Obernai

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Obernai
Wappen von Obernai
Obernai (Frankreich)
Obernai
Region Elsass
Département Bas-Rhin
Arrondissement Sélestat-Erstein
Kanton Obernai
Gemeindeverband Pays de Sainte-Odile.
Koordinaten 48° 28′ N, 7° 29′ O48.4622222222227.4819444444444185Koordinaten: 48° 28′ N, 7° 29′ O
Höhe 156–572 m
Fläche 25,74 km²
Einwohner 10.689 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 415 Einw./km²
Postleitzahl 67210
INSEE-Code
Website http://www.obernai.fr/

Zentrum Obernai: Marktplatz und Kappelturm

Obernai (deutsch Oberehnheim) ist eine französische Stadt mit 10.689 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Bas-Rhin in der Region Elsass. Die Stadt liegt im Arrondissement Sélestat-Erstein und ist Hauptort (frz. chef-lieu) eines eigenen Kantons. Der Name rührt (wie beim benachbarten Niedernai) von der Lage am Vogesenflüsschen und Illzufluss Ehn her. Die Bewohner von Obernai und Umgebung nennen den Ort Ewer'nahn, jedoch sind weitere elsässische Bezeichnungen wie Ewer'nah, Ower'nah, Ower'nahn oder (in Straßburg) Ower'näh bekannt. Der Neckname für die Einwohner lautet Zanefbieche (deutsch „Senfbäuche“).

Geografie[Bearbeiten]

Obernai liegt in der Oberrheinebene, etwa 25 Kilometer südwestlich von Straßburg am Fuß des Odilienbergs.

Benachbarte Gemeinden sind Bernardswiller, Goxwiller, Krautergersheim, Meistratzheim, Niedernai, Heiligenstein, Bischoffsheim, Bœrsch und Ottrott.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde im Jahre 778 unter dem Namen Ehinheim erstmals erwähnt und soll als ursprünglich fränkische Siedlung im 7. Jahrhundert Sitz des Merowingers Athich (auch Eticho, Etih oder Adalricus), Herzog des Elsass, gewesen sein. Hier wurde seine Tochter, die Heilige Odilia geboren, deren Abtei auf dem nahe gelegenen Berg die Stadt später lange unterstand. Die Legende berichtet: Da anstelle des gewünschten Sohnes Odilia, zudem noch blind, geboren wurde, wollte Athich sie töten lassen. Doch ihre Mutter ließ Odilia in das Kloster Baume-les-Dames nach Burgund schaffen und dort taufen. Daraufhin erlangte Odilia der Überlieferung nach das Augenlicht. Bruder und Mutter brachten sie nach Ehnheim zurück. Athich tötete in seinem Jähzorn daraufhin den Sohn. Als Athich Odilia mit einem mächtigen Heiratsbewerber zu verheiraten suchte, floh sie, die ihr Leben Gott geweiht hatte, über den Rhein. Ein gewaltiger Felsen rettete sie, angeblich in der Nähe des heutigen Freiburg im Breisgau, vor ihren Verfolgern. Darauf hin soll ihr Athich als Zeichen seiner Reue die naheliegende Hohenburg geschenkt haben; hier gründete Odilia das Kloster auf dem Odilienberg (frz. Mont Ste.-Odile) an der Stelle eines mehr als 1.000 Jahre älteren keltischen Heiligtums, dessen Umfassungsmauer, die „Heidenmauer“ (frz. Mur Païen), sich noch heute mehr als 10 km um die Abhänge des Bergs hinzieht.

Im 12. Jahrhundert kam die Stadt in den Besitz des Heiligen Römischen Reichs, zu diesem Zeitpunkt wurde es mit einer doppelten, befestigten Stadtmauer umgeben. 1242 wurde erstmals in Abgrenzung zu Niederehnheim der moderne Name Oberehnheim („Oberhehenheim“) erwähnt. Oberehnheim war von 1240 bis 1648 freie Reichsstadt. 1354 trat es dem Elsässer Zehnstädtebund bei. 1444 spielte die Stadt infolgedessen auch eine wichtige Rolle bei der Abwehr der Armagnacs und den Belagerungsversuchen Karls des Kühnen im 15. Jahrhundert. Ihre Blüte erlebte die Stadt im 16. Jahrhundert trotz der Unruhen infolge der Reformation, die dank der Familie Oberkirch in der Stadt Anhänger fand, aber nach 1587 zurückgedrängt wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Oberehnheim nahezu vollständig zerstört. Die darauf folgenden Jahrhunderte überstand Oberehnheim ohne die im Mittelalter so häufig sich verheerend auswirkenden Großbrände. 1679 annektierte Ludwig XIV. die Stadt. Die französisierte Namensform Obernai („Oberné“) wurde erstmals 1693 verwendet, setzte sich dann aber schnell bei der einheimischen Bevölkerung durch, so dass auch zwischen 1871 und 1918, in der Zeit der Zugehörigkeit zum Deutschen Reich, beide Namen gebräuchlich waren.

Während der deutschen Besetzung wurde im Jahr 1942 im Schloss Oberkirch für die Ausbildung des SS-Helferinnenkorps eine Reichsschule der SS eingerichtet, die auch andere beschlagnahmte Gebäude im Umkreis nutzte.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Obernai ist eine schnell wachsende Stadt, deren Bevölkerung 1968 noch 6.304 Einwohner, 2009 bereits 10.803 Einwohner zählte.[1] Der Großraum Obernai zählte 2009 12.369 Einwohner (1968 noch 7.293).[2]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2009
Einwohner 4534 6304 7902 8907 9610 10.472 11.009 10.803

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Über den in Rot und Schwarz gespaltenen Schild liegt ein gänzlicher goldener Adler.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten und Denkmäler[Bearbeiten]

  • Obernai verfügt über einen für das Elsass typischen Renaissance-Sechs-Eimer-Brunnen von 1579.
  • Am Marktplatz steht das zum Restaurant umgebaute ehemalige Kornhaus (frz. Halle aux blés) von 1554.
  • Nachdem die gotische Kirche 1873 abgebrochen wurde, blieb der 60 m hohe Turm neben dem Rathaus aus dem 16. Jahrhundert (frz. Hôtel de ville) als Kappelturm (frz. Tour de la chapelle) übrig. Über dem fünften Stockwerk erhielt er eine Maßwerkbrüstung und einen schiefergedeckten Helm, so dass er der Stadt fortan als Belfried diente.
  • Obernais neugotische Kirche Saints-Pierre-et-Paul wurde 1867–1872 errichtet und ist eines der größten neugotischen Gotteshäuser im gesamten Elsass. Im aufwändig gestalteten und reich verzierten Innenraum befinden sich unter anderem mittelalterliche Altäre aus der Vorgängerkirche und eine bedeutende Orgel von Joseph Merklin.
  • Die Stadt verfügte einst über 20 Türme im inneren Stadtmauerring, der noch weitgehend erhalten ist.
  • Oberhalb der Stadt steht das Monument für die Malgré-nous – die im Zweiten Weltkrieg zwangsweise in die deutsche Wehrmacht verpflichteten Elsässer aus dem Kanton Obernai.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1958 unterhält Obernai eine Partnerschaft mit der deutschen Stadt Gengenbach in Baden-Württemberg. Seit 1986 ist die Stadt auch mit Pully im schweizerischen Kanton Waadt am Genfersee partnerschaftlich verbunden. Ein Lycée in Obernai hat eine Partnerschaft mit dem Auguste-Pattberg-Gymnasium in Mosbach-Neckarelz und dem Anne-Frank-Gymnasium in Erding.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Obernai – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Obernai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Commune : Obernai (67348). recensement.insee.fr, abgerufen am 25. November 2012.
  2. Unité urbaine 2010 : Obernai (67303). recensement.insee.fr, abgerufen am 25. November 2012.