Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg

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Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg
Baustelle Ende September 2021

Baustelle Ende September 2021

Daten
Ort Grünheide, Brandenburg, Deutschland
Bauherr Tesla Manufacturing Brandenburg SE
Baustil Fabrikgebäude
Baujahr ab 2020
Koordinaten 52° 24′ 0″ N, 13° 48′ 0″ OKoordinaten: 52° 24′ 0″ N, 13° 48′ 0″ O
Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg (Brandenburg)
Grünheide und Fangschleuse mit Werlsee, im Hintergrund das Baugelände

Die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg (auch Giga Berlin und Gigafactory 4) ist eine Großfabrik des Automobilherstellers Tesla im Ortsteil Freienbrink der märkischen Gemeinde Grünheide (Brandenburg), innerhalb des Berliner Agglomerationsraums. Es handelt sich um die größte Elektroauto-Fabrik in Deutschland und die erste des US-Herstellers Tesla in Europa.[1] Sie befindet sich 35 Kilometer südöstlich vom Zentrum Berlins.

Die Errichtungskosten lagen bei 1,065 Milliarden Euro. Baustart war im ersten Quartal 2020. Ursprünglich sollte die Produktion im Juli 2021 mit dem Tesla Model Y aufgenommen werden (1. Baustufe), später das Model 3 folgen.[2] Ende 2021 wurde bekanntgegeben, dass sich der Produktionsstart bis 2022 verzögert.[3] Am 22. März 2022 wurden die ersten in der Fabrik produzierten Fahrzeuge übergeben.[4]

2023 sollen 280.000 Fahrzeuge, 2025 dann mit bis zu 12.000 Beschäftigten im Dreischichtbetrieb etwa 500.000 Fahrzeuge pro Jahr produziert werden.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. November 2019 kündigte Elon Musk anlässlich der Verleihung des Goldenen Lenkrads den Bau einer Gigafactory in Deutschland an. Die Produktionsstätte für Elektrofahrzeuge und Batterien sollte in Grünheide in der Nähe des Flughafens Berlin Brandenburg errichtet werden. In Berlin selbst ist zudem ein Design- und Entwicklungszentrum geplant.[5] Bis zuletzt gehörte zudem ein Standort zwischen Weilerswist und Euskirchen zu den Favoriten.[6]

Laut Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach sollen durch die Investition in mehrfacher Milliardenhöhe „in der ersten Ausbaustufe über 3.000 Arbeitsplätze“ entstehen. Analog zur Tesla Gigafactory 3 in Shanghai schätze er in der Vollausbaustufe 7.000 bis 8.000 Arbeitsplätze.[7] Tesla hatte zunächst Kosten von 1,1 Milliarden Euro veranschlagt, was auch den in Aussicht gestellten Fördermitteln entsprach.[8]

Anfang Januar 2020 begann das Genehmigungsverfahren,[9] und der Brandenburger Landtag billigte den Kaufvertrag des Waldstücks.[10] Es wurde zu DDR-Zeiten vom Ministerium für Staatssicherheit genutzt, die dort in einer abgeriegelten geheimen Siedlung mit 500 Mitarbeitern Terroristen ausgebildet haben soll, Pakete aus Westdeutschland durchsuchte und den Besitz ausgereister DDR-Bürger einlagerte.[11] Der Kaufpreis für die 302 Hektar soll etwa 41 Millionen Euro betragen.[12] Die Bauarbeiten haben noch im selben Quartal begonnen.

Die Fertigstellung sollte ursprünglich im Juli 2021 erfolgen. Errichtet werden sollen Anlagen zur Fahrzeugteile-, Batterie- und Antriebsfertigung, zur Endmontage sowie zur Standortlogistik.[13]

Bei den öffentlichen Unterlagen handelt es sich um die erste Ausbaustufe (ein Teil der Parkplätze und das erste Gebäude). Es sollen noch 3 weitere Gebäude des gleichen Ausmaßes, zusätzliche Parkplätze und Nebenanlagen folgen.[14]

Das von Tesla erworbene Bauland liegt innerhalb des Geltungsbereichs eines qualifizierten Bebauungsplanes nach § 30 BauGB und ist als Industriegebiet gem. § 9 BauNVO ausgewiesen. Der Bebauungsplan Nr. 13 „Freienbrink-Nord“ der Gemeinde Grünheide, der bereits im Jahr 2000 als Satzung beschlossen wurde, war ursprünglich für die Ansiedelung einer neuen Produktionsstätte der BMW AG vorgesehen. Das Unternehmen entschied sich jedoch im Sommer 2000 für einen Standort im Bundesland Sachsen. Die Lage des Plangebietes nördlich des Güterverkehrszentrums Berlin Ost/Freienbrink verschafft Tesla aufgrund seiner Verkehrsanbindung und des vorhandenen Flächenpotenzials gute Standortbedingungen. Das Vorhandensein eines passenden rechtsverbindlichen Bebauungsplans verschafft Tesla zudem einen Zeitvorteil in der Projektierung.

Im Juli 2020 wurden veränderte Bauunterlagen veröffentlicht. Neben anderen Änderungen entfällt nun die Batterie- sowie Kunststofffertigung.[15]

Ende November 2020 wurde eine weitere Genehmigung für die Rodung von insgesamt 82,8 Hektar Wald ausgestellt. Tesla hatte bereits im August 2020 weitere Rodungen beantragt. Die beantragte Fläche wurde vom Antragsteller auf den derzeit unbedingt notwendigen Umfang gekürzt. Die Flächen werden für Rohrleitungen und als Lagerplätze benötigt.[16] Das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) erließ in einem Eilverfahren am 7. Dezember 2020 einen vorläufigen Stopp der Rodungsarbeiten. Die Brandenburger Landesverbände des NABU und der Grünen Liga hatten Klage gegen die Rodung eingereicht.[17] Dieser vorläufige Stopp der Rodungsarbeiten wurde am 10. Dezember 2020 durch das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) aufgehoben und der eingereichte Eilantrag abgelehnt.[18] Am gleichen Tag legten die beiden Umweltverbände Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gegen diese Entscheidung ein. Dort hatte der Antrag in zweiter Instanz nur teilweise Erfolg. Lediglich in schmalen Randbereichen dürfe der Forst nicht sofort gerodet werden. Für den Großteil der Fläche konnten die Naturschutzverbände nicht darlegen, dass es sich um Reptilienlebensräume handle.[19]

Anfang Dezember 2020 erhielt Tesla eine weitere Vorabgenehmigung für die Montage der Lackieranlage in dem Werk.[20]

Am 17. Juni 2021 hat Tesla neue Genehmigungsunterlagen eingereicht. Inhalt sind die bereits vorher beantragten Anlagen, ergänzt um eine Kunststofffertigung und eine Batteriezellproduktion einschließlich einer Batteriepackfertigung. Die Unterlagen lagen bis 19. Juli 2021 öffentlich aus.[21]

Am 4. März 2022 erteilte das Landesumweltamt die Genehmigung zum Betrieb der Anlage unter Auflagen. Die endgültige Betriebserlaubnis, nach Abarbeitung aller Auflagen, wird für Ende März angestrebt. Zu diesem Zeitpunkt soll die Serienfertigung mit aktuell 3000 Mitarbeitern anlaufen.[22]

Die Eröffnung erfolgte am 22. März 2022 im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz, Ministerpräsident Dietmar Woidke, Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (alle SPD), Umweltminister Axel Vogel und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (beide Bündnis 90/Die Grünen) durch Elon Musk. Erste Fahrzeuge des Model Y wurden übergeben.[23] Im Umfeld der Tesla-Fabrik kam es am Eröffnungstag zu Stör- und Protestaktionen durch Klimaaktivisten. Sie führten auf der nahe gelegenen Bundesautobahn 10 eine Abseilaktion von einer Schilderbrücke durch, was Verkehrsstörungen verursachte. Außerdem blockierten nach eigenen Angaben Angehörige der Gruppen Sand im Getriebe, Ende Gelände und Extinction Rebellion ein Werkstor der Fabrik. Einen Tag zuvor kam es zu einem Kabelbrand in der Nähe des S-Bahnhofs Berlin-Wuhlheide, der zu Störungen im Fern- und Regionalverkehr führte. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelte wegen einem mutmaßlich politisch motivierten Brandanschlag.[24] Laut einem anonymen Bekennerschreiben[25] hätten die Täter mit ihrer Sabotage die Anreise von 3000 pendelnden Beschäftigten und die publikumswirksame Kundenübergabe von Teslafahrzeugen bei der Eröffnungsveranstaltung beeinträchtigen wollen.[26] Die Batteriefabrik auf dem Gelände befand sich im März 2022 noch im Aufbau.[27]

Daten des Werks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südliche Zufahrt zum Baustellengelände der Tesla Gigafactory 4 (September 2020)

Mit Stand vom 2. Juli 2020 rechnete Tesla mit folgenden Daten:

Flächenplanung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesamtfläche (als Industriegebiet ausgewiesen): 3.038.620 m²
  • Rodung (1. Baustufe): 1.932.700 m²
    • überbaut: 729.000 m²
    • befestigte Verkehrsfläche: 301.000 m²

Geplante Anlagenteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem im Juni 2021 aktualisierten Plan werden folgende Anlagen genannt:[28]

  • Presswerk (Stamping, ST)
  • Gießerei (Casting, CA) (Schmelzkapazität von über 100.000 Tonnen pro Jahr)
  • Karosserierohbau (Body in White, BIW)
  • Lackiererei (Paintshop, PT)
  • Pulverbeschichtung (Powder Coat, P-Coat)
  • Kunststoff-Spritzguss und Lackiererei (Plastics, PL)
  • Sitzfertigung (Seat Assembly, SE)
  • Fertigung Antrieb (Drive Unit, DU)
  • Batteriezellfertigung (Cell Production, CP)
  • Batteriepack-Montage (Battery Pack Assembly, BP)
  • Endmontage (General Assembly, GA)

Die Produktionsgebäude sollen 15 Meter, Presswerk und Lackiererei 24 Meter hoch werden.

Der Hauptanlage direkt zugeordnet sind:

  • Ver- u. Entsorgungsanlage (Zentraler Recyclingbereich für Feststoffe (ZRB))
  • Energiezentrale (Central Utilities Building, CUB)
  • Tanklager (Tank Farm, TF)
  • Abfall- und Gefahrstofflager (Hazardous Substances, HZ)
  • Umspannanlage (SY)
  • Abwasserbehandlung (Waste Water Treatment, WWT)
  • Nebeneinrichtungen (u. a. Büros, Pförtnerhäuschen)
  • Betriebsfeuerwehr (Fire Brigade, FB)
  • Hochregallager
  • Logistik-Flächen.

Für die Verwaltung der Wassermengen durch die großen versiegelten Flächen kommen dazu:

  • Sickerbecken (SB)
  • Löschwasserrückhaltebecken (LRB)
  • Regenwasserrückhaltebecken (RB)

Energiebedarf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die zentrale Heizungsanlage sowie Produktionsschritte ist der Einsatz von 9.250 Normkubikmetern Erdgas pro Stunde geplant. Gemäß dem Heizwert von Erdgas entspricht das einer Leistung von über 70 Megawattthermisch. Es wird zusätzlich mit einem Strom-Leistungsbedarf von 72 MW gerechnet, der vollständig aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen werden soll.

Arbeitnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tesla stellt für die Gigafactory Berlin-Brandenburg mehrere tausend Arbeitskräfte für die Herstellung in Deutschland ein. Ab Ende 2021 sollte die Produktion von etwa 100.000 Autos jährlich im Dreischichtbetrieb an 24 Stunden pro Tag beginnen. Pro Schicht werden voraussichtlich mindestens 2.100 Beschäftigte eingesetzt werden. Insgesamt sollen nach unterschiedlichen Angaben von Tesla 10.500[29] bis 12.000,[2] perspektivisch sogar 40.000 Arbeitsplätze entstehen.[30] Der Chef der Arbeitsagentur in Frankfurt an der Oder, Jochem Freyer, berichtete im November 2020 dem Handelsblatt, Tesla wolle in der niedrigsten Lohngruppe ein Brutto-Monatsgehalt von 2.700 Euro zahlen. Gleichzeitig wolle der Konzern den Gehaltstarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie nicht übernehmen und nicht anwenden.[31]

Die IG Metall warf Tesla daraufhin vor, bewusst die europäische Rechtsform „Europäische Aktiengesellschaft“ (SE) zu nutzen. Da die Gesellschaft offensichtlich im Voraus in Düsseldorf ohne Mitbestimmungsstrukturen gegründet worden sei, bestehe nun auch zukünftig keine Möglichkeit, eine Beteiligung der Arbeitnehmerseite (Betriebsräte o. ä.) im Aufsichtsrat des Standorts Grünheide juristisch durchzusetzen. Die IG Metall fordert Tesla auf, die deutsche Mitbestimmung zu respektieren.[32] Dass der US-Konzern die Tarifbindung meiden will, sorgte in den Arbeitnehmerflügeln von CDU und SPD sowie in den Gewerkschaften für Unmut. Christian Bäumler von der CDA warf Tesla vor, die Sozialpartnerschaft in Deutschland zu beschädigen und bezog sich auch auf Amazon, das in Deutschland mehrere Logistikzentren betreibt, Tarifverträge aber grundsätzlich ablehnt.[31][33]

Ende Oktober 2020 entließ der Konzern seinen Werksleiter in Grünheide und rekrutierte im November 2020 den Daimler-Manager Rene Reif für den Posten. Reif hatte zuvor seit 2017 die beiden Daimler-Werke in Berlin und Hamburg geführt.[34] Die IG Metall war über Reifs Abgang verärgert und merkte an, dass man mit solchen „seelenlosen Managern“ keine Zukunft bauen könne.[34]

Am 23. November 2021 erklärte die IG Metall, bei Tesla in Grünheide hätten Beschäftigte den ersten Schritt zur Wahl eines Betriebsrats eingeleitet und zur Wahl eines Wahlvorstands eingeladen.[35] Die Wahl fand im Februar 2022 statt.[36]

Netz- und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Anbindung der Gigafactory erhielt E.DIS Netz als zuständiger Verteilnetzbetreiber den Auftrag zur Herstellung eines Anschlusses auf 110 kV Hochspannungsebene. Die Anschlussleistung soll etwa 109 Megawatt betragen.[37] Zur Versorgung mit Erdgas wurde die Gigafactory an den Verteilnetzbetreiber EWE NETZ angeschlossen.

Bahnhof Fangschleuse an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn

Der Flughafen Berlin Brandenburg liegt knapp 30 Kilometer von der Gigafactory entfernt. Der Berliner Ring grenzt mit der Abfahrt Freienbrink direkt westlich an das Firmengelände. Der Oder-Spree-Kanal liegt fünf Kilometer südlich. Gemäß den für die Umweltverträglichkeitsprüfung eingereichten Unterlagen rechnet Tesla mit täglich 460 LKW-Fahrten und bis zu sechs Güterzugspaaren sowie mit 2.800 PKW-Anfahrten je Schicht.[38] Dies bedingt eine gute straßenseitige Anbindung des Werkes, wobei am Nordwestrand des Werksgeländes sogar eine eigene Autobahnauffahrt geschaffen wurde.[39] Im Dezember 2020 wurden Teile des Bebauungsplans geändert. Der geänderte Bebauungsplan sieht unter anderem den Ausbau von Verkehrsverbindungen vor – etwa eine neue Anschlussstelle an die Autobahn A 10, eine neue Landesstraße als Querverbindung zwischen der A 10 und der Landesstraße 23, den Umbau eines Bahnübergangs sowie Park-und-Ride-Flächen.[40]

Für die Warenan- wie -ablieferung besteht die Möglichkeit, die bereits vorhandene Stichstrecke von der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn zum Güterverkehrszentrum Freienbrink zu nutzen. Die Strecke ist etwa drei Kilometer lang[41] und war im Eigentum der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE). Mitte Juni 2021 wurde bekannt, dass Tesla Kaufverhandlungen mit der DRE führte,[42] die Ende Januar 2022 zum Erfolg führten. Die DRE bleibt jedoch das Eisenbahninfrastrukturunternehmen. Tesla will darauf, bis zur Eröffnung des neuen, näher am Werk gelegenen Bahnhofs Fangschleuse, einen Shuttle-Service von Erkner zu einem neuen Haltepunkt am südlichen Werksgelände einrichten.[43][44]

Die Anbindung an den Schienenpersonennahverkehr ist schwierig, da die nächste Station Fangschleuse, an der der Regional-Express RE 1 Magdeburg–Berlin–Frankfurt (Oder) bereits halbstündlich hält, etwa drei Kilometer vom derzeitigen Tesla-Zugang entfernt liegt. Deswegen hat die Gemeinde Grünheide im Februar 2020 beschlossen, den Bahnhof Fangschleuse etwa eineinhalb Kilometer Richtung Westen, zum zukünftigen Haupttor hin zu verschieben und den vorhandenen Bahnübergang durch eine Über- oder Unterführung zu ersetzen.[45] Im Öffentlichen Personennahverkehr wurde im Dezember 2020 vom VBB eine neue Buslinie vom GVZ Freienbrink über eine neue Haltestelle Tesla zum Bahnhof Fangschleuse im Halbstundentakt eingerichtet.[46] Wichtige Zulieferteile sollen ab Juli 2021 über den Hafen Königs Wusterhausen in das Werk gelangen. Die Tesla-Container würden dann per Zug vom Hamburger Hafen nach Königs Wusterhausen gebracht, hier auf Lkw verladen und in das rund 18 Kilometer entfernte Tesla-Werk gefahren werden. Anfangs wird mit 10, später mit bis zu 100 Containern am Tag gerechnet.[47]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demonstration gegen die Fabrik am 22. Februar 2020 in Erkner.

Die deutsche Umweltschutzorganisation Rettet den Regenwald wehrte sich gegen das schnelle Verfahren zur Errichtung der Fabrik und forderte wegen des Flächenverbrauchs, das Werk auf bereits bestehenden Gewerbeflächen zu bauen.[48] Greenpeace-Vertreter bezeichnen Monokulturen wie die dort vorherrschende allerdings als Waldacker.[49] BUND erinnerte in seiner Stellungnahme[50] daran, dass Tesla in einem seit Jahren ausgewiesenen Industriegebiet seine Fabrik errichtet. Gegen die Bebauung des Geländes bildete sich eine Bürgerinitiative.[51] Auch die AfD entdeckte das Thema für sich.[52]

Die Ankündigung, einen rund 150 Hektar großen Kiefernforst für die Errichtung zu roden, führte zu wiederkehrenden Protesten in der Region.[53] Bereits vor Zusage des Baustarts sorgte Elon Musk für einen gewissen Ausgleich, indem er per Spende die Pflanzung von einer Million Bäumen unterstützte, der etwa vierfachen Anzahl der vermutlich zu fällenden Kiefern.[54] Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) stoppte die Rodungsarbeiten nur wenige Tage nach Beginn der Rodungsarbeiten nach einem Eilantrag der Umweltverbände Grüne Liga Brandenburg und Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern zunächst.[55] Das OVG wies die Beschwerde am 20. Februar 2020 dann zurück und die Rodungen konnten durchgeführt werden.[56] In Grunow in Ostbrandenburg werden 294 ha Wald als Ausgleichsfläche für die Gesamtrodefläche von 173 ha auf früheren Ackerflächen aufgeforstet.[57]

Kritisiert wird der zu erwartende Wasserverbrauch der sich in einem Wasserschutzgebiet befindenden Fabrik, der sich negativ auf das Grundwasser der Region auswirken und die Trinkwasserversorgung gefährden könnte. Daraufhin wurden Maßnahmen zur Reduzierung des prognostizierten Wasserverbrauchs von maximal 3,3 Millionen auf rund 1,4 Millionen Kubikmetern im Jahr, für die erste Ausbaustufe, ergriffen. Sollte später weiteres Wasser benötigt werden, so muss dieses durch eine Fernwasserleitung bereitgestellt werden.[58][59][60]

Nach Vorwürfen der Protestierer, nicht genug Mitsprache zu haben, eröffnete der Konzern ein Bürgerbüro in Grünheide als Anlaufstelle für Interessierte und Besorgte, das auch ein Forum für Debatten bietet.[61]

Mit dem Bau der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg wurde ein Teil der kulturhistorischen alten Poststraße Berlin–Frankfurt von 1711 beseitigt.[62][63][64]

2021 gab es Kritik an Tesla als intransparentem Unternehmen, insbesondere an Teslas Kommunikation mit Journalisten.[65] Journalisten des NDR kritisieren Tesla 2022 wegen der schlechten Pressearbeit des Unternehmens.[66]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tesla Gigafactory 4 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tesla-Werk in Brandenburg eröffnet. Abgerufen am 25. März 2022.
  2. a b c Details zur deutschen Gigafactory. Tesla will für Fabrik in Grünheide mehr Wald roden In: Manager-Magazin. 2. Juli 2020.
  3. Tesla in Grünheide: Produktionsstart verschiebt sich weiter. In: t3n.de. 21. Dezember 2021, abgerufen am 2. Januar 2022.
  4. Stefan Leichsenring: Tesla Grünheide: Die Gigafactory ist endlich eröffnet. In: insideevs.de. 19. März 2022, abgerufen am 15. April 2022.
  5. Anja Krüger: Tesla-Fabrik in Brandenburg: Silicon Valley kommt nach Grünheide. In: Die Tageszeitung. 13. November 2019, abgerufen am 14. November 2019.
  6. Tesla-Werk wird nicht im Kreis Euskirchen angesiedelt. wochenspiegellive.de, 13. November 2019; abgerufen am 24. Februar 2020.
  7. Hoffnung auf 8000 Jobs in Tesla-Fabrik bei Berlin. Berliner Morgenpost, 13. November 2019, abgerufen am 2. Dezember 2019 (dpa).
  8. In Grünheide sollen bald die Bänder anlaufen. In: automobilwoche.de. 11. Oktober 2021, abgerufen am 15. April 2022.
  9. Bekanntmachung des Landesamtes für Umwelt vom 2 Januar 2020: Errichtung und Betrieb einer Anlage für den Bau und die Montage von Elektrofahrzeugen mit einer Kapazität von jeweils 100.000 Stück oder mehr je Jahr am Standort 15537 Grünheide (Mark). Amtsblatt für Brandenburg, 31. Jahrgang, Nummer 1, Potsdam, den 3. Januar 2020 (PDF; 7,7 MB).
  10. Ismahan Alboga: Brandenburger Finanzausschuss billigt Kaufvertrag für Tesla. In: rbb24. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 9. Januar 2020, abgerufen am 10. Januar 2020.
  11. Achim Hippel: Geheimobjekt in Grünheide. Im Tesla-Wald schlummert Stasi-Vergangenheit. In: rbb24. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 3. März 2020, abgerufen am 18. August 2020.
  12. Fred Lambert: Tesla’s $45m deal to acquire land outside Berlin is approved, but not out of the woods yet. In: Electrek. 9. Januar 2020, abgerufen am 25. Januar 2020 (englisch).
  13. Tesla will in Brandenburg mehrere Elektroautomodelle fertigen. In: Berliner Zeitung. 4. Januar 2020, abgerufen am 18. August 2020.
  14. Fred Lambert: Tesla plans to build ‘future vehicles’ at Gigafactory 4 as new details emerge. In: Electrek. 6. Januar 2020, abgerufen am 25. Januar 2020 (englisch).
  15. Ina Matthes: Gigafactory: Neues Fabrik-Design von Tesla in Grünheide – Unterlagen ab Donnerstag online. 1. Juli 2020, abgerufen am 2. Juli 2020.
  16. Tesla darf für Fabrik in Grünheide mehr Wald roden. 30. November 2020, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  17. Gericht stoppt neue Rodungen durch Tesla in Grünheide. 8. Dezember 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020.
  18. Gericht schmettert Eilantrag ab – Tesla darf in Grünheide weiter roden. 10. Dezember 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020.
  19. Eilrechtsschutzantrag von Naturschutzverbänden gegen vorzeitig zugelassene Rodungsmaßnahmen auf Tesla-Gelände in zweiter Instanz teilweise erfolgreich 46/20. 18. Dezember 2020, abgerufen am 1. März 2021.
  20. Tesla darf Bau der Lackieranlage vorzeitig beginnen. 3. Dezember 2020, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  21. Zulassungsverfahren – Errichtung und Betrieb einer Anlage für den Bau und die Montage von Elektrofahrzeugen mit einer Kapazität von jeweils 100 000 Stück oder mehr je Jahr – Reg.-Nr.: G07819. 17. Juni 2021, abgerufen am 29. Juni 2021.
  22. Philip Barnstorf: Brandenburger Landesumweltamt genehmigt Tesla-Fabrik In: rbb24. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 4. März 2022, abgerufen am 4. März 2022.
  23. L. Heisterkamp, M. Krauß: Elon Musk drückt den Startknopf. In: rbb24. 22. März 2022, abgerufen am 22. März 2022.
  24. Autobahn wegen Abseilaktion gesperrt - Kabelbrand bei der Bahn, Der Tagesspiegel, 22. März 2022
  25. Anschlag auf Bahn, Tesla und zum Krieg, kontrapolis, 21. März 2022
  26. Sabotage vor Tesla-Start? Feuer am Gleis – Bahnverkehr in Berlin und Brandenburg mit Verspätungen kontrapolis, 21. März 2022
  27. Tim Neumann: Gigafactory: Tesla-Werk bei Berlin (Grünheide). In: autozeitung.de. 22. März 2022, abgerufen am 15. April 2022.
  28. Tesla – neuer Plan für Giga-Factory. 18. Juni 2021, abgerufen am 25. Februar 2022.
  29. Tesla plant offenbar mit bis zu 10.500 Beschäftigten für neue Fabrik. In: Zeit Online. 11. Juli 2020, abgerufen am 11. Juli 2020.
  30. Julia Löhr, Berlin: Elon Musk: „Bitte arbeiten Sie bei Tesla Giga Berlin“. In: FAZ.net. Abgerufen am 11. September 2020.
  31. a b Politiker sorgen sich wegen Tesla um deutsche Tarifstandards. Abgerufen am 18. November 2020.
  32. IG Metall befürchtet Aushebelung von Arbeitnehmerrechten. Abgerufen am 18. November 2020.
  33. Tesla Grohmann und IG Metall: Sie müssen an einen Tisch. Abgerufen am 18. November 2020.
  34. a b Tesla wirbt Chef von Mercedes ab – IG Metall wittert „Verrat“. 18. November 2020, abgerufen am 18. November 2020.
  35. Tesla-Beschäftigte in Grünheide wollen Betriebsratswahl einleiten. WiWo, 23. November 2021
  36. Redaktion IG Metall: Erste Betriebsratswahl bei Tesla – gelungene Premiere. Abgerufen am 6. März 2022.
  37. Philip Barnstorf: Tesla könnte so viel Strom verbrauchen wie Chemnitz. In: rbb24. 11. März 2020, abgerufen am 11. März 2020.
  38. Hans Leister, Zukunftswerkstatt Schienenverkehr: Tesla-Werk bei Berlin: Kaum Chancen für die Schiene. In: Eisenbahn-Revue International. Band 2020, Nr. 6, Juni 2020, ISSN 1421-2811, S. 310–311.
  39. Jörn Hasselmann: Der Schotter für Tesla kommt auf Schienen angerollt. In: Der Tagesspiegel. 17. April 2020, abgerufen am 8. Juni 2020.
  40. Gigafabrik Grünheide kann Autobahnanschluss bekommen. In: Golem.de. 17. Dezember 2020, abgerufen am 29. März 2021.
  41. Peter Neumann: Lange Güterzüge können direkt zum Tesla-Gelände fahren. In: Berliner Zeitung. 28. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  42. Andreas Fritsche: Autofirma Tesla will Bahnstrecke kaufen. Gespräche mit der Deutschen Regionaleisenbahn über Anschlussgleis zur Fabrik nach Grünheide. In: Neues Deutschland. 13. Juni 2021, abgerufen am 13. Juni 2021.
  43. Tesla kauft eigenes Gleis für Shuttle-Zug nach Grünheide. In: rbb24. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 27. Januar 2022, abgerufen am 27. Januar 2022.
  44. Phil Beng: Die Gigafabrik und der Bahnanschluss. Teslas Gleis ins Nirgendwo. In: Antenne Brandenburg. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 2. Februar 2022, abgerufen am 2. Februar 2022.
  45. Anke Beißer: Gigafactroy: Neue Straße für Tesla in Grünheide bei Berlin erwogen. In: Märkische Oderzeitung. 29. Februar 2020, abgerufen am 5. April 2020.
  46. Gerhard Lehrke: Anbindung für Tesla: Mehr Züge und eine neue Buslinie. In: Berliner Kurier. 4. Dezember 2020, abgerufen am 16. Februar 2021.
  47. Tesla könnte Hafen in Königs Wusterhausen neuen Schwung verleihen. rbb 24, 19. März 2021, abgerufen am 19. März 2021.
  48. https://www.regenwald.org/petitionen/1210/es-eilt-tesla-will-152-hektar-wald-roden?mtu=473585034&t=6187#letter
  49. AfD protestiert gegen Tesla-Fabrik in Grünheide. Abgerufen am 3. Juli 2020.
  50. Position des BUND zur geplanten Tesla-Gigafactory. Abgerufen am 3. Juli 2020 (deutsch).
  51. https://www.bi-gruenheide.de/
  52. Uwe Rada: Tesla und die AfD: Populisten in die Produktion. In: Die Tageszeitung: taz. 24. März 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 3. Juli 2020]).
  53. Jens Blankennagel: Tesla will 90 Hektar Kiefernforst abholzen. In: Berliner Zeitung. 10. Februar 2020, abgerufen am 24. Februar 2020.
  54. Jameson Dow: Tesla Gigafactory 4. In: Electrek. 29. Februar 2020, abgerufen am 25. Januar 2020 (englisch).
  55. Rodungsstopp für Teslas Gigafabrik bei Berlin – Umweltschützer machen Mobil. 17. Februar 2020, abgerufen am 17. Februar 2020.
  56. Tesla darf Wald für Autofabrik in Grünheide weiter roden. Berliner Morgenpost online, 20. Februar 2020.
  57. Uwe Rada: Ausgleich für die Tesla-Rodungen: Übers Wald werden, taz.de, 24. Januar 2022
  58. Dietmar Neuerer: Wasserknappheit behindert Teslas Pläne in Brandenburg. In Handelsblatt vom 16. März 2021.
  59. Neuer Streit um Tesla. Kein Wasser, keine Genehmigung? In: Frontal vom 11. Januar 2022.
  60. Christoph Richter: Teslas „Gigafactory“ im brandenburgischen Wasserschutzgebiet. Was hinter dem Streit um Elon Musks E-Auto-Fabrik steckt. In: Deutschlandfunk vom 28. Oktober 2021.
  61. Brandenburg: Tesla eröffnet Bürgerbüro. In: Spiegel Online. 15. Januar 2020, abgerufen am 25. Januar 2020.
  62. Alte Poststraße Tesla Gigafactory 4. In: Fotowiesel.de. 2018, abgerufen am 7. März 2022.
  63. Erkner Alte Poststraße Infotafel. In: Fotowiesel.de. 2021, abgerufen am 7. März 2022.
  64. Erkner Alte Poststraße (Gerhart Hauptmann Orte). In: Fotowiesel.de. 2018, abgerufen am 7. März 2022.
  65. Tesla-Kommunikation Darum kritisiert Elon Musk das ZDF. In: Deutschlandfunk vom 25. März 2021.
  66. Tesla und Elon Musk: Keine Antwort auf kritische Fragen. In: Zapp vom 19. Januar 2022, abgerufen am 14. Januar 2022.