Zell am Harmersbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Zell am Harmersbach
Zell am Harmersbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Zell am Harmersbach hervorgehoben
48.3466666666678.0666666666667223Koordinaten: 48° 21′ N, 8° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Ortenaukreis
Höhe: 223 m ü. NHN
Fläche: 36,43 km²
Einwohner: 7870 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 216 Einwohner je km²
Postleitzahl: 77736
Vorwahl: 07835
Kfz-Kennzeichen: OG, KEL, LR, WOL
Gemeindeschlüssel: 08 3 17 146
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 19
77736 Zell am Harmersbach
Webpräsenz: www.zell.de
Bürgermeister: Hans-Martin Moll
Lage der Stadt Zell am Harmersbach im Ortenaukreis
Ill (Elsass) Ill (Elsass) Frankreich Landkreis Rastatt Baden-Baden Landkreis Calw Landkreis Emmendingen Landkreis Freudenstadt Rheinau (Baden) Lauf (Baden) Sasbach Landkreis Rastatt Landkreis Rottweil Schwarzwald-Baar-Kreis Achern Achern Achern Appenweier Bad Peterstal-Griesbach Berghaupten Biberach (Baden) Durbach Ettenheim Fischerbach Friesenheim (Baden) Gengenbach Gutach (Schwarzwaldbahn) Haslach im Kinzigtal Hausach Hofstetten (Baden) Hohberg Hornberg Kappel-Grafenhausen Kappel-Grafenhausen Kappelrodeck Willstätt Kehl Kehl Kippenheim Kippenheim Kippenheim Lahr/Schwarzwald Lauf (Baden) Lauf (Baden) Lautenbach (Ortenaukreis) Mahlberg Mahlberg Mahlberg Meißenheim Mühlenbach (Schwarzwald) Neuried (Baden) Nordrach Oberharmersbach Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberwolfach Offenburg Ohlsbach Oppenau Ortenberg (Baden) Ottenhöfen im Schwarzwald Renchen Renchen Ringsheim Ringsheim Rust (Baden) Rheinau (Baden) Rheinau (Baden) Rheinau (gemeindefreies Gebiet) Sasbach Sasbach Sasbach Sasbachwalden Schuttertal Schutterwald Schwanau Seebach (Baden) Seelbach (Schutter) Steinach (Ortenaukreis) Willstätt Willstätt Wolfach Zell am Harmersbach RheinKarte
Über dieses Bild
Zell am Harmersbach, Hirschturm

Zell am Harmersbach ist eine Stadt im Ortenaukreis am Westrand des Schwarzwalds. Zell war im Heiligen Römischen Reich die kleinste Freie Reichsstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Zell liegt am unteren Talende des südwestlich laufenden, 16 km langen Harmersbachs, der am Westrand des Siedlungsbereichs von links mit der 15 km lange Nordrach aus dem Nordnordosten zusammenläuft, wodurch der Erlenbach entsteht. Dieser mündet nur 2,6 km weiter talab in die Kinzig.

Die Stadtgemarkung umfasst das untere Nordrachtal im Norden, das untere Harmersbachtal im Nordosten sowie den größten Teil der gemeinsamen Talebene von Erlenbach und Entersbacher Dorfbach im Südwesten, wo die Gemarkung sogar etwas über den Lauf der Kinzig reicht. Im Südosten und Westen läuft seine Grenze ungefähr auf den Wasserscheiden zum oberen und unteren Kinzigtal.

Die höchsten Punkte der Stadtfläche liegen an deren Südostrand auf dem Kamm des über 880 m ü. NN hohen Nill und am Westabfall des Brandenkopfs, wo über 890 m ü. NN erreicht werden. Der niedrigste befindet sich dicht an der Mündung des Erlenbachs in die Kinzig, die gerade schon außerhalb liegt, und hat wenig über 190 m ü. NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Stadt grenzt im Norden an Nordrach, im Nordosten an Oberharmersbach, im Südosten an Fischerbach, im Süden an die Stadt Haslach, im Südwesten an Steinach, im Westen an Biberach und im Nordwesten an die Stadt Gengenbach.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Zell am Harmersbach mit den früher selbstständigen Gemeinden Unterharmersbach, Unterentersbach und Oberentersbach gehören außer der Stadt Zell am Harmersbach 50 Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.[2]

→ siehe auch: Liste der Orte im Ortenaukreis

Geschichte[Bearbeiten]

Zell ist eine Gründung des Klosters Gengenbach. Es wurde erstmals 1139 urkundlich erwähnt. Später gehörte es den Zähringern, nach ihrem Aussterben fiel die Stadt an die Staufer. Nachdem zwischenzeitlich die Herren von Geroldseck und auch das Bistum Straßburg den Ort besaßen, kam der Ort 1334 an die Markgrafschaft Baden. Ende des 14. Jahrhunderts wurde es dann Freie Reichsstadt. Zell musste sich allerdings ständig gegen Versuche der österreichischen Ortenau wehren, die Stadt in ihr Territorium einzugliedern. Hierbei fand Zell Unterstützung bei den benachbarten Reichsstädten Gengenbach und Offenburg.

1718 wurde das Zell umgebende Harmersbachtal von der Stadt unabhängig und ein eigenständiges freies Reichstal. Im Rahmen der Mediatisierung aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses verlor Zell 1803 seinen Status als Freie Reichsstadt und fiel erneut an das Großherzogtum Baden.

1904 zerstörte ein Großbrand mehrere Fachwerkhäuser im Stadtkern. Die nördliche Seite der unteren Hauptstraße wurde danach im für diese Zeit typischen Jugendstil wiederaufgebaut. Diese Häuserzeile gilt heute in ihrer Einheitlichkeit als beispielhaft für die Architektur des beginnenden 20. Jahrhunderts. In Baden gehörte Zell am Harmersbach lange zum Landkreis Wolfach. Bei Auflösung desselben kam die Stadt 1973 zum neugebildeten Ortenaukreis. Die heutige Stadt wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Stadt Zell am Harmersbach und Unterharmersbach neu gebildet. Zeitgleich wurde die Gemeinde Unterentersbach eingemeindet. Die Eingemeindung von Oberentersbach nach Zell am Harmersbach erfolgte am 1. Januar 1974.

Ortsteile[Bearbeiten]

Oberentersbach[Bearbeiten]

Oberentersbach Erstmals 1111 wurde Oberentersbach urkundlich erwähnt. Es wurde bis 1803 von Zell aus verwaltet und schloss sich danach mit Unterentersbach zu einer Gemeinde zusammen. Der Zusammenschluss wurde 1851 wieder gelöst.

Unterentersbach[Bearbeiten]

Unterentersbach

1075 wurde Unterentersbach erstmals urkundlich erwähnt. In der Reichstadtzeit war Unterentersbach Teil (Landstab)von Zell. Von 1803 bis 1851 bildete Unterentersbach zusammen mit Oberentersbach eine Gemeinde. Bis zum Zusammenschluss mit Zell 1975 war Unterentersbach 124 Jahre selbständig. Zu Unterentersbach gehören das ehemalige Rittergut Gröbern und der Zinken Stöcken, eine vormalige Kurie des Klosters Gengenbach.

Unterharmersbach[Bearbeiten]

Unterharmersbach

Unterharmersbach wurde 1139 erstmals urkundlich erwähnt. 1200 kam der Ort an das Bistum Bamberg. Über die Herzöge von Zähringen, die Grafen von Fürstenberg und die Herren von Geroldseck kam Unterharmersbach 1367 an das Bistum Straßburg.

Politik[Bearbeiten]

Der Fürstenberger Hof
Wahrzeichen Storchenturm
Bahnhof von Zell am Harmersbach, Modell
Pfarrhofgraben mit Stadtkirche und Verlagshaus der Heimatzeitung

Die Stadt ist Sitz der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft mit den Gemeinden Biberach, Nordrach und Oberharmersbach.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 brachte bei einer Wahlbeteiligung von 51,2 % folgendes Ergebnis:

3
3
6
6
Von 18 Sitzen entfallen auf:
Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
34,3 %
30,2 %
19,1 %
16,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
+0,1 %p
-3,1 %p
+4,2 %p
-1,1 %p

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Zell - „In Gold ein rotbewehrter, rotbezungter schwarzer Adler“ - ist das Wappen des Heiligen Römischen Reiches und symbolisiert die Geschichte als Freie Reichsstadt.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt Zell unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Baume-les-Dames in der Region Franche-Comté in Frankreich, seit 1990, zu Frauenstein im Erzgebirge in Sachsen seit 1991.

Der Stadtteil Unterharmersbach unterhält seit 2000 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Tuggen, Kanton Schwyz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zell liegt am Kinzigtäler Jakobusweg und am Großen Hansjakobweg, die beide an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Historische Altstadt
  • zahlreiche Brunnen, darunter der Narrenbrunnen in Zell und der St.-Gallus-Brunnen in Unterharmersbach
  • St.-Michaels-Kapelle in Kirnbach-Grün mit der danebenstehenden über 500 Jahre alten Gerichtslinde, unter der im Mittelalter Gericht gehalten wurde

Museen[Bearbeiten]

Fasend[Bearbeiten]

Zell ist eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, die dort Fasend genannt wird. Erste Nachrichten der örtlichen „faßnacht“ sind aus dem 17. Jahrhundert überliefert. Die 1923 gegründete Narrenzunft Zell am Harmersbach ist Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Die Kleider der Zeller Narrenfiguren sind besonders aufwändig und aus außergewöhnlichen Materialien gearbeitet: der Bändelenarro trägt einen mit Papierbändern besetzten Anzug, der Welschkornnarro ist mit Maiskolbenblättern benäht, der Spielkartennarro ist von Kopf bis Fuß mit etwa 1.800 Spielkarten besetzt und der Schneckenhüslinarro mit über 2.000 echten Schneckenhäusern. Alle vier Narrenfiguren sind das ganze Jahr über als Bronzefiguren am Narrenbrunnen in Zell zu sehen.[3] [4]

Eine weitere ortsansässige Narrenzunft ist die Hexenzunft Unterharmersbach e. V. (Mitglied des Ortenauer Narrenbunds) mit ihrer Narrenfigur „Eckwaldhexe“, einer Fastnachtshexe.[5]

Im Ortsteil Unterentersbach wird am Fastnachtsmontag von der Narrengemeinschaft Unterentersbach e. V. die „Bachkuchifasend“ gefeiert.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Zell am Harmersbach liegt an der Harmersbachtalbahn, einer von Biberach (Baden) nach Oberharmersbach führenden Nebenstrecke der Schwarzwaldbahn. Der ÖPNV wird durch den Tarifverbund Ortenau gewährleistet.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In Zell ist die Fayencefabrik Zeller Keramik ansässig, in der auch das bekannte „Hahn und Henne“-Motiv hergestellt wird.

In Zell erscheint dreimal wöchentlich (montags, mittwochs und freitags) die Schwarzwälder Post, die kleinste süddeutsche Heimatzeitung.

Bildung[Bearbeiten]

Mit dem Schulzentrum Ritter von Buß gibt es eine Grund-, Haupt- und Realschule. In Unterharmersbach besteht zudem eine reine Grundschule. Außerdem gibt es eine Förderschule in der Kernstadt. Daneben gibt es vier Kindergärten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt

Personen mit Beziehung zur Stadt

Literatur[Bearbeiten]

  • Angelika Ehret u. a.: Stadtführer Zell am Harmersbach. Ein Rundgang durch Zell am Harmersbach, Unterharmersbach, Unter- und Oberentersbach. Tourist-Info, Zell am Harmersbach 2010 (29 S.)
  • Rudolf Hahn: Streifzüge durch die Geschichte Alt-Zells und seiner Umgebung. Stadt Zell a. H., Zell a. H. 1972 (314 S.)
  • Thomas Kopp: Die Zeller Fasend. Chronik der Narrenzunft Zell am Harmersbach e. V.. Narrenzunft Zell a. H., Zell a. H. 1984 (326 S.)
  • Dieter Petri: Zell am Harmersbach im Wandel der Zeit. Stadt Zell a. H., Zell a. H. 2010, ISBN 978-3-00-032131-3 (447 S.)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 432–435
  3. Narrenzunft Zell
  4. www.vsan-schwarzwald.de
  5. eckhexen.de
  6. www.ortenaukultur.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zell am Harmersbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien