Wachenheim (Pfrimm)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Wachenheim
Wachenheim (Pfrimm)
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Wachenheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 38′ N, 8° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Alzey-Worms
Verbandsgemeinde: Monsheim
Höhe: 168 m ü. NHN
Fläche: 3,55 km2
Einwohner: 703 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 198 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67591
Vorwahl: 06243
Kfz-Kennzeichen: AZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 31 066
Adresse der Verbandsverwaltung: Alzeyer Straße 15
67590 Monsheim
Webpräsenz: www.wachenheim.org
Ortsbürgermeister: Dieter Heinz (FWG)
Lage der Ortsgemeinde Wachenheim im Landkreis Alzey-Worms
GimbsheimHamm am RheinEich (Rheinhessen)AlsheimMettenheimOsthofenBechtheimDittelsheim-HeßlochFrettenheimWesthofenMonzernheimGundheimBermersheimGundersheimHangen-WeisheimHochbornOffsteinHohen-SülzenMonsheimWachenheim (Pfrimm)MölsheimFlörsheim-DalsheimMörstadtWendelsheimStein-BockenheimWonsheimWonsheimSiefersheimWöllsteinGau-BickelheimGumbsheimEckelsheimGau-WeinheimVendersheimWallertheimPartenheimSaulheimUdenheimSchornsheimGabsheimWörrstadtSulzheim (Rheinhessen)SpiesheimEnsheimArmsheimFlonheimErbes-BüdesheimNackNieder-WiesenBechenheimOffenheimBornheim (Rheinhessen)LonsheimBermersheim vor der HöheAlbigBiebelnheimBechtolsheimGau-OdernheimFramersheimGau-HeppenheimAlzeyOber-FlörsheimFlombornEppelsheimDintesheimEsselbornMauchenheimFreimersheim (Rheinhessen)WahlheimKettenheimHessenMainzLandkreis Mainz-BingenWormsRhein-Pfalz-KreisLandkreis Bad DürkheimLandkreis Bad KreuznachDonnersbergkreisKarte
Über dieses Bild

Wachenheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Monsheim an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wachenheim liegt in Rheinhessen an der Pfrimm und ist eingebettet in die Talregion Zellertal. Der Ort grenzt westlich direkt an die Pfalz mit dem Nachbarort Zellertal, Ortsteil Niefernheim, an. Durch das gesamte Zellertal zieht sich die Bundesstraße 47.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Bodenfunde im Pfrimmtal weisen darauf hin, dass schon in vorgeschichtlicher Zeit Ansiedlungen in der klimatisch günstigen Landschaft waren. Im Bereich der Gemarkungen Wachenheim, Mölsheim und Monsheim wurden Zeugnisse einer Besiedelung von der neolithischen Hinkelstein-Gruppe bis zur Latènezeit gefunden. 1896 wurden im Sülzer Weg kleine Töpfchen nebst einem Ring aus gebranntem Ton in einem Grab gefunden, das auf etwa 2000 Jahren v. Chr. datiert wurde.

Unregelmäßiger Getreideaufwuchs gab im Sommer 1905 Anlass zu Bodengrabungen im Bereich zwischen Harxheimer Straße (Bundesstraße 47) und der Pfrimm. Gut erhaltene Fundamente einer Villa Rustica traten dabei zu Tage. Die Grabungen wurden durch Skizzen und Fotografien dokumentiert, anschließend wurde der Fundort eingeebnet und wieder als Ackerfläche benutzt. Das Terrain wurde ab 1972 bebaut. Die parallel zur Haxheimer Straße verlaufende „Römerstraße“ erinnert an die römische Villa. Im Sommer 1992 wurde in einer Baugrube in diesem Bereich zusammen mit römischen Scherbenfunden ein Mühlstein geborgen.

Wachenheim wurde erstmals am 29. August 765 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch urkundlich im (Lorscher Codex) erwähnt, jedoch ohne nähere Angaben. [2] Insgesamt sind sieben Urkunden bekannt, Nr. 1130, 1298-1303. Die umfangreichste Schenkung erfolgte am 20. März 782 mit Urkunde 1302 über sechs Leibeigene, ein Bauerngut, eine Hofreite mit Wohn- und Wirtschaftsbauten und alles was dazugehört.

Wachenheim war Sitz des „Landgerichts auf dem Kaldenberg“ oberhalb des Orts, eines gaugräflichen Gerichts im Wormsgau. Bischof Burchard II. von Worms, der Erbauer des Wormser Doms, bestätigte 1141 den Brüdern des Wormser Andreasstiftes ihnen zustehende Einkünfte aus Feldern und Weinbergen in Wachenheim, Mölsheim und Flörsheim. Ab dem 12. Jahrhundert übte das Geschlecht der Leininger Herrschaft und Gericht auf dem „Kalten Berge by Wachenheim off der prym“ aus. Vom 13. Jahrhundert an wird die örtliche Adelsfamilie der Herren von Wachenheim urkundlich fassbar, deren bedeutendster Vertreter Otto Ludwig von Wachenheim († 1660) als kaiserlicher General im Dreißigjährigen Krieg war.

1689 wurde Wachenheim, wie die gesamte Pfalz im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört.

Bei der Taufe des Friedrich von Botzheim am 28. November 1766 wurden König Friedrich II. von Preußen und Kronprinz Wilhelm als Taufpaten eingetragen. Die von Botzheim'sche Familie, zu dieser Zeit Besitzer des sogenannten Wachenheimer Oberschlosses stand mit dem höchsten preußischen Adel und dem preußischen Hofe in Beziehungen.

Nach dem Wiener Kongress kam Wachenheim 1816 zum Großherzogtum Hessen, die westlich gelegenen Nachbargemeinden im Zellertal (Niefernheim, Harxheim und Zell) werden dem Königreich Bayern zugeteilt. 1919 wurde Wachenheim Teil des Volksstaat Hessen (Provinz Rheinhessen), der westliche Teil des Zellertales wird der pfälzischen Provinz des Freistaats Bayern zugeordnet. Auch nach der Bildung des Landes Rheinland-Pfalz 1946 blieb das Zellertal zwischen dem Regierungsbezirk Rheinhessen und dem Regierungsbezirk Pfalz geteilt. Bis heute gehört Wachenheim zum Landkreis Alzey-Worms, während das westliche Zellertal im Donnersbergkreis liegt.

Wachenheim aktuell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Wachenheim

Durch die in den Jahren 1999 bis 2003 entwickelten Neubaugebiete „In den Bachstaden“, „Harxheimer Weg“ und noch einigen Baulücken im älteren Neubaugebiet „Mühlbrunnen“, zwischen 1968 und 1970 ausgewiesen, ist in den kommenden Jahren mit einem leichten Bevölkerungsanstieg noch zu rechnen. Durch die verkehrsgünstige Lage Wachenheims, zum einen die Führung der B 47 durch den Ort und zum anderen durch die Nähe zur Bundesautobahn 61 bei Worms Worms-Pfeddersheim bzw. bei Mörstadt ist Wachenheim leicht zu erreichen. Zur Kreisstadt Alzey sind es 16 Kilometer, zur Kreisstadt des benachbarten Donnersbergkreises Kirchheimbolanden ebenfalls 16 Kilometer und zum Zentrum der Nibelungen- und Lutherstadt Worms 17 Kilometer.

Im östlich benachbarten Monsheim, dem Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeindeverwaltung, kreuzt sich die Bundesstraße 47 mit der Bundesstraße 271, die in ihrem Verlauf ab Bockenheim Deutsche Weinstraße genannt wird.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Wachenheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[3]

Wahl SPD FWG Gesamt
2014 4 8 12
2009 4 8 12
2004 4 8 12
1999 4 8 12
1994 5 7 12
1989 6 5 11
  • FWG = Freie Wählergruppe Wachenheim e. V.

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1951–1979 Karl Würth
  • 1979–1982 Willi Johannes (SPD)
  • 1982–1984 Dieter Jürgen Günther
  • 1984–1988 Jakob Becker (SPD)
  • 1988–1992 Regina Johannes (SPD)
  • 1992–1994 Karl Liesy (SPD)
  • 1994–2004 Wolf Dieter Egli (FWG)
  • 2004 – heute Dieter Heinz (FWG)

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Wachenheim (Pfrimm)
Blasonierung: „In Gold drei schwarze Wachteln (2:1).“
Wappenbegründung: Das Wappen ist dem des ortsadeligen Geschlechts der Druschel von Wachenheim nachgebildet. Drei Vögel, schwarz in goldenem Feld kommen bereits um 1280 auf dem Wappen der Druschel von Wachenheim vor. Hier sind es aber in Anlehnung an den Namen „Druschel“ Drosseln, aus denen später Wachteln wurden. Die „Druschel von Wachenheim“ waren ein alteingesessenes Geschlecht, das später ausgestorben ist. Auch die Herkunft des Namens Wachenheim wird mit diesen Vögeln in Verbindung gebracht. Wachenheim wird erstmals 765 als Wacchanheim urkundlich erwähnt.

In der Genehmigungsurkunde der Ortsflagge durch die Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz vom 6. Juni 1990 wird die Flagge wie folgt beschrieben: „Die Flagge ist von Gelb – Schwarz – Gelb – Schwarz – Gelb im Verhältnis (1:1:1:1:1) gespalten bzw. geteilt, darin das Wappen wie folgt beschrieben wird: In Gold drei schwarze Wachteln (2:1).“

Dialekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesprochene Sprache in Wachenheim stellt das Rheinhessische mit starken Einschlägen des Pfälzischen dar. Den Dialekt eines Wachenheimers und eines Bewohners des pfälzischen Nachbarortes Niefernheim zu unterscheiden ist zweifelsfrei möglich, obwohl die beiden Orte nur etwas mehr als einen Kilometer voneinander entfernt sind.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wachenheim ist heute noch ein klassisches Weindorf mit fünf Vollerwerbs-Winzerbetrieben und vier Nebenerwerbs-Winzerbetrieben. Darüber hinaus sind noch sieben landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe mit gemischter Struktur sowie ein Haupterwerbsbetrieb mit reinem Ackerbau angesiedelt. Die gesamte Feldbewirtschaftung erstreckt sich auf 311 Hektar Fläche, auf den Weinbau entfallen davon 80 Hektar.

Die Einwohner Wachenheims finden überwiegend ihr Auskommen in Tätigkeiten im Raum Worms und im Rhein-Neckar-Dreieck sowie im Rhein-Main-Gebiet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der frühere Bahnhof ist drei Kilometer westlich vom Eisenbahnknotenpunkt Monsheim, der Linien Worms–Alzey und Monsheim–Grünstadt–Neustadt entfernt. Die „Zellertalbahn“ (Monsheim–Wachenheim–Langmeil–Kaiserslautern) wird seit 2006 im Sommerhalbjahr an Sonn- und Feiertagen durch den Förderverein Eistalbahn e.V. befahren, nachdem der Linienverkehr in den 1970er Jahren eingestellt wurde.

Wachenheim ist der östliche Eingang zum Zellertal und wird von der stark frequentierten Bundesstraße 47 im Ortsbereich auf 1,5 Kilometern durchzogen. 2006 wird seitens der Orts- und Verbandsgemeinde verstärkt auf eine Beruhigung des Durchgangsverkehrs mit zuständigen überörtlichen Behörden hingearbeitet. Nach Verkehrszählungen im Jahre 2005 wird die B 47 im Bereich Wachenheim im Durchschnitt von 24 Stunden von derzeit rund 7.000 Fahrzeugen befahren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart, Gießen 1905, S. 443–445.
  • Johannes Würth: Heimatbuch für Wachenheim an der Pfrimm unter Berücksichtigung seiner Umgebung. Seinem Geburtsort gewidmet von Johannes Würth, evang. Pfarrer i.R. Grünstadt, Selbstverlag des Verfassers – Druck von Emil Sommer, 1930. (2 'Nachträge und Berichtigungen' von 1932 und 1939.)
  • Pfälzisches Burgenlexikon. Band 4.2: St-Z. Kaiserslautern 2007, ISBN 978-3-927754-56-0.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wachenheim (Pfrimm) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Karl Josef Minst: Lorscher Codex III, 1970, Urkunde 1300
  3. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen