oder war nach Unfällen schon abgängig.

Die 14 verbliebenen GT6 des Baujahres 1973 wurden im neuen Jahrtausend zu sieben festen Zugverbänden vereinigt um den gestiegenen Fahrgastzahlen Rechnung zu tragen. Sie wurden bis zur Ablieferung der neuen Variobahnen auf der Linie 3 eingesetzt. Auf dieser stark belasteten Linie war ein Betrieb mit den M8C den Fahrgastzahlen nicht mehr angemessen. Die M8C wechselten auf die Linie 4, auf der bisher nur Solo-GT6 und im Einzelfall Achtachser liefen. Auch die Linie 1 – welche die wichtige Verbindung Bismarckplatz Hauptbahnhof herstellt – konnte nun mit Achtachsern bedient werden. Die letzten dieser Doppeltraktionen schieden im Jahr 2010 aus dem Betriebsbestand aus.

Ab Oktober 2007 befanden sich drei achtachsige Gelenktriebwagen der OEG (Nummer 82, 85 und 87) in Heidelberg, sie wurden auf der Linie 21 eingesetzt. Allerdings eigneten sie sich für diesen Einsatz nur bedingt, da ein schnelles Aus- und Einsteigen aufgrund der Bauweise mit drei Zustiegstüren gerade zur Hauptverkehrszeit nicht möglich ist. Es handelte sich hierbei um eine Übergangslösung, die inzwischen beendet ist. Stattdessen werden neue Fahrzeuge (RNV6) der OEG auf den Linien 21, 23, 24 und 26 eingesetzt. Diese sind an den 4xxx-Nummern erkennbar (beispielsweise 4142).

Die acht M8C wurden bis 2013 mit einem niederflurigen Mittelteil ausgestattet, so dass nun auf allen Linien ein barrierefreier Zugang möglich ist.

Derzeit werden die verschiedenen Typen wie folgt eingesetzt:

  • 21: M8C-NF, MGT6D, GT8
  • 22: MGT6D, M8C-NF
  • 23: RNV8, MGT6D, M8C-NF
  • 24: M8C-NF, MGT6D, RNV6, RNV8
  • 26: MGT6D, M8C-NF

Museumsfahrzeuge[Bearbeiten]

2004 wurde in Heidelberg der Verein Historische Straßenbahn Heidelberg e.V. mit dem Schwerpunkt der Erhaltung historischer Straßenbahnfahrzeuge gegründet. Der Verein ist mittlerweile in der Interessengemeinschaft Nahverkehr Rhein-Neckar e.V. aufgegangen. Zu ihrem Bestand gehören der Triebwagen 44 (Baujahr 1925), der Beiwagen 153 (Baujahr 1928), der Triebwagen 80 (Baujahr 1956) und der Achtachser 204 (Baujahr 1975).

Gegenwart und Zukunft[Bearbeiten]

Linienübersicht[Bearbeiten]

Linie Strecke
5 Weinheim – Mannheim – Heidelberg – Weinheim: (OEG)

Weinheim – Viernheim – Käfertal – Mannheim – EdingenWieblingen – Hauptbahnhof – Bismarckplatz – NeuenheimHandschuhsheimDossenheim - SchriesheimWeinheim

21 Bismarckplatz – Hauptbahnhof – Technologiepark – Hans-Thoma-Platz:

Bismarckplatz – Adenauerplatz – Poststraße – Stadtbücherei – Stadtwerke – Hauptbahnhof – Betriebshof – Jahnstraße – Bunsengymnasium – Technologiepark – Heiligenbergschule – Hans-Thoma-Platz

→ kein Spätverkehr, nur Mo–Fr

22 Bismarckplatz – Bergheimer Straße – PfaffengrundEppelheim:

Bismarckplatz – Altes Hallenbad – Römerstraße – Volkshochschule – Betriebshof – Czernybrücke – Czernybrücke Süd – Eisenbahner-Sportplatz – Henkel-Teroson-Straße – Marktstraße – Stotz – Kranichweg – Jakobsgasse – Eppelheim Rathaus – Kirchheimer Straße

→ Die Fahrt 05:07 Uhr ab Bismarckplatz verkehrt über Adenauerplatz und Hauptbahnhof

23 Handschuhsheim – Neuenheim – Bismarckplatz – WeststadtRohrbachLeimen:

Burgstraße – Biethsstraße – Hans-Thoma-Platz – Kapellenweg – Blumenthalstraße – Kußmaulstraße – Brückenstraße – Bismarckplatz – Adenauerplatz – Poststraße – Stadtbücherei – Römerkreis Süd – Christuskirche – S-Bahnhof Weststadt/Südstadt – Bergfriedhof – Bethanien-Krankenhaus – Rheinstraße – Markscheide – Eichendorffplatz – Rohrbach Markt – Ortenauer Straße – Freiburger Straße – Rohrbach Süd – Zementwerk – Johannes-Reidel-Straße – Georgi-Marktplatz – Kurpfalz-Centrum – Moltkestraße – Leimen Friedhof

→ ab 21:00 Uhr nur ab Bismarckplatz, Spätverkehr und Wochenendfrühverkehr bis 9:00 Uhr in Richtung Handschuhsheim Bedienung durch Linie 5

24 Handschuhsheim – Technologiepark – Hauptbahnhof – Weststadt – Rohrbach Süd:

Burgstraße – Biethsstraße – Hans-Thoma-Platz – Heiligenbergschule – Technologiepark – Bunsengymnasium – Jahnstraße – Betriebshof – Hauptbahnhof – Stadtwerke – Römerkreis Süd – Christuskirche – S-Bahnhof Weststadt/Südstadt – Bergfriedhof – Bethanien-Krankenhaus – Rheinstraße – Markscheide – Eichendorffplatz – Rohrbach Markt – Ortenauer Straße – Freiburger Straße – Rohrbach Süd

26 Bismarckplatz – Messplatz – Kirchheim:

Bismarckplatz – Adenauerplatz – Poststraße – Stadtbücherei – Ringstraße – Montpellierbrücke – Rudolf-Diesel-Straße – Messplatz – Ilse-Krall-Straße – Albert-Fritz-Straße – Odenwaldstraße – Kirchheim Rathaus – Kirchheim Friedhof

Alle Linien werden von der RNV betrieben. Die Infrastruktur des Straßenbahnnetzes (Strecken nach BOStrab) ist im Besitz der HSB. Die Linien 21 bis 24 trugen bis zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2006 die Bezeichnungen 1 bis 4. Die Linie 26 wurde zeitgleich neu eingeführt, war zuvor aber als Linie 6 in der Planung. Die Linie 5 (ehemals OEG) verkehrt auf dem Rundkurs Mannheim – Weinheim – Heidelberg – Mannheim in beiden Richtungen. In den Städten Mannheim und Heidelberg befährt sie die Straßenbahnnetze. Auf den Überlandstrecken fährt die Linie 5 als Eisenbahn. Die Infrastruktur der Eisenbahnstrecken ist im Besitz der MVV Verkehr GmbH, die 2009 die MVV OEG AG vollständig übernommen hat. Seither existiert der Name OEG formal nicht mehr.

Fahrzeugpark[Bearbeiten]

Der aktuelle Einsatzbestand an Straßenbahnwagen der RNV am Standort Heidelberg besteht derzeit aus:

  • 2 achtachsige Gelenktriebwagen von Duewag, Baujahr 1975 (Betriebsreserve, einer eigentlich Museumswagen)
  • 8 achtachsige Stadtbahnwagen M8C von Duewag, Baujahre 1985 und 1986, Umbau zu M8C-NF
  • 12 sechsachsige Niederflurwagen MGT6D von Duewag, Baujahre 1994 und 1995
  • 16 achtachsige Rhein-Neckar-Variobahnen von Bombardier, Baujahre 2002 und 2003 (ohne Energiespeicher), sowie 2009 (mit Energiespeicher zum überbrücken fahrdrahtloser Abschnitte)

Drei Gt6+Gt6 Züge sind im Betriebshof Ludwigshafen-Rheingönheim abgestellt. Die Achtachser 201 und 203 wurden verschrottet. 204 befindet sich wieder im Fahrgasteinsatz, ist jedoch Eigentum der Interessengemeinschaft Nahverkehr Rhein-Neckar.

Zukunft[Bearbeiten]

In der Planungsphase befinden sich derzeit folgende Straßenbahnstrecken:

  • Erschließung des Neuenheimer Feldes (Universität): die Strecke soll auf kurzen Abschnitten ohne Oberleitung gebaut werden, um Messungen der Universitätsinstitute nicht zu beeinflussen; dazu ist der Einsatz von „Supercap“-Straßenbahnen geplant, die Ladung in Goldcap-Kondensatoren speichern können. Am 23. Juni 2014 übergab das Regierungspräsidium Karlsruhe den Planfeststellungsbeschluss für die Straßenbahnerschließung des Neuenheimer Feldes an die Stadt Heidelberg.[1]
  • Neubau BismarckplatzUniversitätsplatz
  • Wiederaufbau LeimenNußlochWiesloch (Verlängerung der Linie 23)
  • Neubau Bahnstadt: Im ersten Bauabschnitt soll die Linie 22 von der Eppelheimer Straße in die "Grüne Meile" im neuen Stadtteil Bahnstadt verlegt werden. Im zweiten Bauabschnitt ist ein Lückenschluss zwischen der Strecke nach Eppelheim und der Strecke nach Kirchheim über den Czernyring mit Anbindung an den Hauptbahnhof Süd vorgesehen.

Wegen der momentanen schlechten Finanzlage der Gemeinden und der Heidelberger Verkehrsbetriebe werden sich die Projekte erst mittel- bis langfristig realisieren lassen.

Ehemalige Planungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Höltge: Straßenbahnen und Stadtbahnen in Deutschland, Bd.6, Baden, Ek-Verlag (Dez. 1999), ISBN 3-88255-337-5
  • Frank Muth: Straßenbahnen in Heidelberg. München 2003, ISBN 3-7654-7197-6
  • Robert Basten und Claude Jeanmaire: Heidelberger Strassenbahnen. Villingen (Schweiz) 1986, ISBN 3-85649-053-1
  • Helmut Röth: Auf Schienen zwischen Odenwald und Pfalz. Fotografien 1955–1976. Ludwigshafen am Rhein, Verlag Pro Message. 2006. 168 Seiten. ISBN 3-934845-18-5. 297 alte Fotografien.
  • Verkehrsverbund Rhein-Neckar (Hrsg.): An einem Strang. Eisenbahngeschichte im Rhein-Neckar-Dreieck. Ludwigshafen, Verlag Pro Message.. 2004. 112 Seiten. ISBN 3-934845-17-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. AMTSANZEIGER DER STADT HEIDELBERG 22. JAHRGANG AUSGABE NR. 26 25. JUNI 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trams in Heidelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]