Benjamin Völz

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Benjamin Völz im April 2010

Benjamin Völz (* 13. Mai 1960 in Berlin) ist ein deutscher Schauspieler, Synchronsprecher, Off-Sprecher und Synchronregisseur. Unter dem Pseudonym Ben Gash ist er zudem als Maler und Musiker tätig. Einem breiten Publikum ist Völz vor allem als deutsche Stimme von Keanu Reeves, David Duchovny, James Spader, Eric Bana, Charlie Sheen und Matthew McConaughey bekannt.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater, Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Schauspielers und Synchronsprechers Wolfgang Völz und der Tänzerin Roswitha Völz, geb. Karwath, war bereits in früher Jugend in Theaterinszenierungen zu sehen, darunter in den Berliner Kammerspielen in Die Prinzessin auf der Erbse (1970) und Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (1972) sowie in Hänsel und Gretel (1974) am Theater des Westens. 1979 drehte er mit Angela Bruno, Kerl Fieser und David Vostell den Experimentalfilm 36574 Bilder.[1] Darüber hinaus übernahm er ab 1971 Haupt- und Nebenrollen in Film- und Fernsehproduktionen, unter anderem in der ZDF Serie Aktion Grün (1976), in Krzysztof Zanussis Paradigma (1985) sowie in Friedemann Schulz’ Kinofilm Der Tod in der Waschstraße (1981) und Eberhard ItzenplitzDie Mitläufer (1985).

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einem breiten Publikum ist Benjamin Völz jedoch in erster Linie durch sein Wirken im Bereich der Filmsynchronisation bekannt. Zu seinen ersten Rollen zählte die Figur des Charlie Rawlins in Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett (1971) sowie die Figur des Schroeder im Kultcartoon Die Peanuts. Neben zahlreichen Rollen auf wechselnden Darstellern in den 1980er Jahren vertonte Völz ab 1989 den Geisterjäger Dr. Egon Spengler in der 140 Folgen umfassenden Zeichentrickserie The Real Ghostbusters, die im Anschluss auch als Hörspielfassung vermarktet wurde.

Seit Even Cowgirls Get the Blues (1993) ist Völz die deutsche Feststimme von Keanu Reeves, seit Ausstrahlungsbeginn der Krimiserie Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI (1994) und Californication (2008) auch von David Duchovny. Aufmerksamkeit erlangte Völz durch eine berufspolitisch motivierte signifikant erhöhte Gagenforderung für die Fortsetzungsverfilmung Akte X – Jenseits der Wahrheit (2008), die um ein Fünffaches über der sonst üblichen Bezahlung lag und in Fach- und Zuschauerkreisen kontrovers diskutiert wurde. Als langjährig etablierte Stimme des Hauptdarstellers argumentierte Völz, die Kosten für eine Synchronisation stünden mit einem Anteil von 0,1 Prozent in keiner Relation zu den Ausgaben für Werbung, Marketing und Premierenfeiern eines solchen Blockbusters.[2] Zudem verwies er auf die vollständige Rechteabtretung der Synchronschauspieler und die gängigen Gagenzahlungen an prominente Sprecher in Animationsfilmen, die seine Forderung deutlich überböten. Der Verleih 20th Century Fox lehnte ab, Versuche einer Einigung scheiterten. Dieser Umstand führte zu einer Besetzung von Johannes Berenz, nachdem sich mehrere renommierte Kollegen mit Völz solidarisch gezeigt und ihre Teilnahme an einem Probesprechen verweigert hatten. Auch in der neuen (zehnten) Staffel der Serie, die seit Februar 2016 im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt wird, übernimmt Völz nicht die Synchronrolle von David Duchovny.[3]

Neben seinen Stammschauspielern synchronisiert Benjamin Völz wiederkehrend eine Vielzahl weiterer Darsteller. Film- und Fernsehzuschauer kennen ihn als deutsche Stimme von Charlie Sheen in den Sitcoms Chaos City (1997–2002), Two and a Half Men (2003–2011) und Anger Management (2013-2015), von James Spader in der Justizserie Boston Legal (2004–2008) und The Blacklist (seit 2013), Eddie Cahill in der Krimiserie CSI: NY (2005–2013) oder Rob Lowe in Brothers & Sisters (2007). Darüber hinaus wird er häufig auf Matthew McConaughey, Jean-Hugues Anglade, Tim Roth, Eric Bana und Matthew Modine besetzt. Im Rahmen von Videospielen ist Völz auch außerhalb von Kino und Fernsehen als Synchronsprecher tätig.

Dialogregie führte er unter anderem in der Director’s-Cut-Fassung von Blade Runner (1992), in Reality Bites – Voll das Leben (1994), Starship Troopers (1997) und Being John Malkovich (1999).

Off-Stimme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Synchronisation stellt Völz seine Stimme auch als Off-Sprecher zur Verfügung. Seit den 2000er Jahren wird er wiederkehrend für Dokumentarfilme der Journalisten Freddie Röckenhaus und Petra Höfer engagiert, darunter in der für den Adolf-Grimme-Preis 2006 nominierten Informationssendung Die Todeself [4] und in der Kinoversion der Dokumentation Terra X: Deutschland von oben (2012). In der ebenfalls für den Adolf-Grimme-Preis nominierten dreiteiligen Wissenschafts-Dokumentation Expedition ins Gehirn über Inselbegabte [5] fungierte Völz als Erzähler und Testperson und agierte in der Rolle des Alexander von Humboldt in der ZDF Expedition Tropenfieber. [6]

In der 2009 unter Mitwirkung mehrerer europäischer Sender ausgestrahlten zweiteiligen Dokureihe Das Imperium der Viren wurde Völz erneut als Off-Sprecher verpflichtet.[7]

Von 2009 bis 2011 sprach er im ZDF regelmäßig das Wissenschafts-Magazin Abenteuer Wissen.

2015 war er als Off-Stimme in der von Hugo Egon Balder moderierten Dokumentation Mit dem Mut der Verzweiflung - 70 Jahre nach Auschwitz zu hören. [8]

Hörbuch und Hörspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2005 bis 2010 vertonte Völz in der 41 Folgen umfassenden Mystery-Hörspielreihe Offenbarung 23 die Rolle des Hackers Tron / Boris F., wurde jedoch ab Folge 22 zeitweise durch Jaron Löwenberg ersetzt. In der von Oliver Rohrbeck produzierten Hörspiel-Soap … und nebenbei Liebe war Völz in einer weiteren Festrolle als gestresster Architekt Lutz Wagner zu hören. 2012 sprach er Jens Westerbecks Debütroman Boatpeople als Hörbuch ein.

Musik und Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Völz spielte in seiner Jugend zunächst Schlagzeug, wechselte jedoch im weiteren Verlauf zu Gesang und Bass. Ende der 1970er gründete er mit Kerl Fieser das Label A.R.M und veröffentlichte 1981 die Single Maskulin Kombale,[9] die sich acht Wochen in den Top Ten der Berliner Indie Charts hielt.[10] 1995 erschien Gashs Langspielplatte My resend life. Mit den Musikern Tom Schneider, Konstanze Caradonna und Torsten Sense bildete er die Gruppe bend und publizierte 1998 ein selbstbetiteltes Album sowie zwei Jahre später die Nachfolge CD Toy. Im Jahr 2000 löste sich die Formation wieder auf. Gemeinsam mit seiner Akte-X-Kollegin Franziska Pigulla wirkte Völz auf den Alben Zeitgeist (1999) und Weltreise (2001) des Musikprojekts Schiller mit.

Unter dem Pseudonym Ben Gash ist Benjamin Völz zudem als Maler tätig. Er ist Inhaber eines Ateliers in Berlin. Seit Beginn der 2000er Jahre werden seine Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, eine Dauerausstellung befindet sich in der Casa Tegoyo auf Lanzarote. Gash malt farbintensive, expressionistische Bilder, die vor allem Stadtansichten, Menschengruppen und religiöse Motive zeigen.[11]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benjamin Völz ist der Bruder der Synchronsprecherin Rebecca Völz. Er ist seit dem 11. September 2002 mit Heike Speckter verheiratet[12] und Vater zweier Söhne. Die Familie lebt in Berlin.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1971: Lerchenpark
  • 1973: Algebra um acht (Fernsehserie, Folge Hausfrau mit Abitur)
  • 1974: Sie sind frei, Dr. Korczak
  • 1976: Aktion Grün
  • 1976: Sladek oder Die schwarze Armee
  • 1977: Die drei Klumberger (Fernsehserie, 2 Folgen)
  • 1979: Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo
  • 1979: Tilt
  • 1981: Der Alte (Fernsehserie, Folge Der Zigeuner)
  • 1981: Im Morgenwind
  • 1982: Der Tod in der Waschstraße
  • 1982: Qualverwandtschaften
  • 1984: Rummelplatzgeschichten
  • 1985: Ein Abend mit Georg Thomalla (Fernsehserie, Folge Der Ring des lieben Jungen)
  • 1985: Die Mitläufer
  • 1985: Paradigma
  • 1985: Sylter Novelle
  • 1986: Wanderungen durch die Mark Brandenburg
  • 1987: Jokehnen (Fernsehdreiteiler, 3 Folgen)
  • 1991: Napoléon et l ’Europe (Fernsehsechsteiler, Folge Berlin, ou le réveil de l'Allemagne)
  • 2005: Miss Texas
  • 2006: Expedition ins Gehirn (dreiteilige Fernsehdokumentation, 3 Folgen, Sprecher)
  • 2007: Terra X – Tropenfieber (Fernsehdokumentationsserie, 4 Folgen, Sprecher)
  • 2010: Terra X: Deutschland von oben (Fernsehdokumentationsserie, eine Folge, Sprecher)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: Die Silhouette in der Kategorie „Synchronschauspieler Serie“ als Stimme von Charlie Sheen in Two and a Half Men

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mainzer Kunst Artikel
  2. Agent Mulder hat eine neue Stimme Tagesspiegel vom 9. Juli 2008
  3. Akte X - David Duchovny bekommt neue Synchronstimme, Schnittberichte, 7. Januar 2016
  4. Nominierungen für den Adolf-Grimme-Preis 2007 Grimme Online
  5. Nominierungen für den Adolf-Grimme-Preis 2007 Grimme Online
  6. ZDF-Interview
  7. Programmhinweis: Das Imperium der Viren WDR
  8. Pressemappe zu Mit dem Mut der Verzweiflung ZDG.de
  9. Musik der 80er: Ben Gash und Kerl Fieser
  10. Ben Gash
  11. Ben Gash
  12. Familie Völz feiert im Pomp–Zelt Hochzeit und Doppel–Geburtstag Berliner Morgenpost vom 2. Juni 2008