Ukrainische Küche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Borschtsch mit Schmand und Dill
Wareniki

Die ukrainische Küche ist sehr vielfältig und hat die Elemente unterschiedlicher europäischer Küchen aufgenommen (vor allem russische, deutsche, türkische, polnische und ungarische Küche). Der Anteil der altslawischen Traditionen ist aber der bedeutendste.

Die ukrainische Küche hat auch die Nationalküchen von Nachbarländern beeinflusst, unter anderem die polnische Küche und die russische Küche. Durch die ukrainischen Einwanderer in die USA und nach Kanada wurde die ukrainische Küche auch in Nordamerika bekannt. Die ukrainische Kochtradition wird in zahlreichen Restaurants in der Ukraine, in Russland und mittlerweile auch in ganz Europa und Nordamerika weitergepflegt. Besonderheit der ukrainischen Küche ist die große Vielfalt der benutzten, überwiegend einheimischen Lebensmittel, wie Kartoffeln, Fleisch, Früchte, Pilze, Beeren und Kräuter. Die bekanntesten Gerichte sind Borschtsch, Soljanka und Wareniki.

Essgewohnheiten[Bearbeiten]

Alle Mahlzeiten sind eher deftig. Das Hauptgericht des Tages ist warm und wird zur Mittagszeit, d. h. in der Regel gegen 14:00 Uhr gereicht. Es besteht im Allgemeinen aus einer Suppe, dem Hauptgericht und dem Dessert. In der Sommerzeit werden sehr gerne verschiedene Fleischsorten wie Schweinefleisch (Schaschlik), Lamm oder Huhn, aber auch einheimische Gemüsesorten je nach Saison gegrillt und bevorzugt im Freien z. B. auf der Terrasse oder im Garten verspeist.

Trinkgewohnheiten[Bearbeiten]

Ukrainischer Vodka

Getrunken wird in der Ukraine viel mehr Tee als Kaffee, nicht nur zum Frühstück, sondern auch am Nachmittag und am Abend. Eine Ausnahme bilden hier die größeren Städte in der Westukraine, wo es vereinzelt noch Wiener Kaffeehäuser gibt. Neben Mineralwasser (aus den zahlreichen Quellen wie etwa aus Transkarpatien) gibt es zu den Mahlzeiten häufig Kompottgetränke aus Obst (Uswar, Kompott aus getrockneten Früchten und Honig) und Kwas.

An alkoholischen Getränken ist Wodka (ukrainisch: Horilka) traditionell beliebt, obwohl der Verbrauch in den letzten Jahren geringer geworden ist. Hausbranntweine (Samogon) sind sehr verbreitet. Bier und Weine einheimischer und europäischer Sorten gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Viele Familien, die in den ländlichen Regionen der Ukraine leben, pressen ihren eigenen Fruchtsaft für den Eigengebrauch aus dem Obst, das in ihren Gärten wächst. Teilweise werden auch Spirituosen selber gebrannt.

Traditionelle Gerichte[Bearbeiten]

Suppen[Bearbeiten]

Soljanka mit Oliven und Petersilie
  • Borschtsch - Gemüsesuppe (am beliebtesten mit Roter Bete), obwohl Borschtsch ein Bestandteil der polnischen und russischen Küche geworden ist, stammt er aus der Ukraine. Der Name stammt vom ukrainischen bzw. altrussischen Burjak = Rote Bete. Es gibt mehr als 30 lokale Sorten von Borschtsch mit recht unterschiedlichen Rezepturen.
  • Okroschka - eine kalte Suppe mit Kwas.
  • Soljanka - dickflüssige, würzige und säuerliche Suppe, die aus 7 verschiedenen Fleischsorten gekocht wird. Ähnlich zur Soljanka sind Kapustnjak und Rassolnik.
  • Juschka - Fischsuppe aus Süßwasserfischen, üblicherweise mit Karpfen.
  • Haluschky - "Kleine Ohren", eine Suppe mit gefüllten Teigtaschen.

Salate[Bearbeiten]

Eingelegte Tomaten

Brot[Bearbeiten]

  • Sowohl Weiß- als auch Schwarzbrot sind verbreitet.
  • Paska - traditionelles, süßes Weißbrot mit Rosinen und Zuckerstreuseln, das zu Ostern (Osterbrot) frisch gebacken wird.
  • Babka - ein süßer Hefekuchen mit Rosinen (nicht zu verwechseln mit Baba = Oma).
  • Kolatsche - ein ringförmiges Brot, normalerweise an Weihnachten und zu Feiertagen gegessen. Das Brot ist auf der Oberseite mit einem Kreuz verziert. Der Kolach repräsentiert in der Ukraine die Heilige Dreifaltigkeit, den Zyklus des Lebens und die Familie.
  • Bubliki - weiche Kringel aus leicht gesüßtem Weißbrotteig.

Mehlspeisen[Bearbeiten]

Pyrischky
  • Eibrot - in aufgeschlagenen Eiern ausgebackene Brotscheiben.
  • Kulesch - Brei aus Getreide, Mehl und Kartoffeln.
  • Kutja - eine festliche süße Speise aus Weizen (Graupen), Mohn, Honig, Sultaninen, Nüssen u. a., die zu Weihnachten als Vorspeise gegessen wird.
  • Wareniki - gekochte Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen z. B. Kartoffeln, Sauerkraut, Quark, Fleisch, Pilze, Mohn, Obst und Früchte. Wareniki sind ein altes slawisches Gericht im Gegensatz zu den von türkischen Nomaden aus Nordchina mitgebrachten Pelmeni. Durch die Erzählung von Nikolaj Gogol Die Nacht vor Weihnachten sind Wareniki zum Symbol der Völlerei und Faulheit geworden. Dort waren die Wareniki durch Zauberei von ganz allein aus der Schüssel gesprungen, in den Schmand eingetaucht und in den Mund geflogen.
  • Pyrohy oder Pyrischky - angebratene Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen.
  • Pampuschky - Süße Krapfen gefüllt mit Marmelade und mit Puderzucker bestäubt.
  • Pelmeni gefüllte, meist mit Fleisch, gekochte Teigtaschen. Im Unterschied zu Wareniki werden Pelmeni mit Rohhackfleisch gefüllt. Die Füllung für Wareniki wird aus dem gekochten Fleisch zubereitet.
  • Tschebureki - In heißem Fett gebackene Teigtaschen mit Hackfleischfüllung.
  • Weitere zahlreiche Teigwaren wie Haluschky, Knödel, Mlynzi oder Werhuny.

Fleischgerichte[Bearbeiten]

Kosaken Schaschlik
  • Scharkoe - Braten in unterschiedlichsten Ausführungen. Klassisch wird er in kleinen Töpfchen zubereitet und serviert.
  • Rouladen aus Fleisch, Kohl (Holubzi-Kohlrouladen, zum Beispiel mit Reis und Hackfleisch gefüllt) oder Teig (Sawiwanez).
  • Kiewer Kotelett - paniertes Hühnerfilet mit Kräuterbutterfüllung.

Feiertage[Bearbeiten]

In den Dörfern wurden früher nur einmal im Jahr - und zwar zu Weihnachten Schweine geschlachtet. Da es keine Kühlmöglichkeiten gab, wurde das Fleisch umgehend unter den Bewohnern verteilt und innerhalb von 10 Tagen verbraucht. Aus dem Speck stellte man Schweineschmalz her, indem man ihn in einem Kochtopf erhitzte. Das Blut wurde zur Herstellung von Würsten verwendet. Am ersten Tag wurde aus dem frischen Fleisch oft Wurst und Schinken hergestellt und geräuchert, damit es noch viele Monate haltbar blieb. An Feiertagen werden besondere Gerichte zubereitet. An Heiligabend werden bei vielen Familien bis zu 20 verschiedene Speisen gekocht. Das Angebot reicht von Rübensalat bis zu Gänsebraten. Die Speisen werden auf einem großen Tisch angerichtet, wovon sich jeder Gast bedienen darf. Die Traditionen unterscheiden sich von Region zu Region leicht.

Fleisch[Bearbeiten]

Speiseplatte mit Salo und Schwarzbrot

Fleisch spielt eine wichtige Rolle. Es wird vor allem Schweinefleisch benutzt, aber auch Rinder- und Hammelfleisch. Hühner-, Gans- und Entenfleisch sind ebenfalls beliebt. Kaninchen werden eher auf dem Lande verzehrt. Spezialität ist auch eine sehr rohe Blutwurst (Krov'janka), die am Tag nach der Schweineschlachtung zubereitet wird.

Speck[Bearbeiten]

Unter anderem sind die Ukrainer für ihre Liebe zum Schweinespeck (Salo) bekannt. Schon im 16. bis 18. Jahrhundert kochten ukrainische Kosaken mit Speck, um sich von den "andersgläubigen Muslimen" abzugrenzen. Dieser Speck entspricht nicht dem in Deutschland bekannten Speck mit Fleischanteilen, sondern besteht ausschließlich aus der weißen Fettschicht. Er wird in der ukrainischen Küche traditionell sehr häufig in verschiedenen Varianten eingesetzt: roh, gesalzen, gekocht, geräuchert oder gebraten. Oft wird Salo auch kräftig gewürzt und normalerweise zu Wodka genossen.

Fisch[Bearbeiten]

Getrockneter Fisch auf einem Basar

Beliebtester Fisch (Riba) in der Ukraine ist der Karpfen. Die Zubereitungsarten sind grenzenlos von gebraten über gekocht, in Aspik usw. Weitere beliebte Fische sind Dorsch, Hering und Lachs, aber auch die gesamte Breite der Süßwasserfische von Forelle, Wels, Zander, Hecht, Aal usw.

Die Filets können in Mehl und aufgeschlagenem Ei paniert und anschließend in heißem Fett kurz ausgebacken werden. Besonders beliebt sind auch sehr salzige, in Buchenholz geräucherte Salzwasserfische welche es mittlerweile auch schon in Deutschland in Zeitungspapier umwickelt, in Russischen Shops (Russkij Magazin) zu kaufen gibt.

Am Strand werden häufig Snacks, aus getrocknetem Fisch (Taranka) sowie gekochten Schrimps (Kriwetki), gesalzen oder ungesalzen, meist zu einem Bier verzehrt.

Gemüse[Bearbeiten]

Neben Kartoffeln bildet Weißkohl das Hauptgemüse, gegessen werden jedoch auch viele weitere Gemüsesorten. Unterschiedlichste Salate sind sehr beliebt. Pilze werden auch oft verwendet. Auberginen werden in Scheiben geschnitten und anschließend gegrillt oder zu einem würzigen Brotaufstrich verarbeitet. Sonnenblumenkerne werden getrocknet, gesalzen, geröstet und als Snack gegessen.

Beilagen[Bearbeiten]

Deruny - Kartoffelpuffer, mit Fleisch gefüllt, in Saporischschja
  • Kartoffeln werden in unterschiedlichsten Variationen verzehrt, beispielsweise Pell-, Salz-, Brat- und Petersiliekartoffeln.
  • Unterschiedliche Teigwaren wie Nudeln und Knödel sind sehr beliebt.
  • Brot wird praktisch zu allen Hauptgerichten serviert.
  • Pfannkuchen bzw. Kartoffelpuffer (Deruny) werden in der Ukraine sowohl süß als Dessert wie auch als Beilage zu anderen Gerichten gegessen.
  • Verschiedene Arten von Brei, z. B. aus Dinkel, Buchweizen

Gewürze und Kräuter[Bearbeiten]

Es sind vor allem Meerrettich und Senf beliebt, oft sehr scharf. Zur Verfeinerung wird häufig Dill verwendet (z. B. für Pilze, in Suppen oder auf Salat).

Milchprodukte[Bearbeiten]

Rjaschenka
  • Tworog bzw. Syr, ukrainischer Quark, ist von festerer Konsistenz als der deutsche. Er wird mit unterschiedlichen Beilagen wie Frühlingszwiebeln und Kräutern, Rosinen, Beeren oder Schokolade gegessen.
  • Unterschiedliche Milchgetränke wie Kefir, Prostokwascha, Rjaschenka.
  • Smetana (Schmand) ist ein wichtiger Bestandteil der ukrainischen Küche. Zu vielen Gerichten gehört ein obligatorischer Schlag als Abrundung.
  • Joghurt wird gerne als Beilage zu Grillfleisch, Reis oder gegrillten Paprikaschoten gegessen.

Eier und Mehlspeisen[Bearbeiten]

Eier werden nicht nur als selbständiges Gericht gereicht, sondern mehr noch als unerlässliche Zutat für Mehlspeisen, Süßspeisen und Eierteigwaren verwendet. Charakteristisch für die ukrainische Küche ist die Vielfalt von Teigwaren. Bekannt sind vor allem Haluschky und Wareniki, das sind nationale Gerichte aus hefelosem Teig, welche mit den unterschiedlichsten Füllungen angeboten werden.

Desserts[Bearbeiten]

Warenyky mit Sauerkirschfüllung
Syrnyky mit Warennja
Ein Stück Kiewer Torte

Als Desserts werden verschiedene Sorten von Kuchen, Torten, Wareniki, frische und überbackene Früchte, Speiseeis und Quarkzubereitungen serviert. Wassermelonen und eingemachte Früchte wie Birnen oder Kirschen sind ebenfalls eine sehr beliebte Nachspeise. Traditionell werden die Speisen häufiger mit Honig als mit Zucker gesüßt.

  • Mediwnyk - ukrainischer Honigkuchen.
  • Pyrischky - kleine Küchlein mit verschiedenen Füllungen (z.B. Apfelmuß, Pflaumenmuß, getrocknete Aprikosen).
  • Mlynzi - Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen.
  • Oladky - dicke kleine Pfannkuchen.
  • Syrnyky - Quarkbällchen.
  • Tort - verschiedene Schichtentorten. Die populärsten sind Kiewer Torte, Prager Torte, Napoleon (Mille-feuille).
  • Halva - Süßwarenspezialität, in der Ukraine überwiegend aus Sonnenblumenkernen hergestellt.

Viele Arten des Feingebäcks sind noch aus der Sowjetischen Küche bekannt, z. B. Eclair, Baba au rhum, Kartoshka (eine Art Rumkugel).

Neuere Tendenzen[Bearbeiten]

Wie in allen europäischen Ländern, wird vor allem bei der Jugend immer mehr Fast Food bevorzugt, u. a. Hamburger, Hot Dogs, Pizza und Döner (hier Schaurma genannt, vom arabischen Schawarma), sowie eher traditionell belegte Brötchen und Piroggen. Es gibt auch mehrere ukrainische Fast Food-Ketten, die traditionelle Gerichte wie Borschtsch, Wareniki und weiteres anbieten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • S.A. Schalimow, J.A. Schadura: Ukrainische Küche. Moskau, Leipzig 1985. ISBN 3-7304-0196-3
  • W.W. Pochljobkin: Nationale Küchen. Die Kochkunst der sowjetischen Völker. Moskau, Leipzig 1988. ISBN 3-7304-0053-3
  • Marion Trutter: Culinaria Russia: Russland, Ukraine, Georgien, Armenien, Aserbaidschan. Hamburg 2007. ISBN 3-8331-2183-1

Weblinks[Bearbeiten]