Niederländische Küche

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Hollandse Nieuwe (Matjes) mit uitjes (fein gehackte Zwiebeln) und zuur (Gewürzgurke)

Die niederländische Küche ist gekennzeichnet von einfachen bis zu deftigen Speisen. Wichtige Bestandteile sind Gemüse, Milch, Butter, Käse und Fisch. Im 20. Jahrhundert kamen indonesische Einflüsse hinzu. (Indonesien war als Niederländisch-Indien lange Zeit niederländische Kolonie).

Gerichte[Bearbeiten]

Boerenkoolstamppot mit Rookworst
Frikandel mit Patat und Mayonnaise

Das frühere Nationalgericht Stamppot ist eine gestampfte Mischung aus Kartoffeln und Gemüse. Häufig wird dabei Grünkohl (niederländisch: boerenkool) verwendet. In der Regel wird Stamppot mit heißer Rookworst, einer geräucherten Schinkenwurst, und angebratenen Zwiebeln gegessen. Rookworst wird auch häufig mit Sauerkraut (zuurkool) serviert. Eine andere Variante von Stamppot ist Hutspot (ebenfalls eine gestampfte Mischung aus Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten), der mit angebratenem kleingehacktem Speck gegessen wird. Wahlweise wird als Gemüse auch Endivie verwendet. Ein weiteres Gericht ist die erwtensoep („Erbsensuppe“), die aus getrockneten und über Nacht in Wasser eingeweichten Spalterbsen besteht, die dann zusammen mit Speck- oder Wurstwürfeln und Kartoffelstücken zu einer gebundenen Suppe verkocht werden. Dazu wird in einigen Gegenden der Niederlande ein Roggenbrot mit Butter bestrichen und belegt mit gekochtem Hamburgerspeck gereicht. Diese Gerichte sind eher „Wintergerichte“ und werden vor allem bei kaltem Wetter gegessen.

In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Imbissbuden (nl. Snackbar) stark zugenommen. In Fastfoodrestaurants erhält man Pommes frites (patat, auch frites oder frietjes) mit Mayonnaise, Ketchup (auch gemischt mit Zwiebeln = speciaal/spezial) oder Erdnusssauce (pindasaus/satésaus), dazu Frikandel und in den Küstenorten Kibbeling, frittierte Scholle oder „Lekkerbekje“ (Pangasius oder auch Wittling frittiert) und diverse andere Fischgerichte.

Die indonesische Küche hat sich durch die Einflüsse der Kolonialzeit etabliert. Patat oorlog (oorlog heißt Krieg) ist Pommes mit Mayo, Zwiebeln und Erdnusssauce. Überhaupt sind indonesische Einflüsse in der niederländischen Küche kaum zu übersehen, auch wenn die meisten Gerichte dem europäischen Geschmacksempfinden angepasst wurden (das heißt: wenig Salz und nicht zu scharf). Neben den Pommes Frites werden in den „Snackbars“ auch frittierte Fleisch- und Käsegerichte angeboten.

Die berühmte Sauce Hollandaise (Holländische Sauce) entstammt der klassischen französischen Küche; Holland ist nur namensgebend.

Der „Hollandse Nieuwe“ ist rohes Heringsfilet mit oder ohne Zwiebeln, das oft am Schwanz gehalten über Kopf verzehrt wird, oder mit einem Weißbrötchen.

International bekannt ist der niederländische Käse (kaas), der sowohl als Brotbelag als auch in Stücke geschnitten verzehrt wird. Am weitesten verbreitet ist der Gouda (Goudse kaas), der seinen Ursprung in der Stadt Gouda hat. Er ist in unterschiedliche Reifegrade eingeteilt. Jonge Kaas ist am kürzesten gelagert und schmeckt sahnig mild. Belegen ist die nächste Stufe mit einem würzigem Geschmack und einer festen Konsistenz. Oude Kaas ist die aromatischste (und teuerste) Lagerstufe.

Gebäck und Süßspeisen[Bearbeiten]

Poffertjes

Weitere traditionelle niederländische Speisen sind Poffertjes (Pfannkuchenartige Süßspeise), Stroopwafels, Speculaas oder Taai-taai (Gebäck) am Nikolausabend, Oliebollen (Krapfen, an Silvester verzehrt), Kandeel (süßes Getränk auf Weinbasis mit Ei und Nelken) und Bitterballen (Fleischkroketten). Sehr beliebt sind auch der pudding-ähnliche Vla oder die Schokostreusel (Hagelslag).

Getränke[Bearbeiten]

Zwei Gläser Heineken Pilsener

Die Niederlande verfügen über eine lange Bierbrautradition. Angeboten werden überwiegend helle Pils- beziehungsweise Lagerbiere, aber auch dunkle Klosterbiere, die den belgischen verwandt sind. Der niederländische Biermarkt wird heute vom drittgrößten Brauereikonzern der Welt, Heineken, dominiert, der Traditionsmarken wie Amstel und Brand übernommen hat. Eine weitere bekannte Biermarke ist Grolsch, welche heute dem SABMiller-Konzern gehört.

Neben Bier gibt es aber auch den typischen Jenever, Brandewijn und Beerenburg.

Mahlzeiten[Bearbeiten]

Brot mit Hagelslag

Das einst typische niederländische Frühstück (ontbijt) besteht aus für deutsche Verhältnisse sehr weichem Brot oft mit süßem Belag, zum Beispiel Schokoladen/Früchte, hagelslag/vlokken (Schokostreusel/Schokoflocken) oder Erdnussbutter (pindakaas), die aber nicht süß ist, und einer Tasse Kaffee oder Tee. Auch Aufschnitt oder Käse werden zum Frühstück verzehrt. Auch Pfannkuchen (pannenkoek) wird häufig gegessen und kann sowohl als Hauptgericht wie als Nachtisch dienen.

Das bekannte kopje koffie („Tässchen Kaffee“) wird Gästen rund um die Uhr angeboten, wobei auch Tee sehr beliebt ist. Dazu wird je Tasse oder Glas öfters ein Keks (koekje) angeboten oder eine Scheibe Kuchen („plakje cake“) serviert. Den in Deutschland verbreiteten Früchtetee gibt es in den Niederlanden eher selten, wohl aber aromatisierten schwarzen Tee.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Kaldenbach: Doe maar gewoon: 99 tips voor het omgaan met Nederlanders. Prometheus: Amsterdam 1994, ISBN 90-5333-291-X
  • Hellen A. M. Halverhout: Holland und Belgien bei Tisch. In: Fischer Internationale Küche. Holland und Belgien. Fischer, Frankfurt am Main 1977. ISBN 3-436-02446-5, S. 7-17