Kristina Vogel

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Kristina Vogel Straßenradsport
Kristina Vogel (2013)
Kristina Vogel (2013)
Zur Person
Geburtsdatum 10. November 1990
Nation DeutschlandDeutschland Deutschland
Disziplin Bahn
Fahrertyp Kurzzeit
Funktion Fahrerin
Wichtigste Erfolge
Olympische Spiele
2012 Gold – Teamsprint (mit Miriam Welte)
2016 Bronze – Teamsprint (mit Miriam Welte)
2016 Gold – Sprint
Infobox zuletzt aktualisiert: 12. August 2016
Vor dem Start zum Keirin bei den Olympischen Spielen 2016 (v.r.n.l.:) Kristina Vogel, Rebecca James, Anna Meares
Vogel (r.) mit Miriam Welte kurz vor den Spielen beim Training im Rio Olympic Velodrome
Vogel (hinten) und Welte beim Weltcup in Melbourne (2012)
Verleihung des Kienbaum Awards 2013 an Kristina Vogel. v.l.n.r.:Bernhard Schwank, Hans-Georg Moldenhauer, Christoph Bergner, Kristina Vogel, Klaus-Peter Nowack, Isolde Heinz, Michael Vesper
Kristina Vogel (r.) mit der Bronzemedaille im Sprint bei den UEC-Bahn-Europameisterschaften 2015, mit Elis Ligtlee (M.) und Anastassija Woinowa

Kristina Vogel (* 10. November 1990 in Leninskoje, Kirgisische SSR, Sowjetunion; heute Kirgisistan) ist eine deutsche Bahnradsportlerin, Olympiasiegerin, zwölffache Weltmeisterin und sechsfache Junioren-Weltmeisterin (Stand 2016). Sie ist zweifache Olympiasiegerin und die dominierende deutsche Bahnradsportlerin in den Kurzzeitdisziplinen seit Ende der 2000er Jahre. Bis 2015 errang sie 16 nationale Titel.[1]

Sportliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Juniorin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 wurde Kristina Vogel, die für den RSC Turbine Erfurt fährt, zweifache Europameisterin (Junioren) im Sprint und 500-m-Zeitfahren in Cottbus. Im Keirin belegte sie den dritten Platz. Im selben Jahr wurde die 17-Jährige dreifache Weltmeisterin im Zeitfahren, Sprint und im Teamsprint bei der Junioren-WM in Aguascalientes. 2008 war sie zudem Gesamtsiegerin des Albert-Richter-Sprintercups des Bundes Deutscher Radfahrer. Im Jahr darauf konnte Vogel ihre Erfolgsserie bei der Junioren-WM in Kapstadt mit drei Einzeltiteln in Sprint, Zeitfahren und Keirin fortsetzen.

Schwerer Verkehrsunfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2009 wurde Kristina Vogel beim Straßentraining von einem Zivilfahrzeug der Thüringer Polizei erfasst und erlitt schwere Verletzungen. Ein Brustwirbel und die Handwurzelknochen waren gebrochen, sie verlor mehrere Zähne und die Glasscheibe des Autos zerschnitt ihr Gesicht. Eine Gesichtshälfte blieb teilweise taub. Im August 2014 sprach ihr das Landgericht Erfurt ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zu, zu zahlen vom Freistaat Thüringen. Der Freistaat hatte nur 25.000 Euro Schmerzensgeld zahlen wollen, Vogel forderte 80.000 Euro. Bei seinem Urteil legte das Gericht die Schwere der Verletzungen zugrunde, aber auch die lange Zeit, die Vogel auf das Geld hatte warten müssen, sowie das Prozessverhalten des Freistaats. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Vogel: „[…] Einerseits rühmt man sich mit deinen Titeln […] Es wäre doch aber mal ein Schritt gewesen zu sagen: Du bist unsere Athletin, wir stehen hinter dir.“[2] Nach längerem Krankenhausaufenthalt und mehreren Operationen kündigte Vogel im Februar 2010 ihr Comeback bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften im März in Kopenhagen an.[3]

Rückkehr in den Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Deutschen Bahn-Meisterschaften 2010 in Cottbus errang sie dreifaches Gold, in Sprint, im Keirin und im Zeitfahren. Im Dezember desselben Jahres errang sie im kolumbianischen Cali ihren ersten Weltcup-Sieg im Sprint. Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2012 in Melbourne errang Kristina Vogel gemeinsam mit Miriam Welte die Goldmedaille im Teamsprint. In der Qualifikation und im Finale stellten die beiden Fahrerinnen jeweils einen Weltrekord auf. Im Keirin gewann sie bei dieser WM die Bronzemedaille, die ihre erste Medaille für einen Einzelerfolg bei Elite-Weltmeisterschaften ist.

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London wurde Kristina Vogel gemeinsam mit Miriam Welte Olympiasiegerin im Teamsprint, nachdem die Siegerinnen des Finales aus China wegen eines Wechselfehlers auf den zweiten Platz zurückgesetzt worden waren. Schon das Finale um Gold hatten die beiden deutschen Fahrerinnen nur erreicht, weil im Lauf zuvor das britische Duo wegen eines ebensolchen Fehlers relegiert worden war.[4] Die beiden Deutschen waren damit die ersten Olympiasiegerinnen in dieser Disziplin, die neu in das Programm der Olympischen Spiele aufgenommen worden war.

Im November 2012 errang Kristina Vogel beim zweiten Lauf des Bahnrad-Weltcups 2012/2013 jeweils Gold im Sprint und Keirin sowie Silber im 500-Meter-Zeitfahren. Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2013 in Minsk wurde Kristina Vogel gemeinsam mit Miriam Welte erneut Weltmeisterin im Teamsprint; im Sprint errang sie die Silbermedaille. Am 7. Dezember 2013 stellte sie in Aguascalientes beim zweiten Lauf des Bahnrad-Weltcups mit 10,384 Sekunden einen neuen Weltrekord über 200 Meter bei fliegendem Start auf und gemeinsam mit Miriam Welte mit 32,153 Sekunden einen neuen Weltrekord im Teamsprint über 500 Meter.[5][6] Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2014 in Cali wurde sie dreifache Weltmeisterin, im Sprint, im Keirin sowie im Teamsprint (mit Welte) sowie im selben Jahr Europameisterin im Keirin. 2015 errang sie das Regenbogentrikot im Sprint. Bei den Europameisterschaften später im Jahr gewann sie gemeinsam mit Welte Silber im Teamsprint sowie Bronze im Sprint. Im Jahr 2016 wurde sie in London Weltmeisterin im Keirin (ihr siebter WM-Titel) und gewann zusammen mit Miriam Welte Bronze im Teamsprint.

In Rio 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im selben Jahr wurde Vogel für den Start bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nominiert. Dort wurde sie als erste Deutsche Olympiasiegerin im Sprint, gewann mit Miriam Welte die Bronzemedaille im Teamsprint und belegte im Keirin Rang sechs. Damit ist sie die erste deutsche Olympiasiegerin im Sprint, seitdem diese Disziplin 1988 in das olympische Programm aufgenommen wurde. Dabei hatte sie den Sprint für sich entschieden, obwohl sich im entscheidenden Zielsprint beim sogenannten „Tigersprung“ ihr Sattel vom Fahrrad gelöst hatte und nach der Ziellinie auf die Bahn gefallen war.[7] Angesichts ihrer Leistungen und Nervenstärke bei den Spielen in Rio sagte Nationaltrainer Detlef Uibel: „Kristina ist unser bester Mann.“[8]

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrfach stellte Kristina Vogel Weltrekorde auf. Gemeinsam mit Miriam Welte verbesserte sie den Rekord im 500-Meter-Teamsprint seit 2012 dreimal. Beim Lauf des Bahnrad-Weltcups in Aguascalientes im Dezember 2013 stellte sie mit 10,384 Sekunden einen neuen Weltrekord über 200 Meter bei fliegendem Start auf. Drei Jahre später, im Dezember 2016, verbesserte sie im Rahmen der Veranstaltung Frankfurter Kreisel in der Oderlandhalle in Frankfurt (Oder) den Weltrekord über 500 Meter bei fliegendem Start auf 28,970 Sekunden und blieb damit als erste Frau unter der 29-Sekunden-Marke.[9]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007
  • Jersey rainbow.svg Junioren-Weltmeisterin – Sprint, 500-Meter-Zeitfahren, Teamsprint (mit Sabine Bretschneider)
  • Europameister Junioren-Europameisterin – Sprint, 500-Meter-Zeitfahren
  • Bronze Junioren-Europameisterschaften – Keirin
  • MaillotAlemania.PNG Deutsche Meisterin – 500-Meter-Zeitfahren, Sprint
2008
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016

Teams[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kristina Vogel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Juschus, dpa: Olympiasiegerin Vogel holt bei DM 15. und 16. Titel. In: swp.de. 28. August 2016, abgerufen am 6. September 2016.
  2. Thüringen muss Olympiasiegerin Vogel 100 000 Euro zahlen. rad-net, 13. August 2014, abgerufen am 13. August 2014.
  3. Radsport-News.com: „Kristina Vogel nach schrecklichem Unfall vor Comeback“
  4. Stichwort Wechselfehler auf radsport-news.com v. 3. August 2012
  5. Vogel mit neuem Weltrekord im 200-Meter-Zeitfahren. radsport-news.com, 7. Dezember 2013, abgerufen am 7. Dezember 2013.
  6. Deutsche starten mit drei Siegen und zwei Weltrekorden. radsport-news.com, 6. Dezember 2013, abgerufen am 7. Dezember 2013.
  7. Heiko Oldörp: Olympiasiegerin Vogel: Aus dem Sattel gegangen. In: Spiegel Online. 17. August 2016, abgerufen am 19. September 2016.
  8. Bundestrainer Uibel: «Kristina ist unser bester Mann» – Radsport bei rad-net.de. In: rad-net.de. 25. März 2013, abgerufen am 19. September 2016.
  9. Vogel fährt Weltrekord über die 500 Meter fliegend. In: rad-net.de. 17. Dezember 2016, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  10. Degenkolb, Vogel/Welte und Schachmann «Radsportler des Jahres» auf rad-net.de v. 20. Dezember 2012
  11. Das sind die Sieger der Wahl seit 1991! Ball des Thüringer Sports, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  12. Kienbaum Journal vom Juli 2012 (PDF; 2,9 MB)
  13. Kittel, Vogel und König die „Radsportler des Jahres“. rad-net.de, 20. Dezember 2013, abgerufen am 20. Dezember 2013.
  14. Sportler des Jahres: Ball des Thüringer Sports. In: ball-des-thueringer-sports.de. Abgerufen am 15. April 2016.
  15. Degenkolb und Vogel Radsportler des Jahres. In: radsport-news.com. 16. Dezember 2015, abgerufen am 16. Dezember 2015.
  16. Einträge ins Goldene Buch für Chemnitzer Bahnrad-Weltmeister. In: freiepresse.de. 7. Januar 2016, abgerufen am 10. März 2016.