Kristina Vogel

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Kristina Vogel Straßenradsport
Kristina Vogel – Keirin-Europameisterin 2017
Kristina Vogel – Keirin-Europameisterin 2017
Zur Person
Geburtsdatum 10. November 1990 (27 Jahre)
Nation DeutschlandDeutschland Deutschland
Disziplin Bahn
Fahrertyp Kurzzeit
Zum Team
Aktuelles Team Team Erdgas.2012
Funktion Fahrerin
Verein(e)
2004−2005
2006–2012
SV Sömmerda
RSC Turbine Erfurt
Wichtigste Erfolge
Olympische Spiele
2016 Gold – Sprint
2016 Bronze – Teamsprint (mit Miriam Welte)
2012 Gold – Teamsprint (mit Miriam Welte)
Letzte Aktualisierung: 28. Juni 2018
Vogel (r.) mit Miriam Welte kurz vor den Spielen beim Training im Rio Olympic Velodrome
Verleihung des Kienbaum Awards 2013 an Kristina Vogel (v. l. n. r.: Bernhard Schwank, Hans-Georg Moldenhauer, Christoph Bergner, Kristina Vogel, Klaus-Peter Nowack, Isolde Heinz, Michael Vesper)
Weltmeisterin im Teamsprint 2018, mit Pauline Grabosch (l.) und Miriam Welte (r.)

Kristina Vogel (* 10. November 1990 in Leninskoje, Kirgisische SSR, Sowjetunion; heute Kirgisistan) ist eine deutsche Bahnradsportlerin und zweifache Olympiasiegerin. Mit elf Weltmeistertiteln in der Elite ist sie neben der Australierin Anna Meares die bis dato erfolgreichste Bahnradsportlerin.[1] Bis einschließlich 2017 errang sie zudem 21 nationale Titel.[2]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Juniorin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 wurde Kristina Vogel, die für den RSC Turbine Erfurt startete, zweifache Europameisterin (Junioren) im Sprint und 500-m-Zeitfahren in Cottbus. Im Keirin belegte sie den dritten Platz. Im selben Jahr wurde die 17-Jährige dreifache Weltmeisterin im Zeitfahren, Sprint und im Teamsprint bei der Junioren-WM in Aguascalientes. 2008 war sie zudem Gesamtsiegerin des Albert-Richter-Sprintercups des Bundes Deutscher Radfahrer. Im Jahr darauf konnte Vogel ihre Erfolgsserie bei der Junioren-WM in Kapstadt mit drei Einzeltiteln in Sprint, Zeitfahren und Keirin fortsetzen.

Schwerer Verkehrsunfall 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2009 wurde Kristina Vogel beim Straßentraining von einem Zivilfahrzeug der Thüringer Polizei erfasst und erlitt schwere Verletzungen. Ein Brustwirbel und die Handwurzelknochen waren gebrochen, sie verlor mehrere Zähne und die Glasscheibe des Autos zerschnitt ihr Gesicht. Eine Gesichtshälfte blieb teilweise taub. Im August 2014 sprach ihr das Landgericht Erfurt ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zu, zu zahlen vom Freistaat Thüringen. Der Freistaat hatte nur 25.000 Euro Schmerzensgeld zahlen wollen, Vogel forderte 80.000 Euro. Bei seinem Urteil legte das Gericht die Schwere der Verletzungen zugrunde, aber auch die lange Zeit, die Vogel auf das Geld hatte warten müssen sowie das Prozessverhalten des Freistaats. Vogel: „[…] Einerseits rühmt man sich mit deinen Titeln […] Es wäre doch aber mal ein Schritt gewesen zu sagen: Du bist unsere Athletin, wir stehen hinter dir.“[3] Nach längerem Krankenhausaufenthalt und mehreren Operationen kündigte Vogel im Februar 2010 ihr Comeback bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften im März in Kopenhagen an.[4]

Bei den Deutschen Bahn-Meisterschaften 2010 in Cottbus errang sie dreifaches Gold, in Sprint, im Keirin und im Zeitfahren. Im Dezember desselben Jahres errang sie im kolumbianischen Cali ihren ersten Weltcup-Sieg im Sprint. Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2012 in Melbourne errang Kristina Vogel gemeinsam mit Miriam Welte die Goldmedaille im Teamsprint. In der Qualifikation und im Finale stellten die beiden Fahrerinnen jeweils einen Weltrekord auf. Im Keirin gewann sie bei dieser WM die Bronzemedaille, die ihre erste Medaille für einen Einzelerfolg bei Elite-Weltmeisterschaften ist.

Olympische Sommerspiele 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London wurde Kristina Vogel gemeinsam mit Miriam Welte Olympiasiegerin im Teamsprint, nachdem die Siegerinnen des Finales aus China wegen eines Wechselfehlers auf den zweiten Platz zurückgesetzt worden waren. Schon das Finale um Gold hatten die beiden deutschen Fahrerinnen nur erreicht, weil im Lauf zuvor das britische Duo wegen eines ebensolchen Fehlers relegiert worden war.[5] Die beiden Deutschen waren damit die ersten Olympiasiegerinnen in dieser Disziplin, die neu in das Programm der Olympischen Spiele aufgenommen worden war.

Im November 2012 errang Kristina Vogel beim zweiten Lauf des Bahnrad-Weltcups 2012/2013 jeweils Gold im Sprint und Keirin sowie Silber im 500-Meter-Zeitfahren. Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2013 in Minsk wurde Kristina Vogel gemeinsam mit Miriam Welte erneut Weltmeisterin im Teamsprint und im Sprint errang sie die Silbermedaille. Am 7. Dezember 2013 stellte sie in Aguascalientes beim zweiten Lauf des Bahnrad-Weltcups mit 10,384 Sekunden einen neuen Weltrekord über 200 Meter bei fliegendem Start auf und gemeinsam mit Miriam Welte mit 32,153 Sekunden einen neuen Weltrekord im Teamsprint über 500 Meter.[6][7] Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2014 in Cali wurde sie dreifache Weltmeisterin, im Sprint, im Keirin sowie im Teamsprint (mit Welte) sowie im selben Jahr Europameisterin im Keirin. 2015 errang sie das Regenbogentrikot im Sprint. Bei den Europameisterschaften später im Jahr gewann sie gemeinsam mit Welte Silber im Teamsprint sowie Bronze im Sprint. Im Jahr 2016 wurde sie in London Weltmeisterin im Keirin (ihr siebter WM-Titel) und gewann zusammen mit Miriam Welte Bronze im Teamsprint. Im Sprint errang sie ihren achten Weltmeistertitel.

Olympische Sommerspiele 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im selben Jahr wurde Vogel für den Start bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nominiert. Dort wurde sie als erste Deutsche Olympiasiegerin im Sprint, gewann mit Miriam Welte die Bronzemedaille im Teamsprint und belegte im Keirin Rang sechs. Damit ist sie die erste deutsche Olympiasiegerin im Sprint, seitdem diese Disziplin 1988 in das olympische Programm aufgenommen wurde. Dabei hatte sie den Sprint für sich entschieden, obwohl sich im entscheidenden Zielsprint beim sogenannten „Tigersprung“ ihre Sattelstütze vom Fahrrad gelöst hatte und der Sattel nach der Ziellinie auf die Bahn gefallen war.[8] Angesichts ihrer Leistungen und Nervenstärke bei den Spielen in Rio sagte Nationaltrainer Detlef Uibel: „Kristina ist unser bester Mann.“[9]

Seit 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nacholympischen Jahr wurde Kristina Vogel zweifache Weltmeisterin, im Sprint und im Keirin. Zudem wurde sie während der WM in Hongkong gemeinsam mit dem Belgier Kenny De Ketele in die Athletenkommission der UCI gewählt.[10] Im Herbst 2017 errang sie vor heimischen Publikum in Berlin in Keirin und Sprint zwei EM-Titel und gemeinsam mit Welte und Pauline Grabosch Silber im Teamsprint. Bei den ersten drei Austragungen des Bahnrad-Weltcups gelang ihr jeweils das Triple mit drei Siegen in Sprint, Keirin und Teamsprint.[11][12]

Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2018 in Apeldoorn wurde Vogel zweifache Weltmeisterin, im Sprint und Teamsprint. Damit errang sie ihren zehnten und elften WM-Titel und zog mit der bisherigen erfolgreichsten Bahnradsportlerin, Anna Meares aus Australien, gleich. Durch einen sechsten Platz im Keirin verpasste sie ihr Ziel, diese mit einem zwölften Titel zu überflügeln.[13]

Trainingsunfall 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vogels Mannschaftskameraden Nik Schröter (l.), Maximilian Dörnbach (M.) und Maximilian Levy zeigten auf ihren T-Shirts Solidarität mit der verunglückten Kristina Vogel

Am 26. Juni 2018 stürzte Vogel beim Training im Cottbuser Radstadion nach einer Kollision mit einem niederländischen Fahrer und zog sich einen Trümmerbruch des Brustbeins sowie eine schwere Wirbelsäulenverletzung zu.[14] Ihr Teamkollege Maximilian Levy leistete Erste Hilfe. Sie wurde per Hubschrauber ins Unfallkrankenhaus Berlin geflogen und dort operiert.[15] Anschließend wurde sie in ein künstliches Koma versetzt.[16]

Vogel hatte in Cottbus trainiert, um an dem folgenden Wochenende am Sprintturnier „Großer Preis von Deutschland“ teilzunehmen. Die Veranstaltung fand trotz ihres schweren Unfalls statt und diente als Auftakt für die Spendenaktion #staystrongkristina, die Maximilian Levy und ihr Team Erdgas.2012 initiierten. Dabei zeigten die Radsportler aus verschiedenen Ländern mit Armbinden und Aufschriften auf T-Shirts ihre Solidarität mit Kristina Vogel.[17]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2009 ist Vogel mit dem ehemaligen Radsprinter Michael Seidenbecher liiert, mit dem sie in Erfurt lebt.[18]

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrfach stellte Kristina Vogel Weltrekorde auf. Gemeinsam mit Miriam Welte verbesserte sie den Rekord im 500-Meter-Teamsprint seit 2012 dreimal. Beim Lauf des Bahnrad-Weltcups in Aguascalientes im Dezember 2013 stellte sie mit 10,384 Sekunden einen neuen Weltrekord über 200 Meter bei fliegendem Start auf. Drei Jahre später, im Dezember 2016, verbesserte sie im Rahmen der Veranstaltung Frankfurter Kreisel in der Oderlandhalle in Frankfurt (Oder) den Weltrekord über 500 Meter bei fliegendem Start auf 28,970 Sekunden und blieb damit als erste Frau unter der 29-Sekunden-Marke.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vogel (hinten) und Welte beim Weltcup in Melbourne (2012)
Vor dem Start zum Keirin bei den Olympischen Spielen 2016 (v. r. n. l.: Kristina Vogel, Rebecca James, Anna Meares)
2007
  • Jersey rainbow.svg Junioren-Weltmeisterin – Sprint, 500-Meter-Zeitfahren, Teamsprint (mit Sabine Bretschneider)
  • Europameister Junioren-Europameisterin – Sprint, 500-Meter-Zeitfahren
  • Bronze Junioren-Europameisterschaften – Keirin
  • MaillotAlemania.PNG Deutsche Meisterin – 500-Meter-Zeitfahren, Sprint
2008
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017

2018

Teams[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kristina Vogel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rekord! Vogel holt elften WM-Titel Kicker 2. März 2018
  2. Thomas Juschus, dpa: Olympiasiegerin Vogel holt bei DM 15. und 16. Titel. In: swp.de. 28. August 2016, abgerufen am 6. September 2016.
  3. Thüringen muss Olympiasiegerin Vogel 100 000 Euro zahlen. rad-net, 13. August 2014, abgerufen im 13. August 2014.
  4. Radsport-News.com: „Kristina Vogel nach schrecklichem Unfall vor Comeback“
  5. Stichwort Wechselfehler auf radsport-news.com v. 3. August 2012
  6. Vogel mit neuem Weltrekord im 200-Meter-Zeitfahren. radsport-news.com, 7. Dezember 2013, abgerufen im 7. Dezember 2013.
  7. Deutsche starten mit drei Siegen und zwei Weltrekorden. radsport-news.com, 6. Dezember 2013, abgerufen im 7. Dezember 2013.
  8. Heiko Oldörp: Olympiasiegerin Vogel: Aus dem Sattel gegangen. In: Spiegel Online. 17. August 2016, abgerufen am 19. September 2016.
  9. Bundestrainer Uibel: «Kristina ist unser bester Mann» – Radsport bei rad-net.de. In: rad-net.de. 25. März 2013, abgerufen am 19. September 2016.
  10. Vogel and De Ketele elected onto the UCI Athletes’ Commission. In: uci.ch. 12. April 2017, abgerufen am 13. April 2017.
  11. Felix Mattis: Vogel gelingt auch in Kanada das Triple. In: radsport-news.com. 4. Dezember 2017, abgerufen am 4. Dezember 2017.
  12. Vogel «schüchtert Konkurrenz ein»: Wieder Dreifach-Sieg. In: rad-net.de. 4. Dezember 2017, abgerufen am 6. Dezember 2017.
  13. Axel Lukacsek: Bahnrad-Weltmeisterin Kristina Vogel: Die Legende muss warten. In: Thüringer Allgemeine. 5. März 2018, abgerufen am 9. März 2018.
  14. Thomas Prenzel/Thomas Treptow: Horrorsturz von Kristina Vogel – Radsportler im Schockzustand. In: freiepresse.de. 26. Juni 2018, abgerufen am 27. Juni 2018.
  15. Kristina Vogel im Training schwer verunglückt. In: Spiegel Online. 26. Juni 2018, abgerufen am 26. Juni 2018.
  16. Umfang der Verletzungen von Vogel immer noch unklar. In: rbb24.de. 28. Juni 2018, abgerufen am 29. Juni 2018.
  17. Frank Noack: Radsportler sammeln für #staystrongkristina. In: lr-online.de. 29. Juni 2018, abgerufen am 29. Juni 2018.
  18. Mit sehr vielen Gästen feierten die Olympiasiegerin Kristina Vogel und Michael Seidenbecher ihr Richtfest. In: Hubert Hammerl Immobilien. 6. Juni 2016, abgerufen am 9. März 2018.
  19. Vogel fährt Weltrekord über die 500 Meter fliegend. In: rad-net.de. 17. Dezember 2016, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  20. Das Fernziel heißt Tokio 2020. Thüringer Allgemeine, 30. Januar 2017, abgerufen am 30. Januar 2017.
  21. Kienbaum Journal vom Juli 2012 (PDF; 2,9 MB)
  22. Einträge ins Goldene Buch für Chemnitzer Bahnrad-Weltmeister. In: freiepresse.de. 7. Januar 2016, abgerufen am 10. März 2016.