Rheinau (Baden)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rheinau
Rheinau (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rheinau hervorgehoben
48.6677777777787.9347222222222130Koordinaten: 48° 40′ N, 7° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Ortenaukreis
Höhe: 130 m ü. NHN
Fläche: 73,43 km²
Einwohner: 11.082 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 151 Einwohner je km²
Postleitzahl: 77866
Vorwahlen: 07844, 07227, 07853
Kfz-Kennzeichen: OG, KEL, LR, WOL
Gemeindeschlüssel: 08 3 17 153
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rheinstraße 52
77866 Rheinau
Webpräsenz: www.rheinau.de
Bürgermeister: Michael Welsche
Lage der Stadt Rheinau im Ortenaukreis
Ill (Elsass) Ill (Elsass) Frankreich Landkreis Rastatt Baden-Baden Landkreis Calw Landkreis Emmendingen Landkreis Freudenstadt Rheinau (Baden) Lauf (Baden) Sasbach Landkreis Rastatt Landkreis Rottweil Schwarzwald-Baar-Kreis Achern Achern Achern Appenweier Bad Peterstal-Griesbach Berghaupten Biberach (Baden) Durbach Ettenheim Fischerbach Friesenheim (Baden) Gengenbach Gutach (Schwarzwaldbahn) Haslach im Kinzigtal Hausach Hofstetten (Baden) Hohberg Hornberg Kappel-Grafenhausen Kappel-Grafenhausen Kappelrodeck Willstätt Kehl Kehl Kippenheim Kippenheim Kippenheim Lahr/Schwarzwald Lauf (Baden) Lauf (Baden) Lautenbach (Ortenaukreis) Mahlberg Mahlberg Mahlberg Meißenheim Mühlenbach (Schwarzwald) Neuried (Baden) Nordrach Oberharmersbach Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberwolfach Offenburg Ohlsbach Oppenau Ortenberg (Baden) Ottenhöfen im Schwarzwald Renchen Renchen Ringsheim Ringsheim Rust (Baden) Rheinau (Baden) Rheinau (Baden) Rheinau (gemeindefreies Gebiet) Sasbach Sasbach Sasbach Sasbachwalden Schuttertal Schutterwald Schwanau Seebach (Baden) Seelbach (Schutter) Steinach (Ortenaukreis) Willstätt Willstätt Wolfach Zell am Harmersbach RheinKarte
Über dieses Bild

Rheinau ist eine Stadt in Baden-Württemberg und liegt im Nordwesten des Ortenaukreises. Der Hauptort ist Freistett.

Denselben Namen tragen Gemeinden im Elsass und im Kanton Zürich, Stadtteile von Mannheim und Rastatt sowie ein gemeindefreies Gebiet, das 40 Kilometer weiter südlich (flussaufwärts) liegt.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Rheinau liegt in der Oberrheinischen Tiefebene direkt am Rhein und an der deutsch-französischen Grenze. Das Gewerbegebiet Glockenloch des Hauptortes Freistett erstreckt sich bis unmittelbar an den Rheinübergang nach Frankreich an der Staustufe Rheinau-Gambsheim. Von den südlichsten Ortsteilen Linx und Honau sind es 10 km nach Kehl und 17 km nach Straßburg. Die Gemeinde ist die nördlichste des Ortenaukreises.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Stadt grenzt im Norden an die Stadt Lichtenau im Landkreis Rastatt, im Osten an die Stadt Achern, im Südosten an die Stadt Renchen, im Süden an die Stadt Kehl und im Westen an die elsässischen Gemeinden La Wantzenau, Gambsheim und Offendorf.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Politisch gliedert sich Rheinau in die neun Ortschaften Freistett, Diersheim, Hausgereut, Helmlingen, Holzhausen, Honau, Linx, Memprechtshofen und Rheinbischofsheim. Abgesehen vom Hauptort Freistett, wo das Rathaus steht, werden in allen Stadtteilen im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung jeweils ein Ortschaftsrat gewählt, dem ein Ortsvorsteher vorsitzt. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und mit Bindestrich verbunden nachgestellt der Name des jeweiligen Stadtteils. In den Ortschaften befinden sich Verwaltungsstellen mit der Bezeichnung „Stadt Rheinau, Ortsverwaltung …“. Die Stadtteile bilden zudem zugleich acht Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, wobei die Stadtteile Rheinbischofsheim und Hausgereut zu einem Wohnbezirk zusammengefasst werden.[2]

Siedlungsgeographisch betrachtet besteht neben den neun Ortschaften, außerdem der deutlich kleinere Weiler Hohbühn, der administrativ und kirchengemeindlich Linx zugeordnet ist. Im Nordosten von Rheinau liegt die Maiwaldsiedlung, die sich auch auf die Gemarkungen der Nachbarstädte Achern und Renchen erstreckt und nördlich von Memprechtshofen als Streusiedlung einzustufen ist. Auf den kargen, teils morastigen Böden des ehemaligen Renchhochwassergebiets konnten sich nur Gehöfte halten. Durch die Bevölkerungsdezimierung während des Dreißigjährigen Kriegs wurden Siedlungen gerade in diesem landwirtschaftlich weniger begünstigten Gebiet gewüstet.

Im Stadtgebiet von Rheinau befinden sich zahlreiche abgegangene Ortschaften: Ackerhof oder Gaylingscher Hof, Guglingen und Hirsach lagen nahe Helmlingen; Quergen und Renchenloch bei Memprechtshofen; Hohenhurst, Scheuern und Stegen auf Rheinbischofsheimer Territorium; Büche war bei Holzhausen und Hastatt (?) auf der heutigen Gemarkung von Linx. Die genaue Lage der Wüstungen Barau und Nulende ist nicht bekannt. Mögliche Standorte wurden auf den Gemarkungen von Freistett sowie von Bodersweier oder Querbach (Stadtteile von Kehl) ausgemacht.[3]

Wappen der Stadtteile[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Rheinau entstand während der baden-württembergischen Gemeindereform.

Im Ortsteil Diersheim wurde ein Brandgräberfeld der Oberrheinsueben gefunden. Es handelt sich um das südlichste bislang bekannte Gräberfeld der Oberrheinsueben. Es enthält 48 gesicherte und einige ungesicherte Urnen, 5 Brandgrubengräber. Die Zuordnung zu den elbgermanischen Sueben ergibt sich aus der Gestaltung der Beigaben wie Gürtelschnallen, Schildrandbeschläge usw. Außerdem sind eine Reihe Tongefäße als elbgermanische Importe aus Böhmen, Sachsen und Thüringen identifiziert worden.[4]

Die Belegung des Gräberfeldes begann um 50 n. Chr. Bis 70 n. Chr hatten die Gräber reiche Grabbeigaben elbgermanischer Herkunft, zwischen 70 und 140 n. Chr. sind sie ärmlich und provinzial-römisch geprägt. Nachdem die Römer eine Straße, die Argentorae (Straßburg) mit Aquaeum (Baden-Baden) verband, bauten (Verlauf wie B36), wurde im Ortsteil Helmlingen ein landwirtschaftlicher Betrieb gegründet. Daraus wurde mit der Zeit eine Siedlung, die wahrscheinlich durch die Germanen abgebrannt wurde. Die suebische Belegung riss ab. Zwischen 140 und 260 n. Chr. erscheinen wieder Elbgermanen, aber aus der altmärkisch-osthannoverschen Schalenurnengruppe. Mit dem Fall des Limes endete die Belegung des Gräberfeldes.

Rheinbischofsheim war ab 1803 ein Amt in der Landvogtei Yberg des Großherzogtum Baden und behielt diesen Status bis zur Amtsauflösung 1857.

Rheinau wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Gemeinden Freistett und Rheinbischofsheim gebildet, zunächst unter dem Namen Freistett-Rheinbischofsheim, den endgültigen Namen erhielt die Stadt durch eine Bürgerabstimmung. Bereits zuvor wurden mehrere Gemeinden nach Rheinbischofsheim bzw. Freistett eingemeindet: Nach Rheinbischofsheim wurden am 1. Januar 1973 die Gemeinde Hausgereut, am 1. Januar 1974 die Gemeinde Diersheim, am 1. April 1974 die Gemeinde Holzhausen und am 1. Januar 1975 die Gemeinde Honau eingemeindet. Nach Freistett wurden am 1. Juli 1971 die Gemeinde Memprechtshofen und am 1. Oktober 1974 die Gemeinde Helmlingen eingemeindet. Alle Gemeinden gehörten vor 1973 zum Landkreis Kehl.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

11
3
9
11 
Von 23 Sitzen entfallen auf:

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 52,3 % (- 0,8) zu folgendem Ergebnis:[5]

Partei / Liste Stimmenanteil +/- Sitze +/-
SPD / Freie Wähler 48,0 % - 5,0 11 - 2
CDU / Freie Wählergemeinschaft 37,1 % + 3,6 9 + 1
Interessengemeinschaft Handel 14,3 % + 1,4 3 ± 0

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Gold mit rotem Schildbord ein schwarzer Löwe.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die Evangelische Kirche Rheinbischhofsheim ist mit 56 m Höhe die größte Kirche im Hanauerland. Sie wurde 1876 erbaut, 1998 erfolgte eine Innensanierung.
  • Kapelle St. Nikolaus, genannt „Heidenkirchl“, im Ortsteil Freistett. Sie ist das älteste Gotteshaus im Hanauerland.
  • St. Nikolauskirche (häufig falsch „St. Nikolaus Kapelle“ genannt) im Ortsteil Hausgereut
  • Diersheimer Rathaus
  • Fischtreppe am Rheinübergang, eine der größten Fischtreppen Europas
  • Bis vor einigen Jahren existierte bei 48°40'33" nördlicher Breite und 7°55'14" östlicher Länge ein 160 Meter hoher meteorologischer Messmast. Er wurde errichtet, da man in Freistett plante, ein Kernkraftwerk zu bauen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Es findet jeden Freitagvormittag in Freistett auf dem Marktplatz ein Wochenmarkt statt.
  • Mundart, Kultur und Literatur im Kulturcafé sowie im Nachtcafé.
  • Diersheimer Winter: Veranstaltungen von Künstlern und Vortragenden aus der Region
  • Kultur im Stall (Freistett)
  • Fastnacht in fast allen Stadtteilen, täglich zwischen Schmutzigen Donnerstag und Aschermittwoch in den „Hochburgen“ Rheinbischofsheim und Diersheim

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Busverkehr[Bearbeiten]

Die Stadt ist durch Buslinien mit Achern, Lichtenau (Baden), Bühl (Baden) und Kehl verbunden und gehört dem Tarifverbund Ortenau an. Durch die räumliche Nähe zum Landkreis Rastatt und zur Agglomeration Straßburg gilt Rheinau als Übergangsbereich zum Karlsruher Verkehrsverbund und der Stadtwerke des Stadtverband Straßburg und profitiert von Sondertarifen.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 36 führt durch das Stadtgebiet. Von Freistett sind die Autobahnanschlussstellen Achern (Bundesautobahn 5) 9 km und Offendorf („Elsassautobahn“ A35) 7 km entfernt. Die K 5373 (von Diersheim nach Auenheim) wird jedes Frühjahr zur "Narzissenstraße". Zwischen den Ortschaften säumen hunderte Osterglocken links und rechts den Weg. Einige Zwiebelblumen, insbesondere die Tête-à-Tête-Narzissen, wurden von Privatpersonen gesetzt.

Schiffsverkehr[Bearbeiten]

Nahe der Staufstufe liegt eine Schiffswerft und ein Yachthafen. In Honau, Diersheim und Freistett befinden sich bei den dortigen Kieswerken Schiffsanlegestellen zum Umschlag der abgebauten Baustoffe.

Luftverkehr[Bearbeiten]

Nördlich von Rheinau, nahe der französischen Grenze und der Gemeinde Rheinmünster-Söllingen liegt im Baden-Airpark der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden/FKB – mitunter auch „Baden-Airport“ genannt – von dem Flüge unter anderem nach Berlin, Hamburg, Hurghada, London, Rom, Barcelona, Dublin, Marseille, Moskau sowie Pisa angeboten werden.

Bildung[Bearbeiten]

Rheinau hat zahlreiche Bildungseinrichtungen:

  • das Anne-Frank-Gymnasium mit Ganztagsschule
  • die Realschule Rheinau
  • die Pestalozzischule Memprechtshofen
  • die Wilhelm-Rohr-Schule (Grund- und Hauptschule)
  • die Grund- und Hauptschule Rheinbischofsheim
  • sowie diverse kleinere Grundschulen
  • zwei evangelische und sieben kommunale Kindergärten

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Bedeutende Arbeitgeber der Stadt sind unter anderem Brunner GmbH, Kieswerk HPF Hermann Peter KG Freistett, Klotter Elektrotechnik GmbH, RMA Pipeline Equipment, Stage Concept GmbH, Weber Fertighaus in Linx, Ytong Südwest GmbH (Xella), Zimmer Fruchtsäfte und Zimmer Group in Freistett.

Die Centrale Electrique Rhénane de Gambsheim (CERGA), als Betreiberin der Staustufe Rheinau-Gambsheim ist eine gemeinsame Tochter der französischen Électricité de France (EDF) und der deutschen Energie Baden-Württemberg AG (EnBW).

Sportvereine[Bearbeiten]

  • SV Diersheim 1921 e. V.
  • SV Freistett 1921 e. V.
  • SV Linx 1949
  • TuS Helmlingen 1920 e. V.
  • SV Honau 1948 e. V.
  • TuS Memprechtshofen 1921 e. V.
  • Der Turnerbund Freistett wurde 1894 gegründet und gibt seine Mitgliederzahl mit über 1000 an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Prominente Einwohner[Bearbeiten]

  • Gottlob Schlörer (1891-1976), Heimatforscher und Naturwissenschaftler, wohnte zeitweise in Diersheim, gestorben in Bühl-Ottersweier [1]
  • Hans Weber, Pionier der Fertigbauweise, Industrieller
  • Matto Barfuss, Gepardenmann und Künstler
  • Gerd Birsner, Liedermacher, Journalist und Radiomoderator; in seinen kabarettistischen Beiträgen als „Ortsrumsteher“ (SWR 4) überzeichnete er das dörfliche Leben in Diersheim

Personen, die mit Rheinau in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Nierhaus: Diersheim. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 5. Berlin 1984.
  • Rolf Nierhaus: Das swebische Gräberfeld von Diersheim. Studien zur Geschichte der Germanen am Oberrhein vom Gallischen Krieg bis zur alamannischen Landnahme. Berlin 1966 ISBN 3-11-001205-7
  • Nikolaus Honold, Kurt Schütt: Chronik der Stadt Rheinau Ottersweier 1988.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Stadt Rheinau vom 12. November 2001
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 408–413.
  4. R. Nierhaus: Das suebische Gräberfeld von Diersheim (Römisch-Germanische Forschungen 28), 1966, S. 216 ff.
  5. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rheinau (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien